Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2154 (18.2.1925)
- Date
- 1925-02-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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'JrWrlfiP fVl m .'JU Nr. 8154_ Dnn, Mittwoch Las «Ullersdorf« Panama. Die geheimnisvolle Fvau NStzl. f m Budgetausschuß hielt es gestern Minister Doktor rff für notwendig, die merkwürdige Nolle aufzu- Kä«n. die eine Frau NStzl in der Wöllvrkdorfer Affäre gestielt hat. Es war behauptet worden, daß sie die erste Audienz derSklarz-GruPPe Lei Dr. Schürff vermittelt hake und dakür mehrere Millionen erhalten hatte. Rach der Darstellung Schürffs scheint diese Nötzl eine seiner Parteigenossinnen zu sein, denn er kennt st« aus politischen Versammlungen in Purkersdorf und Preßbaum. Sie lauerte i-hm, wie er erzählte, im April 1923 vor dem BudFetsaal auf und ersuchte ihn, dem Kommerzienrat P o ch w a d t eine Unterredung zu gewähren, weil er ein Offert für Wollersdorf vorlegen wolle. Auf näheres Befragen gab die NStzl dann zu. daß ihr eine Stelle in Wollersdorf für den Fall versprochen worden sei, daß diese Anliegenheit in günstigem Sänne erledigt werden sollte. Dr. Schürff ließ dann dem Pvchwadt durch die Nötzl saaen, er und seine Herren Minen sich demnächst inS Ministerium beheben und dort nähere Mitteilungen Wer das Offert -machen. Die Sozialdemokraten begnügten sich mit dieser Mitteilung des Ministers und Vizekanzler Dr. WaLer teilte schließlich mit, daß er behufs Beschleunigung der Untersuchungen a la Wölkersdorf und Castiglioni eine Vorlage im Nationalrat einbrinaeu werde, nach der die Voruntersuchungen und die Strafuntersuchung in einer Hand vereinigt werden. Raum terma. Mit der Wöllersdorser Affäre beschäftigte sich auch eine Anfrage im nie-derö'terveichlschen Landtag, in der ausgeführt wird, daß nach den Erhebungen des Bauamtes Wiener-Neustadt in den Wöllersdorser Werken seit März, beziehungsweise Mar 1924 eine u m fang reiche Demolierungstätigkeit entfaltet wird. Zehn Objekte, Holzbaracken mit Betonfundamenten, sind bereits demoliert und seit etwa vierzehn Tagen ist die Demolierung einer ganzen Anzahl werterer Objekte im Zuge. Alle diese Objekte waren Eigentum des Bundes und von der Wöllersdorser Werke A.-G. gepachtet. Mit Zustimmung des Bundes sollen nun diese Objekte arr die genannte Baugesellschaft zum Abbruch verkauft worden sein. Durch das Einschreiten des Bürgermeisters von Wiener- Neustadt wurde nun/da keine baubehördliche Genehm:- gung der Demolierungen vorlag, die weitere Zerstörung von Objekten, welche für die Entwicklung der Industrie von Wichtigkeit sind, verhindert. Me Million Wchtrqrbetter. Fm Budgetausschuß wurde gestern die Beratung des Kapitels ,-Soziale Verwaltu.ng" des Bundesvoranschlages begonnen. Der Berichterstatter Steinegger bezifferte die Zahl jener Menschen in Oesterreich, die als Arbeitslose oder sonstige Nichtsarbciter nicht produktiv tätig sind, mit ungefähr einer Million. Abgeordneter Dr. Ellenbogen verlangte, daß endlich die Schuldigen für die Vorgänge in: Badner Kinderheim zur Verantwortung gezogen werden, wo infotze der Verabreichung von Diphtherieserum sechs Kinder gestorben sind.- In Besprechung der Affäre des Professors Meller meinte er. der eigentliche Grund, warum die Kliniken nicht mehr den Zustrom haben wie früher, sei darin zu suchen, daß der Zuzug von Leuten a-u s dem O st e n eingeschränkt ist. Der Minister ftir soziale Verwaltung, Dr. R e s ch,. lenkte die Aufmerksasukett des AuSfchuWs auf die große Zahl von Arbeitslosen. Von rund einer Million Versicherten Mutzen gegenwärtig etwa 190.000 im Genuß der Unterstützung, 30.000 Arbeitslose feien bereits ausgesteuert. Aus diesen Ziffern könne man erkennen, welcher K at a st r o p h e wir entyegengehen» wenn es uns nicht gelingt, einen Wban der Arbeitslosigkeit herbeizuführen. Die Behauptung, die große Zahl der Arbeitslosen sei auf die Uebersteuerung und di« großen sozialpolitischen Lasten zurückzufü'hren, müsse bestritten werden, Oesterreich sei in Wirklichkeit sozialpolitisch nicht stärker belastet, als das Ausland. Der Minister kündigte an, daß er die Sozialversicherung im März den Kammern zur Begutachtung übergeben und schon demnächst im Nationalrat ein Gesetz über die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten einbringen werde. Oesterreichische vom 8. bis 20. März 1925 ★ Die österreichischen Eingänge des Keren Hajessod (Palästina-Aufbaufonds) müssen im Kalenderjahre 1925 vervierfacht werden Konferenz der Mitarbeiter Donnerstag den 19. Februar im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I. Seitenstettengasse, präzise 8 Uhr abends Tagesordnung: 1. Die Erfordernisse des Palästina-Aufbaues. Referent: Herr Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes 2. Zweck und Organisation der diesjährigen Keren-Hajessod-Aktion. Referent: Herr Dr. N. M. Gelber 3. Die Erfahrungen des vorjährigen Keren- Hajessod-Drives. Referent: Herr Bezirksrat Moritz Kohn / 4. Generaldebatte Es ergingen besondere Einladungen Erscheinen ist Pflicht I 18. Februar 1988 $4te ft .-....-...n ■ < Sie Sorgen der RrederSsternlchWru Ink» taget. LandeShauPttnann Dr. Bure sch beanWorte» gestern im niederösterreichischen Landtag di« seknertzeiOgr Anfrage der großdeutschen Abgeordneten Dr. MittE»» mann und Genossen betreffend das unbefugt« Oe» treten des österreichischen Bodens »atdj Oftiüben und erklärte, daß diese leider durch die m» günstige Grenze unseres Landes gegen Osten begünstigt werde. Eine Repatriierung dieser Leute sei «eist nicht möglich, weil ihre Nebernahme seitens der anderen Staaten verweigert wird. Es sei daher nur im Wege eines verstärkten Grenzschutzes, den er auch an« geordnet habe, eine allerdings nicht vollständige Abhilfe gegeben, da auch dieser Grenzschutz nicht alle Uebertntt» verhindern kann. Re Rektoren find gelrüvlt. Eine Resolution bet Rektoeenkonfevenz. Die Korrespondenz Wilhem versendet die fotzende Mitteilung: Die <Ml 9. d. in Wien tagende Konferenz der Rektor«« aller österreichischen Hochschulen faßte folgenden einfthn« migen Beschluß: ,I>ie Rektoren der österreichischen Hochschulen erheben Einspruch gegen die in der jüngstverflossenen Zeit aus Anlaß der Debatte eines parlamentarischen Ausschusses gegen die Hochschulen und deren Lchrex gefallenen Beschimpfungen. Jede Hochschule wird sich ohne weiteres der zuständigen Kritik von Parlament und OeffentlichVeit zurr Verfügung stellen. Doch muß es ab gelehnt werden, daß bei solcher Gelegenheit Männer der Wissenschaft sowie Einrichtungen der Forschung und Lehre, die seit jeher in der ganzen gebildeten Welt ein wohlbegründctes Ansehen und hohe Wertschätzung <£- nießeir, Schmähungen ansgesetzt sind. Die Rektoren sind um so mehr veranlaßt, gegen die Herabsetzung der höchsten staatlichen Einrichtungen für Unterricht und Forschung Stellung zu nehmen, als die zum Ausgangspunkt jener Angriffe verwendVten Informationen zum größten Teil unvollständig, unrichtig und einfertig sind." Dieser Beschluß ist höchst Mteressaut. Die Rektoren, die an den Anschlagstafeln der Nationalsozialisten in den Räumen der Hochschulen die ärgsten antisiemitifchen Fvechiheiten jahrelang geduldet haben, weisen die im Budgetaüsschuß geübte Kritik zurück. Dabei aber vergessen sie, anzu geben, was m dieser KriM und in den Besprechungen der Pveffe mrrichttz und einstig davgestellt war. Bestehr der Numerus clausus an der Dechmk oder nicht? Besteht die Einteilung in eine prvilogverte dsutschvMische Studenten Nation und nichtdeutsche He-lotemvatimten? Ja oder Nein^ Me Rechtrschutzkonvention mit Mmllme». Bukarest, 17. Februar. (Orient-Radio.) Minister des Aeußern Du ca und der österreichische Gesandte Kn obloch haben heute die zwischen Oesterreich und Runränicu abgeschlossene K o n v e n t i o n über den Rechtsschutz und die gegenseitige Hrlfoleistuing der Gerichtsbehörden unterzeichnet. / Der Fall Beregi. Bon Jakob Krausz. Bor kurzem gab es in diesem Matt einen Weinen Fall Beregi, den ich aufrichtig bedauerte. Uebevempfin'dllchkelt eines .Zuhörers hatte dessen Urteil über den jüdischen Künstler als Akenschen und Inden getrübt, den Künstler gekränkt und überdies den Assi mÄantenblättern hüben und drüben die wohlfeile Gelegenheit gegeben» über die „Zionisten" herzufallen, wobei auch ich persönlich einige sanfte Hiebe abbekam. Ich kenne Oskar Beregi seit etwa zwei Jahrzehnten und wollte mich nrit ihm über den Zwischenfall Persönlich auSeinandersetzen. Da erfuhr ich, daß Oskar Beregi über Einladung des ungar'scher: LandeSschauspielerverbandes zur Abhaltung eines Bortvagsabeiids im Re-, doutensaal nach Budapest gefahren fei. Diase Mitteilung hat mich — ich gestehe es offen —. ^bestürzt. Dieser Fall Beregi hat mich als Kulturmen-- fchen, als Demokraten und Juden, der für die Freiheit und die Rechte seines Volkes kämpft, peinlich berührt. Noch ehe der Skandal in Budapest ausbrach, prophezeite ich — ich bilde mir darauf nichts ein — einem gemeinsamen Freunde dort B:regi und mir, daß Beregis Rückkehr nbch Budapest raffenschützilerifche Ausschveittlngen zur Folge haben werde, hie er kaum würde verantworten können. Aber selbst das Wnnte ich ihm verzeihen. In Urvgavi: ist das Leben ttitb die Gesundheit der Ju'den auch ohne die Anwesenheit B.regis ständig gefährdet und den jüdischen Divnstnmnn Josef B u ch s b a u m, den die Mordbuben der Erwachenden Uw garn in der Klausatzasse so verprügelten, daß er blutüberströmt imd bewußtlos auf dem Boden liegen blieb, hätte sein Schicksal auch aus einem noch nichtigerer: Anlaß ereilen können. Unverzeihlich, ein Verbrechen gegen seine Selbstachtung, gegen das jüdische SMstibewußtseiu, auf das er so gern« pocht, ist es, daß Beregi sich so Mit erniedrigt hat, in das Land zurückzugchen, aus den: er vertrieben wurde, weil er Jude M. und kr welchem, trotz aller offizvellen Ableuguungen, noch immer diejonigen herrschen, die Beveg: vor vier Jahren aus der Stätte seines Künstlerischen Ruhmes mit Brachialgewalt, mit Schande und Spott verjagt haben. Bevegi hat denselben Fehler begangen, den viÄe magyarische Juden, die zu emigrieren gezwungen waren, begingen und dann mit dem Verlust des Ehrgefühls gebüßt haben. Warum hat Bevegi nicht vom Beispiel Jakob Weltners gelernt? Meltner, einer der soFialldemokvatischen Führer und Chefredakteur der „Rep^zava", der vier Jahve als Emigvanit in Wien lebte, hat wie Beregi den Lockungen aus Ungarn und den Versprechungen der Regierung, daß er unbehelligt bleiben würde, Glauben geschenkt und ist vor einigen Monaten nach Budapest zurückgekehrt. Einige Tage nach seiner Rückkehr wurde gegen ihn die Anklage wegen feines Verhaltens wahrend der Komnmne erhoben, wofür ihn: jetzt fünf Jahve Znchtha-uö blühen, die er auch sicher hätte abfitzen müsien, wenn «S ihm nicht gelunger: wäre, sich wieder nach Men herüber zu schmuggeln. Hier wird jetzt Weltner von den Emtzvcmten boykottiert. Oskar Bevegi wurde — so sehr ich eS bedauve — in Budapest mit Recht dafür bestraft, daß or seinen alten rngarischen ChauviniÄnus höhrr stellte als die Ehre und das Ansehen des geschmähten Judentums. Bevegi war offenbar stolz darauf, daß er auf der Fahrt :vach Brldapest von dem im selben Zuge fahrenden Mimsterpräsideuten Bethlen empftingen und damit ausgezeichnet wurde, den unehvlichsten Politiker der Jetztzeit drei Viertelstunden zu amüsieren. Wamm hat dieser hohe Görrner ihr: nicht vor dem Terror der Erwachenden geschützt? Weil er nicht wollte rtnd auch nicht konnte. Weil Ungar» auch heute noch das Land des Terrors ist, weil das höchste Amt m Ungarn in den Händen eincs Horthy liegt, welcher der moralische Gefangene der Erlvacherrden ist, dvoser Mitwisser aller Lumpereien des Reichsverwosers von der Mövderbanden Gnaden. Und so lange diese Zustände anhalitenj, so lange dve Judenmörder straffrei sich im Lande mästen, durfte -weder Beregi nach Ungarn zuvückgehen noch darf ein jüdischer Emigrant von Namen und Ehrgefühl in dieses Schaivtland zurückkehvm. _ Adolf UBmonn als Fude. Der vor einigen Tagen verstorbene Präsident der ungarischen Kreditanstalt, Baron Adolf Ullmann, hat Zeit feines Lebens auch am politischen und kulturellen Leben der ungarischen Juden regen Anteil genommen. Abgeordneter Dr. Wilhelm Bazsonyi erzählt eine sehr chavaktevistifche Episode, die sich vor anderthalb Jahren im Empfangsizimmer des Ministerpräsidenten Grafen Stephan Bethlen abge^fpielt hat. Bazsonyi führte damals eine Abordnung der Budapester Kultusgenniu-de zmn Ministerpräsidenten in Audienz, um wegen der in schrecklicher Weife überhandnohmenden Ausweisungen von Juden aus Ungarn Vovstelltz zu werden. Dieser Deputation hatte sich auch Baron Adolf Ullmann angeschlofsen. Bazjsonyi trug dom Mnifter-' Präsidenten die schwerwiegenden Beschwerden vor, bat um dringende Abstellung und wies auf die unmögliche Situation hin, daß jüdische Bürger, die seit zwanztz und dreißig Jcchren in Ungarn leben, Steuer zahlen und ihrer MA'itärdienstpsticht genügen, aus dem Lande a^sgewiefen 4verdeu. Unmittelbar nach seiner Rede trat Ullmann vor und erklärte dem nicht wentz überraschten Minifterprüsidonten: ,Jch identifiziere mich in allem mit den Erklämngrn Vazfonyis und seinen Wünschen. Ich als Geno-' vaildirektor der Kreditanstalt kann Eurer Exzellenz Mitteilen, daß wir von unseren Jndustrieuntevwehmnngen mt* ansgesetzt Meldungen erhalten, daß seit Jahrzehnten i« Lande wohnhafte Beanrte und Arboiter nur deshalb, weil! s i e I u d e n sind, ausgewiesen werden. Dieser Zustand ist unerträglich. Gegen diesen Zustand verwahre ich «M. Sollte» dveje WMijWM ft M