Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2153 (17.2.1925)
- Date
- 1925-02-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Wie», DWttsg CTlenet MoeaenHertttaa. 17. Februar IS» Kr. UW « TT I Das billige Brot. 9fc PrrIser«SbIs«ag nnfi Ihre lezrlladitnz. fine Wieittt Konferenz über da§ I rnmSnifche Kriegsgelv. vettka, 16. Februar. M.-ökvmch.) In -er hmHgen Sitzung des Wirtschaftsausschuffes des Reichstages kam Außenminister Dr. Stresemann auf die von dem rumänischen Finamzminister Bratianu ln seiner Rede in -er Dukavestrr Kammer angedrohten Repressalie« gegen Deutschland $u sprechen, iocmt Deutühland seine Verpflichtungen aus dem Versa lllcr bezügUch -er Lieferung von Dreh, Eisew bahntvager^ rchv. nicht mr Gänze erfüllen wurde. Wie Dr. Strestnralrir mitteiüe, schweben über -He Forderungen .llmnäniens, dü von deutscher Seite für übertrieben gehalten werden, Verhandlung«^ in denen sich in den letzten Wochen ein gewisse Annahenny vollzogen habe. Ueber die Liquidienmg des Bukarester Frieden soll, wie StresenraNn mittellte, in W i e n e i n e Konferenz zwischen Rumänien emerstitS, Deutschland, Oesterreich und Ungarn andererseits stattfinde«. Der wichtigste in Wien zu erledigende Frogeicköm-Plex betreffe di« Deckung der Ganea Generala-Noten, di« wahrend der Besetzung Rumäniens durch deutsche und österreichische Truppen auSgegeben «wurden. Zuspitzung des wirtschaftlichen Verhältnisses zwischen Deutschland und Rumänien. Bern«, 16. Februar. Ein Berliner Blatt berichtet: Die schon seit einiger Zelt sehr gespannte» tvirtschastliche» Beziehungen -wische« Deutschland und Rumänien haben eine starke Zuspitzung erfahren. Di« rumänische Regierung hat, um «insu Druck auf Deutschland au^uüben, deutsches Eigentum in Rvmauien mit Beschlag belegt. Man muh damit rechnen, daß die Deutschen Bergeltnngsn nahmen ergreifen werden. Reichsantzenminister Dr. Stresemann hat seine Ausführungen in der NachmittagSsitzung des auswärtigen Ausschuffes des Reichstages wegen dieser Vorgänge plötzlich abgebrochen. Balfoor Kr einen «enen Skcherheikplau. Gegen das Genfer Protokoll. London, 16. Februar. (Reuter.) Nach einer Meldung der „Daily Mail" habe B a l f o u r ein Memorandum ausgearbeitet, worin er die Ratifizierung des Genfer P r o t o k o l l e § in seiner gegenwärtigen Form für u nmöglich erklärt und ein Schema für ein allgemeines Abkommen vorschlägt, das den europäischen Frieden garantieren und einer Annäherung zwischen Rußland und Deutschland zuvorkommen würde. Das Memorandum bezeichnet es als wichtig, daß D e u t s ch l a n d an dem Sicherheitsplan m i t w i r k e, anstatt seine Kräfte mit denen Rußlands zu verbinden. Sin deutscher „Freistaat". Danzig, 16. Februar. (I. T. A.) In der Sitzung des Danziger Parlaments vom 11. d. wurde der Gesetzentwurf wegen Einschränkung der Möglichkeit des Erwerbes der Staatsbürgerschaft durch Ausländer mit einer Mehrheit von drei Stimmen in zweiter Lesung a ngenommen. «bgeordnetenimmnnM l« Ungarn. Das Urteil gegen Ruppert bestätigt. Budapest, 16. Februar. (U. T. K. B.) Die Königliche Lasel hat das Revisionsgesuch des Abgeordneten Ruppert, der, wie berichtet, wegen „ungebührlichen Benehmens vor dem Gerichte" zu einer Gefängnisstrafe von acht Tagen verurteilt wurde, abgcwiesen und das Urteil b c ft ä t i g t. Abgeordneter Ruppert wird daher, sobald seine Immunität von der Nationalversammlung aufgehoben sein wird, die Strafe zu verbüßen haben. Reue Kommnnlllenttawalle in Prag. Prag, 16. Februar. Wie die Blätter melden, kam es Conütag auf dem Wenzelsplatz ln Prag zu den in den letzten Tagen bei der kommuni ft ischenPresse angekündigten Kundgebungen. Nach 9 Uhr vormittags waren auf dem Platze so viele Menschen angesammelt, daß die Wache gezwungen war, das Publikum aufzufordern, keine Zusammenrottungen zu bilden und die Rampe des Museums zu räumen. Nach 10 Uhr kam es auf dem Wenzclsplatz, ehe noch die Polizeiwache die Leute zum Auseinandergehen auffordern konnte, zu einer Ansammlung. Unter Absingung der Internationale zogen die Versammelten, durch Anschluß von Neugierigen verstärkt, vorn Wenzelsplatz schließlich ab. Es waren größtenteils junge Leute, die sangen und schrien. Auch an anderen Stellen der Stadt bildeten sich Ansammlungen, wobei Reden gehalten wurden, doch gingen die Demonstranten über Aufforderung der Polizei auseinander, ohne daß die Wache von der Waffe Gebrauch machen mußte. Nur in der Nähe des Museurrrö war die Wache gewringen, gegen einige halbwüchsige E x z e d e nk e n mit dem Gummiknüttel vorzugehen. Eine Anzahl von Personen wurde den Behörden überstellt. kommunistische Messerstecher in Berlin. Berlin, 16. Februar. Die Berliner Kommun i st e n veranstalteten gestern in Potsdam und in Nowa- Die Wir bereits gestern gemMet haben, wurde der Preis des Hammerbrotes dem des AvLerbvotes angeglichen. Nunmehr haben auch die Kronenbrotwerke mstgetvitt, daß von heute ab der Pveis ihres Brotes 7506 K. beträgt. Die Brotfabriken tun fetzt sehr böse gegen einander und die Begründungen für die Herabfetzuny des BrotprvffeS, dessen Erhöhung man noch vor wenigen Tagen bei der Regierung du rchy»,drücken bemüht war, sprechen vorn „Druck der Konkurrenz", „PrvduiktionS- «HSHung" bei der AnkerbrotsiBrit und dergleichen. Wenn eS tatsächlich richtig wäre, daß ei« Unternehmer jb trrfiimtjg ist, eine Produktion, die ihn: ständig Verlust bringt, von Tüg zu Tag zu erhöhen, st» müßte dieser Unternehmer eigentlich eine Art WohffahrtslM'ternehmu'yg, nicht eil« aus Gewinn berechnete Fabrikation führen. ES wird also doch mit den riesigen DeÄustm.boi der Erstellung des Preises auf 7600 K. nicht jo schlimm fein. Ist es aber möglich, daß ein Unternehmen emen Bvotpvöis von 7500 K. erstellen kann und müssen die rmdewn Unternehmungen das gleiche tun, dann brmr^ nwnt doch nicht immer wieder die Begründung, daß man die A«usvechterhaltung des angeblich st» vevlu'stroichen Betriebes nur deshalb vornehm«, damit nicht die Arbeiter brotlos werden. Mit diesen pathetischen Rufen, welche st-iakeS Empfinden markieren, wird, wie so oft, der Versuch gemacht, der Bevölkerung irgend eine fatale Sache vinznreden. Diesmal handelkt es sich um die <ben für die Brotfabriken fatale Tatsache, daß die Devölkorimg trotz der gegentvvligen Versicherungen dennoch billigeres Brot zu essen bekommt. DaS Fatale aber, das — st» «fürchten wir — für die BevAlkenmg nackkommen wird, ist der Umstand, daß zum Schluß doch die Verbraucher jenen Ausgleich werden zahlen muffen, den die Broterzeuger mit der Regierung zu treffen sich bemühen und für den sie «bei der Regierung so gern geneigtes Ohr finden. Die Begründung für diesen Ausgleich, den die Konsumenten werden bezahlen muffen, wird dann «wahrscheinlich wieder die Sorge nm die Arbeiterschaft sein, die brotlos werden könnte — weshaG es voyzuziehen sei, ihr und den anderen Teilen der Bevölkerung das Brot zu verteuern. Auch die Bäcker setzen die Preise hernb. Der Verband der Brotfalbvikeu und der Klub der Schwargbäcker teilen uns müt: .Die Verhandlungen mit der Regierung wegen Festsetzung von Richllsmen «für den Brot-pvois, bcqw. Weyen Fristsetzung eines KMulationÄschemas haben bisher kerne positiven Ergebnisse gegeitigt. Di« bqchpliche Mion wird nunmehr sehr energisch fortgesetzt. Allem die bewes Demonstrationsumzüge und Versammlungen unter freiem Himmel. In NowaweS kam es zu ernsten Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und der Polizei, wobei ein O b e r w a ch t m e i st e r der Schutzpolizei durch mehrere Knüppelhiebe schwerverletzt wurde und zwei Polizeibeamte erhebliche Stich- Verletzungen erlitten. 88.773 Arbeitslose in Men. In Wien sind la-ui amMcher Feststellung gegenitvärtig 90.773 Arb e i tslo se zur Vermittlung vorgemerkt, davon sind 29.605 weiblichen Geschlechtes. In Unterstützung sind von dieifer Zahl 79.V73, darunter 25.262 werblichen Geschlechtes. Die Zunahme gegenüber dem 31. Jänner an Arbeitslosen beträgt insgesamt 1060, davon stttt» 724 Frauen. Gegenüber dem Vorjahre (Zählung am 9. Februar) ist eine Steigerung der Zahl der ArbeMvlfen um insgesamt 25.768 zu verzeichnen, davon 7636 Fnmen. Gin Rückgang der ArbeitÄlvsigsseiit ist nur mrter den Bauarboiitern zu verzeichnen, wo di« Abnahme 1096 beträgt. Für den Landbezirk sind die Ziffern noch nicht endgWig ststgeftellt, doch ist dort die Zahl der ArbettSlofen überall gestiegen. Me Hotelrazzke«. Der Budgetausfchuß beendete gestern die Spezialdebatte über das Kapitel „Innere 8" des Bundesvoranschlages. Nach Erörterung der Wöllersdorfer Affäre, worüber wir an der Spitze des Blattes berichten, brachte Abgeordneter Leu Ihn er das dankbare Thema der Hotelrazzien zur Sprache, wobei er seine Angriffe hauptsächlich gegen den Chef des Sittenamtes, Doktor Weinberger, richtete. Er bezeichnete die Tätigkeit des Sittenamtes als den größten gesellschaftlichen Skandal, den wir in Wien haben. Den: Amte fehle jede richtige Vorstellung über den Umfang seines PslichtenkreiseS. Herr Weinberger sucht seine Tätigkeit damit zu verteidigen, daß er wichtige gesellschaftliche Jntereffen zu schützen, namentlich über die Gesundheit der Bevölkerung zu wachen habe. Es ist hier schon wiederholt festgestellt worden, daß Herrn Weinberger und sein Amt die Gesundheit der Bevölkerung nichts angeht. Es sei lächerlich, zu behaupten, daß durch das Sittenamt die Welle der Geschlechtskrankheiten allmählich verebbe. Das Sittenamt zerstört durch sein brutales, rücksichtsloses Eingreifen die Ehre zahlreicher Menschen, es zerstört das Familienleben, stiftet.durch seine Willkür viel Unheil, aber es wird kein Vernüufliger behaupten können, daß es irgendwie imstande wäre, die Gesundheit zu überwachen, tveil ihm doch nur ein kleiner Prozentsatz der Kranken erreichbar ist. Der Rückgang der Gezüglichen Besprechungen haben ergeben, daß dl« Feflisttzmvg von RichMnien durch di« Regiemno noch einig« Zen « Anfpmch wchmon wird. In der Zwischenzeit hat die Ankerbrotfabrik, welche unter den bekannten Umständen dm Breis <jwf 7ÖO0 K. hervt-ehen mußte, den Umfang Hrer VroterMlgung vergrößert, um auch Ihre Stockkonfunwnten zu befriedigen. Die Wr'gen Brotfabriken llchen nun Gefahr, auf diese Weife ihren ganzon Kundenftock zu verlieren mck» auf einmal zugrunde zu gehen, zumal eS fraoillch «rfchcheu, ob nach Festfetzung der Richllln-ien sich die älwn Kunden wieder einfachen werden. Der Verband der Brotjabriken und der Kkch der Schwarzbäcker haben sich angesichts dieser Sachlage entfchlosien, mtt dem BrotpreiS ebenfalls anf 7500 K. hsrabzugehen, um einerseits den Kundenstock zu erhalten. anderevsertS, weL sie dvnnoch cmnahmen. daß die Regierung chrem berechtigt«» Verlangen nach Erstellung von RichtpreSsen. wie es daS PreiStreibereigäseh vorfchrekbt, in der allerSürzeften Zeit Nachkommen wird, denn durch den DrotPreiS von 7500 St, welcher Mbestrittenermast'n lbei einem Roggenpreis von uahvm 8000 K.) ein BerluftpreiS ist. zehren die BrotfabrÄen ihr Kapital ach und müßten diefckben in obifeWarer Zeit mt 8instellung ihrer Betrieb« infolge Vermögen Saufzvhrnng kommen. Wenn sie nun den BrotprviS heravletzen, ziehen sie den langsame« U n t e rgan g einem schortiENj durch Verlnft des aefamtM KimdenstockeS vor, dies in der AnhoGvung, daß sie nur einige Tage gezwungen werde»», zu DerlustpreifLn zu arbeiten." WevterS heißt es in der lejirnSwerion Mitteilmvg: „Würde die eiwgeleitete Mitron wegen Erstellung von MchKlnien nicht zu einem baldigen Erfolg führen, dann fft eben die Zertrümmerung eines ImduftrlezweigeS und die HerbeiMrung der Monopolstellung der kapitalSkräftiigen Fabrik in greiijibar« Nahe gerückt, wobei noch der Uebergang dieser Fabrik in ««uSländischen Besitz zu b^ürchten ist." Zu diesem 'letzten Passus ist -u bemeckon, daß, wie wir ibeveits vor einigen Tage gemeldet ha'ben, eitte der Fabriken,wÄche dieses Communique mit dem Soß-Rulfen gegm das Ausland schließen, uamliich die Ha mm« rbrotwerke, 'bereits zu einem Drittel in den Besitz eines ««ngar-ischeu Kousortmms übergegaugen find. . Das billige Bvot in Graz. Graz, 16. Februar. Die Grazer Bäcker habcu pen Preis für ein Kilogramm Brot von 6700 auf 7200 K. erhöht. Die staaKiche Prvisprüstmgsistelle hat ermittelt, daß der Preis um IVO K. zu h o ch ist umd hat aus diofsm Grunde gegen die PveiserhShmrg Emljpvuch ev^iben. Die sinkenden Getrebdeprekse in Amerika. New-Aock, 16. Februar. Auf den amerikanischen Getrerdomärkteu herrschte hvU'tv in allen Artikeln eine f l an« Haltung vor. schlechtskrankheiten ist auf die Tätigkeit der Aerzte, der Spitäler und der Sanitätsorganisation zurückzuführen. Die Tätigkeit der Polizei erschöpft sich darin, den Leuten in Wien das Leben zu verekeln. Re LSaderkouferenr. Di« Politische Karves-pondentz schveibt: Der für de« 16. d. einibsvuftiwn Länderkonfereng wird die Rsgievmvg di« Materialien für die Regelung des BevMtniffes zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, für die Derfaffuugsreform und die Reform der Landerverwaltung unterbreiten. Angesichts der Fülle des Bera«t>ungSstoffes ist kaum zu erwarten, daß die jetzige Tagung bereits endgültige Gntscheidungen bringt. Die Beratu«ngen sind diesmal in erster Linie zur Informierung der oingeiladonen Vertreter der Länder und damit zur Vorbereitung der tvoitevett Tagungen be«stimmt. Gestern nachmittags fand tm Bundeskanzleramt eine Dovbösprechu'ng der chrWichsozvaSen LLudervertreter mit dem Bundeskanzler Dr. RamÄ und dom Frnanzm'rmister Dr. Ahrer statt. Doch: Besipvechuny wird -heute fortgesetzt. Sturm« und Brandkatastrovhen bek Saliburg. Aus Salzburg wird vom 16. d. berichtet: Zwischen Schärfling und Plomberg ist gestern ein Waldbrand auSgebvochen. der lokalisiert werden konnte. Fu der Ortschaft Lagersdorf, zwischen Badgastein und Hofgastein, sin«d zwei Bauerngüter mvt sechs Nebervobjekten abgebrannt. Um 7 Uhr abends tvuvde von Salzburg aus Heu darf Hilfe verlangt» woselbst sieben Objekte in Flamme« standen lrnd die ganze Ortschaft infolge des herrschenden Sturmes äußerst gefährdet war. Don allen Seiten eilten Feuertvehren zur Hllftleistung nach Hendorf, deren Zusammenarbeiten es gelang, den Bra nd gegen Mitternacht zu loka«lisiere-n. Im Laufe der Nacht ließ der Sturm nach. Es fetzte Regen er», dem horrtv vormittags Schnee folgte. Die telephonischen Verbindun«gen sind vielfach gestört, auch die Linie Salzburg—InnSbmck ist uickbruuchba^ Me Generäldirekkivn der Oestevveichi scheu Bundes« bahnen teilt mit: Am 16. d. wurden im Bahnhöfe Beza« (Bregenzerwaldbahn) um 10 Uhr 50 Min. durch einen« plötzlich Miftre«ten>den heftigen Sturm tväihrend des Be-rschubes eines Güter-uges der Menisttvagerr, dre-i beladene und ein leerer Güterwagen irmge- )vdrfeu. Verletzt wurde «niemand. KI