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Wiener Morgenzeitung · 1925-02-17 · Heft 2153 (17.2.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2153 (17.2.1925)
Date
1925-02-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Das Regulatorwerk der Kolonie Benjamina ist von Steinpfeilern getragen, die vor tausend Jahren demselben Zweck gedient haben. DaS schon vorhandene Wasfer oder dasjenige, von dem man weiß, daß es erreichbar ist, soll zur Irrigation von 100.000 Acres benützt iverden, wovon der größte Komplex, rm Tal des Jordan mrmittetbar südlich des Tibeviassees gelegen, 30.000 Acres umfaßt. Wie groß die Hohl der Gebiete sein wird, die außerdem noch auf künstliche Weise bewässert werden können, ist noch nickt zu sagen, bis weitere unterirdische Vorräte entdeckt sein werden; aber 50.000 weitere Acres sind wohl keine vertriebene Angabe. Me Täler, die nicht bewässert werden können, und die zur Bebauung sehr geeigneten wellenförmigen Hügel von Galiläa dürften der jüdischen Besiedlung eine Million Acres erschließen. Es ist hier aber die Frage, wie viele Menschen auf einer Million Acres unbewässerten Landes und 150.000 Acres, die mit Hilfe von Irrigation bewirtschaftet werden sollen, bequem leben können. Die mit der Kolonisation betrauten Instanzen trachten, auf dem Lande so viele Menschen wie nur möglich unterzubringen. Das bedeutet geringere Ausgabe für die Entwicklung und mehr Raum für das jüdische Volk. Die dortigen jüdischen Farmer sind der Meinung, daß sechs Acres irrigierten Bodens und 25 bis 50 Acres unbewässerten Bodens für eine Familie ausreichen, und es gibt sogar extreme Vorschläge von je einem Acre für eine Familie. Ein Amerikaner, der die Verhältnisse des Landes studiert hat, ist der Ansicht, daß diese Zuteilung der Acres zu klein wäre und. daß 10 Acres irvigierten und 60 Acres Trockenbodens für die Entwicklung eine bessere Grundlage bilden würden. Diese Veranschlagung sieht somit auf diesem Boden Raum für ungefähr eine Biertelmillion Menschen vor,, ohne die abschüssigen Gelände der judäijchen Hügel. Es wird sich heule kaum lohnen, hier die abgebröckelten Terrassieru-ngen wieder aufzubauen oder die einstigen Olivenhaine und Weingärten wieder anzulegen, ckber vieles kann aus dem Gefühl heraus geschehen, das nicht als geschäftliches Unternehmen Nutzen abzüwerfen pflegt. Es ist schwer, jüdischer Klugheit, jüdischem Geld und Unternehmungsgeist für die Entwicklung der Städte eine Grenze festzusetzen. In einer billigen und reicklich vorhandenen Elektrizitätskwst werden sie eine Hilfe haben. Das Oel aus Mossul soll durch das Esdraelontial vermittels einer Pipe-Line gepumpt werden, damit es in Haifa raffiniert, wird. Jedenfalls scheint alles, Landwirtschaft,. Handel, historisches Interesse und die äußerlich reizvolle Gegend, dazu bestimmt, um .Haifa und Jerusalem zu wichtigen Städten zu machen. Nur ein Bruchteil des jüdischen Volkes Ivird in Palästina leben. Aber die irrigierten Gebiete können zu landwirtschaftlich so üppigen Bildern und zu einer derartigen ländlichen Schönheit ausgestaltet tverden, daß sie den diesem Volke Angehörenden, wo immer sie leben mögen, eine Quelle des Stolzes und der Genugtuung sein werden. An der Küste des Mittelländischen Meeres entlang können sie eine Gegend schaffen, die mit Cannes und Nizza rivalisieren wird. Eine nie dagewesene Gelegenheit wartet der Wohlhabenheit, des künstlerischen Geschmacks und des nationalen Stolzes rund um die Ufer der Bai mit Haifa im Süden und A8ko im Norden. Der Karmelbevg ist der Hintergrund im Süden, die syrischen Hügel im Norden, davor das blaue Mittelmeer und die gutbewäsferte Esdvaelo neben« als die Stätte, auf der ein neues Leben geschaffen lverden soll, das der einstigen Größe des Landes gleichkommt. 2er Lschekavrozeß in Leipzig. Leipzig, 16. Februar. (Wolfs.) Tschttapvozeß. Heute wurde der An-aeklaate Neumanu über den Fall S t i n n e s vernvinmen. Dieser sollte in feinem Wohnsitz Mühlheim „erledigt" werden. Da indessen in Berlin der große Metallarbeiterstveik ausgebvochen war, wurde die Angelegenheit Stinnes zurückgestellt uufo es sollte nunmehr d.r Großindustrielle v. Borsig, der Vorsitzende der Metallindustriellen, erledigt" werden, doch wurde wegen des Meiallarbvit.rstveiks auch dieser Plan fallen gelassen. Einige Tage später kam der Auftrag, einige Spitzel zn „erledigen", darunter das 18jährige Fräulein Zehn Pfund, die mit der Politischen Polizei in Verbindung stehen sollte. Bei der weiteren Vernehmung bekundei der Angeklagte Neumann, daß auch in Frankfurt a. M. ein KriminalobeMachtnreister und der württenrbergische Minister des Innern wegen ihrer großen Kommun istenseiMi ckMt getötet werden sollten. Wie schon berichtet, trat am 10. d. der Internationale Gerichtshof im Haag zusammen, um über den britischgriechischen Streitfall bezüglich der Elektrizitätskonzessionen in Palästina zu entscheiden. Der Grieche Mawromatis hat ün Jahve 1913 von der Konstant! nopeler Regierung Konzessionen für die Errichtung von Dichtstationen, Massevleitnngsanlagen und den Bau von Straßenbahnen in Jerusalem und in anderen Teilen des Landes erhalten. Die britische Regierung, die während des Krieges und der Okkupation einen Teil der in den Konzessionen vorgesehenen Pläne verwirklicht hatte, weigert sich, die Rechtsgültigkeit der Konzessionen des Mawromatis anzuerkennen nnd hat ähnliche Konzessionen dem Ingenieur Ruthenberg erteilt. Die griechische Regierung hat nun für Mawromatis den Streitfall vor den Haager Internationalen Gerichtshof gebracht. Der Präsident des Internationalen Gerichtshofes eröffnete die Verhandlungen und gab zunächst einen Ueberblick über die Geschichte des Rechtsfalles. Hierauf ergriffen der Rechtsvertreter der griechischen Regierung Mr. Purchase nnd der frühere griechische Außen-minister und jetzige Gesandte in Paris M. Politis das Wort, um den S:andpu-ri«kt der griechischen Regierung darzu-legerr. Am 11. d. forderte Herr Politis in Fortsetzung seiner Ausführungen im Namen seiner Regierung eine Entschädigung von 200.000 Pfund für Mawromatis als Bcrdienstentgaug aus der Jerusalemer Konzession. Sodann ergriff der britische Oberstaatsanwalt Sir Douglas Hogg das Wort zwecks Darlegung des britischen Standpunktes. Seine Rede füllte die Sitzungen vom 11. und 12. d aus. Sir Douglas bezeichnete die Ansprüche Mawvomatis als haltlos. Die türkische Regierung verlieh im die Konzessionen noch vor Ausbruch des Krieges. Damals aber war Herr Mawvamatis noch nicht griechischer, sondern türkischer Untertan, und in dem Dekret über die Kvnzessionserteilung' hieß es ausdrücklich, die Konzessionen werden einer türkischen Gesellschaft erteilt. Sir Douglas Hogg verlas die Korrespondenz, die zwischen dem Kolomalantt in London, dem britischen £ ö e r f o m« iitiffar in Jerusalem, Herrn Pinkas Ruthenberg und Herrn Mawromatis gepflogen worden ist. und kam zu dem Schluffe, daß die seitens der englischen Regierung Ruthenberg erteilte Konzession für ElektrizitätWer-- sorguug und Ausbeutung der Wasserkräfte in Palästina vollkommen in Ordnung i>st und keine rechtliche Benachteiligung des Herrn Mawro- Malis bedeutet. Re Liebesgabe» an die Ruhrindustrie. Die Denkschrift der Reichsregierung. Berlin, 16. Februar. Die mehrfach angekündigte Denkschrift der Reichsregierung über, die Ruhrentschädigung ist nunmehr dem Reichstag vorgelegt worden. Ihr ist die wichtige Tatsache zu entnehmen, daß sich die Ruhrin d n st r i e l l e n die Wiede raufnahm« des Betriebes nach der Einstellung der Kampagne des passiven Widerstandes durch Drohungen mit separatistischen Aktionen sich ab kaufen ließen. Aus diesen Gründen verpflichtete sich die Reichsregierung in dem Briefwechsel zwischen dem Reichskanzler Stresemann und Hugo Stinnes zwischen den» 31. Oktober und dem 3. November 1923 zur Rückvergütung der gemachten Leistungen unter der Voraussetzung, daß sie von den Alliierten auif das Reparattoirskonto geschrieben würden. Was bekanntlich nicht geschehen ist.) Die heikle Frage, wann und in welcher Weise die VerMchturrgen am vorteilhaftesten abgslöst iverden sollen, beantwortet die Denkschrift dahin, daß durch eine schnelle Ablösung der Verpflichtungen den Industrien die in ihrer bedrohlichen (!) finanziellen Lage notwendige Hilfe geleistet wurde, weshalb die Regelung durch Vergleich gerechtfertigt erschien, die es überdies ermöglichte, die Entschädigungsforderungen um mehr als 200 Millionen Reichsmark herabzumindern. Diese 700 Millionen betragende Rückvergütung ist nach Abzug von früheren Beihilfen, (!) die im wesentlichen in Stene raufrech nun gen, Schatzauweisungen usw. bestanden, im Betrage von 220 Millionen Reichsmark geleistet worden, wovon nach Angabe der Reichsregieruug die Hälfte in ba«r gezahlt wurde. Da der Reichstag anfgelöst war, sind die Restzah- Sir Douglas Hogg polemisierte irr scharfer Form ge» gen die Darlegungen des griechischen Vertreters, Herrn Ge sandten PcklitiS» der ausgeführt hat, Re Zionistische Organisation «hätte die Palästinaregierung veranlaßt, Herrrr Nnbhenberg zuungunsten des Mawromatis zu -begünstigen. .Herr Politis behauptete auch, Herr Ruthenberg wäre ein zmnisti- «scher Repräsentant. Das fei absolut nicht der Fall. .Herr Ruthenberg war niemals sin Vertreter öct Ziomsti-- schen Organisation. Es sind also n i cht di e Zi o n i ste n, die Herrn Mawromatis' Rechtsansprüche ablchnen. Lank Artikel 4 des Palästina-Mandats besitzt die Zionistische -Organisation Rechte einer beratenden Agentur in Palästina; das ist alles. Der griechische Vertreter spielte in feiner Rede auf die Ausführungen des gegenwärtigen Innenministers Sir William Johnson H i ck s an, «die dieser seinerzeit äls Untevhausmitglied mit bezun auf die .Rutheuberg^K'on- Zession gemacht hatte. Sir William Johnson Hicks stand damals in Opposition zur Ruthenbevg-Konzession'. Er stand ccker auch in Qppvisitiou zu der Regierung, wes- HM «man «sagen kann, -daß seine damaligen Aussührungen! in keiner Weise die Ansichten der britischen Regierung iviedevgeben. Sir Dollglas Hogg zitierte die Rede -Sk# 'cinerze-itigen Kolonialministers Mr. Churchill, mit der dieser die Oppositionsrede Sir William Iohrvfoü Hicks entkräftete. Auf Grund der Rede.Churchills, sagte Sir Douglas Hogg., wurde der Antrag gegen die Ruthenberg-Konzession mit 292 gegen 35 Stimmen ab gelehnt Sir Dougla's Hogg schloß seine Rede mit der Be- UtLvkung, als Vertreter Großbritanniens betone er «mit Nachdruck, daß die Aufgabe Großbritanniens in Palästina die ist, deck Inden ein Nationalheim ZU gewährleisten, niemand aber wird in Verbindung mit dieser Ausgabe ift feinen Rechten gekränkt; also arrch nicht Herr Mawromatis, Herr M a w r o m a t i s Hai vor einigen Tagen wäh» relch seiner Anwesenheit in London dem I. T. A.-Bertretev gegenüber erklärt, der Pvozeßfall wegen seines Anspruches aus die Jerusalemer Konzession werde als Probefall -be-- handslt; eine positive Enischeidung des Haager Gerichtshofes zu seinen Gunsten werde ihm eine Grundlage geben, auch für die entgangemn Kv-nzessiousgÄvinue in Jaffa und an anderen Orten Schadenersatz zu verlangen. lungen auf die Entschädigungsverpflichtungen in Form einer Ueberfchreitnng des Etats vorgenommen worden, mit der Msicht, sich spater durch, den neuen Reichstag die Indemnität erteilen zu lassen. Ein entsprechender Antrag geht den Reichstag gleichzeitig mit der Denkschrift zu. Wie man sieht, muß die Denkschrift trotz allen Drehens und Wendens die Ungesetzlichkeit der Maßnahme zugeben und eine Erklärung dafür, warum plötzlich wahrend der Zeit, da der Reichstag aufgelöst war, die Zahlungen geleistet werden mußten, wird nicht gegeben. Dev Skandal ist durch die Denkschrift nur vergrößert worden. Me ilbrrgen Aandalassüren. Die Stimmungsmache der Staatsanwaltschaft. Berlin, 16. Februar. Justizra-t Werthauer beabsichtigt, gegen «die Staatsanwaltschaft eine st ras-? rechtliche Verfolgung ivegen ^des rmmotivvevten! Vorgehens gegen ihn anzustrengen, da seitens der Staats-, anwalffchast irreführende Meldungen au die' Presse ausgegeben wurden, aus denen eine bereits erwieseine Schuld Werthauers hervoMhen sollte. Jas vreußssche Kabinett Marx. Berlin, 16. Febmar. (Dsl.-Komp.) Die Berhaudlmr» gen des pveilßischen Ministerpräsidenten Dr. Marx über die Kabinettsbildung sind bereits so - wett vorgeschritten, daß der Charakter des Kabinetts fest steht. Es wird sich in der Hauptsache aus Mitgliedern des Zentrums und aus Demokraten zusammensetzen. Als Fachminister werden der Regierung Innenminister Severing und Kultusminffter Dr. Bccker angehören. Die Regierungserklärung wird Mittwoch erfolgen. Mmr erwartet, daß ein Vertrauensvotum Regierung eine zlvar kleine, über doch a-usreichende^W^^"^. heit fi-nden tvirdi» H V

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