Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2151 (15.2.1925)
- Date
- 1925-02-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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‘ Kr. «151 Wien, Gonntog '* ^fettet MotAett-tttttttA. 13. fteVfciüftf! Es SiM S» hat Wiedbrauch, als dieser bereits in Z a h l u n g sschwr e r i gk e i t c n geraten war, Kredite der R e r chS ba nk bis zu einer Million Reichsmark gegeben, für welche fast g a r keine Deck -u n g vorhanden tvar. Wiedbrauch umfe Lahmann -wttrden v e rhaftet. Die Staatsanwaltschaft arbeitet. Berlin, 14. Februar. (Wolfs.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst von zuständiger Stelle erfahrt, ist auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen den Abgeordneten L a n g e - H e g e r m a n n wegen Anschuldigung der Veruntreuung und des Betruges zum Nachteil des Reichspostfiskus sowie gegen die Rechtsanlvälte Iustizrat Wert Hauer und Engelbert wegen der Anschuldigung des in Gemeinschaft mit KutiMer zum Nachteil der Seehandsung (Preußische Staatsbank) begangenen Betruges die g e r i ch t l i ch e V o r u n t c r s u ch u u g eröffnet worden. LMebung der «usuahmeruftandes iu Bayern. München, 14. Februar. (Wolfs.) Heute ist durch Verordnung des Gesamtminifterrums die Aufhebung deS Ausnahmezustandes in Bayern erfolgt. Damit sind insbesondere die Verbote der politischen Parteien, und zjvar der kommunistischen Partei und der natvonailsozialistiischen Arbeiterpartei, ferner die Organisation Sverbote aufgehoben. Vereine und Verbände, die heimlich WAfsenvorräte ansiammel« und besitzen, bleiben auch weiterhin verboten, desgleichen Vereine oder Verbände, deren Zweck nach ihren Satzungen oder nach dom Verhalten der Mitglieder den Strafgesetzen MwÄerläuft oder die Ausübung der Amtstäitigke 115at behindern geeignet ist. Kathreiners Kneipp Malzkaffes Sie Mrderbande. Gömbos und Hejjas als Beschützer der Mörder Somogyis. Budapest, 14. Februar. (Tel.-Komp.) ,Mz Ufsag" bringt eine EMärung des gewesenen Innenministers Edmund Benicz.ky in-der Angelegenheit der Ermordung der sozialdemokratischen NäxtKioure S 0 mo-g y i und Bacs 0. Der gewesene Innen:n-mffter, bekanntlich ein prominenter Führer der legitimistischen Bewegung, erklärte, daß an-lätzl'ich der Wahlen in die Natienakverfamm-lung ml Jahre 19-20 Julius G ö m b ö 's, der damals die Wahlkampagne für die Regierung leitete, versucht habe, die Affäre aufs Tapet zu bringen und gegen die Leg,itimisten auszuttützen. Die Mörder der beiden sozialdemokratischen Redakteure erfuhren davon und trafen bereits Anstalten zur Flucht, da sie mit ihrer Verhaftung rechnen mußten. Im letzten Augenblick legte sich Ivan Hc j ja s an allerhöchster Stelle ins Mittel und p r 0 t e st i e r t e in den schärfsten Ausdrücken gegen dte geplante 'F e st N a ft «nt e der Mörder. Scittent Dazwischentreten ist es zuzuschreiben, wenn die Affäre Somogyi bis .hc,tte nicht.in die Diskussion gezogen werden darf. Ser zwischensall in der Bnvapeftrr tschecho« stowMchru Grsaadlschaft. Hladis-Tobernig wieder in Haft genommen. Budapest, 11. Februar. (N. T. K. B.) Die Angelegenheit des in die Bureaus der hiesigen tschecho-silcwakischen Gesandtschaft geflüchteten Josef H la d i s - D o!d e r nig ist heute zwischen den: Minister des Aeußern und dem i s che cho-slowakischen Gesandten durch ein freundschaftliches Einvernehmen und im Sinne des internationalen Brauches geregelt werden. Hladiö-Do'bernig wurde von der ungarischen S i ch e rhe i ts b e hö rdc wieder i n Haft genommen. Auch die Frage des Verhaltens der u ngarischen Organe, die vor Verfolgung des Fluchtigen mit der.Waffe in der Haud nt das Lokal der Gesandtschaft e-lngedrnngen sind, wurde im Einklang mit dem internatioaleu Recht iu freundschaftlich er Weise geschlichtet. Gesandter Krosta. Das -Amtsblatt -der tschecho-flewakischen RepuMk me'ldet die bereits 'berichtete Betrauung des Wiener Gesandten Dr. Krosta mit der Leitung der Gesandtschaft d<:r ischecho-slcwakischen Republik in B e r l i n. Unerreicht Wohlgeschmack «§ Ausgiebigkeit fc »eit. München, 14. a. ..'-- Jv. «WM) der vom „Hochischulring deutscher Art" geplante „L ude t e udeu ts ch en-Tag" ist von der Regierung verboten worden. Paris. 14. Februar, (Wolfs.) Die französische Regierung hat als Abteilung des Surete Generale einen besonderen Dienst zur U e b e r w a ch u n g der in Frankreich lebenden a u slänoischon Politiker eingerichtet. Paris, 14. Frlbruar. (Havas.) Wie „Chicago Tribüne" meldet. ha>t Kanada das Genfer Protokoll verwor.sen. Sofia, 13. Februar. Der Direktor des „Slowo", Abgeordneter Professor Nikola Milles, eine der Stützen der bulgarischen Regierungspartei, ist heute von unbekannten Tätern auf offener Straße ermordet worden. Angora, 14. Februar. (Havas.) Der Abgeordnete Halid Pascha, der bei einer Schießerei dn türkischen Parlament jchiver verletzt wurde, ist feinen Verletzungen erlegen. Essen, 14. Februar. Aus oen D-Zug Berlin —Köln ist gestern spät abends bei der Durchfahrt der Station Düsseldorf ein Anschlag verübt worden. Verletzt wurde niemand, lediglich zwei Fenster eines Waggons wurden zertrümmert. Dortmund, 14. Februar. (Wolfs.) Bei dem Grubenunglück in Dortmund sind, wie nunmehr endgültig feststeht, 13 6 Bergleute ums Leben gekommen, vierzehn sind noch nicht geborgen. Inland. Las deutsch-arifche Panama. Sklarz zieht seine Klane gegen den „Abend" zurück? Wie bekannt, wurde für ckchrgen Montag vorurittogs der Ehrenbel« idrgrr n'M Prozeß des Leon Sklarz, Vizepräsidenten der Wöllersdorfer Werke A.-G. und der Berliner Metallum-A.-G., des Karl P i t n e r. Präsidenten der Wöllersdorfer A.-G., und des Generaldirektors Siegfried N e u h ö f e r gegen den Chefredakteur des „Abend" Alexander Weiß und den verantwortlichen Redakteur dieses Blattes Siegfried Klausner vor dem Wiener Schwurgericht angesetzt. Die drei Genannten haben gegen den Chefredakteur und den verantwortlichen Redakteur des ,Mbend" wegen der in diesem Blatte veröffentlichten Artikel in der Wöllersdorfer Angelegenheit die Klage erhöhen. ' In diesen Artikeln hat der „Abend" die drei Genannten der Schiebungen und u n l a u t c t e it M a n ipulation zum Nachteil des Staates beschul digt, hat erklärt, sie hätten -dem Staate nicht nur 30 Milliarden abgenommen, sondern, das ganze Werk Wölkersdorf gestohlen. Die drei Genannten wurden als D i e d s b a n d e, Leon S k l a r z wurde als Berliner Schieber und D i e b, als ein i n ganz Mitteleuropa berüchtigter Gauner bezeichnet. Der „Älbend" hatte weiters unter anderem erklärt, Pitner habe im Verein mit Dr. Malis und anderen Personen die Wiener Mcrkantilba nk gegründet, um auf diesem Wege durch die Gruppe Pochwadt« Sklarz-Glder in die Leitung der Wöllersdorfer Werke zu kommen, ferner sei Pitner der anerkann te Verb.indun gsoffizier zw i scheu dem Juden Sklarz und der christlich-großdeutschen Regierungspartei sowie den dieser Koalition nahestehenden Zeitungen. In später Abendstunde wird uns -miigeteilt, daß die Klage der drei Genannten gegen den Chefredakteur und den verantwortlichen Redakteur des „Abend" zurückgezogen wurde. Wir können gegenwärtig diese Meldung auf ihre Richtigkeit nicht mehr überprüfen; es fft jedoch sehr wahrscheinlich, daß die uns zugekommen« Me!ldung über die „stille Erledigung des Prozeßes, Kr den die Redakteure des „Abend" zur Erbringung des Wahr-- heits>bewei.se's eine Reihe von Zeugen beantragt haben, die in der Regierung sitzen oder saßen, sowie solcher, die in der gegenwärtigen antisemitischen Regievun-gs^alition an sionisikanter Stelle stohen, den Tatsachen entspricht. Kam, mentar in solchem Falle überstüsiig. vom Erlebnis auf der Bühne. Bon S. Meisels. 1. Die Tilla Dirvieux lebt die Rolle. Oder war es am Ende die L-ucie Höflich? Ter Name tut hier nichts zur Sache. Wichtig ist hier nur, daß wir -heute eine - zielnllch stattliche Anzahl von Schairfpieleru und Schauspielerinnen haben, die nach Versicherung ider Kritik ihre Kunst'in -oine Höhe heben, wo das Spiel a-ufhört und >das Erlebnis, nein, das Leben der Rolle beginnt. Also der große Schan-spleiler, der ganz große, versteht sich, spielt seine Rolle gar nicht, sondern er lebt sie. Mir drängt sich da die Doppelfrage auf: M>t der große Bühnenkünstler wirklich seine Rolle und ist es überhaupt möglich, daß er sie lebt? Erleben ist immer ein J-nner'iches, ein Eingehen der nach außen wirkerrden Erschein-llngen und Handlungen in die Bewußtseins- und Gefühlssphäre des inneren Menschen. Kunsterlebnis heißt, eigene Gefühlswerte ausschalten, um Raum zu schaffen für eil: Fremdes, das, in sich an>fgenomnren, wie ein Eigenes empfunden wird. Beim Kunsterlebnis vollzieht sich etwa solgenider Vorgang: Irgend ein äußeres Bild, eine ferne Handl-rr-ng, ein fremdes Schicksal dringt in unsere innere Gefühlswelt und nimnlt Kr eine Zeitspanne von ihr Besitz. Schauspielkunst dagegen bestcht im Veräußerlichen; es ist ein Fovnrcn nrtd Gestatten, Handeln Mtd Agieren in bewußter Absicht, nach außen zu wirten. Tefmitl-onen verdunkeln gar oft eine Sache, indem sie sie komplizieren, Wogegen der allgemoine Sprachgebrauch sie nicht selten kurz und klar ruuschreibt. Der allgemoine Sprachgebrauch nennt den Schaufp>ielcr einen Darsteller; das umveißt ziemlich genau die Weiten und Grcnzerv der SchauspieÄunst. Der Schauspieler muß darstellen, alles aus sich Herausstellen, verborgene Schicksalsfäden versichtbarlichen, und den innersten Menschen noch durch Äußere Nierkmale, durch Wort und .HaMung, kenntlich wacherr. Der Schauspieler hat Illusionen zu schaffen, die Phantasie anderer anzuregen, und das kann nian nur ntii.t klarem Verstand und durch bewußte Fornigebring. Das macht inneres Erletbnir fast umnöglich. Man kann nicht zweierlei zugleich tun. Man kann nicht nach außen und z-ugleich nach innen spielen. Man kann nicht andern n.«d zugleich sich selbst etwas vornwchett. Schaus-pielkuinst ist ein Sichausgebe«. Erleben aber ist ein Erfülltsein. <■ 2. Wohl mag es manchom^chaufpieler zuweilen scheinen» daß er das, was er spielt, auch erlebt oder gar lebt. Da wird eine gewisse Gefühlsstimmung mit Erlebnis -verwechselt. Der dreiwandige Raum, die eigenartige Belichtung, die ungewohnte Tracht, die freiwillig erzwungene Haltung, die einstudierte Gebärde, der e'mgeütb-te Spvechton — alles das und vieles andere schafft eine Atmosphäre, worin der Schauspieler sich fühlt. Dieses SichKhlen ist indes vom Erleben ziemlich weit entfernt. . Freilich muß sich der Bühnenkünstler in seine Rolle einleben; er muß die Gestatt, die er darzustellen hat, kennen und.sich in ihre teils psychischen, teils physischen Stärken und Schwächen cinfühlen, die Merkmale ihres Charakters im einzelnen und diesen dann als Ganzes vollkommen erfassen. Aber all. das geschieht beim StU'dieren der Rolle, 'beim Memorieren des Textes, bei den Proben^ kurz vor der Auffühnlng. Wenn der Darsteller vor drur Zuschauer erscheint, ist die Gestalt bereits fix und. fertig; wenn der Schauspieler vor denr Zuhörer das erste Wort gesprochen hat, woiß er bereits, wie das letzte lautet. , Das ist sestzuhatten. Dkan muß sich einmal vergegenwärtigen, was es heißt, eine Rolle spielen. Ter Schauspieler steht auf der Bühne, das Bewußtsoin wach, der Sinn rege, das. Gedächtnis tätig, das Wort memoriert, Gang und .HaltU'Ng in Zucht gezwungen, das Mieucufpiel sorgsam zuvechtgelog.t, der Sprechton klüglich aibgestinrrnt; 'dazu heißt es noch aufpafsea, sich wt der Hand haben, an dom Mund des Partners hangen, das Stichwort aufsangelt und es rechtzeitig w'.edergeben, U'nd schließlich und endlich dem Soufflourgezisch fei.ne AufnrerklsakM'it nicht versagen — sollte 'bei diesem Hin und Her, und Auf u.nd Ab und Drum und Drau artch noch ein' Lckbeit der Rolle anöglich fein? Wohl gibt es ein Erlebnis im Theater, aber es ist das des Zuschauers, nicht des Schauspielers. Dem Zuschauer kann die Gesamtaufführung eines Stückes oder die GirrzeUoistung eines Schauspielers zum Erlebnis werden. DaS Spiel des Wimen lvaNdett sich zum Erlebnis des Zuschauers. Eine Rolle zn eines Abends Unvergeßlichkeit machett. das ist hohe Ktrust, das ist höchstes Können des^ Schattspielers, das ist Erlebnis — des Zuschauers.! Auch folgendes gilt zu ertoägen: Für ein Erlebnis kann man sich nicht vrävarie-ren. man kann sich hierfür nicht vorbereiten. Man geht ins Thea'ter, um sich ein Stück awzu-sehen, urch siehe da, es wird oineur zum Erlebnis. Den Schauspi'sler jedoch kann während des Spieles nichts mehr überraschen, er ist für alle Fälle gut vorbere-itet. «< Auch beim Zuschauer ist das Erlebnis nur von SxA Art eines Schlummers, der kein Schlaf ist. Wäre es anders, wäre das Erlebnis beim Zuschauer fo stark, daß in der Einbildung die Welt des Scheins völlig in Realität sich auflöste, kein SWock könnte auf der Bühne in aller Gemütsruhe das Messer wetzen, kein Othello könnte seine Desdemona erdrosseln; das Publikum würde ihn einfach daran hmdevni. Vor fünfzig Jahren wurden in New-Iork vor eineur theatevfvemden, der Macht der Phantasie völlig ausgelveferten Publikum Schillers „Räuber" aufgeKhrt. Da begab es sich, daß Franz Moor mitten int Spiel durch eine Seitentür flüchtett mußte; er «wäre sonst von don Zuschauern auf offener Bühtte gelyncht worden. In solche Wut versetzt« sie Franz, die Kanaille. Hier hat also das PübMmn als Zuschauer tatsächlich die Rolle gelebt, die der Schauspieler nur gezielt hat. Man sieht: selbst beim Zuschauer ist eilt gesteigertes Erleben eine recht knifflige Sache. Beim Schaupieler indes wäre ein Erleben der Rolle, wenn überhaupt möAich, nicht gau-z ohne Gefahrett. Jede Desdomona, die ihr« Rolle lebte, würde vor der Erdvosielung zum mindestens einen Nervenchok erleiden; bei der Lady Macbeth waren noch schlimmere Komplikatianen zu befürchten. Das sind nur zwei Beispiele Kr viele. Die Sinnlosigkeit der Redensart: Der Scharrspieter Soundso lebt feine Rolle, ließe sich twch an vielen Reinen Beispielen dartttn. Man könnte beispielsweiise fragen:: Wie ist e's bei der fünfzigsten Aufführung desselben Stückes? Erlebt der Schauspieler feine Rolle, auch wen» er sie zmn fünfzigsten Male spielt? Erlebnis ist immer einmalig. Wie ist es mit dem Sterben? Kann man auf der Bühne auch! den Tod erleben? Oder wie ist es mit der Hosemolle? Kann ein Weib, und fei es selbst eine Sarah Bernhard, auf der Bühne einen Mann in sich erleben? Min sieht, die Wendung von gelebten Rollen ist nur metaphovvsch zu- WiS.