Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2151 (15.2.1925)
- Date
- 1925-02-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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GMr S Wkn. Sonntag fraget 3W Schuhel mit eingebautem „Ber*dH<4*Oumm!-Absati Verfehlte Taktil. —v. Wien, 15 Februar. Alle Minoritäten -haben bisher darüber Deschtverd" gc-flihri, daß die Schutzbastimmungen in den Frieder'sverträgen ihrem Z.vecke nicht entfpoechei., weSl die Durchführung den Staat slmrioritätelr übevlafirn bleibt. Der Schrrtz wäre schon an und für sich ein höchst fragwürdiger, denn die Textierung ist nicht von beglaubigten und mit den Tatsachen vertrauten Vertretern der Minoritäten lorf^ nmmnen worden, so daß also die LebenSnvtweni'.!g'o''rn vor Bolksminderheiten nicht so präzis umischvu^u wurden, als es diese gefordert hätten. Die Sdaa.tSjuristcn der Entente, die den Begriff der Minderheit gar nicht kennen, haben Bestimmungen geschaffen, die den Ülufprüchen keiner Seite entsprechen und von den neuen Staaten un'er dem Zwang der BevMtnifie zwar angenommen, aber nur höchst nnngEhast erfüllt wurden. Dieser ftonö hat eine gauze Kette unerquicklicher Konflikte Flge gehabt. Einerseits empfinden die. natiana'istisch gerichteten Ma-joritäikSftaaten den Mi norlläte, Ausschuß als erne pcrruaucnte BeÄqtzmrg ihres SeGstbemchtseins, andererseits geraden die Minoritäten, lvonn sie zur Wahrung ihrer Rechte den Völkerbund anru-fen, leicht in die Schuß« linie der ewig aarjigevegten Patrioten. Zudem Hai der BMerbund die Emrichttmg getroffen, daß die Beschwerden einer umfangreichen Untersuchungsprozodur unterworfen werden. Statt aus Vertretern der Minoritäten eine Kommission .zu bAden, die auf Gvnnd ihrer Tatsache ukonnmis;u entscheiden hätte, ist ein System von Fragen und Rückfragen ciugerichtiet worden, das viel Zeit verschlingt unallen Schntzfuchrnden die Lust benimmt, sich noch länger der Inquisition umd dem Feuer ihrer gekrankten Herren« Nation cruszusetzen. Die in dielen Landern gebildeten Vö-lkovbundligen chtiben diese Mängel wohl wahrgmommen und vielfache. Vorschläge zu ihrer Abstellung gemacht. Aber .diesen Ligen, die arrs schr vornehmen, gebadeten und chzraktervollen Personen bestehen, fehlt die lltosonanz, oder anders ausgedrückt, sie find zu gut erzogen, um laut zu schreien und den Lärm der Nationaffvzialisten zu übertoneir. Das ist ja überhaupt der Grundfehler der Demokratie, daß sie es der-' absämnt, die breiten Mafien mit der Idee des Völkerbundes, mit dem Inhalt der FriedenSvevträge und mit den Fragen der Minoritäten. bekänntzumachen. Es ist ja sicher, daß diese Propaganda den Herrschenden nicht genehm ist und daß sie es lieber in den Kauf nehmen, daß noch Mte, fünf Jahve nach dem Kriege, die Friedens- Verträge den Mafien ein versiegeltes Geheimnis sind. Wäre dies nicht der Fäll, so könnte zum Betfpi-vl der NatiouMAmus in . Frankreich und in Deuttschattld nicht ewig an den Reparationen herumknabbern, hier die Verpflichtungen übertreiben, sie dort sabotreron. Es wäre unmöglich, daß sich Ungarn, das Mitglied des Völkerbundes, unterfängt, mit einer Pogromjustrz seine Zugehörigkeit zur zivilisierten WM zu dementieren. Es wäre unmöglich, daß in dem vom Völlcvbnnd gegängelten Oesterreich Universilätssenate mit dem Recht der jüdischen Steuerzahler Ball spulen. Der chauvinistische Hakenkreuzlarm ist nur dadurch zu Mer erweiterten Aktivität gelangt, daß du Demokratie ihm ängstl-ich aus dem Wege geht. Es mag nicht jedermanns Sache sem, dom Pobetl A-ug' in Auge gegew übrnzutr-ten, aber schließlich ist dir Politik kein Mädchewpensionat Es gibt nicht nur Unslätigkerten gegen die Friedensfreunde, sondern auch Tatexzcssc und Fälschungen des R'chtes, und dieser Zustand wird nicht dadurch nn» geschränkt daß man ihn vornehm ignoriert oder auf sorgifältig vorbereiteten Kongressen in forgnierten Resolutionen 'beklagt. Er muß b-konchst lverden. Es itt ein Kriterium des ähau.-)'.n'Lmu§. daß er bei energischem W.rderstand sofort zurückweicht. Wenn er aber nur laue -und Pastorale Evumhrmngen hört, dann zündelt er weiter und macht den Minoritäten dis Leben zur Hölle. Nunmehr hat, wie Havas aus Brüssel meldet, die Kommiffion für natümäle Minderheiten des Bureaus des Internationalen Verbandes der Völkerbund- Vereinigungen eine Resolution angenommen, toorin verlangt wild, das Minderheitenrecht möge auf Grundlage der Verträge vom Jahve 1919 verallgerneinert l.verden, wobei diese im tiberaillsten Sinne auszülegen feien. Dieser Beschluß liegt durchaus auf der Li-rrre, die >wch weiter abwärts führt. Der Verband der Völkoxbuud- Ligen gibt damit den Kampf gegen die umnügliche Skw* stvuktion der Schutzbefti-mmu-ngen auf, ja, er akzeptiert sie und wünscht, daß sie auch vcu den Staaten ausgenommen werden, die sie bisher nicht besaßen. Das verhindert joden -weiteren Kampf wnh fit ivc.iter eine Stellungnahme für die Verträge, deren evolutionäre Revision heute eine sehr weit verbreitete Forderung der intellektuellen Welt ist. Der Verband -hätte im Gegenteil dir Fehler dieses Schutzes öffentlich Miellen und öffentlich den Völkerbund daran erinnern müssen, daß die Sicherung der Minderheiten ihm feierlich übertragen wurde und daß er seine Pflicht zu tun hat. Wiener Morgenzeitnna. Hakenkreuz und Sowjetstern. Spionage der Organisat^', „Confal" in Rußland. Moskau, 14. Februar. (Ruff. Tel.-A-g.) Wie -die „Jsvestija" me det, sind in Moskau drei Studenten. Karl Ki ttdermann,'Therdor Wolschtgraf 'und Maxim D i t m arinen, verhaftet -worden. Sie sind Mitsl' cder der Organisation „C o n s u l", in deren Auftrag sie in der Sowjetunion Spionage -betrieben und Terrorakte vorbereitet Bitten. Sie haben ein umfassendes G eständnis abgelegt. Bereits im Dezember 1923 beauftragte die „Consul"^ Organisation, wie die im Besitz der Scwjetregievuttg be« ''ldlicken Dokumente sowie die Aussagen der Verhafteten ergaben, die Gruppe Kniderman-n her Ausführung von Terrorakten auf dem Boden der Sowjets und erteilte im Juli 1924 genaue Instruktionen, wer unter den Sow'etführern das t rste Opfer fciit soll. Die Verhafteten kamen nach Moskau -mit gefälschten kommunistischen Parteibüchern und besorgten sich in Berlin Empfehlungen deutscher und russischer Gelehrter mit dem Ersuchen, die angebliche Studienexpedition zu unterstützen. Das irrcgeführte „Berliner Tageblatt" gab den Berh-fteten 2 0 0 0 Mark Vorschuß, als -Honorar für Korrespondenzen aus Rußland, f Pgc größere Firnren, darunter der Michael-Konzern und dos Warenhaus r\.s-" ' r z ü a, übernahmen die Finanzierung der anri ..i Csi •*: tiou gegen die Lieferung geheimer [ W i r tscha^fts-bc r i chte. Kinder-mann ist .Krinrinalfit und - Detektiv und dom- B-111 i-n 11 Volizeipra s id i u m iv-chl.bekannt. WolschtZ'räf'-Und D^ marluen sind Teilhabean Terrorakten <un Auftrag der Organisation „Eonsul", - - ■; - - Set persische „Slftator". London, 14. Februor (Tel.-Kemp) Nach einer dimg auö Teheran hat eine deson^rc Konrmifston d''. Kammer ein". Vorlage ausgearbeitet, durch die die Vollmachten des Premierministers in weitem Maße ausgedehitt werden. Er wi'.rde dadurch zum Oberstkommandl. nten.rer Armee -roalmt und mit absoluten Vollmachten in bezug aiuf^die Landesverteidigung und die wneve Sichecheit nusgerüstet' fein. Der Versuch des Mi-n>fiterpräsidenten, sich d -i k t a t o r ische Rechte zu sichern, würde-da-inöt zum großen Delle Erfolg haben. (Die Aktion des Ministerpräsidenten, über die wir bereits 'berichtet haben, sieht unter f o w j e t r n s s isch e r Patvonanz. — Die Rsd.) Sie griechisch-türkische Spmnnmg Der ausgewiesene Patriarch soll demissionieren. Paris, 14. Februar. (Havas.) ,/Petit Parisien" gflaE .zu wiffen, daß ,nau in Angora auf die Auswe ifuNg der griechischen MeitvlpW-teN, die 'für dien A-nstänsch^iü Betracht kämen, Verzicht ei habe. Man bemühe sich, bovur Helli'ig-on Synod die D c m i s s -i o -n des P a t r iarchen Konstant in und feine Ersetzung durch «inen anderen Prälaten zu erlarpgen. Nach einem Bericht aas Saloniki hat der Patriarch erklärt, er sei bereit, zn denriissionieren, wenn dadm^ch der Konflikt beseitigt tverden könne. Ein neuer Lronfliktstoff? Rom, 14. Februar. Die SMtto melden mts Athen, daß ein neuer Konfliktsfall Iwfichen Athen mvd Konstantinopel auszubvechen droht. Nach donr Laafia-nner FriedenSvertrag sind die Inseln Jmbrvs und Tenodos unter die türkische Souveränität gekomurem Sie hätten aber ilh-ve autonome Verwa<lttvng und eine eigem-e Polizei erhalten sollen. Die tüMfche Regierung kümmert sich aber um diese K'lansel des FrirdeuLvertrages weirig. Sie verbietet den währertd der griechischen Demarche ans Kle-inasien geflüchteten Griechen die Rückkehr in ihre Heimcrt.' Alle Behörden, Palizdi und Gendavrnerie sind türkis ch. Schließlich halt die türkische Regierung alle griechilschen Schulen geschlossen nüd hat alle Besitzungen der abwesertden Griechen besMignahmt. Die griechische Regierung hatte, nur diesen Konflikt zu schlichter^ B e n \* zeIos nach Paris entsendet. ’ Die bestrenömmierie MAZZOTH BÄCKEREI H. STRUM. WIEN, II. Rotensterofle 11« Toi. 47-7-17 hat ihren Betrieb wieder eröffnet und du/ch Einstellung von neuen, eigenen patentierten Maschinen die Mazzotherzeugung allen hygienischen u. rituellen Anforderungen entsprechend eingerichtet Es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, dass der weltbe ü'mK o tticdaxe Grossrbbfner CH AI VI liZCHOK JIR JCHEM aus Altstadt die Oberaufsicht Übernommen hat Io. Fedntar 1925 Sk. SlSl litte internationale WSHtnngs toaferear. Ein Vorschlag im amerikanischen Senat. Washington, 14. Februar. (Tel.-Komip.) Die Finanz k.',nnl,ssion des Senats hat eine Entschließung gefaßt, in welcher die Einiberufung einer internationalen Währungskonferenz vorgeschlagen wird. Die Kommifiion fit der Ansicht, daß das europäische W ä r u n g s ch a o s in erster Linie für die schlechten Wirt.chaftsverhältnisse in Europa verantwoz-' lich sei. Ser Völkerbund und die valöfttuafrage. Das Genfer internationale Arbeitsamt pMiiziert in feinem letzten MonatSvegister kr Wändevbetregi'ng die der letzten (römischen) Tagung des BölkerbundrateS vorgelegten Berichte der britischen Regierung, der Ziormsiischen Organisation und der ständigen Mandatskcnmuisswu über das Paläsiinaman'dat. Die Militärlontrolle. Die Prüsiden»en der Konlrollkommisiionen. - Für Oesterreich ein Italiener. Genf, 14. Februar. (Schlveiz. Dcp.-Ag.) Der Praside::t des Böllerbundrates, Melle franco (Brasilien), hat soc-ftcu die Ernennung der Präsidenten der vier N a d) sorschuug 's k o m >n i s s i o n c n des Volkerbllndes über den R üstu ngssia nd in Deutschland, Oesterreich, Bulgarien und Ungarn beka-nntgogeben-. Für Deutschland.fit Präsident der Divisionsgeneral D e st i k e r von dcer französischen Arinee, für Oe st erreich General M a r i e t t i von.der i ta l i c Nischen Armee, für . B u l ga r i e n Generalleutnant Jung st c d t vrnr der sch w e d i sch e n Armee ^md für Ungar n, General-major Kirke von der b r i t i. s ch e n Armee. Die Amtsdauer dieser vier Präsidenten ifl voi> länflg auf e in Jahr festgesetzt. Mffolinis Wablrefonn angenommen. Rom, 14. Februar. Der Senat hat heute die Wahl« roforinvovlage mit 214 gegen 53 Sttmmen an ge n o mm e n. __ Der vreMche Korkuvliomsumps (Eigendienft der „Wiener Movgvn^eitung".) Berlin, 14. Februar. Die Staatsanwailtschaft hat mit ihrer schlecht arfigemachten Sensation der Verhaftung der 'Berliner Rechtsanwälte Jnstizrat Werthaue-r und Engelb«rg, von denen der erstgenannte bereits freigelassen wurde, wenig Glück gehabt. Auch die Gründe für die Bevhaftttng Engolbevgs (weil er .angeblich enr Kreditgesuch KntiÄers an die Preußische Staatsbank aufgesetzt habe) sind nicht gerade überzeugend, und der Versuch der sogenannten Hüter deö Rechtes, durch derlei Sensationen von den wahren SchuUngen, den korrupten Beamten abznlenkrnr, dürfte, wie in den früheren Fällen, auch hier danebengölingen. Die Berliner ^Rechtsanwaltska.mmer hat gegen diese Veranstaltung von Knrcftnrken seitens der StaatSanwalifchast beim Justlzmi-nifterrum scharfen Protest eingelegt. Gegen den PÄ-ize-ipräsident-err Richter liegt ein Strafverfahren noch nicht vor, es wurde innechaD des -Ministerimns gegen i>hn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, dem, nur eventuelle Aufflär-ungen gebcu» zu können, die ^taatsaivwalfichaft hinzugezogen wltvdc. Erft nach Abschluß des Ermittlungsverfahrens wird die-' Enfichvidung darüber getroffen werden, ob gegen -den Polizeipräsidenten' ein D i 's z! p l i n a r v e r f a h r e n einz-uleiten ist. Das Ermittlungsverfahren soll auch ans eine Reihe von anderen Personen auSgedchut werden, darunter den Abgeordneten, . Länge-Hegermann, den fncheren Abgeordneten Fleischer und heu sozialdemokratischen Hlibgeordneten H e i l m ä n n>. Nacki einer Meildung soll gegen den Letztgenannten das Verfahren bereits eingeleitet fein. Die bisherigen ErnttÜlungen bezüglich Richters haben keine kriminellen, Delikte ergeben. Die Sensationen, welche von rechts her in der An- . gelegenlheit der Bavmat-Affäre aufgeblasen wurden, schrumpfen also immer mehr zusammen, und der Versuch, die Angelegenheit zu einer politischen Offensive gegen tiufS. zu verwenden, scheint nicht zu Mcken. Heute toird bekannt, daß der frühere Reichskanzler Bauer an fei ne Partei ein Schreiben gerichtet hat, in v>Äche.m er ersucht, mir; seiner Ausschließung noch zuzuwarten, da er 'beiveifeu könne, daß. der arrgMjche Brief, welcher ihn kouipwmittiert hat, nicht den Tatsachen e n t s p r e ch e. Es bleibt also die gattze Verantwortung für die stauda- Wsen Borgättge lbei der Verwetldu-ng von Staategc'idvrlr auf den Kreiselt 'haften, welche zu allererst ittut» allerschärfst kotnpvomiltiert sind, hei der Preußischen Beaurben-- schaft, der Hüterin der monarchfitisch-reakttonäre»r ttelber- Uefernng, bei den beamteten Feinden der Republik. Der Kreis der Korruptivusskandale der Preußischen Beamtenschaft lvird heute durch eine nerte Affäre bereichert. Wie die ,Kölnische Zeitung" aus Bochum berichtet, entdeckte inan bei der. Untersuchung des Status der vor tllrzem in 5tvnkurs geratenen Baufirma Wiedbrauch in Witten umfangreiche Kredit« und Wechselschiebungen, an denen Wiedbrauch,und der vor einigen Monaten nach Lauenburg in Pommern versetzte Leiter der Reichsbanknebenstelle in Wittes vamertL Lehmann, kteiligt waren. LeK»MW ir«»»tII' i l! i'> .»IM,,» < i IM ■ I iBi'- JHl il.Tiin M 11