Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2148 (12.2.1925)
- Date
- 1925-02-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Kr. AW_Elen, Donnerstag Vie deutschen Korrudtionsskandale. Höfles Verhaftung. (Ekgendienst der „Wiener Morgenzcitung".) Verli«, 11. Februar. In Politischen Kreisen, hat die ' Verhaftung «des früheren R c i ch s p o st m i n i st e rs Dr. Höflc riesiges Aussehen erregt. Dr. .Höflc soll für sein erichgegenLommendes Verhalten gegenüber der Depositen- und Handelsbank -A.-G, von dieser 50.000 Mark erhalten halben. Um diese AniÜlaM nachzupvüsen, hat -die Staatsauwaldschast honte sämtliche Bücher und Aktien der Depositen- Ufttib Handelsbank - A.-G. b eschlagnah in t. Dr. .Höf!« Mst scheint dadurch auf die Bahn der N Inkorrektheit gebangt zu sein, daß er sich vor etwa eineinhalb >Iahren in einen Hausbau eingelassen hat, deren Kosten ihm über den Kopf gewachsen sind. Er war geZwungen, eine Hypothek von 100.000 Mark hkL donr bskan-wten FinanKmann Michael aufzunchmen, für die er riesige Zinsen zahlen mußte. Die Zentrums- Partei «wird noch m den nächsten Tagen darüber Beschluß fassen, ob Höfte aus der Partei auHzufchLießen ist. In dev Wohnung Höfles ivurde heule vor- Mttags eine Haussuchung vorgenommen und dalbei Mnsangreiches Material beschlagnahmt. Das RoichöpiostminPeriu.m hat aus die Billa Dr. Höftes in Äichterfelde bei.Berlin eine Sicherhertshypothek von mehreren hunderttause nb Mark eintragen lassen, so daß Dr. Höfte über seine Billa, die Len Hauptbestandteil seines Bemrögens auAmacht, nicht 'Michr frei verfügen kann. Gegen den noch in Deutschland befindliichen verantwortlichen ehenurligen Leiter der Depositen- und Handelsbank ist ein Verfahre n e.ing6le.itet worden, um über die Geschäfte der Bank, namentlich über Len Goldankauf für die Reichspost und die Reichsbahn Aufklärung Zn schasfem Es wird ferner vevsiucht werden, die Auslieferung der Direktoren der Ärnk Wolpe und Klikottky, die sich nach Lettland, beziohungKweisc Holland g c 11 ii ch t c t. lhaben, durchzuisetzen. Bauer aus der sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen. Wie der „Vorwärts" meldet, hat der engere Be- ^rLövorstand der Berlin,er sozialdemckratischeu Paneiopganifatvon in der Sitzung vom 10. d. beschlossen, Laß die weitere Zugehörigkeit des früheren ReichMnzlers Bauer §ur Partei u-mnögilich seil, Mn nerrer Skandal in der Preußischen Staatsbank. Berlin, 11. Februar. Wie die. „Vossifche Zeitung" Meldet, f t der Preußischen Staatsbank -eine wette Verfehlung eines B e a m ten ansAtdecki üoordon. Der Kassendivektbr Triebel steht unter dem dringenden Verdacht, bereits vor längerer Zeit eine große Anzaihl von J'ndust rie Obligationen und Staatsanleihen aus dem Kundenkreis der Bank MÜckgeÄmst, die Werte je'doch nicht in die Depots der Staatsibanik abgellefert, sondern für si ch v e rwe n det zu haben. Tviöbeil «ist einstweilen feines Postens enthoben worden. Dile Untersuchung der Angelegenheit ivird sovtgeführt, und es ist möglich, daß noch an d e re B eamte der Staatsbank darin verwickelt sind. K»e kommmMkschr Lerrororganksation in Deutschland. El« Sensationsprozeß in Leipzig. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) > Leipzig, 11. Februar. Hkr wirb ein Prozeß verhandeli, Hl welchen eine Reihe von Kommunisten cmgeklcigt sind, einer Lerrororgauisation nach dom Muster iber russischen Ts cheka angehört zu haben. Die Beschuldigungen werden durch den Hauptm,geklagten N e u m a n u gestützt, der geradezu sensationelle Dinge gegen feine Genossen anssagt. Die Sensationen klingen allerdings derartig, daß die mehrfach geäußerte Vermutung, Nunnann sei ein Agent p r o v ocateur, 'M-mer mehr Wahrscheinlichkeit gewinnt. Irr der heutigen Borhandlung sagte Mninantt unter anderem ans, die Kommunisten hätten in Deutschland Regiments- und Bataillonsstäbe gegründet; ihr militärischer Leiber, der Mitangeklagte Sk ob lew Ski, habe in der Berliner russischen Botschaft gewohnt. Aus.seinen Besthl seien T e r r o r g r n p p e n geschaffen worden, umt Perfönlichvaiten, die als Feind e der Komin,urrsten angesehen wurden, zu e r l e d k g c Diese Organiisation erstrecke sich über das ganze Reich. Ihr wurde als erste Aufgabe die Erledigung deS Generals v. Seeckt anfgetragen. SkMewski habe befohlen, Seeckt dürfe nicht verwundet, er ntitffc unter allen Umständen getötet werden. Zwischen Reumann rmd Skoblewski 'fei es schließlich zu heftigen Auseinandersetzungen gekonunen, «die zu Tätlichkeiten führten. Der Befehl zur Tötung Seeckts wurde dam, zurückgezogen und Reumann der Auftrag erteilt, Hugo S t i n n e s zu erledige». Die gusammenftöße in Prag. Prag, 11. Februar. Zu den gestrigen Zusauuueustößen! der k o nr m n n t st ischen Demonstranten mit der 'PMzei teilt die Poli,ze>iko rres,Pondenz mit, daß insgesamt 30 P e r s o u c iv v e r hastet luurbett, fron betten sechs nach Sicherstellung f r eige l a s s e n wurden. Auf feiten der Wache 'wurden 3 8 P c r [ o u c N v e r tv n n d e t. Wlenee Morgettzeiturrs. _ti>. Februar 1025 Tektv S- Die Wische Wanderung. kiabekufung einer bmigrationswelttonfereaz fiir Sude galt. Berlin, 10. Febrnar. (I. T. A.) Bonr 5. bis 7. d. fand -in Berlin, eine Plenartsitzung des Bercin-igten Komilces für fndischo Etnwandcrtlu-g Emigraiti'onsdirMormm) unter Teilnahme von Bertretertr der Landeskoiinitces statt. Außer den Mitglredem des Präsidiums und des Sekretariats m Berlin nahmeil die folgenden Perifüiten an den Beratungen teil: Der Direktor der amerikanischen „Hias" für Europa, Dr. Iarnes Bernstein, die Herrn L. Motzkin nnd I. Efrovkin au^s Paris, "Sefmaibgeordneter Dr. Schipper nnd I. Gviinfeld a.us WavschM, Dr. Gvieibeschok ans Riga, Heigehmann aus Kischenew. Den Vorsitz führte Herr L. Motztin. Bon den Beschlüssen, sind zunächst Ihervorztlhc-Len: Das EnügraOo.nLdirektor.M!M cuiifcnbct noch. wir Momt Februar eine Wo,rdn'tvttg nach Amerika, die die folgenden AUifgaben zu erfüllen halben, wird: Durchführung eines Arbeit«ptancs ZuMusteit der Aaftrmvdeten Emigraltten tu den Häsen; Wachrufung des Interesses .der amerikanischen Juden heit für das allgemeine Emigratiionsproblem der osteuropäischetr Itrden'heit; die amerikartischen Juden sollen.dazu bütvogon werden, an der Lösung «des PrMems der Emigration nroratisch nnd materiell teilzunehmeru Die Herren L. Motzkin, Dr. Oskar Cohn und Rabbiner Dr. Eisenstadt, die sich als 'Abordnung der jüdischen WekchilfskonfereNjz nach den Bereim'g^n ''Stau« ten begeben, tvurden beauftragt, zugleich das Gmägradivns- Äir«ktork«m zu vertreten; ihmnr wird Herr Dr. Nt. Krainin als spezielles Mitglied des Enrigrationsdirek - toriums be>igegciben. Gkeichtzeitig wurde 'beschlvssen, in Europa eine energische Propaganda zur Förderung des Emigranterr hölfsweft-ns M entfalten. Die Pöenavsitzung beschloß, eine Konferenz des Enriigrationsdivaktor'mms unter Äintoilnahtue von Vertretern der jüdischen JaiMligraticnsgesellschaften jenseits des Ozeans einzu'bemfen. Um der Atnerikaabor dimatg GelegenhsvL zu geberr, an der. Konferenz teilzunehnten, soll die Konferenz zwischen 28. nnd 31. Juli d. I. aiegchattctt we rden. Bis 'dahm wird auch das Ergebnis der Unterfnchnngen in den für die Iwlnigvation von Itldcn m Betracht Lommenderr Ländern vorlieMt. Die Plenarsitzung beschäftigte 'sich sehr viel mit der Lage 'der Emigrantear in den Hafenstädten, die drrrch das amerikanische Imnrigrationseittschräukunas» geisetz nicht mehr an ihr Ziol gelangen, konnten. Biete Emigranten strömten planlos nach K n b a, M e x i k o nnd nach den südamerikaNischen Ländern; das führte <m einigen Orten zu Katastrophen. fraget 70* Schuhe! mit eingebautem yyBepSOn‘c-Gummi-Absatz Re tschechoslowakische Währungspolitik. Minister Ltribrntz über die Prager Schießerei. Prag, 11. 'Februar. (Tschecho-^slowakisches Pueß-Bur.) In der heutigen Srtzmtg dos Abgeordnetenhaiuses ergriff der Vertrete!oes. Ministerpräsidenten Mnvister Stribvny das Wort zu einer RogiernngseEläMmg. Die Komaunnisten nahmen diese EmmMtion mit großem Lärm mts. Sie 'Magen ans die Pulte »lnd veratrstckttetetr ein Pfeiskonzert. - Der Lärtn steigerte sich so sehr, daß der üNiiNister sich Ul'ch't verstäiM-rch machen «konnte. Der Vorsitzende DomascheL schloß hierawf sie>ben koman>unistische Abgeortneite nach dom dvidten OrdunuIsvuse von zehn Sitznngen aus. Die siebetl Abgeordneten wurden während 'eigner Unterbvechung der Sitzung toills von der Wache angeführt, teils verließen sie f r e i w i I!l i g der, Saal. Jhner, folgten mr-ter stürmischen Protestrusen sänvtliche übrigen konummistischen Abgeovdneien. dtach 'Wiederaittsnashme der Sitzimg sprach Minister Stviibrny über die EutwickliMg der Teuerung nnd ^die von 'der Regierung zu deren B-ekäinpfung ergriffeinen Maßnahmen. Die Relgiemug werde, wie bisher, den 'Wucher verfolgen und alle Auswüchse der heimischen Spskmlation nnterdrücken. Im Bedarfsfälle werde sie eine Sonderregelung der Tarife für nnenibehrliche BodarfsartiVel, besonders 'für die Jtrditstriezentren, fests-etzem Im.Zusammenhang damit trat der.Minister den Gerüchten über eine Neuabstenrpelung des Gelbes entgegen. Gegenüber det, inÄbesoltdere vom Auslände M- 'tnachtou Bovwüvfen, daß die Währungspolitik der Republik allzu sehr von der Staatsverwaltung a'bhäuge und daher nicht jene Sicherheit gewähre wie eine sMständige Zettvlbailik, erklärte der Mltrister, die Regierung stche nicht an, zu 'erklären, daß unverzüglich eine .Zettelbank werde errichtet werden, allerdings auf folgender Grundlage: Die 'ans de-ur Niveau der letzten ztoei Jahre stabilisierte tschechische Krone bleibt auch weiterhin die tschecho-slowakische' Mährnng; die Zeitelbank erachtet es ferner als ihre Pflicht, für die Stabilität der ischecho-s'lowakischen Krone ans diesen Niveau Sorge zn tragen. Zu dom ursprünglichen Gesetz über die Errichtung der Zortelbank, das die Einführung der GolbtoähvuiV voranssetzte, wird daher ehestens eine Novelle zur verfassnngsgemäßen BehaMung vorgelegt werden nülssett, wobei darauf Bedacht genon,men irwbcu wird, daß die Beul mit gemigenden Mitteln zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Verpflichtungen ansgestattot werden wird. * Der Minister kain schließlich auf die W'trigen blutige,, Ereignisse zu sprechen und erklärte: Es ist nicht strittig, daß die ganze Mt-ion und der Angriff gegen 'die Wache planmäßig vorbereitet mar nnd daher die Berantwvrtitng für alles, tvas sich gesterr, abgespielt hat, auf die Uv he der fällt. Die Regierung wird auch in der Folge keine ähulicheu Versuche dulden und rücksichtÄos mit größter Strenge und mit allen gesetzlichen Mitteln derartige Versuche unterdrücken. Die Euischlossenheit der Regierung ist um so fester, als urinmstößlich festgestellt tvurde. daß die Amieglurg zu diesen Getoatttätigkeiieu von ausländischen Faktoren gegeben tvordeu ist. Das Haus begann hierauf die Debatte über die Regie rnngvierklärung, «die nach den Reden eines deutschen Soziäloernokraben (die übrigen deutschen Parteien nahnwn an der Sitzung nicht teiy, Lines Kommunisten und eines tschechische'., 2sgrariers auf nwrgen vertagt wurde. 8nla«d. Dar Heimatrecht der Maate«. Ramek bespricht die Teuerung. Ei-nen breiten Ramn in der goftrigen Debatte des BuÄge-t'atusschusses zum Knpitel Inneres" des BuindesvoraNMages nahm die Frage der Heimntszugehörigkeit der Optanten mx. Der Gvoßdentsche Doktor Hairnpiöl erinnerte an den Antrag seiner PartsigsnosseV vom April des Borjaihves, 'womit ein Gesetzeytwnvf Mer die Staubs- und LandesbürgerschafL in Vorschlag gebracht tatt/rbe. Der Entwurf liegt, da er gänzli ch unbranchbar ist, im Berfassungsausschuß hegva'ben. BundesVanzler Dr. Ramel teilte mit, daß >im BtmrdeskanFera.mt gegenwärtig au dem EnÜwUVf eines neuen Staatsbürgerrechtsgesetzes gearbeitet 4verde. Die Arbeiten sind ziemlich weit gediehen, doch müssen noch die anderen im Gegenstände ryteressierten Stellen sich zu dem Entwurf äußern. Sobald die A-vbeiten a'bgeschlossen sein werden, werde die Regierung dem Nationalrat eine entsprechende Vorlage unterbreiten. Mas die Frage des Heimat rech Los der Optanten betreffe, fo sieht der Entwurf des Borwältuingsentlaftungsgosetzes in einer in ihm enthailtenen Novelle znut Heimatrechte Bestimuutngen vor, nach welchen die heiimatlosetr Optanten Heimatvechte erlangen sollen. An einer ehesten Regebuug iefer Frage ist die Regieruing ungemein interessiert, da der gegenwärtige Zustand f ü r d i e Optanten ungenrein abträglich ist und auch die Verwaltungsbehörden mit einer Uunrenge Vdehw-vbeit 'belastet, die die Regierung mit Rücksicht auf die Verbilligung der Berwultung beseitigt sehen möchte. Der BuudeskanKer ergaug sich des weiteren in einer sehr ausführlichorr Schilderung des öffentlichen Sicherheitsdienstes nnv hob hervor, daß die Gendarmerie uou nuiforut-iert werden wird, die Uniformfarbe werde, in Hinkmrft nicht mchr „khaka-i", sonder«, eisengrau seil,, lieber die mit so großem Älplontb «inge'küudigte Antiteuerungsaktion drückte sich Dr. Ramek in den herkönrMichen Eommuniquephrasen aus. Wenn in der öiftentlichen Erörterung dieser Aktion — |b sagte er — immer. Wieder gefragt wird, warum denn die von der Re gier-,mg Seipel bereits angekündigte steuerpolitischc Maßnahme der Brotverbilligung dtdrch Herabsetzung der Warenumsatzsteuer bei gleichzeitigen, E n t f a l l d e r F ü r s >o r g e a b g a b c noch nicht vevwiM'icht wurde, so müsse er daraiulf verweisen, daß der beträchtliche Ausfall, den der BundesfckM und die Landevfönanzen dadurch erleiden urüßten, es gebieterisch vevllamge, das; die Sluswirkurrg einer solchen finanzpolitischen Maßnahme nicht w i r k n u g s l -o s verpuffe. Diesfalls war jedoch die erforderliche Getvähr bisher noch nicht gegeben. Bezüglich des Brotes verfolge er die von der Regierung Seipell eingeschlagene Preispolitik koirfequent weiter. Die private kollektive Pve.isdevein«barmlg erachte auch er als s ch ä d l i ch. Das fre ie Spiel der Wirt - schädlichen Kräfte von Angebot und Nachfrage kömve allein den richtigen VevkauDprois ergeben. Der KatHler buchte es schließlich als einen großen Erfolg für sich, daß der Bwtprois trotz der ständigen Äeigeru'ng des Getreidchverses «auf den, MollumM «bei ans im große» u«nd ganzen auf der Aten Höhe geblieben ist.