Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2147 (11.2.1925)
- Date
- 1925-02-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wmm mm* MSWMMÜW. '5 Kr. Stff swewm Heute Mttwoch de« 11. Februar. />9 Uhr abends. StdmpiaWe. 1. Ser., Rotgafle s, öchulwerkes SHttriridi): Solar Setcuf, Hans Moser, Richard Luschinsky «. v. a. Sarteu zu rs.M Kronen an der Abendkasse Me Lreditscher Massenmörder. Jas ReW der Ermordete« vertäust? (Eigendienst -er „Wiener Morgenzeitung".) -W Brünn, 10. Februar. Die Httletifud^irnQ in der Tre- Leichen, etwa fmrf oder -sechs, Negen, di« «uff den der» Safte gegen Nadir. Oie Mandate tot Radie-Partei sollen annulliert werde«. Velgnck, 10. Februar. In der Frage der Berffrzre. nrng der 68 Mandate der Radic-Pavbei erfahrt die halloffiziöse ,^reme", daß die Regiemngskoälition im DerffAatümSanSjchuß beabsichtige, alle Mandate der Radie-Partei auf Grund des Artikels 16 des Ge- -scheS zum Schutze des Staates für nichtig z u erklären. Die Regierung hoffe, eine sichere Mehrheit in der Skupschtina und im VerifikaOonsa'Usschuß zu -evlangm, um diese Maßnahmen durchführen zu rönnen. In diesem Falle sollen Neuwahlen ausgeschrieben werden für di« Besetzung der hiedurch sreigewordenen Sitze, an denen ttüä>er alle Parteien töilnehmen werden. Die Regierung bleibt bis 7. März im Amte. Der haute abge'HMene Minister rat sichte dem Beschluß, daß die Regierung dis zum 7. März in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung im Amte bleiben werde. In diesem Sinne wird der Mmister-- not dem König empfehlen, die Demission der beide« mcht Nxedergewahlten kroatischen Mitglieder de's Kailinetts Drinkodie und Surmin nicht anzunehmen. Schaffe bei einer SommuuWendimouftratkon in Prag. Prag» 10. Februar. (Tschecho-ftow. Pretzburerm.) Nach einer heute hier von der k o m m u n i st i s ch e n Partei zum Protest gegen die Teuerung veranstalteten Demonstration zog die Menge de» WenzelSplatz, wo die Polizei, welche die Ansammlung zu gerstvenan versuchte, mit Steinen und Ziegeln beworfen wurde, weshaW sie zur Schußwaffe griff. Hvebei wurden acht Personen, durchwegs reicht verletzt. Mehrere Polizisten hatten durch Steinwürfe Verletzungen davongetragelr. Gegen 10 Uhr abends war die Ruhe wledelhevgestellt. Unter dm verwundeten Demonstranten ^befindet sich ein russischer Staatsangehöriger aus Betzarabien> 8dl Mgeordueter eingesherrt. lltzgendienst der MienersMorgenzeitung".) Budapest, 10. Februar. Der Budapesier StrafgevichtShof verhandelte heute de« Preßprozeß, den das Pogvomblatt „Szosza^ gegen den verantwortlichen Redakteur dL ,Mti Kurier", Dr. Boroß, angestrengt hatte. Df. Bovoß hielt.eine umfangreiche Verteidigungsrede, weshalb ihn der Gerichtshof aufmerksam machte, sich kürzer zu fassen. Abgeordneter Ruppert, der sich im Auditorium befand, machte hierauf laut die Bemerkung: Das ist eine Schweinerei! Der GettchtSpräsident verurteilte Abgeordneten Ruppert zu einer Ordnungsstrafe imd, da er Demonstrierte, zu einer achttägigen Gefängnisstrafe. Als der Präsident Ruppert sofort abführcn lasse« wollte, berief sich dieser auf feine I m m u n r t ä t als Abgeordneter, was jäwch der Gerichtspräsident nicht anevkanme, da Ruppert m flagranti ergriffen worden fei. Im Zuhörerraum ertönten 'entrüstete. Rufe: „Einen Abgeordneten der Nationalversammlung ixitf man nicht verhaften!" ,Me kann der Herr Präsident so, eüvas tun!" Der Vorsitzende: ,^ch verhafte das ganze Auditorium! Ich verhafte Rudolf Ruppert!" Nach einer Beratung erklärte -der Gerichtshof durch den Präsidenten, daß er Ruppert auf acht Tage in Haft nehme. Ruppert protestierte in lcidenschaftlicheur Tone, worauf ihn der Präsident ermahnte, sich ruhig zu verhalten, da er sonst seine Strafe durch Einzelhaft und Fasten verschärfen mühte. Ms Ruppert hierauf er- Kärte: Machen Sie, was sie wollen, oridll-ete der Gerichtshof an, daß Ruppert in der Haft jeden zweiten Tag einen Fasttag haben solle. Es folgte hieraus die Verhandkmg eines Presseprozesses Rupperts, der jedoch die Einwendung machte, daß 'der Gerichtshofs befangen fei, und verlangte, daß seine Angelegenheit einem anderen Gerichtshof zuzuweisen sei. Tiefem Ansuchen wurde sta 1 tgegeben. Nachdem der Präsident erklärt hatte, daß Abgeordneten Ruppert die Fastenstrafe erlassen werde, Ivurde dieser durch den Gefängniswärter m den Arrest abgesührt. Ruppert wieder freigelassen. In der Sitzung der Nationalversammlung brachte der Bovsitzendo den Fall Ruppert zur Anmeldurrg und teilte mit, daß der Gerichtspräsident den Abgeordneten Ruppert, nachdem durch seine Verhaftung der Sicherung der heutigen Gerichtsverhandlung Genüge geleistet war, Wider freigelassen habe. Der Immunitätsausschuß tvurde auf Antrag des Vorsitzenden angewiesen, den Fall zu untersuchen und innerhalb vier- und-wcmzig Stynden Bericht zu erstatten^ bitscher Mordangelegenheit wird fteberhaft fortgesetzt. Ein eigener Untersuchungsrichter des Jglauer Kreisgerichtes ist nach Trübilßch delegiert worden, um die iloiWen Behörden zu unterstützen. Die Grabungen in der Kohn- Mühle führten Sonntag zur Auffindung der Leichen der Brüder Policky. Die wmfangveiicheiv Ausgrabungen auf dom Hofe der Mühle, die nach zwei Richtungen, und zwar nach -dom ohemailigen Mühlgraben und dem Duvbiuenschacht, geführt wurden, wiesen bereits eine Diese von mehr als drei Meter auf. Sonntag gegen 4 Ähr -nach' mittags stieß «.'Mich ein Arbeiter, der in der Richtung gegen den ÄiMnenschacht grub, auf die rechte Hund einer Leiche. Es war die vollkommen 'verweste Hand eines der Brüder/ Bald waren beide Lerchen, die sich im Zustand vollständiger Verwesung befanden, iblo-ßgeslegt. AuK den Schädel« fand man die mit einer Hacke verursachte« Todeswundeu. Der von Gervdavnreu vovgefühvtc Dvoraee-k wurde nun befragt, ob er die Leichen kenne, was sr mit einem Ja beantwortete. Heute vormittags .wurden die Grabungen fortgesetzt. Man glaubt, daß unter den Betonziegeln noch andere Dr. Geza Felekh, .wegen eines am zehnten Jahrestage des Kriegsausbruches veröffeEchten Artikels ««der dem Titel .Heute und vor zehn Jahren" zu einer Woche Kerker und vier MrNonen Kronen Geldstmfe verurteilt wurde. llei&ec de« Vevlarff der Berhandbung wird uns jetzt-ans Budapest gchchrteben: Ju'kvijmimevt wunde 'bösondevs der folgende Satz des ArtiMs: ,Ld» 88. Juli 1914 Wb es in Ungarn keinen Numerus Äaafns, am 38. Juli 1924 bchinden sich vieffache Ranbmörder ans freiem Fllß und werden gefeiert." Auf die Frage des Präsidenten, ob er sich fchuWg fühle, antwortet- AngcAagter Dr. Geza F ele! y: ,Mrvn es strafbar wäre, den ZnisawiMenlbruch einies tausendjährigen Reiches zu betvanerr^ sAMte ich mich schuildig. Wenn es strafbar wäre, zu trauern an der zehnjährige« Jahreswende, au der viele hunderttaufende WÄwen trauern, wenn es strafbar wäre, zu trauern zu einer Zeit, wo alle unsere Hoffmurg mx in de« Wiederausba« gesetzt werden Bann, fühlte ich mich schuldig. Ich fühle mich verbündet mit dem Vertreter der öffenMchen Arrklage, denn atrch ich kämpfe dafür, daß in Ungarn die vieltausendjähv'ügen, Gesetze' der Moml wieder Zur GMrng. gelangen Men. Cs ist notorisch, >daß.im ,Jahre- 1914 Ungarn lwch keinen Nntnerus elanisus gekannt hat. Im Jahre 1929 wurde dieser Gesetzentwurf vom Kultusminister Stephan Haller eingebracht. I« der Begründung >des Entwlurfes heißt es, es sei dies ein spezielles Gesetz, das «och nirgends auf der Wc11 existier-e und alle!» anderen Staa'ten als Beispiel dienen werde. Tatsächlich versuchten an-ch die r u m ä n i f ch e n Stiudentenvewinigiuriigen, d'iofes Beispiel nachguathmen und Mieten eine Propaganda, für dm Numerus clansus ein. Es ist bekannt, daß die Universi tä t'sp r o fes so re n und P oli ti k e r Rumäniens sich gegerr diesen Plan verwahrten N!rrd darauf hinüvioseu, es 'hätte für den moralischen und ulateriellen Kredit Rumäuiens katastrophale Folgen, ivenn dev Ädumerus clausus oingosührt würde. Es ist l'ekanui, >daß er rumänijschr M i n i st er des I u u c v n die Sbudent-erwevomiguttgen in Rmnänien. aufiäsvn ließ, die für den Num-evns ölansus -eingetveten ivaren und sich zu GewaUtätigjköitert ha.tteu 'hiuveiißen -lasfe-n. Was 'den z-waiton Teil der inikviNÄnierMv 'Stelle meines Artikels bvtrifsr-, so bedarf hiev vigenMch keinerlei Belveise. Es ist allbekannt, daß bei «ns Mörder auf freiem Fuß sind und gefeiert werden. Diese Rolle der Mörder ist in n-nstrem Vaterland kein sporadischer Fall. Es gibt politische Gruppen, vorc dsnen die Mörder systematisch gastiert werden. Ich bin in der Lage, mich auf Etliche anthcntische Akten ibernfen zü kön,uen. Die Akten des Militarauwaltes der IchMich'rmgariMn Geudauwevie euMstn in rrerm- 'fchwujude'nen jüdischen Flüchtlingen ideutisch fein sollen. Die Mühle ist geschlossen -und von einem Gendarmerieaufgebot besetzt. Die Auslegung in der Stadt ist >kcmiM zu fchil'deDu. Don den bisher Verhafteten hat nameMrch der junge Johcvn« Fejta ein vollständiges^ reumütiges Geständnis abgelegt, «und es zeigt sich immer mehr, 'daß seine Angaben sich bestätigen Dieser Anschannng sind auch die UutevsnchungsorMM und nehmen daher ans Grund feines GeftLndniffes Ehre Maßnahmen von. Nach dem Geständnis Fejtas sind nicht alle Leichen d>er Eomwrdeten begraben worden, sondern sie wurde« tatsächlich zerstückelt und in der Umgebung als Fleifch'verlkanft. Gin Teil der zerftücksHen Körper wurde in Sa kl zs ä ck e n, welche dir Mörder gestohlen hatten, 'verpackt 'M>d in dieser Verpackung wvhrschsinllich auch in den Verkauf gebracht, E dieser Mutmaßung 'hängen die meisten Lot gestern vorgenommenen Verhaftungen gufamme«. Jur ganzen befinden sich zurzeit achtzehn Personen m Haft, so daß das Toebitscher Gelvichtsgefängnis ÄbeLfüllt ist. zehn Punkten div Aufzahlung von. 64 MoMastn, wobei 'betont' wird, daß man die Opfer unter ausgewäMen Foltern in den Tod ge'jchickt Habe. In dem Befche-N» des GendarmerieinspeUvrats wird festMftellt, daß der Befchl zu diesen Morden van I w a n H e j j a s auZgegangen M Bon devstlben Stelle, wo heute gegon mich die AmWage erhoben wird, erhob Staatsanwalt Moldovanyr ckls Vertreter der öffenMchsn AnMage die Beschuldigung, daß 'das Gewissen Jlvan Hejjas van vienigistens 53 Morden . belastet ist. Seither ist es nachgewiesen worden, daß die Zahl der Opfer eine bedeutend größere ftL. DM GMissen HvjjaS' wird also zumindest Von hundert Mordtate« belastet, Die Am-lwstie kann nur die ftrafvechMchs Bevant» Wörtlichkeit aufheben. Bon der Moralischen Bevan-twortlichkeit kan« keinerlei Amnestie entbinden,. Der Verein 'der Eriwachendan Ungavn wühlte Liefen Jwar» Hejfas W seinem Mchäftsfuhrende« Mepräsidenten. Hefjas f&exeiifte dieses «nMcklrche verstümmÄte Land, an -dessen Ruin er auch zum Teil Schuld trügt infolge feiner Rolle beim West ungarische« Aufstand. Auf feinen Reifen in der Provinz wurde er mit städtische« Galawage« heWmgeführt, mit Lorbeerkrauze« begrüßt und i« Fraue«vereine« gefeiert. Dieser Iwan Hejftrs ilvav es, Äer sviuerzeit die Regierung Simonyi-Semadam in an den Stmßenecken affichrerten Plakaten auffordertc, Hw Stelle zn Vevlasstir, und nach drei Tagen war die Regiemng gestürzt. Auch herrte wiedeHolt sich der Fall, -daß in Bolks- Vevscvmmluugen auf Iwan Hejjas und Jostf Marffh äk Hochrufe a-llsgebracht werden, auf jenen Josef . Nbavssti, V bessert einziges Verdienst es ist, daß er wegen a ch tfachen Verbrechens des Mordes vom mrgarischen Gericht zrmr Tode durch de« Strang verurteilt wurde. Alle diese Symptome zeigerr a>I eure destruktive Haltiung und siitd geeignet, mrser öffentliches Leben zukoutpromi'ttieren. Es 4var also mei,rre Pflicht, gegen 'dkest destruktive Mästung Verwährung einM'legen. Ae Acheka und der revolutionäre Kriegrrat. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) . Riga, 10. Februar. ,Zum Stellvertreter des Nach soltzers Trotzkis, des Krregsnrinisters F r u n g e, ist der Konmm'lldant der Tschetbäbteilung „ftir lhefondeve Angelegenhsitvn" Unschlicht emmmt worden. Er ist einer der Gviinder der Tschebr mid -beforrdever Freund ihres Oberhn'upr>es Felix Dscherschins'ki, dessen Stellvertreter er bisher üvar. Dll-rch seirle Ernonnmig kommt die rote Armee völlig m\tev den Ginfluß Dschevschinskis, dom vieilfach nachgesagt wird, daß er mit Kamenew genteinftml nach dev Macht ftreibo. „Das Land, in dem Mörder gefeiert werden." Wir haben bersits kurz lbevichtot, »daß dev GhefvedaLtour Hs Budcvpester libemlen Blattes ,^LÄag".