Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2144 (8.2.1925)
- Date
- 1925-02-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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mii eingebautem lfBep*onM-Oummi.Absatz ,yrkedcnsidee, der ix durch Schutzzoll, durch Pässe und Bisa und durch die absolute Negierung der kulturellen Solidarität entgegenwirkt Die ganze Wett steht unter der Herrschaft einer politischen Korruption, die sich stündlich erweitert und ihre Kreise immer weiter zieht. Sie hat die Gemüter abgestumpft und sie wieder in den Zustand der verdammten Zufriedenheit versetzt, wie sie vor dem Kriege herrschte, und die sich damit abfindct, daß es nur nicht arger werden möge. Stillstand ist Rückgang, in der angewandten Politik mehr als auf einem anderen Gebiete, und es gibt geschäftskundige Elemente genug, die den Rückgang noch beschleunigen wollen.. Der Nativnalis ,nus in Deutschland ist der Schrittmacher der Kriegsverdiener, die ahnungsvollen Gemütes ihre Lieder von dem heißgeliebten Vaterland und Volk singen. Sie haben sehr gute Gegenspieler auf der Seite der Feinde und die. verschiedenartige Musik hindert sie nicht, gemeinsam ans Geschäft zu denken. Die Firmen Krupp und Vickers führen Prozeß um die Tantiemen aus einem Münitionsvertrag aus dem Jahre 1902. Die von Vickers gelieferten Zünder haben Tausende von deutschen Soldaten erschlagen. Krupp verlangt seine Prozente. Vickers wendet ein, daß das Abkommen durch den Versailler Vertrag hinfällig geworden sei. Die Prozeßparteien werden sich aber schon wieder einigen, und wenn nicht anders, so durch einen neuen Vertrag. Ebenso wie sich die deutschen und französischen Schwerindustriellen bei den gegenwärtigen Wirtschaftsverhandlungen trotz aller Schwierigkeiten einigen werdeir. Die Stimmung ist vorhanden. Auf deutscher Seite sind ja die Krupps. Und auf der französischen? Einer der Großen dieser Kategorie, Herr de Launay; schreibt in der ernsthaften' und vornehmen „Revue des deux Mondes" über die schwerindustrielle Ueberproduktion und die Mittet zur Abhilfe. Er sagt einfach und schön: „Wenn man es fertig bringen würde, wie viele es erträumen, den stän-. digen Zustand eines europäischen Friedens zu verwirklichen, oder wenn auch nur einige Länder, etwa das nnserige, diese gefährliche Illusion hegen sollten, so würden die Absatzquellen für Stahl und Eisen zu militärische» ^Zwecken außerordentlich geschmälert werden;, dies gilt jetzt schon für die Marine." Es darf also, keinen Frieden'geben,-weil er den Profit verringert. Man sieht schon klar, wer die sind, die die Abrüstung verhindern" und die zur Erreichung ihrer Ziele die Generäle bezahlen und eine gute, große Hetzprefse alimentieren, die dafür sorgt, daß den Menschen die Sorge um die Arbeitslosen in Fleisch und Blut übergeht, jene Sorge, die in zynischer Argumentation den Antisemitismus, die Angst vor dem jüdischen Gewissen, verbirgt. Das Arsenal der vereinigten Krupp, Vickers, Launay, Schneider und so weiter verfügt über viele Mittel.. Eines davon ist der organisierte Judenhaß, zu dessen Propagandasie ganze Armeen von Lumpen und Maulaufreißern in Sold halten. Das Judentum, leidet unsäglich. Aber es kann stolz darauf sein, daß es an dieser. Korruption keinen Teil hat. __ Griechenland ruft den Völkerbund an. Athen, 6. Fckbruar. (Havas.) Die türkische Antwortnote in der Frage des Patriarchats - ist W-r ein* ccfaufeit. Die griechische Regierung wind über die Antwort, die <uu->f di-e türkische Note zu gelben sein tvird, 'bersten. In poetischen Kwisen ist man «der Ansicht, daß sich die griechische Regierung bemühen wird, die Streitfrage cititf juristischem Gc'övet auszutrcvgen, indem sie sich an den internationalen Gerichtshof im Haag oder an toeit Völkerbund wenden wird. - ’ Nach den letzten Meldungen ist eine Note der gviechischsn Regierung mät der Bitte um I n t e r v e n t i o if Völkerbundes im griechisch-türkrsche'n Konflikt bereits an das Völkerbundsekvotariat alb gegangen Weitere türkische Zwangsmaßnahmen gegen die Griechen. Paris, 7. Februar. (Havas.) Die Matter melden aius A the n: Nach Meldungen aus 'britischer Quelle sollen die Behörden von Konslauti'nopel das Gigentium von drei griechischen Banken mit Beschlag belegt E-aben, und aiuch beabsichtigendie gesamten Waren, die ' gegenwärtig für die von .KonstaMnoPel abwesenden Griechen eingela-gert worden sind, mit Beschlag zu lbekftm. ®tt Vertreter gtaltens im vSlkerbilno. Carazza — der Nachfolger TalandraS. ■*. Rom, 7. Februar. „Sereno" ibevichivt, daß der ehe- .'.culige Mimster Carazza zum Nachfolger Galandras als Vertreter I tat re rrs im Böller- :• r > uirsersihen! svi. . Tk« ftierkiche Eröffnung der jüdischen Universitär in Jerusalem ist nicht nur für de« Aufbau Palästinas als jüdische Heimstätte von großer Bedeutung, sondern auch für das Judentum der ganze« Welt von ungeheurer Tragweite. 6Ä ist daher selbstverständlich, daß "dieses Ereignis im Mittelpunkt des Interesses der gesamten jüdischen Welt steht. Sicher wünschen viele Juden in allen Teilen -er Welt dieser bedeutungsvollen Feierlichkeit beizuwohnen, umso mehr als sie in einen Zeitpunkt fällt, welcher für den Besuch von Erez Israel der geeignetste und durch die Tradition -er Fahrt nach dem Lande unserer Väter bestimmt ist. Die Eröffnung der Jerusalemer Universität fällt zeitlich mit den Pessachtagen zusammen, die am 9. April beginnen. Die „Wiener Morgenzeitung", welche cs seit jeher als ihre Aufgabe betrachtet, das Interesse für alle Strömungen im modernen Judentum wachzuhalten und zu fördern, will diesen bedeutungsvollen Zeitpunkt m der jüdischen Geistesgeschichte nicht vorübergehen lösten, ohne ihren Lesern den Kontakt mit diesem Ereignis in weitestgehendem Maße zu Vermitteln. Sie entsendet Zv diesem Zwecke einen Spezialberichter st atter nach Erez Israel und wird so ihren Lesern nicht nur rasch und ausführlich über den feierliche» Akt der Univerfitüiseröffnung berichten können, sondern auch durch an Ort und Stelle gesammelt^Eindrücke und Betrachtungen über den Stand des jüdischen Aufbauwerkes informieren. Die „Wiener Morgeuzeitung" will aber auch dem jüdischen Lesepublikum die Möglichkeit geben, das bedeutungsvolle Ereignis der Universitätöeröffmmg . m it eigenen A ugen zu sehen, den Stand der jüdischen Arbeit im jüdischen Heimatlande selbst zu kontrollieren und sich über die Möglichkeiten in Erez Israel und die Wirklichkeit, die dort geschaffen wurde, ei« Urteil aus eigener Anschauung zu bilden. Den Bemühungen der Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" ist es dank dem Entgegenkommen des Lloyd Triestino gelungen, ein Programm für eine Gesellschaftsreise nach Palästina zusammenzustellen, das Gelegenheit gibt, das Land unserer Verheißung in. allen seinen Teilen genau kennen zu lernen und nicht nur seine Sehenswürdigkeiten hlstorischer Art in der touristischen Mauser zu absolvieren, sondern , das jüdische Leben des Landes zu sehen und zu studieren. - Aus diesem Grunde veranstaltet die „Wiener . Morgenzeitnng" gemeinschaftlich mit dem Lloyd Triestino eine Gesellschaftsreise nach Palästina, in . deren Programm das Hauptgewicht nebst der Teil- . nähme an den Eröffnungsfeierlichkeiten in Jerusalem . aus den Besuch der Stätten jüdischer Arbeit, der jüdischen Kolonien und Farmen gelegt wird. Die Dauer der Reise, in der auch ein fünftägiger Aufenthalt in Aegypten inbegriffen ist, ist für die Zelt vom . 26. Marz bis 21. April d. I. vorgesehen und erfolgt mit dem Expretzdampfer „Tevere" des Lloyd - Triestino. Das ausführliche Programm wird in den nächsten Tagen hier veröffentlicht werden. ES umfaßt alles, was in Palästina nicht nur historisch von Bedeutung ist. sondern auch das neue jüdische Leben, die neue jüdische Arbeit, die neuen jüdischen Kulturbestrebungen repräsentiert. Die Kosten der Reise (2. Klasse Eisenbahn und Schiff) einschließlich Verpflegung, Führungen, Autofahrten, Hotel, Trinkgelder, Gepäckbeförderung usw. dürften zirka 85 Pfund Sterling betragen. Ausführliche Prospekte erscheinen in den nächsten Tagen und sind in der Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" 2. Bez., Taborstratze 1—3, erhältlich, woselbst schon jetzt Anmeldungen entgegengenommen werden. - Die Bodenlang vor Universität. London, 6. Februar. (I. T. A.). „Daily Chronicle" veröffentlicht in ihrer - Ausgabe vorn 3. d. einen Leitartikel unter der Überschrift „Zionismus", in.welchem es heißt: Der Besuch Lord. Balfonrs in Palästina im komeurnden Monat wird mit einem Ereignis von .weittragender Bedeutung für das. jüdische Volk verbunden sein. Lord Batsour wird die hebräische Universität aus den: Scopusberge eröffnen. Das alte Ideal der Zionisten wird dadurch tu die reale Wirklichkeit getreten sein. | Vor wenigen Jahren noch schien der Gedanke des' Wiederaufbaues eines Heimes für die Juden in Palästina vielen phantastisch, anderen gefährlich. Zu Ende des Krieges bildete die jüdische Bevölkerung in Palästina eine kleine Minderheit; ihre Ansprüche ans das Land gründeten sich aus die Hisloric sowie auf ein religiöses Gefühl, das in gleicher Weise zu den Juden wie zu den Christen spricht. Auf Seite der Araber erhob sich rin feindlicher Widerstand, eine weitläufige Propaganda wurde geführt, die den Zweck hatte, bot Eindruck zu erwecken, daß die arabische Bevölkerung ungerewt behandelt und in ihren Rechten gegenüber den frenrden Einwanderern beeinträchtigt wird. All das ist u n b e g r tt n d c t. Sir Herbert Samuel hat sich fortdauernd bemüht, nr beweisen, daß die Juden keineswegs gegenüber den Arabern' bevorzugt werden. Eher schien es, daß der Aufbaupian ml-: Mangel an geeigneten Einwanderern scheitern würde, ok> aas; die Juden so stark werden könnten, die Araber ouszut'.eibe» Allmählich aber tritt . , der Aufbauplan in die Wirklichkeit. Palästina leidet nicht an Uebervölkerung, sondern im Gegenteil, an einem Minus an Entwicklung. Die. neu ins Land Kommenden nehmen ein verwüstetes, steiuiges-, ' nicht entwässertes Land in Empfang, machen es urbar und erzeugen ein Wachstum für spätere Jahrhunderte. Sie bringen Geld ins Land, gründen Schulen, bauen Städte, Straßen usw. Sie sind noch gering an Zahl; etwas über 100.000; aber ihre Arbeit bringt Palästina eine neue Entwicklung, berauch die Araber teilhaftig werden. Die Zonistcn glauben, die hebräische Universität werde, in gleicher Weise Palästina und den Juden der ganzen Wett dienen. Sie bemühen sich, die Intelligentesten ihrer Rasse nach Jerusalem zu bringen, wo die Möglichkeiten siir eine höhere Erziehung und Kultur derzeit noch beschränkt sind. Man tydfft, den besten Typus, ins Land zu ziehen und in der Hauptstadt eine geschulte Mittelklasse zu konzentrieren sowie Ge lehrte und Organisatoren zur Enttvicklong des Landes nuszr, bilden. Diejenigen, die in einer solchen Entwicklung eine - Zurücksetzung der Araber erblicken, sollten sich in Erinnerung rufen, daß Palästna unter der unschöpferischen Herrschaft der Türkei in Sterilität und Schlaffheit, gehalten worden ist. Es ist auch heute noch ein nur halb Produktives Land, ■ welches durch weitere Vernachlässigung ganz veröden kann. Wenn nur:-die Inden mit ihrer Intelligenz, ihrem.Kapital und ihrer Energie ins Land kommen, es kulturfähig machen, eine Industrie, aufbauen, so kommt das allen zugute. Solange . sie politisch, in der Minderheit sind, werden sie Minderheit^' rechte genießen. ... Dine HundruttausLnd-Dollnp-SchenTunK sne ~ die Universität. Aew-Aork, 6. Februar. (I. T. A.) Das Mitglied des Landeskomitees der Zionistischen Organisation in Amerika, der Fabrikant Mr. Israel Katz, stiftete 100.000 Dollar für die Förderung der Arbeit der hebräischen Universität in Jerusalem sowie für die Förderung der hebräischen Literatur durch. Unterstützung unbemittelter hebräischer Schriftsteller. Das Kapital soll einen Dauerfonds bilden, die Zinsen — etwa 6000 Dollar jährlich — sollen den gedachten Zwecken zugeführ werden. Das Dechwkkum in Haifa. Jerusalem, 6. Februar. (I. T A.) Sir Alfred M o u d, Mitglied des englischen Unterhauses und früherer Innen- - minister, ist am 8. d. in Jerusalem eingetroffen. Er stattete noch am selben Abend dem Oberkommissär Sir Herbert Samuel einen Besuch ab. Am 8. b. gab Sir Herbert Samuel zu Ehren Sir Alfred Monds im Regiernugshause ein Diner. Sir Alfred Mond besuchte dann in Gesellschaft Sir Herbert. Samuels die hebräische Oper. . Am 6. d. gibt die Zionistische Exekutive in Jerusalem einen Tee zu Ehren Alfred Monds. Am Montag den 9. d. Wftd Sir Alfred Mond, der bekanntlich Borsitzender des Verwaltungsrates des neu errichteten Haisaer Technikums ist/ den Akt der Eröffnung . des Tcchni kn m s vallziehen. Glne billige Palästwattnie des Lloyd Triestino. Der Lloyd Triestino eröffnet in kürze eiye neue billige Palästinaeillinie, bei welcher die Kosten der Reise Triest—Jaffa, dritter Klasse, einschließlich Verpflegung, sich bloß auf sechs Pfund Sterling belaufen werden. Die neue Linie, für welche der Lloyd Triestino die modernen, mit je 200 Betten dritter Klasse ausgestatteten Eildampfer „Eariu thia" und;,®oua" in den Dienst stellt, soll ausschließlich. . dem Massen- und Touristenverkehr nach Erez Israel dienen. Die „Carinthia" tritt -ihre erste Reise nach Jaffa am 11. März, die „Soria" am 28. März an. Wiener Mor^en^eNirng ,“vCivmu Nr. AM Eröffnung der hebMche« IlniverM Sine WMchaftrreise der „Wiener Morseazeltung". Re Wahlen ln ~ . Belgrad, 7. Februar. (U. T. K. B.) An: B iraoeud -derWahlen herrscht i>n dür 3tcist oo llständ ige R nh e. Die NeyievungsParteiler Höffen, daß der national2 Blockdie Mehrheit evhaltcrt tverde. Demonstrationen in Agram. Aus Agram wird dem U. T. K. B. tfemclöet; Gestevn Muds fand am Jellaeie-Platz eine D e m o u- -stralron .von Radie -Par teile ru und Ar- Leide'rn ftatt. Die Menge/-gogunter Hochrufen auf Ra>dic durch die Straßet,. Die Fenster der RedaktionsräniMchkeiten des Pvibioodic-OrHans „Rjec" wurdeir ein geschlagen. Die Polizei wurde bei dem Versuch, dic Demonstvartten zu -gevstrsnen, mit Steinen bewo-rsen. Einige' Polizisten wurden leicht verletz 1. Auwoilt'ige Denromistrauten evlitten Bevletzatngen. Inzwischen wurden in einem a»ldoien Deiie der Stadt von MitBedern der kroatischen nationalistischen. Orgaiüsativn zwei Orjnfisten angegriffen Uffch schwer verletzt. Ein rroatische-r Nationalist wurde, durch «inen Revolver schuß Vevletzt. Die Agrameic Polizei hat strenge Maßnahmen getvoffech m eventuelle weiiere Rtlhestörnngen W vechinderw. ^25991