Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2142 (6.2.1925)
- Date
- 1925-02-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. S14S 95ictt, Frollag ' Wiener MorgenzeituNA. $f!t 3B «ft f fl I c », wo o Mandatare äu wählen waren, lvurde her KmÄidat der jiidischen ValkHiarwi, Ob«rregier,mgsnflt HanS Goslar. Erwähl!. Liberal« sind gewählt: R. A. Dr. Aatzentstein lDielefebd), Frau Ottilie 2chö>!«>va'!d (Bochitut). Lchrer GolÄschmidt ('Dortmund). Alaufntamt Lecser (Dortmund). Dieses Resultat ist noch nicht eitfyxiiüip. Im ganzen Mmfceit hier auf die Liste der Polikspartei 2602, auf die der ÄlberaLen 3049 Stimmen aibgeglchen. In der Provinz Sachsen wurden ein Kandidat der jüdischen Boskspartei und der Liberale Dr. Emil Frankenstein (Magdeburg) gewählt. Im WahVreis Schlesien wurden pitr die Deiciitia;o Liste der Liberalen und Konservativen 4060 Stimm «n, für di.' Lifte der jüdischen V o l k s p a r t e i 1500 Stimmen abgegsben. Dieses Resirltat ist ein vorläufiges. Man rechnet nüt 4 vis 6 Liberalen und Konservativen und l vis 2 Mandaten der Mischen Volkspartei. In Schleswig-Holstein, wo die Zionisten die Mehrheit aller Stimmen ans sich vereinigten, wurde, wie schon mrtgeteilt, ein Liberaler und ein Doiksparteiler gewählt. tzbert wird nicht mehr Reichsvräfident. Dr. Marx Kandidat der republikanischen Parteien. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 5. Februar. Ncichöpräsident E b « r t, lwsseu Umtäbaam am M. Juni 1926 avläust, hat bereits mehrfach «Mart, eine Kan d i-dat-u r für eine Wiederwahl Licht anzunehmen. Da nach von gesetzlicheil Bestinrnmngen über bie Wahl des Reichspräsidenteil zwe i Mahlgänge nötig sind, von Leuen Ler erste schon im Mai erfolgt, nehmen die politischen Parteien schon jetzt Wer die Aanbiibatim» Fühlung. Die republikanischen Parteielt wollensich für di« Präsidentenwahl zu einem Block znsa>mmenschli«ßon, der für den zweiten, entscheidenden Mchlgang als gcmeinsamen Kandidaten den chemaligen NeichLkanzler Dr. Marx auffteM. Auch die Rechtsparteien wollon für den zweiten Mahlgang einen Mmeinfamen Kandidaten aufgellen; irrer dies seilt wird, steht noch nicht fest. Sie preußische Regierungskrise. Stemm logt die Kabinettsbildung zurück. — Das Zentrum soll den Ministerpräsidenten stellen. Berlin, , 5, Februar. (Wolfs.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Mimsterpräsident Braun ihvute an den Präsidenten 'des pve-nßischan Landtages «in Schveilben gevichtet, worin er mitteilt, >daß er die Wahl zum Ministerpräsideinteu nicht anuehme. ' ,r Dvefe's Schveiöen wurde im Preußischeit Landtag zur Berlefung gebracht, der >da,m die Dvbatte -über die Amncstrvanträge forifetzte. Sie war sehr stüvinifch, was zu einer viertelstündigen Unterbrechung führte. Schließlich nahm der Landtag einen Antrag auf Z u rückv « rw « >rslu ng der Amwestieanträge air den Rechtsausschuß au und vertagt« sich auf Freitag. Der interfraktionelle Ausschuß ides Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemokraten im preußischen Landtag trat 'heute nach Schluß der Plenarsitzung zusammen, um die .Politische Lage zu 'besprechen. Der Rome des künftigen Ministerpräsidenten, der in Frage kommen dürste, wurde aber noch nicht genannt. Es wird aber als sicher angenommen, daß das Zentrum >den Ministerpräsidenten stellen werde. Im Vordergrund der Kombinationen, steht, wie lberests berichtet, der Abg. H o r 4 o n. Ludendorffs poMsche« Talent. Er hat die Hakenkreuzlerpartei ganz heruntergebracht. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 3. Fcibruar. Wie die uationalsozialistis'che>n Blätter zugeben, >hat die dentschvölikische Be«wognng seit beur Münchener Novem'berpntsch 'dauernd an Boden verlöre n. Die Leitung durch den Kviegsverlierer Ludendorff hat den Bersall beschleunigt; der tapfere General 'hat sich als so. ausgezeichneter „Verweser" der Partei während fo«t* Haft Hitlers erwiesen, daß Hitler bei seiner Freilassung fast n ichts n\ ehr vorfand. Viele Abgeordneten der DeutschvöMschen suchen — da auch die Geldmittel von jenseitsdes Rheins nud «des Ozeans nicht mehr reichlich genug fließen — Unterschlupf bei anderen Parteien. Die Zerfallsbewegung ist nicht nur in Bayern', -sondern auch in Norddeutschland -in vollem Gange. Zwischen beu norddeutschen .Hakewkreuziliern und Hitler bestehen überdies schwere MeinunWverschiede.nheiten in der Frage der Stellung zu Rom sowie der ' Parlament' tar'schon Betätigung, die Hitlen bekanntlich ablehnt. General Nathnfinr. Paris, 5. Februar. (Havas.) Die strafgerichiliche M-- terlung des Kassationshofes hat die B e r u f u u g des deutschen Generalls.v. Rat Huf ins verworfen. Die Begnadigung bleibt zwar in Kraft, aber der Ge-- -ichtshof hat di« seinerzeit ausgesprochene Simse bestätigt. Pettium« Pariser Mttgkett. Parts», b. Februar. (Tel.-Komp.) Der bekannte ukrainische Pogromhetman P e t l i u r a, der sich seit einigen Wochen in P a r i L aufhälf, entfaltet hier eine eifrige Propagandatätigkeit unter den ukrainischen Emigrant« u zugunsten eines » n a b h ä n g i g e ri,n k r a i n i s ch e „ E i a a t e s. AatMdische zvWeuWr ln «arscha« >mk> Lodz. Weg«» offciwt Stuten am Haintag «Eipciidicnst der „Wiener Morgenzeitüng".' Warschau, l. Februar. Am 2. d.. einem katholischen Feiertag, lvaren. in Warschau infolge der von der Regr«- run!,4 pub'lizirrteit Abschaffung der Feiertage viele Geschäfte geöffnet, darrmier fast säinMche Läden im jüdiswell' Viertel. Dieser Umstand führte zu nlehrsachen;'Mischenfällen. Katholische Passanten forderten die jüdischen Ladeninha'ber aus, ihre Geschäfte zu sckMßen. Ernstere .Ztvischenfälle er«ign«-teü sich m der itlic-a Dwarda, wo eine Kirche sich befiirdct. Dort erfolgte,t Uebevsälle auf jüdische Ladenbesitzer. Einige Gruppen, nu-ler denen sich zwe:- felhafte Elemente befanden, gingen gegen jiidksche Passanterr vor. Irn jüdischen Mertel entstand eine Panik, lieber Intervention des Jüdischen diadionairates wurde em st arkes Polizei« u f g e b o t in das Viertel entsendet, iwelches bald Ordnung schasste. Tie RettungSgesellschast l>2tte mohrfach einzugreifen. Auch von Plündrrangen einiger Läden, die jedoch rasch unterdrückt wurden, wird berichte!. Zn bemerken ist, daß in der erwähnten Mica Twarda an die Kirchgänger ein Flugblatt verteilt wurde, das mit der Bezeichnung „Eine Gruppe von Patrioten" nttwrferligt war und zu strertgcr.Beobachtung des Feiertages aussorderte; es 'kamen darin auch Bemerkmbgen von „einer Aktion der Juden gegen di« katholischen Feiertage" vor. Aus Lodz werden ähnliche Vorfälle gHineldet. Dort, ivaren sämtliche Läden am 2. d. offen, sowohl die jüdischen als auch die nichtjüdifchen. Nach denr Gottesdienst zogen zunächst in den Vorstädten einige Gruppen von Kirchgängern gegerc die jüdischen Läden und Stände, warfen die Waren auseinander und prügeilten jüdische Passanten. Es gab mohrsache Verwundungen. Ue'ber .Jniterveninon des Abge-orÄneteir Dr. Ros -e n b l a t t und dos Senators Brarrde sowie einiger jüdischer Gemernderäte stellte Polizei <mr Nachmittag die. Orduu-ng wieder her. Zu dieser Zeit waren in Iden Vorstädten sämtliche jüdischen Läden geschlossen, rm Zentrunr der 'Stadt waren jüdisch-e und christliche Geschäfte geöffnet. Lie Wischen Kulturfordernnge» in Karpathombland. Prag, 3. Februar. (I. T. A.) Der Minister für Vvlksaufklärnng Dr. I. Mavßovie weilte dieser Tage in Karpathorußland. In Nwnkacs empfing er eine Deputation -der Zionisten -und Msrachisten unter Fühvmrg des Bizebürgermeistcrs Dr. Spiegel, die ihn 'bat, in den jüdischen GeMeindeN das Wahlrecht m radikaler Weise durch Ein'führung -des allgeimeitren, gileicheiv' Ulnd proportionalen Stimmrechtes zu lösen. Die Deputation verlangte somer die Bowilligmtg d e!s hebräischen Gymnasiums i u Mu n if aes, welches —- so führte Dr. Spiegel ans — eine Angelegenheit der Juden der gangen Welt sei. Der Minister empfing in Uzhovod eine zionistische Deputation, die um finanzielle Unterstützung der jüdischnationalen Schulen r,>nd um Förderung des MuMofer Gymnasiums durch den Staat bat. Der Minister versprach «dahin zu wirken, daß die geänßorten Wünsche nach Möglichkeit erfüllt werden.,' rv Der griechifch-törMche KouflM. Die Türkei lehnt dns Schiedsgericht offiziell oft. London, 4. Fckbmar. Gavas.)' Wie di« Blätter viel-> den, hat die. Türkei die Note Griechenlands beanttvorlet,. wobei sie an deur Standpunkt ftsthMt, daß. ihre Aktion keine Verletzung des Lausanuer Vertrages darstölle und 'die Anreg-ung, die Angslegenhei-t -dem internatvonalon Gerichtshof im Haag vorzulegon, z u r ü ck w e i s «. In der türkischen Nationätvevsammlung erklärt Mnisterpräsident F e t h y Bei, die Ausweisung des ökumenischen Patriarchen sei in gese tz mäßiger Weise erfdiigt. Der Minffterpräistdent 'betonte die Friedensliebe 'der TüvM, diese würde sich jedoch selbst mit Waffengewalt jcder etwaigen auswärtiigen Ginmischmbg tn «ine Angjelegenheit widersietzen, die . ihres Evachtarcs ' eine rein rn'nere Frage fei. Die NabionalveVßmvmLunig billigte -einntütig di« Erklärungen des Ministierpräsidenten. Warnungen Frankreichs und Englands in Athen. Paris, 5. Fabvuar. tzHavas.)' „Akatin" veröffetlMcht eine ans britischer Duelle stammende Athener Meldung. wonach di« Gesa n d t e n von Franke e i ch 'und E n g l a xl d den, Ministerpräsid'eziten eimu Besuch abistatte-ten und ihm zur Mäßiguug vieteu. . Der sarrlftische Terror. Rom, 5. Mbvuar. (Wolfs.) Jn-Trient wurden die- Redaktionsräuule der liberalen Zeituug „Liberia" in der Nacht zerstört, di« Möbol .zevschlagen nud Ä« Aktenstücke durcheinander gelvorfen. In Catania wurde ans Grund einer HMsdnrchfuchung der Heransgcbier -des pop ol a r ist i s ch e n Wochenblattes „Opinione" verhafte t, weil 'bei ihm Schriftstück«, die zur Ausviegelung gegen die staatlichen Behörden ausforderten, aufgefunden worden waren. In. seinen Rodaküousräumen sollen sich die Miiglieder der Popolaripavtei, die durch die Polizei aufg^'öst worden ivav, versamnWlt ha'hW. - - " i). Februar 192.'» 8 Tie katholische PfarrervereinigrMg Italiens teilt Mt, daß am 23. Februar 1923 der katholisch« E r zp r i c ft e r v o n P a 'l in y r a von Faszisterr gezwungen wurde, seine Pfarre zu verlassen, obschon sich mit Politik nicht int geringsten gekümmert hatte. Rrgierungskrise in Belgien. Berlin, 5. Februar. 3tach einer Blatt»,eidung au^ Brüssel haben die liberalen Fraktionen der Kammer und des Senats bescblossen, die RegiernngSkoalition als beendet zn betrackien. ___ Inland. Auftrosaszismus. Dr. Seipels neues Programm. Der früh«re BmvdvsiMi'Zler Tr. S«tp«l har sich grollend aus dem Natioualrat zurückgezogen, sogar soine Kanzleirä-mn« im Parlanwnt — jeder besser« Abgeordnete besitzt solche in dein weitläufigen Gabände — hat ec nt*tt drn BuvoaiMÄumen auf dem Schwarzenbergplatz verta-usün. in denen früher die verkrachte Kaufmaltnsbaui' ihren Sil; hatte. Bon hier aus lenkt er seine Partei, 'svitdem der Nativmdlmt mcht -me-hr seinem Mink gehorcht, ist Doktor Seipel auf ihn böse geworden und -hat sich zur Ueber- Mgung der NeberflüssigPeit dieser Kövpers'thaft durchgevuugen. Ter Altkauzler predigt uumnchr eine Fov,n des Fasz i s m >u s, für di« er jetzt auch außerhalb der Grenzen Oestc-rrvichs Verständnis sucht. Diese seine Gedanke,egange sind deuMchvr als aus seinen Reden aus einem ersichtlich von ihm selbst iinfpivierte-n Artikel des Wiener Korrc-fpon'denien 'des „Journal des Tebats", Marcell Tunau, zu entnehmen. Darin wird beilänfig gesagt: Die Kuudgebu-ng der großdentscheu Abgeordneten Dr. D i n ghvfe r und Dr. Fra n k in Berlin 'habe die Augen über 'die Gefahren dev ü st e r r e i ch >W schen Frage geöffnet. Es sei hohe Zeit, das Problem des unabhängigen Oesterreich im Rahmen der Donau- Politik der Lösung zuzuführen, ohne in die Utopie einer politischen Föderation oder eines Zollvereines zu verfallen. Durch Abkoinmen üiber das Zolllvesen, den Bahnverkohr und die Währungssvage müßte,» mit aller Dringlichkeit die Beziehungen Oesterreichs zu den Nachbarländern geisördert tverden, und -es liege gera'de au diesen, di« Regelung dieser Fragen nicht den> erklärten F e i n d e w der Fried e n L- Verträge zu überlassen. Die innere Sanierung des Landes mache unbestreitbar große Fortschritte. Das Blatt zitiert dann Aeußernngen Dr. Seipeils über die politische!, Tagesfragen und schreibt, es sei interessant, festzUstellen, daß di« Erklärungen Dr. Dingh-ofers in Berlin keinen Widerhall über di« Anschkchfrage in Oesterreich auslöston. Die. SanreMtlg könnte in relativ lkurzer Zeit zu gutem Ende geführt loerden, wenn man ihre Durchführung weniger in parlamentarischen Berhandlungen zwischen den Politischen Parteien als vielmehr unter Mitwirkung der Parteien im Einvernehmen mit den Wirtschaftli che n GrnpPen suchen würde. In erster Linie müßte ein Einvernehmen mit de» ausländischen Glänvigeru über die PolUik der Nationalbank sowie eine Einigung der interessierte« österreichischen Faktoren Wer die Vermin d e r nn g der Produktionskosten angeftrevt werden. Die wirtschaftliche Stagnation würde beseitigt, die Industrie exportfähig und die Arbeitslosigkeit vermindert werde», lvenn die Produktionskosten um 8 bis 10 Prozent verbilligt würden. Eine solche Verminderung könne durch Herabsetzung des Zinsfußes, der Malischen Lasten und eine Intensivierung der Arbeit unter Zusammenwirken von Banken, Arbeitgebern, Arveitersyndikaten mit der Bundesregierung und den Provinzregierungen erreicht werden. Diese beiden Vereinbarungen, die Dr. S e i p e l v o r s ch l a g e, bildeten nach seiner Meinung nicht nur eine augenblickliche, sondern eine auf Monat« und Jahre hinausreichende Lösung der Schwierigkeiten der inneren und ätttzeren Politik. Wnls« -er Senker Delegation. Gestem abendS. ist die österreichische Delegation zu den Beratungen desFinquzkouüteeL des Völkerbundes nach Gons abgereist. Die Delegytton wird vom Buydesminister für Finanzen Dr. Ähre ü geWrt. Mit. dem Fittanzministev reisen folgende Mitglieder der Delegation: Minister a. D. Dr. G r ü nberge v, Mnister a. D. Dr. G t \ m nt, Sektionschef Dr^ I o a », MiMerlalrat Dr. P f a u n d l e r und RegierungSrat B o d o. Der Präsident der Nationalbank Minister a. D. Dr. R e i s ch hot sich bereits vorgestern nach Genf begeben. Für. die Dauer der Abwesenheit Dr. A h r e r s leitet Bundeskanzler Dr. R a m e k die Agenden des Finäuzministerinm«- Abba« der a«sgedke»te« Beamten. ' c Dem Exekutivkomitee des WnsundzwanzigemusschusseZ teilte Bundeskanzler Dr. R a m e k mit, daß er "den etapvenweifen Abbau derjenigen Beamten ins Auge fasse, die bereits ihre volle D i e n st z e i t erreicht haben. Er müsse auf die rasche parlamentarische Erledig,mg der Novell^ Beamtenabbangesetze bestehe«. «am»»