Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2141 (5.2.1925)
- Date
- 1925-02-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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ITmäHHL 7-f ^‘T11 gUJipi^. PWMW.D»^ "TT^ Geste 4 Wien Donner-ich» ^5 CHtntt Morftenzekkun«. ' ■,-"1 "' 5 _Hr. ÜH Irr Kreis VIII. M Srgaalfatton der akademischen Hakeakreaetnmr. Die ummterbrochmen BorstStze der i .qromsttt-denien an dyn öster-l«ichi.1chc.n Hochschulen lassen eS angezcigt erscheinen, eine Uedevsicht über die Art der Oogauifatim dieser Kanlpf truppe zu geben. Es ist noch erinnerlich. daß im Jänner 1923 i»n Wien ein „Deutscher Hochschultag Lealkschösterreichs" rm Beisein d?s damaligen Innenministers Dr. Frank stattgeflmven 'hat. An den Beratungen nahmen alle Rektoren, viele Professoren und die -Vertreter der »in elf Gruppen Zusamrmugefaßten nationalradikalen und katholischen Hörerschaft der österreichischsn Hochschulen teil. Auf dieser Tagung wurde einstlmnrig «der Numerus ckaufuS für die jüdischen »Hörer beWossen, und zwar in der Weise, daß sich alle akademischen Lehrer verpflichteten, sich in ihren Senaten und Kollegien dasiir emzusetzen. Demzufolge hat auch 'bereits einen Monat später, am 21. Februar 1923, das Professurenkollegi um der Mener technischen Hochfr^rle mit allen gegrlr zwei Btnnmen beschlossen, ,chaß die Zahl aller au einer Fachgruppe zu invmatriMierenideir jüdischen Bewerber 10 Prozent nicht übersteigen dürfe". Die Durchfühvlmg dieses Beschlusses wurde einem eigenen Pvofessorenansfchuß überlvagen, gegen dessen Entscheidung es keine u Rekurs gibt. In der letzten Zeit ist «diese antijüdische Tendenz in den bekannten Verordnungen über d ie. Stüde n t enn a t i -ou e u Mage getreten, deren Gesetzmäßigkeit der UntervichtSminister Dr. Schneide r erst vor wenigen Tagen verneint hat, allerdings in recht platonischer Weise. Diese Haltung der Senate und Professoren isst die Folge der Einwirkungen der radikalen antisemitischen Studentenschaft. Ihre Erfolge besitzen keinerlei rechtliche Basis, wohl aber praktische Geltung. In der putschen Sttldentewschaft", wie sie sich offiziell nennt, gibt es eine natianailsozicklistische und eine katholische Gruppe. Die Nationalsozialiften, die auch ei«« aktiviftische, hakenkreuzlerische Untergruppe besitzen, sind ans chlu ßfr «undl ich, di« Katholiken anschlußfeindlich. Das einigende Band ist das antisemi tische Programm. Insgesamt umfaßt diese „deutsche Studentenschaft" nur einen Bruchteil der Wiener Hörerschaft. Infolge ihrer straffen und disziplinierte« Organisation hat sie sich jedoch die führende Stellung leicht erringen können. Sie ist em Teil der radikalen Studentenschaft-der Hochschulen Deutschlands, Oesterreichs und der Tschecho-Slowakei. Diese Organisation schuf ihre Grundlagen auf dem deutschen Studententag in.Würzburg im IM 1922. Doch ist die aktiviftische Gesinnung nicht der Majorität der deutschen Studenten eigen. Dies beweisen die „Berfassinngs- Wmpfe" der vorhtzrgegangenen Studententagungen. So hatte die Majorität der Tagung im Juli 1921 in Er* langen unter Führung Dr. Beneckes mvt Unterstützung der sildetendeutschen Studenten unter «Führung Doktor Kor eis, nachdem sämAche Anträge der österreichischen Gruppe zu Fall gebracht worden waren, beschlossen, die Wahlberechtigung in die Studenten!«,innrer allein von der ordnungsmäßigen Immatrikulation abhängig zu machen. Auf diesem Stndententage suchte sich die rejchsdeutsche Studentenschaft von dem Einflüsse der Wiener zu befreien, indem sie eine Dreiteilnng der Studentenschaft nach dem örtlichen Prinzip« fixierte, lwobvi sich die reichsdeutsche Gruppe gegenüber der österreichischen und ftidetenländischen dauernd den Vorsitz, somit auch die Führung sicherte. Der schon erwähnte Studeritentag in Wüyzjburg verwarf diese Verfassung und schuf eine Organisation auf der Basis von zehn auton-mmn Kreisen. Der Kreis 8 Mstapt die s-uden-ttfchen Bereinigungen in Graz, Inns- »-druck. Levben, Salzburg und Wien; der Kreis 9 die .Hochschulen Brünn, Prag, Przibram, Tetschen und Liebwerd. Der Leiter des Kreises 8 ist derzeit ein Herr Payer. Sein Vorgänger hieß Paul Frank. Der Kreis zerfällt in die Vertretungen aller osterwichischen .Hochschulen. Auf der Wiener Universität zum Beispiel ist die antisemitische Hörerschaft unter dem Titel „Deutsche Studentenschaft der Universität Wien" erfaßt. Sie hat ihre Legislative in der Kammer und ihre Exekutiv« im Ausschuß der Kamnrer. Obzwar, wie bekannt, nur thi kleiner Bruchteil der Studentenschaft an der Wahl in die Kammer teilgenommen hatte und sowohl di« jüdische als auch die jüdisch-assimilatorische und sozialistisch.' Studenten schaft dagegen protestiert hatte» wird die „deutsche Studentenschaft" von den akademischen Behörden als die G e s a m t v e r t r e 1 u >n g der Wiener Studenten anerkannt und bietet auf diese Weise ihren G esinnunSge nasse n im Professorenkvlle gi um eine bequeme Rückendeckung bei ihren antisemitischen Beschlüssen. Nun hat aber die Kamnrer im November 1923 anläßlich der bekannten Krawalle auf der Aula und der Zerstörung der jüdischen Mensa die Verantwortung iricht tragen wollen. Sie tat das in solchem Falle Bequemste: Sie erklärte sich für aufgelöst, schrieb aber nicht, wie man meinen sollte, Nemvahlen aus, sondern überließe die Führung der Geschäfte ihrem Ausschuß, der sich durch Kooptation auf 16 Mttgibieder vermehrte. Dieser Ausschuß repräsentiert nun seit, eineinhalb Jahren, nicht einmal mehr durch die eventuelle Kritik der eigenen Gesinnungsgenossen belästigt, die „deutsche Studentenschaft. Er steht hinter alle.» antisemitischen Exzessen, Forderungen und Aktionen, welche die Entrechtung aller nicht m ihrem Lager stehenden Deutschen sowie aller nichtdoutschen, vor allem aber der jüdischen Hörer zum Ziele haben. Ihre Tätigkeit ist besonders energisch in bezug aus die Jude«, wobei die aktiviftische, hakenkreuzlerrsche Gruppe die Führung hat. Aber auch die tschechischen, jugoslawischen usw. Studenten werden auf das schärfste kontrolliert. Dieser Ausschuß verfügt m der Universität über vier Räume. Ein besonderes Komitee, unter dem Vorsitz eines Mitgliedes dieses Ausschusses, bildet das fo viel genannte Kulturamt, dessen Tätigkeit ausschließlich der an Li semitischen Propaganda im Sinne Hitlers gewidmet ist. Die Leitung des.Ausschusses, der somit die zentrale Funktion der „deutschen Studentenschaft" Mens auSübt, besorgt. ein dreigliedriges Direktorium, das sich aus den Studenten Pontfchab („Vaudalia"^ Peschke („Welsia", katholisch) und Dr. Führer (,-Bvlma-Slldetia") zusammensetzt. Von diesem Direktorium kommt der Geist, der die Rektoren ««$> Senate wie willenlose Marionetten beherrscht. Der Terror. Samstag ist einer Gruppe von deutschnationalen Couleurstudenten der Anschlagkasteu der dsutschdemokvatischen Hochschulveremigung, der sich im Iuvtstentrakt befindet, ebenso jener der fteisozialistnschen Studenten gelvaltsam geöffnet und zerschlagen worden. Die Anschläge, die sich mit der Rede des Unterrichts Ministers Schneider gegen das Studentenvecht befaßten, imwden auf diese Weise entfernt. Gestern erließ das Rektorat eine Kundmachung, in der diese Ungehörigkeit ausdrücklich und strengstens getadelt wird, «da sie einen schweren Verstoß gegen den akademischen Anstand enthalte. Zugleich wird die Verfügung in Erinnerung gebracht, daß keinerlei Anschläge in den Kasten -befestigt werden dürfen, die nicht denr Rektorat vorher zur Genehmigung vorgelegt wurden. Das Wollersdorfer Panama. Was die Negierung der Presse erzählt. Gestern nachmittags fand im Bun-deSmini-fteriunt eine Vressokonfeken; statt, in der die Restieruugsvertretet eine zusamnrenhängende Darstellmig über den Werdegang des WöllerSdorfer Panama zu ge-ben versuchte, worauf euiz.'lne Pressevertreter inehr oder weniger belangreich Fragen 'lcllteu. Die Antworten sielen demgemäß aus. Charakteristisch ist unter anderem das bedeutungsvolle E-Dveigcn auf die Anfragen unseres Vertreters, welche Bewandtnis o-5 mit der B e st ellung der Sachverständigen Buchwald und Roth, beziehungsweise mit der Abberufung des Erstgenannten hatte. An das Frage- und Aittwortspiel schloß sich auch eine Erklärung des jetzigen Generaldirektors« Tre vitsch. der sich über die Zukunft der Werke wie folgt äußerte: Wollersdorfs Zukunft kann nur Ln einer rveitgehen-den $ n d u strialisier u n g bestehen. Was bisher geschehen ist, hatte besser gemacht werden können. Bei meincm Amtsantritt fand ich die B u ch f ü h r n ng ganz u n du r chsichtig. Ich ^beabsichtige einen A b b a u Ln weitestge^hendem Maße, doch gleichmäßig nach oben und unten. Die Spesen der Dachgesellschaft m.üßleil in solchem Maße l)erabgedrückl mordeir, daß sie aus den Beiträgen der Tochtergesellschaften, die bisher 3 Prozent ihrer gesamten Regie an die Dachgesellschaft abzuliefern halben, gedeckt 'werden. D-ie größten Schwierigkeiten bereitet das mangeln-de Vertrauen der Bevölkerung zu der Geschäftssi'chrung. Jeder hütet sich, mit Wollersdorf in geschäftliche Verbindung zu treten oder gar Kredite zu gewähren. Sänttlichc an Wöllersdorf «beteiligten Faktoren klagen über Mangcl an Kredrtvertrauen. Es herrscht ein allgemeiner Boykott gegen Wölleredorf. Dieser Uebelstand müßte vorerst aus der Welt geschaffen werden. Die Versammlung schloß erfolglos, wie alle anderen Aktionen, welche im Interesse der Bereimgung des Wöllersdorfer Pammms bisher -uutewomrnen wurden. 8m gefönt Wie Graf Hermann Salm die Inden züchtigte Budapest, 1. Februar. „A Bilag" veröffentlicht die ^iommren eines ehemaligen Mitgliedes des Pronayichen Offiziersdetachements, welches nachdem Sturz der Räteregierung im Auftrag der Szegedinvr tontervövolutronären Rogierurrz in Tmnsdanubien tätig ivar, um die Jude n und Kommunisten zu züchtig e n. Aus diesen Denkwürdigkeiten geht hervor, daß bei den geradezu haarsträubenden Grausamkeiten des Pvonayschen Detachements die 'beiden Oberleutnants Gustav Lederer (der vor einigen Wochen den Selcherrneister. Kodelka in Budapest ermordet und beraubt hat) und Graf Hermann Sal-m die unheilvollste Rolle spielten. Insbesondere Graf Herniann Salm, ein Oesterreicher, der erst nach denr Sturz der Räteregkvuug in die ungarische Aumier eingetreten war, zeichnete sich durch einen solchen Blutdurst aus, daß er häufig mit dom Konruranidanten des Detachements, dem damaligerr Rittmeister Pro.nah, »n scharfe Widersprüche geriet. In Enhing tronmroltc Gras Salm ein sogenanntes „V olksgerich t" zu.samnren und ließ durch die eingeschüchterten Bauern fünf vollkommen U'NschuK>ige Dorfbewohner, dvei Juden und zwei Christen, zum Tode verurteilen. Graf Salm hangte die fünf Delinquenten eigenhändig auf die Bäume aus. In S i m o n 1 o r » Y a ließ Graf Salm fünfzehn M e n scheu wegen angeblicher komnmntistischer Gesinnung zunr Tode verurteilen. Bon diesen «hnwtoeir vierzehn hmgerichtct und nur einerem funger Mischer .iZandlungsgchilfe, «begnadigt. Graf. Salm ließ jedoch dm Handlungsgehilfen, -der allgenwin nur ,Muckt" gevuftn wurde, nur deshalb am Leben, weil er ihn auf gang >besonders raffinierte Art hinrichten wollte. Graf Salm entwickelte eines Tages in der OffizierSmesse seinen Exekutionbplan. Danach wollte er den HandlunigSge'hilfen» den er, um ihn in Vertrauen zu wiegen, als Oftiziersbuvschen zu sich genommen hatte, zwingen^ daß «r sich selbst ein Grab schaufle. Auf dem Grund des Grabes wollte Graf Gakm mchwoe Harrdgvanalen untsvbvingen und an der Zünddovvichtung eine Schnur befestigen. Dann sollte der Handlungsgehilfe sich in das Grab logen und dasselbe zugeschaufeill werden, jedoch so, daß sorn Mund von der Grlde nicht -»gedeckt werde und er nicht ersticke. Schließlich wollte Goas Salän Ln Geyen« ivart seiner Offizierskameraden die zu der Abrettzkapftl der Harvdgranaton führende Schnur anzichen und die im innoreu des Grabes befindliche HandMnMnilaLung zur Cx« plosion bringen. Graf Salm meinte iu. der OWovsmesse lachend, daß rriomand die Epplosion hören oder ME sehe» Mche, «>er Jude aber hätte seinen Lohn. Drei Roserveleutnants erfuhren durch Zufall Van Vev schorchlichen Absicht des Grafen Hermann Salm und vorlMlfen dem Handlungsgehilfen „Muckt" zur Flucht. Gras Mm und Oberleutnant Gustav Lederer nahmen die Star« solgung der drei OMziere auf, dem» es jedoch gelang zu ^«kommen. Ledere« u«d her verfchwu«he«e Äavsmmm Boros. Budapest, 4, Februar. (Tel.-Komp.) In der Mordi Lederer ist eine neue Wendung eiugetreten. Gestern meldete sich 'bei denr Unlersuchuugsrichter der Kaufmann Ioftf Herschkovitz und sagte auS, daß er felneWlt mit dem vor zwei Jahren spurlos vevfchwtmdenen Kaufmanu BoroS wiederholt Ln Gesellschaft einer Dam« gewesen sei, die seiner Menmng nach mit der Frau des Gustav Dchorer identisch fein dürfte. Herfchkovitz wurde m-it der Mörderin konfrontiert nnd er erkannte in Fralt MLzzi Lederer jene Dame, die er wiedechokt in Ge>sellschaft des verschollenen Kanfmaums Boros gesehen hatte. Die -Polizei recherchiert nunmehr, ob Frau Lederer mit dem Verschwinden des BoroS in Z/ttfammeHang gebracht ioerden kann. EU vaIaria«»aimM«, w 6tta Sftael. »It iWilWt SmIMWq,. MS Jerusalem wich uns geschrieben: Kü-vzlich lagt« die ly. BersamMung der Kommission zur Bekämpfung der Malaria. In der Eröffnungsrede nwchte der Gefundheitsdirektor die br-s-riedigende Mitteilung, daß während des letzten haibca Jahres keine erusthasteil Ausbrüche der Molar!? :,n V.-!'>.• rov^rrnnmcit iiub. Ti.'ic tU « den Maßnahmen zu verdanke», die in Stadt und Land durchgssührt wurden. Große Arbeiten auf dem Gebiete der Drainierung und Uvbavmachlmg von Boden find in der Gegend von Jericho, Tantura und Kabbava in Angriff genommen. Die „G e s u n d h e i t 8 w o ch e" hatte aus die Pflege der öffentlichen Gesuirdheit den wohltuendsten Einfluß. Speziailberichte wurden erstattet übe« di« Mallavia-- bekättlpsnng in den Hule-Siimpfen und über die Dvainierungruttb Jrrigationsarbeiten »rächst Belsan, die, darrk der led haften B-etel-ltgmrg der örtlichen Grurideigentümer, bevetts zur Trockenlegung von M) Acres SmnPfland geführt haben. Der JM-lche NationaLfonds hat durch die Entsumpfung von Nur iS uttfb Nahala«! auf die arabifchen dtachbarn betspielgsberrd gewirkt. Boisan ist heute eine der gesündesten Städte Palästinas. Bon den KraMn, ivÄche die Kliwilken der Rogtemug besuchten, ivaren mrr mchr 12 Prozent mallarta-rmck gegen 80 Prozent vor zwei Jahren. Auch die Milzlwankhelten in den Schulen sind von 50 auf 28 Prozent gOncke».