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Wiener Morgenzeitung · 1925-02-01 · Heft 2138 (1.2.1925) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2138 (1.2.1925)
Date
1925-02-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Wfc * *_SC<5m, _ _ Wien«» 9lotae«tjcTfuitg. 1. Februar IMS Wr.Sk» Luigi Luzzattis Wisches Bekenntnis. Me Wische «inorität. — Ae Krez-gsrael-Frage. Senator Luigi Luzzati» der cTTcmaHfie italienisch..' J Unsere verfolgten Brüder betrachten Palästina Äs das Ministerpräsident, empfing <nn 22. Jänner den r ö m i- Land ihrer Znflncht nnd Emanzipation. Seit dom erste« s ch c n Vertreter der Jüdischen Telegwphenagentnr nnd * Straßenbahnfahrpreis am Montag. Aus den slättsich'n Mvlchenbahnen M am Montag den 2. d. der WerttMssabrpreis. Es sind da-ber die .\>iit uns Rückfabrscheine. die Frühfahrscheme und die Wochenkarlen Mdig. Dagegen dürfen Fürstwgefahrscheine cut jbk^nt Tage nickt benutzt werden. * Wechsel i« der Leitung des Kriegsarchivs. Wie wir erfahren, ist der bisherige Direktor des KrKgsarchi-vs, Fewmarfchallolitnant Max Jo ran lehenr a > s Kommandant des Krt.'gs presseqnarticrs s. m d<n Ruliesiand qetreien. Zu seinem Nachfolger hat der BnndeSpräsivcut den .Hofrat Dberstlentnant «. D. Edmund G l a i s c -H o r st e it a u ernannt. * Kassevelnbrnch m der Hochschule für Welthandel. Tvvci - tag nachts wurde in den Rätunen der Hochschule für Weltt-andei, 19. Be^., Exportatademicstraße 1, ein Kasseueinbrmch verübt. Die Täter erbeuteten 2-2.OjSt.YOo K. bares Gclo, dann zwei Platirrschalen, euren Ploti-ntiegel rmd drei Platrngesäße im Werte von zusanmten öl Millionen Kroneil. * Bom Aufzug eingeklemmt. In der Kleinen MohrerrMsse M. 3 hat sich gestern bei der Firma Deutsch ein schwerer ilrrglücksfall er eignet. Der dort beschäftigte Magazineur Johann K r i p p n e r rvurde zwischen der Platdfonn eines WarenaiLfznges und dein Gebälke nt der Höhe tzcs ersten Stockwerkes eiugeklemmtAmd schtvcr verletzt. * Tod durch einen AntonnfaN? Am 3o. Jänner um halb 3 Uhr früh ist der 34 j ähr ree Chauffeur Karl R i ch r e r in seiner Wohnung plötzlich gestorben. Richter war am 16. Jänner um 1 Uhr nachmittags, als er das Privatauto B6120 des Fabrikanten Gustav Pollak lenkte, auf donr Wiedeitergürtel mit dom Lohuauio A12592, das der Chauffeur Josef Maschek führte, zusammengestoßen, wobei beide Antos. stark beschädigt wurden. Aeilßere^ Berletzun-gcn hatte Richter damals nicht erlitten. Die samtätspolizeiliche Ooffmmg der Leiche wurde beantragt. * Die Lebensmüden. Kn 29. Jänner abends nahm der 33fährige SchrteiderMoister IM Silbernagel eine Anzahl Beronaliaiblettcn. Die Menge war so groß, daß der Mann noch ijit Lau fc der Nacht starb.' — Der Maga- ,zinsarbeiter Heinrich An in gor, der sich, am 29. Jänner'in einem Magazin der DpesftionSfmna Le in kauf im Novdweslbabnhos durch einen Revökverschuß schwer verletzt hatte, ist noch am selben Tage im Spital gestorben. — Vorgestern abends wurde der 30fahrige Invalide Inlius Borgeuicht in seiner Wohnung nüt dem Schlauche des Gaskochers im Munde tot aufgefunden. — In ihrer Wohunrlg hat sich gestern die 56fcrhr»ge Private Mathilde G n t f r e n n d durch Leuchtgas vergiftet. — Am 30. Jänner versuchte sich der 19säihrige Johann Iancak in seiner versperrten Wohnung mit Leuchtgas zu vergiften. — Der. 20jährige Schneidergehilfe Artton R. hat sich vorgestern abends in der elterlichen' Wohnmtg durch Genuß von Verarm! zu vergiften versucht. * Raubaltentat i« Schnellzug. Wie der „Az Est" aus Debveezin meldet, wurde im Schnellzug zwischen' SzerencS und Nyiregyhaza in der Nacht auf Freitag an dem Kaufmann Oskar Klein ein Ran batten tat verüb:. Klein wurde von unbekannten Tätern mit ' Chloroform betäubt nnd seiner Brieftasche mit 100 Millionen Kronen Bargeld beraubt. ■ ■ * Die Sendung. In der Eisenacherstvaße in Berlin spulte sich, wie die Matter berichten, vorgestern abends ein Vorfall ab, der anfangs sehr aufregend war, aber, zuletzt ehre heitere Lösung erfuhr. Ein'Untersuchüngsgefangener hatte die Erlaubnis erhalten, in Begleitung .zweier Wächebeamten seine Wohnung aufzufuchen, um gerichtliche Angelegenheiten zu regeln. Einen der beiden Transporteure iourde die Zeit zu langes Er begab sich in ein Restaurant und betrank sich.dort. Dam: suchte er ein Schokoladegeschäft auf, wo er die Verkäuferin mit feiner Dienstpistole bedrohte und ihr einen 'Vortrag über die Wichtigkeit feiner Mission hielt. Der Betrunkene ging nun noch in andere Geschäfte, wo er imnrer tvicder Rede»: hielt rmd mit seiner Pistole hermnfuchtolte. Inzwischen hätte, sich eine große Menschenmenge angesammelt. auch em Tchutzniänn war herbeigekommen und verbuchte, den Betrunkenen mitz an ahmen, der sich aber heftig sträubte urtd weiter randalierte. Als darauf ein. Postbote den' Betrunkenen zu beruhigen versuchte, entsicherte dieser seine Waffe.und hielt sie dem Postboten vor die Brust. In diesen: Augenblicke kam der Gefangene aus seiner Wohnung jprach sich diesen: gegenüber ü-b»r seine Meinung mit Bezug auf ein jüdisches Palästina und über sein Verhältnis zum Judentum ltnb zur jüdischen Ethik ans. Senator Luigi Luzzati ist der einzige Jude, der in Italien das Amt eines Ministerpräsider t tei: bekleidet hat. Er gehörte auch viele Jahre hindurch als Finanzminister verschiedener: italienischen Kabinetten an. Er ist Professor der Vottswirtschaft an der Universität zu Ron: und gilt als eine der Hervorragendster: Autorität der politischer: Oekonornie. Luzzatti, der 85 Jahre alt ist itrtb sich jetzt dauernd schwach fühlt, empfing den I. T. A.-Vertreter an sei nein Bette. Sobald nreine Gesundheit es mir evlarvbt, sagte Luzzatti, werde ich in eirrigerr Monaten ein Buch über das Probten: der nationaler: Minderheiten Herausgeber:. In diesen: Buche werde ich der Frage der jüdischen Minderheiten einer: besonderen Rann: widmen. Luzzatti sagte, er irtteressicre sich sehr fi'rr die gcgermüirtige Wirtschaftslage der Juden in R n ß l a r: d u r: d P o l e n. Gr vcrfollzc auch ntii großer Aufmersamkeit die Fortschritte der ziorristischer: Bclvegung nnd hege große Sorge fi'ir das Schicksal d e r r u s fischen Zionist e r:, die Berfolglmgerr ansgefetzt find, eöcitjo wie ihn: anch die Verfolgung der hebräischen Sprache in Rußland Sorge bereitet. Mit Bezug auf die jüdischen Bestrebrlngen in' Palästina, sagte Senator Lwzzatti, kann ich rmr meinen Anfruf an die Inder: in Palästina, der: ich vor einiger: Jahren cvlasser: habe, mit Glauben und Eifer wiederholen. Inrrner inehr werrder: sich die Anger: der Jnderchcit der gärigen Welt nach Palästina, den: heiliger: Larrde urrserer Väter. zurück. Er rief kurzerhand eine Auwdroschke, brachte seine beider: Transporteure unter Min Beifall der Menfcheirmeuge in der: Wagen und lieferte sic ihrer Vorgesetzten Behörde im llntersuchungsgefäugnis alb. * Eine ungarisch-jüdische Wochenschrift in der Slowakei. Aus Preßburg (Brabiflaoa) w:rd uns gefchrieber:: Führende Persönlichkeiten der ungarisch sprechenden Jrrdei: rn ter Slowakei haben die'Jui'iatlve er.a:i»'ren, zum Schutze der jüdischen Interessen eine in urrgarischer Sprache erscheinende Wochenschrift zu gründen. Die neue Wochenschrift soll in sehr reicher AnSstattung schon in nächster Zeit -erscheinen. Die ernsten. Bcsireburrgen der neuen Wochenschrift sind durch Herrn Peter Ujvari, dem bekannten ungarifch-jüdischen Shriftsteller, der die Lüftung übern-ehmen soll, virbürgt. * Die Lemberger jüdische Gemeinde für eine Chaluzimfarm. Wie uns aus Lemberg berichtet wird, hat der Vorstand der dortigen jüdischen Gemeinde m. seirvor letzten Sitzung, in welcher das Budget -beraten Würste, den einstimmigen Beschluß gefaßt, auf eiigeire Kosten eine lanstwirtschaftliche Uclbungssarin für Ehaluzim zu errichten und für diesen Zweck 40.000 Zloty ansgeworsen. , * Wa^en in die Memeler jüdische Genreinde. Dieser Tage haben in Memel Wahle-n in die jüdische Gemeindevertretung stattgüfunden. Es wurden gewWt: 8 Zionisten, 3 Misrachilsten.und 5 Parteilose. -rage uuscreS Exils siutz wir die Märtyrer des Menschengeschlechtes. Au dem Tage, da die Sonne friedlicher Zustrmnkettarbeit über Palästina scheiilen wird, an eben stierem Tags Nnrd die Aieltschheit erfahren, lvas wirklicher Friede sei: ein Friede, der nicht durch .Kriegs-Mittel, fändem drt-rch Freundschaft und Liebe zu erreichen ist. Die Welle des t?lntisemitisn:ns, die jetzt die ganze Welt überflutet, ist die u it mittelbare Folge der K r i e g s v e r w i l d er u n g, ist das Resultat des allgemeine»: Sinkens der e»: r o -p ä is ch e n M oral; -der Krieg hat den Menschen das Gefühl der -Heiligkeit des nren-schlichen Lebens ger:om»nen. Senator Luzzatii schloß: Ick» wurde als .Jude geboren und werde als Jude zu meinem Gott zurückkehren. Ich biu stolz a»:f u:eiu Judeseiu. Auch als mir meine Gegner vorlvarfen, daß ich als Ministerpräsident Italiens meine persöuli-clien Beziehuuge»: und Fremrdschaften zu Staatsmännern wie B a l f o u r und C l c m e n e e a ü zugurlsten der unterdrückte»: Jude,: R»:ßla»:ds nnd Rnmäuieus ausgeiüitzt habe, so war ich auch auf diesen Borwu.rf stolz. In den: Buche, desser: Herausgabe ich plana werde ich die Frage der jüdischen Bürgerrechte in alle»: Läirderu behandeln. TX:s Buch wird meine Ein-» stellung zun: J»:daismus m:d z»: den Juden äls Gesarntheit, eine Synthese ineirwr Idee über das gesamte jüdische, ethische und politische Proüle»»: culhalien. * Schachwettkarnps Dr. Lasker—Dr. Bidmar. Wi-e stie „Wiener Schachzeitung" berichtet, ist es gebu-n-gen, die äwtige»: Borbodin'gi'.ngLU für ein Schachmatch Dr. Em. Lasker gegen Dr. Bidmar zu. :ressen. Der Wettkampf ist auf zehn Partie»: angesetzi, von denen vier in Belgrad, vier in Laibach und zwei in Agrau: gespielt werden sollen. (Diese Efttteilimg ist verirmtlich, wie seinerzeit bei den: Kmnpse Dr. LaSker— Dr. Tarrasch und Schlechter—Dr. Lasker nach -der verschiedene tt finanziellen Beteiligung der Städte gettossen.) Der Kampf soll im Mai beginnen -und ist auf fünf Wochen Dauer berechnet. Udöer den Schachspieler Lasker erübrigen sich alle Bc- -nterkurlig-eit. -Sein Geg»:er Dr. Milan Bidmar ist von Beruf Professor an der Techrttschen Hochschule in Lai-bach; vbwoh: er selten Gelegenheit hat an großen internationailen Duvnieren teilztlalchmerr, ha: er doch überall, tvo er teil nahm, hervorragend abgeschnitten. Am bekanntesten ist sein Erfolg im Lo»:- dorwr Turnier 1922, wo er hinter Ca-pablanoa uttfb Wsechin Dritter wurde. Als Ma-tchspieler hat er sich, -der woge»: seiner ständig guten Forn: ein ausgezeichnater Tnrnierspieler -ist, noch wenig versucht. I-r: Europa dürfte er derzeit der einzige in Frage ko-ntmende Gegner für Laster sein. * Einbruchshiebstahl beim Oberrabbiner von Groß- Wardein.^ Ans Oradea-Mare (Großwardein) wird ims berichtet: Bor kurzer Zeit sürd Emibrechor m die Wohnung des Oberrabbiiwrs der orthodoxen Gemeinde, Benjamin F u ch s, emgobrocher: m:d habe»: Wäsche, Kleider und sonstige Gegenstände im Werte von 100.000 Lei entwertet. reif Frau und Tiger. Bon Arkadij Awertschenko. Zlwertschonko, der jetzt in der Tschecho-Slowakei lebt, ist in Podobrad schwer erkrankt und mußte ins Prager Kra-nkenhaus gebracht werden. Ich stand auf der großen Brücke, die über den Strom führte, stützte die Hände auf die. Brüstung und schaute gedankenlos in die Wellen. Schleppende Schritte hinter mir veranlaßten »nich, den Kopf zu wenden. Ein finsteMickerrder Marm stand da, tiefe Furchen im Gesicht, Kleider nnd Stiefel zerlumpt. Er stützte sich neben mir aufs Gelläirder, führ sich mit seiner trockenen, -grauen Zunge über die Lippen nnd fragte: „Glauben Sie an Ideale?" „Ja." „Dann gebe»: Sie Kvanzig Kopeken her." ,^8'ltte sehr, das tue ich sogar ohne Ideale." „Das ist mir gleich. Ich aber, junger Mann" — und dabei nahm sein Gesicht einen feierlichen Ausdruck an —, „für meine Persönlichkeit glaube ich nicht an Jdealle." „Aeußerst unangenehm." ,-Sogar' sehr. Nehmen wir an, Sie liebe»: ein Mädchen. Sie ist schön. Eine Göttin. Sie geht nicht, sie schwebt über dvrn Erdboden, »röhrt sich »mr von Beilche»: und Spargeln. Mer, überirdisch »vie sie ist, wiegt sie Linundeinviertel Zeittner. Stellen Sie sich das vor: in eisernen Gewichten mit Handgriff. So viel wie ein ihalbes hinteres Ochsenviertel. Im Gewicht ist's dasselbe. Oder glaubten Sie, der Unterschied liegt in der Seele? Lasse:: Sie mich in Ruh mit Seele! Glauben Sie m: die Seelen'waude- «ung?" „Nem." ,^eben Sie noch »oanzig Kopeke»: her, ich erzähle Ihnen dafür den Roma»: rnemes Leberts." ,^Jst das nicht ein bißchen teuer?" „Für so einen Ronran! Ir: jeden: Buchladei: zahlen Sie für dun Lmsigsten Schrnöker ei»:er: Rubel, ohrre Einband." „Jhvor ist also mit Einband?" erkundigte ich mich unter vavsichtslhalber Usberreichu-ng weiterer zwanzig Kopeken. „Danke, -habe»: Sie einmal ein Buch getesti: nrit -den: Titel: „Fra:: oder Tiger?" „Ich erinnere mich an so was. Ein jur:ger Marm, der sich in eine Prinzessin verliebt. Der König sperrt die Prinzess:»: in einen Käfig, in den anderer: einen Tiger. Verfehlst du den richtigen — weh dir! So ähnlich lvar's doch?" „Ja, und meine Geschichte ist ebenso, nur komplizierter. Hat denn der Roman, den Sie gelesen haben, einen richtigen Schluß gehalbt?" „Natürlich, der Jüngling erriet den richtigen und schritt durch die Gitterpforte in die Arrne der!l>ie>benden Jungfrau." „Und das soll der Schluß sein? Diese idiotischer: Autoren! Das ist doch evst der Anfang! Hüven Sie!" -r- „Jch chatte einen jüngeren Bruder, Wbsch und begabt iwie ich selber. Na-tüvl:ch, wie ich fvü'hsr »var, nicht wie jetzt. Bei einem Tanza-bend lernten wir ein Mädcher: kennen. Sie war die Tochter eines Zirkusdirektors.'Wilde Tiere hatten sie in Menge, Löwen, Tiger, Leoparder:. Aber das Mädchen! Himmlisch! Aurora nnd Aphrodite in reinster Mischung. Der Brrrder und ich, wir verliebten uns beide »va-hnsinnig. Kam ich mit einem Blmrtenstrauß an, saß er schor: bei ihr mit einer Bonbontüte. So wurden' wir Brüde-r zr: Foiriden. . . Eines Tages verhöhnte er mich in ihrer Gegenwart, ich schleuderte die Larnpe nach ihn:, er zog den Revolver. Ich schlug ihm di« Waffe aus der .Hand. Der Vater Zirkusdilreiktor kam 'herein. „Sie lieber: meine Tochter, nuine Herren?" ,M»r lieben sie." ,Mlle beide?" „Beide." „Sie kann aber :mr einen heiraten." Der Alte kicherte >heii::tückisch. „Wollen Sie sich beide »»deinem Spruch untertverfen?" „Ja." „Ar:f Ehrerttvort?" Wir gaben es beide. ,Mut," sagte der Alte, ,/ich stelle heute nachts in der Atanege meines Zirkus, zjvei Käsige ardf. In einem ist meine Tochter, im andere»: der Tiger Mirza. Sie könne»: es »»nt-er sich ausrnacherr, wer in -welchen Käfig geht." „Aber das ist ja schrecklich," »»uierdrach ich der» Erzähler. „Natürlich schrecklich. Aber »vertu Sie einmal gründlich verliebt »varerr, -tverden Sie »dns verstehen. Also, nrein Brrrder und ich kmnnrer: nachts irr den Zirkus. Dort ist schon alles aufgestellt. Zwei vor: dichten Borhängerr mn- »vallte Käfige. Ich zum Bruder: „Nimm du den linken, 1 ich will -bei: rechts nehmen." „Mit welchorn Recht »nächst du Borschviften?" schreit er, „ich wollte gerade in den gehen." „Schön," sagte ich, „dann nehme ich den linken und du gehst rechts." ,/0, wie schlau." zischte er »nich an, „»nich betrügst du nicht, ich geh' in den linken." Er »var imnrer so ein schlvieriger Charakter. „Also endgültig," »vandde ich mich noch einnral um, „tvelchen willst dn?" „Den rechten," knirscht er, „unlbedingt den rechtem" Ich servfzte tief auf, sende ein stilles Stoßgebet empor und Nierrde nvich rrach links. Meine Ha»w häbt de»: Vorhang, öffnet die Tür, ich dringe in die Finsternis ein, etwas scharrt, streift am Gitter vorbei, nrein Körper berührt etwas Weiches, Warnres — „Gmnm, bist du's, ,^Ja, Geliebter!" Ur:d schon hängt ste an rrreinem Halse. Fahr wohl, Brrrder, möge dir das himmlische Reich zu teil werden! Ich lausche durch die Vovhä»:ge, kein Laut ist hörbar. Sch.veigerrd frißt das Untier meinen Bruder. „Und Sie ernpfinden keine Re»»ie?" fragte ich -de»: ver-stuntimtei: Erzähler vorwurfsvoll. „Reue? U-r»d ob!" „Tut Jhner: Ihr Bruder >leid?" „Gar kein Grund dafür." „Wie, nach einem so elttsetzlicher: E»»!de, nachdem ek sich int Käfig geirrt hat, während Me das geliebte Mädchen erru»Mn halbe»:, die Perle der Schöpfung!" „Perle der Schöpffmy, sagen 'Sie? Hier, schauen Sie, ein blauer Fleck neben de»n andern! Gequält hat st« mich, zun: Säufer gernacht, geschlagen wie einen Hurrd! Oh, junger Marm, »nie sagten Sie doch: Im Käfig geirrt!" ,/Lnffetzlich," vief ich aids, „so ist Ihr Bruder umsorfft ins VeDevben gegangen?" „Wo ist die Rede vor: Verderben? Am Morgen »rach der Nacht kornmen wir zum rechten Käfig, m der einen Ecke schläft der Tiger, in der anderen mein Bruder. Er reibt sich die Augen. „Der Tiger" erklärte er, gehört jetzt »nir, ich hÄbe ihn mir verdient." Die Bestie evwies sich von so vorzüglichem und anhänglichem. Charakter, daß mein Bn»«der noch jetzt mit ihr bei Sarrasani «zftritt u-nd große Ge^lder verdient. Gla-»chen Sie <m die BoVSMsbefti-mnmng?" „Neirr," anttvortete ich eilig. „Und <«f jede« FM habe ich kein Kleingeld »nehr." ,/Schade, es wäre einem Manne zugute gekorrrmew der sich im Käfig geirrt bst."

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