Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2138 (1.2.1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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M M8 Ae Probleme der Semllb Agemh. Lee Bortrag Strickers. Im Rahmen der Vorträge, tvelche das österreichische Zionistische LandeSromitee derzeit veranstaltet. Mach Jim. Stricker kürzlich Wer die Frage der Jewish Agency. Der Redner führte in seinem zweistündigen Dortrag im wesentlichen folgendes aus: Qm Texte des Mandats ist die Jewish Agency, die jüdische Vertretung, als ^beratende Körperschaft" bezeichnet. Viole hervorragende Zionisten, darunter Männer tont Range Max Nordaus und Alexander Marmoreks, halben diese Umgrenzung M unzureichend erachtet. Ich habe immer den Standpunkt vertreten, daß dieser, allgemein gefaßte Ausdruck durchaus genügt. Das wichtigste ist, daß diejenigen, welche über den Wortlaut des Mandats beraten und das Mandat beschlossen haben, von dem gefunden Gedanken ausgingen, daß für den Aufbau nur diejenigen Juden existieren, die an ihm interessiert sind, und daß in diesem Sinne die Jewish Agency den Ziourstenübertragenwurde. Man muß daran erinnern, daß der Ertektumg des Mandats keine Abstimmung unter den Juden des Erdkreises voranging. Hatte man a'bgestimrnt, so lväre das Ergebnis vermutlich nicht sehr günstig' gewesen. Ich fürchte, wir hätten dann das Mandat kaum bekommen. Die Zionisten, ivelche sich aus den Standpunkt stellen, daß die Besiedlung Palästinas Sache des gesamten jüdischen DoMes ist, begehn einen Fehler, den Gottlcb die Friedenskonferenz nicht beging. Man muß doch fssthalten, daß es außerhalb der Zionistischen Organisation keine jüdische Organisation gibt, die vom Völkerbund die Teilnahme ander JewishAgencyverlaugt hat, mit Ausnahme der Aguda, die sich jedoch gegen den nationalen Ausbau wendete und ausdrücklich den Aufbau auf ausschließlich religiöser Grundlage ^staltet wünscht. Es ist auch bisher noch nicht einmal der Fall eingetreten, daß sich eine jüdisthe Organisation a u s e i g e n e m A n t r i e b an die Zionistische Organisation gewendet und, die Teilnahme an der Agency gefordert hätte. Ich finde es abnormal, daß der Faktor, dem die 2lgency übertragen wurde, hausieren geht, nran möge ihm einen Teil der Macht abnehmen. Selbstverständlich anerkenne ich das Bestrebens den Aufbau auf möglichst breite Basis zu stellen. Es sind in den letzten Jahren mehrere diesbezüg- Kche Vorschläge zur Diskussion gestellt worden. Das erste Projekt legte Brandeis vor. Er ging nicht bloß von dem Motiv unserer Schwäche aus, sondern er hielt das zio- Vlstlschc Politische Programm für vollzogen und daher die Zeit für gekommen, in welcher an die Stelle der zionistischen Parte! das jüdische Volk zu treten hat. Dieses Projekt wurde als utopistisch abgslehnt. Der nächste Versuch war das Bestreben, nichtzionistische englische Staatsbürger von Bedeutung in die Agency einznbeziehen. Er mißglückte. Dann versuchte inan, die Jewish Agency durch Ekniberufwng eines jüdischen Weltkongresses zu erweitern. Aber auch dieses Projekt scheiterte, denn die Majorität des Wüschen Volkes ivar für den Weltkongreß nicht zu haben. So kam der Gedanke auf, die Agency auf n n d e mokratischer Basis zu erweitern. Es ist dies eine „Er- XBlCVTR f. §mmm sm Mil Weiterung um jeden Preis", indem wir die Nobabel« der nichtzionistrschen Weilt zu «bewegen trachte«, mit uns die Verantwortung für das Aufbauwerk zu teilen. Beim letzten Karlsbader Zionistenkongreß hat Weizmanu tatsächlich diese letzte Form der Erweiterung beantragt. Ich bin ihm entgogengetveten, und es gelang mir, Weizmanu davon zu überzeugen, daß der Kongreß fürdiese Form der Er Weiterung niemals zu haben sei »werde. Man einigte sich bekanntlich auf fönende K o m p r o m i ßformel: Es ist ein aus Nichtzionisten bestehender Beirat für die Agency zu bilden. Die Jewish Agency verbleibt in den Händen der Zionistischen Organisation und «ms der jüdische Weltkongreß kann die endgültige Erweiterung der Agency beschließen. Für diese Kompromißformel bin ichein getreten, von der Ansicht geleitet, daß k e i n e m Führer verwehrt sein dürfe, ein Experiment zu versuchen, in so lange die Möglichkeit gegeben ist, den früheren Zustand wiederherz u st e l l e n. Diese Möglichkeit war durch die Kompromißformel gegeben. Hingegen hat das Aktionskomitee im Juli vorigen Jahves folgendes beschlossen: Die Zionistische Organisation begibt sich ihres Rechtes, die Jewish Agency zu sein, und teilt ihre bisherigen alleinigen Machtbefugnisse, die sich <nti> der jüdischen Agentur ergeben, zu fündig Prozent mit Vertretern anderer jüdischer Gruppen und mit Notabel». Während bei Befolgung der erwähnten Kompromißformol, wonach bloß ein Beirat o h n e T e i l u n g d e r M a ch t b e f u g n i s s e zu schaffen lvar, jederzeit di« Wiederherstellung in den vorherigen Stand erfolgen konnte, läßt sich das jüngste Exper'mvent, welches eine Teilung.der Macht in sich begreift und und die N o t i f i 5 i e r u n g des neuen Zustandes an den Kathreiners Kneipp Malzkaffee ist aus echtem, wirk. Lichen und feinsten Malz hergestellt. Kathreiner ist nicht vlost gebrannte Gerste. Die verehrten Lausfrauen lassen; fich, bitte, durch ähnliches AuSsehen nicht täuschen. Man verlange beim Einkauf, um ganz sicher zu gehen, ausdrücklich Kathreiners Kneipp- Malzkaffee im Originalpakt mit Kneixp-BLld. > > BMerbund vovauVsttzt, «remak» rLckgä«-SH mache». Die einzige Ursache, welche die Majorität vevaMßst, diese Form der Erweitsruug zu beschließen, ist Sie Sorge um die Aufbringung der Geld» mitte L Ich erachte es für fraglich, ob die schlossen« Erweiterung das erhoffte GM» bringen wich, und ich halte die Erweiterung auf dieser Basis für sehr gefährlich, weil wir Politisch nicht gesichert sind und weil man die Sicherung des nationalen Werkes einer Körperschaft vertrauen will, die zu 50 Prozent aus nichtnationalen Elementen besieht. Ich erblicke in dieser Erweiterung, wie sie das MtionSkonritec beschlossen hat, die Preisgabe der politische« Sicherung des nationale« Aufbauwerkes und bekämpfe sie daher. In feinen weiteren AusfichvMDen bchandÄte Stricker die Rückwirkung der Erweiterung der Jewish Agency auf die inneren BevhNtmsie tu Palästina sowea»rf die Zionistische Organisation. Dr. Chajes über die Jewish Agency.. Donnerstag de« ö. d. um 7 uhr abends spricht im Ingenieur- und Archrttcktenverein. 1. Bez., Eschenbachgaffe 9, im Anschluß an das rat des Herrn Oberbaurates Ing. Stricker. Hem Obervabbiner Dr. Chajes iiber ,^Die Jewish Agency und die Zionistische Qganisation". EiMritt nur gegen Eimadrmg. Sie Verwaltung Syriens. Paris, A. Jän'ner. Die Kammer setzte heute in A»e» ivesvnheit Herriots die Einzelberatung des auswärtige« Budgets fovt. Bei der Beratung' der. Berwalt« ug S y r i e ns kritisierte Henry Simon die ZurückberufuBg des Generals W e y g a n d und feine Ersetzung durch General S a r r a % I. Herriot verteidigte fernen Standpunkt, indem er erklärte, durch die Ernennung'Sarrails sei ei« schreiendes Unre cht wieder. g>ut gemacht lvovden. Auf eirre Anfrage bezüglich der U n a b h ä n g i g k e i.1 Aegyptens berief sich Herriot ans den Vertrag Frank re ichsmit England, den'er.achteu werde. Ser Bericht der Stontro Hfomtniffton. London, 30. Jänner. (Havas.) Die Jnterallrierte KontrollkommWon wird ihren Bericht \m 4. Februar vorlegen. Framkreichs SicherheitsfoudeLurrHs«. Paris, 31. Jänner. „Petit Journal" tvrtt dafür daß Frankreich aus Sicherheitsgründen tarn Deutschland die EvMung folgender Bedingungen verlangen solle: 1. E » t m i l i t a r i s i e r ü n g der Reichspolizer uns deren A.MwaMung in eine kumni-unale oder kantonale Polizei. Das in Baden eingeführte System soll auf das ganze Reich ausgedehnt werden. 2. Stellung der Reichswehr «nter'die Kontrolle der Bölkeickurwovgane. 3. Wirksame Kontrolle aller KrisgAfäbvÄen «rd der chemischen Industrie durch Bölkerbundovgane. 4. Aufhebung aller gcheimen Fonds und Subvention««' an die sogenannten patriotischen Bereimgu-ngen. ber jüdische Staat. Bon Josef Popper-Lynkeus. Im Verlag R. Löwrt (Men-Loipzi^ >vst soeben das Irntfoe Vevgvdffen« Werk Josef P opper- Lhnkeus': „Fürst Bismarck und der Antissm'tiSmns" -i.il neuer Ausg-rl'e erschienen. Mit Genchmigvnp »des Berlages. Vvröneüllichen wir das folgende Kapitel, iu welchem d»r große jüdische Vorkämpfer der BAikerveniHmrng die Wirkungen einer südischen Staatsgtünduikg bespricht. Lynkeus ist, wü. bekam.-it, bvr feiner nüchternen, Mir» verstawdesmäßlg'N E^assung des Probloms nichi stehen gsblieben. sondern Hot sich in feinen letzten Lebensjahroir dom Zionismus voll ange- Mosten. W brauchte nur eine berühmte öffentliche und namentlich politisch e'mflußveiche Persönlichkeit einen Schein von Hmne'Mng zum Autisemitismus zu erwecken, so war hiermit die Losung für Tausende gegeben, ganz offen rvnd energisch eine antisemitische Agitation zu beginnen. Darin liegen die Gründe der Entstehung und der mannigfachen Förderung des Antisönritisinus. Aber der -TiefeMickende nmß mit Recht fragen, wenn er auch diese Erklärung akzeptiert, woher es komm«, >daß ein solcher TriÄ». die Juden zu verachten, schon seit Jahrhunderten und bei den niannigfalttgsten Völkern überhaupt vorhanden ist? Biellercht, könnte ütan denken, besitzen die Juderr in der %ab viel schlechtere Charaktereigentümlichkeiten vermöge ihrer Rasse, deren merkwürdige Zähigkeit und relative Anveranderlichkeit im Laufe der Jahrhunderte eben die imme neu auftauchende Verachtung »vnd Bersotgung erklärlich macht? Man kann doch wirklich nicht so ohueweiters annehmen, daß zum Beifprel dre Arier Europas gerade nur den Juden gegenüber jedes Rechtsgefühl mit so leichtem Herzen verleugnen? Die Antwort auf diese in der Tat wichtige, völkerpstzchn-ogische Frage ist folgende: Der wahre Gmnd dieses jeden RechtsgeMes baren Hochmuts liegt in her historischen Tatsache, daß die Juden seit so langer Zeit nirgendwo auf dem ganzen Erdball mm WMiv« Gkackt Es gibt kaum eine einzige Nation» die uns in allem Moralischen überlegenen Chmeje» ausgenonrmen, die picht als Prüfstein des Wertes einer Nationalität oder -ünes Stammes die Existenz desselben oder »venrgstens eines Teiles desselben als politischer Staat, namentlich als kriegsgelvohrvter Staat, ansieht. Wie sim Hagestolz so betmchtet wird, als ob er. seine Bestimmung als Mann nicht erfüllt hätte und daher nicht als »Lanzer Mann" geachtet wich, gegenüber jenem, der „seine" FamAie gegründet hat, genau so ist es mit der Auffassung einer Raste.«der e«er Mtionälität, die nirgendwo ,-ihren" Staat hat, Daß die Juden einänal „ihren" Staat hatten, ist schon zu lange her, honte und seit so vielen Jahrhmwevten ist die jüdische Rasso staaKos. Ans diesem Defekt, der stkbst manchen sehr Bevnünftigen wie der MangÄ eines Schatten bei Peter Schlemihl erscheint, ergibt sich nun die eigentüurliche Mißachtung, welche die Jüden inmitten der sie smr-- geberrde'n Völker zu erleiden ha'ben. Ntan stelle sich äber vor, es existiere oder tztttstünhe heute irgendwo ein jüdischer Staat. Sofort wäre eine Art völkerrechtlichen Respektes vor dieser ^irgondwo" exjstiorertzden politischen Vtacht vorhanden. Ein Staat, nicht größer als irgend em Schwoizer K«vivn, würde schon vollkonunen genügen, und ein mvwirchi" scher Staat wäre für Erhöhuarg dieses Respektes noch besser als ein repMikamscher. Wenn nun m der Hauptstadt dieses ÄNd jenes outopül-- schen Staates Gesandte jenes jüdischen Staates ankämen, in großer Uniform auffahren und 'ihre Kreditive überreichen tmivden; lvenn man daun, wie ja natürlich, wüßte, daß dieser Staat oder dieses Staackein eine soundso große Anzahl von Soldaten besitzt, mit denen er jenen, die ,chmeinfallen", lvehtun kann, und auch Kriege zu führen vermag; daß dieser Staat so klein er auch ist, doch ganz erträglich in der sogenannten großen Politik mitmtrigieron kann, daß er, respektive sein pfiffiger Mnister des Ayußeren, religiöse und anthropologische Prinzipien geschickt zu verwerten versteht, um sich mit diesen und jenen Völkerschaften, etwa in Hocharabien und Aegypten oder wo immer, zu alliieren ustv. usw. — dcwn würbe man sich bedeMn, sich! A WM Mon -u lassen M mm -AM» wäre ja dann nicht mehr Aoß eine unmoralische HaMung,/ über die man sich leicht hinwegsetzen ivürbe, sondern- ««». Fall für eine völkerrechÄiche Reklamation. ' Nun aber ist jener Staat oben nicht.vorhanden, fernerist ja die Achtung vor menschlichen Individuen als solchen ome äußerst geringe, und infolgedessen wird die jüdWe Rasse als Ganges wie eine inferiore und . die eiNzellwu Juhen tm der nichtjüdischen Umgebung fo angesehen» wie heute noch überall eine Müströse, ungute, ÄicksichtÄose, Äeiinbürgerliche oder bäuerliche Bevölkerung ehteq Findling, einen Bastard, der „kein Heim", genauer, der keimrr^ Annehmer hat, ansieht und behandelt; nran will srneu solchen Menschen, wie brav er auch sonst immer sein uwg, ohne ihn überhaupt näher zu keimen, stets fühlerr lasses daß er mit einem Makel beihafett fei. Ein analoges Gefühl ist es, das dem Hohrr, fern Ueber- «tittt der Ungerechtigkeit gegen die Juden zugmude Legt. < Nichts anderes ccks das Bewußtsein, daß hinter don irr der Welt versprengten Juden kein sich ihrer annehmen--^ der jüdischer Staat sicht, der völkerrechtlich zu wäre, machte alle bisherigen judenfeindlichon Bewegungen! ' möglich, und so heute die antisemitische, die sich von bm\ früheren nur dadurch unterscheidet, daß mehr intelltgenw- Menschen an Hr terlnehnron, und daher mit viel größerer Ahfichllichkeit umd dem Anschein vmr gründlicher Gelehrsamkeit Argumente gesammelt werden, umr das ungerechte Bonchme» gegen diese Rasse vor sich und der WE M rechtfertigen. Aber es rvützt alle Mühe vor denr Auge dos Anp- Älickenden Menschenkenners nicht; kein Gvund m der WeN kann es rechtfertigen, Menschen dämm W schädigen, well nwn sie m eine Allgemei-nbezeichnung»' hier also die Raffe, hvneinverweist, und es ist dies mrr Zurückzuführen auf dak> Gefühl, stärker sein und ohne Gostchr danach handeÄ M können. S Nach der eben durchgeführivn psychologischen Analyst des Judenhasses wird Wohl kein halbwegs momlisch «B gerecht empfindender Mensch sich noch vo« den sogenannten Rechtfertigungen dev Antisemiten rauschen laßen, er Wird von mm an semm wissen und immer deffen owgch«r fchn, was fita eine Mst wm GejMk wm GanÄm Wgt. .t“r» ■3W2PR* 'TVr’Jiv