Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2135 (29.1.1925)
- Date
- 1925-01-29
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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GM I Gien. Donner-lag «w Er »eit. London, 28. Jämver. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus Kairo Hot die Polizei bei verschiedenen ägyptischen Politikern, darunter auch bei dem Vorsitzenden der Wasdparte«, H a u S d u r ch s u ch \t iv g c n Doivicuomtircn. Prag. 28. Jänner. (Tschecho-slowaktsches Preßbureau.) teilte um »!. Uhr abends ist in feiner Wohnung in WeinSerge der el,«malige Minister Dr. Franz Fiedler gestorben. Mail«»-, 28. Jänner. Wie dem „Popolo d'Jtalts* gemcibet wird, wurde der Präfldent des albanischen Aufstands« komitees. Z in Be i, in Tirana erschossen. Der M ö r« d e r. der nach seiner Verhaftung entsprang, wurde auf der Flucht erschossen. London. DaS Reutersche Bureau erfährt, daß innerhalb der nächsten Wochen in Gingapore «ine Konferenz der Admirale der britischen Geschwader in den Gewassem Chinas, O st i n d i e n s und Australiens stattfinden werde. Es bandle sich dabet ebenso wie bei den vor dem Kriege jährlich abgehaltenen Be preckunaen, um einen Meinungsaustausch über die Lage zur See. Die Konferenz liabe mit politischen Fragen, wie dem Plane der Errichtung einer Flottenstützpunktes in Singapore, nichts z n t u n. Madrid, 28. Jänner. (Havas.) Eine Mrtteilmdg des Direktoriums besagt, die spanische Regierung sei durch die anmaßenden Forderungen Abd el KrtmS gezwungen worden, die Friedensverhandlungen abzubrechen, da Spanien entschlossen sei, nur dann mit dem Rebellenführer zu verhandeln, wenn er die Waffen abliefere. Konstantiuopel, 28. Immer. Da am 19. d. in Do-irut inehrerePestfälle konstatiert wurden, hat die SanitätSverwaltung angeordnet, daß aus diesem Hafen kommende Schiffe einer besonderen Behandlung zu unterziehen sind. Ae österreichische SmigratUra im Jahre 1924. Ta laut den Au Zeichnungen der Amtlichen AiuStvandererstell« im Dezember des verflossenen Jahres 239 Personen (gegen 605 im Jahre 1923) aus Oesterreich ausgewandert sind, ergibt sich für das Jahr 1924 eine Gesanrt.;iffer von 2650 Personen. Die meisten Ausnxinderer stellt Wien, sodann folgen das Burgenland und die Steiermark. Seit Kriegsende sind 38.911 Personen ausgewandert. Die starcke Abnahme der Äuswandeverzrfser gegenüber dem Vorjahre ist der Absperrung der Vereinigten Staaten von Nordamerika, dem HauPtauMvanberuuMiel von früher, zuzuschr eiben. Dr. Seipel Wt Lortröse in der Schweiz. Luzern, 28. Jänner. (Tel.-Komp.). Me der Schweizer Preßtelegraph erfährt, wird der frühere Bundeskanzler Doktor S e i p e l auf Einladung der CaritaSzentrale in der Schweiz -me Reibe von Vorträgen halten. Ir. Reisch in Berlin. Berlin, 28. Jänner. Der Präsident der Oesterroichischen Oimionalbank Dr. Reisch ist in Berlin emgetrossen und hat die beabsichtigte Besprechung mit dem Reichsbankpräsidenten Tr. Schacht ausgenommen. Ueber den Zweck seiner Steife äußerte sich Dr. Reiqch unter anderem, er wolle sich in erster Linie darüber informieren, wie ReichsbcmLpräsident Doktor Schacht sich zu der Anregung des Gouverneurs der Bank von England, Norman, bezüglich einer Kooperation der ZentrailnotenLanken stellt. Dabei vechÄgt er daS Zierl, daß die NotenibanLpolitÄ der be^en Staaten unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Verhältnisse nicht zu stark voneinmU>er aibweiche. Es handle sich auch um die Erledigung einiger besonderer Aufgaben. So habe er von dem ReichSbankprchidenten Dr. Schacht die Erlaubnis erbeten, den Leiter des Devisenamtes der Oasterreichijschen Nationalbank nach Berlin zu entsenden, um die Erfahrungen, die in Berlin hinsichtlich der Devifonverkehrsvelschränkungen gemacht wurden, studieren )u lassen, weil Oesterreich sich mit der Idee'des Abbaues der Devisenverkehrsbeschränkungen beschäftigt und schon im Februar eine NeuregÄmvg dieser Frage treffen will. Anschuidkgungen gegen zwetzbacher. Tie rviederösterreichische Landesregierung hat dem Laiche'sharchbmannstellvertreter Zwetzbacher auf sein Ersuchen einen Urlaub bis Ende Februar bewilligt. Diese Urlau-bsbedürftiAkeit Z w e tz b a ch e r s ist auf Angriffe des Wiener Hakenkrouzlerblattes gegen Zwetzbacher zurückzuführen, dem in einer Artikelserie unter anderem vorgeivovfen wurde, daß er Steuerhinterziehungen sowie bei der Gründung der Brandschadenversicherungs- A.->G. Unkorrektheiten «begangen habe. Die christlichfoziale Landesparteileitung für Niederäs erreich hat sich bereits mit dieser Affäre befaßt. Zwetzdacher legte eine amtliche Erklärung der St. Pöltene-r Fleuerbt-hörde vor, nach der seine Fatieru-ngen mit den . intllch erhobenen Daten der Unternehmungen und amt- Stellen übereinstimmen. Bezüglich der behaupteten Uukorrektheiten 'bei der Brarvdschaden-A.--G. hat Zwetz- - acher um die Klarstellung dieser Angelegenheit durch den >ü,nl!ptausschuß der Landwirtschastskam-mer ersucht. Ae UntetfnAnng gegen dleHamwerdrotwette. Bei der am Dienstag erfolgten gerichtlichen Untersuchung in den Hammevbrotwerken stellte sich «heraus, daß -ie Kalkuiationsgrundlagen den Tatsachen nicht entsprechen, so daß di« Festsetzung des Brotpreise's eine ungerechtfertigte war. Der Betrieb wurde nicht vollkommen auSgenützt. Die Brotwagen fuhren halb leer aus. Es waren viele unnütze Beamte angestellt und die Unkosten wurden auf diese Weise üihermäßig hi naufgetrieben. Wiener Morgenzekkunft. _29. Jänner 1925 M. AW , fraget Bflc 7», Schuhel tnit eingebautem „Berson“-Gumtnl-Absatz Tagesbericht. 41 Menschen .legal" getötet. DaS Treiben eines Ku-Alur-Klan-HSuplNttgS. Die New-Dorker Blätter bevlchten aussührlich, über di« bereits gemeldete Erschießung des gefürchteten Ku-Klur- Klan-Führers Glenn Aoung in der Stadt Herrin im Staate Illinois. Danach wurde Glenn Aonng, der eine Zertlang der ununtschränkte Diktator von Herrin und Umgebung getvesen war, von einem alten Rivalen, dem Shervss Thomas, auf öffentlicher Straße in einem Revolverducll erschossen. Der Ku-Klux-Klan- Führer ging mit seiner Leibgarde bis an die Zähne bewaffnet durch die Hauptstraße der Stadt, als er dem Sheriff Thomas begegnete, den er vor einigen Monaten wegen Derg.hungen gegen das Prohibikionsgesetz a u S w e i s e n ließ. Es entwickelte sich in Gegenwart einer dichten Menge von Zuschauern eine Schießerei, in welcher die beiden Duellanten zahlreiche Schüsse gegeneinander abgaben. Einer der Schüsse traf den „Diktator Glenn Douug tödlich. Außer Glenn Boung wurde noch ein Mann namens Marren erschossen und fünf Personen wurden nrehr oder weniger schwer verletzt. Der erschossene Glenn Do-nng galt für einen der energischesten Führer der Ku-Klux-Klvn-Bewcgung. Achtzehn Monate lang terrorisierte er mit seinen Leuten die Stadt, namentlich die in Herrin ansässigen Italiener und Franzosen. Glonn Aoung drang wiederholt in katholische Kirchen ein und demolierte deren Einrichtung. Besonders drakonisch verfolgte er Vergehen gegen das Pvohibitionsgesetz. Er ließ Hunderte von Leuten aus Herrin answeisen, bei denen seine Organe verbotene Spirituosen fanden. Das terroristische Regime Glenn Aoungs und seiner Ku-Klnx-Klan-Leute nahm schließlich solchen Umfang an, daß eine Abteilung nationaler Miliz nach Herrin entsandt werden mußte, um dem Treiben Glenn Aoungs und seiner Bande ein Ziel zu setzen. Als Glenn Aoung im Duell gefallen war, verkündeten feine Getreuen mit Stotz, daß der Diktator im Verlauf« seiner fast zweijährigen Tätigkeit in Herrin und Williamstown nicht weniger als 31 Personen „auf legalem Wege" getötet habe. «nstav Lederer — rin 7?facher Raubmörder. Die Untersuchung gegen den ungarischen Gsndarmerieoiberleutnant Gustav Lederer, den Mörder des Sslchernreifters Kodelka und HenLer des Pronay-Detachement S, ergibt noch immer neue Einzelheiten. Wie „Pest« Naplo" aus Preß bürg meldet, hat der dortpge städtische Beamte Stephan Ursa vor der Preßburger Polizei wichtige Angaben Wer Gustav Lederer gemacht. Ursa war, nach seinen Aussagen, nach dem Kriege a'ls militärischer Rechercheur tätig. In dieser Eigenschaft hatte er nach einem Individuum namens Stephan Durecsko Nachforschungen zu pflegen, der wogen Raubmordes in nicht weniger <M 73 Fällen verfolgt wurde. Urfa will nun in der bei der Pveßbuvger Polizei vorliegenden Photographie des Mörders Gustav Lederer mit Bestimmcheit den dreinndsiebzigsachen Raubmörder DurecÄo erLennen. Dienstag fand eine Hausdurchsuchung in der Wohnung des Mördevpaares Lederer statt. Es wurde unter anderem eine Kassette mit hundert Liebesbriefen gefunden, di« Lederer seiner Frau anläßlich seiner Stationierrmg in Gyvngyös nach Budapest gesandt hatte. Der wichtigste Fund bei der Hausdurchsuchung war eine golden« Uhrkette, von welcher sestzustchen scheint, daß sie im Besitz des ermordeten Kod eil ka gewesen war. Ferner fand man unter den Korrespondenzen. Gustav Lederers nicht weniger als 2 0 Pass e. Man schließt daraus, daß das Ehepaar Vorkehrungen getroffen hatte, Ungarn zu verlassen. per Luftverkehr. Dr. Eckrner in London. Aus London wird berichtet: Der Führer des Z. R.3, Dr. E ck e n e r, ist in London angvkommen, wo er nächstens einen B o r t r a g vor den Mitgliedern der königlichen LustschiWhrtSgesellschaft halten wtzd. Es verlautet auch, daß er mit den englischen Sachverständigen über die Errichtung einer L ustfchiss ahrtslin ie beraten wird, die England »reit den Dominions.verbinden soll. Auch eine Linie zwischen England und Amerika soll geplant fein. Zweimal monatlich wird ein MuWeuig von Chicago über New-Aork und London nach Hamburg sichren. Saffomu vstchersammlung nach gernsalem. 2000 Bücher aus Schanghai für di« jüdische Universitätsbibliothek. Wie die Schansthaier Zeitung „Israels Messenger" mitteilt, ist es deck BemühunHen des Vertreters des Keren Hajessod, Dr. Ariel Bension, gelungen, di« 8060 Bände tlmfassende Bibliothek des dort verstorbenen Mr. Jakob Sa sfoon für die Universität Jerusalem zu erhalten. Di« Bibliothek war von den Erben ocs Verstorbenen für die Gemeind« Scha-lghai best in« int worden, die nun zustimmte, daß die 2006 Bärrde als Speeche in den Besitz der Jer,«sale,u<'r Univcrsttats' bibliothek gelangen. Palöftkna von gestern, heute und morgen Vortrag Dr. WeiölS im KonzerthauS. Bor zahlreicher Zuhörerschaft hielt gestern abends der aus Palästina zurückgekehrte Berichterstatter der „Bossischen Zeitung", Dr. Wolfgang WeiSl einen ausführliche» Vortrag über di« Lage in Erez Israel. Er wies darauf hiw daß Palästina seit drei Jahrtausenden im Mittelpunkt dej Interesses dreier Weltteile stshe und dadurch auch fast di« gange Zeit Kampfobjekt gewesen sei. Auch jetzt stehe es im Mi'ttölpunkte eines Kampfes, der jedoch nicht mit dem Schwert, sondern mit der Pflugschar des Kolonisten auSgefochten »werde. Der j ü d i f ch e K o l o n i st sei der Exponerr, des EuroPäismus; in Palästina seien im Laufe de« setzten fünf Jahve mehr Europäer eingewandert als nack dem gauzen vorderasiatischen Teil des ungeheuren Nach berkontinentS. Das in Palästina ansässige Element, d« Araber, repräsentieren das Palästina von gestern, di« jüdischen Einwanderer aus Europa, das Palästina vov heute und die Juden in der weiten Welt das Palästina vor morgen. Der Konflikt zwischen Juden und Arabern, von dem .so häufig gesprochen wivd, ist im Grund« eine Divergenz der Wirtschaftsmebhoden. Von diesem Standpunkte aus si! das so häufig gehörte Wort von der Angle,chung an -« orientalische Kultur nicht im Platze, weil eine Rückkehr bereits übenwundenen Wirtschafts- und Kultuvformeu nicht möglich ist. Da das arabische Element wirtschaftlich und kulturell das Mittelalter repräsentiert, mußt« naturgemäß im Dimre des EurpoäismuS die ursprüngliche Konzeption eines panarabischen Staates fallen. Die Araber^ denen alle Forderungen, die sie stellten, bewilligt wurden, verlangten zu viel und konnten nichts erfüllen. Die politische Einsicht, daß die panarabisch« Konzeption unfruchtbar fei, hat der Idee der jüdischen Palästina sehr genützt und zugleich mit diesen Umstand trat von jüdischer Seite der breite Strom der Einwandevung und des Interesses fiir Erez Israel i« die Erscheinung. Auf den Wegen, welche die Pioniere, du Chaluzim, geebnet haben, strömt jetzt die Judenheit nach Der günstige Moment braucht nur die richtige Initiativ« und wir stehen heute der Erfiillung unseres tausendjährk« gen Traumes näher denn je. Das Palästina von morgen wird das Mische Palästina sein. Lrkar 9eregi bei einet festlichen Veranstaltung. ©in Freund unseres Blattes schreibt un§: Letzten Sonntag fand in den von festlich gekleideten Besuchern dicht gefüllten Räumen des Hotels Continental die Jahresfeier der Frauenhilfsaktion für Kranke und Wöch nerinnen statt. Nach Begrüßung durch die Präsidentin, Frau Großrabbiner Friedmann, und nach zu Herzen gehender Rede der Frau Anitta Müller-Cohen wurde Herr Oskar Beregi angekündigt. Befremdete schon seine saloppe Kleidung — zerdrückter, weicher Kragen usw...., Herr Beregi, der in vielen Salonstücken als mondainer Schauspieler auftritt, weiß, was passend ist und nicht —, seine geringschätzige Miene, mit der er ohne die leiseste Andeutung einer Verbeugung auf das Podium trat, so stieg der Unwille in« Publikum auf das höchste, als er minutenlang den Zuhörerrr brüsk den Rücken kehrend, mit den Händen in den Hoserrtascherr den sicherlich ganz uninteressanten Teppich, der als Hintergrund der Estrade diente, studierend, wartete, bis die notige Ruhe eintrat. Nach dem Vortrage eines einzigen, kurzen Psalmes verließ Herr Beregh wieder ohne Verbeugung, wie er gekorn men, die Estrade, ohne für den trotz seines auffallenden Verhaltens gespendeten reichen Beifall der Anwesenden auch nur zu danken. Das ging mir und vielen anderen denn doch über die Hutschnur, einem Publikum so deutlich seine Geringschätzung zu zeigen, entweder weil es sich um ein rein jüdisches Publikum handelte, oder weil, wie Herr Beregi später noch ausdrücklich betonte, er ohne Honorar auftrat. Das war elbst in unserer Zeit der Ueberschätz««ng der sogenannte«! > rünstlerberufe und des dadurch hervorgerufenen Größenwahn- «nnes vieler ihrer Vertreter ein etwas zu starkes Stück- Herr Beregi fand es für g««t, die festliche Veranstaltung zum Tribunal zu machen, und als Antwort darauf, daß ich ihm irr ruhigem Tone unter vier Augen meine A««s«cht über je«»« Verhalten zum Ausdruck brachte, die Anwese««den zu«n Richter a««fzurpfen, wer im Rechte sei, er oder ich. Leider gab es auch einige j««nge Leute, die ihm applaudierten, wohl nur aus Unverständnis, die Beleidigung zu erfasse««, die er ihne«« angetan. Es wäre mir ein Leichtes gewesen, durch einige Worte den größten Teil des Publik«ln«S, der sich jeder Aeußerung enthielt, zu einer Demonstration gegen Herr«« Beregi zu veranlassen, denn die Empörung über sein Auftreten war ziem^ lich allgemein, es widerstrebte mir aber, die festliche Veranstaltung zu stören, sonst hätte ich ja Herrn Beregi einfach prüfe»« können: „Drehen Sie sich gefälligst um und zeigen Sie uns nicht den Rücken!" allstatt ihm unter vier Augen den Vorhalt zu machen. Die Art und Weise, wie er mir sonst entgegentrat, wird wohl noch aderen Ortes Beurteilung finden. Ich bitte um Veröffentlichung obiger Zuschrift, die das Benehmen sogena««nter prominenter jüdischer Kü««stlcr einem jüdischen Publikum gegenüber zu beleuchten verniag. So wird die jüdische Oesfentlichkeit behandelt, deren allzu heiße«« Enthusiasmus inanche Künstler ihre Popularität zu verdau feit haben.