Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2135 (29.1.1925)
- Date
- 1925-01-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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mmr We«, DsnmiMag * SaaufsellSkte Hausdurchsuchungen «ud Verhastuugen in Lemberg. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) 8k«HgrK 28. Jänner. In den letzten Tagen wurden bei angesehenen jüdischen Bürgern der Stadt Hau-durchsuchungen vorgenannt«« und Verhaftungen angevrdnet, über deren Motive keine Klarheit herrscht. ES wurden der Vorsitzende des jüdischen Handwerkervereins Jad Charuzim, M. Glaser mann, der auch Stadtverordneter und Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde ist, ferner der Vizepräsident des erwähnten Handwerkervereins, I. M. M ü n z, der Druckeveibesitzer Jenner und der Inhaber eines photographischen Ateliers verhaftet. Genaue Auftärung über die Ursache dieser Berhastungen und der polizeilichen .Hausdurchsuchungen Lei verschiedenen jüdischen Bürgern und Organisationen sind von der Lombevger Polizei n i ch t zu erhallten. Es ist das Gerücht verbreitet, daß diese Maßnahmen mit dem Attentatsversuch aus den polnischen Staatspräsidenten anläßlich seines Besuches in Lemberg zusammenhängen, als dessen Urheber die Polizei bekanntlich den jüdischen Studenten Wladislaw Steiger in Haft nahm. Die Verhandlung gegen Steiger vor dein M u litargericht ergab keine Beweise für dic Anschuldigung und das Verfahren wurde an die Zivilbehörden abgetreten. Diese haben es noch nicht abgeschlossen und Steiger ist noch immer in Haft, obwohl aus Grund verschiedener Anzeigen ein Ukrainer namens - Panczhszyn als mutmaßlicher Attentäter verhaftet wurde. Nach den Gerüchten in Lemberg, die insbesondere von den antisemitischen Blättern genährt werden, soll der Anzeiger des Panczhszyn, ein gewisser Miketyn, die eingangs erwähnten Personen beschuldigt haben, daß sie ihn zu falscher Aussage durch eine größere Geldsumme bewogen hätten. Die Vertreter des jüdischen Sejmklubs, Abgeordneter Reich, Rosmarin und Sommerstein, -haben wegen dieser Verhaftungen beim I u st i z- und I n n e nminister Vorgesprächen, Ivelche zusagten, die Angelegenheit schleunigst auszukläven. Der: neue Lembergee Woiwodc über jüdische Fragen. Der neue Lembevger Woiwode Dr. Pawel G araphch empfing vor einigen Tagen den Vertreter des ,Lemberger Tagblatf^, vom gegenüber' er sich über verschiedene aktuelle jüdische Fragen in Ostgalizien äußerte. Er sagte unter anderem: ,Hm Sinne des jüngsten Erlasses des Kultus- und Unterrichtsminrfteri'ums werde ich strenge daraus achten, daß in den jüd ls chen Gemein d e n meiner Woiwodschaft die n e u g e w ä h l t e n Gemeindeverwaltungen ihre Funktionen unverzüglich aufnehmen, ohne Rücksicht darauf, ob gegen diese Wahlen Proteste emgebvacht wurden oder »NtyL. Bezüglich der Praxis ein^luer Bürgevme-istier, die den Gebrauch der jüdischen Sprache in öffentlichen Versammlungen verbieten, wies der Woiwode darauf hi>n, daß in Kleinpolen noch immer die alten oft erreicht scheu Gesetze bind:nd seien, welche die jüdische Sprache nicht anerkannt haben. Auch in der Konferenz der Staatsanlwälte, die vor kurzem in dieser Angelegenheit abgehalten wurde, fei dieser Standpunkt durch- «VtnrCc wcffTfftnjfuunfi Wasche mit Luft! Heute, Freitag und Samitag um 7,4 und 5 Uhr, ffOlltag den 2. Februar nur um 4 Uhr findet im Laase der Restauration „Grüner Bau m“, VH., Mariahilferstrasse 5$, II., Tabor« tlrassa 36 (neben HelioS-Kino), „Hotel Hietsingerhof', Xlll, Hietiinger Hauptetrasec 22, das PROBEWASCHEN mit uns. Orig.* ii||Mg||||M|‘‘ Waschapparat statt. Erfolg verblüffend/Preis K140.000 Die beste, billigste un* schnellste Waschmethode der Wflt! Vollkommenster Ersatz für Börste und Rumpel. 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(Avala.) ,-Breme" bezeichnet den (bereits gemeldeten. Die Red.) Schritt des deutschen Gesandten in Belgrad in Angelegenheit der Brrletzung der deutschen Politiker 'bei der Wahlkampagne als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes und glaubt, zu wissen, die Regierung werde dem Gesandten zu verstehen geben, daß er seine Befugnisse überschritten habe. Auch „Politika" ist der Ansicht, - daß der Zwischenfall diplomatische Folgen haben werde. Der deutsche Gesandte hat übrigens denn Minister des Aeußern Dr. N i n c i e erklärt, daß sein Schritt aus Gründen der Humänität erfolgt sei und er nicht beabsichtigt habe, sich in die inneren Verhältnisse des Landes einzumischen. Reklame und Ruhm. Bon Jan Münzer. Die moderne Reklame, ein Kind der Demokratie, ist eine gewaltige, doch auch zugleich gefährliche Macht. Gewiß, sie dient wie alle Technik zur Erleichterung dos Verkehrs und des Lebens, aber andererseits ist sie zufolge der Paradoxie aller menschlichen Dinge in sicherlich nicht geringerem Grade geeignet und vielleicht bestimmt, manche Erscheinungen, des Verkehrs und des Ladens zu ersticken. Der unausgesetzte, betäubende Lärm, der durch die Technik der Reklame bewerkstelligt wird, die Uoberslutung der Sinne, vor allem des Gesichts- und Gehörsinnes durch starke, tyrannisierende Eindrücke — ist ohne Zweifel ein sehr wirksames Mittel zur Organisierung, Beherrschung und Leitung der Massen. Aber gleichzeitig werden durch die Zwangsmittel der Reklame undurchdringliche Mauern eines geistigen Gefängnisses errichtet. In diesem Gefängnisse schmachtet die ungestillte Sehnsucht der leidenden Menschenseele und draußen, dicht hinter den Mauern deS Gefängnisses, dicht neben der engen eingckerkevten Welt der aufdringlichen Erlebnisse — wächst unerkannt und ungenossen manches Wunderkraut voll heilsamer Säfte. Die Reklame ist eS, die stets darauf hinarbeitet, das persönliche geistige Leben des modernen Menschen zu unterjochen und die Verbindungen zwischen der Persönlichkeit und d'n nährenden Quellen derselben abzuschneiden. Denn die Reklame stellt über dem Menschen als oberstes Gesetz das Gebot auf: „Sei Masse!" Wo PersönAchkeit wirklich besteht, geht sie naturgemäß ihre stillen, abseitigen Wege und wehrt sich mit aller Gewalt gegen die Suggestionen der Reklame, ist mißtrauisch gegen alles, was durch die Reklame aufgedrängt wird. Der Kampf gegen die Suggestionen der Reklame ist wahrhaftig oft ein äußerst schwieriges Unternehmen, aber er muß tagaus tagein von jedermann gekämpft werden, der .Herr in seinem eigenen geistigen Bereiche, im Bereiche seiner unteren Persönlichkeit bleiben will. Was unterscheidet den wirkliche» Geistesmenschen vorn Snob? Vor allem dies, daß der erstere wählt und sichtet und stets der Stium« seines inneren Wesens folgt, tvährenh der andere sich blindlings dem Taumel ergibt, der durch die Massensuggestion der Reklame erzeugt wird. Die Werte, die die Reklame anpveist, scheinen dem snobistisch Veranlagten so hoch, daß er sich schämt, derselben nicht teilhastig und also von seinen Mitbürgern mißachtet zu werden. Die Achtung der Mitbürger ist wohl ein schönes Ding; allein etz gibt Dinge, die schöner sind und die inan mit Mühe und unter Opfern gegen seine Mitbürger verteidigen muß. Man kann wohl nicht behaupten, daß in Polen das Re'klamewesen — ivenigstens im Vergleich mit den anderen Kultuvstaaten — besonders üppig aufgeschossen sei; immerhin gibt es aber Gebiete, wo die moderne Reklametechnik durchaus präzis und erfolgreich arbeitet, richtige Massensuggestionen erzeugt. Leider dient sie am wenigsten der einheimischen Industrie, die ihrer oft dringend bedarf und verlegt sich aus Gebiete, die ihrer eigentlich nicht bedürfen sollten. Gegen manche jüngere St terahttff reife kann mau nicht den Vorwurf erheben, daß sie weltfremd sind. Die Mitglieder .derselben sind..sehr tüchtige Realpolitiker in literarischen und Kmkstsachen und entfalten in ihrer Taktik den literarischen Mitproduzenten und dem Publikum gegenüber eine Findigkeit und Geschicklichkeit, zzm die sic mancher erfahrene Parlamentarier beneiden könnte. Ihren merkantilistischpolitischen Fähigkeiten und Neigungen haben sie es auch zu verdanken, daß sie sich mit verhältnismäßig geringer geistiger Alühc eine beachtenswerte Popularität verschafft haben und im Vordergründe der literarischen Szene stehen, ja geradezu mit der Nase das ParterrepMikum anstoßen. Es sind unter diesen Lieblingen des Publikums wohl einige, die u nbezweifelbare Talent proben gel iefert haben, aber von den aufreibenden Pflichten, die die ReSlamctechuik auferlegt, in Anspruch genommen, leider keine Zeit finden, über diese Talentprolben hinauszugehen. Wie aufreibend ist es, sich mindestens einmal in der Woche gegenseitig anzupreisen, Beziehungen mit Autoritäten anzuknüpfen und sie mittelst allerlei eifriger Ehrenbezeugungen zu Pflegen und was dergleichen mehr ist. So kommt man immer seltener, dazu, sich zu sammeln, U nd da nian selbst .nicht mehr fähig N. Hmirttr 1988 ' Onus Genossen. Bukarest, 28. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) ZaiA reiche Universitätsprofessoren richteten an dm Unterrichtsminister eine Eingabe, worin sie die Einleitung eines Prozesses gegen den Iassyer Professor C u za und Go nassen als inopportun bezeichnen, da das gleicht dentend wäre mit dem Hineintragen der Tage spykit-ff in das Heiligtum der Wissenschaft. Keine Arbeitslosigkeit in Palästina. Jerusalem, 25. Jänner. (P. K.) Atn Vorabend der Konferenz, welche die Allgemeine Arbeiterorganisation einberufen har, erklärt Ben-Gurion im „Kuntrcß", daß di« Vertreter der Arbeiterorganisation nunmehr zum ersten tnal seit deren Bestehen ihre Probleme frei diskutieren können; denn endlich seien sie von der schweretr Sorgenlaisi der Arbeitslosigkeit befreit. manchen Arbcitszweigen macht sich sogar ein Mangel an Arbeitskräften bemerkbar. Bon Monat zu Monat nimrüt die Zahl derer zu, die bei landwirtschaftlichen und Bauarbeiten beschäftigt sind. Fast alle neu an kommenden Immigranten finden iw diesen Arbeitszweigen sogleich Aufnahme und deren Aufnahmefähigkeit ist noch bei weitem nicht erschöpft. In Tel-Awiw ^herrscht noch immer starker Häuscrmangel und es werden jetzt Beratungen zwi schen der Stadtverwaltung und dev Zionistischen Exekutive gepflogen, um ein großes Häustvbanprogramni durchzu- Sie zusammenftSbr in Afnleh. Die Entscheidung der Palästina-Regierung. Jerusalem, 26. Jänner. (I. T. A.) Die Paläst iud Regierung veröffentlichte am 21. d. 'den Bericht des UntersnchunMomrtees in der Asuleh-Frage. Wie erinnerlich, war es in Afullieh im Tale Israel zir einem. Zusammenstoß zwischen jüdischen Pftügern und Arabern gekommen. Die Araber versuchten, die jüdischen Pflüger zu vertveibeitv und be'haupteten,. es ^handle sich um arabisches Land. Dic Araber bombardierten die Mischen Avbeite-r mit Steinen'. Einer der Kolonisten gab einen Schuß ab, wodurch ein Araber getötet und zwei verletzt wurden. Auch unter den jüdischen Pflügern gab cs Verletzte. Das Regievungskonntee erklärt nun, es 'habe alle Tatsachen genatt überprüft und sei zu denr Schluß gekommen, daß das Land in Asiuleh niemals im Besitz der arabischen Dorfbewohner gelvesetr sei. Nichtsdestoweniger haben die Araber, als die Anwvhner Kompensationen erhalten, als da's Land von beit Juden erworben worden war, Das Komitee erklärt-ferner, es sei ^während des Streites nur ein einziger Schuß abgegeben worden. Sie SSmpse in 8hiW. London, 28. Jänner. Aus Schanghai wird ge« meldet: Die Truppen des Marschalls Tschihfrynan haben von denen Lu-Noung-Srangs in der Nahe des Tarhusees eine völlige Niederlage erlitten und gehen auf Schanghai zurück. Für die in Schanghai ansässigen Ausländer liegt kerne Gefahr vor. Im Hafen liegen 15 K r i e g s f ch i f f e, deren Mannschaften aus Alarmtbeveitschaft gestellt sind. Zum Schutz der Geschäftsviertel Ivevdeu m den Strahn Barrikaden errichtet, die von chinesischen Freiwilligen bewacht werden. t^BBSBSSSBBBSBSBBBBSBSBSBSBBBBSSBBBSSSBBSBBSSSSSSBBBBBBBSSSt ist. in sich oder in die Dinge Einkchr.zu halten und ein umuhiges Flackerda-sein führt, läßt man das Publikum nicht zur Ruhe kommen und hetzt es mit nie dagewesenen Neuigkeiten ab, die gleich am nächsten Tage niemanden mehr angehen, weil sie schließlich wur künstlich aufgvftischte Gsmeinplätz, sind. So . 'baut sich von Tag. zu Tag, eine neue Sklaverei auf die Sklaverei im Dienste der Reftavu', die Selbstzweck wird. Allmählich verfällt ihr auch der Charakter--' feste, der lange widerstrebt hat, aber schließl'ch einsichr. daß' der einzelne da nichts auszurichten vernrag. Bleibt er isoKert, sind ihm alle Tüwn verschlossen und er müßte rJahve, vielleicht Jahrzehnte vergeuden, um erneu Weg zu den Ohren seiner Volksgenossen zu finden. Schließt er sich an eine Gruppe an, -muß er unentrinnbar dem Moloch der Reklame verfallen. Denn was ist im Gwnde die Reklante? Es ist dev Ruhm, den man sich selbst herrichtet oder der.von aderen für jemanden hevgerichtet wird. Darin liegt seine Wider - Natürlichkeit. Der Ruhm ist ein Geschenk des Schicksals, wie die Schönheit, die Liehe . . . Man darf und soll ihir nicht erzwingen. Aber was nutzt das Predigen? In Wirkbichkstt wird er oft erzwungen, und zwar mit den Mitteln der Reklame. Mer ist es der richtige Rnhm, ist es kei-iv Schsiu-- Ruhm? Hier wird jedoch die Sache heikel. Was ist schließlich der Ruhm? Ist es etwas wesentlich Verschiedenes, ob inan einen Tag lang oder einige Jahrhunderte lang genannt und gerühmt wird? Untevscheidet sich wesentlich der Ruhm im Bezirke einer Aeinen Stadt vonr Ruhme, der sich über' alle Weltteile erstreckt? Ist die Technik der modernen Re-! Käme nicht im Gmnde eine neuzMiche Umgestaltung einer malten menschlichen Einrichtung, We dem sozialen Leben immanent ist? Ist der Wille zum Ruhm nicht schließ-' lich der Wille zur Macht? Und vielleicht ist eS doch näht gar so widernatürlich, ihn: den Ruhm, also die Macht, erzwingen' zu wollen? Also sind vielleicht die jungen Literaten doch nicht so ganz aus falscher Fährte? Warum sollten sie eS Ver-, schmähen, die Masse zu unterjochen,.wenn sie sich von ihnen! unterjochen läßt? Zmnal, da die jungen Literaten vovlmHg' nichts Besseres zu tW haben? ... '«MMWWW ' ...