Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2133 (27.1.1925)
- Date
- 1925-01-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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GMk »_men, D'wnstog Die Schuld au der Ermordung Slsnerr. Unabhängig« gegen Sozialdemokraten. München, 26. -Jänner. (Tel.-Komp.) Bor dem hiesigen Amtsgericht begann heute ein politischer Sensationsprozeß. der voraussichtlich wenigstens 14 Tage Ariern wird. ES handelt sich um eine Beleidigungsklage, die der ehemalige sozialistische Jnrrenminister und gegenwärtige Vizepräsident des bayrischen Landtages Attf r gegen die Führer der unabhängigen S7Mdemokraken Winter, Kämpfer und Kanzmayer «angestrengt hat. Diese haben eine Broschüre herauSgegeben und vertreiben lassen, in der sie Auer der Zwiespältigkeit und Charakterlosigkeit, gegen revolutionärer Betätigung f-toic desKriegs-undRevolutionsgewiririerturirö und schließlich der Mitschuld an den Vorbereitung".» zur Ermordung EiSners bezichtige. Die Angeklagten übernahmen bei ihrer Vernehmung nicht nur die volle Verantwortung für die Bvoschüre. sondern suchten deren beleidigenden Inhalt noch beträchtlich zu erweitern. Sie beschuldigten Auer der Bestechung sowie maßlosen politischen und persönlichen Ehrgeizes. Auer kennzeichnete demgegenüber dagegen ihn geführten Angriffe als einen Kampf der Kommunisten gegen die Sozialdemokraten. Am heftigsten trat Auer der Beschuldigung entgegen, daß er an den Vorbereitungen zur Ermordung EiSners Anteil habe. Er meinte, daß ohne den 21. Februar, an dem EiSner ermordet wurde, eS in Bayern nie zu einer Räterepublik mit oll chren schweren Folgen gekommen wäre. -orthy« MSrderasyl. Budapest, 26. Jänner. (U. T. K. B.) Die Staatsanwaltschaft erhielt vom Justizministerium die Verständigung, daß die Auslieferung des vom Münchener Landesgericht wegen zweifachen Mordes verfolgten Oberleutnants Bauerverweigcrt wurde, woil es sich um eim politische Angelegenheit harrvle. Bauer wurde infolgedessen gestern aus der Haft entlassen. 0er fttt-ftlttpSitatt. HerrnrS (Illinois), 25. Jänner. (Reuter.) MMeder -es Ku-Klux-Klan verwüsteten ein hiesiges HotÄ. Zwischen herbeigeeilten Polizisten und den Ku-Klux- Klan-Leuten kam es zu einem Feuergefecht, wobei drei Personen getötet und ungefähr zwanzig verwundet tvurden. Der Gouvernur von Springficld ließ schließlich die Siadt Herrins durch Truppen besetzen und verhängte den Belagerungszustand. In sämtlichen Straßen rvurden Maschinengewehre ausgefahren. Die Gewalttätigkeiten find auf einen dramatischen Zwischenfall zuvüchufühvon. Am Sa-mstag abends zog Glenn A o u n g, der Führer des Klans, mit einer bewaffneten Bande aus, um das Haupt der AnEanbewogung, Ora Thomas, zu suchen. Ioung, der bereits 22 Mensche n mit eigener Hand getötet und nach alter Jndianertradition auf dem Schaft seines Gewehrs für je des se i n e r Opfe r e i ne Ke rbe eingeschnitten hat, erblickte Ora Thonras vor der Dür des GemcindÄgasthauses. Er schoß, fehlte, und Thomas antwortete mit seinem Revolver. Aoung stürzte, in die Lunge getroffen,;u Boden. Seine Anhänger eröffne ten, um den Tod ihres Führers zu rächen, den Kampf in der ganzen Stadt. -er LMator geht nicht «rhr nach Marotto. London, 26. Jänner. (Tel.-Komp.) Nach hier vorliegenden Nachrichten aus Madrid wird General B a r r e r a zum Oberkommissär von Marokko ernannt werden. Barvera war Adjutant des Königs und Mitglied des GLneralistabes. r« kömWe Senat übernimmt de» Mattevttl-Proreb. Rom, 26. Jänner. Die mit der Anklage gegen General de Bono beauftragte Untersuchungskemmisslon des Obersten Gerichtshofes des Senats hat an das Untersuchungsgericht, das den Prozeß Matteotti führt, das (8esuch gerichtet, ihr alle Akten des Matteotti- Prozesses zur Verfügung zu stellen. Das römische Untersuchungsgericht hat beschlossen, diesem Gesuche Folge;u leisten. In dem Kreisen der Opposition hält man die Anforderung der Untersuchungsakten im Matteotti-Pvozeß durch die Untersuchungskommiffion des Senats in Sachen des Generals de Bono für eine Begebenheit von größter Tragweite. Man glaubt, daß der Senat beschließen werde, den ganzenMatteotti-Prozeßansichzuziehen. In diesem Falle würden nach dem Senatsreglement, wie inan in Oppositionskreisen behauptet, sämtliche, S e n araren, die von der jetzigen Negierung ernannt ivorden sind, an der Untersuchung wie an dem Richtspruch n - cd i teilnchmen dürfen. Nr Radlr-rokumente. Belgrad, 26. Jänner. (U. T. K. B.) Jnnen- "tt.-islermm veröffentlicht drei neue Dokumente, die bei die vorgefunden wurden. Das eine enthält teilweise i.ne Rede, die Nadir in Moskau über die jugoslatvische "-olitik gehalten hat. Das andere Dokument ist ein Berrag, den Radie in Wien mit den Vertretern der jugoslawischen deutschen Partei. Edmund Steinacker und Dr. Friedrich Berger, ahgeschl-ssen hat. Das Dritte Dokument ist ein Brief von Radic aitst^e Moskauer Wiener Moraenzettuna. 27. Jann.-i intt.. ja . 2138 Seine arischen Sonderrechte an den Hochschulen. Sine SrMrimo de» llnterricht»minlfterr Schneider. Die Debatte über dcn Hochschulfkanvctt ist inr Budgetaussihuh noch nicht zu Ende. Bemerkenswert ist jedenfalls aus der gestrigen Sitzung die Erkläntng des Untcrrichrsministers Dr. Schneide^ daß er kein St«dentenrechr geil c h m i g e n werde, dag gelM)rleistete Rechte verhetzt; er a n e r k e n n e daher auch die an der Wiener Technik und an der H uchschnle für Bodenkultur ins Leben ge tretencn t u d e n t c n v c r f v f i it n «3 c n 1: i ch r. Dent Unterrichtcnttirffter kann ohne Wellers zug-standen werden, daß er sich von allem Anfänge an auf den Boden des Staats gnmvgesetzes gegenüber den rrnterfchiedtthen ForVrnmg-n der Deutschncrtioncrlcn nach Einführung dos Nu^erns odruifnZ 11-d nach Degradierung der Hörer irich!deutscher Bos^L;"-g.'hörigkrit zu Studenten Zweiter ®t!« stellte, aber b'.Innn war diosc Stellungnahnle ein bloßes Lippenbekenittms. In der Praxis ließ man die Hakenkveuzler cm den HochschuLn gewähren, llnd schließlich hat es fast den Anschein, daß der Minister sich nur ans der parlamentarischen Trkbüne ftir die Einhaltung der be sichenden Gesetze ouSsYricht, während er als Partoinrann, so wie sein Klübgenosse Dr. Schumacher, der gestern gleichfalls zum Worte kam. die Argumentation der Judengegner akzeptiert und danach handelt. Erster Redner war der Großdeutsche Dr. An ge rer. Er gab zu, daß in allen Fällen, ln denen Habilitottonswer^crn unrecht gHchchen ist, es sich durchaus mn Jude» handelte nnd setzte zynisch httrzu: Mr haben lern Bedürsni-s nach der Vermehrung der jüdischen Lehrer. Heute sind nahezu 60 Prozent des Prosessorenhpllegiums an der philosophischen, rrdedizinischen und juristischen Fakultät Angehörige des jüdischen Volkes. Die Dozentschaft an der medizinischen Fakultät weist sogar 66 Prozent jüdische Doyenten <mf. ll-ntrr den Sttrdenten an der Universität im Studienjahre 1939-24 machen die Juden 47 Prozent aus. am der Welthcmdols-Hochschule 96 Prozent, an den Mittelschulen Mens 66 bis 70 Proprnt. Alan dürfe sich nicht Wundern, wenn nran sich, in Studentenkreisen gegen die weitere Verjudung unserer Hochschulen wchrt. Unterrichtsnrinlsier Dr. Schneider verlas zunächst ' folgende Statistik der Hörerschaft Vt Wiener Universität. Es sind im laufenden Wintersemester an der Wiener Universität 94 49 Frauen und Herren inskribiert. Davon haben sich 7166 zum deutschen Volle bekannt, 1036 zum jüdischen, 96 zum tfchecho-stowakifchrn, 87 zum panischen, 70 zum ukrainischen. Wir halben ferner 256 ungarische, 59 rumänische, 210 bulgarische, 58 griechische, 146 serbische, 79 kroatische und 19 slowenische Höver. Die Hochschule wird Wetters besucht von 16 Jtcvbienem, 59 Arabern, 99 englisch sprechenden Hörern, 36 Russen und 10 Lotten. Der Minister bedauerte es, daß es noch nicht geMckt fei, in Oesterreich die Frage der offizielle« Stvdeutenvertretunüev zu bösen. Er glaube jedoch, daß es trotz aller Schwierigkeiten möglich sein werde, auch m Oesterreich zu einem Studentenrecht zu kommen, das auch von der Regierung anerkamni werden kann. Dir Regierung wird natürlich kein Studentenrecht genehmlge« könne«, das gewährleistete Rechte verletzt. Wir könne« daher die an der technischen Hochschnle in Wien »nd a« der Hochschule für Bodenkultur ins Leben getretene» St», denteuvertretungen nicht anerkenue«. Wen« — was ich noch genauestens erheben lasten werde — die Bezahlung der Umlage für die Kasten dieser Vertretungen -a einer allgemeine» Bedingung für die Inskription gemacht wird, so kann eine solche Maßnahme die Billigung der Regierung gewiß nicht finden. Auch die hier geschilderten Vorgänge bei der Zurückzahlung solcher Umlage« an reklamierend« Studenten sind nicht in Ordnung. Ich werde dafür Sorge trage», daß -ei der Inskription znm S om me r seme st er ln dieser Hinsicht keinerlei Rechte verletzt vwrden. Ich habe dadurch, daß ich diese» Sttwentenvertretungen die Anerkennung durch das Bundesministerium für Unterricht nicht erteilt habe, den Beweis dafür erbracht, daß ich der Autonomie der Hochschulen ebenfalls gewisse Grenze« stelle «nd anjgnmatk Verfügungen der Kollegien nicht durchaus als Rechtsgrundlage anerkennt, sondern nur j» jenen Fällen, in denen diese Verfügungen auf Grund der ^stehenden Gesetze «nd Vorschrift«« wirMch auch RechtSgruMagen sind. Bozüglich der Kritik der Habitit-ativnsorcmuufl meinte der Minister: Die letzte und endgültige Entscheidung über die Zulassung von Priva-tdozerrten kann roohl, der ganzen Stelümg der Hochschulen im wistenscha>ftlichen Leben u,nd ttn Staate erttz sprechend, nur von der Hochschule seIbst getroffen werden. Eine Vrtciluirg der Benia dorenidi nach akademischen Begriffen ist nur durch d-is hierzu berufene und hierfür verantwortliche Professo'renkollegirin und durch k,'ine andere, auch nicht oberste Untervichi^b:hörde, tuMich. Ich stiinlne aber volttormnen dom zn, daß lediglich die wlstenschafilich« Eignung ohne Ansehung der Konststion oder Weltanschauung die ausschlaggedeudeii Gründe für die Auerkemrrmg oder Aberteivnung der Pcnia docendi siiin müssen. Die Ablehnung eines Bewerbers ans persöntichen Grünbeit karm mrr aus sehr schn^rwiegetibert (Äri'mden erfdtgen. Es ist aber bei dem heutigen Zustanio?. daß Privalboze,ttcu btt ihre' Bewerbung um d>e Benia legendi meist schon Assistenten sin-2 oder die Stellung von solchen ernstlich arfftrobcn. «ach einigen Ich«« die Tttuliernngen als Professoren oder die Erne,m,mg zn solchen extra statnm erlangen, sowie bei dem Umstande, d,tsr sic Mitglieder des Kollegiums toerdcn Eihmct, rimucchiu von einiger Bedeniimg. Gewiß ibitrfen auch hier politische oder kon fesfionelle Erwägungen nicht das Entscheidende sein. Zn den eimeinen inwührten HabNtierungsfäll-,^ o,nn'-tt> iü!, daß im Falle Horowltz ' i* Bos6m>Ll0. ivegerr A'bweisnrvg ans einem in s e ie r P c tv s' n gelegenen ÖTumite beim akademischen Senat der Wie,rer "aioersttät arlch derzeit noch anhängig ist, weil die gegen ihn ttl.goleitete Dis.;iplmanmtersuchung noch nicht zu El,de ge führt worden ist. Ich habe Anlaß genmnmcn. den Wschlnß die frr Disxiplmarunlersuchikmz zu betreiben. Ein Rekurs Doktor Lambcrtz' gegen die nunmehr erfolgte Ablehnung seine Hadilirierung ans dem Grunde nichtenff.precherÄ>er Wissenschaft i-s>cr Leistungen erliegt im BundeSminiistiorinm. lieber die Erhöhung der Stndiengebühren sind VerhanÄrmgen eingeleitct worden, die die Gebühren auf folgender Grundlage aufbauen: Das Kollegiengelid für eine Semrsterwochenlsttnrde an den Umdersitaten soll von 6000 <mf 9000 .ltronen, das einherttiche UittcrvichtKgeld an den übrigen Hoch ischtttlen für das Semester von 96.000 auf 144.000 K. erhöht werden. Das Arrdttorieugetd, das nach Studienzweig und St« dieriort abgestnf: ist, soll von 96.000 bis 160.000 K., das eS jetzt beträgt, in Zukunft 128.000 bis 320000 K. betragen. Die Kosten eines Hochschnlsemesters würden m Wien zwischen 402.000 und 5Z0B00, an den anderen Hochschulen zwischen 938.000 und 450.000 K. betragen. Selbstverständlich würde ich dafür Sorge tragen, daß durch Ermäßigungen ftir die wirtschaftlich Schwa chen entsprechend vorgesorgt wird, sind ja doch tMveise und volle Befreiungen bis auf em Audttoriengell) von 80.000 K. pro Semester vorgesehen. Abg. Lenthner verlangte immens der Sozialdemv' traten, daß die Habilitation und die Ernennung zum Professor dan zutail wird, der die Fäh Seiten und Leistungen hierzu auf« zuweisen hat, ganz yleichgüttig, ob er deutscher Christ oder , ein dentscher Jude ist/ - " ■ '■ \ Der Großdeutsche Dr. Hampel errtschuDigle das Bod gehen der HakeNkrÄtzler gegen den Grazer Lechnichrofesto, Leon, der einem rtabienffchen Geschlecht entstamme. Es sei «k behauptet ivorden, daß der Mann em Jude ist. Die „Wahr hett". ein Organ für jüdische Interessen, das auch die offiziellen Beröffenttichungen der Union doutschöfterreichischer Juden ent hält, nehme allerdings Professor Leon sehr m Schrtz, was vielleicht darauf hindeutel, daß der Mann möglicherlveise zu Vieser Zeitung Beziehungen hat. Der EhrMichfoziale Doktor Schumacher meinte, wenn man hört, daß die medizinische Fakultät zum größten Telle orientalifieri ist und daß auch dir juridische und philosophische Fakultät einen ungemein hohen semitischen Einschlag haben, so müsst man eS eigentlich nur billigen, wenn di« Professoren bestrebt sind, einen gewissen. Dcnmn aufzurichten. Auch der Minister wäre nur zu loben, wenn er sich an einer solchen Abwehr boteiliigte Sinßhofrr brrichtigt sich selbst. In einem Interview, das die Korrespondenz Herwet versendet, schwört Präsident Dr. Dinghofer, der vor seiner Berliner Reise gestern zurückgekehrt ist, so ziemlich all das ab, was er dem Berliner AuSfrager der „Neuen Freien Presst" über seine und Dr. Franks Bemühungen in der preußischen Hauptstadt, Gegenliebe für die AnschlußbestreLungen zu finden, mitgetcilt hat. In gestrigen Dinghofer heißt es: „Wir haben in Berlin ein Bild der Lage Oesterreichs gegeben und hervor gehoben, daß es derzeit für Oesterreich gar keinen anderen Weg als den der S a n i e r u n g s p 0 l i t i l gibt. Nur ist wahrscheinlich der Rahmen, den aurtdas zweite Genf geschaffen hat, wieder zu eng weshalb es schwer möglich fein dürfte, die Höchstgrenze des ädjö-Millionen-Goldkronen-Budgets dauernd einzuhalten. Ein Beweis für diese Anschauung ist, daß unstl Haushalt sich bereits trotz der großen Einschrältkungen beiläufig um die Ziffer von etwa 670 Millionen Goldkronen bewegt. Zur Aenderung der Maximalziffer von 495 Millionen Goldkronen ist aber die Zustimmung des Finanzkonritees des Völkerbundes notwendig. Der Keneralkommissar kann hiefür die Verantwortung allein nicht übernehmen. Daß Lei den Besprechungen in Berlin auch die Anschlußfrage berührt tourde, ist selbstverständlich. Das der Politische A rl s ch l u ß h e u t e m 0 glich ist, daran denkt niemand." Dinghofer hat mit jeinem ersten Interview so viel Schaderl gestiftet, da er das Mißtrauen des Auslandes gegen Oesterreich mm einmal wach gerufen hat, daß 3m Hintanhaltung derartiger Mnndwerkexzesse im Interesse dieses Staates gefordert werden müßte, e§ sei auf diplomatischem Wege allen Staaterr zu intim irren, daß Aeußerrrngen großdeutscher Politiker nicht höher zu ve werten sind als irgend ein B i e r s ch w e f e l beirn gerlnirlichen eir»er deutschnationalen Couleur.