Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2131 (25.1.1925)
- Date
- 1925-01-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. $181 Men, Sonn hg Vom Völkerbund abgewiesen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") Gens. 84. Jänner. Die ungarische Regierung halte im Dezember 1924 an den Völkerbund eine Protestnote gerichtet, in welcher sie dagegen Verwahrung einlegt, daß Ungarn, obgleich es Mitglied des Völkerbundes ist, weder den Beratungen über die militärische Kontxglle in Ungarn zugezogen werde, noch in der Untersuchungskommission Sitz und Stimme habe. Dieser Ausschluß widerspreche den Bestimmungen des Paktes über den Völkerbund. Ter Völkcrbundrat hat nunmehr die Beschwerde Ungarns a bgewiesen. Die Agitation gegen die Kontrolle. Budapest» 24. Jänner. Die militärische Kontrollkommission der Entente betreibt seit einigen Tagen in der Umgebung von Fünfkirchen Nachforschungen. Die lokale Presse führte — wohl auf Bestellung — eine Hetze, daß derlei Nachforschungen dem Lande große Kosten verursachen. Als die Kommission sich nun heute früh auf den Weg machte, belästigten Passanten dieselbe. Ter Polizeihauptmann sprach dem Kommandanten der Kommission sein Bedauern über den Vorfall aus. Ae Verhandlungen Stettin» mit der Sppofi> tion gescheitert. Budapest» 24. Jänner. (Tel.-Komp.) Die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Oppositionsparteien wegen der Einstellung der Passivität sind bis auf weiteres abgebrochen worden. Ter oppcsit'one'le Block hält jede VersöhnungSak.ion für zwecklos, so lange nicht die Negierung bindende Zusicherungen in der Frage des allgemeinen geheimen Wahlrechtes macht. Polen« Außenvolltik. Erklärungen des Außenministers Skrzynski. Warschau, 23. Jänner. Außenminister Skrzynski gab in der Mutigen Sitzung des Außenausschusses des Sejm ein längeres Expose, in den: er die aktuellsten außenpolitischen Fragen, und zwar die Ergebnisse der Konferenz in Helsingfors sowie den Stand des Polen- Danziger Konfliktes besprach. In der Helsingsorskonfevenz wurde eine Schiedsgerichtskonferenz konferong wurde eine S chi c dsge r i ch tsko nve nt i o n abgeschlossen. Die Bestrebungen der polnischen Regierung, führte der Minister aus, gehen in der Richtung eines Ausbaues der Beziehungen zu allen Nachbarn. Den Beweis dafür liefert zum Beispiel der ständige Fortschritt der Handelsvertragsverhandlungen mit der Tschecho--Slowakei. Was di« Beziehungen z u Rußland anlangt, so betonte der Minister, daß .sich seit seinem letzten Expose die Lage nicht wesentlich verändert hake. Betressend den Konflikt mit Danzig erwartet die polnische Regierung vom Völkerbund eine prinzipielle Entscheidung. Mp protestiert gegen MlttSrkontrolle. Wiener Vloeaenzetinnz. Bei Regen Wind Kälte wird man Icchl von Erlalium? befallen. Man muss daher rech'zeitig dafür Sorge tragen dass im Hause nie fehle der in seiner schmerzlindernden Wirkung einzige echte DIANA- Franzbranntwein mit Menthol welcher für Massage Einreibung. Umsch'ägc und als Gurgelwasser gleich unentbehrlich ist Ueberall erhältlich! Diflnfl-FranzbranMn' > Ges. Wien, II. Engerthstrasse 169 Prag, VIII. Lieben. Drahobe Jova 1073 Aus aller Wett. Budapest, 24. Jänner. (Tel.-Konch.) Die Polizei halt eine Razzia an->cordnet, um des w.lßterrovi-stischen Leu.nams K m e t y habhaft zu werden, der den Journalisten Ladislaus Fcnyes we.'en eines Artikels in der „Nepszava" am L'bcn oodroht - hat. Kmety wird von den Militärbehörden seit einiger Zeit auch wegen Meier gemeinen Verbrechen verfolat. Kmech galt als der blutgteri'ste'unwr den Offizieren des Britannia- Deiachemenls und nahm mit Vorliebe Exekutionen und Folterungen an den Opfern des Detachements vor. Kme y hat sich auch nach der Amnestie an Greueltaten m der Provinz beteiligt. und zwar in Verbindung mit Erpressungen und Unterschlagungen. Weimar, 24. Jänner. (Wolfs.) In dorn Prozeß gegen derr ehemaligen Ministerpräsidenten Herrmann wurde gestern in später Abendstunde nach dreilägiger Verhandlung das Urteil gefällt Unter 3lufhebung des Urteils der ersten Instanz sprach die Strafkammer Herrmann von der Anklage der Urkunden,fälfchuna frei. Kunze wurde zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt. Kapstadt, 24. Jänner. (Tel.-Komp.) Durch einen vulkanischen Ausbruch im Meere wurden in der Walfischbai viele Millionen Fische aus den Strand geworfen, und zwar m so ungeheuren Massen, daß sie über zwei. Meilen weit den Sand mehrere Fuß hoch bedecken. Es mußten mehrere hundert Arbeiter ausgeboten werden, um die Kadaver zu beseitigen. Berlin. 24. Jänner» Aus Oslo wird gemeldet: Der deutsche Damp'er „Amerika" ist bei den Lofoten aus Grund gestoßen urd gesunken. Es scheint, daß die ganze Besatzung u m g e k o m m e n ist. SS. samt" 1988_ Rach dem (tat} de« «IMekima« »«um., Berlin, 24. Jänner. Wie das „Berliner TageAotl? nteldet, hat der Aeltestenausfchuß des preußischen Land» tageS beschlossen, die Plenarsitzung des Landtages -aus Freitag nachmittags einzuberufen. Als einziger Punkt steht aus der Tagesordnung die Wahl des Mini st ev- Präsidenten. Der Geschäftsordnung sausschuß wurde beauftragt, die in der Freitagsitzung entstandenen Zweifel über die Auslegung der Abstimmungsergebnisse nochzuprüfen. Sie Aomntioa in der preußischr« Rerwaltong. Militärisch« virmittlung«» im jk»t>S!er-Skand»l. Berlin, 24. Jänner. (Del.-Komp.) Der Untersuchungsausschuß des preußischen Landtages zur Uebcvprüfung der von der Preußischen Staatsbank gewährten Kredite trat heute zu seiner ersten Sitzung zusammen und wählte Le id i g (deutschnational) zu seinem Präsidenten. Der Vertreter des preußischen Finanzministeriums erklärte, die Geschäfte nrit Kutiskcr seien eigentlich Geschäfte mit der S t e i n b a n k gewesen, deren Generaldirektor Kutisker war. Die Kredite beliefen sich bis Februar 1924 auf etwa 48MillionenMark, die in der üblichen Weise gedeckt waren. Später ersuchte .Kutisker anläßlich des Verkaufes des Hanauer Lagers um einen größeren langfristigen Kredit. Als Deckung dienten über 800 einzelne Wechsel und außerdem das Hanauer-Lager selbst. Die Wechsel wurden jedoch zu einem erheblichen Teile nicht eingelöst. Es stellte sich heraus, daß infolge des pflichtwidrigen Verhaltens einiger Beamter die vorgeschriebenen Effekten und Wechseldeckungen auch nicht a n-- nähernd vorhanden waren. Bezüglich des Verkaufes des Hanauer Militärlagers wurden mit der litauischen, russischen und rumänischen Regierung Verhandlungen gepflogen, doch haben sich diese Verhandlungen wieder zersckckagen. Die vorhandenen Sicherheiten reichen derzeit durch Deckung der Forderungen der Staatsbank nicht aus. Im Falte Barmat habe, die Staatsbank an. sieben Unternehmungen Barmats Kredite in. der Hohe von 14 Millionen Mark gegeben. * Bezüglich des Falles Michael erklärte der Regierungsbertreter, daß keine Veranlassung vorliege, an irgend welche unlautere oder strafbare Handlungen zu glauben. Hierauf wurde in die Erörterung des Falles Kutisker eingegangen. Auf eine Anfrage, um welche Stellen es sich bei der Vermittlungsange legen heit Kutiskers gehandelt halbe, erklärte der Regier» ngsvertreter, daß es militärische Stellen im Osten gewesen feien, mit denen Kutisker damals zu tun hatte. Eine neue Verhaftung. Berlin, 24. Jänner. (Tel.-Ko-mp.) In der Affäre Barmat-Kutisker ist gestern abends auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft der Bankdirektor Konietzh verhaftet worden. koueismus. Bon S. Masels. Der Franzose Coue hat ein Psychisches Heilverfahren ersonnen, das unter dem Namen Cou.ismus m der Welt rasch bekannt wurde. Es ist ein furchtbar einfach.s Verfahren, das jedermann mit Leichtigkeit auwenden kann und das jedermann mit Sich.rheit Erfolg verspricht. Man hat -den Coueismus beveits vielfach erprobt und er hat sich fast überall bewährt. Aerzte und Kranke bestätigen über'.instimmend, daß der Coueismus cm Heilverfahren von wundersamer Wirkung s.i. Der Coueismus lehrt, wie mau den schwachen oder den kranken Körper einzig durch gedankliche Konzentration, verbunden mit energischem Wollen, wieder in G.sundheit zwingt. Ein Wiener Arzt hat den Coue smus sehr treffend als die „Kunst der Selbstüberredung" bezeichnet. In dieser Bezeichnung ist der ganze Coueismus, ist die Qu'mt.ssenz der coueistischen Methode, in nue? enthalten. Coueismus ist in der Tat nichts ander.s als die Kunst, sich selbst zu überreden. Der Schwache muß sich überreden, daß er stark, der Kranke muß sich überreden, daß er gesund sei. Des Morgens, wie des Abends und auch sonst mehrmats im Tage hat sich der Kranke zu wiederholen: Ich werde gesund, ganz gewiß werde ich gesund. ich werde gesund, weil ich gesund 'werden will und so weiter und so lange —bis er gesund wird. Es gilt ganz einfach, sich vermittels der Phantasie und durch Gedankenkonzentration in Stärke, in Gesundheit hinoinzuveden. Der Coubeismüs ist' sicher etwas ganz Neues. Mer der Gedanke Coues, das römische Sprichwort umgnkehren und den gefunden Geist sich feinen gesunden Körper bauen zu lassen, ist schon einmal gedacht worden. Man findet diesen Gedanken m Hufelands „Makrobiotik" sozusagen im Keime vorgebi'kdet; auch Hufeland wendet dir Methode an. das „Physische im Menscheck moralisch zu behandeln". Ferner gilaube ich nicht fehlznurtvilen, wenn ich miue, daß Kant mit seiner Abhandlung „Von der Macht des Gemüts. durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu werden", den Hauptgedanken des Coueismus vorweggenommen hat. Kants Schrift ist weniger eine philosophische Betrachtung als ein« praktische, aus eigenen Erfahrungen stammende und an sich selbst erprobte Meth.de, „krankhafter Zustände durch den bloßen standhaften Willen des Menschen Meister zu werden". Man sieht, der Coueismus hatte seine großen Vorläufer. ** Auch die praktische Kabbälah kennt eine Art coueistischen Verfahrens. Ich erinnere mich, in meiner Jugend ein kabbalistisches Büchlein gelesen zu halben, das nichts anderes als cin Leitfaden war, allerhand Wuuschgedanken in Wirklichkeit umzusetzen. Das Büchlein enthielt Rezepte und Antveisungen darüber, wie man rerch wird, wie man einen od.r eine zur Liebe zwingt, wie man zwischen Freunden dauernden Frieden stiftet, und über ähnliche wohltuende Wunderdinge. Man möchte glauben, um Wunder herb.iguzaubern, müsse man förmlich Kopf stehen. DaS , ist durchaus nicht der Fall. Auch hier genügt Phantasie und Gedankenkonzentration, verbunden mit Worttviederholung. Gesetzt, ein:r möchte a tempo reich ,werdeu. Nichts einfacher als das. Er konzentriert sein Sinnen und Trachten auf Reichtum, und zwar dermaßen, daß alle sein« Geb.ine Reichtum sprechen, dann spricht er den Wunschsatz in allen möglichen, kreuz und quer gegliederten Formen — etwa wie: ich will reich werden, reich will ich werden, reich werden will ich und so weiter — mindestens Hundertundeimnal aus; und das Wnnd.r ist geschahen. Also verfährt man auch bei andern schönen Wuuschgedanken, die der Mensch in seinem Innern hegt. Gleich Coue mißt auch , die Kabbalah dem gesprochenen Wort eine große Wirkung bei. Sie hakt die Macht des Wortes für schr groß. Das Wort kann Menschen vernichten uud Länder zerstör«» und Völker aufrichten und Ri che aufbauen. Ja. das Wort — es kommt ganz darauf an, ob man es in Gutem oder rn Schlechtem amvendet. * Seitdem ich die voue-istische Heilmethode kenne, beschäftigt mich die Frage, ob man nicht auch ,der Krarik>itserscheinungen unserer Zeit mittels solchen Heilverfahrens Herr werden könnte. Das Quantum Phantasie und Gedankenkonzentratton, das dazu erforderlich ist. ließe sich mit Leichtigkeit ausbringen; und auch das Wart, das zur Wiederholung notwendige, würde sich schon im gegebenen Augenblick einstellen. An Worten hat es unserer Zeit nie genrangelt. Selbst in den iJahven des Mangels an .allem litten wir nicht an Wortmangel, eher schon an Wortüiberfluß. Die notwendigen Mittel , zur coueistischen Behandlung der Zettkrallkheiten sind also tn reichlichem Maße vorhanden; schade nur. daß sie nicht auch zur rechten Zeit und in vorgeschriebener Werse angewendet werden. Wer weiß, ob wir nicht eine Unterlassungssü-ude begehen, wenn tvir den Zeitkrankheiten nicht solcherart an den Leib rücken. Vielleicht wurde die Methode wirklich unermeßlichen Nutzen bringen? Vielleicht ist es wirklich nur notwendig, in der Phantasie damit zu spielen, die Gedanken darauf zu konzentrieren und mit dem Mort hundert» ndeinmal die Heilung herbeizurufen; und das heutige Geschlecht würde gesunden? Vielleicht! Man stelle sich vor, wie groß da der Nutzen wäre. Man vergegenwärtige sich bloß einmal, wie-gut es wäre, wenn man die Gebresten der Zeit durch Wortwiedevho'lung kurieren könnte, wie herrlich schön es wäre, wenn es gelänge, durch einfache Wortwiederholuug die heutige Menschheit von dem Aus-Wuchs des Haken>kveuzlertums, von der Lügenkraukheit 'des Antisemitismus, von den Miasmen der : BerlenmdungSsucht, vom Bazillus des Hasses und von allen Kraukheiilserscheinungen am Körper der Gesellschaft zu befreien. Mau denke bloß, welche Wohltat es für die Menschheit und ihre Menschlich-keit wäre, wenn rnan alle diese Kranken gesundreden könnte. Es wurde sich in solchem Falle wahrlich verlohnen, das ersordevliche Wort des Morgens w« des Abends und auch sonst mehrmals i>m Tage und rn.Hr als hundertundeimnal zu wiederholen. Warum tut man dies also nicht? Mir fällt dabei eine Anekdote ein: Ein polnischer Graf war einem Juden Gold schuldig.. So oft der Jude zum Grasen kam, wurde er von einem bissigen Hund angefallen, so daß er Reißaus nehmetr mußte. Einst klagte er sein Mißgeschick einem anderen Juden. „Ich geh' mit dir", sagte dieser, „ich habe einen Zauberspruch. wenn ich den aussage. verliert jeder Hund sein Gebelle." Sie. gingen zusammen zum Grafen. Der Hund aber tvarf sich wütend auf beide, daß sie auf und .davon liefen. „Nun?" fragte daun der erste Jude. ,^Ja, weißt du", entgegnet« der ztveite, ,>das vst ein bösartiger Hund, er ließ mich den Spruch nicht aufsagen." — Mein Gott, das Wort, coueistisch angewandt, ist sicherlich Mv-r heilkräftiger Wirkung, aber es gibt H...erren, die nicht zn Worte kommen lassen. fc; 7