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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-24 · Heft 2130 (24.1.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2130 (24.1.1925)
Date
1925-01-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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ffc. 9m Wiener Morftenzeitun«. 94. 1925 Gerade d^Mchtfachmänner sind es, die darüber entschiden, wie dar WM des Assistenten Dr. Horowitz beweist. Redner richtet an den Minister die Frage, ob er bereit sei. in möglichst kurzer Zeit dem Nationalrat den Entwurf eines Gesetzes über das Verfahren der Habilitierung vorzulegen. Niemandem liegt es ferner als mir, etwa den Wunsch nach einer parteipolitischen Kontingentierung der Professorenstellen an den Universitäten zu äußern. Wir verlangen, daß in der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät und bei den historischen Disziplinen wenigstens c i n Sozialdemokrat Professor sein muß. Wir haben cs bisher abgelehnt, aus dieser Partelwirtschaft an den Hochschulen Irgend welche Konsequenzen im Parlamente zu ziehen. Aber, das soll nicht eine Drohung sein, die ich dem Unterrichts- Minister gegenüber am wenigsten anzuwenden wünsche, aber es soll eine Warnung sein, wenn diese Wirtschaft an den Hochschulen nicht anfhört, dann k<""r der Moment k"n"«en, wo wir dieselben p--'-mentarischen .''"npfmittel auch einmal in eine- Hochschulfrage anwcnden müssen. Abg. Dr. Eisler kam nochmals auf den Fall des Professor Leon der technischen Hochschule in Graz zu sprechen. Die entscheidenden Verfügungen sind durch Beschlüsse der Studenterrversammlung, richtiger der Versammlung der deutschen Couleurstudentenschaft, zustandegekommen. Diese Beschlüsse wurden vom Lehrkörper entweder zur Kenntnis genommen und ihre Durchführung den Studenten überlassen, oder der Lehrkörper hat sich beeilt, sie als eine Art Auftrag zu erfüllen. Das ist keine Autonomie, sondern Anarchie. Um solchen Zuständen vorzubeugen, ist es nottoeudig, oem Disziplinarverfahren an unseren Hochschulen eine Form und solche Garantien zu geben, die einen Mißbrauch des Disziplinarverfahrens und damit eine Herabsetzung der Würde der Hochschulen ausschließen. Sdelwelk und Oberland. Die deutschen Geheimverbände. München, 23. Jänner. (S. K. B.) Bor dem Schwurgericht begann heute die Verhandlung gegen die unter der Beschuldigung der Fortführung des aufgelösten Bundes Oberland stehenden Brrstandsmiig^eder des deutschen Schüben- und Wanderin ndes, May ding, Dr. Alzheimer und Generalmajor a. D. H e ch t e r, sowie gegen den seinerzeit im Hitler-Prozeß wegen Beihilfe zumHochverrat verurteilten Tierarzt Dr. Weber. Die Anklage legt den drei Erstgenannten zur Last, gemein'chaftllch, wiffenÄich und gewollt die Bildung einer neuen Organisation an Stelle des aufgelösten Bundes „Oberland" unternommen zu haben. Dr. Weber wird be'schuld'gt. sich dieser Bereinigung mit Rat und Tat zur^Seite gestellt zu haben. V Den Vorsitz führt Lande'sgericbtsdirektor Zeiß, Ver- - leidiger sind der aus dem Hitler-Prozeß tekannle Rechtsanwalt Holl und Justizrat Fees. Besondere Absperrmaßnahmen sind nicht getroffen. Zur Verhandlung, die um 9 Uhr begann, sind vier Zeugen vorgeladen. Nach Beginn der Verhandlung wird zunächst die OeffenÄichkeit. ans-geschsossen und stdann. nach Ber'esung der Anklageschrift mit dem Verhör der Angeklagte n'begonnen. Angeklagter M e h d i n g bekundet, daß der deutsche Schützen- und Manderbund kci''eswegs Tendenzen wie der Bund „Oberland" verfolgte. Bund Oberland sei dem Schützen- und Manderbund n'cht beigetreten, sondern nur Teile des Bundes. General Hecbter sei nie Mitg^ der neuen Bundekleitu,ng gewesen. Mehding bestreiket, daß er sich mit seiner Tätigkeit e'nes Vergehens im Sinne der Anklage schul-d'a aemacht habe, wozu der Vorsitzende deine rkt. daß auch General L u d e n d o r f f und andere Persönlicbkeiten immer v"m Bund „Oberhand" sprechen. Der Vorsitzende zemt dem An^etla^ten eine A « w e isun g, in der es heißt, daß das Wort „Oberland" entfällt und daß das Wort „E d e l w c i ß" zur Kennzeichnung für die Eingeweihten gcnüae. Hieran* wurde eitt Brief des Kreisie'ters d"s Sckiützenbuudes m Unterfranken vom 25. August 1994 an Doktor Weber verleben, worin er sagt, Dr. Weber, möge daraus entl'ebmett. tv e l ch e r Gei st zurzeit im Bunde herrsche. Dr. Webber erklärte, für ibu es festaestanden, daß es sich h-er nur u >n d e n S ch ü tz e n b u n d bandeln ko"nte dein 'a ein großer Teil des ehemaligen Bundes Oberhand äuge l' tre.' Der Vorsitzende be'"ich"e^e es als auffallend, daß Dr. Weber in einem Brief als oberster F"'lirer des Bundes Oberlalnd tze^eichnet wurde, obwohl er sich damals in Landsberg am Lech in Festungshaft befunden habe. Weiter wurde ein Briet verlesen, in dem die Angeklagten Dr. Alzheimer und Mehding Dr. Weber ausdrücklich als Führer bezeichnen. Der Anaek^agt-e Dr. A^e'iner gab auf Voch>lten an, daß er damit Dr. Wetze r als B o r bi ld in m enschl i ch e r Beziehung und als geistigen Führer habe bezeichnen wollen. Angeklagter Dr. Alzheimer erklärt, daß der Schützen- und Wanderbund eine Deckorganisation AH.ve.rer Verbände gewesen sei. Dr. Weber sei für ihn auch Settel Seien die Pogrompolitik. «ne agrarische Rede!n der ungarische» Ratlonalversammlaag. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Budapest. 23. Jänner. In der gestrigen Sitzung der ungarischen Nationalversammlung hielt der Vertreter der christlichen Landwirtegruppe, Abgeordneter Taitkovics, eine scharfe Rede gegen den Konfessionalismns in der Politik. Er berief sich darauf, d>aß er den Numerus claufns von allem Anfang abgelchnt habe und forderte den Ministerpräsidenten auf, dieses Gesetz ehestens aus der W e l t z u schaffen. „Denn", führte er lveiier ans ,-verfallen wir einmal dem Konfessional'smns und ttt weiterer Folge dem Antisemitismus. daun muß der P o g o u: k o m nt c n, vor dom man nicht rechtzeitig g ' g warnen kann, denn der Poe-" bleibt Konfesfll-.r nich. stehen, er greift nur allzu bctzd a ch auf andere über und wieget letzieu Endes die gesellschaftlichen Klassen gegenernander auf." Im weiteren Verlauf seiner Rede nahm Llbgeordneter Tankovics in überaus bemerkenswerter Weife gegen den mit dem Schla^w'rt der christlichen Politik getriebenen Unfug Stellung. „Ich verwahre mich gegen di: Hineintragung d c r.R e l i g i o n und d e 8 G l a u b e n s in die Politik. Das ist ein Mißbrauch, don ich auf das schärfste verurteilen muß. Die Erfahrungen, die wir in dm letzten Jahren zu machen Gelegenheit hatten, rechtfertigen meine Auffassung mit der größten Deutlichkeit. Ober haben sich nicht auch die Br i ta n n ia l e u te christliche- Schlagwörter bedient? Es gab Zelten, in denen jeder Vagabund christliche Politik forderte, und zum Schluß stellte es sich Heralts, daß sich auch Leute als Ritter des christlichen Gedankens aufspielen konnten, die ihre eigenen christlichen Glaubensgenossen kalten Blutes zerstückelten. Das ist kein Christ, der seine Religion mit Politik vermengt. Warnend erhebe ich meine Stimme von dieser Stelle alls an das Volk des Dorfes, aber allch an das Volk Budapests, s i ch der konfessionellen Verhetzung zu verschließen. Sehr schwach Mß es um seine Religiosität und um seinen Glaube.« bestellt sein, we: u diese Art der verwerflichen Propaganda notwendig P. Ich bitte das Volk, Verhetzungen dieser Art im eigenen Interesse kein Gehör zu schenken, denn, ich wiederhole, das führt z> Tätlichkeiten, zu Blutvergießen, mtb macht keinen Halt mehr, wenn es einmal ins Rollen gekommen ist. An die Regierung aber möchte ich die Aufforderung richten, jede konfessionelle Verhetzung auf dw' strengste zu verfolgen." In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung sprach der Abgeordnete der Regierungspartei, Graf Max Hohns, über den Numerus clausus. Er erklärte, daß er t:nc Revision des Gesetzes über den Numerus clausus an den ungarischen Hochschulen für notwendig halte. Das Gesetz über den Numerus clausus bedeute ieiHer Ansicht nach eine vollkommen ungerechtfertigte Einmischung ö>"‘' Staates in die inneren Angelegenheiten der Hochschulen. fo werden er nie bereuen , wenn Sie den Rat befolgen: Ihren Körper widerstandsfähig u. Widerstandskraft^ zu mache». Im Kampf ums Dasein spielt es eine grosse Rolle, dass Sie keinen Tag verlieren, dass Sie durch keine Erkältung gezwungen werden, tagelang Ihrem Geschäft, Ihrem Buteau fern zu bleibe it. Gebrauchen Sie ständig jeden Tag DIANA Franzbranntwein mit MENTHOL und Sie schützen sich am besten gegen alle UnbiU des Winters und des Alters. U^berall erhältlich! Diana Franzbranntwein Produktion-fies. WIEN, II., PRAG, VIII., CngerlhstraBe 169 Lieben, Drahobeijova. 1073 nach bem November 1923 immer der Führer des Bundes Oberland gewesen. Angeklagter General a. D. H e ch t e r bekundet, daß er früher militärischer Leiter des alten Bundes Oberland, gewesen sei. Er sei sich nicht tbewußt, daß aus dem Schützen- und Manderbund allmählich eine Fortsetzung des alten Bundes Oberland geworden, sei. Dem Angeklagten wurden hierauf verschiedene Br'efe Vorbehalten, in denen er vom Bund Oberland schreibt. Die Verteidigung beantragt hiezu die Ladung des Generals Ludendorff als Zeuge, welchem Antrag das Gericht stattgibt. Die Vernehmung der Angeklagten wird mit dem Berhör des Angeklagten Dr. Weber beendet. Der Angeklagte erklärt, daß der Schutz- und Manderbund schon im Frühsommer 1923 als Zusammenfassung der großdeutsch eing".- stellten Verbände begründet worden sei. Bei Begründung des „Frontbanners" habe Hauptmann Roch m in Landsberg sowohl don ihm wie von Hitler und K r l e b e l schärfste Ablehnung erfahren. Allgemeines Wahlrecht In Japan. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") London, 23. Jänner. (Tel.-Komp.) Aus To «.io wird gemeldet, daß Ministerpräsident Kato in der Kammer mitgeteilt hat, daß er int Laufe der gegenwärtigen Session der K.'mmer eine Vortage über die Einführung des allgemeinen Wahlrechts unterbreiten werde. Wiener Landtag. Auslieferung des Abg. Dr. Plaschkes. — Erhöhung der Wasscrgebiihrcn. In der gestrigen Sitzung des Wiener Land» tages wurde die bereits angekündigte Erhöhung der Wassergebühren zum Beschluß erhoben. Demnach werden in Hinkunst für jeden Kubikmeter Wasser, der die Quote von 35 Liter pro Kopf und Tag (Freiwasser) übersteigt, statt 1500 Kronen 2500 Kronen zu zahlen sein. Für Wasser, das gewerblichen Zwecken dient, wird eine einheitliche Gebühr von 400 Kronen für den Kubikmeter festgesetzt. In der über diesen Punkt abgeführten Debatte wurde auf ine durch die abnormalen Witterungsverhältnisse hervovgerufene Wasserknappheit hingewi-esen und die Bevölkerung neuerlich aufgefordert, mit Wasser zu sparen. Sodann wurde eine Gesetzesvorlage betreffend die Abänderung der Bestimmungen über die Einhebung von Zuschlägen zu den staatlichen Gebühren von Totalisateur- und Buchmacher wetten angenommen. Auf Antrag des Immunitätskollegium§ wurde hierauf die Auslieferung des Gemoinderates Dr. Plaschkes wegen Ehrenboleidigung beschlossen. Es handelt sich um die bekannten Vorfälle aus der Kultuswahlikampagne. 'Als Kläger treten die sozialdemokratischen Angestellten «der Kultüsgemeinde Kaiser, Pick, K r i s h a b e r und Figdor auf. Selbstverständlich wird Herr Dr. Plaschkes seine gegen diese Kompagnie ausgestellten Behauptungen vor dem Gericht beweisen und es wäre gegen den Auslieserungsantrag an sich nichts einzuwenden. Es . ist aber festzuhalten, daß diese Auslieferung des Dr. Plaschkes einen Mt politischer Verfolgung durch die sozialdemokratische Mehrheit darstellt. Es liegt dem Ausschuß eine gange Reche viel älterer und viel , schwererer Auslieferungsanträge — im gäugen 13, darunter zwei wegen Verbrechen — vor, und es wurden die drei jüngsten ausgesucht, um eben die Handhabe für diesen R a ch e ä s t zu schaffen. Bethlen und seine Sppositioa. Budapest, 23. -Jänner. Gestern wurden zum erstenmal seit der Aussperrung der oppositionellen Abgeordneten Fr'.edensverhandlungen zwischen der Regierung und Opposition angeknupst. Die Führer des demokratischen Blocks hatten in der Privatwohnung des Vizepräsidenten der Nationalversammlung, Z s i 1 v a y, eine Unterredung mit dem Ministerpräsiden 1 en. Die Abgeordneten D a; s o n y i und P e i d l erklärten einem Mitarbeiter de's „Az Gst". daß in der gestrigen Konferenz eine geeignete Grundlage für eine Fortführung der Bersöhnungsaktion noch nicht gefunden werden konnte. __ Sie deutsche ..Abrüstung". Der endgültige Bericht der Kontrollkommission. London, 22. Jänner. (Havas.) Der für Ende dieses Monats envartete endgültige Bericht der interalliierten M Uli tä rkon t r ollko mmist sion wird, wie verlautet, die Tatsachen darlegen, die beweisen, daß Deutschland entgegen den Bestimmungen des Friedensvertrages Polizei in einem höheren Stande behalten habe, als es der Friedensvertrag zuläßt, ferner bloß scheinbar die Kriegswerkstätten umgewandlt habeindem es einige von ihnen gezwung e n habe, die Ausrüstung beizuböhalten. die eine sofortige Umstellung ans die Fabrikation von Kriegsmaterial ernrögjlicht, und schließlich heimlich den kaiserlichen General stab wie de r hergestellt habe

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