Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2129 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2129 Wien. Freitag_ Sie neuen Gesandten in Wien. Gestern vormittags erschienen der neue französische Gesandt« in Wien Caro de Beaumarchais und der -neu« polnische Gesandt« Josef Wierus; - Kowalski beim Bundespräsidenken Dr. Hainisch, um di« Beglaubigungsschreiben ihrer Regierungen zu überreichen. Der feierliche Akt ging unter Intervention deS Bundeskanzlers Dr. R a m c k vor sich. LIe Verbefferung der Verkehrs. Prag, 22. Jänner. (Tschecho-stow. Pr.-Bur.) Das Gvsenbahnministerium teilt mit: In der gestern in Prag obgehaltenen internationalen Eisenbahnlonferenz wurde beschlossen, mit Gültigkeit vom 5. Juni 1925 eine neue direkte Nachtschnellzugsverbindung Mischen Berlin, bezw. Leipzig und Prag über Dresden und Tetischen und weiter über Gmünd nach W i e n und umgekehrt einzuführen. Desgleichen wurde beschlossen, neue Tages schnellzüge Mischen Prag und Linz, Berlin und Karlsbad sowie Mischen Marienbad und Berlin einzwführen. $ Dritte Magenklasse auf der österreichischen Strecke der Schnellzugverbindung Wien—Berlin. Ab 1. Fübrnar d. I. wird bei den Zügen D 401 (Wien-Qsibahnhaf ab 8 Uhr 80 Min., Passau an 14 Uhr) und D 402 lPassau ab 16 Uhr 50 Min, Wien-Ostbahnhof an 22 Uhr 20 Min) auf dorr österreichischen Strecken die dritte W a g e n k 1 a s s e geführt werden; auf den Linien der deutschen Reichsbahnen wird die ausschließliche Führung der ersten und -weiten Wagenklasse auch weiterhin beiibehalten. Tie Arbeiter der Hammerbrotwerke verlangen Lohnerhöhung. Die Arbeiter und Angestellten der Hammerbrotwerke halten, wie wir erfahren, Sonntag Versammlungen ab, bei denen auch mue Lohnforderungen beschlossen werden sollen, da sine Reihe von Kategorien schlechter gestellt ist als in den übrigen Bäckereibetrieben; so sind zum Beispiel die Brotführer der Hammerbroliwerke die schlechte st bezahlten Wiens. Bisher lvaren Lohnforderungen unter Hinweis auf den P a r t e i ch a r a k t e r deS Unternehmens und unter Appell an die Pavteidiszipliu immer abgewiesen worden. Tagesbericht. Ser Elhriststellertag von Math Anawim. Von Dr. E. M. Zweig, Jerusalem. Der 26. Dezember 1924 wird als denkwürdiger Tag in der Geschichte Erez Israels lebendig bleiben. Da versammelten sich 50 hebräische Schriftsteller, um, für die Entwicklung der neuen Siedlung besorgt, ihren einmütigen Willen zu bekunden: Mehr Land! Ein würdiger Rahmen umschloß die Versammlung. Man tagte nahe Jerusalem in Kirjath Anawim, dessen Kwuza seit fünf Jahren in harter Arbeit ringt, um auS der Wüstenei Dikb wieder ein blühendes Judendorf zu schaffen. Die Speiseba racke prangte im Schmuck.der Eukka- . lyptus- und Zedevnzweige, bunstreich um hölzerne Tragbalken und den Wänden entlang geschlungen. An der schmalen Stirnwand hing auf Teppichen, die kaum aus dem Haushalt der Kwuza stammen, inmitten der Bilder Schapiras und des Arbeiterpatriarchen Gordon Theodor HerzlS Bild, der nicht nur Begründer des politischen Zionismus, sondern zugleich des Jüdischen Nationalfonds war. Als erste waren die Schriftsteller aus Jerusalem am Platz. Laug sch>M warten sie auf die Kameraden aus Tel- Awiw, dieser zweiten indischen Metropole im Lande. Da betrachtet man denn, um sich die Zeit zu kürzen, die Wirtschaft, guckt in die Wohnbaracken, pilgert zunk Stall und Hühnerhof, aufs Feld und in die Gemüsegärten. Hinter dem terrassierten Berge dort, auf dem hu Vorfahre die ersten Weintrauben reiften seit jenen Tagen des Altertums, saß, mächtiger als der Padischah, noch vor Jahrzehnten der romantische Scheich und Räuberhauptmanu Abuh-Gosch. Und als unsere Siedler hier ihre Zelte aufschlugen, mußten sie gegen die arabischen Nachbarn Schützengräben ziehen. Heute steht man schon so gut miteinander, daß die Chalugim mit ihren modernen Pflügen jenen die Felder bestellen helfen. Nun möge« die Schützengräben, vom Winterregen erweicht, getrost verfallen. Endlich kommen auch die Schriftsteller von Tel-Awrw herbei. Die schweren Omnibusse — der Keren Kajemeth muß sparen — wollten auf den steilen Serpentinen ins Gebirge nicht parieren. Man reiht sich um die langen Tische und der Zufall führt an der Schmalwand um den Borsi^enden des Keren Kalemetb, Ussischkin, ein würdiges Präsidium zusammen: den greisen Alexander Süßkind Rabinowitz. dessen 70jähriges Jubiläum dem Aauzon Jischuw ein Fest war; den Herausgeber des ,Haschiloach". Dr. I. Klausner; den gewandten Memoirenschreiber Mordechai ben Hillel H a i o h e u und Professor Nachum Slonsch, dessen geschichtliche und archäologische Forschungen den Namen des Judentums erhöhen halfen. Auf Ussischkins Willkmnmgvuß folgt die Verlesung der Zuschrift B i a l i k s, der, wenngleich durch Krankheit der Tagung ßrrngehalten, stchs nicht nehmen ließ, sie Wiener Moraenzettuns. Was machen Sia jeden Absnd? „Ich lasse mich mit Diana-Franzbranntwein massieren!" „Warum gerade mit Dfana-Franzbranntwein?“ „Weil ich mich Überzeugt habe, dass nur Massage mit DIANA Franzbranntwein mit Menthol solche Schmerzen lindert, weiche von Ueberanstrengung und schwerer Arbeit herrühren. Ebendarum kaufe ich nur UeberaH erhältlich und nichts anderes.1 Dltma - Fnmzlirtaiiiteefn > ProtfaRtion - Ges. WIEN, II. PRAG, VIII. Engcrthstrafte 169 Lieben, DrahobeBJova 1073 feurig zur Gefolgschaft für den Keren KajemetH anfzu rufen. Als Bialik, der nationale Poet, so zu Wort kommt, wird ehrfiirchtig gelauscht, wie damals ln Wien, als er auf die Kongreßtribüne trat, unl bei* Universitätsdebatte die letzte Weihe zu geben. Dann die Begrüßungsansprache des Arbeiters Lewrat ow. Dank, heißen Tank zoll en durch ihn die Leute von Kirjath Anawim dem Keren Kajemebh, der nicht nur den Boden für die Siedlungen gegeben, sondern sie auch so lange gehalten hat, bis der Keren Hajesfod helfend einsprang. Nicht Phrase ist dieser Tank. Man feiert heute im Dorf, und zwischen die Arbeiter drängen sich ihre Frauen mit den Kindern am Arm. Sie alle müssen dabei sein. Und jetzt lnahm Ussischkin -das Wort. Das Thema: Geschichte und Aufgaben 'des Jüdischen Natiomafonds. Wie er, dem auch die Last der Kolonisation oblag, sich nun seiner eigentlichen Aufgabe, dem Bodenerwevb, gewidmet hält. Was er bisher erzielt — ach, bei bestem Willen so tveN'g—, und was es noch zu leisten gilt. Nur die weite Fläche der Felder, welche der jüdische Bauer säend durchschreitet, kann dem Land unser nationales Gepräge sichern. Der arabische Bauer sei uns Freund, doch den Müßiggang der Efendis soll unsere Arbeit ersetzen! Laßt euch nicht durch die schillernden Seifenblasen politischer Erfolge blenden, nicht durch das HandelAgetriebe der auffchießenden Städte verwirren, und, trotz aller Rückschläge, irrt nicht ab von dem klar erfaßten Ziel: Mehr Land! Biel und rasch; heuer bis 200.000 Dunam und in den Jahren hernach ein Mehrfaches. Zur Arbeit! So vertiefte Ussischkin die Lehre, die er im letzten Sommer durch dreizehn Länder Zentral- und Osteuropas unter die jüdischen Massen getragen, werbend und zündend. Wer erklärt aber feine Wirkung hier? Denn nicht kunstvoll gestaltet sind seine Worte, schlicht und wuchtig, den Steinblöcken gleich, die draußen auf den Bergen Judäas liegen und drüben am Kuppenfirft, zum Misbeach gehäuft, aufragen seit Urvätertagen. Ussischkin wirkt gerade auf die Schriftsteller, die gewohnt sind, jede Zeile zu schleifen bis sie aus tausend Fassetten blitzt. Begeistert sind sie, und nicht zuletzt Ben-Awt vom „Doar Hafom", der jede zionistische Leistung unter die scharfe Lupe der Kritik zu nehmen Pflogt. Und.auch sie sind begeistert, di« Arbeiter, die sich darauf verstehen, leere Worte von Taten, Sprou vom Weizen zu sondern. Ussischkin ist politisch viel umstritten. und seine Höver mögen in verschiedenen Lagern stehen — doch hier hat der Vertreter des Nationalfonds, das leibhaftige Gewissen des jüdischen -Volkes, das Wort, der Verfechter der 'heiligen Interessen des Morgen gegen die lauten Bedürfnisse des -Heute. Die glücklichen Siedler von Kirjath Anawim, nationalen Boden unter den Füßen, fühlen mit ihren Arbeiterbrüdern, die sich vergebens nach ihm sehen. Und sie, die Schriftsteller, haben es erfaßt, daß nur hier die national« Kultur erblicher: kann, und wenn man sie zu Hilfe ruft, sie nicht urrr geben, sondern selbst, doppelt und dreifach, empfangen. Rabinowitz und Klausner liehen diesen Gefühlen beredten Ausdruck. Sie bekannten sich zum jüdischen Dorf und gelobten namens der Versammelten, alle Kräfte aufzuwenden, um vereint mit.den jüdischen Schriftstellern, Journalisten, Künstlern in der ganzen Welt des Bolksgewissen auszurütteln zur Pflichterfüllung gegen den Keren Kajemeth l'Jsrael. Der Erfolg der Tagung war die Wahl eines Komitees — -meist die Methode, eine .Idee zu bestatten. Dach hier erwies es sich sogleich» als Arhcktskvmite« tm besten Sinn«. _23. Jänner 1923 _ Seite S des Wortes. Schnell einigte es sich — bei berufsntäßigen Eigenbrödlern nichts Geringes! — auf einen Aufruf, gerichtet an die Schriftsteller und .Künstler -im Gabuth, und bezeichnet« in diesem Aufruf, der sich im Nu mit 100 Unterschriften der palästinensischen Kollegen füllte — obenan Bialik und Achad Haau: —, den zweiten Pessach-Halbfesttag als Höhepunkt der weltweit gedachten Aktion. Die Details des Arbeitsplanes liegen nicht vor, doch die Phantasie eilt ihm voraus: An jenem Tage werden die Journalisten Sondernummern zur palästinensischen Bodenfrage edieren, die Poeten sie in wechseuder Form dichterisch behandeln, die Schauspieler ihre Darbietungen, die Mvsiker Konzerte und die Künstler Ausstellungen zugunsten des Jüdischen Nationalfonds veranstalten. Ms die Versammelten von Kirjath Anawim ins Freie träte::, ging die Abendsonne flammen zur Rüste. Bevor man schied, glitt noch manch warmer Blick über den trauten Tal-winkel. in dessen sorglich gepflegtem Boden die Saat des Frühlings harrt, nm zu Pesfach grü-nend zu sprießen. Wird auch die heute von Kirjath Anawim ausgestreute Saat in den Herzen der jüdischen Schriftsteller urch Künstler überall aufgchen? Auf daß diese unseres, ihres Bodens liebend, werbend gedenken um den rechten Weg zu weisen nach Erez Israel, um das rechte Losungswort zu künden: Mehr Land! ,8« Rußland» Kerkern." ' Ein Ausruf zur Unterstützung der verfolgten russischen Zionisten. Zürich, 21. Jänner. (I. T. A.) Das ZentraWoinite« des schweizerischen Zionistenverbandes erläßt folgenden Aufruf cm die Schweizer Judenschaft, dom sich mchrere führend« Personlichkeiten durch Unterschrift augeschlossen haben: „In Rußlands Kerkern schmachten die Ziomstenfuhrer dieses Landes. Ihre Familien leiden Hunger und Kälte, Glend und Rot. Es ist Pflicht eines jeden Juden, diesen unglücklichen Röenschen, die für die jüdische Sache schwer leiden, zu hevftn. .Holst .diesen Verzweifelten; wer schnell hAft, hilft doppelt!" Bo« der österreichischen Keren-Hajestod- Kommissio«. An: 20. d. tagte unter dem Vorsitz des Herrn Oberrab> bmers Dr. Chajes die österreichische Keren-Hajessod-Kommission. Herr Dr. Rosenblüth erstattet« Bericht über seine jüngste erfolgreiche Propagandatätigkeit in den Städten Graz, Innsbruck und Salzbnrg Insbesondere die Leistung der Innsbrucker Juden für das Aufbauwerk m Palästina ist hervorzrcheiben. Die dortigen Palästm-afceunde haben für das Kalenderjahr 1925 Beträge in solcher Höhe gezeichnet, daß ans den Kopf der jüdischen Bevölkerung dieser Stadr ein Pfund Sterling entfällt. Besonderen Eindruck machte in allen diesen Städten die Vorführung des neuen vom Äerrn-Hajessvd-Direktovmni veranstalteten Films „Das Land -der Verheißung". Die Herren Dr.Adeles und Dr. I u st h ergänzten diesen Bericht durch Mitteilungen über die Ergebnisse der Propaganda in den Städten Linz, St. Pölten, Wiener-Neustadt und in einer Anzahl kleinerer Mischer Gemeinden. Sodann. legte Herr Dr. A b eles den Arbeitsplan für die nächste Zeit bis zum Einsetzen des Keren-Hajessod-Drive vor, welcher -im Monat März stattsindeu wird. Er verwies auf das jüngste Rundschreiben des Keren- Hajesiod-DirektoriMns und auf die Notwendigkeit, die Eingänge aus Oesterreich in diesem Kalenderjahr zu vervierfachen, soll die österreichische Jndenschaft auch nur im Rahmen des Nor mavbudgets ihre Pflicht erfüllen. Der Vorsitzende sprach dom bisherigen Leiter des Bureaus» Herrn Dr. Martin Rosenblüth, welcher Wien verläßt, weil er zum Vizepräsidenten der voichsdeutschen zionistischen La-ndesorganifation gewählt wurde, den wärmsten Dank für die großen Verdienste aus, welche er sich durch sein Wirken in Oesterreich nm den Keren Hajessod erworben hat. Herr. Dr. N. M. Gelber, welcher nunmehr als Leiter dem österreichische Keren-Hajeffod-Buroau Vorsicht, wurde in das Präsidium der Kommission kooptiert. Sitt neuer Wiener Stadtbandirektor. Ingenieur Dr. Franz Musil. Der Stadtsenat hat das Ansuchen des StadtbaudireVtok» Ingenieurs Max Fiebiger nm Versetzung m den danern- <beu Ruhestand genehmigt und beschlossen, den Oberstadtbaurat Ingenieur Dr. Franz Musil zum Stadtba-Mvektor zu ernmnen. Der neue Stadtba-udirektor ist in Wien M Jahre 1881 geboren und wat im Jahre 1910 in den Dienst der österreichischen Staatsbahnen. Im Jahre 1917 wurde Jngmienr Musil in den Gemeindedienst übernommen und als Bau* inspektor mit der Leitung der Abteilung für SchncAbahnen betraut. Als dann das Bureau für SchneWchnen anfgÄöst. werden mußte, da iirfolge -der ungünstige« Wirtschaftllichen Lage mit dom Bau einer Untergrundbahn nicht gerechnet werden kmmte, wurde Ingenieur Musil der Ab- -teilnng für Verkehrswesen zugeteilt und im Jahre 1922 zum Vorstand der Abteilung für Brücken« und Wasserbau ernannt. Die kürzlich erfolgte Beoschiebuing der Brigittabrücke «rfollgte unter feiner Leitung. Musil hat «n intvrnationalen Wettbewerb einen RegulicrungsPlan für Belgr ad ausgearbeitet und wurde seinerzeit auch nach Jugos l a w i e n berufen, um Projekte für Bahlk- und Brückenbauten zu ikberprirfen. Im Jahre IM wurde Oberstadtbaurat Ingenieur Musil mit dem Oberstadtbaurat Ingenieur Hula von der Gem-einde Wien zu Studienzwecken nach Amerika gesendet