Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2129 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Veite? r Dien, Nische Flotte den Nucken fidw;. Z\: fiintv;'!, nud wahr' sckstinlich mit Jtfcrtjt, oan auch die chinesische Cyinfru?V sphäre von den beiden s,e>ueiufaiu erpioitiert und das; sie;»luichft den 0 inesischeu NationaNsien Hessen werden, die -Privilegien der Fremden, zn zerstören._ Das ivürde die Großmächte Europas und die Bcremiaten -stauten sehr empfindlich treffen, deren Nassenpolitik ihnen mit den gleichen Mitteln heimgczahlt wird. Die Vitdung einer russisch-japanisch-chinesischen Konzeniration ist dann nur mehr ein kleiner Schritt und von hier führen dann unterirdische, aber dichte Fäden zur islamitischen Welt. Der Anfangspunkt dieser Entwickln nq liegt im EinwandernugsgeseK der Bereinigten. Staaten, das wieder von der deutsch "- Wissenschaft steinig befruchtet wurde. __ Aabiadranath Lagere über Srer Israel. Harmonie zwischen Juden und Arabern. Den eben eingelat^ten argentinischen Blättern ent« nehmen wir interessante Berichte über die Awwestnheir des indischen Dichtevphilosaphen RabindranathTagore in Argentinien. Die jüdischen Kolonisten vereinigten sich zum stveÄichen Empfange und zu verschiedenen Ehrungen für den angesehenen Gast. Der Dichter rvar jedoch auf dem Schiff nicht unbedenklich erkrankt und mußte sich auf ftrcugc ärztliche Verordnung alle Empfänge versagen. Er bat jedoch seinen getreuen Schüler und Sekretär, ton englischen Schriftsteller AlmHcarst, besonders der Movdimng der jüdischen Kolonisten zur Verfügung zu stehen und sie m f c i n t nt Name n zu empfangen. Bekanntlich «tvurde Nabindranoth Tagore noch int Herbst vorigen Jahves in Erez Israel erwartet.'Almfjearft erzählt hierüber: Es waren bereits alle Vorbereitungen für die Ri.ist getroffen. Im letzen Augenblick, wir befanden uns schon in Marseille, erreichte uns eine telegraphische Nachricht tor peruanischen Regierung, daß die Hundertjahrfeier der Schlacht bei Afchakutscha;u einem früherer! Termin als ursprünglich geplant war skrttsmden werde. Der Dichter wurde inständigst gebeten, der Feier persönlich Leizuwohnen. Deshalb mußte Rabindranath Tagore die Palästinareise, auf die er sich schon so sehr gefreut hatte, auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Der Meister, sagte Almhearst, wollte mit eigenen Augen das Land sehen, «wo das älteste lebende Volk der Geschichte fern* Wiedergeburt erlebt. Die Reise Tagores nach Erez Israel hatte «berauch den Zweck, sich an Ort und Stelle über die gegenwärtige. Zahl, über den Stand der arabisch-jüdischen Beziehungen zu informieren. Er ist von dem tiefen Glauben durchdrungen, daß eine Harmonie zwischen den Kulturen des Ostens und des Westtns möglich ist; um so eher sei ein solcher Einklang zwischen Juden und Arabern, beide Kinder des Orients, möglich. Gewiß ist Tagore auch der Neberzeugung, daß diese Harmonie nicht mit politischen Methoden, sondern nur im Wege der Erziehung erreicht werden könne. In einem gemischten arabisch-jüdischen Land kann und wird ein fester und sicherer Friede zwischen bewen Nationen geschaffen werden. Kaum fühlte sich Tagore nach einigen Tagen Aufenthalt auf dem Festland soweit hergestellt, ließ er die Redakteure der jüdischen B l ä t t e r gu sich bitten. Mit der Einfachheit, die rhu kennzeichnet, fort er um Entschuldigung, daß er physisch außerstande gewesen sei, die jüdischen Kolonisten persönlich zu empfangen, und zeigte sich gerührt, als ihm ein Ehrenexemplar feines Werkes „Zur Erntezeit" in der jüdischen Uebersetzung von Nomberg überreicht wurde. Dann sprach der große Dichter lange mit schwärmerischer Begeisterung von Evez Israel und »der überwältigenden Arbeit des jüdischen Volkes, sein Land durch Arbeitund kulturelle.Leist ungen wieder zu erlangen. Sein innigster Wunsch ist, auf seiner Rückreise nach Indien längere Zeit in Erez Jsrea-l wellen zu können. Zum Schluß schrieb Rabindranath Tagore Dankesworte und Grüße an die jüdischen Kolonisten von Argentinien, deren Aufmerksamkeiten und Ehrungen ihn sehr gerührt haben. * Der Dichter ist vorgestern in Ma i La nd eingetroffen, wo er gestern seinen ersten Bortrag hielt. Er reist daun nach Turin und Florenz weiter. ßugland traft dar Genfer Protokoll. London, 22. Jänner. Mit Bezug aus die Gerüchte, wonach die -britische Regierung auf das Genfer Protokoll verzichten würde, glaubt das Reutersche Bureau zu wissen, daß die Regierung bis jetzt keine Entscheidung getroffen habe und eine solche auch nicht treffen Iverde, bevor sie nicht die Dominions und Indien zu Rate gezogen habe. Es werde betont, daß, wenn es unmöglich wäre, da's Protokoll anzunehmen, die Regierung zunächst die Frage der Sicherheit prüfen würde, um Frankreich vor jeder Gefahr Schutz zu gewähren. Sollarlca Mt aai de« Llllkerbtrad ans. Btt«, 22. Jänner. (Schweiz. Dep.-Ag.) C o st a r i e a hat an das Völkrrbundstkretariat ein Schreiben gerichtet, worin es seinen Austritt aus dem Völkerbund onqeigt. Gleichzeitig hat Costaviea die Beträge, mit denen es im Rückstand ist,. beglichen. _Mlener __ Wo« Oie Kommission»« kosten. Zehnmal so viel als veranschlagt. Bettin, 22. Jänner. Die ..Zeit" berichtet ans Paris, daß oer Generalagent für die Reparation'szahlnngsn, Parker Gilbert-, der Rcvarationskoiumistion den Kostenbericht für die interalliierten -Kommissionen der letzten vier Monat« v arge legt habe. Danach brauchte die Reparationskommission' 2,941.094 Goldin k, die Rheinlandkommission 4,5 8 9.3 3 2, die interalliierte Kontrollkommission 4.6 6 6.6 6 6 iwl> die Berliner Kommission 7 0.0 0 0 Gold mark. Die Unkelstcu im Zusa-nniwnihang mit den Reparationszahlungen betrugen 641.622 Goldmark. Insgesamt wurden 13MillionenGoldmark anfgebrancht, während nach tont Pariser Finanzabkommen die jährlichen Ausgaben aller Kommissionen 3.7 Millionen nicht übersteigen dürstn. Sie korrupte preußische verwcitu«7. Wieder ein Kreditskandal. Berlin, 22. Jänner. Die „Voflische Zeitung" weiß aus sicherer Quelle zu berichten, daß die Po st Verwaltung an die M a n n c s m än n-J ndustri e- und Hände l §- A.-G. einen K re di t vo n 7Z Millionen Mark gegeben habe. der seitens des zn-simdigeu Restrenten ohne gleichzeitige Kontrolle deS MiitisterS und ohne Girierung einer Bank gewährt werden solle. Das Matt erklärt im Zusammenhang damit, daß die Frage anfge-roorstn tverden muffe, welcher Fall von Korruption der beachtenswertere sti, jener to'S Ministers Hoeffe, der im-mechin nach der Reichsversastung zu einem stlibständige» Vorgehen bis zu einem gewissen Grade berechtigt sei, oder stner, der die Eigenmächtigkeit des maßgebenden Referenten kennzeichne. Sie erlaubte Hitlerei. Aushebung des Ausnähmszufiantos in Bayern. München, 22. Jänner. (Wolfs.) Zur Frage der W i ede rzu la s.su ng der nationalsozialistischen Arbeiterpartei erfährt die „Allgemeine Zeitung", daß die betreffende Meldung mit der A u sh e b u n g d e s A u s n a h m s z u st a n d e 's i n B a y e r n in Zusammeivßang steht, die in nächster Zeit erfolgen werde. An Stell»- des Ausnahmezustandes sollen nach diesem Blatt n e u e B e st i nt m ungen erlaffen werden, unter welcheir Boräüs'sttzu-ngen die in Bayern verbotenen Organ ifat i o n e n wieder gestatte t werden. Numerus rlausus und Prügelstrafe. Budapest, 22. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) In der gestrigen Sitzung der ungarischen, Nationalbevsammlung beschäftigte sich der gewesene Minister Georg Lukaes in seiner Budgetrede mit der Nottvend'.gfeit, alle Hindernisie einer wirtschaftlichen und kuTturellon Entwicklung aus dem Weg zu räumen. Es müsst an dieser Stelle gesagt werden, daß der Numerus clausus der Zwil'lingsbruder der Prügelstrafe ist. Die gesetzliche Einsüihrung der Prügebstrast >rvar eine Barbarei und eine Schande unserer Gesetzgebung. Das Gesetz von: Numerus clausus ist vor allem u naufr ich tig. Es nmsse doch zugegeben t verton, daß die Gesetzgebung die versteckte Instruktion hatte, mit tont Numevuis clausus das .gesamte Judentum zu strafen. Das war ungerecht. Aber stlbst wenn anan der ^lnsicht sein will, daß das Gesetz bei seinem Zustantokcmmen einen Anschein von Berechtigung gehabt häbe, so kann ruemand bestreiten, daß es heute schon reif 'ist, aus dem Gesetzbuch ge-ftrichen zu lverden. Auch das Ausland nimmt Anstoß an diesem Gesetz. Das Prinzip -der Lehr- und Lerufreiheit bildet ton Grundsatz einer st mächtigen Weltftvömuug, daß sich Ungarn ihm nicht eibtg«get«stellen dürfe. Wenn wir hier in Ungarn mit solchen: Slachdruck ton Schutz der Minderheiten in den Nachfolgestaaten fordern, können wir unmöglich aus dem Standpunkt des NttmeruS clausus verharren. __ Sie llnlverM in gafft« wieder eröffnet. Jassy, 21. Jänner. (I. T. «.) Di« UnidersUät Jassy wurde ohne Zwischenfall wieder eröffnet. Die Regierung erließ eine Kundgebung an alle Schulverwaltungen, in welcher diese ausgeforbert werden, innerhalb der Schule keinerlei antisemitische Propaganda zu dulden und Schüler, die da's Verbot überschreiten, rücksichtslos aus der Schule zu entfernen. Die - Regierung hat ton Proistttv» von Jassy, Oberst Basiliu, wegen seiner Untätigkeit zur Zeit der antisemitischen Stntonteimnruhen seines Postens e n th ob e nnnd ihn! außerdem dreißig Tage Arrest .zudiktiert. Sie Radlc-Lente wieder verhaftet. Belgrad, 21. Jauner. (Avals.) Die Eutfcheiduug tos Agramer Berufungsgerichtes, womit die Einstellung der Untersuchung gegen Macek und die anderen Führer der republikanischen kroatischen Bauernpartei aufgehoben, ihre provisorische Freilassung aber ausrechterhalten wurde, stützte sich in diesem Punkte darauf, daß der SwatLanwalt der Anklage nicht sämtliche Anklagedokmnonte int Original, sondern in Abschrift zugrunde gelegt Halle. Die Wiederverhaftung der Boschuldlgveu wurde vom Untersuchungsrichter vers'ügt, da er sich inzwischen di« fehl e nde.n Or.i.ginaldokumeute beschafft tzat ' 33. Jänner 1886 ' «r. St« Das Material gegen Radie. Belgrad, 22. Jänner. (Avals.) In Fortsetzung der Der» öfsentlichungen über die Beziehungen zwischen Radie und Moskau übermittelt die Regierung beute der Presse zwei neuerliche Dokumente. Das eine ist ein Brief des früheren Wiener Sowjetgesandten Außenr, in dem die Regierungeinen Beweis für Radie' hochverräterische- Treiben erblickt, das zweite ein Schrei>üen tos Sekre tärs der Bauerninternativnale, Do m>ba l, der eine off i zicIle Einladung zu einer Konferenz der Bauerninternationale an Radie und Kossutie enthalt. Kossutie 'hatte bei seiner Vernchnmng behauptet, daß er Radie nur wegen dessen großer Kurzsichtigkeit nach Moskau begleitet habe. Nepnbiik Wanken. London, 22. .Jänner. Man meldet aus Tirana, dah die albanische Nationalversammlung einstimmig die Republik proklamiert hat. Es wurde -beschlossen, das Nationalfost in Zukunft am 21. Jänner, am Gvündttng'stäge der Republik, abhalten zu lassen. Inland. Lie Bundesbahnen — aktiv? Schlechtes Essen fit den Speisewagen. J,m Budgetausschuß wurde gestern das Kapitel „Eisenbahnen" nach einer sehr ausgiebigen Erörterung a n g e n o m rn e n. Der Berichterstatter Dr. O d e h n a l betonte, -daß im Gegensatz zum Iahte 1924 ein B u ude s Zuschuß für die Bahnen nicht vorgesehen ist. Der Betriebsabgang von 225 Milliarden roerto durch die -Eisenbahnvevkehrssteuer kompensiert. Die Betriebsausgaben sind rnit 4850 Milliarden veranschlagt, wovon 2512 Milliarden auf die Bezüge der aktiven ^Bediensteten entfallen. Es werde ein weiterer Abbau von 7500 Bediensteten erfolgen müsien. Aus dem Südbahnübereinkommen erwachsen dom Bund Auslagen in der Höhe von 103Mil>kiard e n 600 Millionen Kronen. Der Bundesantevl am B etriebsabgang der Wiener Stadtbahn toträgt 10 Milliarden. Abgeordneter Dr. Eisler regte die Einführung von Schlafwagen dritter Klasse an und beschwerte sich über den Dienst in den Speisewagen auif ton österreichischen Strecken. Der Besuch eines Speisswagens sti nicht nur mit Gefahr einer leichtsinnigen Krida, sondern auch «wegen der Ouallität des dort Gebotenen mit Lebensgefahr verbunden. Es müßte doch möglich sein, in den Speisewagen einen Dienst einzurichten, der cs auch einem mit normalen Geldmitteln ausgeistatteten Reisenden ermöglicht, im Speisewagen ein einfaches Esten emzunehmen. In demselben Speisewagen, der durch drei Länder fährt, ißt man in Oesterreich am teuersten und schlechtesten. Handelsminister Dr. S ch ü r f f er widerte, er ha'be die Beschwerden über die Güte und Preise der Speisen und Getränke in den Speisewagen zmn Anlaß genommen, um ans die Internationale Schlafwagengesellschast em-Mvivken. Diese habe in emom Schreiben geantwortet, der Preis eines Mittagessens von 56.000 Ä. be wege sich gegenüber dem in der Vorkriegszeit eingehobene u Betrag von 4 K. unter der Goldparität. Außer dem müßten die Lasten ins KaMl gezogen werden, die in der Vorkriegszeit nicht bestanden haben, wie Waremvinsatzste-uer, Füvsorgeabgabe ufw. Bezüglich der Eicktrisizierung der Arlbergbahn teilte er mit, daß noch anfangs dieses Jahres das Spulilerseewerk in Probebeirreb gelange, damit werde es möFich sein, den Probeibetrieb auf der Teilstrecke Langerv—Blridenz austzunehmen. Mit Eintritt der Bausaffon werden auch die ElÄtrisizierungsa'vbeilen auf den anschließenton Teilstrecken Bluden;—Foldkirch—Buchs und FeMirch—-Bregenz ausgenommen werden können. Abgeordneter Dostal leitete schließlich noch die Ber- «handlung tos Budgetkapitels ,Mrltus und U-nterricht" ein. Las Mlleridorfer Panama. Meö soll ausgeglichen werden. Wie die Korr. Herwei erfährt, stelht die Un!ersuchun>, die schon fett -mehreren Monaten in der Wolle:sdorfer Affäre geführt wird, vor ihren: Abschluß. An informierten Stellen ist «man der Ansicht, daß es zu keine nr w e! t cren Einschreiten gegen Sklarz und Genossen kommen und daß es möglich sein wird, die noch v o r'-h a ndenen Differenzen int Btthandlu-ngSlvege a u '§ - zugleichen. Die Schwierigkeiten, die zwischen dem Bund und der Alder - Gruppe bssttcheu, sollen gleichfalls im Verhandlungswege bereinigt nw den. Diese Verhandlungen Mrt der seinerzeit von: Bund der .Industriellen der Regierung vorgeschlagene tuch voni Ftnanzrnini'ster Dr'. Kienbock ibestellte Vermittler Direktor Trebitsch. Hingegen sollen mit Pochwadi, der gleichstlls an die Wöllersdorfer A.-G. Forderungen stellt n-nd der in letzter Zeit bet verschiedenen Behörden- Eingabe» gemacht hat, darunter auch beim Justtgamt, tosten Leiter Vizekanzler Dr. Waber die Eingaben a«'ls unberechtigte Einmischung in die Justiz znrückgewiesen hat, k e i n e B e r h a n d l n n g e n geführt werden. Bezüglich PochtvadtS steht man aus dem Standprmkt, er inöge seine Ansprüche aus -iviLrechtllchem Wega geltend wachen. ■.>