Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2129 (23.1.1925)
- Date
- 1925-01-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPflien ZOamal Wien: 2nm Ahhnlan in der Expedition, II. Tahorstr. 1*3, oder in «tnerVeraehlaisstell« SPrnfik> nenatl. K 50.000 traasanverkauf in Wien der di die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.8er., Wolheile 11 MSI Postversand für ^'en c Oeaterr. monatl. K 50.000 Teefieeh o*Slowakei Mon. K 22 Ingoslawien Mon. Dinar 60. Polen: Mon. 4 Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark 4, F r a n k % Belgien: Mon. Frcs. 18 MP Weoh tsh i ob «ca M> bd PMlwHiüIrnnfn tiwtMitnll«i f »r. 2129 untv WWW>WWU>>WWW>>8>W>WWMW«WWWW»»»WMM«W Wim. Freitag, 25. Nwner 1925 y k Mop | England: Mon.4 Schilling, Italien: Monat *8 >rc, Rumänien Mon. I?0i ei, Bnloarien Mon. **0 I ewa, Schwei* un-1 das ühri**** Analand monatlich Frcs. 5. Wien II., TaHorstf/l—s relepiioni: I4-0-3M,43-3-19. A’ tflhr ahd* 21-102,25-282 IX. Universitatsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postspar* ka*sen t^onto Nr 7. ftaftroftmt Luthers Mehrheit. Sie etile HunMaMimauim In leMtitet Seiiiitra. Mit 246 gegen 160 Stimmen hat der deutsche Reichstag der Regierung Luther das Vertrauen ausgesprochen. Die Mehrheit setzt -sich aus den D e u t s ch n a t i o n a l e n, der Volks Part ei und dem Stegerwaldsindustriellen)Flügel des Zentrums Zusammen. Sozialdemokraten und Komm-unisten sowie die W i r th - Gruppe des Zentrums stimmten dagegen, die Demokraten und Hakenkreuzler enthielten sich der Stell»nanalftne. Das Kabinett Luther kann diese Abstimmung politisch noch nicht werten. Denn die ziffermäßige Mehrheit von 86 Stimmen kann sich aus keine Tat der Regierung stützen, sondern druckt nur aus, daß der Kurs nach rechts gehen soll. Bon Wichtigkeit jedoch ist die Spaltung des Zentrums, die ja wahrscheinl'ch in Kürze wieder ausgeglichen werden wird, aber doch die Tieft der Meinungsverschiedenheiten demonstriert. UmWirth sammeln sich di« rheinischen Katholiken, also die Vertreter des.besetzkn Gebietes, und sie find offene Anhänger der Erfüllungspolitik. Offener jedenfalls als die Demokraten, die durch ihre ^Redner dem Kurs die jcharffte Fehde ansagten und seine inner- und außenpolitischen Gefahren sehr deutlich schildern-ließen. Bei der Abstimmung waren sie nicht zugegen, obgleich fie selbist bei «egativem Votum die Regierung nicht gestürzt Hätten. Hgl etwa, die ft heitere Mitteilung des Reichskanzlers ihre Besorgnisse eingeschränkt, daß das Kabinett cinstimmig beschlossen ha'be, die Staatsform «i ch t z u a n d e r n? Der Reichskanzler hat erkannt, daß diese Frage d a s. B o l k s P a l te. Die Demokraten wissen dies zweifellos auch, aber sie zogen es vor, wie das ft schön gesagt wird, dem Ausland nicht das Bild vaterländischer Zerrissenheit zu zeigen. Also bleibt es dabei, daß der Kurs «ach rechts geht. . . . Der Reichstag zäihll 493 Abgeordnete. 32 Demokraten «yd 14 Hakenkveuzler stimmten nicht mit. Somit fehlten Frankreich und der Vatikan. Hevviot Übe« die beiden Deutschland. Paris, 22. Jänner. (Havas.) Im Laufe der Kammerbebatte Aber das Budget des Aeußern erklärte Ministerprasvdent H e r r i o t bezüglich des, Elsaß und Lochringens, die Regierung.werde daran arbeiten, in Eiftß «mnd Lothringen nach und nach die Gesetze d e r R e p u b >l i k in Anwendung zu bringen unter gleichzeitiger Achtung des moralischen und materiellen Zustandes der wiedergewonnenen Provinzen. Weit entfernt davon, die Gewissensfreiheit einzuschvänken, Iverde die Regierung alle Glaubensbekenntnisse. schützen und ebensowenig vom Standpunkt der elsässischen und lochrmgischen Institutionen wie vom religiösen Standpunkt brüsk Vorgehen, wie heftig auch die ungerechten Angriffe seien, deren Ziel sie sein könnte. In der Nachmittagssitzung erklärte Mg. Oberkirch, die letzten Wahlen in Deutschland hätten den Beweis geliefert, daß der. Edeitmut Herriots von Deutschland nicht begriffen worden sei. Ministerpräsident.Herriot erwiderte, man dürfe nicht all« Deutschen mit den Ratio n a l i st e n verwechseln und die Mißbilligung auf ganz Deutsch and ausdchnen, wolle man nicht.aus jede Hoffn ung auf Frieden verzichten. Tie Regierunig, die stets über die Sicherheit Frankreichs wache, werde oh n e I l l,u s i o n e n fortschren, am Friedenswerke zu arbeiten. Briands Rede. Die Sensation des heutigen Tages nxir ok mit großer Spannung erivartete Rede. Briand.s. Briand erklärte, zu Herriot gelven-dot, er komme als Warner, so lange noch Zeit sei. Er st i m m e zu, daß Herriot die Beziehungen zu Sowjetrnßland ausgenommen Hab-, denn Frankreich müsse überall vertreten sein, wo französische Interessen aus d.m Spiele seien. Tavunt Ivarne er vor dem Abbruch der Beziehungen zum B a t « f a n. Sein oberstes Prinzip laute: Frankreich darf nirgends fehlen. Auch Sowjetrußlaud habe es in den letzten Jahren an Bemühungen nicht f.hlen lassen, mit dem Vatikan in Beziehungen zu treten. Bis letzt sei dies nicht geglückt, aber morgen vielleicht auf seiten der Opposition (131 Sozialisten, 45 Kommunisten -und 12 Zentrumsletlle) 60 Stimmen. Tic Mehrheit de's Kabinetts betrug 246 Stimmen bei drei Absenzen, demnach eine knappe Majorität von 26 Stimmen. Es ist klar, daß die Stellung der Regierung unter diesen Umständen unhaltbar ist und daß sie aus den Konflikten nicht herauskommen wird. Das amtliche Abstimmungsverhältnis. Berlin, 22. Jänner. (Wolfs.) Bei der heutigen Abstiinmung im Reichstag über den Billigungsantrag wurden 246 Stimmen für den Antrag und 160 Stimmen dagegen abgegeben. 39 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Mit Nein -haben gestimmt die Sozialdomokra^en und die Ko-mmunisten, der Stimm« enthielten sich die Demokraten und die Nationalsozialisten. Vom Zentrum haben einige Abgeordnete mit Nein gestimmt. Der Antrag, tvelcher von den Deutschnationalen, der deutschen DoWpartei, dem Zentrum, der bayrischen Volkspartet und der Wirtschafts- Partei eingebracht worden ivar, lautet: „Der Reich s- .tag hillig t die Erklarung der Reich«reg ier ung." ’ /■.. In der Debatte über die Regierungserklärung,' welche' der Abstimmung vorausgmg, kamen heute, mit Ausnahme des Zentrums und der Deutschnationalen, alle Parteien noch einmal zum Wort. Der Hakenkreuzler Reventlo w hatte Eeiye dringenderen außenpolitischen Sorten a^s — neben'einer sehr ungeschickten Extratour auf Danz'ger Gebiet — die Frage der Heiligen Stätten in Palästina. Er äußerte Evstaurten darüber, daß die katholische und die evangelische Kirche nicht Einspruch dagegen erheben, daß die Heiligen Stätten in Palästina jetzt wieder in jüdische Hände geraten. werde man das Schauspiel erleben, daß Sowfttrußland beim Herjl'lgen Stuhl einen Vertreter haben werde, während Frankreich dort fehle. Briand stellte an Herriot die Anfrage, wie er sich überhaupt praktisch die Auffassung der französischen Botschaft beim Vatikan Vorst lle. Redner billig^ vollkommen die äußere Politik der Regierung, die Frankreich aus einer gefährlichen Isolierung herausgeführt, das Einvernehmen mit den Alliierten wi.iderhergestellt nutz in Genf das wahre Antlitz Frankreichs gezeigt habe. Die Regierung darf in religiösen Fragen keine Politik der Isolierung. praktizieren, die sie aus allen anderen Gebieten der arlswärti-gen Politik verurteilt hat. Frankreich muß überall dort sein, wo internationale Aktivität herrscht. Das Land sei gegenwärttg voll Sorge, besonders finanHieller. Es bedürfe der Unterstützung aller seiner Bürger. Er glaube zwar nicht, daß die französischen Katholiken ihre Steuerpsticht nicht erfüllen w rden. aber an Kantpagnen dazu würde es nicht fehlen. Auch die äußeren Feinde würden den Bruch mit dem Vatikan gegen Frankreich ausbenten. Der Bruch tverde keinen materiellen oder moralischen Gewinn eintragen, dagegen zahlreiche Nachteile. Die Fortsetzung der Debatte -ivurde darauf auf morgen verschöben, nachd m Briattd von seinen Politischen Freunden beglückwünscht worden war. Generaldireltor Fried enlhastet. Keine Verabredungsgefahr mehr. Wie wir erfahren, hat die Staatsanwaltschaft gestern abends die E n t h a f t u n g des Generaldirektors Fried, per Ankerhrotw.rke verfügt. Da die Einvernahme der Zettgen über die chm zur Last gelegterr Verfehlungen (die noch immer nicht bekanntgeg.ben worden.sind) in den letzten Tagen sehr rasch durchgeführt wurde, entfiel der Haftgrund einer Verabredungsgcfahr. Aus dirs.'m Grunde wurde 'die'Enthaftung Frieds angeordnet. G neraldivektor Fried Ivar ant 9. Jänner nach einent Verhör für verhaftet erklärt worden, ist demnach 13 Tage in Hast gewesen. Das ketzte B.rbör mit ihm hat gestern mittags stattgefunden. Moskau und Tokio. —y. Wien. 23. Jänner Das russisch japanische Abkommen ist vielleicht das wtck'tigste weltpolitische Ereignis der letzten Zeit. Dieser Vertrag leitet eine neue Aera der Entwicklung der asiatischen Völker ein und er lenkt sie auf eine Bahn, die den europäischen Großmächten und Amerika nichts Gutes bringen kann. Das Zustandekommen dieses Verj träges ist ein Schlag in das meist so sinnlose und ntüßige Getue der Geheimdiplomatie, der um so stärker wirken nruß, als er offen geführt wird und vor allem den R'jah-Völkern verständlich ist. Ihre Phantasie hält sich nicht an die Bestimmungen über die Kohlen- und Petroleumgvu'ben aus Sachalin. Sie sehen nur, daß Rußland abgetretenes Gebier zurückerhält, daß es seine Macht wieder bis an den Ozeen ausdehnt und daß es mit der gelben Großmacht sich geeinigt hat. In das schäumende Gew'rr'. des mongolische:: und mandschurischen Kessels muß nun eine gewisse Ordnung kommen und in das chinesische Chaos greifen wieder die zwei nächsten Nachbarn, diesmal mit vereinter Kraft, ein. Sicherlich haben Nußland ur.fi) Japan noch keinen Scheffel Salz miteinander gegessen und sie haben noch manche Rechnung miteinander auszutragen. Aber sie bindet die Jnt^eising-rmetnictiait geaen ihre' Rivaler und der aemeins tme Feind iü nach immer ein siai Irres Band gewesen als beschworene Verträge von ewister Freundschaft Md Vertiefung der Bündnisse. Den Anstoß zu dieser KoNzernbrldung hat Amerika gegeben, dessen Politik von den nationalistischen Tendenzen so beherrscht wird, daß sie den unbefangenen Blick verloren hat. Gegen die Juden und gegen die Gelben ist die unausgesprochene Formel dieser Politik, die ihre geistigen Antriebe aus Europa geholt hat. Die Einwanderungsgesetzgebung steht vollständig im Bann dieser Wahnsinnsparole und sie hat dies auch nicht geleugnet. Das Gift der deutschen Rassentheorie ist nach Amerika getragen worden und wirkt dort genau so zerstörend wie in Europa. Die Lehre von dem nordischen Ursprung und Rückgrat der amerikanischen Rasse, die Madison Grant aus den Chamberlainschen „Grundlagen" übernommen hat, konnte die Gesetzgebung unter ihren' Druck stellen, obzwar sie sicb in dem großen ' Schmelztiegel wie ein dummes Märchen ausnimmt. Äus dieser Lehre ist eine politische Doktrin geworden und eine ihrer Elemente ist die unsinnige Erfindung des, jüdischen Bolschewismus. Made in ßlermanh, weitergebildet von Henry Ford und in feste Form gegossen von -dem Einwand.wungskomntissär Johnson. Den Juden als Bolschewiken wird die Einwanderung unmöglich gentacht und weil ein Unrecht nie allein bleibt-, erstreckt sich die gleiche Maßregel auf die Asiaten. Die Zahl der Japaner — auf die es besonders abgesehen war — beträgt unter 110 Millionen Novdamerikanern sage und schreibe 150.000 Seelett. Was wird ihnett vorgeworftn? Gewandtheit in der Arbeit, nüchterne Lebensweise und Sparsamkeit. Sie sind dort, wo sie sich ansi^deln, eine mit .Haß betrachtete Konkurrenz. Um die Schwierigkeit zu beseitigen, ist im amerikanisch-japanischen Handelsvertrag von 1911 das sogenannte Gentlerf- :-Agrem-:\t ab.icichl.sssen wmden, wonach Japan selbst die Einwatiderung kontrollieren solle. Diese Ber:. tb:ru:g üt vo n Repräst'ni.imenbans ohne Kündigung verworfen und int Mai 1924 dttrch das Einwanderunqsgefttz attkaehoben worden. Den Mut zu diesem Borgehen holten sich die Jingos aus dem Erdbeben, das Japan kurr vorher verwüstet hatte. Präsident Coolidge legte sein Veto gegen den Beschluß ein. Mit dem Erfolg, daß er wiederholt wurde. Der Ku-Klux-Klan ist sehr mächtig und sein Einffuß reicht bis in die höchsten Kreise. Deshalb ffiate sich der Präsident und erklärte die Angelegenbeit für erledigt, antwortete am 17. August 1924 das Auswärtige Amt in Tokio mit der Note: „Präsident Coolidge mag die Angelegenheit als erledigt betrachten. Japan tut dies nicht, sondern setzt seine Proteste fort." Diesen Protest hat Japan in die Form eines Vertrages mit Rußland gekleidet und die amerikanische Politik ist für die nächsten Jahre versorgt. Sie sieht auf ihrer sibirischen Interessensphäre, ouf die sich die Industrie schon so gefreut hatte, das verachtete Rußland im vollen Glanz der Waffen erscheinen, dem die sapa«