Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2128 (22.1.1925)
- Date
- 1925-01-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Hf. ASS Wett. Donnerstag Sk «nrNrsemng der Radlk-Leute. Graz» 21. Jänner. Die „Tagespost" meldet aus Agram: Heute vormittags fand bei der hiesigen Zeptemviraltafel die BerhaMnng übet die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen die Entscheidung der ersten Instanz statt» wonach gegen die fünf verhafteten Führerder Radic-Parteidie Strafuntersuchung einzustellen und sie ans der Hast zu entlassen seien. Die Septe-mviraltasel traf folgende Entscheidung: Die Strafuntersuchung gegen die Mitglieder des Präsidiums der kroatisch-republikanischen Bauernpartei, Dr. Mae e k, Ing. August K o s u t i c, Dr. Stephan K o s u 1 i c» Josef Predavee und Dr. Krnjevic, muß -Hort gesetzt werden. Der Beschluß der ersten Instanz, nach dom das Strafverfahren eingestellt wurde» wird außer Kraft gesetzt. Die Septemviraltafol stellt sich aus den Standpunkt» daß die Beschuldigten nur solcher Vergehen beschuldigt sind» für die dos Gesetz zur Sicherung des Staates Strafen unter zehn Jahren festsetzt. Deswegen und da keine Wuchtgefahr best-cht, find sie sofort aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Sofort nach Bekanntgabe dieser .Entscheidung um-: stellte die Polizei das Gerichtsgebäude, nachdem die Polizei gleichzeitig den Senat, die Staatsanivaltschaft und den Untersuchungsrichter davon in Kenntnis gefetzt hatte» daß sie die Auslieferung der fünf Mitglieder der Nadic-Partei »erlange. Srdbeben ln SberitaNen. Rom, 21. Jänner. In Belluno ist gestern um 6 Uhr abends ein kurzer, aber starker Erdstoß verzeichnet worden» der keinen Schaden angerichtet, wohl aber die Bevölkerung in einigen Schrecken versetzt hat. Me amerikanischen Petroleumskandale. Washington» 20. Jänner. (Reuter.) Der Senat hat mit 40 gegen 38 Stimmen den von der Mehrheit der Mitglieder des Untersuchungsausschusses in der Skandalaffäre betreffend die P e t r o l e u m k o n z e s s i o n e n verfaßten Bericht genehmigt. Nach dem Berichte sei die Republikanische Partei fiir die Transaktionen, die zu dem Skandal geführt haben, verantwortlich. Ein Alkoholskrtndal. New'Nork, 21. Jänner. (Tel.-Kvmp.) Die Prohibi- <V»sbea.mten halben einen neuen Alikoholskandal aufgedeckt. Der ehemalige Gouverneur des Staates New-Jersey und jetzige Senator Edward ist beschuldigt, au der Spitze einer Geheimgesellschaft zu stchen, deren Kapital sechs Millionen Dollar beträgt und die den Han-' del mit alkoiholbschen Getränken zum Zwecke hat. Die Wiener Konferenz der Sukzesstonsstaaten. Wie die Politische Korrespondenz erfährt, werden an der von der RevarätionSkommission für morgen nach Wien ein- Lerufenen Konferenz der Nachfolgestaaten zur Beratung über verschiedene Fragen der a l t ö st e r r e i ch ischen und altungarischen Staatsschuld «amenS dieser Kommission die Herren Bo uni olS Md Lr. D o l z a n i tetlnehmen. Die ö st e r r e i ch i s ch e R e g i e r u n g wird bei den Verhandlungen durch den SektionSchef im Bundesministerium fiir Finanzen B a e r n klau und durch den Ministerialrat im genannten Ministerium Dr. S ü tt l vertreten sein. „M Vögel." «in lyrisch-phantastisches Spiel von Walter Braunsels. Erstausführung in derBolksoper. Mehr als vier Jahre hat es gedauert, bis BvaunfelS' ^Bögel" auf ihrenr Wnge über die deutschen Bühnen von München nach Wien gelangt sind. In Deutschland, hat inzwischen .schon sei,re nächste Oper „Don Gil von den grünen Hosen" das Rampenlicht erblickt, übrigens hatten schon vor mehr als einem Jahrzehnt seine JugendwerLe „Prinzessin Bvambilla" und „Meuspiegel" in Stuttgart Erfolg. Bei uns vermochte sich der in Frankfurt inr Jahre 1882 geborene, in München lebende Tondichter, der auch in Wien bei Leschetitzky studiert hat, bisher nicht recht durchzusetzen, was seine tiefere Ursache haben mag. Verraten doch seine Werke — sowohl seine Orchestervariationen über ein Berlioz-Dhoma als auch das Te Deum, die beide in Wien.bekannt sind — einen eigenbrötlerischen, schwerblütigen Deutschen, der bei voller Wertschätzung des Melodischen von der österreichischen Klang- und SinMnsrondWeit weit entfernt ist. Im Grunde sehnt sich der Tondichter, der durch sein« Mutter, eine Gros nicht« Ludwig Spchrs, mit diesem führenden Geist der musikalischen Romantik verwandt ist, auch selbst von der Gegenwart weg nach altem, romantischem Land und ist darin Hans Pfitzner geistersverwandt, mit dem er trotz aller formalen Verschiedenheit im De Domn tvie in den Vögeln stilistisch manche gemeinsame Züge aufzeigt. Schon in der Art, wie er hier als sein eigener Textdichter die Handlung des Aristophanes umdeutet und es sich nicht versagen kann, Eichendorfffche Verse einzusiechten. verrät sich seine Neigung zur Romantik. Im Gegensatz zu Aristophanes der seinen Hohn in gleicher Unbarmherzigkeit über Götter, Menschen und Tiere ergießt, versenkt sich Braunfels Iw ztveiten Akt tu die geheimnisvollen Zauber der Natur, in die Poesie der Mondnacht, in den Wachtraum eines Dichters Nicht das Wölkenkuckucksheim, die Walhalla .der Vögel, von der aus die Verblendeten Götter und Müschen beherrschen möchten, ist ihm die Hauptsache, sondern die weite Natur und in ihr die beiden Menschlein, in welchen er .den nüchterrurn. Tatmenschen aus der engbogvsnzten Wirklichkeit und den Dichter im unbegrenzten ewigen Reich der Phantasie einander gegenüberstellt: Rate- Wiener MoeftenzettunA. Narwerdie Sorgen der Eltern kennt, wenn sie frtih morgens aufbrechen, da noch kalter Nebel u. hoher Schnee auf den Wiesen lagert, weiss, wie viel Erleichterung zur Ertragung der Strapazen der ständige Gebrauch von DIANA Franzbranntwein mit Menthol bietet. 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Die Sozialdemokraten haben in dieser Angelegenheit gestern im Nationalrat eine Interpellation eingebracht, in der es u. a. heißt: In den letzten Wochen waren die gewesenen Erzherzoginnen M a r i e Theresia und M ar i a A n n u n z i a t a mehrmals in W i e n; sie halten sich noch immer hier auf, und zwar ist ihnen der Aufenthalt wegen eines angeblichen Leidens gestattet worden. Seit heute soll sich Leopold Salvator in Wien befinden. Die Bundesregierung wird gefragt, ob sie dem gewesenen Erzherzog Leopold Salvatorwen Aufenthalt in Wien gestattet hat. freund, den Griesgram, der sich nach dem raschen Zusammen-.' bvuch der Vogelherrschast eilig aus dem Staube macht, und Hoffegut, den Träumer, der eine Nacht am Busen der Natur geruht — „wo das Leben leicht den Frohen fließt, jede Stunde neue Freude gebiert" —, dem das Unwirkliche Ereignis geworden ist und der nun, seinen Solmmernachtstraunr wn Hergen, unter Fveudentränen weiter wandert. Für all diese Romantik hat Braunsols eigenbrötlerische, keusch verschlossene und dann wieder jäh loSbrcchende Klänge/ die oft genug an Pfitzner gemahnen. Namentlich in der großen kunstvollen Szene der Nachtigall (im zweiten Akt), die, durch und durch deutsch, mit ihrer herben Süße und ihrer verschleierten Melodik an die Rose vom Livbesgarten aüklingt.. In Braunfels' Liebesgarten schluchzt die. Nachtigall, das gewaltige Heer der Vögel von dem Adler, Flamingo, Specht und. Storch. bis zu den Kibitzen, Grasmücken und Zaunschlüpfern zwitschert im buntesten musikalischen Gewirr« durcheinander,, ohne jemals die klare, ans Tonika und Dominant« aufgebaute melodische Linie zu. verlieren, die. Naturlaute, gewinnen förmlich Gestalt, Winde und Düfte formen sich zu Tönen, in denen die blau« Blume der deutschen Romantik erblüht. Wo wäre in einer Tieroper eines modernen slawischen Tondichters — man denke etwa an das symbolbeschtoert« poetische Listige Füchslein" von Janacek mit all seinem Erdenleid — diese eigenartige Verbindung von dramatischem Ausdruck — er ist Anfang und Ende der Bvaunfelsfchen Op-er — mit kostbarstein Ziergesange nützlich! Dieses Reich iw# Nachtigall, das schon im sehnsuchtsvollen Prolog seine musikalische Macht offenbart, breittet sich über die ganze Oper ans, die auch sonst an musikalischen Schönheiten nicht arm ist. Wie fesselnd die launige Pantomime zur Taubenhochzeit mit ihrem überaus betvegten melodischen und rhychmischen Leben, tvie erschütternd die große Szene des Prometheus, die in ihrer niederdrückenden Wucht das heitere, lyrischphantastische Spiel fast aus dem Gleichgewicht bringt. Ein Gewittersturin im Orchester, daß einem angst und bange wird, und doch wird die Szene trotz Häufung aller Mttel dem Nebermenschlichen des Prometheus-Gedankens ikaum gerecht. (An dieser gefährlichen Klippe sind jä schon größere Geister, selbst Beethoven und Skrijabin, gescheitert^ - Sonst noch eine Fülle vorwiegend lyrischer Reize, dazu imposantes artistisches Können. Und mag auch die technische ZS. Jauner 1926 Gelte H tk «Oe klapp« trat Abbau »w SWtttn» ersetz«. Di« Serie der Fünfminntensitzungen des Nationalratei ist «och nicht zu Ende. Gestern wuvde eine Novelle zum Kriegsgeschädigtenisondsgesetz öhne Debatte in beiden Lesungen angenmnmen und hierauf beschlossen, in der nächsten Nationälratssitzung einen 21-ciliedrigen Sonderausschuß zur Vorberatung des Antrages Fink-Reiner betreffend die Abänderung des Mietengesetzes zu wählen. Die Sozialdemokraten kündigen zwar an, daß sie dort durch Dauerreden weiterobstruieren wollet!,' die Christlichsozialen aber haben jedenfalls das eine erreicht, daß ihr Mietenantrag ans dem Zusammenhang mit dem Streit um die Gheresorm und den Paragraph 144 losgelöst ist. Da übrigens die Sozialdemokraten den Antrag Dan ne borg betreffend die 'Schafjung eines Ausgleichsfonds ebenfalls dem Sonder au--, schuß znweiseu wollen, erscheint es nicht ausgeschlossen, daß vielleicht auf dem Umweg über ein Subkonntee, wenn in der Läilderkonferenz ein Kompromiß über die I m m o b i l i a r beste »er u ng erzielt wird, sich die Herren von rechts, uns links über die A u f w e r t int g der M t a t e n i'rgendlvie einigen werden. Fortsetzung der Reform- und krspimmgr Politik. Die Amtsstnriden werden inspiziert. Dev Minislerrat hat sich in seiner 'letzten Sitzung ein» gehend mit der Frage einer wirksameren Fortsetzung der Reform- und E r s p a r u n g s p o l i t \ f befaßt. Ueber die in der nächsten Zeit in allen Berwattungsbereichen zu treffenden Reform- und Erspavungsmaßnahmen wunde eilt umfassendes Programm beMossen, für dessen Durchführung bestimmte Termine festgesetzt wurden. Die Beaufsichtigung und Führung der Reform- und Evspavungsaingelegenheiten 'hat der Bu n d e s k a n 5ler persönlich in der Werse in ldie Hand genommen, daß die in >den einzelnen Ressorts ibsstellten Erfpavungsfuniktionäre unter Zuziehung der Bevwaltung'sresormalbterlung des Bundeskanzleramtes und .des Vertreters des Rechnungshofes allwöchentlich Zur Berichterstattung, Antmgstellung und Entgegennashme von Weisungen u u t e r dem persönlichen Vorsitze des. Bundeskanzlers zusammenltreten. Jim Sinne dieses MnisterraGbeschluffes hat die erste Sitzung unter dem Vorsitze des Bundeskanzlers Doktor Ramek Dienstag vormittags stattgesiunden. ' MS Erspavungsfuniktionäre sind vom Ministerrat bestellt die Ministerialräte: Dr. Groß (BundeskanZleramt, Inneres und Aeußeres); Dr. Loebelil (BündeskanFeramt, Justiz); Dr. K all i n a (Unterricht); Dr.' W >l e e 1 (Soziale Verwaltung); Dr. Becker (Finanzen); Kriehuber (Land- und Forstwirtschaft) und Dr. R 0 n n i n g e r (Handel und .VeÄchr) sowie General S ch i b' e V (Heerwesen). «Sie wurden gleichzeitig für ihren Ressortbereich auch mit den Aufgaben der Verwaltungsinfpektion 'betra'Us, deron Zweck es unter anderem auch ist, künftighin die entsprechende Einhaltung der Amtsstundcu zu überwachen. Dieser Jnspektio nsd i.e nst wird auch auf alle Unteribehörden erstreckt werden. Arbeit gegenüber der Utkraft der Inspiration überwiegen, tu all diesen Arien, Duetten, Terzetten, Chören - und Ensembles überzeugt die hohe sittliche Kraft eines wahren Dichters in Tonen, der seine eigene Weltanschauung hat. -Darum tut es denk Adel des Werkes auch keinen Abbruch, «daß sich vielerlei Stil- und Wesenselemente hier geltend machen: Zwischen Wagner und Strauß (mit seinen Zerbinetta-Kvloraturen) drängt sich Brahmsscher Trotz, Mozartsche Leichtigkeit, Mahlerscher. Wnnderhornton. Pfitznersche Herbheit inn Orchesterkolorit und ganz besonders in der Harmonik usw.» doch über all dom. lagert gleichsam als feine Lasur die Braunfelssche Persönlichkeit, die fremde Einflüsse wohl einzuordnen vermag. Er ist ebensowenig Verkünder der Sinnensreude wie Diurnist des gangbaren Theaters und doch in höherem Sinne Me'lodiker und Dramatiker zugleich. Und darum, verdiente er den starken Erfolg, durch den er mmmohr auch die Stadt Wien erobert hat. Es war zugleich ein Erfolg der Bolksopor, vor allem ihres Orchesters, das — wie immer unter Leitung .des ansgeAerchneten Dirigenten Dr. Fritz Stiedry — ganz hervorragend rrmsizierte. Auch die Nachtigall der Frau Tinka Wesel-Polla, die mit.ihrer ganz ungewöhnlich sicheren, umfangreichen und ergiebigen Kölovatur spielend die unsäglichen Schwierigkeiten der Partitur meisterte, darf sich hören lasten. Im übrigen mußte man — arme Leute kochen mit Wasser — teil-tveise mit ztveiten Kräften vorlieb nchnren, die ihre Ausgaben Mcklich lösten. Herr Dr. Kroe^ ger als Hoffegut ein warmblütiger Säuger und Idealist, Herr Bandler als Ratefreuüd übertrieben grotesk>nd doch nicht durchwegs komisch, Herr Baumann als Prometheus durchaus würdig^ nur in der Baßtiefe nicht wuchtig genug, strebsam Herr Tauber als Wiedehopf, niedlich Fron Bäck als Zarm schtüpfer. Rühmen wir mch die Bemühungen'des bescheidenen Balletts und des Regisseurs Friedrich Neubauer, der trotz des Tiefstandes in den Kasten «der Szene dH. Möglichste abrang! So darf man wieder hoffen, daß dieses , fiir die Wiener BtuMpstege unenchbehrliche. Theater. uns erhälten bleibt und dank der Energie seines Ausgleichverwalters Josef Rei-tler einen neuen Aufschwung nimmt. Ertvm Felder.