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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-22 · Heft 2128 (22.1.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2128 (22.1.1925)
Date
1925-01-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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GWk 8 Men, Donnerstag Ra-Hofer und Frank in Berlin. Der eine faß, der andere stand . . . Tie beiden Führer der österreichischen Großdcutschen, der ehemalige Vizekanzler Dr. Frank und der Vizepräsident des Nationalrates Dr. D i n g h o f e r sind vor einigen Tagen nach Berlin gewillfahrt, um sich dort von den nationalen Parteien, die eben jetzt im Reiche ans Ruder gelangt sind, Rat zu holen. Wes das Her; voll ist. des geht der Mund über. Dr. Dmghofer, der bereits au einigen Empfängen teilgenommen hatte. n>er gegenüber denr Korrespondenten seines Wiener israelitischen Leibblattes, das auch stnn'mell die Kampagne seiner verunglückten Bewerbung »vm die Buirdespräsidentschaft führte, sehr red'elig. Als Zrw-ck der Berliner Wallfahrt bezeichnete er die Erörterung poetischer und wirtschaftlicher Fragen nrit den deutschen Staatsmännern und Politikern. Oesterreich habe ein neues Genfer Abkommen abgeschlossen; der Raum, in dem es durch dieses Abkommen hineigez-v-angt wird, durfte sich als zu eng eritvevsen. ift möglich," so schwätzte er aus der Schule, „daß wir wieder nach Gens gehen müssen und daß dort über das zukünftige Schicksal Oesterreichs ernste Entscheidungen getroffen werden auf Grund der Erkenntnis, daß die Angliedcrung Oesterreichs an ein größeres Wirtschaftsgebiet nötig ist. Natürlich kann es uns nicht gleichgültig fern, in welcher Weise sich eine solche Angliedevung eventuell vollziehen würde. Wir wollen wissen, sb vielleicht eine größere wirtschaftliche Annä'hevung Oesterreichs an Deutschland ins Auge geftlßt werden könnte und ob man in Berlin darüber informiert ist, wie sich die Entente zu einer solchen wirtschaftlichen Annäheruilg an Oesterreich stellen würde." In Wien hat diese rasch 'bekannt geworbene Aeußerung manches Kopffchütteln verursacht, zumal die hier akkreditierten Vertreter der G^rantiestaoten Einiges darüber bemerken zu müssen glaubten, daß Plötzlich ein führendes Mitglied der auf das Genfer Programm mit eingeschworenen zweiten K o a l i t i o n s p a r t e r wieder die Me Anschbußfanfare ertönen läßt. Auch der von Doktor Dinghofer amgeZweifelte Erfolg der Sanierungsakiion ließ die Meinung entstehen, daß im Gefüge der Parlam en tsmehrhe it nicht alles in Ovbrmng sei. Zu der Erklärung, daß Dr. DinKoser eine in allen großdeutlschen Parlamentsreden ständig wioderkchrende Phrase gebrauchte und, obwohl Präsident des Nationalrates, doch in seiner Partei nunmehr das Gnadenbrot eines ansrangierten P'aradepstrdes esse, hat man sich an amtlicher Stelle nicht bequemen können, ließ aber den - schlechter rrmtenichteten Dinghofer durch den besser unterrichteten Dr. FraNk berichtigen, der in einem zweiten Interview erKären mußte: „Unser Bestreben ist es, uns in den großen Linien der deutschen Politik nicht von den deutschen Pavlamentariern zu entfernen. Alle Nachrichten aber, die darüber hinaus von Aenderungen unserer Politik sprechen, sind Unsinn. Kein vernünftiger Mensch kann jetzt daran Lenken, solche Husarenstreiche zu unternehmen." Es Wird also an der bisherigen deklarativen Anschlußpolitvk der Großdoutschen nichts geändert tverden. Anschlußreden sind ja bei Kommersen üblich und es hat fast den Anschein, daß dir Aeußerung Dr. Dinghofers eiben noch unter der Nachwirkung eines Kommerses entstand, bei dem das alte Lied gesungen'wnrde: „Wir'wollen den Schwär nicht brechen, Nicht Buden werden Mich. Woll'n predigen und spreä-en Vom heiligen Deutschen Reich." Dieses Lied hat schließlich auch die österreichische Militärkapelle am Samstag bei der Reichsgründungsseier der Hakenkreuz'ler gespielt, bei der, weiß Gott, von der Genfer Sanierung, der Fortsetzung des Beamtenäbba>ues und von andere erbaulichen Dingen, um die die Waber, Schürff und Frank bemüht sein sollen, nicht die Redewar. Gsstern abends rückte schließlich noch Dr. Waber aus, dem die Ankündigung Dinghofers über die Notwendigkeit eines neuen Genfer Abkommens schreckhaft in die Glieder gefahren war. Schobers Vertrag von La na und die gleichzeitig einsetzende Anschliuhpvopagwnda. Doktor Dinghofers hat ihn nämlich schon einmal mn seinen Ministersitz gebracht. Er mutmaßt nun, daß Dinghofer ihn jetzt, wo man sich zu einem neuen Gang »rach Genf anschickt, abermals um seine Ministerschbift bringen will. Dartun deutete er m einer Wählerbersa-mmikung in Währing Dinghofers Rede dahin, daß von einem Scheitern der gegenwärtigen Sanierungsaktion selbstverständlich keine Rode sein könne. Es wäre über zum Beispiel, wenn eine Mietzinsechöihung eintritt, Mch eine Erhöhung der Beamtengehälter notwendig, die im Rahmen des Normalbudgets keine Deckung fände. Zur Abänderung des Normalbudgets brauche man aber neue Verhandlungen in Genf. Schließlich dementier t e er, und das war wohl der Hauptzweck seiner Rode, sehr energisch alle Gerüchte von einer Krise in der Koalitionsregierung. Ob natürlich ein Koatkirlonssystem«aus die Dauer trogfähig ist, in dem der Parteichef der eine n Koalitionspartei zur Vorbereitung des Kampfes um die Schule anffordert, während der a n d e r e Koalitionspartner sich an die Verpflichtung halten muß, Kulturkampffragen ruhen zu lassen, gleichzeitig die Politik von Genf bis zu den letzten Konsequenzen mitzumachen erklärt und unterdes in Bevlin Wer den Anschluß veihandck-n laßt, ist eine andere Frage, , Wiener Morftenzeitun-. Bubi-Kostüme reine Schafwolle, Ia Qualität K 490.000 Feinste Seldenflor-Dnmenstrümpfe früher K 58,000 / ]«txt K 45.000 .^deslstrumpknur L Irattnerhof 2 (Graben) flutbet vor tan Reichstag. Der Kanzler korrigiert die Rede Westarp». — Die Frage der Staatsform „spaltet da» Volk". Innendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Betlin, 21. Jänner. Tie gestrige Rede des Deutschnationalen Westarp hat auch in den Kreisen der die Regierung unterstützenden Parteien, namentlich beim Zentrlnn, böses Blut gemacht. Besonders irr dem Ausdruck „Gerede von der BerftändigungS- Politik", den Westarp gebraucht hat, wird eine schwere Gefährdung der Außenpolitik gesehen. Das Zentrum verlangt Garantien gegen künftige „Entgleisungen" solcher Art; deshalb wurde auch die Abstimmung über die Billigungsformel auf morgen verschoben. Heute tarnen in der Debatte über die Regierungserklärung die Demokraten durch den Abgeordneten K o ch zu Worte, der heftige Angriffe gegen die Deutschnattonalen richtete. Er sagte, man begegne im Ausland dem Irrtum, daß man die Deutschnationalen für W 9 lfe im Schafspelze halte. Tatsächlich hätten sie aber nur Wolfspelze umgehängt, und was darunter stecke, brauche er nicht zu sagen. Dennoch erklärte er, die Demokraten würden gegen die Regierung iu ihrer Außenpolitik nicht von vornherein opponieren. Noch lauer war die grundsätzliche Erklärung, die so recht der unglückseligen Wenn- und Aber-Politik der heutige»! Vertreter der deutschen Demokratie entspricht; Koch stellte die Frage an den Reichskanzler, ob er jede Agitation gegen die Republik mißbillige und von den Leuten äbrücke, die das neue Kabinett als Instrument gegen die Republik benützen wollen. Wenn die Antwort des Reichskanzlers die De° »nokraten befriedige, würden sie dem Kabinett freies Spiel lassen, bevor sie sich auf Grund seiner Taten endgültig entscheiden würden. Nachdem die Redner der Wirtschastspartei und der Bayrischen Volkspartei gesprochen und der Nationalsozialist Graefe, der die Aufhebung der Dawes-Gesetze forderte, durch seine Angriffe auf den Reichspräsidenten starken Lärm entfesselt hatte, hielt Reichskanzler Dr. L u t h e r das Schlußwort. Seine Rede war rnehr als lendenlahm. Ueber die Zeitfreiwilligen hatte er nichts zu sagen, als daß die Erörterung solcher Dinge im Auslande schade. Dann korrigierte er die gestrige Rede Westarps, indem er erklärte, für die vaterländischen Verbände würden selbstverständlich wie für alle anderen die Gesetze in Anwendung gebracht werden. Graf Westarp habe wohl auch nicht die Förderung der vaterländischen Verbände, sondern der vaterländischen Bewegung gewünscht, die die Regier»»ng allerdings begrüße. (Lachen links.) Auf Amnestierufe der Kommunisten erklärte Doktor Luther, die Regierung habe in der Amnestiefrage keine klärung zu geben. Dies löste heftigen Sturm aus, den die Ausschließung des Kornmunisten Abgeordneten Schwarz noch steigerte. Die Sitzung mußte unterbrochen werden. Nach Wiederaufnahme der Sitzung beendete Dr. Luther seine Ausführungen, indeut er sagte: Der Abgeordnete Koch hat an mich die Frasse gerichtet: Mißbilligen Sie die Agitation gegen die Republik? Selbstverständlich ja. Andererseits achte ich auch den Artikel 118 der Verfassung, der jedem Deutschen das Recht der freien Meinungsäußerung innerhalb der gesetzlichen Schranken einräumt. Es liegt bereits ein einmütig gefaßter Kabinettsbefchluß vor, daß die Staatsforrn nichtgeändert werden soll. (Gelachter links.) Mir ist es aber ernst, in dieser das Volk spaltenden Frage der Staatsform schon bei Beginn meiner Tätigkeit die Einrnütigkeit der Regierung festzustellell. Die Weiterberatung wurde sodann auf »»torgen, 11 Uhr vormittags, vertagt. Im preußischen Landtag leitete Ministerpräsident B r a u n die heutige Debatte mit einer großen Rede ein, in welcher er sich mit der Rechten auseinandersetzte. Er erklärte, die Deutschnationalen wollten nur die Macht in die Hand bekommen, um das alte Preußen wiederherzustellen. Weiters wendete sich der Ministerpräsident gegen die Ausführungen des Abgeord? neten W u l l e über die Einwanderung von O stj u d e n, die er als antisemitische Wahlrede bezeichnet. In dieseln Zusammenhang weist er auf eine Proklamation hin, die Ludendorff im Kriege „An meine geliebten Iidden" in Noten gerichtet habe. Dann sprach ein Bolksparteiler für die „bürgerliche Koalition" und wärmte dabei den alten Kohl von» „Dolchstoß von hinten" auf. Ministerpräsident Braun erklärt, er halte an seiner Aeußerung fest, daß der Zusammenbruch denen zuzuschreiben sei, die zum Kriege gehetzt hatten. E» kommt zu einer minutenlangen stürmi- 22. Männer 1925 Nr. 2128 s d> e n i> v o 1 e fl kund g c v u n g d e v R c ctz i e »t, die schließlich Den Saat verläßt und erst zurnckkehrt, als der Ministerpräsident seine Ausführungen beendet Hai. 'Juu'iöcm der Minister des Innern Severing sich für eine Regierung der großen Koalition ausgesprochen hatte, wurde die Abstimmung über die Vertrauens--, bezw. Mißtrauensanträge auf Freitag vertagt. Sin eigenartiger Vorgang. Verhaltungen in Kassel. Kassel» 21. Jänner. (Wolfs.) Wegen eines eigenartigen Vorgänge? bei der Kreditgewäbrnng an ein« hiesige Jndustxiefinna seitens der Landeskreditkasse K a s s e l sind ans Anordnung des Untersuchungsrichter« der Leiter der Bankabtrilttng dlestrKreditkasst Landesrat Kappe und die früheren Inhaber der Finna K a tz st e i ir, Wilhelm »md Friv K a tz st e i n. verhaftet tvordeu. Gegen diese Personen wurde die gerichtliche Unterfnchlmg »vegen Bestechung und Betrüge« einaeleitet. Mn Leipziger fthuuitftmttat. Berlin, 21. Jänner. Wir die Blätter aus Leipzig »neiden, sind bei der Leipziger Stadtba n <i große Unregelmäßigkeiten aufgedeckt worden. Mehrere Beamte der Bank haben gemeinsam unter Urberschreitung ihrer Dienstvorschriften einer Firma fortlau s e n d e Kredite gewährt und dies mehrere Monate verheimlicht, bis die Kredite eg» einer sehr großen Sumnre angewachsen waren. Es dürfte mit einem Verlust der Baick von 150.000 bis 200.000 Mart zu rechne»» sein. Die beide»» hauptsächlich, belasteten Beainten sind sofort ihrer Posten enthoben und gegen sie ist das Disziplinärverfahre»» eingelertet worden. Ruprecht aimmt Ludeudorsir «ntschuldigun, nicht an. München, 21. Jänner. (Südd. Korr.-Bur.) Von^der Vertretung des Kronprinzen Ruprecht hat d.is Süddeutsche Korrespondenzbureau -eine Zuschrift evhalteti, iu der es >»mter a>nderem heißt, daß aus dem am 18. d. vo»t General Ludendorss an den Kronprinzen gerichtet«»» Briest der Kronprinz die Bereitwilligjkeit des Generals entnomnren habe, »n Der.Handlunge»» Über die A>»»ishebung der Folgen einzntreten, die durch die u n tv a >hren Beleid»gungeir des Kronprinzen durch den Geuerail entstanden waren. Die BerhaMungen sind a-nt IS. d. durch die Weigerung des Generals, Genugtuung zu ileisten, gescheitert. Die im 4lnischlusse an die-Veröffenllichu-ng des Brieses oibgegebene Eicklävung des Generals L-udendorff ist geeignet, in der Oefstntlichkeit den Anschein zu erwecken, als stelle sie die vom Kronprinzen geforderte Geivugtuu>ng dar. Dies i st n i ch t d e r F n l L Die Bezeichnung dieser Erklärung M Gemtgtuung 'für den Kronprinzen muß daher als eine schwere Irreführung der öffentlkichen Meinung bezeichnt werden. per Kartossel-WindksikarStz leistet Mbitte. Budapest, 21. Jänner^(Ung. Tsl.-Korr.-Burea»»-.) Prinz Ludwig Wrndischgrätz hat vor etwa vier Zähren in eine»n Budapester Blatt unter der Ueberschrfft: „Der Zusarmnert'bruch der Monarchie" einen längeren Artikel veröffentlicht, tworin er beihaichtete, die Karolhi-Gruppe hckbe bereits »m Jahre 1017 aus Frankreich größere Beträge Zu pazifistischen und desaitistischen Ziveckerr erhalten, Aber deren Verwendung die dauraligen Abgeovdueten Abraham und Ho>11 o verfügt hätten. In dent wegen dieser Behauptung ftir heute aniberaumten B e r l e u m d rt n g S p r v z s ß erklärte Windifchgvätz, er fei durch falsche Informationen irregesiihrt worden, weshalb er mannhaft A>bbitte lleist«. Jnsollge dieser Erklärung wurde das weitere Verfahren eingastettt. Sine Ledtter-gntttpellaNon im -orthp' Parlament. Budapest, 21. Iäncr. (Ung. Tek.-Korr.-Bur.) J»l der heutigen Sitzung der NationalivevsamnMng interpellierte Mbgeordneter Mesko den LandeSverteidiguingsministor, wer dafür die Verantwortung trage, daß der wegen einer Mordaffäre vielgenannte Gendarmevieoberlelltnaut Lederer unter die GendarnterioWeve ausgenonune»» und der Gatte einer Mizzi Schwarz aktiver Offizier fein konnte. .Landesiberteidtgnntzöln'inister Gras Czaky erwidert, er!ha>be tu dieser Angelegenheit eine Untersuchung einleiten lasst»», die noch nicht zur Klärung aller Einzoliheiten gefi'chvt halbe. Lederer fei seine Ehe im Jahre 1918 in Preßburg eingega-ltgen, als er Restvveoberleutnant »tnd arbeitsloser Privatlbeamter war, so daß nientand ein Recht hatte, danach zu fragen, wie er z»t feiner Frau kam. Bei seiner Aktivierung figurierte er als ledig, und die Frage ist »loch nngeMrt, wie er es verheimliche»l konnte, baß er eine Frart Wie. Die Antwort des Ministers wunde zur Kenntnis ge N0MMN. Brterlnstrftre» in Vrlinn. Prag» 2l. Jänner. Me die Blittter melden, sind dss Studenten an der tierärztlichen Hochschule in Streik getreten. Sie oerlangen die Absetzung des Professors Dr. Karl P n v b ir f i, M Vorstandes der Augenklw",

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