Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2128 (22.1.1925)
- Date
- 1925-01-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981213--21719-3009058- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
IPoieti 20oroml Wien: Zum Abhofen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, ode» in einer Verachleisatelle Slraflk) monatl. K 40.00C trasaenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Poatveraand für Wien u Oesterr. monatl. K 40.00t Taehech o-Siowakei Mob. K 20 Innoalawien Mon. Dinar60. Po len: Mob. 37t Zloty, Deutschland Mon. Goldmark 4, F r a n k r., Belgien: Mon. Pres. 15 MP N«ekuhi«>(ei *MI bei tVetnertiftlinflfen «arhtliiiltM Wiener oroenjeitmm ( u 14001 England: Mon.4 Schilling Italien; Monat' 15 itt, Rumänien Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon. **0 I ewa, Schwei? unH Has übrige Ausland mnn^ t’feh Pres. 4. Redaktionn Administration Wien II., Taborstr. t— 3 Telephone: 11-0-3«, 43-3-19. A’dtrrhfahd« 21-102.25-282 IX. Universitütsstrasse 6—3 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Post spar1 Vaaucn k'ontn Nft PVP Nr. »128 Sie», Sonnentag, 22. Mnner 1925 7. Saltraann Einigung zwischen ~ " und Gegenseitige Privilegien in Handel und Verkehr. (Eigendienst -er „Wiener Morgenzeitung".) Peking, 21. Jänner. Wie -der Vertreter von U-sted Preß an zulständiger Stelle erfährt, sieht das h'er g e st e r n abends Unterzeichnete Abkommen Zwischen Rußland und Japan die Anerkennung Rußlands vo-m Moment der Ratifizierung vor, die in zwei Wochen erwartet wird. Die Frage der Schulden aus der .Za r e n;e i t wird, einer späteren Regelung Vorbehalten. Alle Abkommen der.häretischen Regierung werden annulliert, nur . -er Vertrag von Portsmouth lbleilbt bestehen, allerdings mit .der Einschränkung, daß Rußland die' Uebernahme der Verantwortlichkeit für die Folgen desselben verweigert. Diese Einschränkung findet ihren Grund in.der russisch-chinosischen Freundschaft. Japan ..sowölhl wie Rußland gewähren einander gegenseitige Privilegien im Handel, int .Paßweftn und hinsichtlich des Aufenthaltes ihrer Untertanen. Beide Staaten verpflichten sich, jeder Propaganda im Gehiet -es anderen sich zu enthalten. Japan räumt Sachalin, lvelches von Rußland int Frühjahr 1928 offiziell Llkernemmen wird, doch behält Iapan für fünfzig.Jahve die Konzession Kur i Ausbeutung der Halste -er Kohlengruben und Petroleumquellen, wogegen Rußland 10 bis 15 Prozent der Petroleum- und 6 bis 8 Prrgont der K o h l e N p r o d u k t i o n ' erhält. Außerdem sicherte Japan privat und in bedingter Melle die MchtunterKeichnmvg des P r o tokolls über B e ßa r ä b i e n zu. Eine Note Chinas. Peking,-21. Jänner. Der chinösische Außenminister hat an.die S o w j e t b o t s.ch a f t und die japanische Botschaft in Peking eine Note gesendet, worin erklärt wird, daß China den Vertrag zwischen Rußland und Japan n i ch t a ne r k e n n e n werde, wenn er i n irgend einer Weise die chinesischen Jntereffen verletze. Wir haben am 24. Dezember auf die weitgelhende Wirkung dieses Vertrages aufmerksam gemacht, -der die Bevhältniffe in Ostasienrevolutionioven rnuß. Die Rückgewinnung Sachalins, das Witte im Frieden von Portsmouth hatte äbtreten müssen, ist ein sehr bedeutsamer, moralischer Erfolg der Sowjetregievnng!, die ihre Gebietshoheit zum ersten Male im fernen Osten wieder hergestellt sieht. Erweitert wird dieser Sieg nach der politischen Seite durch die nun auch seitens Japans ausgesprochene de-fure-Anerkeunung der Sowjets, der nunmehr auch die Aufnahme des diplomatischen Verkehres folgen wird. Dadurch wird Rußland wieder zur größten Macht Aisiiens und kann mit gesteigerter Intensität auf diesem Boden seine Agitation betreiben Die geänderte Situation wird sickschön in der nächsten Zeit bei der Neuaufnahme der Verhandlungen mit England zeigen. , Die Spitze dieses Vertrages richtet sich in der schärfsten Weise gegen die Bereinigten Staaten, deren national'stischimporialistische Politik zwischen Rußland und Japan die Brücke errichtet hat, auf der diese beiden Feinde einander begegnen. Die Petroleu»u''vuten Sachalins sind eilt Mer Wunsch der japanischen Kriegsmarine, der in dem Abk mmen diese wichtige Ressource gei'ichert wird. Es mußte stets die Raison Amerikas sein, diese Einigung izn verhindern. Aber der Jingoismus ist stär>ker als jode Logik. Die Beleidigung Japans durch die Asiateuparagrapihen der Einwaudevungsbill wurde durch die Bvüskierung Rußlands ergänzt und man -kann an diesem Beispiel wieder einmal sehen, welche.. verbrecherische Dummheit hinter der schmutzigen Fassade der Rassenpclitik steckt. Rußland und Japan echäl^en freie Hmdund so tr'sst -der Zynismus des Ku-EluxShstems. die Vereinigten Staaten und die europäischen Mächte, die noch üller die Einheitsaktion gegm MoWau beraten. .Ihre Front ist an' d"r cstasiatischn Stelle durchbrochen.' England rn Jr.die.r. Dir Eröffnunz des indischrn Parlaments. Delhis 20. Jänner.. (Reuter.) . Der Vizekönig von Indien Lord Reading betonte bei der Eröffnung -des indischen Pavlantents zunächst die freundschaftlichen Beziehungen zu A f g h a n i st a n. Weiter erklärte Lord Reading, die allgemeine Befriedung v"n Masiristau werde fortgesetzt. DieErnteaussichten Indiens seien ausgezeichnet. Infolgedessen sei eine 'Besserung der wirtschaftlichen Bedingungen und der Aussichten'des Handels nach dem Ausland wie auch im Inland sicher zu erwarten. - Lord:Reading .verteidigte sodann die scharfen Masinahmcn,. die ergLiffew^chotä^U,-seien.. um den Terror in B e ng a len zu: unterdrü^en, und betonte die Notwendigkeit, eine Lahmlegung der Regierung zck verhindern und den Frieden anfrechtzuevhalten. Die Regierung beschäftigte sich übrigens mit den weitverbreitet e n g e h.e i m e n V e rbä n b e n. Ein politischer Fortschritt sei -nuvereintbar mit 'Gewalttaten. Luftflottenbasis in Singapove. London^ Ä. Jänner. (Havas^) Wie „Daily Mast" rneldet, hat das Reichsverteidig'üiNgsDontitee den Plan der Schaffung , einer großeu L u f t f l ottenba s i s i n S i n g a p o r e genehmigt. Keinebritisäe Reichrlonferenz. London» 20. Jänner. (Reuter.) Da die parlamentarischen Arbeiten den Regierungen der Dominions und Indiens den Zusammentritt einer 'Reichskonferenz in London zur Prüfung des-Genfer Protokolls unmöglich mqchen, hat die englische Regierung beschloffen, sich des Schriftwechsels zu bedienen, um zu gemeinsamen Bei chlüssen zu gelangen. Ser Wahabtten-Kriea. . London, 22. Jänner. (Tel.-Komp.) Nach Moldungen ans dchn H e d s ch a s bereiten die W a h a b i t e n : einen neuen Angr iff auf Dscheddah vor. Es wurden Borke-Hvungen: zum Schutze der Fremden getroffen. Ueber die Stärle. der beteiligten Streitkräfte liegen keine genauen Angaben vor. Die Uebergabe von Dschodda. scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Die iudi>sch^mbha.mntedanlfche Delegation, die sich in Dscheddah anfhält, .hat: eine Erklärung erlassen, die sich für die rep.ublikanische Verwaltung der h e i ili g e u: S ta t t e n de s' I s l a m mit dem Bovbelhalte ausspricht, daß der Sultan von Nedid, Ib n Sa ud, bis Mir m o h a m m e d a n i s ch e n Weltkongreß die Kontrolle fiihren soll.. . kin Hltler.Putschift verhaftet. Berlin, 21. Jänner. Nach der „Vofsdschen Zeitung" ist der fvühere nationalsoMlisttsche' Reichstagsabgeordnete v..H e y de brock gestern in' Berlin aus Veranlassung des Staatsgerichtshoseü zum Schutze der Republik wegen BeteMguatg' au den 'oberschlesischen Unruhen a n l ä ß l i ch des Hitler-Putsches bevhastet worden. Hehdebrock war Führer der Hitler-Bdivegung in Oberschlesien' Das Berfähren gegett ihn' iva.r infolge seiner Wahl in den Reichstag eingestellt worden. Durch die Auflösung des Reichstages erlosch seine Jnmrunität, daher ist das Berfahrcu wieder aufg'euominen worden. Die Wien-Berliner Intrige. —y. W i e n. 22. Jänner. Der Reichstag hat vorgestern die Programmrede des neuen Kabinetts angehört und Ist in die Debatte eingetreten. Der Reichskanzler erklärte, die republikanische Verfassung sei die rechtliche Grundlage seiner .Regierung. Das ist unbestreitbar richtig, da ja das Kabinett ohne die Verfassung nicht ernannt worden wäre. Herr Luther versickerte dann, er werde jeden gewaltsamen oder ungesetzlichen Angriff auf die Verfassung -•* Hochverrat verfolgen. Für diejenigen unter seinen f unden auf der Rechten, .die in diesem Punkt kitzlich firuo, fügte er beruhigend hinzu, die Negierung wolle die Bestimmungen der Verfassung m der Richtung nachprüfen, „daß das Staatswesen mehr als bisher innerlich gesunde". Kenner der deutschen Sprache werden diese Redewendung als einen argen Verstoß - empfinden, da-man ja nicht mehr als bisher gefunden kann. Es kommt allerdings hier nicht auf den Ausdruck an. Der Sinn ist verständlich. Die Verfassung soll geändert werden, und ztvar in der Richtung, wie dies dann in der Debatte gesagt wurde, als Vorbereitung der Monarchie. „Gott sei Dank!" bemerkte einer auf der Rechten und bekräftigte so alles, was bis dahin nur als .Vermutung geäußert worden war. Die Teutschnationcvlen, die dieses Kabinett mit ihrer lauten Zustimmung begrüßt haben, mußten verschiedene Kompromisse mit ihren programmatischen Fordertlngeri /hrachett, ohe. sie' die äügeftMtett Portefeuilles besetzen konnten. Bete an, was du verbrannt hast, verbrenne, tvas du an-gebetet hast! Sie sind Monarchisten und stellen sich auf den Boden der Republik; sie lehnen die Sozialpolitik ab und bekennen sich plötzlich, als heiße Freunde einer Ausgestaltung der Sozialversicherung. Sie' sind für die Londoner Beschlüsse, für beit Dawes-Plan, für Verhandlungen über die Kölner Zone. Sie sind heute für alles, was sie gestern noch als jüdisch anspuuten, was sie in ihrer Presse und in ihren Versammlungen als Diktat der Alliance isvaelite denunzierten. Hat sich die Welt gewandelt? Ist heute weiß, was gestern noch schwarz war? Für die Nationalen hat es sich nur darum gehandelt, die Macht in die Hand zu bekommen. Die sckweren parlamentarischen Kämpfe, die nun kommen müssen, sind nur Einleitungs^ gefechte zu dem zweiten Teil der monarchistisch-a-ntisemitischen Genevatofsensi-Ve. Der erste Teil war von Hitler und L-udendorsf durch ihr täppisches Losschlagen verdorben worden.' Was dem Schwert mißlungen, das soll jetzt durch die Minister gutgemackü werden, die an der entscheidenden Stelle für die Entfernung der n-och verbliebenen republikanischen Beamten, für die Eroberung Preußens und ftir eine sorgsamere, geräuschlosere Bekämpfung des jüdischen Elements wirken, werden. Für das Hakenkreuz kommen wieder gute Zeiten. Das Ausland, mit dem Deutschland zu rechnen hat, ist von dieser Wendung nicht so sehr erfreut, und es ist ein schweres Zeichen, daß die Handelsvertragsverhaudlungen nüt Frankreich ins Stocken geraten^ sind. Just diesen Augenblick suchen sich bie österreichv^en Großdeutschen aus, um in Berlin bezüglich des Anschlusses zu sondieren. Die Herren Dinahofer und Frank find dort erschienen, um die österreichische Frage aufzurollen. Da es österreichische Großdeutsche sind, war es .freilich nicht zu verhindern, daß sie nicht einmal in dieser Angelegenheit den ihnen erteiltet! Auktraa versieben. Wenigstens erklärt Herr Frank, eine Aendevung des gvgeu'wärtigetl Zustandes sei eilt Unsinn. Das ist einmal. wahr. Denn der Genfer Pakt besteht zurecht und er spricht die Unabhängigkeit Oesterreichs aus. Soll es damit anders werden, so müßte vorerst die Frage der Rückzahlung der Kredite gelöst sein, abgeseben von der nicht so ganz unwichtigen Frage, ob sich für den Anschluß heute eine Mehrheit in Oesterreich fände. Mit dieser plumpen Intrige, die auch Oesterreich in die weißgardlstische Abenteuerpolitik hineiureißen soll, hat es kürze Wege. Aber sie enthüllt das deutschnationale Ränkespiel, das aus Mitteleuropa immer wieder ei» Kriegstheatcr machen will. ‘ * WinterRäumungsverkauf an tief reduzierten Pt «Isen im Warenhaus HSchiffmann II. Taborstraüe 48 Fn gras Kn 4 » 1249