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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-21 · Heft 2127 (21.1.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2127 (21.1.1925)
Date
1925-01-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wien, Mittwoch i Kk. §M W i e n, 21. Jänner. * Die gottgewollte Ordnung. Bekanntlich Henken die Nürnberger leinen, bevor sie ihn nicht haben. Diesen Wahlspruch hat sich die vielgerühmte deutsche Ordnung in den letzten Jahren in geradezu weitherziger Weise zu eigen gemacht. Jahrelang konnte der forsche Kriminalbeamte Haarmann Teilte Verbrechen verüben, feit dem Jahre 1913 hat der Menschenfresser Denke -Handel mit dem Mersch feiner Opfer getrieben und keiner von ihnen wurde von der Polizei behelligt. Mer da kam ein HandwerkSburische zu Denke, bettelte ihn um eine warme Mahlzeit an und erhielt einen Axthieb. Verwundet kam er zur Polizei und erstattete die Anzeige, durch welche das furchtbare Treiben des Massenmörders erst entihiillt wurde. Nun nahm die Gerechtigkeit ihren Lauf: Dem Denke konnte sie nichts anhabcn, da er sich ihr durch Erhängen entzogen hatte. Mer der Handwerks bursche mußte für mehrere Wochen ins Loch; denn er hatte gebettelt. Nun hat er bei Wasser und Brot Zeit darüber nachzudenkon, wie um die gottigewollte deutsche Ordnung bestellt ist: Hätte er sich erschlagen lassen, so wäre er nicht bestraft worden.' Die deutsche Ordnung weisz eben — und das zeigt sich in der letzten Zeit imnr-er mehr — stets den Richtigen gu fassen und oer verdienten Strafe zuzuführen. * Amtseinführung des Oberrabbiners vo» Wiener-Neustadt. Aus Wiener-Neustadt wird uns berichtet: Vorigen Sonn« taa wurde der neu-ge-wählte Oberrabbiner der hiesigen Israelrrischen KuLtuSgemernde, Herr Heinrich Weih, in sein Amt emgeführt. Der Feierlichkeit, "welche in dem herrlich dekoriertm -Mid prachtvoll beleuchteten Tempol stattfand, wohnten ^zahlreiche Rabbiner von auswärts, Vertreter der Kultusamneiude Wien und aus den Pr-oviliMmeiudan, Zahlreiche ciwdevevtreter des Bnvgcnlandes und die Vertrete.! der yiesigoir Behörden bei. Magistvat-srat Dr. St-öcklmayer -^grüßte den neuen Oberrabbinor namens des Stadtrates Wi euer-Neustadt und beglückwünschte ihn gn seiner neuen Stellung. Hreraus hielt der neue Oberrabbiner die Füstprcdigt, welche mit eiinem Gebet für den Bundesprä'stdenten. die Landesregierung und die Stadtgemeindcvertrotung schloß. * Dr. I. N. Epstein an das Institut für jüdische Wissenschaften in Jerusalem berufen. Aus Jerusalem wird berichtet: Das Institut für jiddische Wissenschaften an der höbräischen Universität Jerusalem, hat Är. I. N. Epstein aus Berlin eiugeladeu, eine Professur zu übernehmen. Er nahm die Berufung an und wird zum zweiten Semester, ungefähr um Pessach, in Jerusalem erwartet. Dr. Epstein ist -einer der hervorragendsten lalnmdifchen Philologen und einer der besten Kenner der Literatur ans der Zeit der Gaomm. * Die Keren-Hajessod-Aktion in Memel. Aus Memel wird uns geschrieben: Herr Ingenieur D. Klimker aus Palästina, der Bevollmächtigte des Londoner Direktoriums des Keren Hajestod, weilte -einige Wochen in Memel. Unter seiner Leitung wurde die Aktion in Memel mit großem Erfolg durchgeführt.. Bei einer Gemeinde von nur einigen tausend Seelen haben wir weit über 2oO Zeichner mit einem Betrag von zirka 4 50 Pfund monatlich oder 54 0 0 Pfund jährlich, gewonnen. Drei öffentliche, sehr gelungene Borträge des Herrn Klimker haben viel dazu beige-trägen, den Paläst inage-danken in unserer Stadt gu verbreiten. * Das Wetter. Die Lage für Mitteleuropa und das Wetter in -Oesterreich sind unverändert. Die Voraussage meldet: Herrschender Weitercharakter anhaltend. Temperaturabnahme. * Die LehenSmittelmarkte. Dis LobenSmittolimärkte bieten andauernd ein ruhiges Bild. Angesichts der vermmderten Kaufkraft halt sich der Verkchr aus allen Konsumgebieten in den bescheidensten Grenzen. In der Groß-markchalle, lvo gestern 16 Waggons verschiedener Fleischarien .ernlangten und außerdem noch große Vorräte lagern, war der Absatz ganz mtbedeuten-d. Der Naschmarkt verfügte g^tern über günstiae Anlieferungen in allen Gcmüfesorten. Auch hier ließ der Ab« -fatz Vvel M wünschen übrig. Bei einzelnen Gemiüsesovten wurden die Preise mäßig Herabgesetzt. Die Eierzufuhren sind infolge günstiger Produktion angesichts der anhaltend warmen Witterung im Znnelhmen. * Die Erricht» rrg vo» Fre-iantenne» muh augemeldet werde». Der Wiener Magistrat hat am 10. d. elnvernehaMch mit der Genevaldirekt'wn für das Post-, Telmraphen- und Fernsprechwesen folgende Verordnung erlassen: Die mit Verfügung der Genorcvldivektwn für das Post-, Telegraphen- und Fevnsprechwesen vom 10. Oktober 1924 angeordnete Anzeige über die beabsichtigte Errichtung von Antennen im Freien hat der Inhaber der AnteunenanLage vor ihrer Errichtung an den Magistrat (derzeit an die Magistratsaibteilung 27 im Neuen Wiener Rathaus) zu erstatten. Zur Zeit der Erlassung Vieser Magistratskundmachung bereits errichtete Freiantennen sind dieser Stelle binnen vier Wochen anzuzeigen, falls eine solche Anzeige nicht schon vor Erlassunig dicher Kundmachurva schriftlich erfolgt ist. * Die Rohrpostzustellultg am Sonntag. Wie wir erfahren, werden von letzt ab an Sonntagen die nach 9 Uhr ai£>.enfcö in die roten RohvposWstchen eigelagten Karten nicht mchr ar.sgchoben und darum auch nicht nichr.zugestellt werden. Rchrpostkarten, die -an einem Sonntag nach 9 Uhr abends aufgegeben werden, können daher nur dann auif Bestellung rechnen, wenn sie nickt in den roten Briefkasten, sondern bei den diesen zunächst gelogenen Postamt auifgegeben werden. * Samariterkurse der Rettungsgesellschaft. Sonntag den 3. -Februar beginnt bei der NettungSgesellschaift der Samariterkurs für Mälmer, der an acht aufeinanderfolgenden Sonnlagen von 9 -bis 11 Uhr Vovnlittags fortgesetzt werden wird. Dienstag den 10. Februar beginnt der.Samariterkurs für Frauen und Mädchen. Er wird an jedem Dienstag und Freitag von 6 bis 7 Uhr abends abgeha-lten werden. Einschreibungen -für die beiden Kurse (nur persönlich) tverden in der Zeutralkanzlei der Rettun-gsges-ellschaft, Radetzkystraße 1, 1. Stock, enbgogengenommen. * Die Lebensmüden. In seiner Wohnung in der Habichergasse 19 hat sich Montag nachts der 54jährige arbeitslose Ludwig Franz aus Lebensüberdruß erhängt. — Die ülijährige Hausgehilfin Berta Fäustl wurde in der Küche ihrer Dienstwohnung neben der geöffneten Gaszuleitu-ng mit Zeichen einer LeuchtgaLvevgiiftung tot ausgafunden. Das Motiv des Selbstmordes dürfte unglückliche Liebe sein. — Am 10. d. wurde jgvischen Klosternc-lchuvg-Kievling mtib Kritzendorf die Leiche eines Mannes, der von einem Zuge überfahren worden war, ausigöfunden. Nun ist der Tote, als der 40jährige Rechnungsrat i. P. Friedrich Brügge mann, Sechsichimsn-cllgasse 25 wohrrhast, erkannt worden. Er war seit dem 15. d. vermißt und hat zweifellos Selbstmord bvgaltgen. — Zn der Gudrunstraße hat sich die 20jähvige Schneiderin Anna K. .Wegen häuslicher Zwistigkeiten durch Wol zu vergiften versucht und wurde von der Rettungsgelfelkschaft in das Spital gebracht. — Im Hause Atargareteustraße 91 hat sich die üljähnge HauSgchilisin Paula P. aus bisher unbekannter Ursache durch Einatmen von Leuchtgas zu vergiften versucht. Zu bewußblosvm Zustande wurde sie von der Rettungsgosellichast in das Spital gebracht. — Gestern vormittags hat sich in seiner Wohnung der Haiwelsangestellte Fritz K. wegen Krankheit durch Einatmyr von Aether zu vergiften versucht. Di» B-ettungMeUchyst hvachtz Hu äff fei- HtzM. Wienev MorffSnzeitunft._ si. Jänner 1^25 Gelle 8 ...... Grosser Konzerthaussaal. ■ --.-—.-....- > » » » Mittwoch den 28. Jänner 1025, 7 Uhr abends J! VORTRAG : DR. WOLFGANG WEISI 2 (Jerusalem) 1 Palästina von gertern, heute u. morsen ■ e ■ .....»... ...... .. . ... . 2 Karlen von K 50COhis500iO: Buchhandlung R. Löwlt, e I. Roten türm st rasse 22 (Tel 71-4-25); Menorah Verlag, ■ II. Heinestrasse 16; Mfsraclii, II. Praterstrasse 48 (Tele* 2 phon 40-4-91); Konzerthauskasse (Tel. B7 0 16), a.Outt- ■ mann-Kasse (Schalter Melly Welss\ I. Kärntnerring 3 ■ (Telephon 72-0-51) ■ ■ m n m ■ ■ ■ ■ ■ N » ■ a ■ ■ ■ ■ aaaaa>!”?miaiin * Der Doppelraubmord im Gutensteinertale. Aus Wiener- Neustadt wird uns berichtet: In einigen Wiener BWiern war am 18. d. eine Meldung enthalten, laut welcher die Verhaftung der Frau Klara W i l -l e n b a ch e r in Wien alls Mißgriff der hiesigen .städtischen Polizei dargestellt wurde. Die Genannte wuvoe nämlich in: Sa-watovium Fürth während eines Kranikeidbesn-ches bei ihrem Maime i-m Zusanmnerchang. mit der Nlordaffäre bei Miesenbach verhaftet rmd dem hiesigen Kreisgerichte cürgÄiesert. jedoch sofort wieder ans freien Fuß gestellt, da sich der auf Grund der Schriftsachverständigen gegen sie aiusgesprocheme Verdacht als nicht begründet erwies. Sowohl die -städtische Polizei als auch die BimdeSpo-lizsi in Wiener-Neustadt legt Wert darauf, zu konstatieren, daß die Verhaftung der geuan-ntc-n Frau keine Aktion der beiden genannten Stellen war -und -daher diese Verhaftung keimen Mißgriff der hiesigen Polizei darstcllt. Von welcher Amtsstelle aus die Bemastung veranllaßt wurde, ist hier unbekannt. * Hamsun oder Pederse»? Der berühnlte Romancier Knut Hamsun heißt von Haus aus Pedersen. Dieser Name ist in Skandinavien ebenso'wenig originell wie etwa Müller in Deubschfand. Deshalb nannte sich der Dichter nach dem bei Hammaröi gelegenen Hof seines Vaters Ha ms und; rttlter diesem Namen gingen seine Bücher in die Welt, die sich bekanntlich sehr langsam durchsetzten. Eines Tages „entdeckte" der a-meri'kanische Schriftsteller Mark Twain ('der bekanntlich auch nicht so hieß, sondern Clemens) den nordländischen Schriftsteller und schrieb einen langen Anssatz über ihn; aber Mark Twain (oder der Setzer) verkürzte den Namen um das Schluß-d und so wurde aus Hamsund Hamsun. Pedevsen-Hamsund-Hamsun, der damals .gerade in Amerika weilte, ilas diesen Artikel und sah in dieser Derschrei-bung -einen ,-Wink des Schicksals" für sein Meudonprn. Er blieb fortan bei Hamsun. Nun aber nannten sich sein Bruder, der Zolleinn-ehurer Thorwald Pedersen aus Riksgränsan, und dessen Sohn, der Journalist Almar Pedersen, auch — Hamsun. Und das ist dem Dichter, der den angenommenen Namen zu Weltberühmtheit gebracht hat. nicht recht. WeshaG er Bruder und Neffen verklagte. A-ber das Gericht hat die Klage abgewiesen. Und der Name .Hamsun, den Mark Twain für dm Dichter Pedersen-,Ha-rüsnnd ausgewählt hat, wird nicht m-chr originell sein! (Die nachsteheuden Ankündigungen sind entgeltlich.) Set praktische Einkauf! Alle Schichten der Bevölkerung sind unter beit gegenwärtigen schwierigen WirtichaftSvechältnissen zu äußerster Sparsamkeit gezwungen. Aber der Winter ftcht vor der Tür nnd die Anschaffung des Nottvendigsten an Bekleidung^ stücken läßt sich nicht nurgehen. Billig und praktisch ist nicht dasselbe! ES handelt sich darum, bei aller Billigkeit qualitativ einwandfreie Gegenstände, wie Damen- und Herrenwäsche, Stoffe, Strick- und Wirtwaren und andere Bekleidungsstücke. für den Winterbcdarf zu erwerben. Diesbezüglich zeichnet sich das altrenommierte Warenhaus Brüder Schlflmanu in der Tabor st raße48 aus, das eine reiche Auswahl der genannten Gegenstände jfur freie» Besichtigung vorlogt, Hier ist Billigkeit und Qualität vereint. * Tauziustttut Hermann Braun, 14.Bez., Neiudorsgaste 42, Tel. 83-4-01. zionistische BezirkrseMon Alsergrund ----.7777--- IX. Liechtensteinstraße 11 ... Sonntag den 28. Jänner l. I. um 7aH Uhr vormittags im Heimat-Kino, IX. Porzellangasse 19 Ser neue Palstftinafilm Karten bei der Firma Bellak, I. Werdertorgasse 14, und abends zwischen 6 bis 7 Uhr im Sekttonslokal, IX. Liechtensteinstr. 11 ivereine, Vorträge und Versammlungen. Jüdische Tischgesellschaft Innere Stadt. Heute,. 8 Uhr abends, Cafe Siller, Mezzanin. 1. Bez., Schwedenplatz. Vortrag Dr. Leopold Sofer: „Palästina, eine Sichei ung für den Fortbestand des Judentums". Gäste willkommen. — Handelsvertreter. Heute, 6 Uhr abends, im Cake Landtmann (Festsaal, Souterrain) Trefftag. — B e t h w a a d l't w r i m, 9. Bez., Türkenstraße 9. Heute, halb 8 Uhr abends, Vortrag S. Auerbach über: „JeziratS schel Anton Tschechow". Möglichkeiten für Handel und Industrie i« Palästina. Ueber dieses Tbema ivriä'.r der Ltuter des Palästinaamtes Wien, Herr Dr. Nabu m Blauer, beute um halb 9 Uhr abends irr der Jüdischen Tischgesellschaft Landstraße, 9. Bez., Lüwengasse 90, Cafe Lovrana. _ Palästina von gestern, heute und morgeu. Usber die politische Lage in Palästina wird Dr. Wolfgang W e i * l. d"r sich augenblicklich auf einev Borlragslouru^ durch Dc.-!sä>- l-anid bcfinüet, Mrttwoch den 28.-d. ruu 7 Uhr abends im G r o tz e >r K o u z e x t h -a u s saa l unt-.'r ide-ur Titel „Palästiml voin Mtkvn, heute imb morgen" (pvecheli. Karten von 50QÖ K. bis 50.000 K: Buchhandlung Löwit 1. Bez., Rotenturm straße 22; Menoro-b-Verlag, 2. Bez., .Heinestraße 16; MSrachl 2. Bez., Pvaterstraße (.2; Konzerlhanskafse und Gttttmau-n. Kasse (Schalter Melly Weiß), 1. Dez., KLmtmrring Aadlo-Salon der »Siedet Morgeuzeitnng^ I m „HauS der Dame" Ergo» A.-G., 1. Bez.. Schwede »platz 1. Vorführung der Wiener Sendung täglich vo« 11 biß 1 Uhr mittags nnd von 4 bis 6 Uhr nachmittags. Et«, tritt frei. Kein Kaufzwang. Berka « 5 erstklassiger Radio-Avvarate »ad -Bestandteile * Ra-io-rogramm ffit heute: 9 Uhr früb t Marktberichte. — 11 bi- 1 Uhr r Vormittags, konzert. — 7,4 Uhrr Schlußkurse der Wiemr Börse. — 4 bist 6 Übr: Konzert Silvina (Ballettmusik). — 6 biß 7s8 Ubr» Aammermnsik. - 8 Uhrr Millöckers »Bettelstudent". Das Radroprogvamm hören Sie klangvoll und störungslos nur «lt .Original-Blau» vuntthörer", .Original Ideal-Detektor" und .Origüml Jdealit- Super-Kristall". Bei jedem Händler erhältlich. Hanpilager bei Ing. Emanuek Klausner sen., 1. Bez., Adlergaffe 4. 1. Stock. _ (Entgeltlich.) Bühne und Kunst. Sie Verhandlungen mit Strauß definitiv gescheuert. Wie wir erfahren, sind die Mit Dr. Richard Strauß geführten Berhanldkmgrn endgültig gescheitert, weil sich herauSgcstell-t hat, daß die Stellumg eines Beraters in der vom Unterrichtsm-rnister Dr. Schneider voryoschlagcncit Form, Dr. Richard Strauß, nicht Vie Möglichkeit gsgebetl hätte, bei voller Berücksichtigung des für die Staatsoper fostgeisetzten Budgets an der Wiener Staatsoper in «iner für -dieses Institut nutzbringenden Form zu wirken rmd s-eine Kinftlevischsn Plane ungehindert hier zur Durchführung gu bringen. Eine Stellung eines bloßen B-iraters ohne wirklichen künstlerischen Inhalt und ohne entsprechende Vollmachten wollte Strauß, da er sich nur vom. Interesse der Oper leiten ließ, nicht an nehmet^ Marragulo,Freund Fritz". (Neueinstudierung im Operntheater.) Das nach einer entzückenden Novelle -gearheitete BMs» stuck von Erck-mann und Ehatricm-, das im atliten Wiener 'Stabtcheater mit der Schratt in der Rolle der Sufe'l viel ,gespielt wurde, ist durch die Deroperung nicht bester gewovdeu. Die hnmneMa-ue Liebe zwischen Fritz und Süsel, die schon im zweiten M überreif gur Ehe ist, läßt den Zuhörer noch Lveiiechin in Pein bangen, um nur ja die heilige Dreizahl der Opernakt« auszufüllen. Und was für überflüssige Episodengestailten! Der RaNbinor David, der göttliche Borschun-g spielt, und ein Zigeuner, der bM zur.rechten, bald zur Unrechten Zeit auf gut Ungarisch auf seiner Geige konzertiert, passe.» wie die Faust aufs Auge in das friedliche elsässische Dvrfidyll. Die Musik von Mascagni, die im Wen der Neunzigersahve trotz der Mitwirkung der OpevnliMinge Rcnard und Schvödter nur einen AchtungSerfo^ errang, ist iuzwffche» nicht frischer nnd jünger geworden. Wog» also diese Neuemstudlermrg! Die bösen Zungen haben di« „Caballoria*' eine „tragische Operettegenannt. Immerhin steckt in ihr Tragik, Leidenschaftlichkeit,. aufgepeitschte Sinnlichkeit. Wie anders der „Fveund Fritz!" Auch hier gibt «S genug des Operettenlhaften, doch vergebens horcht man nach raschen dramatischen Atomzügen, nach dom beschleunigten Pulsschlag de8 Lebens. Schv nett klingt das Geigensolo des Zigeuners — zumal wenn es so reizend gespielt wird, wie von Fräulein A n d a y, die nicht nu-r als Altistin dem Operncheater, sondern auch als Geigerin der Hubay-Schule alle Ehre macht — und ganz reizend hört sich das populäre Kirschenduett mit seinem bchacstichen Qpevvttonwalzer an. Auch sonst allerlei Liebe Erinnerungen an di« „Cavalleria", die ja dem freund Fritz" 4m Schaffen Mascagnis munittellbar vorausgeht. Mitunter hört man förmlich die Peitsche des Fuhrmanns Affio knallen, dann ertönt wieder einmal «me echte Meistersingevweff', wenn sich zur Erzählung von Mvaham und RebeAa im Orchester «in feierlicher Choral auSbvettet. Oft genug scheint ln diafer Oper aus dem Jahre 1891! — der junge Puecini anzM'mgen: Wvtm etwa Susol ,Mn Herrn ein paar Frücht« bringen möchte", schmecken sie wie frisch gepflückte Früchte aus dom MeLodiegarten Pnceinis. Es ist dben die jungita-lieniscbe Musik, die bei MaSvagni -rmd Puecini fast gleichzeitig heranreist. An Molodie ist übrigens in dieser „Cavalleria"-Nachlese kein Mangel, Arien wie Duette sind gut gebaut -und auf die Wirkung hin gesteigert, sr-eilich mehr mit Virtuosität cvlS mit Inspiration; die bald brutale, bald schablonenhaft süßliche Instrumentation sagt uns, daß das Können allein nach nicht den Künstler ausnwcht. Di« AuiWhruny, von Mascagni seGst befeuert, vernichte die Längen imd Schwächen des anmutigen Werkes cbeniftoimcinlg gu verhüllen wie desten Alterserschein-ungen. Mit großem Stimmauftvand, nur gologmblich «och -u gwbschlächtig, sang der hochbegabte Herr GrofaveScu den Fritz, mit Schlichtheit und Wärme Frau Born die zaghafte blonde SnsZ, sehr würdig Herr Renner den Rabbiner, prächtig FräittZn Anday den Zigeuner. Die Aufnahme des Werkes war kühl, obwohl es die iuvmer mehr in Tätigkeit tretende Claquo an Auftnuntevungsversucherr nicht Wm 'W. D-s Hauwar trotz fei' fern-

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