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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-21 · Heft 2127 (21.1.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2127 (21.1.1925)
Date
1925-01-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Mm. ElUtascagni f*®6|t geleiteten Nemmstuoierung schlecht besucht. — Ern nitttm, daß das Publikum nur -bei „modernen" Werken, — die freilich in der Oper gar nicht zu hören sind — arpMeibe, doch es hat anscheinend auch für Mascagni kein Interesse. Es will oben nickt unbedingt „neue" oder „alte", sondern vor allem „gute" Werke zu erschwinglichen Preisen hören. Ein Parkettsitz. der in Fr jeden Sze iten acht Kronen kostete, und heute trotz der schwersten Wirtschaftskrise etwa daS Tappelte kostet, ist aber unerschwinglich. Nicht durch maUvs erhöhte Preise, sondern nur durch erhöhten Besuch, zu ivelchem die Operndircktlon drn-ch cchklassige Aufführungen bei abtvechslungsreichstem Repertoire utck e rmäßigten Preisen dos ihrige beitragen müßte, konnte dus Gleichgewicht im Operrckausbalt endlich hevgestellt werden. Ohne Vorhevgchercken künstlerischen Wiederaufbau ist auch jede materielle Sanierung ausgeschlossen. _ Crwin Fe-lber. Aus den r-eater». B u r-theater. Morgen, 7 Ubr abends, ,8 u « paei- »a-abundus*. A k a d e m i e t b e a t e r. Morgen, '/,8 Uhr abends. «D t e Dame mit dem Scheidungsgrund". . *.»? ® 0 ö i r- Heute Erstaufführung von Walter Bramrsellyrilch-phantasti'cher Oper „D i e Vögel". Morgen gelangt K ienzls „Kuhreigen" unter persönlicher Leitung -es Komponisten rur 1 0 0. A u f f ü h r u n g. Als Blanchefleur gostiert Frau Nektar v. Flondor, als Primus T h a l l e r Herr Richard K u b l a. Deutsches V o l k S t h e a t e r. Freitag. .Die Orleans" in der Neuinszenierung von Direktor Dr. Rudolf Beer. Raimund-Theater. Samstag nachmittags Schillers .R ä u b e r". In Vorbereitung stebt das Lustspiel von Melchior Lengvel, .Antonia" mit Sari F e d a k. Die Spielleitung hat Ernst Vasda inne. , . B ü rgertheater. Die Mascagni-Premiere „I a. dre Dame aus den Folies bergereS" findet Samstag 7 Uhr abends, statt! M a e st r o M a 8 c a g n i dirigiert die Premiere und die nächste» Vorstellungen. Lustspieltheater. Morgen als Sttindberg-Feier .Totentanz". Freitag .F r a n e i l l o n". Wiener Gastspiel des Pitoefs-Ensembles. Samstag bejmnnt in der Neuen Wiener Bühne der Direktor des Theatre des Arts in Paris. Georges Pitoeff, mit seiner Truzwe ein Gastspiel. Pitovff ist kaukasischer Abstammung und ein Schüler der großen russischen Regisseure Stanislawski und Teiroff. Nach Ausbruch der russischen Revolution wirkte er zunächst in der Schweiz mit einem von ihm zusammen gestellten Ensemlble und ist erst seit 1920 m Paris tätig. Der Ltern des Ensembles ist seine Gattin Ludmilla Pitoeifs. Ein neuer Pirandello. In Frankfurt a. M. gelaugte ein neues Bühnenwerk von Luigi Pirandello „Die'Woll u st der Ehrlichkeit" zur erfolgreichen Uraufführung. Ein bemakelter Mensch läßt sich -bewegen. eme Scheinehe einzugehen. Es erweist sich im Lause der Begebenheiten. daß er wertvoller und anständiger als seine ganze Umgebung ist. Das Wevk zeichnet sich nicht nur durch geistreichen Dialog aus. sondern ist auch theaterwirksam. Der „Dhbuk" vor Gericht. Wie wir seinerzeit berichteten, hat die R e n a i s s a n e b ü h n e An—skis „Dy b u k" zur Aufführung m deutscher Sprache erworben. Da Direktor Fe her den vertraglich fostgss'.tzten Auffuhrungsternnn nicht eiuihiest und auch andere wichtige Vertragspunkte verletzte, hat ihm nun der Theatevverlag Max P'adfer das Aufführungsrecht entzogen und di-e diesbLZÜglicke Feststellunaskla-oe eingobrocht. Die Verhandlung vor dom Wiener Handelsgericht findet Freitag den 23. d. statt. Me man das Theater füllt. Ein« nachdenkliche Geschichte pflegte Tristan Bernard seinen Darstellern zu erzählen, wenn sie während, der Proben zu seinem Stück über den Ausgang des Unternehmens etwas in Unruhe gerieten. Der Direktor eines Provinztheaters hatte mtt seinen Bemühungen wenig Glück, und schließlich war er so von. Schulden überhäust und von seinen Gläubigern bevrängt. daß er das Rennen aufgoben mußte. Die Einnahmen an der Kasse waren gleich Null, das Publikum war augenscheinlich mit ihm böse. Da ließ er eines Abends die „letzte" Vorstellung der'Saison ankündigen und in der Stadt bekannt machen, daß er sich an demselben Abend um 8 Uhr bei der Theaterkasse zur Verfügung seiner Gläubiger hakten würde. „An diesem Abend," fügte Tristan Bernard mit einem düsteren Lächeln hinzu, .gelang es ihm zum ersten Male, sein Theater ganz zu füllen, iichem er jedem seiner Gläubiger einen Platz zuwies..." Zur Nachahmung in Wien empfohlen. Serichtssaal. A Das Bettelunwesen auf der israelitischen Abteilung deS ZentralfriedHofes. Bor dem Landesgerichtsvat Dr. Donau (Bezirksgericht Favoriten) standen kürzlich der SOjährige Heinrich Haberfeld und die 73jährlgr Marie Schissmann, um sich wegen Bettelns zu Veranttvorten. In der Anzeige heißt es. daß sie beim Tor der israelitischen Fviedhofsabteilung die Trauergäste cmge-bettelt haben. Der Richter gab aus dem Akt bekannt, daß sich erst kürzlich die Israelitische Kultusgvmsmde über das Ueberhandnehmen des Botteilunwokens 'beschwert habe. Kein Leichenbegängnis könne stattfinden, keine Feier auf dem Friedhof aogchalten werden, ohne daß eine Schar von Bettlern, männlichen und weiblichen Gesiechtes, die Trauergäste lbelästigen und um milde Gaben bestürmen. Die beiden Angeklagten stellten in Abrede, gebettelt zu haben; sie seien dort gestanden, man habe sie beschenkt, vhne daß sie haben betteln müssen. Arme Leute werden beschenkt von den Glaubensgenossen, ohne daß sie bettslm müssen. Das Schenken gehöre zum ,Julius" der Juden. Der Richter veruvteute sie zu einer Arreststrafe von 34 Stunden, -bedingt mtt dreijähriger Bvwährungsfvist. Sin lkhrenbeleidiauugsprozeß eines Bankiers gegen seine Angestellten. In sovtge ehter Verhandlung hat sich gestern BegnKrlchter Dr. I e l l r n e k beim Strafbezirksgencht 1 mit emer Ehrenboleidigungsklage zu befassen, welche der Börsenrat Straffer durch Dr. Rode gegen ttvei chomalig-e Angestellte. Dr. Johann Hartmann und Alexander Z e'lmanowiez, angestrengt hatte. Gegenstand der Klage bildet em Brief, den die Beschuldigten an die Oesterroichi-sch-ungarisch« Wtttsckaftsbank gerichtet haben, in dem sie -den Kläger als einen rücksichtslosen Betrüger und Lügner bezeichnet«». In einer früher bereits statt gefundenen Verhandlung hatte Dr. Hartmann zugegeben, den Brief, geschviaben zu haben, und Zelmanowic,', hatte erklärt, daß er bissen Bries mit Havtmann unterfertigt habe. Beide Beschuldigten hatten einen Wahrheitsbeweis anMtreten und skw in Führung des Dahrhcrtsboivei'ses darauf beruftn, daß sie einer geschäfmchen Tran-saktion des JrigMieurS Ignaz Schindler beitraten, wckch letzterer von krasser dabei geschädigt worden sein soll. Die beiden AiigeKaaten hatten ausgeführt, daß sie mit Ingenieur Sck'M-r im Jänner vori/^n Jahres ein-n Sv-ndikat-svertrag Sen, wonach sie ein Aktienpaket der Feintuchaktteneft Kopetzky in Budapest bis 990.000 Stil-* zum Preise von 18.500 K. pro Aktie erwerben sollten, und zwar >bei der Dttdapester Firma Straffer u. To. Die AngMMen behaupten nun, daß sie von dieser Transaktion denn Börsen rat Ernst Straffer im Bureau erzählt hätten, worauf er erKart habe, daß er diese Aktien beschaffen, "nd zwar werde er die Aktien unt 5000 K. pm Stück bekommen, und ste sollt-n cher dem Schindler 150.000 Stück Aktien um zum Preise von (2.500 K. verrechnen, und tatsächlick habe Schindler für dir 150 000 S'ück m 12.500 K. 1.850.000.000 K. beizayl-t. M8 nun später das Stanrmhcms Kopetzky in Böhmen faMt wurde und durch den Ztlsammenbruch die Mtien wertlos geworden waren, ergaben sich Differenzen mit Schindler, die zu einem Schiedsgericht führten, in welchem Schindler 1,1 MtMard-n Kwnen zurückerhiolt. Ernst Straffer hatte gegen diese Behtnrptungrn umfangreiche Gegenbeweise angeböten und unter Beweis gestellt, daß « niemals als BeMufer der Mien ansaetreten sei, daß er niemals Aktien der Kopetcky-Gesellschaft Mefert habe, daß er n'e 8000 K beoebrt und von dieiffm Preis aewr-nch'^ und von dem SynddkatSvertvag und der Option des Besch»Mgten Schinder nick's aewußt bab-'. Er feb?J» Treuhänder au-fgetveten und habe keimn Heller des Geldes, das Sckmdler b"z^s-te. 'n Emvfan-i 'en-v^m-'n, oie g -en hab;n als Berkauksstell« das Geld erhalten. Für ure gestrige Verhandlung waren eine Reihe von Zeugen geführt. Nach Einvernr-hme der Zeugen Dr. K r o h n, Dr. B i e n e n f e l d, Dr. Hofmann und Dr. Schindler wurde die Derhcmd- -lrmg Wecks Einvern-abme weiterer Zeugen vertagt. Internationale Iuwelendiebe vor Gericht. Eine Bande internationaler Ladendiebe hatte sich gestern vor den Schöffen des Landesgericlffes 1 zu veranttoorten. Diese zusammengewürfelt') Gesellschaft von Russen, Rumänen und Persern hat im Lause -der letzten Jahre alle Großstädte -unsicher gemacht. Sie sind internationale Verbrecher schwerster Art. Besonders aavffallend ist. daß zwischen allen diesen Verbrechergruppen Zusammenhänae bestehen, die über dos gewöhnliche 9Jla^ der in der Verbrecherwelt zwischen einzelnen Personen bestehenden Verlbindung hinausgehen. Die An-aeffagten sind: Der 32sährige Salomon Sm o l i a n s k i, in Libinos m Rumänien geboren, nach Odessa zuständig, angeblich Kausmann; der 54'ähria-: Sckmiel R i t i c i, nach Kischenew in Rumänien zuständig; ssme Frau, die 44jährige Sarah Ritici; der 27;ährge. n^ck Tiffis in Persien zuständige angeblick" Handelsagent Ibrahim Monssa; die 27jährige Emma Dishbak, nach Rostow in Rußland zuständig, und endlich der 69jährige Juwelier Siegmund S ch l e ch t m a n n, zuständig nach Odessa. Außer diesen führen die Beschuldig!en, wie die Anklagefchrfft seststellt, noch zwei oder drei Namen, die sie sich bei ausländischen Gerichts^ b-igelogt staben. Trotz, genauer N^ck" forfchung:» war es nicht möglich, die Identität mit voller S'cherhett festzustellen. In Wien wurden ihnen vier Diebstähle bei Juwelieren nachgewiesen. Beim Juwelier Alfred Spitz hatten sie am 11. Juni v. I ein Perlenkollie r im Werte von 600 Millionen Kronen entwerdet Smotia.nSki batte sich mtt den anderen Mitgliedern der Bande in einer Billa in Baden einlogicrt. Als er verhaftet wurde, fand man in seinem Besitz einen Pfandschein über ein wertvolles Armband mit Brillanten» das . im Badener Pfandleiihhaus um Ä) Millionen Kronen versetzt worden war. Dieses Armband war am 6. Februar 1923. einer Frau Verhorn in Paris, gestohlen worden Smolianski soll den Diebstahl in Gesellschakt seiner Frau. ,die aegenwävttg nicht oufzusvnden ist, verübt haben. Die Diebe hatten das Armband in einer Base versteckt. Bor ihrer Berbaftung gestand die Dishbak, sie gehöre eimr Bande von achtzehn Leuten an, di« in Paris, Kairo, Rom und anderen Weltstädten gwße Diebstähle ausführten. Wenn in einer Stadt etwas gestohlen wurde, schafften die Täter die Beute scknell in eine andere Stadt, wo sie verkauft wurde. Bei der gestrigen Bechandlung leugneten die Angeklagten. Das Gericht vemrteilte SmolianSki zu zwei Jahren, die Ritrei zu achtzehn Monaten und den Monra zu zweieinhalb Jahren schweren Kerkers: die rckvigon Ar^eklagten wurd-n. frei gesprochen. Der Staatsanwalt berief bei den Verurteilten in puncto Strafausmaß, die Verteidigung erhebt Nichtvgkeitsbeschwerde kür die Angeklagte Ritici; die beiden anderen Verurteilten hielten sich Bedenkzeit offen. Der Ausgleich der FinanzbehSrde mit de« Zollschwindlern. Im Natwnaiirat wurde seinerzeit dagegen Stellüing genommen, daß die Finanzbchörde in vielen Fällen sich mtt Zollschmugglevn durch Ablaßbeträge ,Msgleicht". Gin smchvr Ausgleich -beschäftigte den VerwaltungSgerichtshos in Form einer Beschwerde gegen das Ausmaß der Anzeigerbekohnung. Ein gewisser Aulvn Morawetz hatte beim Z-olloberamte Wien die geheime Anzeige erstattst, daß in der Station Sollenau der Eisenoähn Wien-Aspcmg 58 Waggons (Zisternen) stehen, von denen er wisse, daß sie aus Saarorücken und H«mnove-r gekommen se«n und daß schon dort diese Waggons -mit der fälschlichen Bezeichnung „E. W. A." (Ersenbahn Wien- Aspang), Heimstation Sollenau, versehen wurden, weshalb sie vom Zollamt« Passau ohne jede Abfertigung hereingellasten wurden. Wegen der irreführenden Auffchrift sei >beim Grenzüberttitt die EmgangsverzollulM unterblieben. Aus Grund dieser Anzeige wurden vom Zolloberamte Wien gegen mehrere Personen eingehende und umfangreiche Untersuchun-gen geführt. Die Beschuldigten boten im Ausgleichswege den Betrag von je 60 Millionen Kronen an, wenn das Zollverfahren gegen sie oingestellt werde. Darauf orgma an die Aniragsleller der Bescheid, daß ,^in dem anhängigen Zollvevfahren wea»n verbotswidriger Einbringung von deutschen Kesselwagen nach Feslst-ell-ung, daß -weder Schmuggel -noch Zollhintemiehung, sondern ZollordnungÄwidrigkeit voÄiogt, dem Ansuchen um Ablasslmg vom rechMchrn Beüfahrrn gegen den Äblassungsbetrag von 60 Millionen Kwnen vom Bundesminister für Finanzen Folge gegeben -wurde. Denr Anzeige-r Aut-on Morttwetz wurde eine Anzeiger Prämie von einem Drittel des AblastuugSbebrages. Mo 30 Millionen Kronen, vom Fi-narWninisterium zugesprochen. Dom Ansuchen des Anzeigers, um Erhöhung der Alrzelger'bslohuunig, weil seine BarauSlagen -bedeutend hüher seien als 30 Millionen, wurde keine Folge gegeben. Morawetz brachte daher die Beschwerde an den Bevwoltu-Nigsgerichtshof ein, in der er geiltend macht«, daß die Beschuldigten sich tatsächlich des Zolls chm-u ygeks und nicht bloß einer „Zollordnu-ngs-widrigkeit" schu-ldtg gemacht haben. Auf Zollschmuggel sei aber eine Gelldstrafe vom Zwei- bis Achtfachen der Zollgobichr gesetzt. Wenn die Finanzbchörde sich mit einem Ablaßbetrag von bloß 60 Millionen Kwnen 'begnügte, so dürfe dies nicht dem Anzeiger zum Nachteil gereichen. Die Anzeigerprämie müsse sich nach denl tatsächlich dem Staate zugofügten nnd vonr Anzeiger a-u-fgedeck-ten Schaden richten. Der Verwaltungsgerichtshof (Vorsitzender Vizepräsident Dr. Jenny) erkannte a-uf Abweisung der Beschwerde, weil nach der ausdrücklichen Feststellung des Zollobemnttes kein Zollschmuggel, sondern bloß ZollovdnungSwidrigkett vorliege. S1. \m Rr. 8157 Bollswirt. Sie internationale Wirtschaftslage Snde giinner. Obgleich das n-eue Jahr mit ein-er Verschärfung, der weltpolitischen Lage einsetzt, hat diese di« in den letzten Monaten erfolgte Besserung der weltwirtschaftlichen Konjunktur hi-sher nicht zu beeinträchtigen vermocht. Unter dem Einfluß fortgesetzter amerikanischer Geldzufuhr ist zunächst fast in allen europäischen Ländorn eine wettere Belebung der Jnduftrietätigkeit »^getreten. S'^ ha-t ir Deutschland zu einem weiteren Rückgang der Arbeite ilosrgkert und zu einer Erhöhung seiner Kon-kurrenyfälhigkeit auf dem Weltmarkt geführt, die nach Inkrafttreten der mit England und Italien aibgeschl-ossenen Handsl-Sverträge jedenfalls noch stärker wirksam werden dürfte. Wie weit ldcr vertragslose Zuistand i-m Hande'lsverkohr mit Deutschland, der alb.r kaum von langer Tauer sein dürste, das MrtschaftAle'ben Frankreichs beeinflussen wird, kann noch nicht gesagt werden, gegenwärtig bleilbt die Konjunktur noch günstig. Dcch rechnet man in Frankreich selbst mit einem AuHören d"" Valutoexporte und sucht daher den Äibsatz nach dom noch schr a u fnabme fähigen Inlands sowie noch de-n Kolonien zu fördern. In England befürchtet man, infolge der Differenzen zwischen Frankreich und Deutschland eine verstärkte französische Konkurrenz namentlich in der W-ollmdustrie. die bereits im Vorjahre sehr unter einer övprv'entigen Mehreinsnbr aus Frankreich zu loiden hatte, so daß gegenwärtig nur 60 Prcgen-t der Webst ülhle in Betrieb sind. Die meisten anderen Industrien verzeichnen dagegen eine leichte Besserung, die aber noch nicht ausreichend ist. Der Kchlenexport hat sich rm Jänner westittlich erhöht, die Eistnindulstr'.» hat große Inlandsaufträge erhalten und a-uch die Bau-mwollindustrie konnte neue Bestellungen aus Indien, Ghina und de-m nahen Orient ausführen. Unverändert günstig bleibt die Lage in Belgien, dessen Textilindustrie starke Cxpansionsbestrst>unge>n zeigte dagegen hat die Eisenindustrie bereits stark unter der deutschen Konkurrenz zu leiden, die sie bisher n"ch durch große Preiskonzesiionen überwinden konnte. In den fkand'-nav'rschen Ländern ist keine wesentliche Veränderung der im allgemeinen befriedigenden Situation zu verzeichnen. "In Polen dauert die Stagnation infolge der Kreditnot und der Absatzschwierigkeiten fort. Bester gestaltet sich die Entwicklung in den Balkanlandern. namentlich in Jugoflawien, das steigende A-usfuhrzifftrn in Agrarpvcdukten ud Rohstoffen aufweist und dessen industrielle Produktion, ge-fördert durch tschecho-flowakisches und französisches Kapital, ebenfalls gute Fortschritte macht. Die bessere Konjunktur in den meisten europäischen Ländern hat auch die Wirtschaftslage der überseeischen Gebiete günstig beeinflußt. Australien, Argentinien und Brasilien zeigen einen sich von Monat zu Monat evhöhenden Export. Daneben schreitet auch die industrielle Entwicklung in diesen Ländern, wie auch in Indien, hier ha-uptsächlich in der Baumwollindustrie, fort. Gesteigerter Export sowie h^her Inlandsbedarf sckeinen eine Fortdauer der guten Konjunktur in den Vereinigten Staaten -u sichern. Während Europa in zunehmendem Maße als Käufer von Agrarpvodukten und Metallen austritt. wird die Eisen- und Stahlindustrie durch die große, demnächst einsetzende Bautätigkeit und die gute Beschäftigung der Automobilindustrie gefördert, so daß di« Werke zu-m Teil bis Juni mit Aufträgen versehen sind. Der Auftragsbestand des StahltvusteS ist um 10 Prozent höher als in der Vergleichszeit des Vorjahres. Auch in der Texti-l-indulstrie ist eine Zunahme der Produktion zu verzeichnen. Minister Dr. Schürst über die Alpine und den öfterreichischen Goldbergbau. Im BudgetauKschuß äußerte sich Minister Dr. Schürff über die Situation bei der Alpinen Montanigssell'schast in folgender Weise: Der Ueberftuß an Roheisen hatte bei der Alpinen Montangeisellschaft seit Juni 1904 die stetige Einschränkung der R-oheisen-erzengu-ng, endlich die Einstellung sämtlicher Hochöfen durch zwei Monate (O'^ber und Novontber) zu-r Folge. Erst am 29. November to»'*.« -nack AnfarbeitM-g der Elsenvorräte der erste Hochofen in Donawitz wieder in Betrieb kommen; der Hochofen in Eisenerz soll in den nächsten Tagen a n g e b l a s e n werden. Der Kupfer-, Blei- und Zinkbergbau hat sich im Vorjahre beftiedigetld en>twickett, da iminrer Nachfrage nach Erzen und Metaii"n

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