Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-01-21 · Heft 2127 (21.1.1925) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2127 (21.1.1925)
Date
1925-01-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981212--21711-3009049
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

-Me L Die». Mittwoch Lenin wagt es, die Bortzereituugen zu treffen. Hinter ihm fleht die Autorität Trozkis. Lenin stirbt. Und nur: sind die Radikalen wieder da, die Konsequenten, die nichts als Revolutionären. Trotzki ntntz weg. Das Zentralkomitee isoliert den tat ikebcrmaß der Arbeit Erkrankten, organisiert einen NesolutionKsturm von Wladiwostok bis Moskau. Trotzki, der vor der Unterbrechung der Leninschen Reform warnt, ist auf einmal der Disziplinlose, der Kleinbürgerliche. Er wird verwarnt und abgesetzt. Der Jude bat seine Rolle ansgespielt. Die Berliner Uamzflandake. Vernehmung des Reichspostministers Hoefle. Berlin, 20. Jänner. (Tcl.-Komp.) Dev gewesene ReichSpostminffter Dr. Hoefle wurde im Zusant.men.hang mit den gegen ihn wegen Kreditgewährung ans ReickMpostgeldern an den Barmat- und Michael-Konzern erhobenen Beschuldigungen heute vormittags auf der Staatsanwaltschaft mehrere Stunden lang e-.r.- vernommen. Am Nachmittag wurde in den Arnisräumen des gewesenen Ministers rat Reichspcstnrimster'um vtirc Hausdurchsuchu ng vorgenommen. Die Staatsanwaltschaft hat den Schokoladefabrikanten Schundorff, der Le schuldigt ist, für den Reichspvstminister belastendes Kkteumaterial im Einvernehmen mit Dr. Hoefle aus dem Ministerium wegg e fch a f f t zu haben, einem eingehenden Verhör unterworfen. Ss steht fest, daß Schuiäwrff ein Paket Men aus den Bureauräumen Dr. Hoefles i-m Reichspostministerium auf Ersuchen des Ministers im Kraftwagen nach der Billa Dr. Hoefles in Lichterfelde gebracht hat. Allerdings soll es sich um private Schriftstücke Dr. Hoefles handeln. Aus Anordnung des Staatssekretärs im Reich'spoit- 'Ministerium wurde der gesamte -private Besitz Dr. Hoefles, den er in feinen Kanzleiraumen im Ministerium untergebracht hatte, bis aus weiteres beschlagnahmt. Treuhänder für den Barmat-Konzern. Gestern fand im Schwurgerichtssaal des Landesgevich- H 2 in Berlin eine mehrstündige Konferenz über die Begründung der Treuhandgesellschaft für den Barmat-Konzern statt. Davon nahmen Vertreter des R e i ch s p o st m i n i st e r i u m s und die anderen Gläubiger teil, ferner die drei in Haft befindlichen Gebrüder B a r m a t und ihre Ehefrauen, der Untersuchungsrichter Dr. Nothmann und die vier Verteidiger, die Rechtsanwälte Dr. Hahn, Dr. Sthwersenz, Jivsttzrat D n v i d s o n, Dr. K l e e. Nachdem eingehend die Grundgüge der zu 'begründenden Treuha-ndyeseHchaft durchgesprochen worden waren, wurde ein Notariatsakt entworfen, der aber noch der Zustimmung der gesamten Gläubiger bedarf. Die Barmats sind bereit, ihr gesamtes im In- und Ausland ^befindliches Vermögen, ihre Aktienpakete, Grundstücke, Schiffe rvstv. der Trouhandgesellschaft zu übereignen, die unter dem Vorsitz von J-ustizrat Waldschmidt und Kommerzienrat M a n a s s e fungieren soll. Es wll eine gleichmäßige Behandlung sämtlicher Gläubiger versucht twerden. Der Preußische Pressedienst und der Barmat- Konzern. Berlin, 20. Jänner. Der amtliche Preußische Pressedienst teilt mit, daß er gegen die Berümr „Börse nzeitung" wegen Beleidigung und übler Nachrede Strafantrag gestellt halbe. Die „Bövsenzeitung" hatte behauptet, daß der Preußische Pressedienst Gelder vom Barmat-Konzern erhalten habe. Die Ermordung RMenaur. Das zweite Verfahren gegen die Rathenau-Mörder. Leipzig, 20. Jänner. Das zweite Verfahren g.gen die Mörder Rathenaus, das seinerzeit durch die Verhaftung des Studenten Günter Brandt in Fluß gekommen ist, ist jetzt insofern in ein neues Stadium getreten, als nunmche derBesitzerdesMordaut o s, der Fabrikant Johannes Küch enrn eiste r, der seit dem Rathenau-Mord flüchtig war und sich m Oesterreich ausgshalten Chatte, wieder nach Deutschland zu rückgekehrt ist. Küche mueister hatte beim Staatsgerichtshos um freies Geleite nachgesucht und diesem Antrag war entsprochen worden. Sofort nach seimr Rückkehr nach Freiberg wird der Fabrikant vom Untersuchungsrichter -des LtaatsgerichtAhofts eingehend Über seine Vorbereitungen jHiit RachenauMord und über die Art rmd Weift, wie die Uebergabe des Kraftwagens an die Mörder erfolgte, vernommen worden. Nach weiteren Zsugeneinvermchmungen in Sachsen l>at sich der Untersuchungsrichter nach München begeben, wo er in dieser Angelegenheit auch mehrere Z e ugenaue Oesterreich, darunter den Direktor des Innsbrucker Gefängnisses» in dem Küchenmeister längere Zeit in Haft gehalten wurde, vernommen hat. Das Er-' mittluugsverfchven wird demnächst zum Abschluß gebracht. Im neuen Rathenau-Mordprozeß vor dem Staatsgerichtshaf dürfte eine Reihe von Angeklagten aus dem ersten Prozeß vernommen wevden. Selhlenr Orntisofffe«. Main verurteilt. Budapest. 20. Jänner. Wie aus K e e s k e m c i berichtet wird, ist Franz Ulain, über dessen Prozeß wegen der Gratisaktien Budapester Banken an die Regierungs- Mitglieder gestern berichtet wurde, wegen Berten rridung zu f) io c i Monaten Gefängnis und zwei M i l i i o- ::?. >t y o;»c u G e l d st rase ve r u r t e i f i ^_Wiener MorftettzeUunft._ Sie wtgarifdie Sptzosillon. ch'iqendienst bcv „Wiener Morgeirzeitikng".) Budapest, 20. Jänner. Bei der Eröffnung der heutigen Sitzung der Nationalversammlung erklärte Präsident Si-t-ovs;ky, daß er sich unter Berufung auf höhere, universelle Interessen Ungarns verpflichtet fühle, den Vorschlag zu machen, den Äns schließungsbeschluß, der für einzelne Abgeordnete noch Geltung habe, von morgen angefangen außer Kraftzu setzen. Das Haus nahm den Vorschlag des Präsidenten einstimmig an. Bekanntlich wurden bei den jüngsten Stnrmszenen im Parlament 24 oppositionelle Abgeordnete durch die Parlamentswache entfernt und von mehreren Sitzungen ausgeschlossen. Daraufhin hat die Opposition beschlosten, an den parlainentarischen Arbeiten nicht teilzunchmen. Wie nun die Blätter melden, seheimn die Führer, des oppositionellen Blocks Vaszonyk, Per dl und Szilagyi auch nach dem heutigen Beschluß der Nattonalversammlirng an dem Standpunkt fesibalien zu wollen, daß als Preis für die Ausgabe ihrer Passivität von der Regierung Garantien bänglich der Einführung des a l l g e nr einen und geheime» S t i m m r e ch t e s gefordert werden. Vizepräsident Zsitvay erklärte gegenüber Pressevertretern, er werde nach dem heutigen Beschluß des Hauses bestrebt sein, Verhandlungen zur Herbeiführung des parlamentarischen Friedens einzuleiten. Solche haben schon mehrfach Mtgefnnden, ftdoch stets ohne Ergebnis. _ ■ Sie Wahle« in Snioflntvien. 48 Parteien, 950 Listen. Belgrad, 20. Jänner. (Avala.) Seit >de-nr 13. iJänner, der letzten Fvvst für die Ue-berrrrchung der WaWsten, ist die Kampagne für die Wahlen a m 9. F e ib r u a r in ihre zweite Phase eingetrettm. 48 politische Grupp e n mit mehr alts 360 Listen bewerben sich unr 315 Mandate. In einzelnen Gegenden nimmt die Wahlkampagne einen heftigen Charakter an. Aus B r o d in Slawonien wird em Znsanrmensioß zwischen "Anhängern von R a d i e und D i f f i d c u t c it gemeldet, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Primo de River« ist zafrieden. Algeciras, 20. Jänner. (Havas.) Der spanische Drk-ator Primo de Rivera ist aus MarMo gestern hier ringe troffen. Er erklärte, die Marokko frage besirtte sich auf ausgezeichnetem Wege. Nach kurzem Airsenthalt reiste er nach seiner Geburlsstadt Ter e s ab. Jbanez. ' Paris, 20. Jänner. (Havas.) In der Kannner teilte Mmisterprästdent Herrivt mit, -daß der König von Spanien aus die Verfolgung des Schriftstellers B lasco Jbanez verzichtet'habe. ~ - Herriot gegen die SowjetpMik. Paris, 20. Jänner. (.Havas.) Die Kamnrer begann heute vormittags die Debatte über das Budget des Ministerimns des Aeußern. Berichterstatter Simon (sozialistischradikal), der die Verhandlung cinleitete, erklärte -bezüglich der französischen Botschaft- .in Moskau, Frankreich werde sich nicht zun: Narren halten lasten und nicht zugaben, daß eigentlich die Dritte Internationale hinter dem Rücken der Regierung handle. Er verwies darauf, daß die Frage der Schulden noch nicht gelöst sei. Ministerpräsident Herriot betonte, die Negierung und der Botschafter in Moskau avbeiten daran, die Rechte Frarrkreichs zu sichern. Die A n e r k e n n u » g der Rechte Frankreichs und der französischen Besitzer r n s s i s ch e r T i t r e s sei ebenso wie die Loyalität eine unerläßliche Bedingung für die Wiederaufnahnle der Bezichung. Wenn Rußland in Frankreich Kredite finden wolle, wüsten sich Staat und Private den gewöhnlichen Regeln des Handels und den -internationalen Regeln der Politik unterwerfen. r Sie gusel Sachalin. Einigung zwischen Rußland und Japan. London, 20. Jänner. (Tel.-Konrp.) Nach einer Meldung ans P e k i n g haben sich R u ß l a n d und Japan in der Frage der Insel Sachalin endgültig geeinigt. Der Vertrag zwischen den beiden Ländern könne schon in den nächsten Tagen unterzeichnet werden. Aus aller Wett. Athen. 20. Jänner. (Havas.) Der griechische Minister des Aeußern, Ruf so s, hat ve Mission irrt. Der Minstter- Präsident Michalokopoulos hat die Leitung deS Außenministeriums überldmnmen. Prag, 20. Jänner. Daß «Prager Tagblatt" ndeldet, daß das Ministerium des Auswärtigen einen Gesetzentwurf betreffend die endgültige Regelung der Kvnsulargebüihren für Paßvisa ausgearbeitet hat. Diese Gebühren, die seinerzeit nach den Valuta- und WirtlschaftSverhÄltnisten der einzelnen Länder beniesten worden waren und unverihältnismäßige Unterschiede auswieftn, sollen nunmehr'einheitlich geregelt werden. Kalro, 19. Jänner. (Reuter.) Die Wahlen in Aegypten sind auf den 13. März festgesetzt worden. Di« neu- Karnmer wird am 28. März zusammentreten. Rom, 80. Jänner. Das Mailänder Gericht hat tvegen des seinerzeitigen UebersalleL dev Faszisten ans die dvritge Freimaurerloge drei Fa Leisten zu fünfmonatigem Kerter und 800 Lire 6)eldstrafe mit Nachsicht des Ehrverlustes und zum 'Schadenersatz verurteilt. Drei andere! Augeklagtr wurden ireigest'rochen. st. gAnWt m:, %. tsm . — .. —mmtmi «W 4 Snland. Wadnnngsfchiebnnge« in staMche« 0eM«fee«. Prirstonopoli» Hofbursi. Di« Budgetberatung im Ausschuß ist au Langeweile nicht zu überbieten. Gestern wurde endlich das Kapitel Handel und Verkehr angenommen, wozu der Handelsmmister Dr. Schür ff Zwei mehrere Ell-en ilange Redm verlas, die ihm fein« Sektion-scheft zusanmucngeschrieben -halten. Auf die in der Debatte an ihn gestellten Anfragen antwortete er .mit einem Wust vyn Phrasen und entzog sich durch Anführung von allerlei ÄberflüsfiANi Beiwerk einer wiMchen AuMmng über ifynt jjetmid e Themen. So hatte zum Beispiel Mg. S k a r -e t dft Schani- Wirtschaft mit den in den bundes^taalliche.» WMkd§)t ftk!- gewordenen RämMchkeiten sehr eingehend erörtert und eine klare Auskunft verlangt. Bor allein wandte er sich -gegen die Art des Borgehens Dr. H o r n i k s Lei der VBegebung von Wohnungen. Im Hause des Justizministeriu-ms seien zwei alleinstehendeu Fräuleins se drei große Zimmer zuevkannt worden. Hornik veranlagte das Handelsminstterium, die Wohnungsanforde r r. für Pvo-f. Huber der Hochschule für Welthandel zurück zuziehen, da er die freiwerdende Wohnung f ü r e i n < u pensionierten Ober st e u a u s I u n S b r u ck k nötige. Dr. Schürff sprach des langen und breiten n-öer tz'.ewrvbeförderung, -Wasserbauten us-w. und teilte unter müderem mit, daß in der letzten Zeit wieder Bertret >r englischen Kapitals sich für den Ausbau dcr österreichischen Wasserkräfte iuteress.rt hätten. Abg. Leut Huer kritisievte die Verwaltung der ehemaligen Hofburg. Der Burghauptmann Karaian habe für sich eine Wohnung Herstellen lasten, wobei an ft gebaut und nredergevisten und 150 Milli o u e n K r vneu verausgabt wurden. Karajan zähle bereits 33 Dienstjahre und wird in ilächfter Zeit Pensionist sein. Die Burg beginne überhaupt eine Art Pensiouop o l i 2 zu wevden. So wuvde für den Ministerialrat R e u k i u, den früheren Chef der Bündest'heatevvery'cl« tnn.g, eine Wohnung , um Hunderte von Millionen hergerichtet. Kaum war die Wohnung fertig, wurde Renk!» pensioniert und wohnt jetzt als Pensionist i n d c r Hofburg. Auch für die Wohnungen von drei Schau» spielerinnen sind sehr weitgehende Adaptierungen borge» nomnien worden. Abg. Streeruwitz verlangte die schleunigste Reform der Ausgleichsordnung. Gegeuwäriig herrschen auf diesen! Gebiet gan$ unglaubliche VerhÄtn'ste. Unser Ansehen im Ausland -werde aufs äußerste gefährd, i, ja nian sagt, Oesterreich sei ein Land, in welchem man sich auf dem Wege des Ausgleiches fernen Verpflichtungen entziehen könne. Abg. S e v e v ivendete sich dagegen, daß der Handeisminister die Anfragen des Abg. Skaret gar nicht bear.i -. wartet habe und bat den Mnifter, auf folgende Fragen klare Auskunft zu geben: Warum will der Minister du Anschein erwecken, als ob für di« Vermietung des Gebäudes des ehenialigen EisenbahnminifteviumS (an Hakenkreuz!^ rische Vereine), die erst nach der Vermietung vevseWändigte Genera-ldirektion der Bundesbahnen verantwortlich ist? Ist der Minister bereit, ein Verzeichnis über sämtll-he in den letzten Jahren in staatlich«! Gebäuden vermiet'te Wohnungen und Räumlichkeiten über den Umfang d.'r Wohnungen, über den Mietzins und die Höhe der Ab* lösungSbeträge vorzulegen? Dr. Schürff redete sich varmt aus, -daß ihm auf die Wohnungen im ehemalign Eisenbahnministerinm -keinerlei Einfluß zustche, da diests Gebäude von der GeueraMreMon der Bundesbahnen verwaltet wird. Ein Verzeichnis der in den Bundesgebäuden erfolgten Einmietungen sei er bereit, vorzulegen, ein B—- zeichnis der Ablö-ftn besitze er nicht. vemeindegelder für ei« «rbeiterheim. Wie das „Neue Grazer Tagblatt" berichtet, hat der sozialdemokratische Bürgermeister m Bruck an der Mur, Pichler, die Obmannstellc dcr Bezirksvertretung niedergelegt. Die Ursache dieses Mandalsverzichtes ist in folgender fest einigen Tagen schwebenden Angelegenheit zu suchen: Die aus bürgerlichen Abgeordneten bestehende Wirtschafts- Partei des Brücker Gemeinderates -hat de»! Bürgermeister Pichler zum Borwurf gemacht, daß er Gelder der zivksvorstehung und der Gemeinde Bruck leihweise für den Bau des in zu großem Stile geplanten A r b e -i t e rheimes in Bvuck verwendet habe. Auf Eusuchen der Wirtschaftspartei und des Bürgermeisters Pichler nimmt die Landesregierung seit zlvei Tagen eine Nabe r- Prüfung der Geldgebaruug der Bezirksvorstehuug und der Gemeinde Bruck vor. Der Weiterbades Arbeit,:rheims ist feit einigen Tagen eingchellt. Sie Hammerbrottverke. Gestern fand die Konftreng der VertramnSmänner dev Wiener sogialdsmokrati-schnl Arbeiterischaft statt, m welcher Abg. Dr. Otto Bauer über die Mstoßung der Hammerbrotiverkc referierte. Die Konferenz hat, wie wir erfahren, einstimmig den Bsschl-uß gefaßt, der Lotung die Erruächtigung zur Abstoßung der Ha mm erb r.o tw " x f e;u geben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.