Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2127 (21.1.1925)
- Date
- 1925-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPOlBB 20 BT0»2Tl Wien: Zorn Abholen In der Expedition, II. Taberstr, i«& oder In einer Varacbleiaatelle (Trafik) monatl. K 40.000 Straasenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.8er. Wollzeile 11 Mit Postveraand für Wien o. Oesterr. monatl. K 40.00T! Tacheeho-Slowakei Mon. K20 Jngoalawien: Mon. Dinar60. Po len:Mon 3*/t Zloty, Dentachiand Mon. Golamark 4, F t a a lc r. Belgien« Mon. Free. 15 ■ SAMSTAG fl ■ 21.9ebmar 1925 / Sämtliche fKonterthaastik ülm-weiste ■ HAKOAH'I |H£DODT£| H tmmmsHm der SKindenewahrmstnlten Wiener orgemeitung «r. 8127 «len. Mittwoch. 21. gSnner «25 ‘ N««haahlaBt*a ‘Hl FWwrhahaiiTea «arbtMhi | Prel« K 11OO | England: Mon.4 Schilling. Italien: Monat1. iS * be, Rumänien Mon. 15ÖI *i» Bulgarien Mon. ^0 I ewa, Schwell ond da*«ihrige Ausland monatlich Free. 4. Redaktionii Administration Wien II., Tahorstr. 1—3 Pelepitone: 14-0-3M,43»3«l9, A'ötThfahd«. 21-102.25-282 X. Universititastrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oeaterreichiachea Poatapar» kosten Xonto Nr. 150.603 7. üaiirarm Auf dem Wege zur Monarchie. Ae Lebatte wer die AegleruugserVSruug im Leulfcheu Reichstag. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) BerN«, 20. Jänner. Das Kabinett Luther mit feinen schwapz-weiß-roten Beqantenphysiognomven rmd fürvf Deutschnatilmalen findet fahr wenig Vertrauen. Der Üble Eindruck, den dieses vm In- und Au-llliande hevvorrief, wurde durch di« RegievunyserMvung noch verparkt. Insbesondere die Phrasen von der republikanischen Ernstellung des Kabinetts, in dem lauter evKärte Feinde der Republik sitzen, begegnen verständnisinnigem Lächeln. Demgemäß wird der Aussprache über die RsgievunysorklSvung keine Bedeutung be gemessen, ebenso wie den BAigumgs- und MitztrauenSantvagen der Parteien. Die Debatte begann in der heutigen Reichstags'sitzuug mit einer Rede des Sozialdemokraten B re«i tsche id, der erklärte, die gestrige Progw-mmrede der Regierung, die für eine Politik der mittleren Linie emtrete, hätte ebensogut auch vom Kabinett Marx Abgegeben werden können. Wenn das Programm ernst gemeint sei, so könne er nicht verstehen, warum das Kabinett Marx gestürzt worden sei. Nicht im Parlamentarismus Liege die Schuldam der Krise, sondern in der Tatsache, daß man das. Instrument des Parlamentarismus noch nicht recht zu gebrauchen verstehe. Redner fragtden. Auß^nmiMhex,M np«>Mcht,iM. ein Ko mp rom i ß i n de r R äümü Ngsfrage geschlagen worden sei, durch Verhandlungen hatte etwaS erreichen können. Der Außenminister scheine aber in letzter Zeit so stark mit inner'politilschen Partoipvoblamen beschäftigt, daß er darüber sein eigenes Ressort vernachlässigt habe. Die soMdemokwAiische Partei erwarte ein« offizielle Note des Reichswehrmmisters, worin dieser zum Ausdruck bringe, daß er den kindlichen Unfug der ZeitfreiwiMgen in der Reichswehr nicht dulden w.rde. (Lärm rechts.) Abgeordneter Henning (Nationalsozialist) ruft: Bekommen Sie die Rede vd« Frankreich bezahlt? Breitscheid antwortet: Sie Lump! Biele sozialdemokratische Abgeordnete rufen Henning dasfeWe zu. Abgeordneter Breitscheid wird zur Ordnung gerufen. Breitschekd warnt Wetters vor einem Zollkrieg mit Frankreich, der das Kabinett Hevviot göfähren würde. Redner wünscht ferner Anifklämmg über die bei den jüngsten Finanzskandalen aufgedeckten Derfchlnngen. Seine Partei könne dom Kabinett kein Bertvauen «ntgegenbvingen, bevor es die in den gestrigen Erklärungen abgegebenen Versprechen einlöse. Die jetzige Regiernng sei als sine Etappe auf dem Wege zur Monarchie zu betrachten. (Zurufe rechts: Gott sei Dank! Große Bewegung links und Zurufe: Jetzt haben sie sich verraten!) Einem ausgesprochenem Rechtsikabmett werde die Partei in s ch ä r f st « r O p p o s i t i o n gogenübersteihen und gemeinem mit den arbeitenden Massen außerhalb des Kabinetts alles aufbieten, um es durch eine repuAlikcmische Negierung zu ersetzen. Bon den Sozialdontekraten ist om Aniixag einyeMigen, worin der Regierung das Mißtrauen des Reichstages ausgefpwchen wird. Bon der kommunWschen RoichStagKfv.ikti,on wird folgender Antrag eingebracht: Die Reichs regiernng besitzt nicht das Vertrauen des Reichstages. Bon den Deutschnationalen, der deutschen Bolkspartei, dem Zentrum, der bayrischen Volkspartei und der wirtschaftlichen Bereinigung liegt ein Antv.-g vor, worin es heißt: Der Reichstag billigt die Erklärung der Reichsvogierung. Als zweiter Redner spricht der deutsch nationale Abgeordnete 'Graf Westarp, welcher u. a. erklärt: Seiner Meinung nach sei die Sicherheit, der Rvgierungsverhältnisse aus das schwerste gefährdet, so lange in Preußen der Einfluß der Sozialdemokraten auf die Führung der Geschäft« andauere. Mt eisernem Besen müßten Sauberkeit und Reinheit im öffentlichen Leben wiederihergssteltt werden. Insbesondere müßten die föderalistischen Rechte der Bundesstaaten und die Förderung der vaterländischen Bewegung durch den Minister des Innern gewährleistet werden. Die Lasten deS Londoner Abkommens seien unerfüllbar und unerträglich. Gegen den neuen R e ch t s b r uch im W e sie n müßten Gegemnaßregeln der Regierung gefordert werden. Der Aufnahmsantrag in den Völkerbund dürfe keine Wiederholung des SchuldbÄenntnisses bringen. Für eine amtliche Widerrufung der Kriegsschuld l ü g e würden die DcU<chnat>ionalen allen Einfluß Einsetzen. Die Verfassung müsse anerkannt werden. Es seien keinerlei Aenderungen durch Gewalt beabsichtigt. Redner fordert schließlich christliche Jugenderziehung und christliche.Kultur als Grundlage des staatlichen Lebens, Wahrung deutscher Eigenart und festen NationalwMen,. ' Abgeordneter Feh r enba ch (Zentrum) gab eine sHr gewu'pderreErWruug ab, ln der es unter anderem ^W' diyWgkkföyP^.^'ich -aus fiaatspolitischen Erwägungen heraus Ärn oMPVoflen EMchlüß äbgerüngen. unter Vorbehalt aufmerksamster Prüfung der künftigen Politik und unter Ablehnung fraktioneller Gebundenheit in eine, personell beHrqnkte Beteiligung am neuen Kabinett «inFUiwilligen. A^> ordneter, Dr. Scholz (deutsche Volkspartei) begrüßt Ws Kabinett, weil sich dieses vm Gegensatz zu dem Dovang-ogangenen auf eine sichere Mehrheit stützen könne. Auch so'me Partei werde die Taten der Regierung ab.varten. Er beantragte die Einsetzung eines Ausschusses zur Prüfung der Weimarer Verfassung, insbesondere bezüglich des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern. Die Abgeordnete Frau Gehlke (Kommunistin) erklärt, der dem Kabinett nahestehende Graf Westarp habe heute ein offenes Bekenntnis zur Monarchie abgelegt, was Luther gestern noch verschleiert habe. Rednerm bekämpft den vom Völkerbund vertretenen Pazifismus und erwartet die Rettung von der roten Front und vom roten Proletariat. Die Aussprache über die Regierungserklärung wird morgen um 2 Uhr nachmittags fortgesetzt werden. Im preußischen Landtag -haben die Deutschnationalen ein Mißtrauensvotum gegen das Kabinett Braun eingebracht. Auch dort wird die Debatte über die Regievnngsevklävnng morgen beendet werden. Die Dinghofer und Konsorten wittern \ Morgenluft. Berlin, 20. Jänner. Präsident Dr. Dinghofer und Vizekanzler a. D. Dr. Frank sind gestern in Berlin ein* getroffen. Der Zweck der Reise besteht in erster Reihe darin, im Auftrag der grotzdentschen BoWpartoi mit den Politikern d:r de u t s ch e n und der deutsch nationalen Bolkspartei in Verbindung zu treten, um die durch d!« Wahlen neugeschaffene politische Lage in Deutschland kennen zu lernen. Sie sind gestern vom Reichspräsidenten Ebert und dem Reichsaußsnminister Dr. Stresemann empfangen worden und werden in den nächsten Tagen auch mit Reichskanzler Dr. Luther Rücksprache nehmen* »1« HMIsche Mereisoll wieder erlauftt «erden Berlin, 20. Jänner. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus München: Dem Vernehmen nach siche die Aufhebung d e 's Verbotes der nationalo z i a l i st i s ch e n Partei Bayerns bevor. Der Mohr, der gehen kann. —y. Wien. 21. Jänner. In einer tobenden Schneenacht, am 26. Oktober 1917, war der aus dem Petersburger Winterpalais geflüchtete Kerenski an der Spitze rasch zusammengeraffter Regimenter wieder zurückgelommen. In Gatschina, vor den Toren der Hauptstadt traten^ihm einige Dutzend bewaffneter Arbeiter und Kronstädter Matrosen entgegen. Ihr Führer hieß Trotzki. In dieser Nacht zerschlug er die Macht des letzten Tribunen der russischen Bourgeoisie. Kerenski entkam in einem geborgten Soldatenmantel. Trotzki ging nach «Petersburg zurück und brachte dem im Versteck harrenden Lenin die Nachricht, daß der erste Schlag der Revolution gelungen sei. Das Direktorium konnte ans Werk geben. Es waren drei Männer: Lenin, Trotzki, Radek. Von diesen drei ist Lenin gestorben, R. dek auf dem diplomatischen Geleise Kaltgestellt; Trotzki ist amoviert. 5>et jüdische Müllerssohn aus Nikolajew bei. Odessa tritt in das Dunkel des otlmn cum drgnrtate zurück und wird fortab nur inehr über die sonderbare Geschichte seines Lebens nachsinnen. Er hat sich im voraus jeder Entscheidung des Zentralkomitees unterworfen. Das kann nur bedeuten, daß er sich vereinsamt sieht und leinen Anhang mehr besitzt. Die. Zitrone ist ausgepreßt und wird weggeworfen. Der Jude hat alles gegeben, was er zu geben hatte. Er mag nun gehen und danken, daß ihm nicht die Tschvka den Prozeß macht.. . Dieser russischen Revollntion ist Trotzki die motorische Kraft geioösen. Er. hatte sich schon im Jahre 1905 mit Plechauvw und Lenin zusammeugetan und führte mit ihnen §as Leben des Exils, das ihm dreifach bitter war: Jude, Sozialist, wurzellos. Er hat zum Judentum keine Beziehung gehabt. Die Befreiung Rußlands vom Zarismus, die Machtergreifung des Proletariats, die Revolutionierung der ganzen Welt gegen den imperialistischen Kapitalismus — das ist seine Gedankenwelt, die in ihm keinen Raum läßt für die besondere Not des Judentums. Aber in feiner Tätigkeit, in der scharfen Erfassung der Psychologie des einzelnen wie der Masse, in der unheimlichen, von lückenloser Berstandesarbeit gestützten Rhetorik und in dem unbestechlichen Fanatismus der Wahrheit ist er Jude und bleibt es. Trotzki paßt sich keiner Situation an. Er zieht die Menschen an sich und meistert die Dinge. Er macht kein Kompromiß mit Taktik und kennt kein'Abbiegen von dem Wege, der ihm richtig scheint. Bis zum Siege. Dann wählt er sich die schwerste Aufgabe: die Sicherung der Revolution vor dein äußeren Feind. Es gibt kein anderes Mittel als den Militarismus. Trotzki nimmt dieses Mittel, das seinem innersten Wesen, seinem sozialistischen Bekenntnis fremd ist. Aber er beherrscht es in wenigen Sttinden, scbasft einen Genevalstab, ein Offizierskorps, eine Armee, die er mit seinem Geist belebt und die im Feloe sich so gut schlägt, besser noch, als unter dem Befehl Nikolai Nikolajewitsch'. Trotzkis Armee stellt die Herrschaft in Sibirien wieder her, räumt die weißen Generale weg, als wären sie nie gewesen, sprengt Wvangel und seine Banden außerhalb der Grenzen, dringt in den Kaukasus ein. Für die Fragen der. inneren Politik, für das Gedeihen des radikalen Marxismus hat Trotzki einstweilen kein Interesse mehr. Lenin beginnt vorsichtig und tastend mit seiner Reform. Er ist der Mathematiker, der seine Formeln berechnet hat, aber sie den Erfordernissen anschmiegt. Trotzki läßt ihn gewähren, und Lenin, der ihn fürchtet — „notre bete noive" nennt er einmal den Kriegsminister —. kann daran gehen, in bedächtigem Schritt die zerstörten Verbindungen zum Ausland wieder herzustellen, eine geordnete Ainanzwirtscl)aft einzurichten, zur Belebung der vernichteten Initiative mit dem ausländisü?en Kapital in Eühlung zu kommen. Trotzki, der den Zustand des indes mit offenen, klaren Augen sieht, billigt dies. Er ist die stärkste Persönlichkeit der Revolution und seine Stellungnahme wiegt mehr als tausend Bücher und Kongresse. Lenin kann reformieren. Die Zeit für den Uebergang zur Demokratie scheint zu kommen und llalvaleli icIIma Junge Dietmare DJcDSfraornkDolen jetztChifrone,(0flnn e- Kann ftFriprl vi. Linke wim« n©lr«iI5IIE5ilS“ iiomiete6nBMen,B8ii-B.Tisciiwiisffie”’”,*"^~,Ks MullaruBU zeiie4u tim«ow