Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2126 (20.1.1925)
- Date
- 1925-01-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Wiener MsrnenzeitimA. Mt S «r. S1S6 D'en, Dttnstag (•Mral'KIno a1! ddllWGWG,W»WlW,P'AG Tel. 42*8*41 <yy Prolongiert Infolge des grossen Erfolges iimm intim «..L. Der grosse jüdische Film «.«L* ml.m in sechs Akten Hungernde Herzen Lebensbild einer Auswandererfamilie im Ghetto einer Weltstadt ftm Ms Inklusloe Oonnerstgo, 21 Jfennor Jede weitere Prolongation ausgeschlossen Beginn der Vorstellungen x!ß, */48 und »/,9 Uhr% Sie ottomanische Staairschvld. Jerusalem, 17. Jänner. (I. T. A.) Der Stellvertreter des Oberstaatsanwaltes der Palast i na reg ie rung, Mr. D r a y t o n, begab sich am 12.. Jänner gemeinsam mit Vadib Ese nd i nach London, um im Namen der Verwaltung in Palästina und Transjovdanien, Mr. Paul Ha rvey, der als Vertreter der Londoner Regierung eine Einwendung gegen die Bemessung Palästinas, Transjordaniens und des Irak bei der Verteilung der ottomauischen Borkriegsschuld erheben wird, zu unterstützen. Dieser Appell wird dem vom Völkerbundrat zum Schiedsrichter singe setzten'.Herrn Eugene Borel Übergaben werden. Sie Sowletsvionage. Die Spione in der Tsckecho-Slowakei. Prag, 19. Jänner. Wie das „Montaglblatt" meldet, ist die Untersuchung gegen die rm Sommer des Vorjahres unter dem Verdacht der Spionage z u g u n st e n Sowjetrußlands . verhafteten russischen Staatsangehörigen. nunmehr beendet. Unter den Verhafteten befinden sich sechs ehemalige Za re n offiziere, die auch - in der. W r a n g e l - A r m c e gedient haben, sich alber gegen Bezahlu na zur Spionage zugunsten Scwjetvußlands verleiten ließen. Der Prozeß wird ge het m durchgeführt.werden. Radio* Sekretär. Belgrad, 19. Jänner. (Tlvala.) Auf Beschluß Ve8 Kassationshofes ist im Gegensatz zur Entscheidung des Belgrader Gerichtshofes die Frau des A n d r o l i c, des Sekretärs des Ra die, neuerlich unter dem Verdacht der Spionage wieder verbastet worden. Androlie wird Ubeschulldigt, Radio' und Maooks Komplice zu sein. Bolschewikische Tätigkeit in Persien. Paris, 19. Jänner. (Havas.) Nach einer Meldung der ,-Ghicago Tribüne" aus Teheran ist der Minister des Innern unter der /Anschuldigung, mit bolschew i k i s ch e n Agenten eine ' Be r s ch w ö r u n g Lligestiftet zu ihalben, verhaftet worden. Eine französische Protestnote. Paris, 19. Jauner. Herriot lha t den französischen Botschafter in Mos^kau Herbette beauftragt, eine P r otestnote an Moskau bet ressend die letzte Rede Rykows zu -überreichen. Es ist dies das zweitemal, daß -Herbette gegen die Rede der BolMommistäre protestieren muß. Bethlrns Gratisaktien. Der Prozeß Main. Budapest, 19. Jänner. Bor dem Gerichtshof in Kecskemet begann heute die Verhandlung des von der Staatsanwaltschaft gegen den Abgeordneten Ulain (Rassenschützler) eingeleiteten Prozesses wegen B e r l e u mdung. Ulain hatte am 13. Juli in Czegled eine Rede gehalten, worin er Mitglieder der Regierung n n d d e r Nationalversammlung sowie hohe Beamte beschuldigt hatte, sogenannte Gratisaktien angenommen zu haben. Abgeordneter Ulai» erklärt, daß er mit seiner Rede die schlechte Finanzpolitik der Negierung, und das herrschende System angreifen wollte; er habe nur von Gratisaktien und nicht von Bestechung gesprochene T< '' Die schriftliche Zettgenaussage des krank darniederliogenden Barons Ulmanu bestreitet, daß die Kreditbank irgend jemandem Gratisaktien gegeben nabe. Bei Einführung von Aktien erhielten solche bloß a 11 e u it b ver t ä ß l i ch e K oiit'iit ittenten der Bank. Ter als Zeuge einvernommene Präsident der Pester Kvmmerzialbank, Philipp Weiß, erllärt, von einer Verteilung von 300 Millionen nnter öffentliche Beamte und Abgeordnete nichts zu wissen. Bei Einführnng der Dorvgi- 'Nlummi-Aktien hätten nur Kommittenten 20. Jänner 1«8 Lederer, eine Mule des Hotthy-Regimes. Ser Hinter t>« Pronan-SetachMentt. Ans Budapest wiw berichtet: Die Ueber:mbme des Oberleutnants Gustav Lederer in das s^ndarmeriei'ott^, ist bekanntlich deshalb erfolgt, weil Lederer als Scharfrichter Im Pronay»Detachemen sich heroorragciche B c r d i e n st e nm die F e st i g u u n d c s -H o rthy - R c g imes in Ungarn erN'nsbeu hatte. „A; Est" veröffentlicht sensationelle Einzecheiren über die -H e n k e r s t ä t i g k e i t des t^enoarimerieoberleutnants stav Lederer in Transdanubien zur Zeit der Konterrevolution.. Danach erschieir Lederer mit It anderen Offizieren seines Detacheuren ts im August des Jahres 1919, also unmittelbar nach dem Sturz der Regierung Beta Kuns. in Tnnasöldvar rmd besetzte dort das Zeutralhotel. Vormittags wurde das ganze Dorf zufammenaetrommelt und den Dorfbewohnern mitgeteilt, daß ein Blntgerichi zirsaunnentreten werde, um alle Diejenigen Ort'-be.vcchner auszu rotten, di« ivähre.nid der Rätevegierun-g sich Äs K o m nt it n i ft c it betätigt hatten. Ais die Bauern keine Miene machtet», Kanrmunisten anzngeben, verhaftete das Qffizicrsdetachement kur.zerhand den Eigentümer des Zentralhotels, einen Juden namens Kovars nnd dessen Schwager Stein. Die Bauern erbrachen jedoch die Kammer, in welcher Kovars eingokerkert war, und verhalsen dent tmt Dorfe allgemein geachteten und beliebten Hotelbesiher zur Flucht. Mittlerweile verkündete das Standgericht das Todesurteil gegen Kovars und Stein, mit der Begründung, daß beide Inden seien. die sich mit den Kommunisten verbündet hätten. Der entflöhe.ne Kovacö wurde von berittenen Offizieren ir» der Umgebung des Dorfes ergriffen nitd in den Hof seines eigenen Gasihoses z u r ii ck g e b r a ch t. Der Ersitzende des Standgerichtes fragte, wer von den Offizieren bereit sei, die beiden Juden anszuhängri». Gustav Lederer meldete sich sofort zum Scharfrichteramt und nach ihm meldete sich ein Leutnant Karl Ämetty. Beide OMziore lagten sich zur Hinrichtung ihre weißen Glacehandschuhe an. Lederer knebelte Kovacs an Händen und Füßen, legte dem . Delinquenten den Strick um den Hals rmd demonstrierte den übrigen Offizieren einett Handgriff, itlit dessen Hilfe der Halswirbel des zu .Hängenden sofort zerbrechen sei. Lederer mtd Kmetty zogen sodann am Strick und Kovacs tvar wenige Augenblicke später eine Leiche. Als Lederer trünmchr den Schwager des binaerichtelen Kovacs, Stein, hättgen tvoltte, traten der Dorfrickzter rmd der Pfarrer da.ztvffchen, nnd protestierten gegen die vollkmnm^ willkürl'chc Hinrichtung des unschuldigen Mensche» in so energischer Weffe, daß Lederer, angesichts der drohe.n-reN Haltung der Bauern, es nicht wagte, die Hinrichtung zu vollziehen. Die Bauern befreiten Stein am selben Tag ttnd Stein entfloh nach Bnü-apcst. In Tab verurteilte das Standgericht zwei llunJürfiicXk zmn Tod. Lederer hängte den einen eigenhändig, der andere entfloh, wurde jedoch von beritteiten Offizieren cüffgejngt und mit Gowohrschüssen niedergemacht. Später. erschien Guswo Lederer iu Kccskemel, zur Zeit als.Ivan Hcjjas :u dieser Stadt sein S«hveckon8re.gimettt mtstihte. Ein Offiziers' detachenrent unter Führung Lederers stürmte eines Tages das Gefängnis votr Keosksmet, in welchem eine. große. Zahl von Anghvrigon der .Jnt.elli'gettchernse unter dem Veracht drsKvnr' mnnismus eingekertert waren. Lederer ttirö seine Spießgeselle» schleppten die Gluangenen in den Hos und massakrierten Ze der Reihe nach in cn gransmn-sten. Weise. . Zur Belohrknng für seine Tätigkeit^in der Bekämpfung des Kmnmutlismus wurde Oberleutnant Lederet nach Budapest versetzt nnd als.Kompagmekoinmandant einem Jägevbataillon.ztt.gstei'lt. Stürmische Szenen bei 5rode1t'«rs Begrätmis. Budapest, 19. Jänner. Bei der gestrigen Beerdigung des Selchermeisters Franz Kodelka, des Opfers des Äendarmerieoberleutnants Lederers und seiner Fratt, kam es vor dent Trauerhause und auf dem Friedhofe zu wüstett Skandalszenen. Die Menge stürmte das offene Grab, so daß die nächsten Angehörigen des Ermordeten in Gefahr gerieten, erdrückt und niedergetreten zu werden. Um den Besitz eines Fragmentes von den niedcrgelegten Kränzen tvurden wahre Schlachten geschlagen. Die Menge, in der sich zahlreiche Frauen der besseren Stände befanden, gebärdete sich wie rasend. Zahlreiche Persotteu stürzten in dem lebensgefährlichen Gedräng ein die offenen Gräber, die neben dem Grabe Kodelkas ausgehoben warnt. Die Polizei hatte die größte Mühe, Ordnung zu schaffen. . der Bank oder.P e r s o n e n, d i e dar u m bat e n, solche erhalten. . Abgeordneter Ulain erklärt, daß die G e m a h H n des M i n i st e r p r ä s i d e n t e n, ferner die Gemahlin des damaligen K r i e g s m i n i st e r s Bcliorka, Minister des Innern Rakovszky, Staatssekretär Petry, der Präisident der Nationalversammlung Bela S z i t o v s z k y, Pressechef A n g y a n, sowie eine Reihe von Abgeordneten und höheren Beamten D o r o g i - G u m m i - A k t i e u erhalten Hallen. Zeuge Direktor Weiß erklärt, daß die Bank ihren @eschäftsfrcunden solche Aktien überlasten habe. Sodann wurden die Brüder Rakovszkh und die übrigen von Ulain lleschuiid'.gten Funttirnäre vernormnen, Ivelche von Gratisaktiett nichts zu ivisten Vorgaben. Das Urte-i'! lmrd morgen mittags verkündet lvevden. Vertreibung der Wdischeu Studenten nur der landwirtschaftlichen Hochschule in Inblainy. Warschau, 17. Jänner. (I. T. A.) Vor einiger Zeit fanden an der laMvrrtischaiftlikchstr Hochschule in L nblainh AnAschreiMtrgen lgegett die jüdiischen Studenten dieser Hochschule statt. Schließlich tmwden die jüdischen Stndettten von ihren chriiftlichen Kollegen mit Gewallt ans der Hochschule entfernt. Wie der I. T. A.-Vertroter erfährt, wurden die vertvielbonen jüdischen Studenten bis heute noch nicht zngelassen. Die landwivtschastlichetr Hochschuilett in Warschau und Krakau, an die sich die jüdischen Siudeniett aus.LMaitch gewendet hallen, haben ihre Ausnahme verweigert. Jntervetvtionen bei dent Hauptrat der. pcllnstchen Akademiker blieben ahne Erfolg. Die . vertrichenen jüdffchen Studenten sind nun gezwungen, ihre Sttrdien abzubrechen. Japans Heimsuchungen. Tokio, 19. Jänner. (Reuter): Durch Feuer sind 300 Häuser zerskört worden, wobei 50 Personen verletzt worden snrd. . Aus New-Uork wird gomeDet: Die Evdbobertstationen der Fovdham Universität in Now-Aork und der Wafhittgtoner Universität haben Sonntag früh ztvischen 7 Uhr 5 Min. und 7 Uhr 45 Min. eine Reihe Heftiger Erderschütternngen verzeichnet, deren Zentrum 5000 Meilsn entfernt liegt, d. h. offenbar in Japan zu suchen ist. Italienische Meldungen, : Rom, 19. Jäitltor. Die Erdbebetnva.rte von Faenza zeigte .gestern um 18 Uhr 15 Min. ein anßerordonstich heftiges Erdbeben iit% ein.?- Entfernung pc.n zirka 9000 Ki'lom c i e v an'. Das Nachbicken dauerte drei S tun den. 8nlMd. ««»reichende Aaslandrmittel Kr die öfter« reichische Privatwirtschaft. -Auf dem Kärntner Parteitag der Ghristlichfozialen erstattete Dr. Seipel ein Referat über die politische L a g e O e st e r r e i ch 's. Er zählte konform dem letztetr Monatsbericht Dr. Z i m m e r m a n s die vom Parlament noch zu schaffenden Voraussetzungen für die Milderung der Kontrolle des Bölkerbuirdes auf. Ueller die EniwiNnng der innerpolitischen Lage sprach er sich ziemlich optimistisch aus. „Allerdings tverden wir", sagte er, „entsprechend der Genfer Veroinbarttng erst dann am Endeder SaniernngsPeriode stehen, wert« auch unisere wirtschaftliche EntwiMmg, 'also nicht die staatsstnonzielle allein, als eine beruhigende 'betrachtet üv-erden kann. .Nun ist es aber heute bereits vollständig Kar, daß fast e i n e größere Gefahr als jette, die uns von seiten der StaatHinanzen droht,- in der Wirtschaftskrise gelegen ist. Die allgenreine Entwicklung in der Welt, rnsbeisondere das Auftreten des Deutschen Reiches auf dem internationalen Kreditmark t, und die Schlvievigkeiten, denen die Kreditwerber aus Oesterreich im Ausland begegnen, haben zu großer Bennvithigung geführt, ich kann aber Mitteilen, daß das Bild, das wir in der 'letzten Zeit geiwonnen 'ha'ben, wieder günstiger anissieht. Der Bann ist gebrochen. Es ist lvenigstens einigen unserer Unternehmungen gelungen, die a u s l ä n d i s ch e n K r c d i t q u e l len für sich wieder fließend zu inachen. nnd wir haben die sichere Nachricht erhalten, daß sich für Bedürfnisse der osterretchischen Prvvatwirtischast A n s l a n d s m i t t e l in ansreichenderti Dkaßc zur Verfügung stellen, wetin n-ttr hie Sanierungs- Politik iu allen ihren Konsequenzen bis zum Ende verfolgt wird. In dieser Beziehung erheben die ntaßge'bettden Kreise <de's Auslandes zrvei Fordevungert: eine straffe, von den AttgenNicksschwievigkeiten nicht. beeinflußbare EskomPtcPolitik der Natio na l ba n'k und die Einheit der Finanzpolitik in Btvnd, Lättderlt und GvmeiN' dett. Gelingt es dazu noch, d i e P r o d n k t i o n 3 k o st e u u n s e r c r I n d n st r i e «um etiva 6 bis 10 Prozent zu ermäßigen, tvas neben der Verbilligung des Geldes und der Beschränkung der Besteuernrtg durch Jntenstvievtmg der Arbeitsleistung erreicht werden kamt/ dann werden wir wieder konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt. Ich halte nach wie vor daran fest, daß in einer so ernsten und Wveren Zeit alle P a r t e i e n S t a a t spol i t i k machen, das heißt unter: Zurückstellung ihrer parteipolitischen Wünsche die Verqntlyortnng für die Fühntng der Staatsgoschäfte tragen tnüßten. Mnn aber-erne 'Partei diese An-Mbe verkemtt und selbst gegen die Rettung des Staates und den Wiederanfbau der Volkswirtschaft Oppositicm machen will, -dann hat sie Opposition Pt Aeiben