Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2120 (14.1.1925)
- Date
- 1925-01-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Dien. Mittwoch Wlenev Moraenzeitung Nr. 2120 iWfc» Tagesbericht. Schwere Slfenbahnkatastrophen in Leutschland. Herne- Hattingen-DuiSvurg. — Biele Lote und Verletzte. Essen, 13. Jänner. (Wolfs.) Heute früh ereignete sich im Bahrchof von Herne ein schweres Eisenbahnunglück, über das die ReichsLahndirektion Esten folgendes mitteilt: Heute uw 7 Uhr 20 Minuten morgens fuhr der D -- Z u g Nr. 10 auf den im Bahnhof in Herne stehenden vollbesetzten Personenzug Nr. 830 auf. ES herrschte dichter Nebel und Dunkelheit. Bicher sind 81 Tote und 3 Obis 35 Leicht-undSchwerverletzte festgestellt. Die Rettungsarbeiten Hoden sofort begonnen. Der Unfall ist. soweit bis zur Stunde ermittelt werden konnte, vermutlich dadurch entstanden, daß der D-Zug das auf Halt stehende Einfahrtsignal infolge de's Nebels überfahren hat. Der Präsident, der Anttsvorstand und alle für den Betrieb Verantwortlichen Dezernenten der Reichsbahndirektion Esten sind an Ort und Stelle. Nach den letzten Meldungen sind 23 Tote und 59 Verletzte, darunter 14 Schwerverletzte, davon zwei lebensgefährlich, zu beklagen. Obwohl der D-Zug, der in Hern« fahrplanmäßig halten mußte, seine Geschwindigkeit bereits herabgesetzt hatte, war der Zusammen prall so stark, daß die hinteren Wagen de- Personenzuges vollständig ineinander geschoben wurden. Zwölf Insassen dieser Wagen wurden völlig zermalmt und ihre Identität wurde nur mit Mühe aus Vorgefundenen Papieren fest-gestellt. Das Trümmerfeld der Unfallstelle bietet einen furchtbaren Anblick. Die Reisenden der Leiden letzten Wagen des Personenzuges sind alle auf der Stelle getötet worden. Auch die anderen Toten und sämtliche Beruhten entstammen dem Personenzug. Gin zweites Unglück. Berlin, 13. Jänner. (Wolfs.) Fast gleichzeitig mit den: Unglück in Herne ereignete sich nach Blättcrstimmen ein zweites Eisenbahnunglück im Bahnhof * von Hattingen, wo ein Personenzug <M*f einen stehenden Z 6 g a u f fu h r. Bisher wurden drei Tote geborgen. Zahlreiche Schwerverletzte und pr verzeichnen. Der dritte Unglücksfall. Berlin, 13. Jänner. (Wolfs.) Auf dem Duisburger Hauptbahnhof fuhr heule -vormittags eine Lokomotive arrf einen nach Qbevhausen abfahrenden P e rsonenzug auf. Fünf Personen wurden hierbei verletzt. Ser MeuschenfleiMSMer von MSnfterberg. „Die billige Fleischquelle." Die „Breslauer Neuesten Nachrichten" melden: Mitglieder der Fleifcherimmng haben einwandfrei fepg «stellt, daß der Münsterberger Massenmörder Denke allwöchentlich auf dem Breslauer Markt erschienen ist und dort Fleisch feilgeboten hat. Ferner ist es erwiesen, daß bei verschiedenen Breslauer Einwohnern die billige Münsterberger Fleischquelle bekannt war und von ihnen auch häufig in Anspruch genommen tvurde. Mehrere Familienväter fuhren regelmäßig nach Münsterberg. Sie Berliner Roanzskaadale. Eine neu« Verhaftung in -er Kutisker-Affäre. Aus Berlin wird berichtet: In dom Verfahren g--gen K u tisker ist eine neue Verhaftung erfolgt. Ein Russe namens Boris Torbini, der flüchtig geworden war, ist sestgenommen worden. Torbini wird beschuldigt, der Leiter der falschen AbnahmekomlNlssiander rumänischen Regierung gewesen zu sein, welche Kutisker zu samm« »gestellt hatte, um der Preußischen Staatsbank vorguspiegeln, daß die rumänische Regierung das Hanauey Lager ',ü erwerben beabsichtige. Nach WNkersdorf — Sifchamrad. Das neue deutsch-arisch« Panama. Wie gemeldet, mußte di« StoatsanwÄtschast im Zufrüimenharrg mit den Vorgängen bei den staatlichen Werken nt Fi schamend einige Verhaftungen vovnchmem Die verlustreiche Geschäftsführung begann im Herbst 1923. In Fischamend werden SöAösier, Möbel und Eiscntonnen für Oel und PetrÄeum hevgestellt. In der Schlosserei wurden ungünstige Geschäfte erzielt. Noch vor tvenigen Monaten sind für ein ziemlich wertloses Patent über 1oO Million en gezahlt worden. Die nach ^io-senr Patent verfertigten Schlösser mußten billigst abgestoßm rverden, da «8 sich herausstellte, daß sie leicht durch unberufene Hand geöffnet werden können. Der Hauptbetrieb von Fischamend ist die Holz- Abteilung. MS selbständiger Leiter dieser Abteilung wurde i'irt Architekt Martin Schm idt verpflichtet, obwohl vor diesem 'JJlwtne gewarnt worden war. Er versuchte auf die KoKula» non der Holzwerke Einlfkch zu gewinnen, um so möglichst niedrig« Verkaufspreise zu erzielen. So hätte er sich glänzende Eirmahnlen gesichert, sein Unternchmen jedoch ständig durch billige Abverkäufe geschädigt Durch diese skrupellose Geschäftsführung wurde den 14. Jänner 1925 Das Budapester MSrderpaar. Ser Pronatz-Ledrrrr «ad feine Fra«. Budapest, 13. Jänner. Der Fall des Ehepaares Lederer, dem der Selchermeister K o d e l k a zum Opfer fiel, beschäftigt unaufhörlich die Budapester Polizei. Die Polizei ist durch die Aussagen des Direktors der Klubgarage-Aktiengefellschaft, Stephan N o v a k, der im Stockwerk unter den Lederers wohnt, zu dem Verdacht gekommen!. daß Gustav Lederer entweder allein oder ge-nreinsam mit seiner Gattin noch andere Mordtaten zur Last gelegt werden könnten. Novak erklärte nänrl'ich, sich genau erinnern zu können, daß Lederer die beiden Handkoffer, in denen er die Leichenteile Kodelkas beseitigte, auch Lei anderen Anlässen in frühesten Morgenstunden aus seiner Wohnung getragen habe. Novak behauptet, verdächtige Geräuschs schon zu wiederholten Malen aus der Wohnung Lederers vernommen zu haben. Man verweist in Polizeikreifen darauf, daß der Leichnam Kodelkas in Versehen Weise zerstückelt worden ist wie die Leiche jenes Unbekannte«, die seinerzeit im Lagymanyoser Donauavm angetrieben wurde. Die Polizei nimmt jetzt mit ziemlicher Bestimmtheit au, daß in der Wohnung des Ehepaares Lederer schon vor der Ermordung Kodelkas ähnliche verbrechen begangen worden sind. Die übrigen Fälle, und zwar der Fall R e i s m a n n, die Ermordung des Beamten K a n i tz im Stadtwäldchen und der Fall BoroS wurden schon seinerzeit polizeilich aufgeklärt, aus gewissen Gründen konnten jedoch damals die Erhebungen u i ch f abgeschlossen werden. Frau Lederer gab beim Verhör an: ,^ch weiß gar nicht, wie die ganze Sache gekommen ist. Ich umß rein von Sinnen gewesen sein, und ich verstehe es selber nicht, wo ich den Mut hergeno-mmen hatte. Ich habe eine religiöse Erziehung genossen, war jeden Sonntag in der Kirche und konnte früher nicht einmal Blut sehen. Ich gestehe, daß ich die kärglichen materiellen Verhältnisse meines Mannes sehr drückend empfand und — mein Gott — ich wollte gut leben und schöne Kleider tragen. Es wurde sestgestellt, daß der Vater Gustav Lederers Johann Lederer heißt und als Schneidermeister in Bratislava, Konventgasse 12, seine Wohnung hat. Die Erhebungen haben auch ergeben, daß Marie Schwarz, die ftxiter die Frau Gustav Lederers.wurde, zwei Jahre lang K a s s i e r i n in Preßburger Kaffeehäusern war. Im Jahre 1918 fand die Eheschließung statt. Kurz nach der Hochzeit erschien ein älterer Herr auS Wien bei dem jungen Ehepaar. Dieser .Herr wutde von den Bewohnern des Hauses, in dom das Ehepaar Leders damals wohnte, der „reiche Onkel" genannt. Der Herr verschwand damals unter dev dachtigen Umständen, doch wurde dies der Polizei nur vertraulich mitaeteilt und gegen die Eheleute Lederer, nachdem sie eine entsprechende Aufklärung gegeben hatten das Verfahren eingestellt. Gustav Leder«, der in W i e n die Exportakademie besucht hat und seit de« Jahre 1920 vom Wiener LandeSgeriHt ebenso wie sein« Frau wegen Veruntreuung verfolgt wird, f mit dom Pronah-Detachemeut aus Szeged nach Budapest gekommen. Er gehörte dem engeren Stabe des Kommandanten an. Ein« Gruppe ging dann nach W e st u n g a r n ab. Die Aufgabe dieses Detachements war, Kommunisten zu verfolge« und ihrer Bestrafung zuzuführen. Diesen Leuten gehörte auch Lederer an, der damals noch nicht VerpflegSoffizier, sondern den übrigen gleichgestellter Detachementmann war. Als die Gruppe aus Westungarn zurückkam, war Leder«' bereits wohlhabend. Er hatte waggonweise konfiszierte Güter mitgebracht. In Budapest wurde er dann Derpflegsoffizier und arbeitete überall rm Namen des Detachements. Er wurde zuletzt diverser Mißbräuche und Defraudationen beschuldigt, auch von der Militärbehörde einvernmnnren, die Sache ist aber schließlich im Sande Verläufer' Lederer hat eine Menge von Hinrichtungen mit eigen« Hand vollzogen, und damals ist in Kreisen der Britannialeute schon davon gesprochen worden, Gustav Lederer treibe «S so vornehm daß er das Hcnkerwerk in Glacehandschuhen vollziehe. Er war es auch, der. wenn das Tetachsment nach einigen Hinrichtungen eine Gemeinde verließ, mit ein. zwei Leuten zurückblieb und für die Verscharrung der Leichen sorgte. Wenn es möglich war und die betreffende Gemeinde in der Nahe der Donau lag. wurden die Körper der Hingerichteten mit Steinen «beschwert und einfach ins Wasser geworfen. Ko delka, der lange in glücklichster Ehe gelebt hatte, ließ sich aus Betreiben der Frau Lederer von seiner Gattin scheiden. Lederer ist im Militargefängnis an Scharlach erkrankt. Frschamender Werken ein Milliardenschaden zugesügt. Während des Krieges haben dort 10.000 Arbeiter FlÜMeuge und Motors hergefttllt. Die Umstellung auf den Friedensbetrieb war infolge des Riesenterritormms und der gwßen Dezentralisierung der einzelnen Werkstätten überaus schwierig und kostspielig. Der Ankerbrotrummel. Generaldirektor Fried noch in Hast. In der Frage der Enthaftung des Generaldirektors Fried der Ankerbrotwerke ist noch keine Entscheidung gefallen. Gestern hat eine darauf bezügliche Sitzung des Oberlandesgerichtes nicht stattgefunden. Sollte im Laufe des -heutigen Tages einem Enthaft» ngs begehren -stattgegeben werden, so müßte nachträglich in einer Sitzung der Ratskammer über die Höhe der Kaution entschieden werden. Erst dann kann Fried enthaftet werden. Die Ankerbrotfilialen verzeichneten gestern einen st ü rmi sch e n Kundenverkehr. Die Verschleißstelle» erhielten das normale Quantum zugewiesen und waren bald ausverkauft. Auch das in der Akerbvotsabrik hergestellte Bombend rot wurde ab gestern um 12 0 0 Kronen im Preise herabgesetzt. Maßnahmen gegen andere Brotfabriken. Auch gegen eine Reihe anderer Brotfabriken werden Borerhebungen gepflogen, die noch nicht abgeschlossen sind. Ein Einschreiten der WirtschaftSpolizri als Exekutivorgan des Gerichtes scheint augenblicklich nicht bevorzustohen. Auch gegen die Hammerbrotwerke ist eine gerichtliche Untersuchung «ingeileitet. Sine Geschichte der Samaritaner. Wie uns aus Jerusalem berichtet wird, empfing *er Oberkommistär Sir Herbert Samuel den Hohepriester der Samaritaner Jsaac den Amram in Audienz. Der Patriarch erbat sich vonr Oberkommissär die Erlaubnis, nach London zu reisen, luo er ini British Museum Archivstudieu für seine Arbeit über die Geschichte der Samaritaner machen will. Hohepriester Jsaac hat bereits, mit Entpsehlungen des OberkonlNtistärs versehen, di« Reise nach Lorrdon angetreteik. Die Tamaritcmer sind eine judaisirrende Sekte und haben ihren Mittelpunkt aus dem Berge G e r i z i nt im Zentrum von Palästina. Die Sanieritaner anerkennen nur dir sikns Bücher Moses, lchnen jedoch die Lchren der Propheten ab. Ihr« Zahl ist infolge JMcht auf etwa löo Seelen gesunken; sst leben I ckber noch immer nach ihren Riten, dt« ihnen auch die Darbringung von Opfern vovschroiiben. Schr eindrucksvoll ist ihre Pessachseier mit der Opferung des Pestachlammes aus feem Platze vor ihrem Tempel auf feem Berge Gerizim. Tutankhamen identisch mit dem biblische» Josef? Eine kühne Hypothese eines amerikanischen Gelehrten. Der berühmte Pharao Tutankhamen gibt soeben wieder Anlaß zu einer neuen Sensation. Der amerikanische Aegyptologe Prof. Selikovie vertritt in einem Artikel der „New Aork World" mit Entschiedenheit die Ansicht, daß der angebliche Tutankhamen nichts anderes fei als der biblische Josef in Aegypten; er gibt dafür folgende Gründe an: Tutankhamen war Regent Aegyptens in der Epoche der 18'. Dynastie, deren Regierung in die Zeiten Josefs fällt. Er war Haevetiker: ließ er doch aus ägyptischen Denkmälern die Namen der verschiedenen Götter ausmeißeln und an ihrer Stelle den Namen einer anderen Gottheit setzen, den manche Aegyptologe» „Atel" lesen. Der Professor sagt, dies sei falsch, man müsse „Adon" lesen, was hebräisch „Gott" bedeutet. Ein weiterer Beweisgrund ist, daß in dem Grabe keinerlei Totenbuch gefunden wurde. Der Bibel zufolge wurde Josef, der im Alter von 110 Jahren starb, einbalsamiert und in einen Sarkophag gelegt; beim Auszug aus Aegypten nahm Moses seine Gebein« mit. Der Gelehrte führt auch eine Tal,mudstelle an. nach der Josef in Aegypten dreifach wertvolle Schätze versteckt haben soll. Sicherlich — sagt der Professor — war ein Grab das sicherste Versteck. Damit lväre auch die Anordnung aufgeklärt, in der man die Schätze vorgefunden hat. Di« Juden hätten in aller Eile die Gebein« fortgenommen, die Schätze durcheinandergeworsen und nur eben noch den Zugang zum Grabe zuzudecken versucht. Wie man sieht, geht eS bei diesen Ausführungen des Professors Selikovie lediglich nur um Bevmutungeu: immerhin würde es die Vermutung des am'rikanischen Aegyptologen sehr lvesentlich bekräftigen Helsen, wenn etwa Tutankhamens Sarkophag bei seiner Oeffnung wirklich leer befunden werden sollt«. Jedenfalls besteht aber kein Grund dafür, weshalb man die Behauptung, daß die Ueberreste Josefs «beim Auszug der Inden mitgenommerr worden seien, nicht als historische Tatsache anschen sollte. Wichtig ist daher insbesondere die Bibelstelle, irr der berichtet wird, daß Josefs Leib einbalsamiert und in einen Sarkophag gelegt worden Ijjl Alfs auj die gleiche Weise bestattet, wie die Leichen der »