Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2119 (13.1.1925)
- Date
- 1925-01-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Wiener Morgen,Leitung. 13. Lanner 192ü Nr. -11V Me MeÄmMkA Nnwanderungsgesetze und die Palöstinafrage. Sin GesvrHch mit Sberrabbincr Ir. 8. P. Shakes. O&evva ucv Tr. Ci b a i e ö, welcher an» 3. d. nach einem mehr als drei Wocheir dauernden Aiifcnt^olt in den Percinigten Tta.urn in W i e n w i c d c v c i n fl c t r o f f c n ist, .hatte die 7vvcuiibXicfyfc11, einem mVjCver Mitarbeiter ausführliche TarX'gungen über den Zweck seiner Reise, ihre Ergebnisse und seine Eindrücke während seines AnfeMMes;it geben. „Meine Reise", cvfuövtc Tr. Ebases. „hatte einen doppelten Zweck; ick; war von einer Reihe jüdischer Personlichkorten in Amerika ersucht worden, hinzukommrn. lxtmit sic sich mit mir über die Errichtung eines jüdischen Instituts mit rein wissenschaftlichem Charakter Geraten könnten. Tiefe Beratungen fanden in einem verhältnismäßig engen kreise statt und ihr Ergebnis ist nach meinen Eindrücken g n n st i g: Ich fand, daß das Verständnis und die Stimmung für die Notwendigkeit eines solchen Instituts vorhanden feien. Ueberdic's galt »«eine Reise der finanziellen Hilfe für das Wiener jüdische Schulwerk. Auch da erreichte ich das Vorgesetzte Ziel irr einam kleinen Kreise jüdischer Person!ichke-iten Amerikas. Lv>ris M a r« shal I, Tr. G o l d m a n n. Stephan W i s e, Ielix M. Marburg, Richter Mack und Frau Dr. Ko Hut und Sohn haben mir durch eine Aktion im internen Kreise ermöglicht, einen erheblichen Teil des Defizits für das Jahr 1925 zu -ecken. Ueberdies sind für die nächsten Jahre gewisse Summen bereits in 'Aussicht gestellt. Ta die beiden Angelegenheiten, welche mich nach den Bereinigten Staaten führten, in einem engen Kreise zur Erledigung gelangten, hatte ich keinen Anlaß, sonst in die Ocffentlichkeit zu treten. Ich wohnte freilich mehreren jüdischen Veranstaltungen bei, darunter auch der Jahres Versammlung der Keren-Hajessod- Arbeiter, die, wie Ihnen bekannt fein dürfte, beschlossen hat, den für den Palästinaa-ufbaufonds im vergangenen Jahre aufgebrachten Betrag diesmal zu verdoppeln. Während meiner An'lvesenheit i-n New-Iork traf auch das palästinensische Mitglied der Zionistischen Exekutive, Colonel dort ein, um für das Palästina«ufbauwerL tätig zu fein, und hat eine vorzügliche Aufnahme gefunden. Colonel Kifh. dessen Aufenthalt einige Wochen dauern soll, wird vyrrr Präsidenten Dr. W e i z m a n n abgelöst werden, der anfangs Februar in New-Dorl erwartet wird. Was die Stellungnahme des a>nerikamschen Judentums zur Palästina frag« betrifft, so gewinnt man den Eindruck, daß die Gestaltung des jüdischen Lebens in Amerika immer mehr die Palästtnafragr M wichtiges jüdisches Leden^rovlem in den Vordergrund rückt. Der Zusammenhang zwischen der Sperre Amerikas für die Juden durch die letzten Einwa»derungLgesetze undder Palästinafrage ist unverkennbar. Die Judenheit Amerikas stellt sich heute — bis auf einen verschwindend kleinen Teil, welcher aus asstmÄatorffcher Ideologie die Sperrung der Tore tilmerikas als dein Aufgehen der Iudenechaft inS Amerik-nertuw günstig erachtet — die Frage: Wie kann ohne den Zustrom europäischer Iudenschaft das Judentum in Amerika erhalten norden? Und dieser überwiegende Teil des amerikanischen Judentums empfindet, daß unbedingt etwas getan werden muß. um die Erhaltung des Judentums in Amerika zu sichern. Tcr jüdische, der hebräische Knlturgedanke gewinnt aus diesem Gesichtspunkt für die amerikanische Judenheit immer mehr Bedeutung, der jüdische GrzishungSaedanke tritt allenthalben stark in den Vordergrund und die Palästi na frage wird gerade auS . dieser Perspektive immer stärker in den Mittelpunkt des Interesses der amerikanischen Indeicheit gerückt. Wie bekannt, beschäftigt die Frage der g e st r a u d e te n Emigranten, die sich in verschiedenen Häfen befinden und infolge der verschärften Einwandernngsgosetze Glicht in ehr nach Amerika gelangen konnten, seh? stark die jüdische Öcsfeutlichkeit; cs sind auch Bestrebungen i-m Zuge, Erleichterungen der amerikanischen EinwandemngKgesetzc für diese Emigranten zu erwirken. Es sei hervorgehoben, daß die jüdisch-mnerükaniilche OeffenEchkeit sich auch damit besaßt, das Problem dieser gestrandeten Emigranten wenigstens für einen. Teil von ihnen durch Verbindung mit Palästina zn lösen. Die Stimmung für Palästina ist m der ainerikaNischen Judenheit eine gute; es soll freilich nicht verschwiegen werden, daß sie zum Teil eben n u r noch .Stimmung ist. Daß die Stellung des Judentums in Amerika zur Palästinafrage rascher iiber das. Ddonuntt reiner Stimmung hinauskomme und sich noch stärker als bisher in R e a l i t ä t äußere, dazu bedarf es einer vürklich jüdischen Führerschaft rm amerikanischen Judentum. Das Problem der führenden jüdischen Menschen in Amerika wie in EnrwXk ist freilich ein jüdisches Erziehungsproblem und laßt sich nicht leicht von einem Tag auf den andoren lösen, Ti« jetzt verstärkte positive Einstellung des amerikanischen JudentuurS zum jüdischen Erziehungsproblem läßt hoffen, daß real« Grundlagen auch nach dieser Seite hin in absehbarer Zeit gegeben sein werden. Schon heute empfindet daS amerikanische Judentum die Notwendigkeit, mitreißende jüdische Persönlichkeiten in seiner Mitte zu haben." * Oberrabbm-er Dr. Ghajes hat seine Tätigkeit in Men wieder ausgenommen. Er beabsichtigt, zu der im Frühjahr stattfi ndenden feierlichen Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem zu reisen, die im Termin freilich noch mcht offiziell festgesetzt ist und wahrscheinlich von den Dispositionen Lord BalfourS, der,dieser Feierlichkeit beiwohnen will, ab hängt. Seift I Dien. Tie ns lag Arbettswfigkeit in Lodz and Warschau. Aus Lodz wird mitv>clci!t, daß dort infolge der toirt fchaftlicheu Tepression furchtbare Arbeirslosigkeii herrscht. In Lodz gibt es jetzt 100.900 Arbeitslose, das ist m e h r als ein Fünftel der Gesamtbevölkcrung. Besonders groß ist das Äend unter den jüdischen Arbeitslosen, die keine Aegiernngs» Unterstützung erhalten. Unsagbar ist auch das Elend unter den intellektuellen Arbeitslosen. Sollte di-.' Tepression anhalten, so werden traurige Vorkommnisse nicht zu vernreiden sein. Auch in Warschan nimmt die Arbeitslosigkeit ungcbenere Dimensionen an. Vor dem Lokal der j ü d i s ch c n G emeindeverwaltung sammelten sich zahlreiche jüdische Arbeitslose an. Jeder erhielt eine Unterstützung von fünf bis zehn Zloty. Als später Nachzügler kamen, war die Kasse leer, jo daß man ihnen nichts geben konnte. Tie Arbeitslosen besetzten die Türen und ließen die jüdischen Beamten und Räte nicht hinaus. Cs kam zu größeren T n m u 11 f 5 c n c u. Tie Funktionäre mußten durch Hintertüren das Lokal verlassen. Ler Wische Semriadeverband in Preuße». Bor den Neuwahlen. In Breslau ist ans Anlaß der bevorstehenden Gahlen zum Landesverband jüdischer Gemeinden Preußens eine Einigung zwischen Liberalen, Konservativen und Zionrstcn zustande gekomnteu. Tie Nicht- Unken der Vereinbarung sind die folgenden: l. Die vertretenen Parteien Verzichter', auf jede Benützung des Plakatwesens im Wahlkampf. 2. In den Ankündigungen von Wahlversammlttngen werden alle Parteien vermerken, daß nur Wähler oder nur Gemeindemilglieder Zutritt haben. 3. Zulässig sind in der nichtjüdischen Presse Inserate. welche die Ankündigungen von Wahlversammlungen oder die Bekanntmachung der eigenen Liste und eine bloße 'Aufforderung zur Wahl dieser Liste enthalten. Jede sonstige Benützung der nichtjüdischen Presse ist unzulässig 4. Alle vertretenen Parteien verpflichten sich, auf ihre Mitglieder dahin einzuwirken, daß grobe Taktlosigkeiten aller Art, insbesondere unsachliche persönliche Angriffe, im Wahlkampf unterbleiben. Für die Wahlen in Hessen-Nassau ist eine Einheitsliste angenommen worden. Es erhalten die Zionisten ein Mandat, der Zentralverein zwei Mandate und die Landgemeinden und Orthodoxie zusammen ein Mandat (Löwenthal-Eschwege). Alle Organisationen haben dieser Liste zugestimmt, so daß in Hessen-Nassau ein Wahlkampf überhaupt vermieden ist. Inland. Sie Lbftrilttionrkomödie im Fuftizaarschub. Daß die von der ^Wiener MovgriMiLu-ny" ausgesprochene BevmMutg viel für sich hock, die wilden £$• ftruiffcsoatSfeeneit int ILdstrMtsschuß nur cm Schein» gefecht uiitib die Vereinbarung über die Novellierung deL MiLtengeqetzes sei schon fo gut <wie abgekartet, ist nach der gestrigen Sitzung des IuistiMBschufses noch viel sinnfälliger geworden. Die Mehri^rt verzichtete nicht nur darauf» gegen die Obstrrcktion anznkämpfen. sondern, kam der Mb* norität dadurch entgegen, daß sie bis ans tveiter-Z die Sitzungen des JutsÄPuAschusses Ausfallen läßt. Offiziell ist gestern kein yebereinkömmen abgeschkoffen worden« aber die SWaLdemokräten erElärten, daß sie keineswegs ihre Obstruktion auf die anderen Ausschüße aiuZdshmn werden, .'deute wird der BudgetauSschuß zwfcbmmerrtrechen, der zunächst Zwei Regierungsvorlagen beMießen und hierauf die Bettung des Bu^ets fortsetzen wird. Bon schftGomotraüscher Seite biegt ein Bechwähen vor,' im Budgetansfchuß eine normale Beratung^ zu-u- 'I affe n. Auf welcher Gnmdbige das Kompromiß über den Abbau des Meten-gesetzes beschlossen werden wird, ist noch nicht bekannt, jedenfalls lassen aber die SazmNxmokraten bereits erkennen, daß sie in der Mietenfrage mivt sich werden handeln lassen müssen, da mit Jahresende das WohnungÄmfordemngögjesttz obläuft und die Mehrheit gü.iH nur einer Verlängerung seiner GAttmySdaluer zulstdnmen wird, womt die Qpposilion in der MietMSfrage Entyegenkommert zeigt. Int Pmiaimnt erwartet man, während der IustiM^chuß wicht tagt, also daS Forum deS aktuellen Konfliktes ausgeschaltet ist, in aller Rühe die Derhandiuugen über die strittigen Fragen zu. Ende führen zu fomvett. Man hält gerade die nächste Woche oÄ besonders günstig hi-ersür, well Dr. Seipel sich in den nächsten Tagen lvach Holland auf eine BortrvgStvwmee begibt und also von dieser Seite keine Mangenahmen Ueherrasthnngen.zu evvarten sind. Int InstizaMschnß wurde die langwoiWge Art der Redeobstrnktion fortgesührt. Abgeordmter Leuthner sprach langsam, Wort für Wort, ließ sich durch Zwisthemnfe widÄholt unterbrechen und verlangte daun ciit jedes Mal Schutz des Bovsitzenden gegen diese Stövnngen. Der Rede VenthnerL dritter Teil brachte noch nicht Vas Ende seiner AnAführuinyen. er hat sie mtr unter« vrochen Md gedenkt sie. falls bis -ur nächsten Sitzung käme Aendevung der Situa-'wtt eingetreten ilst, noch fortzw setzen. ______ Set vbgiwg de» vrel.- Wie die Korrespondenz Herwei erfährt, wird Aenninderat Orel der Aufforderung des Obmannes uunschak des Klubs der Wiener Gemeinderät-, fein Mandat zurückzulegen, Nachkommen. Gemeinderat Orel dürfte aber wegen seines Ausschlusses aus der Partei noch a« den Parteitag appellieren. eilt katholischer SachverstSudis« wer de« . Wischen Aufbau. Ans Rom meldet I. T. A.: Professor Oaudengio Orf a l i, MiMrd des Archäolag'^chon Rat-os bei dm, Anttgui-täten-Deporteme-nt der PMistünaregievurtg und Organisator des Mäfttnapailüllons auf der M ifi-onsauSstelluntz der romtsch'kachckilschen Kirche im Batilkan, «Märte gegetMer dem J.-T.-A.-Ber1reter, er fei ein tvavmer Freund der Juden und der jüdischen Arbeit in Palästin a. Er sei i'cherzou»At, daß nur di« jüdisch« Arbeit, das jüdische GÄd, die jiwische Begctbmtg wtb das jüdische Inieress« Palästina wieder auffontmi können. Die von den .Ittden tu Paföfihw geschaffenen geistigen Werte Lragon zur Bereicherung der Wett bei. Ueber die Frage der heiligen Stätten in PaWstwa äußerte sich Frater OrM dahin, es sei ein Fehler, die echMagilsch-redigiösen Fragen durch gewisse politische Tendenzen zu verwirren. Er haibe nie irgend einen Mangel an Achtung für den christtichett Glattbett und die christlichen Traditionen s-iteus der jüdischen Kolonisten bMerkt. 1825 Ginwanderer im Lezembev. Jerusalem, 12. Immer. (I. T. A.) Die Palästiuens>ische Lelögrapheitagentur teilt mit. daß wu Monat Dezember 1924 1836 Elniva«derer nach Palästina gekommen find. Im November 1924 Waren I960 Gimvanderer emigetooffen. Professor Greßmem»» über die Ausgrabungen in Palästina. Berttu, 12. Jänner. (I. T. A.) Im ne-uear Haft d«r «Zeitschrift für die olttesta-mentavisch- Wissenschaft" berichtet der hervorragende deutsche Orientollvge Prosessor Hugo G r e ßmoitn Über die Ansgräbungen in Palästina. Bei den amerikanischen Ausgrabungen in B eis an stieß man aus drei Basattstaduen ägyptischer Könige: Sethos des Ersten, Ramses des Zweiten und des Dritten. Bedeutungsvoll ist besonders die Etatne R»mises des Ztveiten, denn sie enthält die Nachricht, daß Namses Semiten verwendete, um seine gleichnamige Stadt im Lelta zr» bauen. Die Ausgrabungen haben gelehrt, daß Beiftrn von 1918 bis 1170 v. Ehr. in ägyptischen Händen blieb. Auf der amerikanischen Expedition nach Mvah und dem j Toten Meer fand Albright 800 Fuß Wer dent Toten Meer 1 eine stark befestigte Burg, stöben große Dteknblöcke, fog-naunte Monoliche, und Tausende von Feuerherden und Gchegen, aber keine Rest« einer S ta d t. Die Scherben weiisen auf die Zeit um 209 v. Chr. Mbright denkt daher an aine heilige Stätte für Pilger, die Vvnt Toten Meer yeraufftiogen und hier ihre Festtage vevlobten. Prof. Greßmann berichtet auch iiber die AnSgr»brmge'N Mavalisters imd de- Archäologen Wei^ in der Davldftadt von JernsalE, wo Spuren «htr israeLitischen Tvtenstadt anfgrdeSt wurden. Professor Rosenthal Leiter -eS medizinischen Instituts in Jerusalem. Professor Lazare Rosenthal, der frühere Direktvr de- MetschnKoW-Instituts in Moskau und jetziger Assistent deS Prof. Alexander Bes redka, des Nachsol-gerS M e tschnikows um Pariser Pasteur-Institut, wird in kuvMn die Leitung des medizinischen Instituts in Jernsulean Werrrchrnen Das InMtt wird im Frühjahr eröffnet werden. Jüdischer vrzirhungrweseu In Amerika. Sftw-Nork, IS. Jänner. (I. T. A.) Jur Hotel Majesiic z. Rew-Aork fand dieser Tage eine Beratung führender Persönlichkeiten der amerikanischen Judenheit Mer jüdisch« Erziehung statt. Vorsitzender war der Präsident des jüdischen Bildungsvereins Mr. Israel Unterherg. Mr. FellL War» bürg hielt eine längere Rede Wer die Wichtigkeit der jüdischen Erziehung. Nicht das Lehrbuch ist die Hauptsache sondern der jüdische Geist und die gesmrde Atmosphäre. Es wurden auf dieser Konferenz 125.000 Dollar gezeichnet. Die Anwesenden verpflichteten sich, alles zu luv, damit die Million Dollar für das Mische Erzkhungöwerk bald aufgebracht werde. SVIShriger BerufsMilSum KaraWchewrktz». Der Verteidiger im Beilis-Proteß. Ms Paris meldet I. T A.: Der berühmte rusiifche Jurist und Berte'idiger Karabtschewsky, ein Christ, der in tarn Kiewer NituMnordprozeß gegen den Juden Mendel Beillr di« Fi'chruttg der Verteidigung inne hatte, bogtug am ll. d. in Paris, wo er Hvgen-värtdg wohnt, das Jubiläum semer bOjährigen Tätigkeit als Jurist. . Der Prozeß BelliS begann <m\ 8. Oktober 1918 in Kiew mck dauerte 82 Tage. Die allmächtige mfstz'che Reaktion mit