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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-12 · Heft 2118 (12.1.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2118 (12.1.1925)
Date
1925-01-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Vien. M-nlag Wiener MornenzettunA. IS. Jänner IM Nr. 8118 Lie jüdische Wanderung. Aenfternngpn Abraham voMergs. Der bekcmute amerikanisch jüdische Schriftsteller Abraham G c> l - b e r st. Mit itied 1*3 Zionistischen Allicms'omltecs und einer der Führer der ameribinisclen Zionsten, weilte in >:n letten Monawn in Europo. de achte all« jirdisben Z.n- Iren u-nb n^h'n an dm zionistischen sowie <m dem allaemernen iiüdi'ck-on Lben anr..g?r- und befruchte lv Anteil. Herr Gol.dbeva l7.11 nun nebr von Wiesbaden aus. wo er an d*r 20. Laudcsionferenz der deutschen Zionisten teilp nommeu hatte, die Rückreise nach 'Amerika onrerreten. Nn« mittebbar vor seiner Abreise sprach er sich acg'n« über dem I T. A.-Bertnrer über leine Eindrücke in Europa in der folge niden Weise aus: Mein Eindruck ist der, daß die europäische Judenheit, deftmders die in Mittel- und Osteuropa, sortschreikend v e rar«t. In einigen Ländern, wie z. B. in P 0 l e n und in den «chemalS russischen Randstaaten — von Rußland selbst gar nicht zu rüden —, macht te* PauperiSmuS Riesenschritte. In diesen Ländern stich die ökonomischen Tatsachen und die Gesetzgebung gegen daindische Lüben. Di« Juden werden überall anihren wirtschaftlichen Positionen rücksichtslos hinauSg«drängt. Aber auch in Oesterreich verarmt da- Misch« Element zusehentdz. Nicht oval bester ist ein Deutschland, wo insbesondere die m«4 dem Osten cingewan« derlen Juden, die von früher etwas Vermögen gehabt haben, innrer mehr verarmen. Es ist natürlich, daß in allen di«fen Läuidem eine Auswanderungsbewegung emsetzt. Dagroße Judenproblem ist jetzt mchr denn je zu einem Wanderproblem geworden, jetzt, da alle Jmmi» grationSlSn-der ihre Tore fest geschlossen halten. Die Wünsche und Hoffnungen der Auswanderer sind nach P a l ä st i n a gerichtet, ÄS dem einzigen Ausweg Dian soll dieser Bewegung die äußerste Aufmerksamkeit und alle Tatlkrost zuwenden. Tie Losung mutz sehr bald herbei-g-oführt werden; lange warten kann und darf man nicht. Gegenwärtig verfügen die AuSwan» dorungSlustigen noch über etwas Vermögen aus den besseren Dagen. Bei dom fortschreitenden Pauperismus ist zu befürchten, daß sie in kurzer Zeit gern} ohne Mittel dastehcn werden, dann aber wird daS Problem hoffnungslos. Es wird dann eine Bewegung kommen, die die Zionisten nicht werden meistern können. Jetzt ist sm Wendepunkt, jetzt können die Zionisten noch die Lenker des jüdischen Lebensei«. Lasten sie Zeit und Gelegenheit ungenützt verstreichen, dann ist zu befürchten, daß da- Leben über sie hvnweageht. Man muß mit dem bisherigen System der strengen Auswahl bvcchen. D08 Land muß fähig gemacht' weiten, in möglichst kurzer Zeit Massen kmszii nehmen. Der Jude, m eine besser« Sphäre versetzt, Hai sich immer als tüchtig, <rl8 eine aufbaueude Kraft erwiesen. Jede Furcht ist grundlos. Dajüdische Wanderproblem und da- Palast inaprobl^m sind beide nur miteinander und durcheinander'zu f&fctt. Damit sscn die Zionisten der J'.tdenhftt und dck Welt klar machen, und man wird davcrstchen« Es fühlen alle, daß unsere Taten Himer den Aufgaben zurüctstolsen. Wenn der Zionismus nicht beizeiten großzügig d.« Frage d.r jüdischen Wau>deruug zu lösen verstehen wird, so wird oie zionist.sck>e Bewegung vom jüdisckien Leben an die Wand gedviickt werden. Die zionistische Bewegung mith immer noch ein breiter, fließender Strom bleiben. Wir müssen ihn der Masse zugänglich machen. Wir dürfen unfore Bewegung nicht ineineSekt« verwandeln. Die alten Berechnungen über Einwanderuugsmöglichkeit und Aufnahmsfähigkeit des Landesind über den Hemsen geworfen worden. Je mehr Kräfte ins Land kommen, befto aufnahms'ähiger wird eS. * . Die „Wiener Morgen-«itung" hat wiedeoholt auf die Not« wendigkcit hingewiescn, daß di« zion-istische Bewegung dem Waud-'rprMom die größte Aufmerksamkeit schenkt, nicht zuletzt aus den Gründen der gionistiischen Ausschließnnig-arbek in Erez Israel. Sie geftrandeteil -Migranten.. Abänderung des amerikanischen EinwanderungSgesehes. Chicago, 9. Jänner. (I. T. A.) Mr. Hermann Elanbogen, der im Auftrag der Chicagoer Juden beim Präsidenten Coolidge im Jmeresse der gestrandeten jüdischen Emigranten mte-:vonievt hat, teilte dem I. T. A.- Vertreter mit, er habe aus Grund sein« Unterredung mit Präsident Ciooilbdge sowie mit anderen maßgebenden PeuÄnlichkeiten den Eindruck, daß das Gesetz über Einlaß für jene Emigranten, die Amerika»),sa besitzen, aber infolge des JmmigratdonseinschränkunigsgüsetzeS nicht mehr ins Land kommen konnten, Aussicht hat. angonommen zu werden. Die Herren Elenbogcn und Messer hatten vonr Präsidenten verlangt, daß die m Southampton und anderen Häsen weilenden Gnrigrauten, deren amerikanische Verwandle ihre ersten Bürgerschaftspapiere horauSbekommen haben, nach den Vereinigten Staaten kommen dürfen. Dar Präsident sagte, sr werde keinen Einspruch erhüben, wenn der Kongreß zusti-nrmt. Das Kongreßmitglied Sabath eriklävte nach seiner Rückkehr aus Washington: Hevr Louis Mars hall and ich hatten eiiagvhcnde Besprechungen mrt dem Kongreßmitglied Ailbert Johnson, dem Vorsitzenden de» Immigration s k 0 m i t«e 8 dcS Rcpräsenlxrntei Hauses, gepflogen. Johnson ist geneigt, das Gesetz zugunsten der G'n>wandevu>ng der -in den europäischen Häfen weilenden Emigranten, Frauen und Kinder, zu verbessern. Johnson bat nur um einige Wochen Zeit, damit er den Gesetzentwurf so gestalten Kinne, daß der Kongreß Vie Möglichkeit habe, ihn aazunehmen. mmwmm .1 r dadurch, daß an einer Stelle Blut ausgetreten ist. Solange dieses ausgetretene Blut nicht crufgesaugt wird, übt es einen Druck auf das Gehirn aus und beeinträchtigt so stark das Erinnerung-- und Denkvermögen. Polizeioberkommisfär Dr. Musil vom Kommissariat LeopÄdstadt befaßte sich den ganzen Sonntag über mit der Aufklärung dieses Falles, die sich sehr schwierig gestaltet, zumal der Mann sich an fast gar nichts erinnern kann. Nur mühsam und auf schriftlichem Wege kann man kurze Schilderungen von ihm erhalten. Soweit Tr. Musil auS dem Manne, der sich an seinen Namen und Wohnort nicht erinnern kann, herausbringen konnte, ist er mit der Ostbahn angekommen. Er selbst schrieb auf einen Zettel, über seinen Beruf befragt, ans: „Speditionsbeamter". Man fand in seinem Besitze einen Depotschein der Garderobe am Ostbahnhofe. Krinrinalbeamte behoben damit einen Koffer mit Wäsche ohne jede Märke oder einen Namen. Befragt, ob er sich erinnern könne, wo er zuletzt gewesen sei, schrieb er auf, daß er, wenn man ihn ausführe, das Kaffee^ Haus, in dem er Samstag abends weilte, sofort finden würde. Man führte ihn ans und er ging mit voller Sicherheit znm Cafe im Hotel Kontinental. Arich schrieb er auf, tafj er sich erinnern könne, wie er an einem Tische im. Kaffeehause seine große Brieftasche, in der 80 Millionen österreichische Kronen, Pfunde, Dollar und deutsche Goldmark gewesen seien sollen, und die er in einer Innentasche seinex Weste verborgen hatte, herausgenommen habe, um das Geld nachzuzählen. Dann habe er die Tasche wieder verwahrt. Er erinnert sich noch, daß er schließlich mit einem G u m in ischlauch einen Schlag gegen den Kopf erhalten habe. Wo sich diese Szene abgespielt hat, kann er nicht angeben. Me Mutter, die ihr Kind ertriintt. Aws Grund ammhmer Anzeigen stellt« es sich hera-uS. baß di» Smahrige pcst'rv'lvse Beamtin Margit Tekjel in Ha-ersdork- Waidlmg^u tm Nwewlier vor'arn J'hreS ein Kind zur Welt gebracht hatte. Bei ihrer Eiivverrrahme gab sie an, sie sei dmch längere Zeit zu einem Manne in BezlMnrgtn Mauden, den st« <M der Straße können gelernt hatte. Seilen wirklichen Namen und seinen Wohnort will sie aber nicht gekannt halben. Sie trat zu, diesem Manne in intime Beiziehu-n^n, verheimlichte aber die Folgen diese- VerhältnisseauS Sclxnn und um ihre Mutter nicht zu kränken. Nach der Geburt wollt« sie daS Kilch in Wege qsbrn und sie häbe sich auch nach ein« Mlegemutter umgeschrn. Am IS. Nvv?rNber sei sie von d?n Mch-n übvkrsscht worden. Vie Hab» sich in d^ Bade»z:mm^r gcfMchtek und m» Tür« hinter sich ver'prrrk, obwohl ihre Mutt-r und andere Hansbswohner ihr B:i>'tand leisten wolltrn Margit TehÄ sagte aber nicht, daß die Geburt b.^rstehe, sondern schützte «lne andere Kranihvit vor, Im Ba-de-immer habe sie Nun ein totes K-ind #ut Wolf gebracht. Nachdem sie di« Leche verborgen Hobe sie sich zu Bet.t gcleat um-d erst zehn Tage spater das tote K:nd eingepackt mvd bei Wördsrn in die Donau gewor^n. Nach ihrer Einvernahme stei der G.mdarmrri: wurde Margit Tchol in das La-wd.saericht eirraeliefert. Bold darauf Mansie dem Uniersilchimpsrich'er, daß das K'.n-d lebend -"r Welt gekommen sei, daS sie aber dann erwürgt habe. Auch har sie di? Leich« nicht in die Donau geworfen, sondern in einen Teich »m Ren waldegger Park, wohin sie in Begleitting einer Freunidin gegangen war. Dort wurde daS tote Kind auch gefunden. Die O'bduktion ergab zwar nicht mit voller Sicherheit, ob das Kind lobend oder tot zur Welt gekommen sei. Die Staatsanwakt nimmt an, daß Margit Tehel. die ein sehr m-telligenles und gebildetes Mälchen ist, den Entschluß, das Kind zu töten, schon vor der Geirrt gosaßt hat, da sie kein« Vorbereitungen für die Entt' ich>ung tirrf. . Hen^e hat sich Margit Tehel w gen KindeSmord vor einem Cchwrirgericht de- LandesgerichteS 8 zu verantworten. Den Vorsitz in der Verhandlung führt Oberland.'Saerichlsrat H a n e l, Verteidiger der Angeklagten ist Dr. F l e i j ch m a n n. Ans den Arat-rn. S t a a t S 0 v e r. T e heutige Vorstellung im Refoutensaal, Ballet 0 i r e e, beglunt um 7 Uyr (nicht um 7*Ö Uhr-. * Tanzlnstitnt Herr, rn, II.Bez., Reinborsga^e SS, Tel. 83-4-91. (Entgsltli'ch.) Irr Hausarzt. Redigiert von Dr. Sanel Beer. Neue Krankheiten. 1. Di« Hass-Lrankhelt. Immer wieder hört man von neu auftretenden Krankheiten, die Kraukheitszeichen solcher Art aufweisen, daß ihre Einreihung in ein bekanntes Krankheittzbild schwer fällt. Einer genaueren Beobachtung und Untersuchung gelingt es meist schließlich, die rätselhafte Krankheit aufzuklären, deren Auftreten eben diesmal durch eine seltenere Ursache bedingt erscheint. Eine solche rätselhafte Krankheit bedrohte durch längere Zeit im letzten Jahre die im Frischen Haff tn der Fischhalrser Bucht wohnenden Fischer. Die Zahl der Erkrankten stieg fast bis zu fünfhundert, eS gab sogar einzelne Todesfälle. Eist klar, daß ein solcheplötzliches Arlftreten einer bisher unbe» kannten Krankheit Veranlassung zu verschiedensten Gerüchten gab. Tie Krankheit befiel die Fischer, die des Morgen-, wenn der Dunst noch auf dem Wasser stand, auf das Haff hinausfuhren. Estellte sich plötzlich eine Muskclschwäche ein, der bald eine gewisse Muskelstarre folgte, so daß jede Beweglichkeit behindert war. Schmelzen in d«N Waden und in den Lenden« muSkcln waren besonders ansfastend. Zur allgemeinen Hinfälligkeit des Körpetß gesellte sich zumeist noch ein starker Schweißausbruch. Fieber fehtt« meist. Was besonders ouffiel, war di« kranklwft« Veränderung des Harns. Dreser war dunkel gefärbt und wies verschiedene pathologische Brsiai'd'eile wie Eiweih auf Mit der Besserung der oft bestehenden Harnverhaltung besserte sich anch der ANgemeinzuftand. Interessant war die Deobachtnng. daß mehr Angelsischer als Nctzfischer erkrankten und daß die Windrichtung einen Einfluß auf die Oertlichkeit und Ausdehnung der Krankheit hatte, indem bei Nordwind nördliche Teile, bet Südwind {üb* liche Teile der Hasfgegend befallen wurden. Die verschiedenen wissenschaftlichen Kapazitäten, die sich mit der Aufklärung der eigenartigen Krankheit, deren Dauer meist nur einige Tage betrug, befaßten, vermuteten, daß esich bei der Haff-Krankhe!t wohl um irgendeine Vergiftung handle, deren Ursache aber anfangs nicht fesifteNbar war. Die ursprüngliche Annahme einer Bergiftung durch Nahrungsmittel wie frische Aale oder Genußmittel wie MochylaUohol wurde fallen gelassen und eS bestätigte sich die scheinbar naive Vorstellung der Fischer, daß daS Hofftvasser die Krankheitskeime enthalte. CS schien auch möglich, daß ein Gas in der freien Luft die Erkrankung verursache. 1 Die Untersuchungen deS WallerS und des Schlammes ließen Arsen Nachweisen, das mit den Abwässern zweier Zellulosefabriken ins Haff gelangte. Es gebrauchen nämlich diese Fabriken zur Herstellung Schwefelkies, der Arsen in kleinsten Mengen enthält. So stellte sich Arsenwosserstoff als Ilrsache der Haff Krankheit heraus. Das ungeherrre Dunkel war gelüftet und die neuartige Krankheit war eine Arsenvergiftung, deren Schädigungen längst bekannt sind. 2. Die Ratteubißkrankheit. Kürzlich stellte Dr. Winkelbauer in der Gesellschaft der Aerzte einen Knaben vor, dessen Krankheitsbild zum ersten Male in Wien beobachtet wurde. Der Knabe wurde nämlich von einer Ratte in den Unterschenkel gebissen, als er sie zertreten wollte. Die kleine Wunde, die beim Bitz der Ratte durch das Eindringen der unteren Schneidezähne in die Haut entstand, heilte zuerst ohne weiters, aber nach zehn Tagen stellte sich plötzlich eine Schwellung an der Bißstelle ein, die blaurot verfärbt und druckempfindlich war. Bald schwollen auch die entsprechenden Drüsen in der Leiftengegetcd und das Knie an. Da der Knabe auch zu fiebern begann, diese Ficberattackon von zwei- bis dreitägiger Dauer waren, den Au>jäNen Kopfschmerzen vovausgmgen, Bvnommercheit und Hinsälligkoit folgten, dach ton di« Aerzte zuerst am eine allgemeine BlutverMtmtig, worauf die meisten Krancheitszeichen wiesen. Die woitcrvn klin-ilschcn Uuterisuchuu'gvn, di« sich auf Harn Md Blut erstreckten urcd den Verdacht auif ein« typhöse Erkran- Atnig auiffc'mimen ließen, ergaben dann eine solche ähnliche positive Blutroaktivu, wie sie bei der Syphilis vorkommt. ES war s-omit klar, daß mau es hier mit der sogenannten RattonPiUvawklheit zu tun habe, die hiermit einwandfrei zum ersten Male in Oesterreich feisdgestellt wurde. Die Krankheit ist m Asien, basonderS aber in Japan und Amerika, gut gekannt und wird als Scdokku beizeichnet. Der Erreger der Krankheit, dessen Reinzüchtung gelungen ist, ist de>n bei der Syphilis bekannten Spirochäten, einein korkziohcrartig gewundenen Parasiten, ähnlich. So erklärt es sich auch, daß dasselbe Mitteck, das bei der Syphilis die Heilwir^ung hervorrnst, auch die Rattenibißkvankheit heilt nämlich daS von Ehrlich entdeckte Satvavsan. Tatsächlich fiel bald nach Beralbreichung van Sailvarsan daS Fi ober bei dam Kicaben. Interessant ist, daß der Ausbruch der Kranchc-it nach denr Rattenbisse erst nach Wochen oder Monaten, ja nach Angabe mancher Autoren auch erst nach Jahren evfolgt. Bor Beginn der eigenMchm Fisberattacken, die meist einen fleckigen Ausschlag am Kör^'er erscheinen lassen, stellen sich bestimmte Krauche!ts'.c'ichen ein, insbesondere die Rötlmg und Verfärbung der Bißstelle. Als Folgezustände der Krancheit sicht man Schädigungen der Nieren. Die darauMgende Diskussion ließ erkennen, daß dieser domonstricrte KrancheitSsall wahrsche-inlich nicht der einzige dieser Art bn Wien ist, aber bisher nicht als solcher erkannt wurde, denn daS KrancheiiSbild verläuft leicht unter den Erscheinungen einer typhösen Erkrankung oder einer Blntvergiftung. Die Prognose ist insoserue ungünstig, als ettva eine zehnprozentige Sterblichkeit beobachtet wurde. Die Krancheit wurde über Ilslen und Amerika nach Europa gebracht nick zum ersten Male im Jahre 1910 in England, 1912 in Italien und 1919 in Deutschland beobachtet. Es ist möglich, daß die Verschlechterung der Wohnungs- Verhältnisse in den letzten Jahren eine Zunahme der Rattenplage auch bei uns verursachte. So wären häufigere Rattenbiss« und das Auftauchen der neuen Krancheit bei uns zu erklären. Ein Redner machte auch daraus aufmerksain, daß die Tatsache der Wirksamkeit des Salversans auf die Rattenbitzkrancheit, die durch den selben Krankheitserreger wie die Syphilis bedingt ist, die Möglichkeit der Deutung ztiläßt, daß die Syphilis, deren Ursprung bis heute unbekannt ist, einst durch Rattenb.ß auf den Menschen übertragen wurde. Aerrtllcher Fragekatten. Erich Schwan. Empfehlen die mehrmalige Eiirreibung mit LOprozeniigem Formaltnspiritus gegen das Schwipeu der Hände. — Spira, Dukla. Die Säuglinge sollen Bäder von 85 Grad Eeljinerhalten, später kann das Badewasser um ein bis zwei Grade kühler sein. Die Bäder solletl dis ins zwelttz Lebensjahr täglich genracht werden. — B. K. Gegen die Halsdrüsen empfiehlt sich die Behandlung mit künstlicher Höhensonne und Lebertrangetuctz. Besorgt. Wenn der Wasserbruch groß ist, soll er behandelt werden. Der Eingriff ist einfach. Durch Anstich wird die Flüssigkeit einfach abgelassen. Das genügt meistens.

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