Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2118 (12.1.1925)
- Date
- 1925-01-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPim 20m»nl | Preu K 14001 Wien* 2ftm Abholan in d« Expedition, II. Tabor str. 1-5, oder in einerVerschleissteHe (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien klar cd die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Be«.. WoII«eiIe 11 Mit Postversand für Wien u Oeaterr. monatl. K 40.00» Ts ehecho-Slowakei: Mon. K 20. jujroalawiea: Mob. Dinar60. PolentMon 31/» Zloty, Deutschland Mon. Goldmark 4, F r a d k r., Belfieos Mon. Frea. IS i etter England: Me&4Schilling, Italien: Monatl. 15 Ur$ Rumänien Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz und das Sbrff« Ausland monatlieh Free» 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstf.1—3 Telephone: 44-0-38,43-3*19. AhöUhr abds. 21 -102,25*282 IX. Universitatsstraase 6—8 (Druckerei Steinmann)!•* Naelitahio»t«a “Wt M PNhnUhmrn «aO»ti,nw «r. 2118 ■■■■■mBBwaBaawainna fflien, Montag. 12. gsinnrr 1928 Oeaterreiehisehes Poatspar* ka«cen-l^onto Nr. 150.698 7. Katzrgang Amerika für den Völkerbund? Bet Rücktritt der Außenministerr Hughes. Washington, 10. Jäuuer. (Vpatorö.) Zur Denckffion des Staatssekretärs Hughes wird gemeldet, Hughes und Präsident Coolidge schienen bezüglich der auswärtigen Angelegenlheiten immer vollkommen in Uebereinstimmung zu sein, aber seil s'vnigen Monaten sei die Politik Hughes im S e n a t auf die Gegnerschaft gestoßen und Hughes habe sich gereizt gezeigt. Präsident Caolvdge und Staatssokvetär Hughes haben herzliche Telegramme gswechseA. Der zum Nachfolger Hughes auSersehene Londoner Botschafter Kellog tritt, wie mitgeteN wird, dafür ein, daß der Bölkerbmchpakt von ArnerNa unter gewissen Vorbehalten, die lweniyer radikal seien als die von Lodge vorgesehenen, ratifiziert werde. Herbette kn Moskau. Moskau, 11. Jänner. (Nuss. Tel.--Ag.) Der französische Botschafter Jean Herbette ist heute hier eingetvoffen. Er wurde'.im Bahnhof von Vertretern des Außenkommissaviats, vom dchlomatiischen Korps, vielen' Journalisten und einer zahlreichen Menge erwartet. Auch eine Ehrenkompagnie war ausgerückt. ,. Herbettz drückte, im l^efpräch. mit Journalisten seine Genugtulmg über den. so freundlichen. Empfang ans und erklärte,'er sei glüGich ünd Wz,MH «r st er B o t s chä ste r in die Sowjetunion gekommen zu, sein. Er sei gewillt, Hältd in .Hand mit'>der Sowjetregiermrg für eine A n- . Näherung und für die Wiederherstellung normaler Beyivhuugen zwischen beiden.Völkern zu arbeiten und hoffe auf eine erfolgreiche Regelung der zu behandelnden Fragen, von denen ihm bei beidevseitigem guten Willen keine unlösbar dorkomlne. Abends wurde Jean Herbette von Tschitscherin omp- ' langen. Kein Attentat ans Sinolvjlelv. Moskau, 11. Jänner. Wie, die Russische {Telegraphenagentur mitteilt, ist die im Ausland verbreitete Meldung von einem Attentat a «f S i n o w j e w in Leningrad aus der Luft gegriffen. Einigung der Rnanrministet bet Ontenle. Ein Milliarde Goldmark Reingewinn der Ruhrbefttz'ing. Patis, 10. Jänner. Die Agerice Havas meldet: Das Uobereinkommen zwischen den Finanzministern der Alliierten ist auf folgenden Grundlagen zustande gekommen: Ter Rechnungsabschluß über die R ü h r b e s e tz ü.n g wird «nach dem französischen Entwurf erfolgen; .die. Kosten der Ausbeutung und der Besetzung werden von den Gesamteinnahmen in Abzug gebracht und allen. alliierten Mächten gutgeschrieben iverden. Der Reingewinn soll eine Milliarde G o l d m a r k betragen. Bezüglich der belgischen Priorität wird anerkannt,, daß sie noch nicht vollständig erloschen ist, da Belgien noch 120 Millionen Goldnrark zu erhalten hat. Zur Tilgung dieses Restbetrages der Priorität «wird Belgien während zjivei Jahren 8 Prozent der nach dem D a w e s - P l a n einlaufeuden Jähreszahlnngen erhalten. Sodann wird nach einem noch nicht festzustellenden Satze eine Verminderung des per;entu:llen Anteiles eintveten, wobei der Rest von den 8 Prozent Amerika zufallen wird. Die amerikanischen und englischen Delegierten sind übeveingekommen, Amerika die Beteiligung an den nach dem Dawes-Plan einlaufeuden 'Ja-hreszahlungen aus dem Titel der Reparationen zuzüerkennen, während die Nückzahluugssrist für dse amerikanischen BesetzungSkosten auf 25 Jahre, beginnend mit S< ptember IMS, erstreckt wird. Die Besetzungskosten, die für die Zu* kunft mit einer Pauschalsumme von 160 Millionen Goldmark festgesetzt werden, und die Kosten für di« Erhaltung der im Dasives-Plan vorgesehenen Organe und verschiedenen Kommissionen sollen mit Prioritätsrecht von d.n deutschen Zahlungen abgezogen werden. Es würde dann noch eine Summe von ungefähr 34 Millidrden Goldmark gegenwärtigen Werkes verbleiben, von der Frankreich 62 Pr^ent erhalten wird, um während der Geltungsdauer des Tawes-Planes aus den Zahlungen D e u t sch l a n ds die Reparationen zu decken. Nach dem ,Matin" wolle Großbritannien den Betrag, den es von Deutschland an Reparationen erhalte, also etwa acht bis neun Milliarden Goldmark, auf die alliierten Schulden anvechnen, so daß also Frankreich nur noch für den Unterschied zwischen dieser Summe und der Höhe der englischen Zahlungen an die Vereinigten Staaten aufzukommen hat, das sind also fünf bis sechs Milliarden Goldmavk. Auch Luther kanu kein Kabinett bilden. Demokraten und Zentrum gegen de» Rechtsblock. Berlin, 11. Jänner. (Wolff.) Die Versuche des ReichSsinanzministers Dr. Lut h e r, die Grundlagen für eine Kabi'nettsMdung zu ßndsn, haben bisher, noch zu. k e i n e m E r g e b n i s g e f ü h r t. Dr. Luther hatte im Laufe des gestrigen Tages mit den Vertretern aller in Frage kommenden Parteien verhandelt. Die D e.m o k r at e n lehnen aus außen- und innenpolitischen Gründen den R..e chtFb l o ck.als...vKUg .. Die Z e n t r u m s f r a k t'.i o N *. des ' Reichstages hat ' nach mehrstündiger Sitzung nach' 9 Uhr abends folgenden einstimmigen Beschluß gefaßt: 'Die den Vertretern der Zentrumsfraktion am 11. d. in den Verhandlungen mit Neichsfinatvzminrster Dr. Luther übermittelten Erklärungen ermöglichen es der Zentrumsfraktion n i ch t, sich an dem vorgesehenen Kabinett zu beteiligen. Dr. Luther wird auf Grund dieses Beschlusses Montag .früh die Verhandlungen mit dom Zentrum und den übrigen Fraktionen informatorisch fortsetzen. Sarmat« Postgelder. Berlin, 11. Jänner. Die Frage der Rückzahlung der Kredite, die B a r m a t von der R e i ch s p o >'t »nd der Staatsbank erhalten hatte, beschäftigte auch gest'rn die zuständigen Stellen. Barmat erklärt, daß e r nicht persönlich für die Kredite hafte, sondern die Amexima. Infolgedessen müsse auch ein Ausgleich mit der Am e x i m a angestrebt werden. Die Staatsbank vertritt dagegen den Standpunkt, daß die Amexima alle Verhandlungen ans Veranlassung Barmats geführt habe. Los Spbonitzer Wasserkraftwerk. Uebernahme durch die Stadt Wien. Das im. Jahre 1921 begonnene Opponitzer Wasserkraftwerk ist gestern vormittags durch den Bürgermeister S e itz i;t den Besitz der Gemeinde übernommen worden. Die stimmungsvolle Feier, die durch eine Ansprache des verdienstvollen Präsidenten der Wasserkvaftwerke-Aktiengefellfchaft, Professor Franke l, eingeleitet wurde, gestaltete sich zu einem erhebenden Fest der Arbeit und des technischen Fortschritts. Bundespräsident H a i n i s ch erinnerte in seiner Ansprache an die Eröffnung der Wiener E^ektrizitätsansstellung im Jahre 1883 und betonte, daß er damals zum ersten Mal in feinem Leben auf der elektrischen Straßenbahn zur Rotunde gefahren sei. Tie Wundevwevke der Technik, die seither geschaffen wurden, verleihen den damals gesprochenen, viel,bemerkten Worten? „Ein Meer von Licht st r a h l t a u 8 von dieser Stadt!" neuerlich aktuellste Bedeutung. , Die Festbeleuchtung des Rathauses, die gestern abends stattfand, brachte wieder eine halbe Million Menschen auf die Füße. Bei der Illumination wurden 4000 HaVli.vattlampen und drei Scheinwerfer verwendet. Es ereignet« sich kovn Zwischenfall. Während der Zeit der Beleuchtung fand im Rathaus ein Empfang statt, zu dem der Bürgermeister alle Persönlichkeiten des geistigen und industriellen Men geladen lxrtte. Generaldirektor Fried. Krank Im Jnquisttenspttal. Der seit Freitag nachmittags in Haft befindliche Generaldirektor der Ankerbrotwerke, Fried, ist auch gestern nicht entlassen worden. Die RatskaMmer des Landesgerichtes hat gemäß dem Antrag des Untersuchungsrichters die Fortdauer der Haftangeordnet und die vom Präsidenten der Ankerbrotwerke, Herrn Mendl, angebotene Kaution von 5V Milliarden Kronen abgelehnt. Herr Fried, der nunmehr den Rekurs gegen feine Haft an das Oberlandesgericht ergreifen wird, ist in der Zelle zufammengebroche» und mutzte in das Jnquisitenspital überführt werden. Er hat bekanntlich vor vier Monaten seine Frau unter tragischen Umstanden verloren. Es ist m e h r a l s a u f f a l I e u d, daß bis zur Stund« noch noch keine Erklärung der mit der Angelegenheit befaßten Behörden vorliegt. Tie Durchführung der Sache macht den Eindruck, als ob es sich um einen Politischen Akt handle, bei dem durch eine Gewaltmatzregej der Erregung über die ausgepackelte Mietzinserhöhimg ein kleiner Ausgleich geboten werden soll, der noch dadurch an Bedeutung gewinnt, daß „a Jud' eing'spirrt" wird. Der Kampf gegen die Teuerung, den das Kabinett R äm ek andauernd führt, gewinnt einen merkwürdigen Charakter. Auf der einen Seite der Kompagnievertrag mit den Gaunern von Wöllersdorf, auf der anderen Seite die Sensationsverhaftung als Maßregel gegen den Weltmarktpreis des Getreides das heißt in der demokratischen R«- pnb'sik regieren. ... * '; . ' . Die Enthaftung bevorstehend. Wie wir knapp vor Schluß des Blattes erfahren, soll die Enthaftung des Generaldirektors Fried iin Lanfe des heutigen vormittags verfügt werden. Ler irrsinnige Landgerichtsrat. Genugtuung für Rechtsanwalt Dr. Klee. Aus Dresden berichtet I. T. A.: Das Laudgericht Bautzen hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft beschlossen, dom bekannten Berliner Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, einem der angesehensten Anwälte, der im vorigen Jahre, wie noch erinnerlich, 'im Zusammenhang mit der Flucht des Heinrich Sklarz auf Veranlassung des damaligen Bautzener Untersuchungsrichters, des g e i sie 8 g e st ö rten Landgerichtsraies Dr. Starck, für kurze Zeit seiner Freiheit beraubt war, für die dadurch unschuldig erlittene Unbill eine Entschädigung aus der Staatskasse zuzuerkennen. Damit hat das Verfahren, das damals das stärkste Befremden in der gesamten deutschen Oeffenttichkeit, ja weit über Deutschland hinaus, erregt hatte, und das vor allem den entschiedenften Protest der Berliner Anwaltskammer zur Folge hatte, den erwarteten Abschluß gefunden, der für Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee volle Genugtuung «bedeutet. üin Schlag mit dem Summlschlauch. Ein Mordüberfall in der Leopoldstadt. . Mit der Aufttärtlng eines seltsamen Kriminalfalles hat sich seit gestern früh das Polizeikommissariat Leopoldstadt zu befassen. Sonntag gegen halb 4 Uhr früh ging der Kaufmann Julius K o h n, Schüttelstraße 95 wohnhaft, auf dem Gehsteig nächst seinem Wohnhause. Als er zur Kreuzung! mit der Helenengasse kam, vernahm er plötzlich ein Stöhnen und sah einen zirka 40jährigen Mann bewußtlos auf der Erde liegen. Die Wache alarmierte die Rettungsgesellschaft. Der Jnspektionsarzt stellte eine leichte lange rötliche Schwellung an der Stirne bis zur rechten Schläfe fest. Nachdem sich der Mann einigermaßen erholt hatte> stellte sich heraus» daß er S p r a chu n d E r i n n e x u n g 9* vermögen plötzlich verloren hatte. Auf dem Wächzimmer konnte er nur auf schriftlichem Wege angeben, daß er sich erinnere, einen Schlag auf den Kopf erhalten zu haben, und daß er Brieftasche und Uhr vermisse. Man brachte ihn auf die 2. Unfallstation, wo er bis znm Vormittag blieb. Der SpitalSarzt stellte fest, daß der Mann eine leichte sichtbare Verletzung am Kopfe erlitten hat, die bis zur Schläfe ritzcht und durch die gewissermaßen ein Dämmerzustand bei dem Manne hervorgerufen wurd«