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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-09 · Heft 2115 (9.1.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2115 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. Silo Wien, ggfruw MorgMM»««?' 9. ggmn 1925 '%. ,a. me S W i c,c, 9. Jänner. * Das Wetter, firn Wchen Oesterreichs ist voll.siän>di.te AuSheitertma ent-aetreteu. Die Temperatur nimmt in allen Höhen M. Im Mp envor laude gibt es noch tiefe Wolken, die den sonst überall cingetretenen AnsstraWlNpKsrost verhindert halben. Voran ssaae: Kurrperiedisch verändert iclies, zunädyft heiteres Wetter mit Temperatur,«« ahme. * Dt« Lebensmittelmärkte. Der Berkehr auf den gestrigen Mävkten stand im Zeichen des emgoschrätttten D-darfes. Ans allen Gobiecen machte sich Reserve b.merkbar. In der Großmarkthalle wiesen Mar die Flcischmtporte einen Ausfall ans, allein die alten Vorräte übcrwogcn die Nachfrage, so das; stellenweise im Groschandcl Preisnachlässe botvilliqt wurden. Der N a s ch m a r k 1 wurde auch gster« mi* allen Gomüsesorten ausreichend belie'ert. Mit Ausnahme von Spinat, der sich mäßig verteuerte, zei-gte die Preising gegen die Vorräte leine Peräudev'.iuq. Auch aus dem £ bst nrarkt herrschte m allen Wiuterobstsorten Ueherfluß. Von Wild fanden imr Hasen 'besseren Absatz. Auf 'den Iischmärkten machte sich für Seefische lebhaftere Nachfrage bomerkbar. * Die Lebensmüden. Wie berichtet, hat am 6. d. ein juuger Mann auf einer Bank in Sievering Gift genommen und ist dann im Spirale gestorben. Wie ermittelt wurde, ist der Selbstmörder der 27jährige absolvierte Haudelsakadomrker Eduard NLarschall. — Am 30. Dezember wurde im Gemeindegebiete von Maria-Ellend ans der Donau die Leiche eines zirka (Sjährigeu Mannes geborgen. Der Tote, bei dem man einen Lohnsack mit dem Aufdrucke „Ja. N. Rella u. Nasse in Wien" fand, ist offenbar mit dem Arbeiter Franz (£ v m arte identisch, der Sovbstntörd begangen hat. * Der Tod eines Kindes. Der zweifahrige Walter hetzet bau er hat ans einem Fläschchen, das ein Medikament gegen Magen-leide« enthielt getrunlken. Bocher hat er auch die Gelatine von einer Kinderspielbrille verzehrt. Das Kind ist im Spital gestorben. * Die Leiche des ertrunkenen Kanalräumers gefunden. Wi< berichtet, ist in der Nacht zum 7. d. der 43jährige Kanälräumer Johann Svednicka bei Kanalräumnnasarbeiten in der Goldschlagjstraße nächst der Flachpasse in Rudoffshei-m ertrunken. Seine Leiche wurde nun gestern nachts im Kanal Marxovgasse-Invalidenstraße ^ge-fuiiidoii uttd gebovgen; sie wird obduziert werden. * Schwerer Unfall durch die Straßenbahn. Gestern ereignete sich in der Remprechtsdorlferstvaße ein Straßenbahnuüfall durch Abspringen. Die 27jähri,ge Hiffsarbeiterin Leopoldme Gegcnbauer. versuchte von der vorderen Plattform des Beiwagens eines m der Richtung mr Stadt fahrenden Zuges der Lmie 6 abzuspri-nigen, fiel ltnd kam fo ungllücklich unter die Schutzvorrichtung, daß sie mit dem rechten Unterschenkel unter das Rad geriet. Der Zug konnte sofort zum Stehen gebracht werden. Es wurden die Rettnugsgüselllchaft und die Feuerwehr bevu'ken, und es gelang nach einständig ex Arbeit, den 'Wagen m höben und die Verletzte aus ihrer Lage zu befreien. Die Verunglückte wurde ins ElisabeMpital gebracht, ivo ein offener Bruch des Unterschenlkels und Quetschungen festgeftellt wurden. * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez., Reindorfgasse 42, Tel. 83-4-01. (Entgeltlich.) * Radioprogramm für heute: 9 Uhr früh r Marktberichte. — 11 bis 1 Uhr: VonnittagSkouzert. — */a* Uhrr Schlußkurse der Wiener Börse. — 4 bis 6 Uhr: NachmittagSkonzert, DaS Wiener Lied. — 6 bi» 7 Uhr r Wilhelm-Busch-Abend.. AuS „Max und Moritz*, „Fips der Affe*, „Hans Huckebein*'u. a. — 8 Uhrr Operettenabend 1. „Schöne Galatea* von Franz v. Suvpö. 2. „Brüderlein fein* von Leo Fall. — 1V Uhr r Tanzmusik. Vereine. Borlriise «nd «erfammlunge«. Bukowinaer Zentralvexband. Sonntag Nachmittags im CafS Edison (Alserstraße v), Geselligkeitsabend mit Akademie und Tanz. — Verein für jüdische Geschichte, und Literatur in Wien, 2. Bez., Ferdtnandsstraße 23/8. Morgen, */*8 Uhr abends, im Sitzungssaals der Kultusgemeknde, 1. Bez., Seitenstettengaffe 4, Vortrag des Herrn Dr. Hugo Knöpfmacherr Der neuhebräische Dichter Saul Tschernichowski. M,t Rezitationen von Frau Mirjam Schnabel-Hoeilich. — Akademischer Lan-. des verband. Montag findet auf der Bude der I. A. B Jordania, 9. Bez.. Servitengaffe 4 », eine Sitzung statt. Chanukkahkinderfest. Anläßlich des EhamuMaihs-estes veraustMete die ziouistrsche Fvanenor-ganisaition vor kurzem ein GhcmuWahkinderfest. Nach einer Ansprache der Frau Doktor Moenherz, die den Kinder« die Bedeut ung des Channl^ahfestes schilderte, folgten Daftbietungen einzelner Kinder. Bor allem sind die unter der überaus dankenswerten Leittmg der hebräischen Kindergärtnerin Fräulein Rückha-tffen davgjbytenett Vorführungen des vor ««iit-igen Monaten van fi'wtif zionistischen Familien 'des 9. Bezirkes begründeten und erhaltenen Kindergortens heworFtthebön. Es war ein besonderes Vergnügen, die fomm drei- bis fünfjährigen Kinder hebräisch sprechen und singen zu hören. Der Vorführung wurde von sämtlichen An-Wchen« deu großer Beifall gesollt Institut für religiös-wiffeuschattliche Studie« (Beth-Hamidrasch. 3. Bez., Hetzgasse 40). Montag r Rabbiner Dr. A. K a m i n k a r 6 bis 7 Ubr r Jesaja; 7 bis 8 Uhrr MaimonideS, More Nebuchim. Mittwoch: Rabbiner Dr. A. K a m 1 n k a r tt bis 7 Uhr: Talmud: 7 Bis 8 Uhr r MaimonideS, More Nebuchim. SamStag r Rabbiner Dr. A. K a m i n k a r 3 bis 4 Uhrr Pentateuch-Vortrag. Dienstag, Donnerstag und SamStagr VoT bis V..8 Uhr: Dr. Wundermann: JngendkurS für Erwachsene. Keren Hajessod für Oesterreich. Die neue Adresse lautet: Wie», 1. Bez , .Wriuuerstraße 28. Telephonnummern 77-4-85, 77-4-86. Hilferuf Der jüdischen Blinden! Die trostlose Lage, in der sich die jüdischen Blinden in Wien befinden, veranlaßt die Vereinsleitung, an die jüdische Oeffent- Ischkcit nachstehenden Appell zu richten r Der Hilfsverein der jüdischen Blinden, der seit 14jährigem Bestände bestrebt ist, das schwere LoS seiner Mitglieder zu erleichtern,. stellt infolge der immer größer werdenden Not vor dem Zusammenbruch. Der Verein besteht teils aus Blindgeborenen, teils aus Kriegs-und Spätererblindeten. Die Mitglieder sind entweder selbständige Handwerker, von deren schwerem Existenzkampf sich ein Sehender kaum eine Vorstellung niachen kann, oder arbeitsunfähige Kranke. Besonders groß ist die sJ?ot der b l i n d e n F a m il i e n v ä t e r. Der weitaus grüßte Teil sind h e i m a t l o t e Ausländer, die von keiner offeittlichen Einrichtung unterstützt werden «nd ausschließlich auf die private Fürsorge angewiesen sind. Um diesem furchtbaren Elend wirksam eutgegenzutreten. ist der Verein bestrebt, eine f p st e >n a t i s ch e, produktive Fürsorge dnrchzufttllren, eine K r e d i t k a s s a für blinde Ge- »verbetreibende zu errichten, Einzelexistenzen zu fördern und ein Bliiidenledigenheim zu gründen. Unser Wunsch ist es, alle Fürsorgebednrftigen ausschließlich t u unserer Instirntion ans zü erhalten. Um dieses Ziel zu verwirklichen, sind an sehnliche Geldmittel notw «rr d i g. Wir dürfen wohl annehnren, daß unser Hilferuf an die jüdische Oeffentlichkeit nicht vergebens sei« wird und daß sich genug hochherzige Menschen finden werden, den Unglücklichste« aller Unglücklichen zu helfen. Wir bitten, sich al» unterstützende Mitglieder in der Verein»- kanzlei, 15. Bez., Herklotzgaffe 21. anzumelden. Spende«, mögen sie noch so klein sein, find auf unser Postsparkaffenkonto Nr. 133.213 einzuzahlen. Wir bitten, sich unserer blinden Sprachlehrer und Klavierstimmer zu bedienen. Obmann I. Schumann, Bürstenfabrikant m. p. Anitta Müller-Cohen m. p. Oberbaurat Robert Stricker m. p. Vizepräsident der Israelitischen Knltusgemeinde Dr. Josef Löwenherz w. p. Dr. D. S ch a p i r a m. p. Mne «nd Kunst. „Die SIldene Baue.- Das zweite Programm. Die Freie Wilsche Volksbühne hat soinerzeit ein „Studiv" gegründet. Die Schüler des Studio haben sich zu einer Kleinkunstbühne zufiaimimenigetan und treten vor die breite Oeffentl'ichkoit. Man freut sich ihrer Hingabe und Kuinistbegeiislerunig. Aber man kann nicht verschweigen, daß es noch immer Schülervorstettungen sind mit allen Unzuilänglichkeiten und Mängeln, die einem Unternehmen anhaiften müssen, welchem die primitivsten technischen Voraussetzungen fehlen. , „Die Gildene Pawe" machte sich an digssm zweiten Abend — wohl verfrüht — an so schwierige Auifgcvben, wie sie der «biblische Einakter Pinskis „Bath Schetva" zu lösen gibt, und dramatisiert auch schon Erzählunigen Schalem Alejchvms, in welchen eine ganze Schar scharf umrissener ChaDaktevgestalten owf die Beine gestellt werden muß. Weit besser gelangen die Inszenierungen jüdischer Volkslieder, insbesmldere jene, in welchen die wirklich unbekümmerte Anleihe beim „Blauen Vogel" der Russen das Vergnügen an der Darbietung nicht allzu beeinträchtigt. Sehr ergreifend und eigenartig bringen vier Mitglieder des Ensembles (di« Damen Halpern, Schnabel-Hoeflich und Rechter sowie Herr Halft c r n, der künstlerische Leiter des Unternehmens) das Lied des Ichuda Lob Perez von den drei Näher innen, und voll Stimmung war wieder die Szene „Beim Rebben". O. A. Nur de« Aeatern. Durgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, „Lumpazivagabundus*. Akademietheater. Morgen, */,8 Uhr abends, „DieDamemitdemSchetdungSgrund*. . StaatSoper. Morgen, 7 Uhr abends (Preise N), „Ariadne auf N a x o 8* mit den Damen R a i d l, Kittel, den Herren O e st v i g, D « h a «. Musikalische Leitung Herr Prof. Klemens Krauß, Direktor des Frankfurter Opernhauses, als Gast. B o l k s o p e r. Heute „Die verkaufteDraut* mit Karl Norbert als Kezal. Morgen „T o S e a*. Deutsches Volkstheater. Da» Ehrenmitglied Dr. Rudolf Tyrolt tritt Sonntag, 3 Uhr nachmittag», in „Da» grobe Hemd* und Montag, '/t8 Uhr abends, in „Zirkusleute* auf. Für die Nachmittagsvorstellung gelten Adendpreise ohne Bormerkgebühr. Zur morgigen Uraufführung der ernsthafte» Komödie „Ste selber nennt sich Heising »* von Wilhelm Stückle« wird da» Eintreffen de» Dichter» erwartet. Samstag, S Uhr nachmittag», „Da» vierteGebot*. Kammerspiele. Heute, ‘A8 Uhr abend», 75. Aufführung der Revue „Küsse »m Mitternacht* von Karl F a r k und Dr. Robert K a t f ch e r, Musik von Dr. Robert K aTf cher. Raimund-Theater. Sonntag, 3 Uhr nachmittags, „H Lns e l und G rete l*. Montag „Im weißen Rössel*, mit Haust Niese. In Vorbereitung steht „Lady a n n y und die D i e n st b o t e « f r a g e* von C. erome, mit Tilla Durienx. Inszenierung Karlheinz Martin. Theater i« der Josef st ad t. Morgen „Der Wegnach Dover*. Montag „U e b e r f a h r t*. Sonntag- Nachmittagsvorstellung „P r i n z e s s i n H u s ch e w i n d*. Carl-Theater. Heute, zu«! letzten Male, „D t e T i p p m a m s e l l*. Ab morgen täglich „D i e B a j a d e r e*. Sonntag, 3 Uhr nachmmittags, „E i n W a l z e r t r a u m*. Bürgertheater. Morgen, '/,8 Uhr abend», Premiere der Operette „Auf Befehl der Kaiserin^. „Die Kutsche der göttlichen Liebe" („Oe oarroffe tat Samt Sacwmorit" ist einer jener Einakter, di« Merrmee unter dem Titel „Dheatre de Clara Gazul" zu einem Band vereinigte. Das Buch erschien 1825 und der Vevfaffer sorgte dafür, daß ein Widmungsexennplar Goethe zlvgi-n-g, der sich wiederholt — zrun ersten Äiale am 21. Jänner 1827 zu Eckevmann — mit der größten Anerkennnng darüber äußerte. Dem kleinen Stück liegt eine tatsächliche Begebenheit Myrunde: Mne ebenso frommte wie liedeftliche Schmtspicklerin, die zu Beginn des 18. Iahchuttderts in Lmra lebte, evbat tmd echielt dmr chrem LiMalber. dernr Gouverneur der Stadt, -ine herrliche Karoffe, die sie später der Kirche vermachte. — Das LusEpivl, welches in den NemMerjähren in einer Tvachkription in Versen in der Cvmedie francaise gespielt, dann 1920 ln seiner ttrsprünglichen Gestalt von Copeau am Theatre Vieux Colonchisr wieder atrfgenommen wurde, erscheint jetzt im Spielplan des Theaters in der Josesstadt. Modernes Theater in Tokio. Nach dein MOor der «rropäischen Freien Bühnen wurde vor einigen Monaten in Tokio ein schmuckes Theaterchen eröffnet. ES führt den Namen „Dsttiöiji Shv-Kski, jro" oder .Meines Theater von Dsukisi" und Bann 600 Zuschauer austrchmen. Sein Gründer ist Graf JdisavoSki HiijÄata, ein glühender Bewttnderer und Schüler von Max Reinhardt «und Copeau. Im Gegetchatz zu anderett Vevfuchslbühnen hat das Theater in Tokio eyre große Bühtre, die- 10 Meter mißt in der Tiefe. In diesenr flemen, mit aller Kunst des fernen Ostens ausgestatte-ten Theater spiest eine von drei Regisseuren geführte Gesellschaft. Die Werke sind den modernen Sptelplänen der europaffchen uttd japanischen Theater eittnormnett. Es sind bereits Arbeiten der modernsten Dramatiker anfgeiführt worden. Dannner befinden sich , die „Wölfe" Pott Rornain Rollattd, ,-Sechs Persotten suchett einen Autor" voit Pivandello, „GaS" und „Bon morgeits bis Mitternacht" von Kaiser, „R. U. R." von Capek, „diachtasyl" von Gorki und „Liebelei" voit Schnitzler. Gerichlssaal. Schllm«k Folgen einer Probeheirat. Der Privat-beamte Frany Kolar und der Bundesbeamte Ernst Strauß bewarovn sich um dasselbe Mädchen. Diese entschied sich für Strauß und heiratete ihn. Dabet wurde vereinbart, daß Stvattß bereit sei, sein« Frau nach einem Monat freizugeben, wenn es sich bis dahin zeige, daß die Ehelcnte miteinander nicht leben können. Die Eh« scheint nun wirklich nicht glücklich «wesen zu sein. Fvan Johanna Strauß hatte mit ihrem Freunde Kolar meliere Begsmuugen, bellagte sich bei ihm auch über ihren Mann. Während ihres Aufsn-thattes in Dürnbach im Mai v. I. hatte fie mit Kolar ein Stelldichein m einern «nahen Walde vereinbart, doch hatte ihr Gatte davon erfahren und kam dsnr Paar nach. Es gab eine erregte Auseinandersetzung «wischen beit beiden Männern, in deren Verlaus Kolar «iueii Revolver zog und feen Strauß durch einen Schuß am Arme verletzte. Selcher ist der Arm gelähmt, nach Angabe der Gerichtsarzte ist eine WiedevherstellMa kaum möglül). Kolar stand gestern wegen Verbrechens der schweren «kWrpetbeschädiguna unter Anklage vor einem Schösfensenai. Er erklärte sich für nichtschuldra. In einer Aussprache habe Strauß von ihm die schriftliche Vupfltchtuug evMungrn, die Dame seines Herzens binnen sechs Wochen zu heiraten. Daun aber habe St-vauß di« „Braut" mit Drohungen vepfoligt. Es kam dann noch zu mchreren Degognuugen zwischen den beiden Nebenbuhlern, bei denen, wie der Angeklagte emahlt, Strauß drohertde Aeuße-rungen fallen, ließ, und dabei auch nach rückwa-rtS m die Revolvertasche -griff.' Der Angeklagte fügte noch hinzu, daß er sich nach der Tat -erschießen -wollte. Durch eine steckongebliebeue Hüffe sei -aber der Schuß nicht losaegan-gen. Emst Strauß erklärte als Z e u g e: Ich habe ihr -gesagt, daß Kolar um sieben oder acht Jahre jungeri'ei als sie und fo habe ich ml ch selbst entschlossen, die Ehe mit I-ohannia zu schließen. Wahrend der paar Wochen bis «zu unserer Verheimbung hat Kolar mir in Margarethen vor meinem Geschähe öfters aufgepaßt, und meine spätere Frau hat mir auch wiederholt «gesagt, er trage einen Revolver -bei sich, ich möge mich tit acht nehme«. Schließlich hckbe ich selbst gemeint, die Frau ist offcn«bar dem Kolar sexuell hörig, wir werden es zunächst mit einer Probezeit m der Ehe versuchen, wenn wir uns nicht vertragetl sollten, dann würde ich aus sie verzichten. Nun wird die Zeugin Joßanna Strauß der nomtnoti, eine -hochgewachsene Mondtne, elegant gekleidet. Sic schildert ihren Gatten als gewalttätig und bvntal. Sie habe gleich nach der Hochzeit eingeschen, daß sie mit ihm nicht Wen könne. „Er hat mich so geschlagen, daß ich von der Mitte des Zimmers bis ans andere Ende geflogen bin und jetzt noch -darunter leide." Aus die Frage des Vorsitzenden, warum sie denn nicht schon früher die Beziehungen zu Strauß gelüst habe, sagt die Zeugin: „Dieser Mann hat eben eine solche Macht über -mich a-uSge-übt. In der Früh fft er beim Haustor gestanden. am Abend hat er mich erwartet. (In immer steigender Erregung:) Zu Hause bat er mir gesagt: ,,Du bist ja wie ein Ketteichimd." Ich kann nicht verstehen, wie tch diesem Mantt zum Opfer gefallen bin. Zehnmal habe ich ihm den Abschied gegeben. Zehnmal hat er mrr verspräche n, nt i ch zu heiraten, und hat sein Wort nicht gehalten. Die Zeugin schildert die Verzweiflung, die Koliar nach der Tat an den Tag gÄegt habe. Der Angekl-agte Kolar wurde vom Schosfvttgerichte ztt zwei Jahren schweren Kerkers verurteilt. Ein befferer Selcherkaden. Im Betriebe des im 14. Beak$ etablierten Fleischselchers Ratmund Colombo war eine Revision vorgenommen worden. Da-bei wurde der 17jährige Lehrling Anchn Wurm dabei betreten, wie er Fleisch, das schön in Fäulnis übevgegangen war, zerschnitt, um es für -die Erzeugung von Braunschweiger Wurst zu verlwsnde«. Weiters wurde im Keller ein Schaff voll von diesent verdorbenen und faulen Fleisch Vovgsfunden, das auch zum Derwtvüsten bestimmt war. Sowohl der Lehrling als auch der Auge- Magbe halben die Zweckbestimmung dieses Fleisches zugManden. Im einem Verschlag wurden ferner 40 Stangen Bvaunschwerger Wurst gefunden, die ganz verdorben waren und stark mit Knoblauch be,harÄ>elt worden lvaren, tM den widerlichen Geruch teilweise M verdecken. Colombo, der sich wegen Uebortretung des Lebensmittelgesetzes vor dem G-ezivkLgericht zu vermrt- «wovten hatte, gab an, daß die 40 Stangen Wurst nicht zum menschlichen Genüsse, sondern zum HundSfutter destinnnt gewesen wären. Diese Am>gäbe wurde von der Gattin, insbesondere auch von dem Zeugen, dem Führivevker Thomas Schmittbauer, «bestättgt. Schnrittbauer gab an, daß ihm Coliomibo das ganze verdorbette Flet-sch, das er nicht methr verwendett lmuttc. für seinen Hund verlauste. Richter: Da Mußte er Ihnen ja fast seinett ganzen Wurst- und Fleischvorrat verlaust halben, den« nach dem Ergebnis der amtlichen Revision ist dieser Betrieb taffächlich „bts aus den Hun-d gekommen". Der Richter verurtMe den Angeklagten wegen sahrlW-ger Konservievmrg von Lebensmitteln, ferner weil er feinem 17jährige« Lehrling ohtte AuMcht die Fäbri-katiott der Wurst überließ, zu einer' Geldstvase von einer Million Kronen. Ms mildernd Lvttrde schwere Erkrankung des AngeWagten angenommender sich damals persönlich r-m Betriebe nicht betätigen konnte. Schadenersatzpflicht der Notare. Bor Iähvessrist erregte dir Verhaftung des steckbrieflich verfolgt gewchenen Käufuvatmes Otto Konvas wegen «großer BetrugSfakten Aulffchsn. Kurz vor seiner Flucht aus Wien hatte KozoaS bei dem Realttätettbesitzer Anion Rickert ein Darlehen von 233 Millionen Kronen aufgenvmmen. Als Sicherstellung diente ldas de, Gattin Kozdas', Leopoldine Kozdas, gehörige Haus in Ber>t dovf. Nachträglich stellte sich jedoch heraus, daß Frau Kozdas -nicht verbanvilungSfahig war, weil gegen sie ein Entmündigungsverfahren in Schwebe st. Rickert, der sein Geld vetlor, klagte nun die öffentlichen Notare Doktor Ferdinan-d Gass elfe der. Dr. Hans Babl ik und. den bei ihnen angestellten NotariatÄändidateu Dr. Heinrich Strauß ler. in deren Kanzlei das Rechtsgeschäft zwischen Rickert und Kozdas abgeschlossen worden war, auf Ersatz des SchadertS von 233 Millionen Kronen mit der Begmndwttg. daß sie bei Loga lisievuttg der Unterschrift der Frau Leopoldine Kozdas keine JdentitätSzcugen beizogen und daß Dr. Siräußlcr sich mit einem Gr-undbuchSau^uge aus dem Jahre 1921 begnügte. Hätte er den GvundbuchSstand zur Zeit der Zuzählung des Davl-chenS (1923) enraefehen, so hatte er die Annrerkuna der Bestellung eines Bestandes für die entmündigte Lsopoldin- Kozdas entnehmen können. Das ZivAandeSgericht (Borsttzettder Losrat Dr. Rappert) hat die Gerieten zum Ersätze von 130 Mi'lltonen Kronen an den Kläger verurteilt und in der Begründung lhervorgehoben, daß bic Notare für ein Bevschuiden der bei ihnen angestellten Notoriatskandidatett wie für ein eigenes Beüschtvlden haften. Da dom Nobaciatsjandidaten Sträußl-vr ci« Verschulden durch Nichteitstchtttahtne tu den neuesten Grundbuchsauszug treffe, habe nicht nur er, sondern auch die beiden Notare, tn dessen gemeinsamer Kanzlei er tätig st, -denr KUentett den Schapen, und Kvar zu -ffletchen Teilen,

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