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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-09 · Heft 2115 (9.1.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2115 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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S.OM«« ' '<Mkf '; aw_mm, Men» m-rMM»««. Sie Blutbilanz des Seelemuffchvimges. die Verluste der Snteate. Die indirekten Verluste des Weltkrieges sind M heut« nicht zu übersehen, aus dem einsamen Grunde, »veil sie «och immer nicht zu Ende sind, weil die einschneidenden Zerstörungen der internationalen Wirtschaft, die Verluste an Initiative und Menschenkraft and. vor allein, die Verluste an Fähigkeiten, Zeitaufwand und Intelligenz, die für die Aufhebimg des PfuschverkS von Versailles feit Jahr und Tag in Anspruch genonrmen werden, sich ziffernmäßig nicht auSdrücken lassen. Aber über die rein materiellen Verluste läßt sich allmählich ein Ueberblick gewinnen. Die Londoner „Morning P o st" hat zu diesem Zweck Zulainnlenstellungen gemacht, daS C a r n e g i e - I n st i t u t hat aus seinem Fonds für Friedenszwecke Materialsammlungen unterstützt und ein französischer Rechtsk-lehrter, M. B a r r i o l, hat für sein Land genauere Zahlen ermittelt. Für die Entente stehen deshalb jetzt ungefähre Daten fest, und sie zeigen mit erschreckender Deutlichkeit, wie viel der Weltwahnsinn seit 1914 in der Tat gekostet hat. Es haben verwren: Großbritannie»»: Tote und Vermißte . . . . . 872.358 Schwerverw»»ndete...... 617.740 Leichtvertvundete. 1,441.394 Schiffsverlnste: Tonnen . . . 7,757.000 Zerstörtes Eigentum: Pfd. St. 350,000.000 Frankreich: Tote und Ver»nißte ..... 1,880.500 Schwerverwundete. ..... 700.000 Leichtverwundete. 2,344.000 Schiffsverluste: Tonnen . . . 889.000 Zerstörtes Eigentum: Pfd. St. 2.000,000.000 Italien: Tote nnd Vermißte. 1,866.160 Schwerverwundete...... 500.000 Leichtverwundete. 562.196 Schiftsverluste: Tonnen . . . 846.000 Zerstörtes Eigentum: Pfd. St. 542,000.000 Rußland: Tote und Vernlißte ..... 5,262.064 Schwerverwundete. 1,000.000 Leichtverwundete .. 3,950.000 Schiffsverluste: Tonnen . . . 183.000 Zerstörtes Eigentmn: Pfd. St. 250,000.000 Vereinigte Staaten: Tote und Vermißte ..... 112.196 Schwerverwundete. 43.000 Leichtverwundete . ... . . 148.000 Schiffsverluste: Tonnen . . . 895.000 Zerstörtes Eigentum. — Bel g i e n: Tote und. Veritzißte ..... - .277.000 Schwerverwundete. . . ... 40.000. Leichtverwundete ...... 100 OOO Schiffsverluste: Tonnen . . . 84.000 Zerstörtes Eigentum : Pfd. St. 1.400,000,000 Serbien: Tote und Vernlißte ..... 807.347 Schwervertvundete. 322.000 Leichtverwundete. 28.000 Schiffsverlnste: Tonnen . ... — Zerstörtes Eigentum: Pfd. St. 400,000.000 Rumänien:.. Tote und Vermißte . . . . . . 455.117 Verwundete. 200.000 . ' Schiffsverlnste r Tonnen ... — Zerstörtes Eigentum: Pfd. St. 290,090.060 j Griechenland! Tote und Vernlißte. 60.000 Schwerverwundete. . 10.000 Leichtverwundete . f. BO 000 Schiffsverlnste: Tonnen . . . 346.000 Zerstörtes Eigentum. — Japanr Tote und Vernrißte ..... 303 Verwundete. 907 Schiffsverlnste: Tonnen . . , 120.000 Portugal! Tote und Vernlißte ..... 4.200 Schwerverwundete. 5.000 Leichtverwundete ...... 12.000 Die B a r a u 8 g a b e n für die Durchführung des Kriegewerden für die Hauptmächte »vie folgt beziffert: Pfund Sterling Großbritannien. . . 10.054,000.000 Frankreich . . . . . 8.136.630.000 Vereinigte Staaten . 5.519,594.000 Italien'. 3.502,000.000 Von Rußland stehen diese Ziffern nicht fest, für alle anderen Ententemächte zusammen beläuft sich die Summe auf 793,000 000 Pfund Sterling. Schätzt man Rußlands Ausgaben auf den gleichen Betrag »vie diejenigen Frankreichs, so kommt man auf nahe an 35 Milliarden Pfund Sterling Gesamtausgaben der Entente. Fügt nran dieser Summe diejenige des zerstörten Eigentums hinzu, die nach vorstehenden Einzelziffern sich auf 5.142,000.000 Pfund Sterling beläuft, so überschreitet man die Ziffer von 40 Milliarden Pstmd Sterling. Berechnet mail endlich nach einer Vorkriegsstatistik B a r r i o l s die Verluste an M e n s ch e n l e b e n, die er nach ihrem sozialen Wert, nach der Eiukommensfähigkeit des DnrchschnittsbürgerS in jedem einzelnen Land und nach anderen Svmptomen errechnet und auf die er z. B. für einen Engländer 828 Pfund Sterling, für einen Amerikaner 944, für einen Franzosen 580, für einen Russen, Italiener, Serben 404 Pfund Sterling ansetzt, so konrmt eine Summe von 4.503,404.000 Pstmd Sterling hinzu, so daß die G e s a m t v e r l u st e sich auf 45Milliarden Pfund Sterling erhöhen. DaS sind rund 900 Milliarden Goldmark. Aus der Seite der mittelenropäifchen Mächte l'ttub die Verluste zweifellos geringer. Immerhin geht mau nicht fehl, wem» man den Gesamtwert des Schadens, i&en her Krieg unmittelbar in der Welt angerichtet hat, zwischen 1000 u>nd 1600 Milliarden Goldmark >am»i»nm>t. Die Staatsschulden sind nicht ent,sprechend gestiegen, >da die Zerstörung zum großen Teile mittelbar oder unmittelbar von der Bevölkevung getragen wurde. Inrmerhin ergibt sich allein für die fünf Hauptmächte der Enbente eiste rMmItitelbare SihitldenstAgevMg durch den Krieg ohne die Wiederausbauschulden von annähernd 20 Milliarden Pfund, also 400 Milliarden Gbldm-ark. Diese Zahlen, die die tve »teste Verbreitung in der ganzen Wellt verdienen, stellen ein besseres Argmnent geigen den Krieg 'dar, als alle ethischen Begründungen, die Philosophie, Pazifismus nnd Menschenliebe aufbringen Sännen. Denn angesichts dieser Verluste muß auch der Dümmste einsehe»», daß der Verlierer eines modernen Krieges nicht mchr in der Lage ist, dem Gewinner auch nur den Schaden zu 'bezahlen, geschweige denn das Göschäft „rentabel" zu machen. (AuS den» „Pester Lloyd".) Abba« de« Mietengesetzer» Der Zweck der gestrigen Nationalratssitznng ivar wohl Nur der, die Abgeordneten zu den Klnbberatungen nach Wien zu bringen. Bon den m den letzten Tagen von christlichsvzialer Seite ange-kündigten Mionen ist -es ziemlich stille geworden. Heute will der Obmann des Iustizausschusses Dr. Waiß versuche»», den Antrag Reiner über .den Abbau des Mieten g e s e tz e § vorn Justizausschuß einem Subkomitee zutweisen zu lassem Ta jedoch die Sozialdemokraten erklären, sie »v-ürden jebcit Versuch verhindern, die Tagesordnung des Ausschusses zugunsten -'des Antrages Reiner mnzustoßen, und mit alle»» parlamentarischen Mitteln die Aufrollung der Mietenfrage abwehren, so dürste Dr. Waiß wtwig Glück habe»». Die Nationalratssitzmrg dauerte kaum zehn Minuten. Das Haus nahm in beiden Lesungen eine Regierungs-Vorlage betreffend die E xf ü in merierung eincs Teiles der G a st e i n e r B u ndesstraße ohne Debatte in beiden Lesungen an. Nächste Sitzung Donnerstag den 16. 11 Uhr vorulittags. Me hohe« SlektriiMrfte«en». Stach einer gestern in» Jrldustriehause stattgef»»ndenen Beratung der Vertreter der wirtschaftlichen Organisationen des Handels, Gelverbes, der Industrie und der Schutzverbände für Stromkonsnrmnten begab sich eine große Abordnung dieser Organisationen n»»d Verbände in das Parlanrent und brachte dem Bundeskanzler Dr. Ramek und dein .Handels-Minister Dr. Schür ff die Beschlüsie der Tagung zur Kenntnis. Die Abordnung bemerkte, daß ein Abbau der von den Ländern und Gemeinden emgehodenen Steuernund Abgaben auf elektrischen Strou» unb-dingt »»ojjwendig sei. Diese Stmern und Abgaben belasten die Produktion in einer unerträglichen Weise und nmchen dieselbe konkurrenzunfähig. Dr. Ramek und Doktor Schürft ließen sich von den vorgebrachten Argmnenten überzeugen und versprachen, bei der demnächst stattfindenden Länderkonferenz diese Arrgelegenheit zur Sprache z,t bri-ngen. ' > eine Botlriegrschnldenkonferenr in Me«. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 8. Jänner. Wie Ihr Korrespondent bereits berichtet hat, ist eine Konferenz der Nachfolgestaaten über die Aufteilung der Vorkriegsschulden der ehemalig m Monarchie in Borbereit-mrg. Diese Konferenz wird nun, wie Ihrem Berichterstatter im hiesige»» Außenministerium mitgeteill tm»vde, am 2 3 d. -in Wien stattfiltde»». Lie Werbung?« für dar Bmidertzeer. Das Ministerium st'rr Heerwesen dementiert die von einer Korrespondenz ansgegobenen Mitteilungen über daS Ergebnis der Werb»tl»gen für das Bnudesheer. Die Werbungen wurden mit 31. D:zen»ber abgeschlossen. Die Anzahl der tauglichen Bewerber beträgt nicht 4000, federn ist wesentlich höher. Angelworben wurde bisher überhaupt noch niemand, da die Anwerbung erst durch die Bestätigung durch den Bund-esininister für Heereswesen erfolgt. Unter den Bewerbern sind wie immer fast alle Berufsstände vertreten und es ist durchaus uu r i ch 1 i g, daß die für tauglich befundenen Bewerber hauptsächlich M a >t n r a n t e.u, Hochs ch ü l e r »nid a b ge b a u t e B a n k -b e a m t e sind, Lar Wiillerrdorfer Panama. Der Ehrenbeleidiguugsprozetz Sklarz gegen den „Abend". Der „Abend" teilt »Nit: Der Ehreubeleidigungsprogeß der Diebsgesellschaft P ittner-Neuhöfer-Sklarz gegen 'den „A b e n d" wegen der in der Wöllersdorfer Augeliegenheit erhobenen Be-sch»»ldigu»»gell wird am 16. Fetz rna r vor den» Schwurgericht stattfinder». Die Mlnderheftrftage. Mittwoch den 14. d. u»n 'halb 7 Uhr abends finkt im kleinen Festsaale der Wiener Universität aus Anlaß der ersten Vollversammlung der Fördernngsgesellfchaft des In- . stitntes für Statistik der Mindorheitsvölker eil» Bortrag des Herrn Bnnde'ska»»zser a. D. Dr. I. Seipel, „D i e g e i st i g e n G r »i n d I a g e »» d e r M i u d e rheit«»frage", statt. Tagesbericht. Als Luartiemacher der Hakoah nach Aegtzvten «nd 8rez gfrael. Boi» Dr. I. H. Körner. 1. Als Quartiermacher wurden wir, D»'. D««nant und ich, vorausqe-schickt. Wir nahmen ztvei Herren »mlserer Reisegesellschaft mit, die eine Woche früher ihre A-ngelegeniheiter» in Palästina erledigen wollen, »tm da»»n mit uns die Reise mitzninachen. Bon diefen beiden Herren, Dlvschiritz i»»»d Eisler, ge« hört elfterer der Wiener Misrachi an. Herr Du-schnitz fährt nach Hais a und wird dort eine Spiritus s abrik errichten. Wie er uns genau ausführte, wird sein Nntern-chrnen für Erez Israel eine reiche Einnahmsguelle fern. Voriges Jahr fuihr mit »»ns .Herr Delfin er, der hener seiire Seidenspiirnerei eröffnet; im nächsten Jahr werden »vir hosfe-ntlich wieder fahren und die Fabrik von Dufchnitz eröffften. Auf den» Schiffe sichren 70 Chain,zirn mw Chaluzotl, nach Palästina. Sie kmmnen ans Delltischland, Rußland, Polen und Ungarn. Die einzelnen Gruppen haben sich gleich der eirrigt, ihr Lager auf Teck aufgefchlagen itttib das Zivscmml-enircftcu gleich tut Hafen von Triest gefeiert. Die hebräische Sprache hat sie sofort vereinigt und sie sangen genreinfam die TNvah. Alle Jude»», die auf dein Schiffe in den Vevschiedeiveit Klassen sichren, käme,» heran. Die CHMzim haben die Juden hevbeigerufe»»! Nicht »rmgekehrt. Ist da »richt ein Systemwechsel eingetreten? Die jürrgsten Ziomston erinnern die Inden an ihre Pflicht, die Pioniere ermahnen die jüdischen Luxusreisendcit nachzüdenken, ob den» Inden tum nicht doch etwas Dringenderes nottut als lediglich Luftre'ffe.»l? Und als dann am Abend vor»»e auf Deck das Minchagebei verrichtet »vurde, sah n»a»r schon 'viele der Klasse-Israeliten auch dabei. Wahrlich, alles geht bei r»ns von rechts nach links. Die Armen erwecken die Reichen, die Kleinen erziehen die Großen! Auch eine ga->tze Wiener Familie fand ich unter den Chaluziitt. Herr Che setz mit Frau und vier Kindern wa»»dern »»ach Palästina. Aber auch die Exekutive ist vertreten. Diröktor Halpern reist icach Palästma. Das Loben oben auf dem Deck gleicht einer»» Leben im Lager. Und es gilt dem Airfban. Die meisten der Cha.l»t.;im wissen von der Hakoah- Reife und ihre Fragen sind endlos: Zwei Reifende ans Pennsylvanien, die zwei Monate in Palästina ihre Studien machen wollen, um dam» dauer»»d zu übevsiedeln, haben sich fiir die Mitreise der Hatkoäh-Tournee angemeldet. Durch sie »nachte ich die Bokanntfchaft von sechs anrerikar» iischen Juden, die ebenfalls nach Palästi»»a fahren», um die Aussichten für beftinrinte Jnduftrm» zu prüfen. Unter den Reisenden fand ich ferner noch einen allen Bekannten, den Londoner Direktor der Jüdischen Teilen, raphen- Agentur, Herrn Groß mann. Und noch eine interessante Gruppe Palästinareffender lernte ich kennen. Acht hochiiltelligente Bn-rsche»» aus wohlhabenden Familrm, die der Jchchiwaih in Slobodka (Litauer») an-gehöre»», übersiedeln nach Hebron, denr einstigen klassischen Sitz des Bibelstu-diums, wo bereits 32 Schüler der Jeschiwah weilen und »vohin noch in Gruppen p» acht tveitere 48 Bocherim kommen werden. Bis Kap Matapan hatten wir -eine herrliche und ruhige Fahrt. Hier leider hörten die Chalnzin» au!f, p singen und M tanze»». Direktor Halpern, Dr. Diama»»t »l-nd ich — die drei Seefesten — beschäftigten sich die ganze Nacht mit den , armen Seekranken. Erst gegen Mittag beruhigte sich das Meer »»nd mit ihn» »»nsere Chalnzim. Rdksche Landwirtschaft in Amerika. 75*000 jüdische Landwirte in den Bereinigten Staaten. Aus New-Dork berichtet I. T. A.: Der Direktor -der jüdischen Landwirtschaftsges-ell-schast und Leiter der Zeitung ,^Jewifh Farmer", Herr Benjamin C. S t o n e, teilte mit, daß »n den Verei»»igten Staaten 7 5.0 0 0 j ü d»s ch e L a n dwirte mchr als eine Million Morgen Land bearbeiten. Das Cigenchuln der jüdischen Landwirte in den Vereinigten Staaten hat einen Wert von mehr als hundert Millionen Dollar. Die jüdische Landwirtschast'sgssellschast instruiert die jüdische»» Landwirte in allen' Angelgenheiten der Landwirtschaft durch beso»»dere Sachverständige. Eine jüdische Lan'dwirischnstsgesellschaft in Mexiko. Aus Mexrkv, City, meldet I. T. A.: In der Stadt Mexiko und Umgebung haben sich 15 0 j ü d i s ch e Landwirt« zu ei »»er Jüdischen Landwirtschaftsgesellschast vereinigt. Das Ziel der Vereiigung ist, die jüdische landwirtschaftliche Kolonisation im La-n-e pr fördern. Sie Gehetzten. Wieder ein Hungerstreik jüdischer Auswanderer. London, 8. iJänner. In Southampton si»»d gestern siebenhundert Auswauderer aus Rußland, zumeist Juden, die sich auf dem Wege nach den Bereinigten Staaten befinde»», in den Hungerstreik getreten. Der Hungerstreik -ist e-in Protest gegen die englische Schiffahrtsgesellschaft, die den AuswanderertranSPort kontraktlich übernommen , hatte, aber di« Alrölvanderer in Southampton in Baracken hei u nzulänglicher Nahrung untergebracht hat, als es sich zeigte, daß die amerikanische Einwander»ngSquyte für Emigranten aus Rußland schon erschöpft A

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