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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-08 · Heft 2114 (8.1.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2114 (8.1.1925)
Date
1925-01-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 5 Dien. Donnerstag Zu dem Inin'-e qomacht worden, eine Erklärung der deutschen Regierung;u provozieren. Diese ist unterst sieben. Wieder bat Deutschst nd keinen Finger gerührt und dies eben deshalb, weil der Jsttionnlisnuis bei den Wa-Hlen die schärfsten Töne angeschlaaer» halte und weil ans seinem Lärm die französischen Kriegshetzer wieder ihre Hurrapsvchose entzündet batteil. Die Chauvinisten siird eben überall gleich. Sie hören wie ans das Zeichen einerverborgenen Zentrale federt fnMiclwn Bevsuch, den Krieg zrt liquidieren. Sie arbeiten Schulter an Scsttlter und lassen sich keine noch so schwache Stelle in dom pazifistischen Ban entgehen. Die Parolen wechseln nach Laune und Temperament, der Sinn bleibt immer derselbe. Omaner ist die Reprise des Krieges das Ziel und für die ilächste Zeit ist wieder der Patriotismus mit Propaqandastoff versorgt. _ Re Wahl der ReichstaggvraWums. Loebe — Reichstagspriisidenl. Berlin, 7. Jänner. (Wolfs.) Bei der Wahl des R e i ch 'stagspräsidenten haben von den 493 Abgeordeten 447 ihre Stimme abgegeben. Es erhielten: Loebe (Sazialdomockrat) 231 Stimmen, Wallraf (deutschnational) 118, v. Kardorff (deutsche Volkspartei) 51 Stimrnen; die übrigen Stimmen waren zersplittert. Der Alterspräsident stellt« fest, daß Loebe damit schon im ersten Mahlgang zmn Präsidenten gewählt worden ist. Loobe erklärte, bi« Wahl anzun e h m e n. Das Haus schritt sodann zur Wahl der Bizepräsrdenteu. Zum ersten Vizepräsidenten, der durch Zettelwahl gowählt wird, wurde der. deutsch nationale Abgeordnete Graef (Thüringen) gewählt. Zum zweiten Vizepräsidenten wurden Doktor Bell (Zentrum) und zum dritte n V izePräsideriten Dr. Rießer (Golkspartei), beide durch Zuruf, gewählt. Hierauf erfolgte die Wahl der Schriftführer. Bor der Vertagung des Reichstages? Wie das Nachvichtenbureau des Vereines deutscher Zeitungsverleger aus parlamentarischen Kreisen 'hört, rechnet man mtt einer unmittelbar bev o r st e h e n d e n Vertagung des Reichstages. Es wird voraussichtlich schon am Schluß der heutigen Sitzung, spätestens aber am Donnerstag, ein solcher Antrag gestellt werden. Vorher soll noch ein Ueberwachungsausschuß eingesetzt werden, der die Rechte des Reichstages in der Zeit, wo keine Vollsitzungen stattf.inden, zu wahren hat. . Lie interalliierte Flnanzkonferrnj. (Evgendionst der,Mie>ner Drvvgenzettmvg.) Pari-, 7. Jänner. Heute nachmittags hielt die Konferenz der interalliierten Finanzminister ihre erste Sitzung am Quai d'Orsay in demselben Saale ab, in welchem im Jahre 1919 die Friedensverhandlungen geführt wurden. Finanzminister Elemente!, der den Vorsitz führte, begrüßte die erschienenen Vertreter von Großbritannien, Italien, Belgien, den Vereinigten Staaten, Japan, Polen, Rumänien, Jugoflawien, der Tschecho- Slowätei, Griechenland und Portugal. Churchill erwiderte im Namen aller ausländischen Delegierten. Morgen wird die Konferenz den Bericht der Experten, die mit den vorbereitenden Arbeiten betraut waren, entgegennehmen. Churchill hatte heute morgens mit dem französischen Finanzminister Clementel eine lange Unterredung, über die ein amtliches Communique besagt, daß die beiden Finanzminister einen freundschaftlichen Meinungsaustausch in der Frage der interallicrten Kriegsschulden gepflogen hätten. Mussolinis Maßnahmen. Rom, 7. Jänner. Der Minister des Innern Federzoni erstattete dem Ministerrat über seine Ordnungsmaßnahmen Bericht. Darnach wurden bi's jetzt 9 5 verdächtige Klubs geschlossen. 25 aufrührerische Organisationen aufgelöst, sämtliche 120 Sektionen der Italia Libera aufgelöst, 11 gefährliche Aufruhranstifter verhaftet, 150 Gastwirtschaften geschlossen, m denen aufwieglerische Elemente zusammenSamen, sowie 650 Haussuchungen vorgenommen. Ueber die Beschlagnahme von Waffen und Munition liegt noch keine genaue Statistik vor. Die B ewachungder Eisenbahnlinien ist verschärft worden, um jede Sabotage zu verhindern. Die Anwendung des Presseediktes wurde verschärft. Der Justizminister R oeeo versprach, die "Reform des Strafgesetzbuches rasch durchzuführen. Me Wirkung der „Maßnahmen". Rom, 7. Jänner. Während in B o l n a t e bei Barese die Polizei ein sozialistisches Vereinslokal schloß irud einige Verhaftungen vornahm, wurden von i>« Bevölkerung die Sturmglocken geläutet und die Befreiung der Verhafteten aus den Gefängnissen versucht. Eine Abteilung Faszisten zerstreute die Menge chm? Zwischenfalls In Triest wurde gestern eine >H a » d g r a n a t e geworfen, ohne Schaden anzurichrrn, und ein? nilln explodierte Bombe aMesMden. Wiener Mor-enzeliun-. Bubi-KostOme reine Schafwolle, la Qualität K 490*000 Feinste Seidenfior-Damenstriinipfe Frühe, K 38.000 / J*ta< K 4S.OOO .»Adeaistrumpk" nur L Irattnerhof 2 (Graben) Die Umbildung des.Kabinetts noch nicht vollständig. Rom, 7. Jänner. Senator C a r b a s s o, der Bürgermeister von Florenz, hat das ihm vom Mussolini angebotene Ministcrportefeuille in dem inngcbildeten Kabinett unter Berufung auf seinen Gesundheitszustand ab ge lehnt. Die Neuwahlen. Rom, 7. Jänner. Im heutigen Ministerrat erklärte M u s s o l i n <i seinen Kollegen, daß nach der Annahme der neuen Wahlvorlage die Session geschlossen tverde und N e u w ahlen stattfinden könnten. Bei der Beratung über den Wahlreformentwurf sprach sich der Mmifterrat für das Pluralwahlrecht aus, aber gegen die Wahlpflicht und das Wahlrecht der Aus- ^Wanderer. Der italienische Delegierte beim Bölkevbund. Rom, 7. Jänner. Wie verlautet, soll an Stelle 'Salandras die Vertretung Italiens im Völkerbund Schanzer oder Scioloja übernehmen. Horlhh ww von Nadir nicht« willen. Budapest, 7. Jänner. (11. T.-K.--B.) Nach e>iner Mitteilung des in Belgrad erscheinenden Blattes „Wremc" hätte man in dem Asyl des verhafteten Führers der kroatischen ^Bauernpartei Ra die einen angeblich mit der ungarischen Regierung im Jahre 1923 abgeschlossenen Vertrag vorgefunden, worin Radic für die Lostrennung Kroatiens vorn jugoslawischen Staate große territoriale Konzessionen in der Woswodina für die uugavi.sche Regierung in Aussicht gestellt hätte. Das Ungarische Telcgraphen-KorresPondenzbureau erfährt an zuständiger Stelle, daß die ungarische Regierung mit Radic, der übrigens in seinen Presseärcherungen ständige Angriffe gegen Ungarn und die ungarische Regierung richtete und Ungarn gegenüber stets einen feindlichen Standpunkt entnahm, niemals und in keinerlei Form Verhandlungen gefiihrt 'hat, und daß daher Vereinbarungen nach keinerlei Richtung hin zustande kommen konnten. Die über Verhandlungen und Abmachungen zwischen der ungarischen Regierung und dem Führer der kroatischen Bauernpartei 'verbreiteten Gerüchte nmsseu daher ohne Ausnahme als tendenziöse Erfindungen betrachtet werden. Auch Moskau weiß von nichts. Moskau, 7. Jänner. (R. T.-A.) Das Sekretariat der kommunistischen Internationale hat eine Erklärung abgegeben, in der es heißt, daß der von der jugoslawischen Regierungspresse veröffentlichte angebliche Vertrag der kommunistischen Internationale mit der kroatisch-republikanischen Bauernpartei eine grobe Fälschung darstelle. Die kommunistische Internationale habe niemals einen Vertrag mit Radic oder mit irgendeinem Vertreter der Partei unterzeichnet. Der Inhalt des gefälschten Dokuments sei eine plumpe Nachahrmmg der 21 Bedingungen des zweiten .Kongresses der kommunistischen Internationale. Ae rumAnischen Hakenkreuzler. Strenge Maßnahmen, beschlossen. Aus Bukarest wird uns gemeldet: Bor einigen Tagen fand im Uuterrichtsmini[terium eine «.Konferenz sämtlicher 11 ni v e r s i ta t s r e k t or e n und Dekane der Fakultäten statt. An der vorn Unterrichtsminister An-- ghelescu geleiteten Besprechung nahm auch Staatssekretär des Innern Tatorescu teil. Nach eingehender Beratung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: An sämtlichen Universitäten werden am 12. Jänner die Vorlesung e n wieder ausgenommen. Die Rektoren treffen alle Maßnahmen zur Aufrechterhaltuug der Ordnung und zur S i ch e r st e l l u n g d e r Vorlesungen und können zur Erreichung dieses Zieles auch da s M i l i t ä r in Arrfpruch nehmen. Sämtliche Studenten haben sich beim Betreten der Universität mit ihrem Index oder einem Jdentitätsdokument a u 8 z u w e i s e u. Das Verfahren gegen die an den letzten Ausschreitungen schuldigen Studenten wird fortgesührt. Sollten, die Ausschreitungen an den Universitäten trotz aller Maßnahmen eine Fortsetzung finden, so werden sä m tliche Studentenheime u itd studentische n S P e i s e a n st a l t e n geschlossen und die Hochschule r vertieren unwiderruflich das ganze Studie n j ah r. Die an der Agitation Beieiligten werden aus allen Universitäten uni) Studetrtenhc'imeu ausgeschlossen. Alle diese Maßnahmen mrd Sanktionen send aufs strengste auszufi'chren. Staatssekretär T a i a r e s c u berief für denselben Tag di« Polizeiprästtten sämtlicher Universitätsstädte zu einer Besprechung nach Bukarest und erteilte ihnen strenge Weisungen int Sinne der Beschlüsse der RcklorenfkMererij. 8. Jänner 1923 Rr. 0114 Weizmanns Reise durch Mittel« eurovll. In der Lschecho-Slowakei. Prag, 7. Jänner. Präsident Wetz mann und Direktor F c i w e l weilten Montag nnd Dienstag in Brünn bei der Konferenz der Meren-Hafessod -Zcichncr. Montag abends sprach Dr. Wstzmann im großen Tempel vor einer aus allen Teilen des Landes besuchten Versammlung. Heute siud Woizniann und Jeiwss nach Berlin abgereist. In Berlin. Berlin, 7. Jauner. Morgen trifft Prof. Welz w a n n hier ein. Zu seinen Ehren gibt 'das Auswärtige A m t am 9. d. im Hotel Kniserhof ein Frühstück, zu dem .Herr Staatssekretär v. Schubert eingcladen hat. Am Sonntag den 11. d. um 4 Uhr nachmitlaas ver austaltet das Präsidium des Keren Hajessod Wer!in) im Hotel Adlon und Hotel Esplanade einen E m p s a n a zu Ehren des .Hevm Prof. Dr. Wskz-mantl. Der Präsident der Großloge für Deutschland 8, U. O. B. B. Herr Rabbiner Dr. Bae ck, und der Bizepräsidcut Herr Dr. Benno Walter veranstalten eine Begrüßung Professor Weidmanns am 8. d. in .den Räumen der Loge, Kleiststraße 10. GrünbnumS Haltung. Warschau, 0. Jänner. (I. T. A.) Der bisherige Leiter der Zionistischen Organisation Kongreßpolens, Deputierter I. Grün bäum, erklärte dam I. T. A.-Vertreter, er sotvie seine Gruppe Al .Hamischmar unterwerfen sich loyal dem Mehrheitsbeschluß der Landcskoufevenz, der die gemäßigte Gruppe Es Liwnot ans Ruder brachie. „Wir bleiben", sagte er, „loyale Mitglieder der poluischeu Ziorüstischeu Organisation, wollen alle Pflichten erfüllen, behalten uns jedoch vor, unsere Idee tveiter zu propagierelt und eigene Kandidaten für den nächsten zionistischeir Weltkongreß aufzustcllen." Sine Notschaft Dma» an öokolow. (Etgendimst der „Wioner Morgenzei-tmrg.) Bukarest, 0. Jäner. Außenminister Du ca richtete an vkahum Soko'loi.v namens der ruulänischen Regierung die folgende Botschaft: ,Jch bin überzeugt, daß die große Arbeit, die bohuss Schaffitug eines jüdischen Rationalheinles im Zuge ist, und au welcher Sie mit allgemein anerkannter Autorität in loyalster Weise teilnehmen, gelingen wird. Die Verwirklichung dieses jüdischen Nationalheimes st eiue heilige Angelegenheit der gesamten Menschheit, und es ist die Pflicht auch Rumäniens als Mitglied des Völlertbuudes, hiebei mitzirwirkcn. Wir haben daher nichts eiuzuwenden, und köneu auch nichts dagegen haben, daß die jüdischen Staatsbürger Rumäniens au dem mit großen Opfern und Kraftmtstrengung verbundenen Aufbau' Palästinas Anteil nehmen. Die gegenwärtige RKgiövuug und ihre Borgä'ugerin sicherten dem zur Leitrtng der Gammbungen zugnnsteu des Paläst'maanfbmtes entsandten Delegierten der Zionistischen Weltorganifatioin Dr. Willlensky volle Unterstützung zu und ich verstchere Sie nivuoMngs, daß tvir diese Arbeit a«uch in Zuikrmft mit größtem Wohlwollen begleiten werden." Ar PalMnapavillon im Batika». Rom, 6. Jänner. (I. T. %.) Dem Besucher der M <i ,f« s i o u »aus st situ ng im Vatikan bietet sich gleich beim Eingang der Pcvlaftinapavillon dar. Gin ,Relief ,;viigt eine Darstellung Palästinas, daneben find Reliefs der Heiligen Stätten zu sehen. In Glasschränkeir sind verlschiedene Gegenstmrioe untergebracht, die die Fortschritte der Zivilisation in Palästina geigen sollen. Gin >be,svnderer Pavillon st dom Latein-Zischen Patriarchat gewidmet; man sieht dort pataftinou« fische Trachten sowie Diagramme übvr die Tätigkeit der verschiedenen Missionen. .In dam der I-udustrie Palästinas reservierten Teil sstht man Schnitzereien ans Olivenholz, die die hebräische Inschrift „Jernscholajim" tragen', sie stammen ans jüdischen Arbeitsstätten. Einer Statistik der Missionsschulen st zu entnehmen, daß in Jerusalem 1200 jüdische Schüler katholische ErzichunigSinstilute besuchen. Für die »«iverstMENothrl gerusaleni. Sine Bücherspende aus Holland. Den eifrigen Bemühungen der unter dem Vonfib mm Professor Ornstein arbeitenden Zionistischen Sekiion für tvisfenschastliche Arbeit in Amste-vbam «st es gelungen, für vie .Jevnisalemer Bibliothek eine sehr große und tveirtvolle Somm lang von Büchern austzulbriugen. Die Sektion tvurde hierbei aus das tatkräfrigste von der niederländiischen Rvgiernnn dadurch unterstützt, daß das holländische Untervichtsnrinisleriiem de» staatlicheu Universitäten und Museen den Auftrag gab, ihre Verösseutlichuugen zur Verfügung gu stellen. Auch von privater Seite, von jüdischen nnd nichtjüditschen (.Mehrten un« Schriftstellern, wurde die Aktion sehr Whaft unterstützt, als deren Resultat 807 Bände nach Jemsälem Wevwiefeu werde-n konnten. Die übersandten Biicher enbhalten insbesondere über-, aus wertvolles Material ans dem Gebiete der Ethnogvchhie sotvie die vollständigen Sitzuu-gsiberichte der verschiedener wissenschaftlichen -Institut« Hollands.

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