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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-08 · Heft 2114 (8.1.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2114 (8.1.1925)
Date
1925-01-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IPdign 20gram I Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerachleiastelle (Trafik) mopatl. K 40.000 atrassenverkauf in Wien ahirdi die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile II Mit Postversand für Wien » Oetterr. monatl. K 40.0t/ Tschee h o-S I o,wa k e i; Mon. K 20. Jugoslawien; Mon. DinaröO. Polen: Mon. 3*/# Zloty, Deutschland: Mon.Goidmark4, Fr an kr., Belgien: Mon. Frcs. 15 QV N«cbiahlun?«o -WW bei PreiierböhiiiMreo vorbeballe» St. 2114 Wiener oraenjeituiui ) Frei* K 1400 | England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 15 1 ire, R u m a n i e n Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon.ffOl ewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4. P.coa'- Ho:) u Administration Wien, fl., Taborstf.1—3 Telephone: 44*0-33,43-3-19, AhßUhrabds. 21-102.25-282 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Wien, Sonnentag, 8. gSnner 1925 Oesterreichisches Postsparkassen - K onto Nr. 150,693 7. ifaftrgnng m deutsche Antwortnote. Sie Regierung Wögt Verhandlungen über die Raumungsfrage vor. Berlin» 7. Järuler. (Wolfs.) 2$e de u t s ch e Antwortnote zur Räumungs- und Entivaffmurgsfrage, worin die deutsche Regierung gegen das Borgehen der alliierten Regierungen e n t s ch i c d e u B e r w a >h r n n g cinlegt, weist zunächst darauf hin, daß die für lange Jahre vorgesehene Besetzung großer deutscher ltzcbictstelle eine der härtesten Bestimmungen des Versailler Vertrages ist und lanni eine Parallele in den letzten Jatzvhuuderten der Geschichte hat. Maßnahmen -dieser Art förderten jedoch niemals die friedliche Zusammenarbeit. Die Völker der Alliierten können über die Bed-cntnng der Verlängerung der. Besetzung der nördlichen 9rhein'tändszmte über die vertragsmäßige Dauer hinaus und über, den Ernst der dadurch geschaffenen Lag e nicht im Zweifel sein. Rach der Ansicht der deutschen Regierung hätte es der Tragweite der Angelegenheit entsprochen, wenn die Mitteilung der Tatsachen, worauf die alliierten Regierungen ihren Beschluß stützen, nicht auf einen späteren. Zeitp rin kt verschoben worden wäre. Eine alsbaldige Mitteilung dieser Tatsachen dürfe nur so mehr erwartet werden, als die Beurteilung des Sachverhaltes selbstverständlich nicht etwa von einem beliebigen Ermessen der alliierten Regierungen, abhängL Durch ihr Verfahren -habe» die alliierten RDevü-n-' gen der deutschen Regierung die Möglichkeit genommen, zu den Bovivüvfen schon jetzt im einzelnen Stellung 51t nehmen; sie muß daher ' Verla irnen ' d-Tdie angekündigte weitere Mitteilung auf das äußerste beschleunigt wird. Sie ivird alsdann nicht zögern,, über die von den alliierten Regierungen, beanständeten Punkte Aufklärung zu geben. Ebenso ist sie bereit, in solchen Fällen, wo grundsätzliche Meinnngsver-schiedeNheijetr zwischen deutschen Behörden -und alliierten Kontrollorganen bestehen, das Ihrige zu tun, -um alsbald z it eine m e n tfp r e ch e n d e n prakt, f ch c n - E rgeÜ n i s zu gelangen. Schon jetzt aber muß die -deutsche Regierung foststelleu, daß der Versuch, die Verzögerung der Räumung der nördlichen Rheinlandszone mit dem Stand der dents ch e n A b r ü st u u g zu begründen, von vornherein a l § verfehlt <1 uznsehen ist. Deutschland ist auf Grund der Vertragsbsstimmungen ' in eurem Maß entwaffnet, daß es in der 'nropäischen Politik einen militärischen Faktor überhaupt nicht mehr darstelll. Eine sachgemäße Bereinigung solcher Streitpunkte ist nur auf dem Wege gegenseitiger Verständigung herbeizuführen. Deutschland hat durch gewaltige Leistungen, die es auf Grund des Versailler Vertrages und insbesondere mtf Grund der Entwaffuuugs'bestimmungen bewirkte, seinerseits die Voraussetzung für eine Politik friedlicher Verständigung geschaffen. Die Entwicklung der D'nge, wie im vergangenen Jahre namentlich der Verlauf u n d d a s Ergo bn isde r L 0 n d 0 n e r K 0 n f e r e n z, haben gezeigt, -daß eine solche Politik durchaus im Bereiche der Möglichkeiten liegt. Nur wenn die alliierten Regierungen sich bei weiteren Verhandlungen sowohl in der Rau- ' mungÄsrage als auch in der Enüwaffnungsfrage vom gemeinsamen Interesse der europäischen Länder an der Fortführung jener Politik leiten lassen, ist.es möglich, zu der unbedingt gebotenen s ch n e l l e n R e g e l n n g des durch das Vorgehen der alliierten .Regierungen geschaffenen Konfliktes zu gelangen. Die französisch-deutschen Wirtschaftsverhandlnngen. Berlin, 7. Jänner. Die deutsche Politik versucht, die durch die Kölner Frage aufgetauchten Schwierigkeiten in die Handel'svertragsverha ndlungen mit Frankreich zu tragen, und so ein Junktim zwischen beiden Fragen zu erzielen. Desihalb ist der Führer der ' deutschen .Handelsdelegation, Staatssekretär Trendelen b u r g, aus Paris abgereift, und gleichzeitig werden Alarmmeldungen über einen Zollkrieg Verb reitet, der nach -dem 10. Jänner entstehen soll, dem Termin, da das durch den Friedensvertrag von Versailles geschaffene handelspolitische Provisorium abläuft. Die französische Regierung hat jedoch ein Uebergangsp r 0 v i s 0 r i u m vom 10. Jänner bis zum definitiven Abschluß der Haudelsvertragsverhandlungen vorgeschlagen und denr Staatssekretär Tendelenburg einen Entwurf darüber mitgegeben. Deutschland wird also für einen vertragslosen Zustand, dxr nach dem 10. Jänner eintreten würde, die alleinige Verantwortung zufalleis. Ae Deutsche Regiermsririse. Stresemmm tritt in Aktion. Eigendieirst der „Wiener Morgenzoiülllg".) Perlin, 7. Jänner. Die Siresernann-Partei har ihr dilettantisches Spiel „Schlepp' mich, ich geh'", das sie bei der Bildung des Reichst binetts seit Wochen spielt, auch im preußischen Landtag etablieren wollen. Dort will sie die Koalition sprengen, indenr sie ihre zwei Vertreter au« der preußischen Regierung zu rück zog. Aber der Bluff ist mißlungen. Das Z e n t r u m ist nicht mitgegangen und belaß t, lvie die „Germania" meldet, seine beiden Al i n i st e r int Preußische n Kabinett. Das Preußische Ätinisterium B r a u n wird also mit einer Koalition Zeutrnm-Sozialdemokrateu-Demokmten regieren. Diese Lösu-ng ist bei der Bildung des Reichskabinetts jedoch i'icht gangbar, da eine Koalition der erwähnten Parteien im Reichstag nicht tragfähig genug ist. Auch kann die Deuts ch e B 0 t k s p a r t e i im Reichstag die Wiederholttug der Äontödie nicht riskieren, denn sie mltß dann eutlvoder s e l b st die B ildung einer R e g i e r u u g übernahmen, die natürlich nur ausgesprochen rechtsstehe n d sein kann — oder Stresemann fliegt bei der Kletterei a>llf den Kanzlersessel vom Ministerfantenif, auf dem er sich so wohl fühlt. Dr. Marx hat nun die Sache anscheinend satt und drängt auf eine Entscheidung. Wie das Zentrnmsorgan ,-Germania" mitteilt, wird Dr. Marx, wenn seine Berhaudlnngen auch heute ergebnislos bleiben, sein Nkandat zur KabiuettS'bildnug zu rück! egen. Nun muß Strefemann sich.entscheiden und es hat den Anschein, daß er sich entschlossen hat, ein Rech ts ka b ine tt zu bilden. Denn feine Partei-hat.erklärt, sie werde ein, wenn auch verschleiertes .Kabinett der Mitte nicht unterstützen. Das bedeutet, daß Stresernann auf der Mitwirkung der D e u t s ch n a t i 0 n a l e n an der Regievung besteht. Diese Erklärung macht die Bernühmigen Dr. Marx' zunichte und es ist ein R e ch t s k a b i n e t t, mit S t r e s emann an der Spitze, zu erwarten. Ein solches Kabinett hat auch bei einem T eil d e s Z e u t r u m s auf wohllvollende Unterstützung zu rechnen. Ler Schiedsrichter der VStterbnndrnter filr die ottomnnische Stantsschnld. Genf, (!. Jänner. (I. T. All Der B ö'l ke rbu ndra t bestimmle Herrn Eugene Borel (Schwei;), früher Präsident des Dontsch-Briti'schen Schiedsgerichtes, zum Schiedsrichter in der Angelegenheit der Verteilung der ottomanischen Staatsschuld auf die Nachfolgestaaten. Bekanntlich halben Palästina sowie mwere Ataudatständer gegen die Höhe des aus sie eutfallendeu Teiles der Staatslschnlö appelliort. Herr Borst teilte mit, daß er sein Amt als Schiedsrichter am 15. Jänner an/nlntmt und binnen drei Monaten seine Entsche-idliilg bekaimtgeben tvird. Die Kölner 3one. —V. W i e n,. 8. Jänner. Die lveltpMtischc Sitnation ist wieder auf Sturm gestellt. Die Alliierten haben der deutschen Regierung in einer Kollektivnote lnitgelerlt, 'daß die Räumung der Volt England besetzten Kölner Zone, die am 10. d. erfolgen sollte, unterbleiben werde, da Deutschland die i Mrüstungsbestimmltngen des Versailler Vertrages nicht erfüllt habe. Die Note zählt die Verschlungen Deutschlands im einzelnen auf. Es habe den großen Generälstab lvieder hergestellt, nehme die Ausbildimg von- Freilvilligen in kurzen Intervallen vor, habe die Munitionsfabriken nicht abgbbant, Vorräte an Kriegsmaterial über das vertragsmäßige Altsmaß angesammelt, die staatliche Polizet rncht umorgaNisiert und ' überhaupt noch nicht alle in der Note vom 29. September 1922 geforderten Verwaltüngsmaßnahmen getroffen. Die Alliierten berufen sich hierbei auf die Berichte ihrer Militärkommissionert, tvelche diese Verstöße' Deutschlands gegell seine Verpflichtungen detailliert enthalten sollen. Diese Berichte sind nicht bekannt, sie sind auch, wie versichert wird, noch nicht endgültig fertiggestellt. Das ist ein bedenklicher Regiesehler, denn er gibt den deutschen Schreiern, die einen beträchtlichen Lävm vollführen, in gewissem Sinne ein äußerliches Recht für ihre Behauptung, daß die Berufultg auf die Kontrollberichte nur ein Bovwand sei und daß die Räumung auf keinen Fall erfolgt-wäre, weil auf Seite der Entente der Willen hierzu mangle. . Das ist unbestreitbar richtig. Nur fehlt auf der deutschnationailen Seite die Einsicht, daß die Schuld für diese Weigerung einzig und allein auf ihrer Seite liegt.. Die englische und die französische Regierung haben im vergangenen Jahre sich wiederholt angestrengt, die deutsche Politik in das Geleise der Vernunft zu bringen, und -der Geist, der die Londoner Konferenz beherrschte, war von der Versailler PachestimmuNg weltenlveit entfernt. Die führenden ENtentesta-aten hatten erkennen lassen, daß sie Dentschlanid den Eintritt in den Bölkerbnud erleichtern und auf diese Weise die Umwandlung dieser Körperschaft aus einer moralischen Kraft, zu einer materiellen erzielen wollten. An Deutschland wäre es gewesen, feinen guten Willen zu zeigen. Aber , in den Fesseln der Geheimverbände und der völkischen Jrredentisten hat Deutschland das ganze Jahr nutzlos verstreichen lassen und die Wahlkantpagne, die unter Aufwendung aller Rachepavvlen und rechtSbolschewikischer - Drohungen geführt wurde, hat ihre Wirkmtg nicht verfehlt. Die Rechtsparteien zeigten in den Wahlrefnltaten eine beträchtliche Vermehrung ihres Anhanges, was zunächst in der Unmöglichkeit einer Kabinettsbildung, dann aber auch in der Verschärfung der außenpolitischen Lage sich ausdrücken mußte. Es besteht kein Zweifel, daß die Erfüllung der Friedensbedingungen in Deutschland keine Majorität findet. Kann es da wtlndernehmen, wenn die Alliierten die Loyalität und Vertragstreue erzwn^en wollen? Sie müssen.nicht erst ihre Militärkontvolleure bemühen, sie brauchen, wenn sie ihr Vorgehen rechtfertigen wollen nur die Wahlreden der Hergt, Westarps Lndendorff, und die Artikel der großen deutschen Presse ihrer Note als Beilage anzuheften. Freilich sind dies nicht die einzigen Motive filr die Note. Die Entente muß im gegenwärtigen Augenblick ihre Etnigkeit unter allen Unrständen sichern mtd gegen jede mögliche Eventualität schützen. Durch die Räumung Kölns geriete das ftanzösische Kontingent rm Rhe'mgebiet in eine üble Lage und ein nationalistischer .Handstreich der Hitler-Leute ist durchaus kein müßiges. Ztngstgespinst. Diese Partei verliert an Terrain und es läge ihr sehr nahe, die eingebüßieu Svmpathielt außer durch verschärfte Pogromagitatlon auch noch durch irgend einen Putsch herzustellen und die Episode von Kaub zu wiederholen. Das kann weder die englische noch die französische Politik brauchen, die mit ihrer ganzen Kraft im Orient engagiert sind und sich in Europa den Rücken freihalteu müssen. Es war^ schon I vor der Reise Cham-berlains nach Rom angekiindigt worden, daß England seine Truppen aut 10. Jänner nicht werde zurückziehen können. Diese Ankündigung war WinterRäumungtverkaufsliSchUfmann II. Taborstraße 48 Teienhon 47*1*7P En grp* Cn detail

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