Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2113 (7.1.1925)
- Date
- 1925-01-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SekkrS Wien. Mikkwoch richtung der Studentennationen könnte m.w sich noch gerade abfinden, solange sie lediglich als ein technisier Orgmrifattonsbehelf anzusehen ist. Aber sie ist ein Politisches Prinzip, in dein Sinne, wie ihn die Hakenkreuzlerei dorschreibt. Sie normiert eine privilegierte Nation, in deren Schatten diejenigen, zu laufen haben, denen gnädig gestattet wird, zum Hochschulbetrieb mehr Steuer zn leisten, als die in der Sonne lebende bezahlt. Wenn man jemandem zu mehr Zahlung weniger Recht zumiht, so ist das eben Privileg, daß heißt Rechtsraub. Und diese ganze Reform, die sich als liberal und demokratisch gibt, ist doch — fern ma ehrlich! — nichts anderes als der Versuch, die Juden, so wie sie es im Staate sind, auch an der Hochschule zu Steuerobjekten zu degradieren und sich ansonsten an ihnen die Stiefel abMvffchen. Es ist der Versuch, das was die Brigade Ehrhardt und die Werwolfe und die Stahl Helmer und die Jungdoleute wollen, in Pavagraphe zu fassen, in den Fastnachtsmantel neudeutscher Gesetzlichkeit zu kleiden und dann der staunenden Welt als geltendes Recht und als das berühmte Präjudiz zu präsentieren. Das ist das, was der Rektor verteidig, aber nicht sagt. Das ist die Maxime der demokratischen Republik Oesterreich. Re Akteure des Berliner Finanzflanvalr. (Vonmtserem Berliner Korrespondenten.) V.. Wir geben die folgenden Darlegungen unsere- Berliner Mitarbeiters. wieder, > welche beweisen, daß in Berlin, genau so wie im Wiener Wöllersdorfer Skandal, das Finanzpanama, um die amtliche Korruption zn bemänteln, als jüdische Angelegenheit hingestellt wird, während i» Wirklichkeit diese Finanzskandale durch die von dem Vertrauen aller Staatsbürger zur Führung der staatlichen Angelegenheiten berufenen Männer hervorgerufen werden, die ihre Aemter dazu mißbrauchen, um durch gewissenlose Hintansetzung der Vorteile des Staates, den sie vertreten, persönliche Vorteile oder solche für ihre politischen Klürmel zu erlangen. Die Red. Kutisker ist ein russischer Jude, Michael ein Frankfurter Jude und die Gebrüder Barmat Amsterdamer Juden, die aus Russisch-Polen eingewandert sind. Der Tatbestand der jüdischen Korruption ist also einwandfrei erwiesen. So . meint die Rechtspresse. Sie vergißt nur eines: Wenn diese Juden nicht die ach so willfährige, bestechliche, käufliche preußische Bureaukratie zum Partner gehabt hatte, so wären alle jüdischen Raffinements an der Ehrlichkeit und an der Treue der hohen Beamten zu. schänden geworden. Wo aber war diese Ehrlichkeit der Hoden Herren, in deren amtlichen Vorzimmern der ahnungslose Untertan vor lauter Respekt den Atem anhAt? Hinter der doppelt gepolsterten Tür unterhielten sich die Herren Geheimräte inzwischen über die Höhe der Provision, die ihren Anteil am jüdischen Gewinn ausmachen sollte. Der Berliner Finanzskandal entspringt einer Svmbiose von raffinierten jüdischen Betrügern und heuchlerischen preußischen Biedermännern. Die Zeit der Stabilisierung der Mark brachte in Deutschland die Umwertung der Werte mit sich. Konnte man bis dahin die Mark nicht rasch genug los werden, um sich dafür Sachwerte anzueignen, so war von diesem Augenblick an alles, was nicht Bargeld war, Ballast und Geld allein das begehrte, aber unerreichbare Wertobjektt Die Schachtsche Bankpolitik führte eine Geldknappheit herbei, die, wie erinnerlich, große Unternehmungen, unter ihnen das Stahlwerk Becker, zum Erliegen brachte. Während Kutisker auch zu jenen gehörte, die an der Zinsenlast, die in wenigen Tagen zu unerträglicher Höhe heieonwuchs, zusammenbrachen, und wegen einer solchen Zinsenschuld an Michael den berühmten Schiedsspruch der Geheimräte Hellwig und Rühe fallen ließ, die den beiden 52.000 Mark, Michael die Anerkennung eines Großteils der Schuld und Kutisker einen neuen Kredit einbrachte — sind Michael und Barmat ausgesprochene Deflationsgewinner. Während die ganze Wirtschaft an Geldlosigkeit litt, konnten sie ihre cäsarischen Bedingungen den Kreditsuchern auferlegen. Sie hamsterten notleidende' Unternehmungen, durch deren wahllose Zusammenlegung der Barmat-Konzern und der Michael-Konzern entstand. Woher hotten die das Geld? Jetzt wiflen wir es. Aus den KaflenLeständen der Preußischen Staatsbank, deren treulose OberLeamten das Geld der Steuerzahler an ihre freundschaftlichen Beziehungen überließen. Wer find die Helden dieses Skandal-? Michael war in einem Frankfurter Metallwarenhandelshaus ein kleiner Beamter. Er verdankte seinen Aufstieg der Voraussicht, daß der Krieg in Deutschland eine Metallnot Hervorrufen werde. Er stürzte sich vor allem auf die seltenen und zur Herstellung von Stahl so wichtigen Wolframerze, durch deren Lieferung er da- Fundament eines soliden Reichtums erwarb. Michael ist aber heute einer der reichsten Männer Deutschlands. Dieses Uebermaß an Kapitalszusammenfluß entsteht nicht auf natürliche Weise. Gute Beziehungen zum Reichspostminister Dr. Höste, der ein ZentrumSmann ist, brachten ihm die Leihverfügung über die Gelder der Reichspost. Er hatte der Reichspost ein Darlehen gewährt, als diese im Zuge der Sanierungsmaßnahmen der Marx-Regierung zu einem selbständigen Unternehmen wurde, unter der Bedingung, daß diese ihm, abgesehen von Verzinsung und Rückzahlung, spater ihre eigenen Gelder, insbesondere aus .dem Postscheckverkehr, mit Umgehung der Reichsbank leihe. An diesen Geldern verdiente Michael durch beträchtliche Zinsdikserenien den arökten Teil »eines Reichtums. Aber! Wiener Morstenzettunft. _7. Männer 1923 Nr. 9)10 Len der jüdische» Wanderung. PMdent Cooltoge Washington, 5. Jänner. sJ. T. A.) Präsident Cvolidge empfing den Vorsitzenden des RepuAÄanifchen Komitees von Salem (Massachusetts), .Herrn Josef L. S intoit, in einer längeren Audienz. Herr Simon erschien als Vertreter des Unabhängigen Ordens Brith Abraham. um den Präsidenten zu ersuchen, eine positive Lösung der Frage der Immigranten in den europäischen Hafenstädten. die wegen des Im Migration se i nschränkungsgesetzes nicht nach den Vereinigten Staaten kommen konnten, zu befürworten. Präsident Coolidge sagte: .Ich schenke der Angelegenheit der. gestrandeten Flüchtlinge, die im Besitze amerikanischer Bisa sind, di« ernstest« Aufmerksamkeit." Der Präsident gab Herrn Simon den Rat, mit dem Vorsitzenden des E mwande rungskom itees des Kongresses, Albert Johnson, über die Angelegenheit zu beraiten. Der Sekretär des Präsidenten Coolidge, Herr G. BaScom Slemp, übernahm die Aufgabe, di« Zusammenkrmft mit Johnson zu arrangieren. Herr Simon hatte gemeinsam mit Herrn Pevlmami, dem jüdischen Kongreßmitglied, eine Unterredung mit Johnson, Johnson setzte eS bei dem Einwanderung^ konnte« durch, daß Herrn Simon erlaubt wird, einen entsprechenden. Bericht.nebst Antrag einzureichen. Der Bericht des Herrn Simon über die Lage der gestrandeten Flüchtlinge Wurde vom Komitee einer ernsten Prüfung unterzogen und Herr Simon zu einem persönlichen De r-- hor eingeladen, Kongreßmitglied Raker aus Kalifornien unterzog Herrn Simon einem Kreuzverhör. Er fragte insbesondere, weshalb die Flüchtlinge nicht in ihre Heimat zurücttehven. Herr Simon antwortete, die Betroffenen seien meist Frauen und Kinder von Leuten, die bereits in Amerika sind. Sie werden von ihren Verwandten in Amerika erhalten. Es wäre für Amerika von Nutzen, wenn dieess Geld im Lande bliebe. .Herr Simon konferierte auch mit dem Nachfolger des Senators Lodge, Senator Butler aus Massachufetts. Dieser sagte, er hege großes Jnetresie für den vom Kongreßmitglied Perlmann Angebrachten Antrag zugunsten der Flüchtlinge. Auch der Sprecher des Kongresses, Mr. G i l l e t t, versprach Herrn Simon, der Angelegenheit die ernsteste Aufmerksamkeit zu widmen. Die in KonstÄntinoPel gestrandeten russischen Flüchtlinge sandten eine Bittschrift an dm Präsidenten Coolidge, in der sie erklären, sie seien durch baS bolschetvikische Regime in Rußland in eine hoffnungslose Lage geraten. Als sie »nd die RÜWNnne. ' Affidavits von ihren Verwandten in AmeriÜr erhielten, liquidierten sie ihren gesamten Haushalt in Rußland unk machten sich auf den Weg nach den Vereinigten Staaten Da in Rußland keine amerikanischen Konsuln sind, hofften sie in Konstanttnopel oder Ritza Visa zu erhalten. Inzwischen kam da§ Einwanderungseinfchrä nkungsgesetz, und sie blieben in den Hafenstädten ohne jedes Ziel. In die Heimat können sie nicht mehr zurück Die Flüchtlinge bitten den Präsidenten, zn veranlass"n. daß ihnen eine Zuflucht in Amerika gewährt wird. Ae AurwandenmgehtzSnen. Verhaftete Schwindelagenten. Warschau, 8. Jänner. (I. T. A.) Eine Anzahl Personen aus Deutschland, die sich als Agenten der Homburg-Amerika-Lime auSgaben, unter ihnen ein gewisser Ma>tuschewicz, 'der in ProsÄen ' bei Etzdtkuhnen wohnt, sowie ein gewisser Kurt Baar, haben 60 jüdische Emigranten aus Polen nach Berlin gelockt unter der Vorspiegolung, daß sie von dort auf Rechnung der. deutschen Quote nach Amerika werden reisen können. Sie haben den Emigranten 24.000 Dollar herausgofchwindet und siedann in Berlin hilflos sitzen gelassen. Die betrogenen Emigranten wurden tarnt mit Hilft, jüdischer Institutionen Berlins nach Polen zurückgebracht. Die Hantburg-Amerika-Linie lehnte jeden Schadenersatz ab und beha-uptete, Machuschewioz sei nicht ihr Agent. An der Polnisch-deutschen Grenze wurden ein gewisser Josef Ra bin skr und dessen Frau verhaftet. Sie sind beschultdigt, seit langer Zeit in großem Umfange ostjüdische Auswanderer mit falschen Pässen durch Deutschland und Frankreich gebracht zu haben, um ihnen angeblich nach Amerika weiter zu helfen. -Die Auswanderer wurden aber unterwegs von den beiden völlig ausgeplündert und.größtenteils in Berlin sitzen gelassen. RabinM befindet sich in Warschau in Untersuchungshcfft. Der Hilfsverein der deutschen Juden erläßt eine Warnung an die jüdischen Auswanderer, in der es u. a'. heißt: „.In allen Fällen, wo Auswanderer solchen Schwindlern in die Hände fallen, ist ihnen aufs Allerdringondste zu raten, sich an die in Betracht kommenden Mischen lokalen Wohlfahrts inst itutio neu zu wenden. Der Hilfsverein der deutschen Juden, 'der däT Agentenunwesen zu verfolgen Nicht nachläßt, ist stets bereit, in Fällen, die ihm zur Kenntnis gebracht werden, seine Mithilfe zu leihen. Zum Schutze der Emigranten hat er feine Organisatimr an der deutschen Grenze evweiteip." auch die Gelder der Preußischen Staatsbank, die nur durch die Kanäle von Barmat und Kutisker der Wirtschaft zufließen, öffneten sich dem einflußreichen Bestreben des Herrn Michael. Mit zehn Millionen Goldmark soll er an den Kreditgeschäften der Preußischen Staatsbank als Schuldner beteiligt sein. Noch abenteuerlicher ist die Geschichte der Barmats. Bis zum vergangenen Jahr war der Amexima-Konzern, der ursprüngliche Name des Barmat-Konzerns, eine reine Handelsgesellschaft. Die riesigen Gewinne, die die Barmats durch die Lebensmittelimporte nach Deutschland während der Hungerzeit erzielten, führten zu Kreditgeschäften, für die sie eine eigene Finanzierungsgesellschaft, die Explodati en Administrati Maatschappij, gründeten. Als die Geldnot in Deutschland ihren Höhepunkt erreichte, waren die drei großen Eisenwerke, die Roth-A.-G., die Berlin-Burger-Eisenwerke und Eisenmatthes, gegenüber der Preußischen Staatsbank, von der sie Kredite bekommen hatten, notleidend geworden. Im Zuge der Beziehungen und Freundschaften, die die Barmats, insbesondere zu den Abgeordneten der Linken und zu den Geheimräten der Staatsbank unterhielten, bekamen sie die großen Kredite der Staatsbank, mit welchen sie die genannten Eisenwerke sanierten, nicht ohne sie dabei zu verschlucken. Der Barmat-Konzern besteht jetzt aus drei Hcmptgruppen: Der Amexima, Amsterdam, -er Berlin-Burger- Eisenwerke A.-G. und der I. Roth-A.-G. Jeder dieser drei Konzernpfeiler ist an einer Reihe von Unternehmungen maßgebend interessiert. Unter den Bankinstituten, auf .die die Brüder Barmat einen maßgebenden Einfluß genommen haben, sind zu nennen: die Deutsche Merkurbank A.-G.« die aus der früheren feudalen v. Beneckendorf- Bank hervorging, die Bremer Privatbank A.-G., die Allgemeine Handelsbank A.-G., die Allgemeine Garantiebankversicherungs-A.-G., Berlin, die Preußische Hypothekenbank und die Merkurbank A.-G. in Wien. So wurde aus den früheren Baumwoll- und LebettSmittelhändlern» späteren Kreditvermittlern, die Inhaber eines der größten deutschen Konzerne. Dabei sind sich die Barmats nicht untreu geworden, sie sind geblieben, was sie waren, nämlich Händler. Nilr handeln sie jetzt statt mit Margarine mit Betrieben. Der Hauptskandal der Berliner Michael- und Kutisker-Schiebungen ist trotz aller sensationeller Verhaftungen noch nicht enthüllt. Er wird erst dann enthüllt werden, wenn es der Staatsanwaltschaft gelungen sein wird, a-ufzuklären, warum gerade dies« paar hergelaufenen Schieber in eine bevorzugte Stellung bei den Behörden kommen konnten. Diese Frage ist eine politische Frage, weil Politiker die Verbindung^ und Deckungsmäuner der .Herren. Barmat und Michael uub Kntisker waren. Einige von ihnen sind bereits genannt worden. Es sind Mitglieder der Rechten und der Linken darunter. Es wird der deutschen Republik kaum gelingen, das Schandmal der jetzigen Skandale abznwaschen. Reue und Bucke täten not. * Berlin, 6. Jänner. Entgegen der Meldung eines gestrigen Berliner Spätabendvlattes hat, wie die heutigen Blätter berichten, das Verhör der Brüder Barmat noch nicht begonnen. Zunächst soll die Aussage der Unrerdircktoren des Konzerns nachgeprüft werden. Heute wird in der Angelegenheit Kutisker mit der richterlichen Vernehmung der Leiden Söhne des Generaldirektors Kutisker und des Prokuristen Bleh begonnen werden. Gegen di« vor kurzein ftftgenvmmenen früheren Beamten der Staatsbank Bledov und Kersten sowi« gegen den Ingenieur und Bankdirektor Feld ist, wi« der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, heute der r i cht« r l i ch e Haftbe fehl erlassen worden. Wie das „Tageblatt" meldet, ist der verhaftete Prokurist der Roth-A.-G., Fritz Wolfs, aus der Haft entlassen worden. Der gestrige Doppelselbstmord des Berliner Bankiers Friedländer und seiner Gattin war hauptsächlich wegen der. Verhaftung des Prokuristen Wolfs, eines Stiefsohnes Friedländers, verübt worden. Gin neuer Selbstmord. Berlin, 6. Jäntter. (Wolfs.) Der 37jährige Bankier Erich Wolfs, Schöneberg, Nymphenburgerstraße 7 wohnhaft, verübte heute m den Räumen der Ring-Mm A.-G. Selbstmord. Er schoß sich aus einer Selbstladchiftole zwei Kugeln in die rechte Schläfe und war sofort tot. Das Motiv der Tat ist bis jetzt unbekannt. Frankreich tritt nicht« vom Wichen Mandat ab. Paris, 6. Jänner. Di« Agenee Havas erklärt di« Meldung der Blätter, Wonach- Frankreich über die Abtretung eines Gebietsstreifens in Syrien, der an das Gebiet von Mo ssul grenze, au England verhandle, für voI((o mm<n u«begründet. Das Bölkerbundmandat bezüglich Syriens würde es übrigens Fmnkreich allein nicht gestatten, irgend din« l^ebieisänderirng vorzuil-ehmen.