Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2113 (7.1.1925)
- Date
- 1925-01-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Uatraang Muffülinis kxistenzkampf. ta letzte oichtfaszistische Minister will zurölktteten. - Ile Wahlresom. (Eigendienst der „Wiener Rorgenzeiwn^.) Die faSzistische Kammer ist auf unbestimmte Zeit Vertagt worden. Sie hat den Wahlreformrntwurf Mussolinis nicht erledigt und ist mit einer Rede des Ministerpräsidenten geschloffen worden, die geeignet ist, das Rätselhafte an den Vorgängen der letzten Tage in einigen wichtigen Punkten zu erhellen. Der Führer der Faszisten hat wieder auf das Grundprogramm seiner Richtung zurückgegriffen und sich zu den so einfachen und argumentlosen Prinzipien der n a ck t e n G etoöl* Mit einer auffallenden Heftigkeit gestellt. Er hat so gesprochen wie ein Mann, der seiner Partei nicht mehr Herr ist und der ihre Radikalen aus Gesinnungstüchtigkeit LderLieten muß. Die Opposition in der eigenen Partei hat dem Leiter in der letzten Zeit böse Stunden bereitet und ihn merken lassen, daß sie seine Extratouren auf das Gebiet der politischen Sachlichkeit verschmähe und daß sie die Macht nicht abzugeben gewillt sei! Diesen Stürmern und Drängern mußte sich der Ministerpräsident fügen. Ar hat das nicht nur in Worten getan. Seiner Rede folgten L e h o r d l i ch e Maßnahmen, die die nichtfaszipischen Parteien am Leben bedrohen und ihre Presse Mundtot machen. Zu solchem Vorgehen entschließt sich aber ein System «tt Existenz kämpft. Es ist' Am Augenblick nicht möglich, Klarheit darüber zu erhalte». wie weit dies im gegebenen Falle zutrifft. Die Opposition, die aus Sozialdemokraten, liberalen Bürgerlichen und den Klerikalen besteht, ist offenbar von dem'Schlag der gepanzerten Faust bis zur Lähmung getroffen worden. Sie ist auch zu heterogen, als daß sie sich auf einer gemeinsamen Linie des Widerslandes sammeln könnte, und das Mittel, ein Gegenparlament zu bilden, wagt sie nicht anzuwenden. Sie ist so feig, wie noch jede Opposition in solcher Lage gewesen ist, mit der alleinigen Ausnahme jener Dumaabgeordneten, die sich gegen Stolhpin in Whborg zusammensetzten. Die italienische Opposition hat den Wahlreformvorschlag Mussolinis verworfen. Das durfte sie am wenigsten tun, weil sie dadurch nur erzielte, daß sich Mussolini zur Kapitulation vor seinen Exaltados entschließen mußte. Er ist auf ihren Weg gedrängt worden. Noch bet UrnEvrmg des Kabinetts. Die Oppositionsblätter erscheinen Nicht oder bringen, selbst wenn sie erscheinen, keinerlei Kommentar zur Umbildung der Regierung. „Monde", ,/Vooe" und „Popolo" sind auch heute nicht erschienen. Die Mailänder „Chiustigm", das Organ der Unitarischen Sozialisten, hat ihr Erscheinen bis auf weiteres eingestellt. In oppositionellen Kreisen behauptet man, daß die Lage durch die Umbildung des Ministeriums keineswegs geUärt und gebessert sei. Man behauptet ferner, daß auch Handellsminister Nava, welcher der natlonaftacholischeir Partei angehört, m nächster Zeit demissionieren werde, wenn auch der nationdilkathoil ische „Corriere d'Jtalia" dies in Abrede stellt. Da die Kammer, wie Vevlaibtet, bereits am 12. Jänner wieder zusammentveten soll, glaubt man in Oppüsitionskveisen, daß es dem Ministerpräsidenten darauf ankomme, das Wahlgesetz so schnell «wie möglich durchzusetzen, um dann Neuwahlen ausznlschreiben. Die Wahlrefovm im Ausschuß. Rom, 6. Jänner. Der Wahlwsovmausschuß hat heute die erste Lesung der Wa'hlresormvorlage beendet und sechzehn Anfragen an die Regierung gerichtet. Darin spricht sich der Ausschuß gegen die Wahlpflicht und für das Pluralwahlrecht aus, ferner für die schriftliche Wahl und angesichts der technischen Unmöglichkeit gegen das Auswandererwahlrecht. Er fragt die Regierung, . ob sie das politische Wahlrecht der Frauen einsühren wolle, schlägt ferner vor, auch aus den Städten mit« über 70.000 Einwohnern Eiüheitswahlkreise zu machen, beantragt weiter, das Mindest alter für die Wählbarkeit wieder auf 30 Jahre hrnaufzufetzsn, die DoHk U jure Mm Mangel an Gegenkandidaten einzuführen und schließlich Strafbestimmungen gegen unentschuldigte Abwesenheit von Abgeordneten zu schaffen. Die Miliz. Rom, 6. Jänner. Die die Blätter melden, fand in der Präfektur van Mailand eine Konferenz der zuständigen Behörden statt, in der beschlossen wurde, einen Teil der Nationalmili zzur Verstärkung der Polizei zu mobilisieren sowie alle VeromSlokälle ' und Organisationen, die einen internationalen Charakter tragen, zu schließen, beziehungsweise aivszulösin. Hausdurchsuchungen, Versammlungsverbote, Ueberfälle. Rom, 6. Jänner. „Messaggero" meldet aus Brescia, daß in der vergangenen Nacht bei vielen Anhängern der ä u.ß erst eit L int c n H ausdurchs u ch u n gen vorgenommen worden sind, wobei nicht vorschriftsmäßig angemeldete Waffen mit Beschlag belegt wurden. Bielen Gastwirten, auch in der Umgebung, ist die Betriebsgenehmigung entzogen. worden, Alle Ver sarnrp-. lu n gyn ji rrtz Muhun g^e.n. sind bis auf weiteres verboten,. Me Wafsenpasse wurden / zurück-, gezogen. Die Gasthäuser müssen um 7 'Uhr abends schließen. Wie die „Tribüna" meldet, sind die Faszisten von Brescia in die Redaktion und in die Maschinenräume des dortigen, demokratischen Organs eingedrungen, haben das Vorzimmer der Redaktion in Brand gesteckt und die Druckmaschinen beschädigt. Die Arbeiterkammer von Brescia mußte geschlossen werden. Bor der interalliierte« Fimnzkonkerem. Paris, 6. Jänner. (Haväs.) Die interalliierte Finanzkonferenz wind morgen Mittwoch um halb 4 Uhr nachmittags beginnen. Der britishe Schatzka-NKse-r Willftou Churchill, der heute vormittags von London abgereist ist. wird morgen früh eine private Besprechung mit dem französischen Fi nanzmi niste r C leme ntel haben. Das Programm. Berlin, 6. .Jänner. Nach einer Pariser M^'dung der ,-Expveßkorrespondenz" sind die wichtigsten Punkte «des Programms der Konferenz: 1. Die Anftoisiung der K o st e n d e r R u h r a k t i o n 2. Die Aufteilung der als erste Annuität des Da wes - P l a u e s für die Dauer vom 1. 'Saptomber 1924 bis 31. August 1925 . zu . zahlenden einen M i llia rdeGold ma rk. 3. Die Forde rung der Bereinigten Staaten (die bekanntlich,verlangen, daß sie für ihre Kriegsschäden an >den deutschen Reparationszahlungen beteiligt' werden; dieser Forderung widersetzt sich England mit dem Hinweis, daß der Vertrag von Versailles von den Vereinigten Staaten nicht ratifiziert wurde. Ue'bev diese Frage schweben Bevhandlungen mit England). Dir Schulden an Amerika. Washington, 6. Jänner. (Reuter.) Das Memorandum des französischeu Finanzministers Elemente! über di« Schuldrnregeluug wurde bem Präsidenten der Schuldenkommission Mellon übergeben. Da das Memorandum keine endgültige Grun'dlage für Verhandlungen über die. Schulden in Vorschlag bringt, wird Mellon wahrscheinlich die Einberufung der Konunission für unnötig halten. Schatzsekretär Mellon bestätigt, daß Frankreich ein zehnjähriges Moratorium und e'ne Frist von achtzig Jahr e n zur Bezahlung seiner Schulden dorschlägt. Sesterreichische Hochschul- Demokratie. —y. Wie«, 7. Jänner. Der Rektor der Hochschule für Bodenkultur, Herr .Hoffmeister, ergreift in der „Reick-ss-ost" das Wort zu einer Rechtfertigung der bekannten Ullase über die Studentennationen. Es seien, führt. er aus, sachliche Erwägungen gewesen, die an der Technik und an seiner Hochschule die Gruppierung der Studentenschaft nach Nationalitäten veranlaßten. Die Studentenschaft müsse nach dem Prinzip der Autonomie organisiert werden nick ihre nationalen Gruppen hatten die prinzipielle Entscheidung darüber, nach welchen Kriterien die Volkszugehörigkeit zu bestimmen sei. „Natürlich" lverde dieses Prinzip nach der Majorität bestimmt, „ein Grundsatz, welcher gewiß abermals sowohl dem Auivnomiepriu^ip sowie auch einer liberalen unddemokratischen Anischcvmrng entspricht. Es werden sich daher die Professoren-, kollerten heute obensowentc, der Tallache eMgegensteuen, daß die dermal M Majorität der deutschen Gruppe» auf dem RassenstandpuMe stehend und die Juden als- Nation erklärend, sie von der deutschen Gruppe ausschlteßt. wie sich die' Prosessorenlollegisn dagegen wehren wurden ^odor wehren könnten.'wenn'morgen eine andere Majpritäll me Juden lediglich als Reliicswnsflesellschcrst au-ffassen wurde^und daher Jiiden mit deutscher Muttersprache als ' zur deutsche» Nationalität Mstchöriq betrachten wollte. ' Man moip verschiedener »Meinung darüber ser»,,WÄ« .chpr von - beiden Standpunkten der. , gerechtfprtiatevL -- 'wäre. Er. man kann und darf deshalb^ weil heute die-Ma- ' torrtat der deutschen Studentenschaft^, auf .^ dem - ersteven Standpunkte stcht, von-den -Proffessovenkovegien nicht verlangen, daß sie deshalb die ggnze,autonome Studentenov^anisatiön aufhoben und zerstören sollten/. Diese obr«Zeitliche Diktatur wäre vormärzlich. Si«' wäre sicherlich auch mcht liberal und demokratisch. Dies würden die Gegner deS heutigen Studonten-rechtes sicherlich auch sofort-empfinden mW ößfendlich brandmarken,' wenn - di« von ihnenheute so sehr gewünschte autokratifche Zerstörung der Studentenautononne durch die akademischen Behörden von diesen etwa zu dem Zwecke in Siene gesetzt werden würde, um einer deutschem Studentenmajorität. welche Juden in sich amsmehmen wollw, diese Ausuichnie zu verdiete-n und sie zum RasienstwndpuM zu zwingen." Es ist Mvr sonderbar, von einem Professor zn vernehinen, daß man über Nation und Nationszugehörigkeit nach Majorität entscheiden, also, abstimmen könne. Es ist auch sonderbar, daß der. Professor glaubt, daß die Majorität der deutschen Studentenschaft auf dem Rassenstandpunkt steht. Das ist nicht richtig, es ist vielmehr nur eine Minorität, allerdings eine sehr agile und durch ihre alten Herren sehr einflußreiche Minorität, deren Basis nicht das Autonomieprinzip bildet, sondern der einfache, blanke Terrorismus. EL ist ferner sonderbar, zu vernehmen, daß das Pvofessorenkollogium in dieser Frage keinen Standpunkt hat, sondern sich ihn einfach von der Majorität (oder des Gmrppe, die es als Majorität anzusehen beschlossen hat) verschreiben laßt. Sind die Radaustridenten Raffenschveier, so verbeugt sich Rektor und Senat. Würden sie Juden aufnehmen, so würden beide die Verbeugung wiederholen. Das ist, sagt der Rektor, lKbeva-l, demokratisch, nachmärzlich. Darüber soll nicht weiter gestritten werden. Die deutschen Professoren entstammen dieser fälschlich als Majorität drapierten Student« nschrft. Freilich nicht einer Organisation, wie das der Herr Rektor vorzustellen beliebt. Wian sollte auch glauben,-daß ein akadeinischer Senat in der Gruppierung der Hörer gerade das nationalistische Priuzip, das hier harmlos als nat>ronales auftritt, nicht galten lassen dürfte. An einer Hochschule darf es überhaupt keine Unterschiede geben als die durch die Fakultät, durch technische Momente bestimmten. Und es wäre, wenn man die jungen Leute zur Selbstverwaltung erziehen will, viel eher angezeigt, die gesamte Hörerschaft als eirren Wahlkörper aufzufassen, der eben so wählt, als er eben will und als er Parteien zählt. Der Rektor nennt dies absurd. Einen Beweis tritt er nicht an. Er gla-M sich mit der Behauptung helfen zu können, daß nieniand diesen Modus vovgeschlagen habe. Das ist nickt ganz richtig. Diese Prozedur tvurde von jüdischnationaler und sozialdemokratischer Seite gewünscht. . . Nun drückt sich aber der Rektor mit vielen Worten und, wie zugegeben sei, mit Erfolg um den Punkt herum, aus den es vor allem ansiunmt. Mit der Ein- Heiratslustige, Junge Ehepaare «.Hausfrauen Kaufen je!ztChlffone,(OBseheftatlsUeinenworenjett-u. - Kann & Fried Tl. Linke Wien zelle 4u (I 8302