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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-06 · Heft 2112 (6.1.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2112 (6.1.1925)
Date
1925-01-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«feite i Wien, Dieuskäg Wiener Moraenzeitunn. Jänner im M. sni BONAFORM fNTetTTUNOJPlUEN von vOkKsecsuNOMEirsAnt ifwuu«t niui SCHLANK SEIN WILL JEDERMANN Virauchm Sl« dl« gefahrlos« Entfettungskur Durch Jad« Apotheke su basiahen Sie PlSne St. Ramel». Bmvd-cskanzler Dr. R a m e i äußerte sich in der christlrchsozialeu Parteikonferenz über die nächsten parlamentarischen Arbeiten unter anderem: Für Mitte Jänner sei eine allgemeine L ä n d e rk onf e r enz in Aussicht genommen, die sich mit der Neuordnung der A bgabcnte i! u n g und der fmanziellen Sanrermtg der Länder befassen wird. Auch die JnkraftsetzU'ng der Ai o inpeteuzbesti m m u ng e n de r B undesverf a f s u n g und die V e r w a l t u n g s v e r s ch m e l znng in sen Ländern sollen bei dieser Gelegenheit erörtert «Verben. Ter Kanzler kündigte weiters die Einbringung folgender Vorlagen im Nationalrat an: eine Novelle zum A ngestellieuabbaugesetz, das Gold bilamzen° g c s e b, eine Novelle über die A b ä n d e r u n g de s Wa s s e r k raftfö r d e rn ng sge s e tze s und die Verlängerung des Steuer nu n - G e b ü h r e n b e g ü n >st i* gungsgesetzes vonr Jahre 1922. Die verhafteten Kommunisten. Wese» Falschmeldung verurteilt und abgeschafft. Der politisch^ Sekretär der kommunistischen Partei in Berlin, Heinz Neu mann, wurde Sonntag beim Strafbezirksgcricht 1 dem Oberlandesgerichtsrat Dr. Sieber ans ser Haft vorgeführr, um sich tvvgen Ue-bertretung der Falschmeldung zu verantworten. Naumann, der 23 Iahrx alt ist, wurde wogen -Falschnielonug zu 4 8 Stunden Arrest verurteilt, welche Strafe durch die Niuersuchnngshaft verbüßt erscheint. Er wurde auch sofort der Polizeidirektion zur Abschiebung überstellt. Die Kammuuistenfüyrerin Ruth Fischer, die mü ihrem richtigen Namen El-frieoe Golke heißt und in erster Ehe bekanut'tich mit dom Wiener Kommunisten Dr. Friedländer verheiraten war, tvar bereits am letzten Samstag beim Strafbezirksgerich^ 1 dem Bezirksrichter Dr. Dtraßner vorgeführt worden, um sich gleichfalls-«egen Falschmeldung zu verantworten. Der Richter verurteilte die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 120.000 Kronen und erkannte -auf Abschaffung ans dem ganzen Gebiete Oesterreichs. Blutiger Shedrama in Hietziug. Gestern gegen 0 Uhr abends wurden aus der Wohnung kes Ehepaares Gaspari in Hietzing, Biraghygasse 33, zwei Schnßdodonationcn vernommen. Hausparteien drangen m die Wchn-ung ein und fanden den Mann und die Frau mit S ch u ß w n n d e n bewußtlos cmif. Die Rettungsgejsellschafr brachte beide ins Spital. Der Mann, der 13jährige Kaufmann Josef Gaspari, starb bei der Ueibernahme. Auch der Zilstaild der -tOfährigen Frau ist führ ernst. Das Ehepaar schien in behaglichen Verhältnissen;u leiben. In der allerletzten Zeit dursten die Eheleute allerdings mit Geldschwierigtetteii gekämpft haben. Ja» Wiener rheateeproblem. Die Schauspieler für den Kollektivvertrag. — Günstige Wendung im Carl-Theater. Sonntag fand die allgemeine SchauspieleiDerfamm- 5ung des Bühnenvereins statt. Es wurde eine eingehende Beratung über die Lage gepflogen, die zur Streikaindrohwng vor den Feiertagen geführt hat. Das Bargehen des dwmaligen Präsidenten S t ä r 1 wurde gebilligt mb mittzeteilt, ■'v<) gegen den Schauspieler des Deutschen Volkscheaters H o-m ur a ein Disziplinarverfahren eingelötet wurde, weil er -nährend der Verhandlungen mit Dr. Beer diesem erklärte, daß 4 0 Schauspieler des Deutschen Volkstheatovs onch im Falle eines Streikes weiterspielen werden. Schließiich wurde eine R e s o lu t i o n gefaßt, die besagt, daß di« Mitglieder des Bühnenvereines den Kampf um die Verkällgernug des Kollektivvertrages als die wichtigste Aufgabe betrachten und im dieser Frage jedes, «i'.'.ch »das radikalste Mitte l, als anwendbar bezeichnen. Zur Earl-Theater, das bekanntlich nach -dem Zusanunenbruch der Direktion Bernau vo>n den Mtgliedern in eigener Regie tveitergeführt wird, steht ein« uene Wendung der Lage bevor. Ter Oeftevreichische Musikerverband und der Verlag Weinberger intevstieren sich für die Erwerbung des Theaters und sind diesbezüglich bereits mit Frau Direktor Eiben schütz in Verhandlungen getreten. Die Hauptfrage 'besteht vorAufig »och in der llebernahme der alten Schulden, die ungefähr eine Milliarde betragen. Die beiden Interessenten hoffen, daß ihnen hier Entgegenkommen gezeigt werden!v!rd. Außerdem ist zur Flottmachung des Betriebes und zllin eventuellen Herau-sbvingen einer neuen Operette ein Betrag von zwei Milliarden erforderlich. Der Musi-orverband und der Verlag Weinberger verfiigen über diese .Kapitalien, sodaß bald mit einem günstigen Abschluß der Verhandlungen gerechnet werden &&& Bor einer Novellierung der Mietengefetzes? «uftoettung der Mieten. - Schaffung eine» «urgieich»fonv». Schon in der Wahlkampagne, die dem Zusammentritt des jetzigen Nationalrates vorausaing, spielte der Abbau des Mietengefetzes eine ganz entscheidend^ Rolle. Der damalige Bundeskanzler Dr. Seipel gab in einer Wähler- -verfam'nrlung voreilig das Versprechen, daß er sich für den staffelweifen Abbau der Mieterschutzbeistimmungen und für die etappenweise Wiedereinführung der freien Mietzinsbildung einst ben werde. Der halbe Erfolg des Saniernngskabinetts bei den Mahlen war ans diese Aemßerung Doktor Seipels zurückznführen. die wohl den Christlichsozialen die .Hausherreustiminen einbrachte, aber die geängftigten Mieter in Scharen der Oppcsition zuirieb. Um auf irgend eine Weise das den Hausherren gemachte Versprechen cinzulösen, brachten die Chmstlichsozialen schon im Vorjahre durch die Abgeordneten Reiner und Fink einen Antrag im Nationalrat eilt, der im wesentlichen den stufenweisen Abbau des Mietengesetzes und die gesetzliche Festlegung der Mete auf Grund des sechstausendfachen Friedenszinses zum Inhalt hatte. Dieser Antrag lag im JuistiMsschuß begraben, da dessen Tagesordnung unter anderem durch die Anträge der Sozialdemokraten betreffend die Ehe re so r m und die Abänderung der strafgesttzlichen Bestimmungen über die Abtreibung der Leibesfrucht verbarrikadiert lvar. Der Ausschuß tvar eigentlich durch die Mehrheitsparteien obstruiert, da diese eine Vevhaudliung der erwähnten soziatdenwkratischon Anträge nicht znlassen tvollten und gegen den Willen der Opposition wieder eine Umstellung der Tagesordnung nicht möglich war. Als im Dezember die Sozialdemokraten das Plenum des Nationalrates obstruierten, verlangten die Chvistlichfozialen vom Obmann des Iustizausschusi.es, er möge cs mit einem Gegenzug versuchen und die sozialdemokratische Opposition im Justizausschuß einfach überrumpeln lassen. Es waren damals zufällig im Ausschuß nur drei Sozialdemokraten anwesend, und cs wäre ein Leichtes gewesen, einen Beschluß auf Umstellung der Tagesordnung zugunsten des Antrages Reiner fassen. Der Ausschußobmann Doktor Waiß lehnte jedoch -Üteses Ansinnen ab, da er mit Recht befürchten mußte, daß die Sozialdemokraten den Fehdehandschuh aufgreifen und alle Brücken zu einer Verständigung mit der Mehrheit abbrechen würden. Nun hat sich Dr. Waiß aber doch entschlossen, den Einflüsterungen seiner Parteigenossen Gehör zu schenken. Der Justizausschuß ist bereits für Freitag einberufen. Ans seiner Tagesordnung, die gestern amtlich verschickt Theater und Radio. Amerikanische Bühnenstars wirken unentgeltlich bei Radiokonzerten mit. In den Kreisen der New-Aorter Theaterdirektoren macht sich, den amerikanischen Blättern zufolge, eine Bewegung gegen die Mitwirkung von Bühnenstars an Radiokonzerten geltend. Die Protestbewegung der New-Dorker Theaterdirektoren steht im Zusammenhang mit dem sensationellen Radiokonzert, welches die Metropolitanoper am Neujahrsabend ermöglichte, indem sie ihre Vorstellung für den Rundspruchdienst freigab. Die Solistin der * Metropolitanoper, Lukrezia Bori, sang für das Radiokonzert und auch der berühmte Tenor Mac Cormack wirkte an dem Abend mit. Die Stimmen der beiden Sänger wurden durch den Rundfunk an schätzungsweise acht Millionen Hörer vermittelt. In vielen amerikanischen Städten halten die Zeitungen ihre Musikreferenten beauftragt, über dieses sensationelle Radiokonzert ein Referat zu erstatten. Sowohl Frau Bori wie Mac Cormack hatten ihre Mitwirkung unentgeltlich angeboren. Die Theaterdirektoren behaupten, daß die hohe Stufe des Radiowesens in Amerika in Verbindung mit solch glanzvollen Darbietungen erstklassiger Solisten den Thealerunternehmungen unerträgliche Konkurrenz bereite: am Neujahrsabend seien diele Millionen Menschen durch das sensationelle Konzert abgehalten worden, in§ Theater zu gehen, da sie sich den höchsten Kunstgenuß in ihrem Heim verschaffen konnten. Die Theaterdirektoren streben gesetzliche Verfügungen an, wodurch es berühmten Bühnenstars u n t e rs a g t sein soll, an Radiokonzerten regelmäßig mitzuwirken. 8er Kampf nm den Brotpreis. Bäcker gegen Brotfabriken. Die chrsitlichsoziale Nachrichtenstelle tollt Mit: Die, 'handwerksmäßigen Bäckereibetriebe <tvaren schon Ende 1924 im Preise des Brotes, und zwar aus den NormaUaib von 126 Dekagramm nmgerechnet, um 200 bis 300 Kronen billiger als die Brotfabriken. Die Brotfabriken leiteten nun eine Aktion für die Aufhobung des Nachtarbeitverbot es ein und versprachen, falls diesem Wunsche stattgegeben wird, den Protpreis um 1000 Kronen 'herab zu setzen. In konkreten Besprechungen, die nach dieser Richtung hin stattfanden, reduzierten sie dieses Angebot allerdings ans 600 K. Gegen die Aushebung des Mchtarbeitverbotes erklärten sich die handwerksmäßigen Bäckereien urvd die Bäckergehilsen. Die ^handwerksmäßigen Bäckereien haben seit 5. d. dm Brotpreis um 300 K. herabgesetzt, sind also uni diese 6VV K. billiger als die Fabriken. Die Brotfabriken behaupten nun, daß die handwerksmäßigen Betriebe das sogenannte Extrabrot, das ein anderes Gewicht nnd eine andere Zubereittkug hat, teure r Die SoMsae wird. Io. bmeltetti M wurde, steht an erster Stelle der Antrag Reiner, als zweiter Punkt der Antrag Danneberg über die Schaffung eines Ausgleichsfonds im Sinne des Mietengesetzes und schließlich die Novellierung der Ausgleichs- und Konkurso r d n n n g. Da mit der Opposition keinerlei Verhandlungen wegen Umstellung der Tagesordnung geführt wurihm, kann es sich hier nur um eine Denwnstratiou handeln, die vor allem den .Hausbesitzern an dem zu erwartenden leidenschaftlichen Widerstand der Sozialdemokraten zeigen soll, daß die Mehrheitsparltten selbst beini besten Willen nicht imstande sind, gegen die Opposition der Linken die Ncvell-iernng des Mietengefetzes durchzudrücken. Ter Antrag Danneberg, der gleichgeitig verhandelt werden soll, will die ungleichmäßige Belastung der Mieter alter und neuer Häuser beseitigen. Die Bewohner alter, baufälliger Objekte müsion nämlich für Hausrcparatnren sehr bedeutende Beträge au'wenden, während die Insassen neuer Hauser nur den unverhältnis'niäßig geringeren JnstandhaltungszinS zu zahlen haben. Es soll nun dieser I n st a n d h a l tn n g s z i n s zugunsten eines Ansgleichsfondtz erhöht werden, aus dessen Mitteln die Reparaturen baufälliger Mietobjekte bestritten werden sollen. Daß Dr. Waiß beide Anträge unter einem im Ausschuß zur Diskussion stellen will, läßt die Annahme gerechtfertigt erscheinen, daß er hofft, die OPPcsttion werde sieb vielleicht bereit finden, über die stufenweise Medereinsührung der freien Mietzinsbildung .und den Ausgleichsfonds sich mit dm Mehrheitspartcicn etwa in einem engeren Komitee an den Beratungstisch zu setzen. Es lväre dies eine vorläufige Lösung des Mieten- Pro'blems nach altösterreichifchem Muster: „Will man nicht erttscheiden zwischen A und B, so setzt man ein ein Subkomitee!" Die ganze Angelegeuhe-it ist überdies noch durch die bevovstchende neue Auseinandersetzung über die Teilung der Abgaben zwischen Bund, Landern und Gemeinden komplitziert, da die Steuerpolitik des Bundes wieder in die Richtung strebt, den Gemeinden in der Hauptsache nur die Jmmobiliavsteuern zu belassen, was praktisch zur Folge hätte, daß die Gemeinden wie in der Vorkriegszeit ihre .Hanpteinnahmen aus der Beftenevung der Mietobjekite ziehen. Spruchreif ist das ganze System des Mietwcscus m Oesterreich noch lange nicht, und es wird insolange auch schwer zu lösen sein, als nicht durch eine ausgiebige H e r a b s e tz u n g d e s B a n k z i n s s u ß e s wieder Bankredite zu einem billigen Zinssatz evMtlich fein werden. ob durch die Preise des Extrabrotes auch die Preise des Normalbrotes bestimmt würden. In WiEichkeit kann das sogenannte Extrabrot in keiner Weise zum Vergleich herangezogen werden. Konsequentevweise müßte die Preisherabsetzung der kleinen Betriebe auch ein entsprechende Herabsetzung von seiten der Brotfabriken zur Folge haben. Wettbewerb für da» BSlkerbundgebände. Gens, 5. Jänner. Das Völkevbnndsekrvtariat cjiibt bekannt, daß unter den Architekten, die Staatsangehörige von Mitgliedern des V ö k k e r b u n id e s sind, ein Wettbewerb für den Bau des neuen Versammln ngsgebäudes veranstaltet wird. Das Preisrichterkolleigium wird sich ans je einem Oester reicher, Belgier, Franzosen, Engländer und Schweizer zusammensetzen. Die Verfeudunig des Progvammes für den Wottlbeiwevb evsolgt iin Februar. Es sollen Preise im Gesamtbetrag von 100.000 Schweizer Franken ausgesetzt werden. Boston-London - 2 Zöge. Nene Luftverkehrsprojekte. In Boston wurde mit einem Aktienkapital von 50 Millionen Dollar*eine neue Luftverkehrsgesellschaft gegründet, die einen regulären Luftverkehr von Boston nach San Franzisko einerseits und nach England andererseits einzurichten beabsichtigt. Die nene Gesellschaft plant den Ban von Luftkreuzern mit einem Fassungsraum für ISO Passagiere und 60 Tonnen Fracht. Die Dauer der Ueberfahrt von Boston nach London ist mit zwei Tagen bemessen. Die Flugzeuge, deren jedes zwei Millionen Dollar kosten soll, sollen der Goodyear-Gesellschaft in Ohio, bekanntlich der amerikanischen Niederlassung der Zeppelin-Werke von Friedrichshafen, in Bestellung gegeben werden. PalMinaerkurston de» Wettverbander der Wischen Studentenschaft. Zur Eröffnung der jüdischen Universität. Zu Pesiach dieises Jahres veralnistaittet der Wettvevvaub der Mischen Studentenschaft eww PalästmaeMrsmn. Jüdische Studenten aus 13 Länldern morden an dieser Exkuusion teilnichmen. Es wind mit der sicheren Doitnahme von 200 jüdischen Studenten .gerechnot. Diese Exvnosion wird die vaste Gelegenhoit sein, «den Mischen Studenten aller Länder, die int Weltverbande organisiert sind, die Möglichkoit zu geben, 'ihrem Znsa,Mnengchö'.>ig?eitsgofühl Ausdruck zu verleihen, sie mit den muen Formen deS jüd'ifcheu Lebens iu Palästina und mit ldem La.nde selbst vertraut M machen und sie mit den Ouelleu der ueuiMIischen KaStur Md ErzichuiNü m Berührumg zu bpingen. Won Efe-

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