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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-04 · Heft 2110 (4.1.1925) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2110 (4.1.1925)
Date
1925-01-04
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9fr. Ältt M«it, Sckinlsg ’4: Mmer IM) Seite K Bühne und Kunst. „Ae verkaufte Vraut." (Neueinstudierung im Operntheater.) Jur letzten Jahre herrschte in Wien mit Rücksicht aus die Jahrl/undertfeler -es Tondichters ein wahrer Ueberfluß an Smetana-Anfführungen. Die Volksoper brachte „Die verkaufte Braut", «das Prager Nationaltheater eine ganze Reihe von Smetana-Opern, gelegentlich eines Gast-' spielcs der Olmutzer hörte man gar sämtliche acht Bühnen- 'werke deS tschechischen Nationalheros in primitiver, doch stilistisch musterhafter, wahrhaft volkstümlicher Wiedergabe. Ein wenig abseits vom Smetana-Trubel stand unsere LtoatSoper. „Dalibor", kaum neu einstudiert, verschwand auch schon wieder aus d.m Spielplan, welchem SmetanaS „Geheimnis" und das köstliche musikalische Lustspiel „Ter Knß" noch immer nicht einverleibt wurden, Freilich hat es mit der Ausführung von Volks- und Spielopern im Wiener Operncheater feine liebe Not. Die Größe des Prunkhasten Nam.nes erschwert httinte Wirkungen und die, sagen wir, höfische Tradition des Hauses ist der leiä>ten Beiveglichkeit und d.m naiven Gemüt der Bolksoper abträglich. So blieb auch „Die verkaufte Braut", über deren bereits klassisch geivordene Schönheit wir keine Worte mehr zu verschwenden brauchen, trotz der aus die dielleinstudievu-ng verwendeten Sachlichkeit und trotz deS Eifers aller Mitwirkenden — von Direktor Schalk bis zu den kleinen Choristinnen — vom tschechischen BEstum weit entfernt. Schon die volkstümelnde, aber durchaus unvolkstümliche Sprache des Uebersttzers Max Kalbeck redet der schlichten, urwüchsigen Musik geradezu Hohn. Welch ein geschraubtes, gebildetes Deutsch sprechen doch diese Bauern und wie weit sind sie von den lebendigen Gestalten des Textdichters Sabina entfernt, die aus vollen Zügen die Luft des böhmischen Dorfes atmen. Und ebenso geschraubt bewegen sich die Burschen und Dirnen ans der Bühne der Staatsoper. Was helfen da die farbigsten, schmucksten Baucrnkostüme gegen das spanische Hofzerenvonkell, gegen die steife Grandezza, mit der etwa rm ersten Finale — mit einer Wiensrwaldlandschaft im Hintergrund! — die Dorfjugend zum Tanze antritt, gegen die Feierlichkeit, mit der sich die Solisten unmittelbar an der Rampe zum Euseinblegesang auspflanzen. Das sind freilich Stilmängel, die nicht nur der Ausführung der „Verkauften Braut", sondern auch anderen komischen und Spielopern im Operncheater anhaften, besten Negisteure hier weniger aus Kultur und Schönheit, als vielmehr auf Natur und Wahrheit chr Augenmerk richten müßten. Nur ganz natürlich, daß diese Mängel der ganzen Einstudierung auch bei den Solisten Mvbyr. wurden. Selbst Herr Mahr, besten Plastisch scharfe komische Gestalten — etwa sein Ochs von Äerchenau — so oft Bewunderung erregen, wuchs erst allmählich in die Rolle des Kezal hinein. Mit seiner vollendeten Gesangskunst mag er ja alle Kezale der Welt schlagen, doch bei aller Urwüchsigkeit ist er für diesen tschechischen Dovfintriganten viel zu bästwarrsch. Wenn man ihn singen hört, glaubt man, seinem Barbier, seinem Osmin und Leporello zu lauschen und vergißt darob beinahe Smetana und das tschechische Wirtshäusl, das mit allzu farbigen Wimpeln übermäßig behängt war. Auch Frau Rajdl, die in der Nationaltracht reizend aussah und bis aus einige schrille Töne sehr lieb sang, ist kein böhmisches Mariedl. Um so bester weiß sich Herr Tauber, der universelle Schauspieler, mit dem Hans abzusinden: Ein guter, schlauer Bauernjunge, der sich mit feiner strahlenden Denovhöhe ebenso Mariechen wie den Zuhörern ins Herz singt. Der vornehme Alt der Frau Kittel beherrscht« siegreich das Sextett, Herr Breuer war etn köstlicher Schmierendivektor, Herr Gallos ein gelungener Bauerntölpel, Fräulein A n da y eine gar zu jugendliche Matrone. Im Rahmen der ivertvollen und notwendigen Re-- formeit im Operntheater, welche Direktor Schall oben erst angekündigt hat, dürfen wir wohl auch einen grundlegenden Stilwandel in der Darstellung der komischen Oper erwarten, die leider seit längerer Zeit znm Stiefkind der Komponisten, des Publikums und unserer Staatsoper geworden ist. Und vor allem flotteres Tempo im Orchester, erhöhtes Leben und freiere Bewegung auf der Bühne! Erwin Felder. > Moses Ratht! Lehrbuch der hebräischen Sprache „ffathAmenu“ fUr Schul« und Selbstunterricht (neueste Auflage) Einzige praktische Methode mit deutscher Unterrichtssprache zur vollständigen Erlernung der hei bräischen Sprache in Wort und Schrift auch ohne Lehrer. Die gesamte Tages* und Fachpresse hat das in fünf Auflagen verbreitete Buch als bestes und tUr den Selbstunterricht geeignetstes anerkannt, Preis eines gut ausgestatteten. 400 Seiten starken gebundenen Buches inklusive Schlüssel nür 3 Qoldmark (84.0*>0 Kronen . Für Buchhändler, Schulen und Vereine hoher Rabatt / Zu bestellen bei M.Rath, Verlag« Wien, S.BoxIrk, Taborstrasse 30A. mtv B * „Set Weg nach Sottet." Theater to der Josisstadt. Alls dom Weg nach Dover haust ein merkwürdiger Pirat. Er sängt die Pärchen ab, die aus England Via Dover nach dem sonnigen Süden wollten, sperrt ffc' in fein prachtvolles Landhaus ein und bringt sie durch di« erzwungene Gesartgenschast (trotz getrennter Schlasymnmer) dazu, den gomeinsavron Wog über Dover durchs Leben nicht forlzuse'M. Es P eine Roßkur. Auch für das Publikum dieser grotesken Kaneödi« von A. A. Miln e. Aber wahrend die unfreiwilligen Gäste dieser neuartigen „Billa Landru", in welcher die Äisbe obgemurkst wird, der Spleen des Billenbositzers vor einer großen Enttäuschung bewahrt, müssen die bedauernswerten Zuschauer daß umstäMiche, schwerfällige Stück nutzlos zu Eirde kaum und vevgesten nach dem letzten Fallen des Vorhanges Wer dem Unbehagen, einen Abend yeÄoren zu haben, auch noch an die wenigen fröhlichen AngoMicke, die ihnen die DavstelltMgskmch der Herren Romberg und Lovric gönnte. Insbesondere eine Szene, da die beiden einander Verständnis-- innig anschen, der längst unterdrückten Sehnsucht nach der köstlichen, der weHbevlolsen Zeit Lust machen und Arm m Arm, unbeweibt und des Glückes voll den Weg nach Dover fortsetzen, gelingt ihnen außerordentlich. Den Wegelagerer, der seine Reichtümer nicht besser zu verwenden weiß, als Liebespaare um jede Illusion zu bringen, spielt Herr Rainer mit Anstand. Daß er als Raisonneur des Stückes gelegentlich auf die Nerven geht, ist ans das Schulldkouto des Autors zu buchen. Ein englischer Kammerdiener (GroteMomrker mit Würde und außerordentlichem, beim Boxen le-bensyesährlichem Bizeps) ist etvig zur Stelle. Wenn diesen Dmninic wenigstens Herr Lackner spielte! Aber Herr Strobl hilft dem Dichter nicht nach. Freut Servers spielt eine Zwiderwurz'n, eine Frau, die ewig um den Mann bemüht ist, mit bewundernswerter Selbstverleugnung. Verlobten ist der Besuch der Novität nicht zu empfehlen. Auch sonst niemandem. O. A. Vorein .Freie Jüdische Volksbühne*. LBiemargasse 11 Kleinkeiiilftölme „Die gildene Pawe“ Nächste Vorstellung: Heute Sonntag den 4. Jänner, halb 8 Uhr abends Bonze Schwelg von Perez — Mal KO maschme Ion — Belm Rebben — Der Baidarschen — Der SchabbesgoJ von Perez Karten bei Löwit, Aida, Rotenturmbasar upd an der Kasse, 1. Rfemergasse II. vor der Vorstellung An« de« Theatem. Staatsoper. Heute, 3 Uhr, ^Trista u und Isolde". Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, »Komödie der Verführung". Dienstag, */»3 Uhr nachmittags, »EinenI « x will er sich machen". Abends, 7 Uhr, wird bei aufgehobenem Jahresabonnement zu erhöhten Preisen das Don-Juan-Spiel „Stimmen a n s b e m D n n 11 V von H. A. Lenormand, deutsch von Berta Zuckerkand!, gegeben. Am 13. d. nimmt Frau Jda Roland Ihre Tätigkeit -wieder auf. Ihre nächste neue Rolle ist die Katharina in Max Daurheudeys Drama „Spielereien einer Kaiserin". Akademietheater. Morgen, 7,8 Uhr abends, »Der Raub der Sabine rinne n , Dienstag den 6. d.» 3 Uhr nachmittags, wird „Dir Fr au Rat", abends 7,8 Uhr »DerTokaier" gegeben. DolkSoper. Heute, 7-b Uhr nachmittggS. »Der Trompeter von S S k k i n g e n", abends, 7,8 Uhr. »D t e B o h e m e", morgen Montag »Der Troubadour". Deutsches Volkstheater. Samstag den 10. d. Uraufführung der dreiaktigen Komödie »Sie selber nennt s i ch H e l s i n g e" von Wilhelm Snicklen. Donnerstag, 8. d., »MariaStUart" (zum ersten Male mit TilläDurieux a. G.). Heute, 7*4 Uhr nachmittags. „Secks Personen suchen einenAutor". Dienstag, 7,4 Uhr nachmittags, »T reu, f l e i ß ign n d e h r l i ch", »Die 73 Kreuzer des Herrn Stutzelberger" und »Eine Vorlesung bei der HauS Meisterin". Raimund-Theater. Heute, 7,4 Uhr nachmittags, „Schneewittchen und die sieben Zwerge". Dienstag, 8 Uhr nachmittags, geht unter dem Titel: »E t,w a 8 zumLachen" die Silvestervorstellung der Raimund-Theaters in Szene. In Vorbereitung steht »D a 8 WU n d e r" von Walter Liebleiu. Theater an der Wien. Heute, 3 Uhr.nachmittags. mit Kräften des Deutschen VolkStheaterS »Das vierte Gebot". C a r l-T h e a t er. Heute, S Uhr nachmittags, »Die S ch ü tz e n k i e s e l". Theater in der Josesstadt. Da8 Kinder- Märchen »Prinzessin H u s ch e w i n d" wird nur «chr heute und Dienstag nachmittags gegeben. R e it aif 1 ancebüh n e. Rkorgen, zum erste» Male, Georg Kaisers »BrandimOpernhaus". Neues Wiener S t a d t t h e a t e r. Heute, 3 Uhr nachmittags. „Der Pfarrer v o n K 1 r ch f e! V mit Wilhelm Klitsch a. G. Die gildene Pawe (Verein Freie jüdische Vollsbühne). 1. Bez., Riemergasse 11. Heute, 7,8 Uhr abends, letzte Aufführung de» ersten Programms. Die P r e m i e r e des neuen Programms . findet Mittwoch den 7. d. um 7,8 Uhr abends statt. Neben der Uraufführung von D. P i n S k i S »B a t s ch e b a" gelangen n e u e D r a ur o l e t t o von Sch o l e m A l e jchem zur Erstaufführung. Richard Strauß dirigiert dis pWarmonischen Konrerte licht. Dr. Richard Stvauß hatte den Wiener PhrlharmimNevn ugesa-gt, zwei Abotmementkonzertc M. diriaievear. Der Borland der Wiener PhiihaVmoniker. Prof. Mexander Wundce r, echiÄt Freitag folgendes Telegramm: „Bon mir nicht erschulldete Verhältnisse zwingen Mch leider, Sie zu bitten, iir dieses Jahr von meinem gegebenen Versprechen mich zu entinden." Die nächsten Konzerte am 11. und 18. d. wird Dtrekor S ch a l t dirigieren. Soeben erschienen: Georges Clemeneeau. .jüdische Gestalten" (SchoMbus-Bevlag, Wien) Gin hochLttteresstvntO, evn-terttendes Werk de8 berühmten französischen Staatsmannes, das rder Jude lesen sollte! Preis nur 40.000 K. (2,50 Gm.). Zu eziehen durch jede Buchhandlung. (Entgeltlich.^ ^0vL-6Wieni Der kollbsrste Pest. Zucht von Silberfüchsen im Elsaß. Wie -der „Matin" berichtet, sind dieser Tage in Paris aus den Bereinigten Staaten 45 Silberfüchse eingetroffen, die aus Water-Tollvu mr Staate New-Vorl stammen und nach TäÜmenkirch im. Ob-relsaß zu Züchtu-ngsznxcken untergebracht werden sollen. Jedes Tier hat einen Stammbaum, der ans vier Generationen zurückgeht. Den neugierigen Parisem, welche sie avr Samt-LazaDe-Bahnhof erstaunt betrachteten, machten sie einen schr gölangweilten Eindruck und streckten ihnen gähnend die Zunge heraus. Die Tiere sind gewohnt, paarweise sich in emem Goheg von 60 Quadratmeter herumzutummeln. Es ist das erste Mal. daß in Frankreich solche Zuchwechuche angestellt werden. Es war auch schon die Rade davon, in der Schweiz Silberfüchse zu züchten, aber, unseres Wissens ist der Plan nicht ge- Aückt. D^'v Silberfuchs, dessen Heimat das nördlichste Amerika von Alaska bis Labrador bildet, ist nur eine Farbenvariatton des gewöhnlichen Fuchses. Sein Psst gehört zu den wertvollsten, die man überhaupt im Pelzhcmdel keimt. Die Favbe variiert sehr. Der Grund ist schwärzlich, die Grannenhaare sind teils schwarz, teils an den Spitzen mehr ov.'r wenig tief ^inab silbrig weiß. An der Seite der Füße findet sich auch l)aufig ein silbriger Streifen. Der Schweif ist schwarz, mit weißer heller Spitze. In Amerika existieren bereits einige füntzig Farmen, in denen Silber- und Blaufüchse gezüchtet werden. Der Hauptnutzen dieser Farmen liegt hauptsächlich im Bevkarrf der lebenden Jungen zu weiteren Zuchtversuchen. Die „Bärenmützen-Frisur". Die Tage, da das durch die bubenhafte Mode der letzten Zeit ganz nt den Schatten getretene junonische Frauenideal wieder seinen Ehrenplatz entnimmt, dürften nahe bevorstehen. Den ersten Schritt dazu machen bereits die Pariser Haarkünstler, die bemüht sind, durch eine neue Haartracht ihren Kundinnen das an majestätischer Größe zuznlegen, was ihnen die Natur schuldig' bPeb und die Mode des kurzen Rockes vollends raubte. Die „Bärenmützen-Frisur" ist diese bahnbrechende Schöpfung, die uns wieder würdevolleren Zeiten entgegenführen soll. Sie verleiht den Frauen dos Aussehen oer mit ihren Barenmützen geschmückten englischen Gardisten. Diese Frisur wird durch oas Empornehmen einer stärken Strähne des Haares über die Stirn. geschaffen, die. bis zur Höhe von gut 80 Zentimetern über der Stirn aufgebaut wird, wenn das übrige Haar darunter hervorgezogen und rundum in Locken, die gerade über die Ohren reichen, eingedreht wird. ln dieser Packung •Infach und sachlich, kaufen Sie den effektvollsten Puder, den die Kosmetik seit einem halben Jahr« hundert kennt. Puder soll In erster Linie die Haut hervor* ragend schon machen, ohne sicht* bar zu werden, dann aber auch die Haut selbst pflogen, so dass der zeitweise ungepuuerte Teint ebenfalls gut wirkt. Nur Leich« ners Fettpuder kann solche Erfolge aufweisen, wen seine Rohstoffe unnachahmbar sind. Lelchners Puder / Taschen« puder / Cremes / Schminken für Lippen, Augen und Wan« gen / New Cosmetlc und Blüten« wasser sind überall erhältlich. Die Qualität macht’s L. Leichner * Berlin, SchUtxenstrasa« 31 Wien, XVIII., Wltthauerfl, IV

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