Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2110 (4.1.1925)
- Date
- 1925-01-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2110 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 4. Jänner 1926 Seite 5 Tagesbericht. Unfall des Bürgermeisters Seitz. Durch GlaSsplitter im Auto. Samstag vormittags geriet der Wagen des Bürgermeisters Seitz bei einer Fahrt durch Traiskirchen, «chls der Chauffeur einem entgegenkommenden Auto ausweichen wollte, ins Schleudern. Hiedurch wurde der Wagen des Bürgermeisters gegen Las Lastauto gedrängt, wobei die seitliche Fensterscheibe in Brüche ging. Einer der großen Glassplitter verletzte den Bürgermeister, welcher eine Schnittwunde von einigen Zentimeter Länge an der Stirne oberhalb des rechten Auges erlitt. Der Bürgermeister begab sich zu dem in der Nähe wohnenden Arzt Dr. BIaschke. Da dieser nicht anwesend war, wendete er sich an Dr. Bauer. Letzterer sowie der in der Zwischenzeit gleichfalls erschienene Dr. Blaschke versorgten die Wunde kunstgerecht, worauf der Bürgermeister seine Fahrt nach Wien fortsetzte. Die Verletzung qualifiziert sich Äs eine leichte. Zu irgend welchen Bedenken gibt sie keine Veranlassung. Eine Berufsstövung aber wird nicht eintreten. Me kommunistische Abgeordnete Ruth Fischer verhaftet. Freitag wurde die unter dem Namen Ruth Fischer bekannte deutsche kommunistische Reichstagsabgeordnete Elfriede Golk e,'früher Friedländer, welche Ende Dezember 1924 in Wien eingetroffen und in einem Hotel des 2. Bezirkes unter dem falschen Namen Helene S t e i n abgestiegen war, verhaftet. Gleichzeitig mit ihr wurde ein Reisender, der sich vor einigen Tagen in demselben Hotel unter dem falschen Namen Giovanni C o st a einlogtert hatte und mutmaßlich mit einem deutschen Kommunisten, Heinz N e u m a n n, identisch ist, angehalten. Elftiede Friedländer-Golke-Fischer wurde wegen Uebertretung der Falschmeldung dem Strafbezirksgerichte I überstellt. C o st a - N e u m a n n wird nach Abschluß der polizeilichen Erhebungen dem kompetenten Gerichte eingeliefert werden. Jas große Jännerprogramm im Apollo. Nun hat Wien wieder seine große Varietebühne: Das .Apollo spielt wieder und das Eröffnungsprogramm vereinigt in sich alle Qualitäten, die nur irgendwie erreichbar sind. Komik, Akrobatik, künstlerischer Gesang, Tanz, szenische Tricks haben sich Rendezvous gegeben, um das Publikum zu Lachen und Staunen hinzureißen. Da sind zunächst die komischen Akrobaten Arcon i s, die Technik und Humor wundervoll vereinen, ferner das Meisterpaar der Equilibrist«! Bleffing, von urdrolliger Groteske die grandiosen Hockeyspieler C h c l i n g D o r m o n d s, die Humsti-Bumsti-Humorfften Green, Wood und Vrolet. Ein Schlager die Naturkopisten Herr und Frau Nachtigall P ewrnanebros, von künstlerischer Wirkung die italienische Koloratursängerin Nella Muri. Ein Kapitel für sich bildet die szenisch reizvolle Nummer Schicht'ls künstliche Menschen und Tiere, verblüffend durch die Tricks und die Märchenstimmung, die hervovgerusen wird. Den Höhepunkt des Programms btldot Barbette, ein Turner von einer nervenpeitschenden Waghalsigjkest. Intermezzo der 4 Faire sisters, reizender blonder Amerikanerinnen, die einen Duft von Anmut -ausstrahilen, und rdas plastische Ballett Elandia I s s a t s ch e n k o, bestehend aus einer Schar vollendet schöner junger Mädchen. - ^wieder meinte, sie habe an Lämel genug und bedanke sich ifür einen Nachwuchs dieses Unmenschen. Als aber die Ehe!in das zehnte Jahr ging, begann sich die Judengasse mit her Angelegenheit zu befassen. Die frommen Frauen suchten jetzt Ziperl häufiger auf, deuteten ihr an, daß Gott!sie strafe, weil sie mit Lämel nicht liebevoll umgehe, während er doch eine treue Seele, ein frommer Baalteschubah sei, mit dem der Allmächtige sicherlich noch große!Dinge vorhabe, da ja bekanntlich ein reumütiger Büßer Gott lieber sei, als hundert fromme Zadikimr^sie, Ziperl, verstehe offenbar nicht, die hohe Gunst zu würdigen, die darin bestünde, daß aus ihrem Schoß der Sprosse eines Baal-teschubah hervorginge. Ziperl möge nicht vergessen, baß es eine große Sünde sei, nach zehnjähriger kinderloser iEhe weiter in solcher Ehegemeinschaft zu verharren, und baß für eine solche Sünde oft die ganze Gemeinde büßen muß... Reb Anschel wieder nahm Lämel ins Gebet, führte ihm die schwere Verantwortung vor Augen, die er aus sich lade, wenn seine Ehe mit Ziperl nicht den wichtigsten Zweck der jüdischen Ehe, die Erhaltung des Stammes, erfülle. Er fand sogar liebevolle Worte für Ziperl, die ja Lämel immerhin seit zehn Jahren hingebungsvoll betreue; Lämel habe ja genau gewußt, was er an Ziperl! bekäme. Auch Reb Anschel hielt es für seine Pflicht, Lämel! darauf aufmerksam zu machen, wenn eine Ehe in zehn ^Jahren ohne Kinder bleibe, sei das ein Zeichen, daß ^Gott diese Ehe nicht gefällig ist und daß die Vorsehung!nrit dem Zusammenleben solcher zwei Menschen andere Zwecke als die Erhaltung des Stammes verfolgt habe.! Länger als zehn Jahve jedoch sei eine solche unfruchtbare Vereinigung von Mann und Frau ein Frevel, der durch!die Scheidung verhütet werden muß, soll über die Gej meinte nicht ein großes Unglück Hereinbrechen. Trotz alledem blieb die Ehe Lämels mit Ziperl kinderlos. Neun Jahre und nenn Monate waren der rote Lämel und die schwarze Hexe aneinander gebunden. Mit jedem Tage wurde diese Verbindung unerträglicher für j beide; die zwei Menschen, die bis dahin keilte Krankheit «kannten, begannen zu kränkeln. Zuerst fiel die „schtvarze! Hexe" allst Krankenlager. Das Unglück begann . . . Ist es Zeit, denn nie wieder kommt diese günstige Kaufgelegentitit! 01>ne Rücksicht auf die Selbstkosten verkaufen wir diese Woche nach dem Muster grosser amerikani scher Warenhäuser unser gesamtes, streng modernes Winterlager zu spottbilligen Einheitspreisen O 4 PrQfen Qie! HANTEL durchwegs gediegene Qualitäten! Schillinge 1. Serie 56 2. Serie 85 3. Serie 118 4. Serie 165 1 Schilling — 10.000 K * Kostüme und Komoietts erstklassige Qualitäten, reiche, keine Verbrämungen Schillinge 1. Serie .. 65 2. Serie .. 125 3. Serie . . 165 1 Schilling 10.000 X Seidentrikotkleider.. 10 Seidenjumper.57* Cr§pe de Chineklelder 29 Cheviofkielder ...... 1S Kammgarn und Gabardine 35 Velours« Schotten, Streif .. 25 Ripsu. Kammgarnkleider 49 Täg Ich Vorführung der neuesten Bell-'Tanx-, GesellscHafts- und Nachmittagskleider In Jereislaga Preise in.Schillingen 6in Totschlag im Prater. Von der Braut erstochen? Die achtzehnjährige Hilfsarbeiterin Marie Jellinek ist mit dem 34jährigen Stallmeister im Praterhippodrom Jaro'slav Kostal, der auch int Hippodrom wohnt, verlobt. Freitag -nachts kam die Jellinek in die Wohnung des Arztes Dr. Menkes im Prater und ersuchte ihn, sofort zu ihrem Bräutigam zu kommen, da er das Opfer eines Unfalles geworden fei. Der Arzt fand Kostal entkleidet, mit einer schon gewaschenen Wunde in der Brust, im Bette liegen. Er stellte sofort fest, daß die Wunde sehr gefährlich sei, und forderte die Jellinek auf, die Rettungsgesellschaft zu verständigen. Aber erst nach eindringlichen Vorstellungen verstand sich das Mädchen dazu. Die Rettungsgesellschaft kam und brachte den Verletzten in die Unfallstation. Dort ist er, ohne wegen seines Zustandes einvernommen werden zn können, nm 11 .Uhr nachts g e st o rb e n. Die Jellinek hatte Dr. Menkes dringend gebeten, er möge keine polizeiliche Anzeige machen, da sie sonst in die Donau gehen müsse. Die Anzeige wurde gleichwohl dem Kommissariat Prater erstattet. Die Jellinek wurde einem eingehenden Verhör unterzogen. Bei ihrer Einvernahme stellte sie die Tat als einen Unfall dar. Kostal sei, nach ihr stark bezecht, nach Hanfe gekommen. Er verzehrte noch einige Wurstscheiben, webe' er sich auf den Bettrand setzte. Cr verlangte dann von der Jellinek, die vor ihm stand, sie solle ihm ein Stück Brot a bschueiden. Als sie das Messer in der Hand hielt, soll Kostal plötzlich ausgestanden sein. Infolge seiner Trunkenheit soll er das Gleichgewicht verloren halben und in das offene M e s s e r g e st it rzt sein. Sic herauggelockte Perlenschnur. Das leere Safe. Auf schlaue Weise haben zwei Polen dem Textilwaren« fabrikanten Benjamin Wolf Älter, Baden, Wilhelmsring 10 wohnhaft, und 10. Bez., Schle'iergasie 17 etabliert, eme sehr wertvolle Perlenschnur entlockt und dann zum Schaden noch den Spott hinzugefügt. Alter war mit den-'-beiden Landsleuten, die er unter dem Namen Dimilri Züeskowski und Jan Sergejs w Ski kannte,, seit längerer Zeit in geschäftlicher Verbindung, gestanden. Vor etlichen Wochen hat er den beiden Polen eine kostbare Perlenschnur,.bestehend, aus 86.schönen großen P-rlen, mit einer Perlenschließe im Wert evo »1200 PfundSterling gezeigt und sie gebeten, ihm auf du Schnur ein Darlehen von.1000 Pfund Sterling zu.gewähren. Die beiden sagten zu. Man beriet über die Modalitäten und kam. zu dem Schluß,, daß die Schnur an einem neutralen Ort aufbe'wahrt werde. Die beiden Polen erklärten, in der Zentrale der A n g l o b a n k in der Strauchgasse ein Safe zu baben. in dem die Schnur am besten aufbewahvt werden könnte. Am 9. Dezember begaben sich nun verabredungsgemäß Alter und die beiden Polen in das Gebäude der Anglobank. Aller hatte die Perlenschnur mit. Vor dem Saferaum ließen die beiden Polen den Alter warten. Züeskowski begab sich in den.Saferaum, angeblich, um die Perlenschnur in seinem Safe zu hinterlegen. Als er nach einiger Zeit zurückkam, händigte er dem Alter einen Kassenschlüssel ein und erklärte, daß die kostbare Schnur nun sicher im Safe erliege und daß er die 1000 Pfund von Brünn aus schicken werde. Doch das versprochene Geld kam nicht. Alter ahnte nun, daß er Schwindlern aufgesessen sei und erstattete am 21. Dezember die Strafanzeige im Sicherheitsbureau. Das Safe wurde mit dem Schlüssel, den Alter in-der Hand hatte, behördlich geöffnet: es war leer. Gestern gelangte die Nachricht hieher, daß der Mann, der hier als Züeskowski auftrat, in Sofia verhaftet worden ist. Der angebliche Sergejewski (Storg-ijewski) wird noch verfolgt. kntsvanming im Theaterftrett. Einer unserer Mitarbeiter hatte eine Unterredung mit einem führenden Muglied des Bühnenvereins. der sich über die'Lage der Wiener Theater wie folgt äuß-erte: Die Kampfstimmung in den Wiener Theatern hat sich noch immer nicht gelegt, aber es ist immerhin die Aussicht vorhanden, daß der Kampf bald a b geblasen wird. Die Zwistigkeiten innerhalb der drei Angestelltenorganisationen, dem Bühnenverein, der .Technischen Union und dem Mufikerverband sind bereits so weit aus der Welt geschafft, daß ein gemeinsames V-orgchen zu erwarten ist. An Theater an der Wien wurde, wie bekannt, bereits Frieden geschlossen und die prinzipielle Frage, ob die Musiker materiell besser als alle anderen Bühnenangestellten zu stellen feien, dadurch bereinigt, daß den Musikern monatlich ein Betrag von 200.00g bis 300.000 K. als Jnftru-mentengeld ausgezalhlt wird. In den Prosalbühnen herrscht über die Gagenfragen keine Divergenz. Eine solche besteht bloß in den Operettentheatern, dürfte aber bald nach der jetzt erfolgten Einigung mit den Musikern beigelegt werden. Die einzige Frage, die noch offen sicht, ist die Verlängerung des Kollektivvertrage s auf ein Jahr, eine Forderung, die der Bühnenverein aus dem Grunde erhebt, um feine Mitgieder der Sorge um ihre Existenz zu entheiben. Der Direktorenverband hielt aber diese Frage für nicht so dringend, da der gegenwärtige Vertrag noch nicht abgelaufen ist. Daraus entwickelte sich der KonfM, der bekanntlich zur Streikdrohung vor den Weihnachtsfeiertagen und 'in feiner weiteren Folge zur Demission des Präsidenten des BühnenvereilH, Stärk, führte. In der Frage des Schadenersatzes von 200 Millionen Kronen, die der Bühnenverein. den vom Streik bedrohten Theatern wogen Verdien st entganges hätte zahlen sollen, steht der Bühnenverein im Gegensatz zu anderen Mitteilungen nach wie vor auf dem Standpunkte, daß der Präsident Stärk lediglich versprochen hat, den Antrag zu stellen, eine „G n t f ch ä d i g u n g" und keinen Schadenersatz" zu leisten, um dem Direktor Dr. Beer entgegenzukommen. Dieser Antrag wurde, wie berichtet, nachdem Stärk feine Stelle niedergelegl hatte, von chm auch gestellt, aber abgelehut. Zn den Vorkommnissen innerhalb des Bühnenvereins und zu der künftigen Stellungnahme wird die heute tagende Bollverfarmnilung aller Bühnenangestellten Stellung nehnten. Die Lage der Theater ist auch für die zweite Saifonhäiffte als nicht allzu günstig zu betrachten. Die Steuerrr sind hoch Mld mit namhaften Ermäßigungen ist nicht zu rechnen. Das Pulblikum wird ikmmer weniger zahlungskräftig. Das Spielen auf Teilung, das in den notleidenden Theatern jetzt gepflegt wird, ist auf die Daner nicht zu halten. Momentan ist don sonst im anderen Falle brotlos werdenden Schauspielern geholfen, doch eine Permanenz dieser Verhältniffe ist nicht möglich.. Jedes Theater braucht ein gewisses Stammkapital, um künstlerisch auf der Höhe zu sein. Der Bühnenverein würde es sehr gerne sehen, wenn sich bald kapitalskräftige Unternehmer fänden, die diese Betriebe übernchinen würden, um auch in diesen Theatern den Angestellten eine dauernde Existenz zu sichern. Sin Spfer der Sttahlenforschung. Ans Paris wird gemeldet: Der Mitarbeiter deS Ehepaares Curie, der Chemiker Deine nitroux, ist heute, uacfybent mehrere Blutübertragungen erfolglos geblieben sind, gestorben. Er ist das Opfer seiner Versuche mit Thor i u m -Strahlen geworden.