Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2109 (3.1.1925)
- Date
- 1925-01-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981194--21550-3008870- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«I. *109 Mm, TaiEz (Bittre* afafftittgeTfaft«. 8. gjntKt 1956 Sie zionistischen Tagungen. Kurt Mamenfeld — PrSfldent der deutschen Sroauisatioa. Weßbade«, 31. Dezember. (I. T. A.) Di« Beratungen keS 80. Delegiertentages der Zionistischen Vereinigung für Deutschland fanden am Dienstag den 30. Dezember, 7 Uhr abends, ihren Abschluß. Die Wahlen des neuen Vorstandes hatten das nachstehende Ergebnis: Zum Vorsitzenden der Zionistischen Bereinigung für Deutschland wurde einstimmig .Herr Kurt D l u m e n f e l d, zu feinen Stellvertretern wurden die Herren Dr. Martin Rasend lüth und Dr. Alfred Schwarz gewählt. Der neue Landesvorstand setzt sich aus einer größeren Anzahl von Mitgliedern zusammen, die nicht wie bisher nur in Berlin. sondern zum Teil auch in der Provinz ihren Wohnsitz haben. Die Beratungen des neuen Landesvorstandes sollen fortan alle vier Wochen an Sonntagen stattfinden, so daß auch die auswärtigen Mitglieder an ihnen teilnehmen können. Am Dienstag vormittags fand eine geschlossene Sitzung des Keren Hajessod statt, in der der Direktor des Hauptbureaus des Keren Hajessod in London, Doktor Berthold Feiwel, ein mehrstündiges Referat über die bisherigen Leistungen des Fonds in Palästina hielt. An seine Ausführungen schloß sich eine Diskussion, die ihren Abschluß in einer Rede Dr. Weizmanns fand. In dieser, der dritten Rede Weizmanns auf dem Delegiertentag, erklärte der Präsident der Zionistischen Organisation, - er Aufbau Palästinas sei der Schlüssel zur Oeffnung der Tore des gesamten nahen Ostens für jene Millionen Juden, die gezwungen sind, aus ihren bisherigen Wobu-- ländern ausznwandern. In brüderlicher Gemeinschaft mitden Arabern werden diese Juden eine Wiedergeburt des nahen Ostens hevbeiführen. Wenn die Zionisten mit diesen Aspekten an die Gesamtjudenheit herantreten, so werden sie sicher ein weitgehendes Verständnis und ein warmes Echo finden. Dr. Weizmann verwies auf die Bereitschaft der amerikanischen Judenheit, in bem Aufbauwerk mitzutun. Er führte als Beispiel ixe Gründung, der amerikanischen Jnvoftierungsgesellschast mit drei Millionen Dollar Kapital an. Dieser Erfolg ist der Beweiskraft der überraschenden Kolonisationsevfolge in Palästina znzuschreiben. Auch die deutsche Judenschaft muffe mehr als «bisher sich bereit finden, mitzutun, damit durch gesteigerte wirtschaftliche Tätigkeit in.Palästina das Land noch mehr aufnahmefähig gemacht würde. Unter den weiteren Verhandlungen ist 'hevvorzu.heben, das Referat Kurt Blumenfelds über >die allgemeine Lage, an -das sich eine lebhafte Diskussion schloß. An der Diskussion nahmen insbesondere Dr. Ha n t ke und Abraham G ol.d borg (New-Aork) teil. In einer geschlossenen Sitzung referierte Doktor Förder über die Wahlen zum preußischen Landesverband. Hierauf gab Dr. Wetzmann in derselben Sitzung ein ausführliches vertrauliches Referat über die politische Situation und die nächsten Aufgaben. Herr Dr. Nahnm Goldmann hielt ein ausführliches Referat über die Organisationsreform, an das sich eine eingehende Diskussion schloß. Nach einem Schlußwort Dr. Goldmanns unrde eine Resolution angenommen,, in .der fcftgestellt wird, daß die gemachten Vorschläge eine brauchbare Basis für eine Diskussion dieses Problems darstellen, dessen Lösung dem nächsten Zionistenkongretz Vorbehalten bleibt. * ' Unter den Anträgen, die Annahme faitbeit, iji u. Beschluß hevvorznheben, ein L e h r g u t für jüdische Landarbeiter, die nach Palästina gehen, zu schassen. Am Dienstag abends verließen Dr. Wetzmann und Dr. Feiwel den Delegiertentag, um sich nach Wien zu begoben. Der Vorsitzende des Telegiertcntags, Dr. Landsberg. richtete an Dr. Wetzmann eine Abschiedsansprache. Die Versammelten bereiteten den: Präsidenten der Weltorganisation eine minutenlange Ovation. Mfsollnl und die Safjifttn. Rom, 2. Jänner. Ter Minister des Innern hat alle faszistischen Versammlungen verboten, so auch die große faszistische Volksversammlung in R o tu, die für den kommenden Sonntag angesagt war. Ueber die Vorfälle in Florenz hat der Minister des Innern eine dringliche strenge Untersuchung angeordnet. Zu diesem Zweck wurde ei» hoher Polizeibeamter nach Florenz entsendet. Die morgige Kammersitzung, mit der die Arbeiten des Parlaments wieder ausgenommen werden, wird Ministerpräsident Mussolini mi teiner Rede eröffnen, in der er sich über die neue Lage und die Stellung der Regierttng dazu aussprechen wird. Nach dem „Meffaggero" wird Mussolini besonders darauf Hinweisen, daß die Negierung entschlossen sei> jeden. Versuch der Straße, die Wege der Negierung zu durchkreuzen, möge er von welcher Seite immer ausgehcn, zu unterdrücken. Die Hausdurchsuchungen bei den Oppositionellen dauern fort. Die Presse dieser Parteien ist tatsächlich mundtot gemacht. Dem abtretenden Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Alfred L a n d s b e r g, wurde die Anerkennung seiner opfervollen Arbeit ausgodrückt. Die Konferenz der Zionisten Polens. Warschau, 1. Jänner. (I. T. A.) Die 7. Konferenz der Zionisten Kongreßpolens hat ihre Beratungen beendet. Das Resultat ist ein Sieg der praktischen Gtmppe ,f& s 1 i w n o t" gegenüber der vom Deputierten I. G r ü nb a u m geführten Gruppe, die die Politik der Zionistischen Exekutive bekämpft. Es wurde die folgende Resolution angenommen: Die 7. Konferenz der Zionistischen Organisation in Polen erklärt angesichts des Dranges der jüdischen Maffen, ihr Schicksal mit Palästina zu verbinden, daß die wichtigste Aufgabe der Zionistischen Weltorganisation in .der Verbreiterung des Rahmens der Aufbauarbeit in Palästina besteht. Das Land muß fähig gemacht tverden, den breiten jüdischen E m i g r a t i o n s st r o m aufzunehmen. Die Konferenz begrüßt die Unterhandlungen, die der Präsident Dr. We igln an n mit Bezug ans die Ertveitevung «der Jewish Agency führt. Die Konferetiz fordert die Zionisten in Polen allst s i ch u m d i e O r g a n i sa t i o n fest z uf a m m c n z u s ch l i e ß e n, damit die große historische Aufballepoche sich erfüllt. Das neu-gewählte Zentralkomitee besteht aus folgen» den Herren: Leon L e v i t e, Dr. G o t t l i e >b, Dr. M. Hindes, Dr. Feldstein, H e f t m a n », Dr. B a l ab a n, Dr. K o r n g r ü n, S e i d e m a n n, Doktor B i ch o w s k i, Dr. Brande, S ch w i f und Dr. R os e n b l a t t. Die Abstimmung ergab 82 gegen 40 Stimmen. Dr. G v t t l i e b wies in der Schlußrede aus die großen Verdienste des bisherigetl Präsidenten Dr. G r ü u» bount hin; die Konferenz bereitete Dr. Grnnbaum eine Kruge dauernde Ovation. Sokolow Mer feine SindrLüe in Anmiinie«. In einer Besprechung, die Nachnm Sokolow mit den Delegieren aus Siebenbürgen am rumänischen Zionistetttag in Bukarest 'hatte, äußerte er sich über seine Eindrücke in Rumänien, und sagte unter änderet«: „Wir dürfen nicht ungeduldig sein und nicht verzweifeln. Das war so immer das Los des Judentums und heute hat unser Volk schwere Tage durchzmnachen. Wir müssen natürlich k ä m P f e n, damit sich die Lage verbessere. Meine in Bukarest gesammelten Erfahrmlgen berechtigen mich zu der Hoffnung, daß die Regierung alle Mittel aufbieten werde, um die Juden vor Verletzung ihrerRechte zu schützen. Ich glaube in dieser Richtung auch den warmett und herzlichen Empfang, der mir in den höchstett Kreisen des Landes zuteil wurde, als gutes Zeichen deuten zu dürfen. Bei dem mir zu Ehren 'veranstalteten Bankettt des Außenministers Du ca wurden äußerst freundschaftlich gehalterte Reden gehaltett. Der Außenminister hat für den Zionismus außerordentliches Interesse und ich habe selbstverständlich die Gelegenheit ergriffen, um ihn über den Allsbau Erez Israels auf das eingebendste zu informieren und dabei die Zusammenhänge zwischen unserer Aufbauarbeit und dett Interessen Rumäniens nachzuweifen. Ich wurde auch vout König empfangen, der Hoftase* zugezogcn und hatte nachher ein zweistündiges Gespräch mit dem König utld der Königitr. König Ferdinand interessierte sich hauptsächlich dafür, ob und in welchem Maße sich die Inden in Erez Israel als Landwirte- und physische Arbeiter bewähren. Er erzählte, er habe jüngst in Martnaros Jndenin Kaftan und Pajes geseihen, die den Pflug führten und auch sonst alle möglichen -Feldarbeiten versähen. Die Königin ersuchte mich um «in Exemplar meines jüngst erschienetren Buches „Die Geschichte des Zionistuus". Ich habe diesem Wunsche noch am selben Tage entsprochen. Ant darauffolgenden Tag wurde ich vom Kronprinz« n empfangen, mit dem ich gleichfalls eine lange Unterredung hatte. Ich hoffe, daß der bei diesen Besuchen und Empfängen gepflogene eingehende M e i n u n g s a ü s t a n s ch sowohl für unsere Bewegung als auch für die Lage der Inden im allgemeinen von guter Wirkung fein werde. König Wim« über die Revolutionöre. Paris, 2. Jänner. (Havas.) Wie das „Journal" aus Madrid meldet, hat Kötlig Alfons von Spanien in Erwidcrttng auf eine Sympathiekundgebung des Bischofs von Coria an diesen ein Schreiben gerichtet, worin es u. a. heißt: Wir tnüssen denjenigen verzeihen, die wir bisher bewundert haben und die heute das Opfer einer schlechtett Jnfortttation oder der Atmosphäre, sind, in welcher sie leben. Hoffen wir, daß sie nach den Pamphleten nunmehr wieder beginnen werden, .interessante Romane zu schreiben, die wir lesen und bewundern können. Sie Sahararelse des Königs der Belgier. Paris, 2. Jänner. Der König von Belgien wird heute abends in Paris atlkotnmen. Nach einem kurzen Besuch beim Präsidenten der Republik wird er nach Marseille Weiterreisen, vott wo er sich nach Afrika ein» schiffen wird, um seine Reise nach dem belgischen Kongo anzulreten. Die S a h a r a wird er im Raupenautomobil durchqueren. mir .. Sofien sind Dr. MOFFBAtfBIIS BNTFCTTUN0STABU7TBN rott bester Wirkung, angenehmem Geschmack, vollständig sin* iChldllCh. Die Tabletten stellen eine schlanke, graziöse Figur her, ohne Diätzwang oder Aenderung der Lebensweise, prompte Gewichtsabnahmen. Keine Schilddrüse! Depot: Kein Abführmittel! ApoAik« NUOO BAYBR, Wien, I. Wollseil« 13/12 Von der jüdischen Wanderung. Eine Emigrationskonferenz in Warschau. Berlin, 1. Jänner. (I. T. A.) Die jüdische Emigva» tionsgesellschaft in Polen, hie die Agenden des Enrigrationsdirektoriums in Polen führt, hat für den 8. d. nach Warschau eine Bertreterkonferenz unter Anteilnahme der lokalen Enrigrationskomitees einibevnfen, auf der die Lage der jüdischen Emigration und die Reorganisierung des jüdischen Emigrationswesens in Polen behandelt werden sollen. Das Bereinigte Komitee für jüdische Anslvanderung in Berlin (Emigrations-direktorinm) wird auf dieser Konferenz durch die Herren Latzki-Bertholdi und Dr. Ben Nathan vertreten sein. Reorganisierung der Hilfe in Danzig. Berlin, 1. Jännetp (I. T. A.) Atlgesichts der fritu scheu Läge des Emigrantenhiffswesens in Danzig hat das Bereinigte Komitee für jüdische Auswanderung in Berlin beschloffen, seinen Vertreter Herrn Latzki-Bertholdi ttach Danzig zu entsenden, um die Emigrantenhilfe zu reorgatristeren. Die Gestrandeten in Kanada« Berlin, 1. Jänner. (I. T. A.) Anfangs Dezemver -wandte sich das Berliner Emigrations-direktorinm an die Gesellschaft für Hilfe an jüdische Einwanderer in Kanada mit dem Vorschlag, die Gesellschaft möge sich darum bemühen, daß die 2000 Visa, die der Ica entzogen worden sind, nunmehr für die in den europäischen Häfen gestrandeten Emigranten vevlvendet werden sollen. Die kanadische Gesellschaft antwortete in einem längeren Schreiben, -daß die mit Hilfe der Jca bereits in Kanada emgewanderten 3000 Inden noch nicht alle versorgt sind. Es sind unter ihnen Witwen und Waisen, die die Judenheit in Kanada erhalten muß. Es muß dabei die im Lande herrschende ökonomische Krisis in Betracht gezogen werden. Die Immigranten sind in Kanada aller Mittel bar, p h y s i s ch gebrochen, eingetroffen. Sie bedürfen noch der öffentlichen Fürsorge. Trotzdem iverde sich die Gesellschaft bestreben,, auch den gestrandeten Emigranten zu helfen. Der Brief des Emigrations-direktoriums wurde den maßgebenden Mischen Persönlichkeiten in Kanada übermittelt. Der Joint. Warschau, 1. Jänner. (I. T. A.) Bor einiger Zeir weilte in Wa rs cha u der Direktor der von Joint und Jca gegründeten Foundation", Dr. Bernhard Kahn. Eine Reihe notleidender Mische^ sozialer Institutionen richtete an Herrn Dr. Kahn das Ersuchen, ihre Anstalten zu unterstützen. Nunmehr traf in Warschau die Meldung ein, daß die Foundation eine Geldsumme für die Hilfsinstitutionetl in Polen bewilligt hat. Für Kredithilfe wurden 50.000 Dollar, für das Gesundheitswesen der Gesellschaft „Tos" 10.000 Dollar, für die gestrandeten Emigranten ebenfalls 10.000 Dollar bewilligt. Außerdem stehen noch für das Kinderhilsswesen nngeführ 75.000 Dollar zur Verfügung. Wo» mit Steurrgelü geschieht. Ausfütterung der nationalsozialistischen Bücherschreiber. Der „Abend" macht auf den Unfug aufmerksam, der in dem österreichischen Schulbücherverlag mit den Steucrgeldern getrieben wird. Dieser Verlag ist ausgesprochen hakenkreuzlerisch-großdeutsch eingestellt. Der Leiter ist der Professor Wottawa, der seine Stellung im nationalsozialistischen Unsinn auffaßt und aus dem Verlag ein literarisches Nest für arisch-völkische Zeilenschreiber gemacht hat. Sein Mithelfer ist der Führer der Meidlinger Hakenkreuzler, ein Regierungsrat Drexler, der natürlich auch seine Verwandten in diesem Institut untergebracht hat. Hunderte von Millionen aus öffentlichen Mitteln werden dort für schäbigste „germanische" Druckschriften verschleudert, dagegen Werke abgelehnt, wenn sie von verdächtigen Autoren stammen, die den Aricrvaragravbcn nicht akzeptieren. Me ShrlftNchsorlalen und die Amslle. Die Christlichsoziale Nachrichtenzentrale meldet: Tie chriü Üchsozlale Gesamtvarteileitlmg beschloß ein Komitee einzusetzen, daS die in der Oeffentlichkeit viel umstrittene Frage des recht - Wen CharatterS der auf Grund der Gesetze vom 3. Avril 1919 und 30. Oktober 1919 (KonfirkationSyesetze) durch den österreichischen Staat übernommenen B e r m ö g e n » b e. st a n d t s i l e des ehemaligen kaiserlichen HanseS untersuchen soll. Dieses Komitee, welches unter Vorsitz d«tz und Senatspräsidenten Stephan P a l s«r steht, hat fett bereit» aufzenonmen.