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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-02 · Heft 2108 (2.1.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2108 (2.1.1925)
Date
1925-01-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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2. Jauner 1025 4 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung. Nr. $m Fernsprechwesen und nrlntcn als Begründung für ihre -Haltung den Nut stand an, daß durch diese Zusanunensegung keine Ersparnisse erzielt und kein einziger Beamter abgobaut lverden könnte. Die Technische Union mußte sich mit den schärfsten Mitteln gtgen die Wiedervereinigung '.vcttdetr, die das Telegraphen- und Fernsprechwesen einer bureankmtischen Verwaltung unterstellen würde. Mr. Smith nahm diese Erklärung zur Kenntnis Ae Feftbeleuchtung de« Rathauses. -Als Abschluß der Fertigstellung des Opponitzer .Kraftwerkes fatrd gestern die angekündigte Festbeleuchtung des Wiener Rathauses statt. Rach Hundcrttausenden zählten die Massen, die dem schönen Schauspiel beiwohnten. Bon der Bellaria bis zum Schottentor zogen Kopf an Kopf, die ganze Breite der Ringstraße einnehmend, die Schaulustigen an dem Rathaus vorbei. Einstarkes Polizeiaufgebot sorgte für die Aufrcchterhaltung der Ordnung. Das Stehcnbleiben während der Besichtigung war verboten, um vielen den Anblick des Schauspieles zu ermöglichen. Um 6 Uhr erloschen die Lichter ans dem Rathausplatz mtb ein mächtiger Scheinwerfer beleuchtete den „Eisernen Rathausmann", so daß er in prachtvollem grünlichen Licht erstrahlte. Nach und nach blitzte es in allen Fenstern, die mit weißen Vorhängen verdeckt waren, an den Fassaden und in den mächtigen Schwibbögen auf, und in wenigen Minuten erstrahlte der gotische Ban in festlichem Gewände. Ein Märchenschloß aus dem Feenreiche. Unfälle. Die von der Rettungsgcsellschast errichteten drei Ambulanzen leisteten insgesamt in zw ei u n dz w an zig Fallen, fast durchwegs bei leichtem Unwohlsein, Hilfe. Ein schwererer Unfall ereignete sich in der Lastenstratze. Im Gedränge wurden die 48jährige Private Josefa Zemina und ihr achtjähriger Sohn Johann von einem Straßenbahnzug nieder ge stoßen. Die Frau erlitt eine Quetschung der Brust und eine Verstauchung der Hand sowie eine Wunde am Jochbein, der Knabe hat leichte Hautwunden iind klagte über Kopfschmerzen. Mutter und Sohn wurden von der Rettungsgesellschaft in die Wohnung gebracht. 4 WerbetAbonnentensürdie l 1 „Wiener Morrremeitmm" I Verhaftung eines deutschen kommunistischen Abgeordneten in Me». Der komnrumstffche deutsche Reichstagsabgeordnote Iwan Katz, der sich seit einigen Tagen unter dem falschen Namen Ulrich Tauner hier aushiett, wurde vorgestern cmgehalren, als er einen aus diesen Namen lautenden gefälschten Reisepaß bei einer hiesigen Paßstelle zur Didierung emrcichte. Er Nmridc nach Abschluß der Erhebungen dom Landesaerrchte eingoliefert. - <k fiöifons Probleme. 1 Der H-likopter. Der New-Borker Berichterstatter des Budapcster „Az Eft" führte ein, Gespräch mit Edison, sofern man dies ein Gespräch nennen kann. Denn Gdison, der Vermittler des Lauts für ungeahnte Strecken, fo -schreibt der Bevichtcrstatter, ist fo taub, daß n«ur sich ihm nur durch einen Mittelsmann, an dessen Stimme er gewöhnt ist, verständlich nrachen kann. Aus die Frage, ob irgend eine große technisch.' Erfindung, wie zum Beispiel Flettners Rotor s ch i f f ode x Miethes künstliche Golderzeugung den ruinierten europäischen Ländern einen unerwarteten ^lufschwung -bringe>t könnte, ertividerter Edison: lieber Flettners Schiff kann ich mich nicht äußern, da ich die Details nicht kenne. Die künstliche Herstellung von Gold würde auch dann die Rckonsnnttion nicht beschleunigen, »wenn der Prozeß wirtschaftlich wäre, da Gold wrrMichan Wert «nicht besitzt. An und für sich hat Gold nur einen gang geringen Wert, den zum Beispiel Zähne zu plombieren, und es wird nur geschätzt, weil die Leute glauben, daß ihm ein größerer Wert innewohnt. Ueber die Zukunft der -F lu gs chi s f a h r t sagte Edison: Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß wir fliegen. Die Möglichkeit eines Mißerfolges besteht mcht mehr. Die 'Aufgabe, daß Fahrzeuge, die schwerer oder leichter als die Luft sind, sich auch frei in ihr beioegen können, ist bereits gelöst. Ueber diese Dinge sinne ich nicht eininal mehr nach. Was in ich heute interessiert, ist das Wesen des „H e l r k o p t e r s", mit dessen Hilfe sich die Maschinen in grader Linie vom Boden erheben und an eine ul Punkt in der Luft schweben bleiben sollen. Gegenwärtig arbeiten di« Erfinder daran. Die Flugwisstnschoft hat das Zeitalter ihrer Vervollkommnung erreicht. Daß es schwer geht, den Helikopter zu verwirklichen, spricht nur für seine Bedeutung. Wenn ich au einer Ausgabe arbeite und die Lösung leicht ist, dann weiß ich instinktiv, daß sie keinen Wert besitzt. Bei allem ist es so. Die Diamanten, die aus leicht zugänglichen Feldernentdeckt werden, haben nur geringen Wert, werden gepulvert und zum Schleifen benützt. Mit dem Vollendehen Helikopter wird das Flugwesen die Zivilisation revolutionieren. Wir werden eine Geschwindigket erreichen, die man sich heute überhaupt nicht vorstelle-n Lantt. ' " - 3alob WM, der Mrder von Szatmar. Sin reliMer gnde unter ber Anklage sechsfachen Mordes. Seit nayezn anderthalb Jahren beschäftigt eine Mordaffäre jic Gerichtsbehörden dreier Staaten (Nuinänien, Tschecho-Slotvakei und Ungarn), welche iit ihrer Eigenartigkeit geradezu einzig dostebt. Sie soll nun in den nächsten Tagen vor dein Gericht von Sa tu-Mare (früher Szatinar-Nemeti) ihren Abschluß finden. Es handelt sich um sechs Morde, die dem in Szatmar ansässigen Händler Jakob R c i n i tz zur Last gelegt werde». Reinitz, der ans Debreczin nach Szatmar kam und sich dort ansässig machte, zählt.zu den Frömmsten der ungefähr .16.000 Seelen zählenden jüdischen Gemeinde des Ortes. Und doch soll er in und bei Szatmar vier und in der Nähe von Kaschau zwei Menschen ermordet haben oder durch gedungene Gesellen haben ermorden lassen, um sich in den Besitz ihrer Geldmittel zu sehen. Seine -Opfer. durchlvcgs Juden, lockte er durch Vorspiegelung einträglicher, jedoch zweideutiger Gesckmfte, zu denen größere Kapitalien nötig wären, an abgelegene Stellen oder in Mäl-der, um sie dann dort zu töten und zu berauben. Reinitz wird beschuldigt, aus diese Weise den Eugen Rosmarin aus Erdöd, dessen Braut eine Bertvandte des Reinitz war, als e r st e s O p f e r «beseitigt zu haben. Dieser Rosmarin ist seit April 1920 verschollen. Seit denk 6. August 1920 ist auch Karl N n ß b ä ch e r, ein Bewohner des .«Hauses des Reinitz in Szatmar verschollen und auch dessen Ermordung wird dem Reinitz zur Last gelegt. Ferner wird er der Ermordung des Hermann Smuk aus Bist (Tschccho-Slowakei), der sich geschäftlich viel in Szatmar aushielt und seit Frühjahr 1922 verschollen war, des Salomon Leichter aus Marmaros- Szigeth. verschollen seit 16/ August 1921, und des seit April 1922 spurlos verschwundenen Jakob Lebowits aus Bataros, beschuldigt. Zur Aufdeckung der Untaten, welche dem Reinitz zur Last gelegt werden, führte der sechste Fall, der des Hermann Groß, eines Gasthausbefitzers in Nagy Karoly. rJm September 1923 erstattete die Gattin de's Hermann Groß die Anzeige, daß ihr Mann mit Jakob Reinitz, der einen Kompagnon für ein Holizgeschäst mit eurem Kapital von 150.000 Lei suche, in Verbindung stand. Ihr Mann habe ihr von dem Geschäftsplan. der sich übrigens später zerschlug, erzählt, aber erklärt, daß er über die Person, mit der er in Verbindung stehe, nichts verraten dürfe, da ihn ein heiliges Versprechen binde. Sie habe jedoch in Erfahrung gebracht, «daß der Geschäftspartner Reinitz sei, mit dem ihr Mann auch in Briefwechsel stand und öfter zusammenkaM. Als sich später das Geschäft zerschlug, beschloß das Ehepaar Groß, ein Papiergeschäft zu eröffnen und zu diesem Zweck lieh der Bruder der Frau den Eheleuten 13.000 tschechische Kronen. Am 1. August 1923 reiste Hermann Groß am Morgen ach Szatmar, um die tschechischen Kronen zu verwerten; er beabsichtigte, noch am Abend desselben Tages zurückzukehren. Statt seiner kam jedoch um 8 Uhr abends der Sohn cineS Wollhändlers aus Nagy-Karoly zu der Frau und brachte ihr einen von ihrem Mann geschriebenen Brief, in welchem angegeben war, daß er nach Bukarest gereist sei. Neun oder zehn Tage später kam ein. zweiter Brie f, in Kolozsvar ausgegeben, darin mitgeteilt war, Hermann Groß sei unterwegs nach Bukarest und würde am nächsten Sabbat im Hause sein. Als später die Frau wegen des langen Ausbleibens ihres Mannes beunruhigt nach Szatmar fuhr und dort Reinitz zur Rede stellte, erklärte dieser, er wisse von nichts. Er ging dann mit der Frau zum O b e r ra b b i n e r Grünwald und dieser beruhigte sie, indem er sagte, ihr Mann werde am nächsten Sonntag »ach .Hältst kommen. Doch Hermann Groß kam »ich wieder. Ein Verwandter des Groß stellte bei Nachforschungen fest, daß Reinitz am 8. August in Kolozsvar gesehen wurde. Somit kann er e's gewesen sein, der das Schreiben an Frau Groß von dort änsgab. Aus diese und andere Indizien stützt sich mm die Anklage gegen Reinitz. Reinitz selbst erklärt seit anderthall Jahren, daß er unschuldig sei. Die Untersuchung wird auch in K a f ch a n geführt, wo Personen verhaftet wurden, die mit den Mordtaten in Zusammenhang stehen und in ihren Aussagen Reinitz schwer belasten. Reinitz, der im ch a s s i d i s ch e n Beth Hamidrasch von Szatmar zu den Frömmsten gehörte, lernt und betet auch im Untersuchungsgefängnis mit ekstatischer Inbrunst. Seine Frömmigkeit evweckt den Eindruck, daß sie nicht gemacht sei. Diesen Eindruck macht sie auch ouif den leitenden Staatsanwalt des Szatmaver Gerichtes, der auch dem Unterfuchungshäftling gestattet 'hat. seine TeftNm in die Zelle zu nehmen, obwohl es Vorschrift ist, daß bcv Häftlingen alles abgenommen wird, womit sie sich körperlichen Schaden gusügen könnten. Reinitz beteuert stets aufs neue seine Unschuld. Schwerwiegende Indizien sprechen gegen ihn. Der vorbedachte Mord ist nahezu völlig unbekannt unter den Juden, die an der jüdischen Tradition festhalten. Man steht vor einem Rätsel. Wird die Gerichtsverhandlung, die in den nächsten Tagen stattfindet, die Lösung bringen? Bon Hotels «nd ihren Rome«. In vergangenen Zeiten kannte man den Ausdruck Hotel noch nicht. Der Franzose hatte seine Aulberge, der Engländer sein Inn, der Deutsche in den Städten die Herberge und ans dem Lande den Krug, den ,^vog". Ein Stern im Kranze von Taunenzweigen bezeichnete ihn als Gaschof, und eine der ersten, wegen der Nähe einer Wallfahrtskirche vielbesuchten Ruhestätte für ermüdete Reisende war der Krug zum grünen Kranze, der um 1250 an der Kreuzung der Straßen nach Prenzslau, Alt-Landsberg und Oderberg östlich der großen Sanldihcmfen lag, aus denen sich später der Berliner Alexanderplatz entwickelte. Die frühesten Gasthofnamen blieben denn auch am Grünen Kranze, am Stern uub an ähnlichen Naturbildern haften, an der Sonne, auch am Grümn Baum, der häufig wieder spezialisiert wurde, wie zur Linde oder zur Großen Eiche. Daneben hielt man sich gern an die Tierwelt. Der Schwarze Adler, das Weiße Lamm, der Blaue .Hecht, der Goldene Löwe, der Rote Ochse, der Schwarze Bär, die Taube, der Greif fanden sich vielfach aus den Gasthofschildern des Mittelalters — im Wilden Schweinskopf zu London tof&te der dicke Falstaff mit seiner Bande sich aus» Oft waren die Tievnamen auch den Wappenbildern der Länder und' Städte entnommen: der Adler wies auf Lübeck hin, der Bär auf Berlin, der Ochse aus Mecklenburgs Büffelkopf, der Greif auf Baden, der Goldene Löwe auf Bayerns Wappentiere. Die drei Kronen auf dem Schild eines Berliner Gasthosts um 1700 nahmen sicher auch schon be.Mg auf Schweden, von dom die preußischen Chronisten seit Gustav Adolf tnancherlei erzählen konnten. In gewissem Sinne waren die Namen der Gasthäuser zugleich Wegweiser für die Reisenden aus fremden Ländern. Länder- und Städtenamen gesellten sich daher ganz von selbst zu der Herberge nzoologie. Daß bald nach der Königstvönung Friedrichs des Ersten in der Berliner Brüderstraße ein Gasthof zum König von Preußen entstand, ließ sich erklären. In der gleichen Straße gab e8 übrigens gegen 1711 auch einen Gaschof Stadt Paris ivnd in der Breiten Straße einen König von England. Das sollte wohl noch Wilhelm der Dritte sein, aber um diese Zeit regierte jenseits des Kanals schon die Dance Anna. Der Gasthausnaine Hof hatte ehemals durchaus noch keine Beziehung zu den dynastischen Höfen. Die größeren Herbergen des Mittelalters tvaren Vielmehr wirkliche Höst mit Reise- und Lastwagen und abgeladenen Waren aller Art, mit angehalfterstn Gäulen, oft auch mit kleinen Weh-; Herden — ähnlich fo wie die Karawansereien in den Landstädten des fernen Ostens heute noch sind. Die Bezeichtrung Hof in Verbindung mit den Monarchien und ihren Nesideirzsitzen kam erst gegen Ende des 18. Ja'hrhunderts auf. Der Hof von Hollaich und der englische .Hof fingenan, mtb bald hatte das kleinste Provinznest seinen Preußischeir, Bayrischen, Darmstädter, Sächstschen, Oesterreichischetl oder sonst einen Hof, bis schließlich der Kaistrhof triumphierend den Vogel abschoß. Auch die Namen von Monarchen tauchtetc auf den Schildern auf, der Me Fritz, Maria Theresia, König Wilhelm, Königin Viktoria und die berühmt gelwordenen Prinzen, wie der Prinz von Savoyen, Prinz Eonde, Prinz Heinrich, Prinz von Wales. Fvüheitig haschte man schon nach MtMlitäten. Als Baron Neuhoff sich in toller Abenteurevluft pnt Herrscher Korsikas auifzuiwerstn versuchte, nannte sich schleunigst ein Gastl)aus in Livorno Der König von Korsika, änderte nach Vertreibung Neuhoffs aber sein Schild vorsichtig um und titulierte sich einstcher Zum Korsen. Natürlich durften Heerführer, Mmivale mrd Staatsmänner nicht nachstehen. Der Marechal de Turenne im Haag existiert wohl noch, auch der Togetthoff in Wien. An Künstlernamen erinnert das Hotel-Cafe Ronrbrandt in Amsterdam, an Goethe das Hotel Weimar in Marienbad, in jenem Haufe, in dem das Herz des alten Herrn sich für Ulrike von Levezow erwärmte. Deutsche Hotels im Auslande führen ihre Namen gern auf die Heimat zurück. Im Paris des 18. Jahrhunderts stiegen die Deutschen gewöhnlich im Hotel de Baviere ab, daS ein. Herr Mundelheim leitete. Andere Gasthofnamen ktmpfetr au bestimmte Sehenswürdigkeiten der betreffenden StM oder ihrer Umgebung an, so die Porta Nigra in Trier, der Tompio kn Girgenti. das Taj Mahal in Bombay (nach dem berühmten Grabdenkmal in Agra) und hundert andere. Sogar die Austerttbänke bei einem Hastnstädtchen m der Normandie haben Gasthöstn zu Namen verholstn: Rocher de Eancale heißt nicht nur ein Pariser Restaurant, sondern Mch ein Hotel in Brüssel. Das Grand Hotel schlankweg, ohne -näbec.' zeichnung, begann sich vor etwa füttstig Jahren in Paris breitzumachen und eroberte sich schnell die Wett. Wer schon 1780 gab es in Paris ein Hotel Grand Bourbon — da lag die Größe noch in dem Be'inamon, später dehnte sie sich aus das Haus sttbst aus mtb wurde zum Selbstlob. Das Grand wurde vor das Wort Hotel geschoben lund der Betttome hinstrW.

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