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Wiener Morgenzeitung · 1925-01-02 · Heft 2108 (2.1.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2108 (2.1.1925)
Date
1925-01-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2M Wien, Freitag Dann stürzte sich c iuc neue Mode welle über die l Rasthöfe. Sie kam von England herüber. Tcriniuus ist die englische Bezeichnung fiir Kops- und Endstation, und da nannten sich denn auch in Deutschland viele in Bahnhofsnähe gelegene Hotels Terminus. Dazu traten Continental, Metropol, Monopol, City, Palace und die Namen englischer Ortschaften, wie Bristol, Windsor, Osborne, endlich in gedankenloser Nachahmung Londoner Vorbilder Earlton und Sovoy, obschcm der eine Name von einem Mlnb, der andere von einem Theater Londons entnommen wurde, also lediglich lokale Bedeutung hatte. Auch Exzelsior, Eden, Imperial. Royal, Park fiitb englischen Ursprungs — tu bezug auf die Hotelnamen kann man also geradezu dort einer Anglonranie sprechen. -Selbst heilige Leute, wie St. Lukas und Florian, sieht man zuweilen auf Gasthausschildern (besonders in Tirol) verewigt; ln A m st e r da m gibt es sogar ein Bibel- Hotel. Ein Berliner Adreßbuch von 1828 führt ein Hotel Zum goldenen Engel auf, das Zweckentsprechend in der Heiligen-Gefft Stmße lag. Daß zahlreiche Hotels Zur schönen Aussicht ihr Dasein fristen, ist nicht weiter verwunderlich. Eleganter pflegen sie sich als Bellevue oder Boa Bista (Macao) $it bezeichnen oder auch als Vet Air (in Suez). Im Orient hoben sich viele Raststätten Hotel de l'Europe getauft, nur daran zu erinnern, daß man da von europäischer Kultur umgeben ist. Weltbürgerlich tritt das Eosmopolitan Hotel aus (in Hetderabad zmn Beispiel), gesellschriftlich umfassend das Civil und Military Hotel in Delhi. Ein Schlafwagen-Hotel, Grand Hotel des Waggons- Lits, lag vor «dem Weltkrieg in, der Güsandtschaftssdraße von Peking, und, im Gegensatz zu der erwähnten Betonung des Europäischen. hält das Oriental Palace Hotel in Iokcchama an der Kultur des fernen Ostens fest. Die kleine Auswahl von Hotelnamen zeigt, 'wie stark auf diesem Gebiet Phantasie, Mode und kluge Spekulation Msantinenfließen. Wien, 2. Jämver. Der Schaffner, der nicht für die Fahrgäste da ist. Ein Leser, dessen Ncmre nnd Adresse uns bekannt rst, schreibt uns: Ich wollt« am Donnerstag den 26. Dezember um 9 Uhr brr* mittags mit einem O-Wägen von der Haltestelle Produktenbörse-Tabovstraße zur Südbahn, zwecks einer Geschäftsveiise nach Graz, fahren. Da ich zwei Taschon mit hatte, so ersuchte ich den nngedulldigen Schaffner Nr. 10.127 um einen Augenblick Ge- D'uNb, bis ich das Fahrgeld hervorgeholt halbe. Der Schaffner erklärte mir, ich müsse das Fahrgeld abgezähl-t bereit halten. Ich gab ihm hieraus eine Fünszigtanse-ndkronennote. Er erklärte mir barsch, da er mir nicht herausgeben könne, solle ich mir den Rost in der Rahlgasse holen. Ich fand dann doch noch die nötigen 2000 K. und übergab sie dem Schaffner, welcher in unhöflicher Weise die Fünfügtansendkronennote zurückstellte und mir erklärte, er sei nicht für mich da, und zwar mit den Worten: „Glauben S' denn, daß wir für Sie da sinb?" Ich antwortete in ruhigem Tone, er möge sich nicht au'fregen, cs sei kein Zweifel, daß der Schaffner der Fahrgäste wegen da sei. Damit war der Wortwechsel, der kaum zwei M muten dcnrerte, bei der Ferdinands brücke erlangt. Bei der Markthalle (Haltestelle Landstraße') kan: «in Wachmann über Auiftrag des Schaffners uttö erklärte, ich müsse cmssteigen. Ohlle daß ich jemanden auffordcrte, bemühten sich einige Herren, den Wach» mann «uftDklären, daß zu einem zwangsweisen Verlassen des Wagens ke-in Anlaß vorliege, da sich der Vorfall noch in der Talborstraße abgchpielt hatte und kein beleidigendes Wort gefallen sei. Der Wachmann erklärte, er sch« dies ein, müsse aber daraus bestehen, da er vom Schaffner den Austrag habe. Um nicht auch noch die anderen Fahrgäste, die den Zug erreichen tvollten, zu schädigen, stieg ich unter Protest aus. Ich glaube, es ist Sache der Straßenbahn, die Schaffner anzu'weiisen, die Fahngäste, die ihr Fahrgold beizahlen, in Ruhe zu lassen und nicht durch brüskes Vorgehen zu schädigen. Es haben sich Zeugen zur Vensügiung gestellt, die den Vorgang vom Anfang bis zum Ende gesehen haben und über das rücksichtslose Verhalten des Schaffners empört waren. Ich behalte mir vor, die etwaige Schadenersatzlkla'ge einzubringen, da ich, toi? schon erwähnt, den 9-Uhr-25-Min.-Zuig versäumte und einen geschäftlichen Schaden ".rleide.!|! Radio iw Parlament. Der Präsident des Nationalrates Ai i k l a s hat einer Firma die Erlaubnis erteilt, im Parlament Radioempfangsanlagen zu errichten. Tie Montagenr'beiten sind bereits durchgosührt. Am Lesezimmer werden Empsangsappavate mit zwölf Kopfhörern zum Anhören der Darbietungen der Wiener Sendestabion airsgestellt. In das Schreibzimmer führt die Leitung einer am Dache des Parlameutsgebäudes angebrachten Hochantenne. Hier können die 9ladiostät!onen von Deutschland, Zürich, Paris, London, kurz, alle europ ätschen Sertdestationen, ab gehorcht werden. * Drucksehlerberichtigung. In dem am 27. v. M. erschienenen Feu'ille>ton „Vom altsüdtschen Humor" von Doktor Be. r ko wie z ist in Spalte 2. Zeile 4 und 5 richtig zu lesen: „Simsons Antwort an die PhMster lautet: ,,Hättet ihr reicht miit meinom Kalbe gepflügt, so hättet ihr mein Rätsel nicht gelöst!" Die ersten Lebensmüden des Jahres 1928. Die 23jährige Private Ernestine T o mas chek hat sich in einer Pension, in der sie wohnte, nach einer harmlosen Allseinandersetzung mit ihrer Freundin nach dem Besuch einer Bar, erschossen. — Die in einem Gouveruantenhoim als Köchin beschäftigte 46jährige Grebe B e h otsch hat sich mit 'ihrer 15jährigen Tochter zu vergiften verflicht. Beide Frauen wurden ins Spital gebracht. — Die 50jährige Telephonistin Hormine E. nahill abends in einem Hotel am Neubau Lysol und wllrde bewußtlos mit schweren Verätzungen aufgefunden. Die Rettungsgesellschast brachte sie -ins Spital. — Die 29jährige Private Margarete Z. nahim ln ihrer Wohnung wegen Fatmlienzwistes vier Granmr Neokmtin uuib konnte in häuslicher Pflege belasten werdet:. -- Ter 24jährige HÄssarbeibor Oskar C. nahnr wegen unglücklicher Liebe Ltsiol und verätzte sich schwer. Die Rettungsgesellschast brachte lhu ins Spital. — Ebenfalls wegen unglücklicher Liebe versuchte sich nachts die 27jährige Hausgehilfin Mavia Z. mit Leuchtgas zu vergiften. Sie wurde von der Rettungsyesell'scha'it ins Spital gebracht. — Die Lftähvige Handarbeiterin Marie P. trank wegen häuslichen Zwistes Lysol. Die RettungSgesellschast brachte sie ins WiHe»lminenspi-tal. * Todessprung von der Straßenbahn. A>u tN. v. B,'. "mang auf dent Keplerplatz der 48jährige Gerüstet Ignaz Watzet oun einem gegen die Gudrtmjstraße fthrendeu Straßenbahitzng «er Litsie O ab, kam zu Falle und Web mit einem Bruch des SclMvlgvundes Ms dvx Stelle toi. Wlenev Morsten,ekkuttff. '?. Jänner 1925 Seite 8 Citaint Weltmann spricht in WIcnl Soeben erschienen! Soeben erschienen! Chalnt Wilimann Israel und fein Land Reden und Ansprachen Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. A. Einstein Preis K 27.000 Preis K 27.000 Zu beziehen: Verlag R. Löwit, T. Rotenturmstrasse 22 oder Bücherstube Rath Le Präger, II. Taborstrasse 20a * Die Anioraserei. In der Nacht zum 1. b. wurde an der Ecke der Dresdner- und Jnnstr-aße der 32jährige Beamte Karl Gram von einem Auto niedergestoßen und -im Gesichte verletzt. Er wurde von. der R'ettungKgeftllschaft in seine Wohnung gebracht. — Aus der Maviahilftrstvaße wurde gestern gegen 1 Uhr früh der 20jährige Franz Szemter aus Tulln von einem Auto rsiedergestoßen und verletzt. Er wurde von der Rcttimgsgesellschaft ins Spital gebracht. Unfall durch ein schadhaftes Gasrohr. Der 33jährige Beamte Franz H r u s ch k a, Lerchengasse 28, wohnhaft. wurde gestern früh von seiner Mutter int Zimmer bewußtlos mit BergiftlmgserscheinuiMn anfgefunden. Die Erhebungen ergaben, daß die Gasbeleuchtung in der Wohnung intakt war, -daß aber in der Lerchengaste sin Gashauvtrohr geborsten fft. so daß das Leuchtgas durch das Erdreich nnd das Manerwenk 'in die Wohn « n g dringen konnte. Milllionendiebstähle an einer Speditionsfirma. Laut Anzeige der Gilgnt-Spedit'ions-G. m. b. H., AnerSpergstraße 13, war.bei der Airm-nft eines von dieser Firma nach Grötzwardeibn in Rumänien vom Osibahnhof aufgegebenen Waggons dort der Abgang Volt sieben Ballen Leider im ungefähren Werte von 850 Millionen Kronen ftstgestellt worden. Das fehlende Leder wog 520 Kilogramm. Düe eingeleiteten Erhebungen ergaben, daß der bei der Geselschaft als Leiiter des Magazins im Ostbahnhaft beschäftigte Rudolf Rezek mit Hilft des ebendort als Zollexpedient beschäftigten Karl Heindh die sieben Ballen Leder, statt sie zum Versand zu verladen, durch Vermittlung des Autotaxibesitzers Martin Grimm, einem Lederhändler im zweiten Bezirk zur Veräußerung übergeben hatte. Weiters tvurde festgestellt, daß Rezek und Heindl aus dem Magdzin der Firma drei Ballen und zwei Kisten Textilwaren im Werte von 650 Millionen eardlwmmen und auch vermutlich durch Bermdttlluttg des Grimm otoeii Reffenden, von denen einer inzwischen geffüchtet «ist, zum Derkalnfe überleben haben. Das Leder wurde zum großen Teile durch die Polizei, von den Textilwaren ein Teil durch die Geitdarmeri-e Es beschlagnahmt, teils sichergestellt. Die Diebsbande wurde verhaftet. * Völkische Aufbauarbeit. Die Berliner Zeitschrift „Neue Gemeinde" teilt mit: „Mitte November beschlossen die Stadtverordneten van Bergedorf, die Bebol-Straße in Bismarck- Straße und die Rathen au-Straße in Blücher-Straße unrzubenennen. Die Sozialdemokraten, die keine absolute Aivhrheit nrehr in der Stadtvertretimg halben, louvden überstimmt, da sich die Kommunisten der Stimme entihieilM. Cm Jammer, daß sogar die Demokraten für den Beschluß stimmten. Eine ausbliihende jüdisch« Gemeinde in Deutschland. Die Synagogeugemsinlde der Stadt Galsettki^'chen beging am 29. Dezember 1924 feste Feier ihres 60jährigen Bestandes. Aus diesem Anlass« fand «in großer Festgottesdienst statt, dem die weltlichen und kirchlichen Behörden beitvvhntcn. Die jüdische Gemeinde Gelsenkirchen tvurde im Jahre 1874 mit 23 Mitgliedern gegründet und zählt heute 1600 Seelerc. Im Kriege sind 45 Mitgliieder der Gemeinde gefallen. Einen tiefen Eindruck machte es auf die Teilnehmer der Feier, daß der 101 Jahre albe älteste Bürger der Stadt Gelsenftrchen. Herr A!arkus Elias, bei dem Fesigottesdienst aus der Thora vorlas. * Die Hechaluz-Zentrale nach Warschau verlegt. In Anbetracht der in den ostercropäischen Ländern sich stark cms- Ibreitenden Hechaluz-Bswogung — allein in Polen beträgt die Zähl der organisierten Ghaluzim etwa 7000 — wurde das Zentrakbureau des Weltverbandes des Hechäluz von Berlin nach Warschau verlegt, damit-zusammen mit der dortigen Landeszentrale eine intensivere klsiturelle und fachliche Chaluzausbildlmg entfaltet werden kann. * Jüdische Kulturarbeit in Frankreich. Der vor einigen Jahren in Paris gegründete Jüdische Kulturbund, der sich insbesondere die Erziehung der jüdischen Jugend im jüdischen Geiste zum Kelle gesetzt hat, hat beschlossen, alle irr Frankreich bestehenden ähMchen Verbände zu gemeinsamer Arbeit zu vereinigen. Mitgjlieder des Parisere Kultarrbundös haben sich irr die Provinzstädte begeben, um die dortige Kulturarbeit zu studieren und die Vereinigung zu vollziehen. Ein Kulturkongreß wird vorbereitet. * Eine Abordnung der Palüstinakolonisten in Amerika. Aus Neiv-Aork nwldot I. T. A.: Der Verein Bnei Beujamiu, dessen Mitglieder Söhne der ersten Palästinapion'iore sind, I sandte zwei Delegierte die Horreil Josef Saphir und David! Stevlvbevg, tu.it einer Mission an die amerikanische Iudenheit. Der Verein Bnei Benjamin, der mehr alls 1000 Mitglieder in allen jüdischen Kolonien -zählt, hat sich die ^Lh'VTmtg der klassischen hebräischen Kultur in Palästina zum Ziele gesetzt. Ferner erstrebt der Verein die Schaffung einer Kredit fürs ovge sür die in Palästina geborenen jüdischen Landwirte, um gu verhindern, daß diese das Land verlassen. Vor einem Jahre gründete der Bnei Benjamin, die von Mary Fels und Air. biathan Strauß gestützt wird. Die hMstinensischen Delegierten lveilen jetzt in Amerika, um Kapdialien für diese Bank auszubringen. *Jm Stile des Salomonischen Tempels. Die architekto- -nischen Pläne für das theologische Seminar „Rabbi E'lchanou" in New-Bork sind im Stile des Salomonischen Tempels gehalten. Es werden fünf Gebäude errichtet werden: ein Seminar, ein Kollegium, eine Bibliothek, ein Institut für das dritte Hochschuljahr und ein Studentenheim. Die Anlage ist zur Aufnahme von 2000 Studenten bestimmt. * Tanzinstitut Hermann Brauti, 14. Bez., Reindois- I gaste 4L. Tel. 83-4-01. (Entgeltlich.) » 1 Der Hausarzt. Redigiert von Dr. Sanel Beer. Das blasse Kind. Das schleü)te Anssiheu der Kinder, denen nach Slnficht der Eltern doch alles in Hülle mib Fülle geboten wird, bereitet diesen viele Sorgen. Diese Kinder haben alles nach Wunsch zur Versiegung. Sie leben in guten Wohnungs- Verhältnissen, vielleicht gar in geräumigen hygienischen Ziinmeru, mit einem Kindersräulein, machen täglich den Migateu Spaziergang, können ihre Gelüste nach allen möglidien Speisen befriedigen, essen viele Leckereienp nehmen jährlich einen mindestens zweimonatigen Landaufenthalt, nitd doch sind die Eltern und der Hausarzt, der das Wohlbefinden der Kinder strenge durch häufige Besuche überllvacht, mit dem Gesundheitszustand nicht zufrieden. Auch Kinder, die nicht in so guter Umgebung leben, im Gegenteil sogar an vielen Notwendigem Mangel leldeir, sehen ja auch oft schlecht aus, find blaß, unterernährt, aber dafür gibt es eine Erklärung in den schlechten Lebensvechältnissen der Kinder. Was ist mm die Ursache, daß Kinder in 'sogenannten bester situierten Familien nicht immer stwtzend vor Gesundheit aussehen? Die Schuld liegt selten an dem Kinde oder den Kindern selbst, indem irgend ein chronisches Leiden die Kräftigung der Kinder in ungünstigem Sinne bc cinflußt. Schuld ist an all dem in erster Linie die schlechte Erziehung der Kinder in solchen Familien. Meist handelt es sich um einzige Kinder, die bb ihres Seltenheitswertes den Gegenstand besonderer Beobachtung der Eltern und Erzieher bilden. Solche Kinder fühlen sich, beständig beobachtet, als wichtigste Persönlichkeit im Hause, deren Laune immer berücksichtigt wird. Diese Schwäche der Umgebung wird von dem Kinde beständig ansgenützt, so daß ein solches, insbesondere von den Großeltern verwöhntes, verzärteltes Kind die Angehörigen und die Pflegepersonen bis zur BerAtveiflung zu terrorisieren vermag. ' Ein solches Kind bekommt, wie klein es auch ist, sofort heraus, daß es die Mama am meisten kränkt, wenn es nicht genügend ißt. Das Fräulein versucht dann durch alle möglichen Kunststücke, durch Vorspielen,, Vortanzen, durch .Geschenke und dergleichen das Intereste des Kindes für das Esten zu erwecken und erreicht dies wohl für einige Male, um daun zu neuen Kniffen greift» zu müssen.^ ■ Häuffg genug wird das Kind auch überfüttert — die Mama findet, daß das Kind noch immer zu wenig ißt, obgleich es große Portiouen vertilgt — und es rächt sich, indem es die eingenommene Nahrung bald durch Erbrechen herausgibt. Das wird daun als krankhaft ausgeftßt — und der Arzt soll Rat schaffen, der meist keinen genügenden Einblick in die LebenSbedingungen des Kindes erhalt. Was diesen Kindern fchlt, ist das wirkliche Hungergesühl, das sie nie kennen gelernt haben, weil sie stets überfüttert und übersättigt sind. Dreft Kinder weisen auch meist gar kein so geringes Körpergewicht aus, sie sind sogar nach Ansicht des Arztes gut genährt, aber stets von blasser Gesichtsfarbe. Man erfährt damr, daß die Mütter die Kinder zu vielem. Milchgenuß noch zwingen, der sie appetitlos macht. Denn es ist unmöglich, daß ein Kind im allgemeinen einen Liter Milch täglich konsumiert und dazu noch reichlich fünf Mahlzeiten einnimMt. * An der Bläste des Ausschens trägt auch der Umstand schU'ld, daß die Kinder, die nreist fünf bis sechs Stunden in der Schule in schlecht ventilierten Zimmern verbringen, viel zu wenig Zeit iur Freien sich aushalten, denn die Nachmittage sind außer mit dem Ausftrtigen der Schullanfgabeu aus Wunsch der Eltern trotz des schlechten Allgemeinbefindens der Kinder und der WavMNg des Arztes mit Uebungsstunden für Klavier, fremde Sprachen und Tau; ausgcsültt, so daß die Kleinen an vielen Tagen zu keinem Spazievgung kommen.' Geistig tverden die Kinder stets in Anspruch genommen, indes die körperliche Entwicklung wenig Beachtung erfährt. Die Eltern vergeffen, daß nur in einem gesunden, kräftigen Körper ein gesunder Geist gedeihen kann. Frühzeitig sollte mit der Abhärtung der Kinder begonnen tverden. Schon das einjährige Kind sollte mehrere Stunden im Freien verbringen, ohne Rücksicht auf die Außentemperatur, sollte täglich gebadet und die Muskulatur durch Atnssagc gekräftigt w.rden. Das Heranwachsende Kind soll täglich früh und abends zu einfachen Gelenksübungen Verhalten, inr Schwimmen, Turnen, Eislauftrp, größeren Spaziergängen geübt werden. Ein so erzogenes Kind, das von Jugend auf abgehärtet mld gekräftigt wird, wird — wenn nicht ein chronisches Leiden vorliegt — nicht blaß und schlecht ausfthen, sondern Zcicherr guter Hautdurchblutung aufweiftn, lebhaft und nmnter ftm. Die Gesundheit des Kindes hängt aber nicht so sehr von den Wien äußeren Lebensbediugnngen ab, sondern sehr viel kommt es darauf au, ob diese entsprechend und vernünftig ftir das Wohlbefinden des Kindes ausgenützt werden. Dazu bedarf es aber nicht innner nur der Mittel, sondern noch mehr der Einsicht nnd Intelligenz der Eltern. ■nwHmBKNHaaHnanjRjnctt aa^ai Radio-Salon der „Wiener Morgenzeltnng" im „H a u S dev Da m e" Evgon A.-G., 1. Be;., SchU'edcnpiatz 1. Borjuhmna der Wiener Sendung täglich von 11 bis 1 Uhr mittags nnd von 4 bis 6 Uhr nachmittags. E i ntritt frei. Kein Kaufzwang. Sc ik a ii i R a d i a - A p v o r a e und -Bestandteile. Radioproavamm für Heuler 9 Uhr: Marktberichte. 11 bis 1 Uhr: Vornnttagäl"'.'.ze^. 1 Uhr 5> Min.: Urania-Zeit. 1 Uhr 20 Min.: Wettercmjagc. V*4 Uhr: Schlußkurse der Wiener Börse. 4 bis 6 Uhr: Nackmittagskonzert (Mozart, Schubert, Strauß). */27 Uhr: Bortrag Prof. Dr. Richters: Heinrich Hertz. 8 Uhr: ,Dsx Wnsteuschmied", Komische Oper von Lvrtzing

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