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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-31 · Heft 2106 (31.12.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2106 (31.12.1924)
Date
1924-12-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Tf'<7. ‘' t "V l. m Sr». ALS Wien, Mittwoch Wiener Morkenzeilung. 31. Dezember 1904 ' Sötte 3 präzise '/,8 Uhr abends Karten im Bureau des Zionistischen Landeskomitees, l. Bez., Kärntnerstrasse 28 sis Sie deutsch'kranMsche« Wirtschaft» verhandlunge«. 30. Dezember. (Wolfs.) Die deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen, die während der Weihnachtsfeiertage unterbrochen worden waren, sind heute nach Ankunft der'deutschen Delegation wieder a u fgenommeu worden. Beide Delegationen haben sich darüber verständigt, vom 3. Jänner ab die Erörterung mit Sachverständigen über die Positionen fortzusetzen, über die biL jetzt eine Verhandlung noch nicht "cittgefunden hat, sowie über die Positionen, bei denen sich die Notwendigkeit einer nochmaligen Nachprüfung der Resultate der ersten Aussprache gezeigt hat. Pogrom in Mt. (Eigendienst der „Wiener Morgemeiiuna".) Tilsit, 30. Dezember. In der Rächt vom 2o. auf den 86. Dezember wurde am Eingang, des Tilsiter Bahnhofes der 30jähr.ige Handlungsgehilfe Julius Simon von mehreren Leuten niedergei chla gen und so schwer verletzt, daß er am nächsten Tage seinen Wunden' erla g. Es handelt sich, um einen antisemitische» Roh e itsaktt Die Täter, Mitglieder des" P re ußenbu n de's und d es FronttämpferbundeZ, wurden verhaftet. Poehver soll doch sitze«? (Cigendie-nst der „Wiener Morgen^eitung".; , München, 30. Dezember. Der frühere Münchener Polizeipräsident P v e h n e r wird, nachdem' eine Polizei- Rche Sachverständigenlo mmiss ion seine Haftfähigkeit feststellte, am 1. Jänner die über ihn im Zusammenhang mit dem Hitler-Putsch verhängte Fe st u n gshaft antveten. Seine Strafe lautet auf fünf Jahre, doch' hat er davon nur sechs Monate zu verbüßen, da ihm für vier Jahre und sechs Monate BelvährnngAfvist eingeräumt wurde. _ ' Sin furchtbores Hanyfernriglkiü. 29 UnHersifätsprostzfforen ertrunken. Berlin, 30. Dezember. Der „LvLaKmzeiger" meldet -NS Riga, 29 Professoren der Universität Nowoross-iS k seien samt ihren Familien auf der Usberfahrt «ach Odessa infol-ge Sinkens des Dampfers, der sie nach dem neuen Sitz der Universität bringen sollte ums Leben gekommen. Postwertzeichen in öchillingwsihmns. Die Generaldirektion für das Post-, % e l e- Sraphen- und ,% e rnfprechwefen verlautbart: Die auf Krcmevwährunq lautenden Postwertzeichen der laufenden Ausgabe Bleib e tt auch nach dem Znkra'ttreten des Schillingrechnungsgesetzes i n G e l t u n g. Aufdrucke der Schillingü n d G. t o s ch e n io c t tt. auf den bestebenden Marken find b e, o b s i ch t i a t. Die A u s g a b e n e u e r Postwertzeichen in S ch i l l i n g und G.r o s ch e.n ist in Vorbereitung und wirb t u.u lich st beschleunigt werden. Die besteuerte Welle 530. Breitner gegen die Ravag. Die Gemeinde Wien hat an ihvon Verirvter tut VettvaSlungsrate bet Ravag, Hofr-at Steen, einen Brief gerichtet, in dem sie ihre Absicht mitteilt, das Radio der Lustbarkeit s st e ue r z u, u n t e r w e r s e u. Die Gemeinde hat die rechtliche Seite diaser Frage durch alle Instanzen prüfen lassen und das übereinstimmende Gutachten erhalten, daß diese Abga'bepflicht der. Ravag nicht angeKveifelt werden könne. Der Brief ist vom Bürgermeister genehmigt worden. Nun ist.sie unter gLtvissen 'VorMlssttzunge-n bereit, der , Ravag vn Anbetracht der gewaltigen, technischen Neuerung, die das Radio - darstellt, ein gewisses Entgegenkommen zu zeigen. Eigentlich hätte die Gemeinde, so gibt sie an, das Recht, eine 30prozeritige Abgabe zu veÄanrgen. Im Gesetz ist aber auch eilte Pa uschalierung vorgesehen. Daher macht die Gemeinde folgende V-orschläge: Abgabe für Abonnenten, die 20.000 K. nnmM'ich zaih- 'vn: 1000 Kronen; Abgabe für Abonnenten, die 60.000 K. monatlich zahlen: 3000 Kronen. Bezüglich der Gastntld KcHechäuiser, die Lautsprecher bchitzen, wäre eine Pauschalierung vorzunchnven. Die GouwMde verzichtet ans die höhere Bvstsuevung nur unter der Voraussetzung, daß die umsikätilschen Darbietungen dem hohen intern.ati.vnale-n. .Range Wiens str Hmknuft besser entsprechen, als dies 'bisher der Fall ist. Die Ravag hat bisher auf diesen ' Vorschlag nicht geantwortet. FürsovgeabMbe ffüe .EtttEmefster: der Kleidevvrarrche. Seit längerer Zeit besteht Mischen der-Göiwsseltjschcht der Kleidevmacher und Stadtrat Breitner ein KmchM wogen der Eüchebung der Fürsorgea^gäbe für di« Stückmeister der Schnviderbranche. Die Gemeinde steht aus dem StandpuM, daß die Stückmeifter, ebenso wie alle anderen Angestellten der Fürsor-geabgabe unterliegen, und will diese Steuer im kommenden Jahr auch tatsächlich einhöben. DagggAt erklärte die Genossenschaft, daß Sbückmeister nicht als Angestellte, sondern als selbständige Meister zu behandeln und deshalb von der Fürsorgeabgabe auszumchrnen seien. Für die nächsten Tage ist eine große Protestkundgebung der Angchörigen der * MeideMnachergenossenschost ungesagt.' Stad-tväi Breitner will aber von seiner Forderung unter keinen Umständen a!bg^hen und nötigenfalls seirve Ansicht auch, vor dem VertMtuntgsgerichtchois verfechten. Sie Dollsover im Anogleichrverfahre«. Dem Ansuchen der Bolkso per» Betriebs» Aktiengesellschaft um Eröffnung des Ausgleichsverfahrens wurde in der gestrigen Senatsfitzung des Wiener Handelsgerichtes staitgeasLen. Ter Ausgleichsverwalte t wird in den nächsten Tagen vom Handelsgericht ernannt werden. Die Vorstellungen finden bis auf lveiteres auf Teilung statt. . gute seine Sanier»»»«. Aktienmanipnlationen von vier „Direktoren". Gegen die Inhaber der Firma Chemisch-technische Industrie in Wien. 4. Bez., ' Theresianumgasie 7, den SMHrigen Ingenieur Karl Grosinge r, den 32>!Ährrqen Magister der Pharmazie Joses Ehrl: ch und den 3yjährigen Magister der Pharmazie Hans Tstchh sowie den 27jährigen ehemaligen Bandbeamten Viktor Pater, und zwar gegen die drei Vorgenannten als Proponenten der Wihag (Wolkersdorfer Handels- - und Jnd'.lstvie-Aiktiengesell'scha'st in Gründung) wurden bei der Wirtschafts Polizei mehrfache Anzeige n wegen Betruges erstattet. Die vier Personen hatten' die^Gründung der Wihag nur zu dem Zweck unternommen, um die seit dom Vorjahre. stark passive Chemisch-technische Industrie durch Angliedevuug an die zu gründende Mtiengesellschast zu sanieren. Die Idee dieser Gründung war von Pater ausgegangen, der an der Chemisch-technischen Industrie mrt etiva 110 Millionen beteiligt war. Die Chemischtechnische Industrie sollte mit einem Werte von 850 Millionen übernommen. werden, obwohl die- Proponenten von der etwa zwei Milliarden betragenden Uebevschuldung des Unternehmens Kenntnis hatten. Ingenieur Grosinger war damit betraut, eine Bilanz über das »Jahr 1923 auszustellen. Er tat dies in der Art, daß die Chettvisch-technische Industrie mit mehreren hundert Millionen aktiv erscheint, wobei aber wohlweislich verschwiegen war, daß Einlagen in der Höhe von etwa 800 Millionen Kronen meist von Angehörigen des Mittelstand e'S geleistet worden 'waren. Diese Belastung wa^ ganz weggoAieben. Bei RalsuÜ. Im Verlag va» K>. F. Kochler (Leipzig) sind unter dem Titel „R a is u l i. 'S u l ta n der Berge" die LöbenservwnerMgen des marokkan''^ lfchen Amckberschoichs erchieven^ die er dem Eng-- Wi-nder R. Farbes erahbt hat. Das knltMhistooisch mteressante, romanhaft spcminenbe Buch, dom der folflenide Abschnitt entnommen ist, stellt das Vordr4wge>n Europas m NordwestafriEa während des letzten Jahrhunderts, den Kamps der arabischsn Kultur qe.qem die europäische Zivilist^ Mon dar,-vu .welchem RaäM e>me der Haupte stguren Um, nnerbMich, ver-vegen n»nd^ ber- Wl-ogen, ober m DÄsten von der religiösen v mnd M!.uvellen Idee einer Pertoidiguing des islamitischen Glaubens und der araibsichen GslsteNoolt Hestelt u-nd fonaMreck. Rai'M war avicht etwa der Räüberhcoupt'MiaiM, wie man m Europa ihn immer h'mstLllie und sich chn vorstellte, bloßer Häuptling, Krieger amd Jäger. Fövbes wählt von. seiner Aurnnst in TaMnit, wo RaslsM, seit «r 1921 mvt'Spanien ZÄede'n geschlossen hat, seine alten Tage, vevlebte, eine, wundervolle Aneldote. die Wie ein BRtzbichi die. Mai Selten int Wesen RaWsis beleuchtet, das Tiefe und das despotisch Primitive: „Raifiusis vchtzahnijähviger Sohn Kobt mehr, in den Bergen ' heruimMtveifen. aus wi-De Tiere zu jagen u«nd noch nuchr, Men die Spamm zu Mnpstn. Rsi- , > s>M aber will, das; ex zunächst, wie er i'Mst..es .ettvst.getan., sich mit den alten mohamme^'anl'schsn Wifsenschiaisttn 'bvschästiO. Er legt seinen Sohn HMfoch bn Ketten wlld bindet ihn an den Büchern lstst." . . . Mehr als zwei Jahmeihnte war NansM die. Seele des arabischen Widerstandes Men jede eü^opäiische Penetrat>i-'n am nmroKani- Wer Gode. 1921 hat er, nicht als Bchi-egter, ' Frieden gemacht. Nun lebt er, oftnrals fälschÄch -lotgchagt (zuletzt erst dar wenigen Da^en), in Tar-Mt, im Jmwvn MavMos, dev Patriarch Dsinahe' der.HoMge des Stammes der Bem . Aros, dere»l Kaid (A">tiihrerl wach denl Vertrage' von 192>1 s-vin Nssfe M ulai Alt ist. großer Raum mit Teppichen bedeckt rm-d Moderner: Decken und mit Stoffel: in den ver'chiernsten Farben behängen. Viele von ihnen sind mit Ziemten bedeckt, und so fremd-artig ist alles geputzt und .fast mit Schmuck. Mevladcn. .daß der Nguntzaussieht wie ein Spiehieug unter dem WeihnachisbcmNl. Im einer Ecke ein Hvoßes Best mit einem Himmel iiberdM/ Mit bumteu Kissen und farbigen Decken. In einer Ecke ' des Bettes kauert auf dem Kissen sin jnnges bleiches Weih sin Gewände einer Braut. Sie sieht nicht auf, ihre Augen starren vor sich hin-, als sei sie in' schwere, wehmütige Träume versu-nlen. Der Ocker auf ihrem Gesicht, - die steife Brockatvoibe, die Jnweben, mit denen sie v:Ä zu reichlich für ihre zarte Gestalt behängen war, heben ihre groß« Jugend' noch mehr hervor. Sie hat Füße mvb Hände wie ein Kind. Man versucht, mit ihr zü sprechen, aber sie antwortet micht. Es ist ein iheißaugiges Mädchen der Berge, mit schwarten Löcken und einem Gesicht, das a>n eine römische Gemme erinnert, das jetzt so zu ihr spricht: „Zu viel Gedanken sind vom Ue-bel. Der Dänron hält sie besetzt." Eine Alte springt auf. „Halte behtm Mund, geh' an die Arbeit, mach Tee für die Gäste!" Während die Schwarzäugige ächseitzuckeUd davongeht, legt die Alte »ihre .Hand an die Lippen: „Sie ist jung, sie hat Angst, sie ist seit einigen Tagen erst verheiratet. Das gcht vorüber." Man bringt Te«, Mm stellt Fragen —- Frau-gegen Frau — Araberin und Europäerin stehen einander gegenüber. Aber alles dreht sich hier int .Harem um eine einzige Person — Raisuli. V - . Ein altes Weib steht mitten im Raum. Sie ist verschvnmpft und vertrocknet und sieht aus, als wäre sie aller als alle die anderen zitsa-mmerr. Ihre Stimme ist flüsternd und heiser, und ihre Hände sehen aus wie die Klauen eines'Geiers. Sie wirft «inen Blick auf das junge Wei'b, das noch immer regungslos auf dem Bette sitzt,' und nickt mit dem Kopse: ' - ^Achtet nicht auf sie. Sie wird es lernen zu schlafen mch zu vergessen." „Vergessen? Was?" „Ihre Hei'Uvat, ihr Volk, und jode' evschrickt zuerst vor dem Scherif. Sie ist ja ein Kind."; Ihre alten Augen.Haber: viel gesehen und viel erfahren. Jetzt scheinen sie in die Weite zu blicken. Sie fährt fort: „Da war einmal eine, die schrie und schrie, und Äs Ra-ifuli. zu ihr eintrat, .da schrak sic auf, dem: sie hatte niemals einen Mann gesehen, der ihn: glich. Sie lief hinaus, weit über das Feld, und schrie mch schrie. Sie warf sich zur Erde, und ihr Weinen ka-m aus >dem Boden empor als seien es Gespenster. Dann brachte man sie zurück und RaksM stand wartend da. Weinend kam sie, und Halme und'Gras und A-chren waren m ihrem verwirrten Haar — auch sie ist ruhig geworden, und auch jene dort wird schlafen." ' Die Me spricht: ,M ist eine lange Zeit her, da entbwunte ein Mädchen vom Stamme der Ait Uviagel in Liebs für unseren Scherif. Sie entlief ihrer Familie und wollte ihm diemn, aber sie konnte sein Zelt -nicht erreichen. Sie brach halb verhungert, unter den Bäumen zusammen. Der Scherif erfuhr ltzavon. Er gab ihr Essen und Geschenike- und sandte-sie zu ihrem Vater zurück. Der aber schlng.sie.. Drei Tage darauf entlief sie chm wieder und Am -zu des Scherifs Fvaueitzelt, mit den Zeichen der Schläge auf dem Rücken. Der Schevif ließ sie wiedevum schlagen, zum Zeichen, daß ihres Vaters Wille gea,chtet fern müsse von jedem. Dann aber . . Die Me sah gedankenvoll vor sich hin: „Sw 'blieb und war hochgeehrt, denn «der Sultan wandte ihr sein* * Gnade zu." ,^Jft sie noch hier?" ,-Eine Tochter von ihr -ist hier. Sie selbst ist gegangen/' Nie spricht man in einem Harem vom Tode. »Die ist gegangen dorthin, von wo es kein Wiederkchren mehr gibt" * Die anderen Weiber Wveigen. Die We beugt sich und flüstert leise: „Es ist viel gesprochen worden, ob der Sultmr zu lieben vermochte. Man sagt, er könne es nicht. Ich aber weiß es, und ich weiß, daß die, die sein Herz einst in seinen Händen hielt, tot ist. Lange ist's her. Keine wech es von diesen — nur ich, die ich schon mit seiner Mutter hier MW, ich sah so manches. Er war jung, sehr jung, mW er hatte das .Haus eines Scheichs in der Nacht' überfallen' nrch zwei von -seinen Söhnen getötet. Lange war ein blutiger Kamps zwischen den beiden Stänmwn, dann aber wutde Friede, und der Scheich galb Misuli seine Tochter zur Fvam. Das Mädchen wollte nicht, nachdem chrenr Stamme so Viel Leid von ihm geschehen, nachdem Rakifuli ihre beiden Brüder getötet hatte, und der eine tzvar. ein Zwillingsbrüder von ihr. Wer fragt «ach -dem Granr eiater Fräst. Die Männer bestimuren. Man brachte 579608398367629699624444402988479^511984

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