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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-29 · Heft 2104 (29.12.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2104 (29.12.1924)
Date
1924-12-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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. Sette» Dien. Montag TVlgnov sMvr^«Iieklfnn<tl. 8Vt'VQrmlbfr 1984 ‘ 9lt. 2104 Menge wcAgeworfener Zigarettenstummel, zahlreiche Werkzeuge und Brotstücke verrieten. viele Sasebesitzer haben gestern d*e Rückgabe ihrer Einlagen gefordert. Die Efscktnicrung dieser Forderung war jedoch bisher nicht möglich, da das gerichtliche Verfahren eingeleitet ist. _^ -ä _? Sie 3nDis!tettoiten der „ßtlnh:*. Hausdurchsuchungen. Paris, 28. Dezember. (Havas.) Die gegen den nationalistisch-klerikalen „Eclair" eingeleitete Untersuchung dauert an. Im Verlasse der Hausdurchsuchungen kam ein anderes, ebenfalls geheimes Dokument, das der zweiten Abteilung des Gene r a l st a L e s der Armee gehört, zum Vorschein und ■ wurde beschlagnahmt. Der Ministerpräsident erklärt, die Regierung habe -einigemale ärgerliche Folgen gewisser Indiskretionen fcststellen können, die die Verhandlungen störten. Das gestern veröffentlichte Dokument habe einen besonders vertraulichen interalliierten Charakter, und .man könne darüber nicht ohne Zustimmung der Alliierten .verfügen. Das Interesse Frankreichs erfordere es, daß solche Dokumente ihren verantwortlichen Inhabern nicht entwendet oder von ihnen sogar geliefert werden! können. Die Verfolgungen gegen die Entwendung und Veröffentlichung geheimer Dokumente berühren in keiner Weise die Freiheit der Presse, die die Regierung streng achte. Gin ungarisch-tschechisches Seposttenabkomme«. Prag, 88. Dezember. (Tschecho-flowakifches Pvcßiiburcau.) Das Finauzmiuffterium veröffentlicht eine Kundivrachung über di« Durchführung des Abkommens zwischen jher Tschecho-Slowakei und Umgarn dom 13. Juli 1923 ibetvefferü» die Ausfolgung derDepo fiten und die Ärt -der Honorierung von Verbindlichkeiten aus Wertpapieren und ihren Coupons. Danach können aus Ungarn -Depositen. nach der Dschecho-Slowakei austzeführt werden. Die Exvlosisnslatastrovhe in Fapan. London, 28. Dezember. Aus Tokio werden über die riesenhafte Pulderexplosran i>n Ota ru nähere Einzelheiten berichtet. In Otaru, einem Schiffsha^en von ettva 100.000 Einwohnern, entstand bei der Entladung oines 'Pulverschiffes eine genxrltige Explosion. Sämtliche Häuser der Umgebung wurden vollständig vernichtet und auch der Kai zum größten Teil zerstört. Ma.n zählt bisher 100 Tot« und 200 Schwerverletzte. Baeran aus freiem Fuß. Prag. 28. Dezember Der frühere deutschnatro- Äale Abgeordnete B a e r a n, der bekanntlich wegen Hochverrates im Jahre 1923 zu vier Jahren schweren Kerkers verurteiltworden war, ist, statt heule bereitgestern abends aus der Haft entlassen worden. Es war ursprünglich beabsichtigt gewesen, ihn beute, Sonntag Vormittags zuentlassen, da jedoch die deutschnationalen Abgeordneten ihm einen feierlichen Empfang bereiten woiiten, wurde er. damit jedes Aufsehen und jede Demonstration vermieden werde, bereits gestern aus der Haft entlassen. Er fuhr sofort nach B,ünn. Der Rest der Strafe wurde Baeran bedingt erlassen, doch wurde ihm ein zweijähriger, zwangsmäßiger Aufenthalt in Brünn aufer egt. 8ns Scheusal Senke. Ter Menschenfresser von Münsterberg. Berlin, 88. Dezember. Aus Breslau werden stündlich neue scheußliche Einzelheiten über die Schandtaten des Menschenschlächters Karl D e n k e in N e u h o s gemeldet. Die Zahl seiner. Opfer steht noch nicht genau fest, doch hat es den Anschein, daß Denke mehr als ein Dutzend Landstreicher und HandwerkSburschcn, die bei ihm vorsprachen, h i n g e s ch l a ch t e t und ihr Fleisch verzehrt hat. Die in der Behausung Denkes aufgcfundencn Papiere seiner Opfer geben nicht in allen Fällen genaue Kunde von der Identität der Unglücklichen, unter denen sich auch zwei aus dem ehemaligen Oe st erreich stammende befunden haben dürften. Die Durchsuchung der Wohnung förderte mehrere Kübel gekochten Menschenfleisch e s zutage. Die Fleischteile dreier Männerleichen lagen kunstgerecht eingepöckelt in einem Holzfaß. In einem Verschlag wurde eine ganz scheußliche Entdeckung gemacht. Man fand dort eine Schüssel mit menschlichem Fett, Fingern und Zehen und einzelne Wäschebündel, die mit menschlicher Haut zusammengeschnürt waren. Die Schädel und die Röhrenknochen seiner Opfer hat Denke verschleppt, sie konnten bis jetzt noch nicht aufgefunden werden. Die Polizei schritt erst zur Verhaftung dieses Scheusals, als die Hausbewohner erklärten, an Denke Lhnchjuj’tiö üben zu wollen. Man bezichtigt jetzt die Polizei, haß sie, um nicht ihre Brandmarkung in einem zweiten Haar- .mann-Prozeß.erleben zu müssen. Denke die Möglichkeit zum Selbstmord.gab. Er erdrosselte sich mit einer Schlinge, die er aus seineni?Tasch.entucli und einem strick hergestellt und an der. Zellentur befestig! Hüte. /Die Staatsanwaltschaft in Glatz erhebt gegenwärtig die Zahl der Opfer. derAetzten Zeit sind Personen aus Münsterberg verschwunden, und es wurden auch mehrere unter "dem Ver- - dachte, die Verschwundenen ermordet zu haben, gefänglich eingezogen, während es jetzt den Anschein hat, daß Denke sie hingeschlachtet hat. * Wahrend des Krieges hat sich auch in Wien ein Fall von Menschenfresserei ereignet. Im st ä d t i s ch e n Gaswerk in Simmering wurde nämlich die Leiche eines italienischen Kriegsgefangenen gefunden, aus deren Oberschenkel ein großes Stück Fleisch fehlte. Es. wurde damals erhoben, daß ein rusiischer Kriegsgefangener den Italiener erschlagen und aus der Leiche ein Stück Fleisch herausgeschnitten und verzehrt hatte. Die Angelegenheit wurde mit Rücksicht auf die Interessen der Kriegführung streng geheim gehalten. Selbstverstümmelung mit der Rasierklinge. Ein 30jähri-ger Arbeiter in Hietzing, den sein« Frau durch Effechuchtsszenen quakte, hat sich vorgestern nach einem Streit nnt einer RasieMinge sine schwere Verletzung zugefügt. Er wurde von der R«t tuugsgcs elbschaift ins Dp Stack gebracht, wo die Aerzte konstatierten, daß der K a st r a 1 i o n sschuitt mit solcher Präzision auSgeführt worden sei, daß nach Anleigung eines PeckandeS kein« Löbensgestchr mehr für dep Patienten bestand. Nu Salon ausgrtzobrn. Liebesbetrieb in der Johann-Strauß-Gaffe. Seit längerer Zeit schon bec»bachteten Beamt« der Wiener Sittenpolizei sbn HauS in der Johann- Strauß-Gasse, aus das sie durch verschieden« anonyme Anzeigen aufmerksam gemacht worden waren. Mo« vermutet«, daß sich in diesem Hans«, uind zwar in der eleganten Wohnung einer ohernaligen Maniküre, einer von jenen berüchbigton „Salon s" etabl-iert habe, die in der letzten Zeit so viel von sich reden machten, doch stießen die behördlichen Nachforschungen anfänglich auf große Schwierig-stiten. Ter „Betrieb" war fo diskret, bog nicht einmal die Hausbesorgerin etwas merkte; die Inhaberin des Salons wußte ihre Kundschaft so vorsichtig ausHuwählen, daß sie hoffen konnte, nicht verraten zu werden. Schließlich Wurde di« ganze Sache aber doch vuchbar, und es stellt« sich jetzt heraus, daß in dem Hause der Joha-mi-Strauß-Gass« bereits feit geraumer Zeit ein« Art Liebesvermitttun.gs stelle eingerichtet war. Die eheinallge Maniküre. ein« ungefähr 40-iährige geschieden« Frau. Iren« A., arrangie-rte nämlich im ihrer Wohnumg recht aparte Drn-ge für zahl-nngskräflige Herren und schickt« ihwon, wenn sie es wünschten upd bereits gut Mt ihr bekannt waren, a u ch M a d ch e u iu die Woh numg« n. Frau A. svwphs als auch die im gjkeichsn Haus« wohnende Frcvu eines höheren Pr'lvatbeamten sowie einige Mädchen, die besonders schwer belastet sind, wurden van der Sittenpolizei in Haft genommen und wegem Kuppelei dem Landesgerichle überstellt. Die AmtZhaMung ist nach niicht beendet. Nne Krise im Wiener Hausfrauenverein. . Der Wiener HauSfrouenverein befindet sich infolge der Unredlichkeit zweier Angestellter in einer schweren Krise. Der Wiener Ha-usfraue-nvevein, welcher bis vor er-wa einerichalib Jahren in der Hohe-nstauif-enffasse 7 eine große Kochischwle, verbunden mit einer MittelstawdsVüch«, führte, erregt schon damals unstiobs-ameS A-rsffehen, als die Räume an den Giro- und Kassenverein verlaust und die Küche geschlossen -werden mußte. Schon damals' wurden Stimmen laut, die gegm die Vervinslsitung Dovwüvf« erhoben, daß es nicht notwendig gewesen sei, die einzige Kochschut« und di« größte Mitite-lstandsküch« Wiens zu schließen, uni die Räum« einer Dank zu verkaufen. Doch erklärt« damals der Vorstand, daß der Verein nicht aktiv gewusen sei und durch den Verkauif sich Geldmittel bsschafft hatte. Derselbe Direktor, der damals den Verkauf an den Girv- und Kassenverein durchführte, steht nun im Verdacht, durch unlautere Manipulationen mit grüßen Mengen Lobensmitt«iln den Verein schwer geschädigt zu haben. Der betreffende Direktor, welcher inzwischein mit einem zweiten Angestellten entlassen wurde, bestellte waggonweise Mehl- und Zerealien, die nach Ansicht leitender Vereinsfunktionäre von dem etwa 2000 Mitglieder umfassenden Hausfwuenvevsin nie hätten aufgebraucht werden können. Es besteht der Vevdach-t, daß mit dem NEon des Vereines Mißbrauch getrieben wurde und di« Direktoren eine große Zahl von Privabgeischästeir, die schlecht a n s g e g a ngen sind, unter der Firma des Vereines machten. Die Niederlassung des Vereines bsfindet sich im Helligenkreuzechos, 1. Bez., Schönlatevngassa. Es ist dort sine VeklsidungSalbteil'UNg, die schon vor einiger Zeit in der Weis« verpachtet wuvde, daß der Pächter vom Umsatz an den Verein eine Provision zahlen mußte, nach Aufdeckung der Unregelmäßigkeiten winde auch die Ve>d«tsmiitvtadt«»l>mg unl«r ähnliche» Modal!täten verpachtet. Das Mttglich des AichiMmte- Dr. Fritz Reumann hat vor einiM TaDt) di« DtManzeige erstattet. Es wurde ein Sachoersdäudiger bevusen, chnr die Bücher zu toniroll >eren, , doch ergab schon em« flüchtige Durchsicht, daß von einer regelrechten Bu chs üb ru ng keine Rede sei. ES tonnstn -weder'h'ie^ab'geitückÄ'l«« Gvschast« kontrolliert, noch ein VevmöiZe-nSstaitd aivfgestelU werden. Der Verein degivügie sich damit, das Lager ausAun-chinran;. überdies erhielt er von den Verwandten der entlass«n«n Direktoren sowie von den Dirak-, toren seldst die Zusicherung des, Schadenersatzes. Ser Mikkovpkrr onti ble SetektorhSrer. Die Storungen im Radio. Nicht nur m Wien, sondern auch in allen Städten und größeren Lwten ums-ever BunideLlä-nder w«pden sortge-sitzt Klagen über Storungen laut, di« die Besitzer von Saitv* penapparaten durch Rückkoppc-lnngeit verursachen und dadurch den Detektorhörern die.Fveude am^ Radiowesen vergällen. In Wien werden die Besitzer von Lanrpenapparaten, di« durch Rückkoppelnngen' Störungen Hervorrusen, «t rücksichtsvoller Werse gestvarut. In der Provinz aber, wo man in aller: Dingen gerne ettvas radikaler Vovgcht, will man sich mit solchen Warnungen nicht begnügen uüü) verlangt ein energisches Borg-vhen gegen solche Rückkoppler. So wird vorgeschlagen, daß man die Rückkoppler „anperlen" und ihre Siaimsn veröffeniltchen soll. Uckber diesen StveÄ außertze sich em Vertreter der Wiener Senüestation zu dem Herausgeber der Korrespou- -denz Hevwvi wie folgt: Wir finden es begMflich, daß die Detektorhäver darüber entrüstet sind, wenn sie mitten in einem Vortrag von einem Besitzer ei-neS Lairrpenopparats dnrch Rückkoppolungen gestört werden. Schließlich muß man doch bedercken, daß es viele Angestellte, Arbeiter, Lehrlinig« und Schüler gibt, die alle ihre bescheidenen Mittel a-usgowendet Habens um sich einen Tetektorapparat mit.Hörern a-nzllschaffen oder selbst zu verfertigen und für me die Vorträge der Wiener Sendestation das einzig« und hil-ligste Vergnügen bilden. Doch gckanben wir auf Grund der Erfahrungen, daß diese Störungen nicht aus Bosheit und Rücksichtslosigkeit geschehen. In der Provinz, wo einer dcm anderen m die Töpfe gtlckt, mag es Vorkommen, daß ein übelgesinnter Nachbar dem anderen das Anhören der Nadi-ovorträge stört. Aber selbst da glauben wir, daß die meisten'Störungen nur dadurch verursacht w.rden, daß die Besitzer von Lampenapparaten nicht die gen>ügenden theoretischen und praktischen Kenntnisse besitzen. Wir m Wien gehen mtn gkgvn di« Rückkoppler in der Weise vor, daß -wir zunächst, per Radio die Näbe seiner Wohnung angtil>vn, womit er gewarnt ist. wa'S auch in den meisten Fallen nützt. Dann senden wir ihm ein Schreiben, worin wir ihn ersuchen, seinen Apparat so zu hardl-aben, damit er die De!eikt>ovhörer nicht stört. Auch ist dem Besitzer eines Lampenapparates di« Möglichkeit gegeben, sich die notwen'digcn Kelmkriffe zu erwerben, damit «r die Rückki-ppolungen ohne Stönmgen vorn-chinen kann. Gegen Polizeimaßnah men sind wirgrunds ä tz l i ch. und es war a-uch bei den Vorberatn-ugen über das Radiogesetz das Bestreben vorwaltend. Polizei-- ntaßnahmen zu vemreiden. Wir glauben vielmehr, daß hier am besten durch Aufklärung und Schulting der Radiohorer ein Wandel geschaffen werden kann. Daß es im RadlMvesen noch gewisser gesetzlicher Vorschriften bedarf, steht a-rßer Zweifsl. Zu diesen werden wir abcr erst kommen, wenn einmal cm Luftgesetz geschaffen wird, zu welchem uns allerdings nach ein pra'ktischcS Vorbild fehlt. In dieses Duslgesctz müßten eine Reihe von S ch u tz b e st i m m u n g e n betreffend das Radiowesen auf^enom-men werden. Mit dem Uebefftand der Stovungen durch die Rückkoppelungen werden wir unS bei der nach st en Enquete befaffen. Was -unsere weiteren Plan« an langt, so wird noch im Lauf« des Monats Jänner 1925 die Station am Grazer Schloßberg errichtet werden, * Hofrat Leth schwer erkrankt. Der Vorsi'-ende des FünfundztvattzigrrausschusseS, Hofrat Leth, ist schwer erkrankt. Hofrat Leth laboriert schon seit langem an einem Herzleiden, das sich infolge seiner anstrengenden Tätigkeit in der letzten Zeit vershlimmert hat. * Der Höhlenmensch mit dem Bankkonto. Daß man nicht unrecht tut, wenn man daS Treiben mancher millei^rrcgenden Bettler a-kS „gMerbsmäßig" bezeichnet beweist ein Var all, der sich kürzlich in Acw ^ork ptrufl. In einer leeren Banstclle im Stadtteu Bro-nx hauste ein langhaariger kleiner Vlonn in ärmlicher Kleidung- Er war in der ganzen Gc-aend nur als der Einsiedler bekannt. Als mm m-nlich 'n^iner stürin^'chen Hcrbstnacht das Wetter gar zu unp.müilich war. vcranlaßten einige Nachbarn einen Polizisten, für den Eremiten zu saraen. Der nachm den Zerlumpten mit mr Wachc. wo er '.iescs Mitleid erregt«. Man begann schon für ihn m sammeln, als es plötzlich einem Beamten, der iveuiger -zar:fühl-nw veranl-gt war, viufiivl, die Taschen des Hi'chlenmcnschen zu unv:rsmlxn. Da fanib man mmt nicht weniger als Dollar. pv>'i Ba„Wucher und verschieidene Bosibbr-ies« über Baupläne. Er wurde daraufhin einem der -in New-Bork auch nachts amtieren^-,, Richter vorgeführt. Dieser sandte -den Hichleumensch^i mit den, Bankkonto aivf sechs Monat« in das Arbeitslians. ^Tansinstitut Hermann Brqun. 14.Bez., Neindorfgafse42, Tel. 834=01. (Enm«-!.tl:ch)

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