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Wiener Morgenzeitung · 1924-12-28 · Heft 2103 (28.12.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2103 (28.12.1924)
Date
1924-12-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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SGe 5 Wien. Sonnig Wiener MorgenzeUunft. 88. Dezenter 1624 Nr. Al» Bubi-Kostiimi reine Schafwolle, la Qualität K 490.930 Feinste SeiöenHor-Dtunenslrünipfe früher K 58.000 } jetzt K 43.000 .^deslstrumpk nur Llrattnerhof 2 (Graben) 44 mw Las Verbrechen m Albanien. —7. Wien, 28. Dezember. In Manien ist die landesübliche Revolution im Hang. Der Telegraph berichtet eine Unmenge seltsamer Namen von Personen, Orten, Gefechten und sucht offenbar die Vorgänge in diesem Lande dem Verständnis, des mitteleuropäischen Zeitungslesers näherzubrirrgen. Es ist da von einer verjagten Regierung die s Rede, Parteienbezeichnungen, wie Demokraten und Konservative, wirbeln durcheinander und sollen der Welt plausibel rnachen, daß es in Manien ein politisches Leiben gibt, das sich nach Balkamnethrden entwickelt. Das ist bestimmt nicht wo>hr und es ist auch der Ausdruck Revolution nicht ganz am Platze. Die Raufereien der mehr oder minder gut bewaffneten Gebirgsstämme, die von irgend einer Nachbarmacht mehr oder minder gut bezahlt werden, brechen nach irgend einem noch unerforschten Gesetz von Zeit zu Zeit über die gewohnten Dimensionen der FamMerMutrache. So ist es auch jetzt mtd es wäre kein Grund zur Aufregung, wenn Ml bei diesen Klan-Unterhaltungen Menschen stürben und Häustr verbrannt wüvden, und wenn nicht die in den albanischen Häfen sitzeMn beschäftigungslosen diplomatischen Agenten sich der Sache bemächtigen, um sich in den Vordergnttch zu schieben. Und wenn nicht dieses Albanien in seiner trostlosen staatlichen Existenz ein Beweis für die niederträchtige Borniertheit der europäischen Politik wäre. Die braven Stämme der Hoti und Gvuda, der Kostrati, der Mirdiien, Mvttssoren, Tosken, Ghegen und wie sie sonst heißen mögen, wünschen nichts weiter, als von Europa in Ruhe gelassen zu werden. Sie haben kein Verständnis für die ihnen zugeflüsterte Bildung eines Staates, den sie doch nur als Steueremhobungsmaschine genießen würden, und sie besitzen nicht die geringste Sehnsucht nach dom, was man nationale Einigung nennt. Die ewigen Streitereien mn gemauste Hammel oder um verschobene Grenzsteine würden sie selbst im eigenen Wirkungskreis nach ererbten geheiligten Regeln austragen und man würde darüber auch nichts weiter erfahren, wenn nicht die Wichtigtuerei einiger sensativnshungriger Rerfejouvnalisten und der Vertreter der europäischen Zivilisation das ihre täte. Sie machen Politik, unbeMmmert mn das, was entstehen kann. Es gibt ein Albanien nur im geographischen Sinne. Aber es gibt kein albanisches Problem, keine wirtschaftlichen Interessen einer als geschlossener Begriff austretenden Bevölkerung, deren ethnische Einheit eine alte, liebe Lüge der Rassentheoretiker rst. Wenn aber die europäische Politik der Ansicht ist, daß es ein solches Problem gibt — und sie war schon sehr oft dieser Ansicht —, dann müßte fie feine Lösung so versuchen, wie es die Vernunft vorschreibt. Es gäbe, wenn man die Hott und Gruda durchaus mit Parlament und Kultur und Selbstverwaltung beglücken wollte, was sie alles mit Grandezza ablehnen, nur zwei Wege: Entweder die internationale Besetzung des Landes, seine Durchsetzung mit Schulen, die Schaffung einer staatlichen Organisation, oder die Uebertragung aller dieser Sorgen an eine Mandatsmacht. Keinen dieser beiden Wege kann Europa gehen, weil auf jedem die Eifersucht bei Nachbarn, der Italiener, Jugoslawen, Griechen brennt. Cs bleibt nur das Mttel der Türken übrig, die emiM Garnisonen unterhielten und im übrigen die Ein^borenen nach ihrer Fasson selig werden ließen. Europa hat die Türken vertreiben lassen und kann seither nicht darüber hinwegkommen, daß da unten ein Problem besteht, von dessen Stadien ein paar Klan- Häuptlinge, die sich in bestimmten Zeitabständen bei den fremden Agenten ihren Sold einkassieren, sehr gut leben. Das sonstige Volk vegetiert in Armut, .Hunger, Lues und Läusen, ausgeplündert von Großgrundbesitzern, die ihm nur die Auswanderung als Vergnügen gönnen. Diese soziale Seite der Frage wivd allerdings von Europa niemals diskutiert. HoffenEch wird Albanien in seiner Unberührtheit als letzter Rest einer romantisch verstärken Schmutzpericde feudaler Räubereien späteren Zeiten erhalten bleiben, als Nationalpark einer der sinnfälligsten Beweise für die Unfähigkeit der europäischen Politik, die für alles sich ein Schema bilden muß, das sie selbst dreimal täglich Lügen straft, die den Mord nur anerkennt, wenn er im Namen irgend eines Patriotismus geschieht'^ünd sich ein staatliches Gewand anzieht und die die nackte, rohe Gewalt zur einzigen Grundlage ihres Systems gemacht hat. Es wäre dankbarer und vielleicht aussichtsreicher, wenn dieses Er-.-,,.' * - Probleme erkennen und lö:en; - Mein Rücktritt als Mze-rWdent des Mtionskomiters. Weshalb ich meine Stelle niederlege. Don Robert Stricker. Herr Obenbmrrat Stricker hat vor einigen Lagen an da« Ziom-stifche ExciV-'tive in Londcm ein Schreiben gM-.chet, in ivelchom er sonnen Rücktritt als B i z e p r ä s.i d e n t d e s Ztoni iU'lAktionskomitees mit» tollt iMtb erklärt, daß ct die Gründe smr seinen Enschlaß öf'enÄ-ich darle-gen tvmde. Herr Stricker stellt »ms mm das nachfolgende Ex Pose zur Bevsügwng. Die Ned. Ich halbe der Exekutiv« der Zionistischen OvMnisat'on NbrtgctcÄt, daß ich tue ine Stelle <tC8 Vizepräsident des Wttanüfwmtees niederlege. Ich will der zionistischen Oeisstntlichkeit die Gründe bekanulyeben. Finden eS meine zirnffti» ßhrn Gesinnmigsgeircsfen für gut, diese Gründe einer Erörterung Mt unterziehen, dann habe ich den von mir erstrebten Zweck erreicht. Werden sie finden, daß idiefe Gründe nicht triftig genug sind, um eine Aenderung >des heutigen Systems in Betracht zu ziehen, so ist auch damit d? Berechttgung movner HcmdlnngAweist dargetan. Dünn besteht eben zwischen ihre-r -und -meiner Anffassunig van grundlegenden Dingen eine Differenz, die es nicht zuläßt, daß ich weiterhin eine derantwortKche und in gowisier Hinsicht leitende Stelle in der Weltorganisation beKei-de. Ich schicke noch voraus, daß auch kein einzige's Motiv Persönlicher Natur vorhanden ist. ,Ich schade nicht als Persönlich Verbitterter. Keiner der GesimvungSgenoflen im der ExeLutive und im Aktionskomitee hat mir irgend etwas angetan. Sie sind mir immer loyal euigeaengelommen, haben mir immer Wertschätzung nach Gebühr, oft über Gelhühr, entgegengedracht. » * Ich erblicke im Bestände einer starken, von nationalem Willen getragenen zionistischen Organisation die unerläßliche Bonbedi-ngung für die Maderaufrichtung deS Volkes und für den Politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des nationalen Heimes in Palästina. Auf die nationale Omawrfation vernichten oder sie als Angelegenheit zweiten Ranges behandeln, heißt den Aufbau un-möglich machen. N-u-n ist der weitere Bestand der Or- Mmsatiion gefährdet, denn der Wille zur Selbstve r nicht» n.g herrscht in ihr; er herrscht bei der Majorität und bei den‘ leitenden Stellen. Er findet feinen Ausdruck in dem heute maßgebenden ^chlagwort, daß einzig und allein das Ausmaß und das Tempo der Aufbauarbeit in Palä>sti»wa für die ZuLrmst des BoAes und des Landes maWhsntzsind und jede Arbeit hinter die Tätigkeit für die Anffbringung.der notwendigen Mttel zu stellen ist. Gelogentilöch wird Wohl das Sprüchlein hengestgt: ,Mr bvcvrrchen eine starke Organisation." Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß für die Erhaltung und den A-uSbau der nationalen Organisation weder Interesse vorhanden ist, noch Kräfte und Mittel aufgebracht werden. Schon das äußere Bild der Zionistischen Organisation zeigt die -erftvwnde Wirkung der herrschenden Tendenz. Die Londoner Exekutive der Zionistischen Weltorganisation -besteht aus vier Männern, von welchen drei fast ständig abwesend sind, weil sie Geldmittel für die Paibäistinako-lonisation Erschaffen müssen. Das Londoner Hrmpi-bureau, welches den zentralen Organismus der zionvstvschen Bewegung bilden müßte, zahlt zwei Sekretäre, denen Hauptbeschäftigung ein fruchtloser Kampf mit Geldstrgen kleinlichster Art ist. Denn für di« Leitung der Organisation hat heute die Bewegung nichts übrig. Bon ir-gerch einer shstematischen Orga-msatiensarbeit oder gar von politischer Avbeit kann unter solchen Umständen keine Rede sein. Politische Vertreter der Bewegung an den wichtigsten Stellen, an den Sitzen der Großmächte und beim V-ölDerbund, können mcht eingesetzt werden. Es fehlt das nötige Geld. Ein Informationsdienst, welcher die Zi'n-'stische Ov^anffation. die zionistische und ni-chtzio.ni'stifche Presse -und die in der Welt- Politik maßgebenden Mächte und Faktoren in steter Berbmdung mit der Bewegung halten sollte, fehlt. Alles fehlt, was d'e Leitung in die Lage verletzen könnte, die i'hr zustehende Stelle in der politischen Entwicklung der Iudenschaft einFunrhmen und den Kräften, welche heut« die Weltvolitik bestimmen, die Existenz und die Fcrdev;"n^en des jüd'schen Volkes zur Kenntnis zu brmgen, diese Märkte stä'fdio daran zu erinnern, daß es ein jüdisches Volk gibt, das leben und im eigenen Lande leben will. Das Intereffe für Arbeit dieser Art ist erstorben. Wer von d'e'en Problemen spricht, - viZkiert es, als Pc-ü-tikeister verschrien zu werden. Das Schlagwort, daß lediglich di« kolo-n'satorrM A'l'eit in Balästina, ihr Tempo und ihr Auemroß. also die Quantität der aufgebrachten Mittel, für das Schicksal des nationalen Heimes maßgebend sind, dvo-ht die Organisation zu ersticken. Diche Tendeniz, welche Zu-r Verödung der Orgamifatton führte, hat andererseits die beiden Samnvelinstttuche der fraget BEk 704 Schuhe1 > t*e■ ri JH“-Gmntni-Absatz Bewegung, den Nattonaffonds und den Keren Hajeffod» in den Vordergrund geschrbeil. Diese Hllfsorganc sind vor die Organisation getreten, sowM in technischer als auch in moralischer Hinsicht. Man hat sie selbständig gemacht, nicht etwa unabsichtlich, fe-ttdern planmäßig, bewußt. Sie haben ihre eigenen Tagungen. (man wird nä-chsten-s zur Bezeichnung „Kongreß" schreiten), ihre eigenen Direltorien. AufsichtZibehörden, Generaff-e?vetar.i>ate, autonome Dertretun- - gen in Palästina und den Ländern. Die verfügen Äeer eilten veUweigten und reich dotierten bureaukratischen Apparat, einen eigenen Presse- und Prcpagandadienst, kurz über alles, was der Organisation nicht zur Verfügung steht. Was die Bewegung an wertvollen Kräften hervorgsbracht hat, ist in di« bel-den Institute dirigiert worden. Der Wert des einzelnen Zionisten wird lediglich nach seinem Perhälrms zu diefen I-niMubionen bestimmt: Was hast du für die Beiben Fonds gegeben oder getan? Die Fraae -der nrorvlifchen und materiellen Leistung für die Zionistis-che Organisation wird nicht mehr gestellt. Sie ist durch den Borweis bcr SchMqmttuny, einen halben Schilling pro Jahr, rest- >los beantwortet. Ztonistische Zusanumenkünfte jeder Art werden nur dann Dr voll genommen, -wenn ihre Tages-, ordnumg mit Befpvechungen der Möglichkeiten des Geld- MsHbringens für die beiden Fonds gewidmet ist. Alles andere wird als leeres Gerede gewertet. Aeußerttch hat die Umstellung aller Zionistischen Kräfte in den Dienst der beiden Sammelinstitute ein Aufblühen derselben bewirkt. Die Kurve der St-mmelergebniffe hat sich jäh geheiben. In WiMchckmt ist es ein Scheinersollg auf Kosten der dahinsiechenden nationalen Organisation. Bon der lebendigen Organisation boSgettffen, in den dürren Sairdboden der Neutralität verpflanzt, müssen beide Instltntiomn vevkümnlern. Das fühlen heute schon die einsichtigen Artöetter m den beiden Fonds. Die besten zionistischen Köpfe und tüchtigsten zionistischon Hände werden bei der eintönigen Arbeit erlahmten, auZ einem indifferettten Judentum immer und immer wieder Geldmittel hemuszuzichen. Ohne den Kvcvftstvom, -welcher dom lebenden nationalen zion-tstifchen Judentum ausgeht, einzig und allein auf die Routine der Beamtenschaft angewiesen, mrtß diese Arbeit rein -mechanisch und schließlich ergebnislos werden. Der materielle Aufba-u des nationalen Heimes ist durch die Preisgabe der nationalckn Organisation aufs schwerste gefährdet. , Während aber die -materielle Gefahr erst in den. konr- -menden Monaten bestimmte Form annehmen kann, stcht die politische Gefahr, .als Fdlgeerscheimvng der Preisgabe der natiomlen Jron-Pischen Organvfat'wn, bereits heute konkret vor uns. Die offenen und heimlichen Feinde des jüdisch nationalen Heimes in Palästina haben den getvaltigen Vorteil, welchen ihnen die Passivität der schwach gewordenen Ovganisaticn bietet, erkamnt und ihre Taktik dernentsprechend eingerichtet. Sie haben e's nicht mehr nötig, gegen eine di« Welt umfassende, an allen Punkten der Erde über nationale Kvaftquelle« verfugende jüdische VoWorgamfation zu kämpfen, sie konzentrieren ihren Angriff einfach auf Palästina, auf das kleine Land, in welchem einige Zehntausend Juden arbeiten. Sie ignorieren den Ziomismus außerhalb Palästinas, weil ihnen das die Aufgabe unendlich erleichtert. Und sie dürfen ihn vgnmieven, weil er sich selbst igno-riert, weit di« Zio-niften selilst aus dem ZioNlsm-us eine rein palästtnensifche Angelegenheit machen, eine Sache der Arbeit an Ort und Stelle. Wie verhängnisvoll diffe Auffaffung werden muß, -wenn der Feind sich ihr anpaßt, beweist der Vorgang, der sich jüngst i-m Völkerbund abgefpie-lt hat. Die Mandatskommission hat dem Völkerbund einen Bericht über Pa-lästina dorgelegt. Er war nicht zuletzt infolge der politischen Untätigkeit der vernachlässigten Zionistischen Organisation wenig wohlwollend. Aber erschreckender als der Mangel des Wohlwollens in dem Berichte wirkt die Form, in welcher er über das jüdischna-ti-ottale Heim spricht. Er verliert kein Wort darüber, daß Palästina voll der Welt dem großen jüdischen VcWe als unantastbares niationales Zentrum zuerka-nnt wurde. Er behandelt Palästina als Keines ko-lontsawrisches Experimet, das gut oder schlecht aus'fa-llen kann, mäkeilt an diesem und jenem, spricht von - den jüdischen Ei-rvwaniderern so, als ob es sich um gna-dcnweise und nur mit größter Borsicht zuzulassende, landfremde Elemente handeln würde, nicht aber um Manschen. die a u f Grund ihres Rechtes, das dom Bölilerbnnd in feierlichster Fornt anerkannt wurde, in ihr Land heimle h r e n. Der Zi-omstischen Organisation, welche v o nt Völkerbund« als Trägerin der Rechte des jüdischen Volkes ebenso feierlich anerkannt wurde, schenkt man kein Interesse. Das Memorandmn der Zionistischen Organisation fällt unter den Tisch, wird nicht einmal verlesen. Hingegen bildet das antizion-istische Memorandum der Araber den Gegenstand großer Slufmerksanrkeit, und mit dem Papste, dem unversöhnlichen Feinde des jüdischen Palästina, werden stundenlange Konstrenzen gepflogen, wo doch das Palästina-Mandat weder den Ambern noch auch dem Vatikan ein Recht auf Vertretung vor dem Völkerbnn'de in Angelegenheiten Palästinas -uerkennt. Die Araber und der Pa-p'^ lraben. sich dave-r in be?

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