Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2103 (28.12.1924)
- Date
- 1924-12-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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feinen 20groszyl Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. 6er., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien u Oesterr. monatl. K 40.00' Tschecho-Slowakei Mon. K 20 |u?oslawie'n Mot>. Dinar60. P o I e n: Mon. 3*/» Zloty, Deutschland: Mod. Goldmark 4, Fr an kr., Belgien: Mon. Free. 15 MF" N a e « h i u o? ■ "MG be? Prat««*rhohunven vnrhebahe» Rk. 2103 X\ . Wiener .r .. , ♦ Wim. Sonntag. 28. Dezember 1924 | pr-ei” k i«wo| England: Mon.4 Schilling, Italien: Monatl. 15 I irr, Rumänien Mon. 1501 ei, Bulgarien Mon.80 I ewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4. Redaktion u Administration Wien II., Taborstr. 1-3 feleplione: 44-0-3^,43-3-19. AhßUhr abds. 21 -102,25-282 IX. Universitatsstrasse 5—8 (Druckerei Stemmann) Oesterreichisebes Postsparkassen-Konto Nr. 150.643 6. Sübrgang Musfüllnis Pressechef Rosst bezichtigt den Ministerpräsidenten der Mit» schuld an de« Gewalttaten. — Die Schuld an der Krmordung Matteottis. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung"») Rom, 27. Dezember. Der „Mondo", das Organ des früheren Ministerpräsidenten Nitti, veröffentlicht ein Memorandum des 'gewesenen Pressechefs R o s s i, das dieser zu seiner Verteidigung verfaßt hat, bevor er sich seinerzeit dem Untersuchungsrichter in der Affäre Matteotti stellte. In dem Memorandum schreibt Rossi, unter Berufung auf seine einflußreiche Stellung als Pressechef des Ministerpräsidenten und führendes Mitglied der sadistischen Partei, unter anderem: „Da die faszistische Regierung, Presse und Partei mir aus Rache die Schuld für die Organisation der verschiedenen Gesetzwidrigkeiten, Gewalttaten seit dem Marsche auf Rom zuzuschreiben versuchen, will ich sofort sagen,, daß olles, was vorgekommen ist, stets durch den direkten Willen, die Genehmigung oder Mitschuld Mussolinis . ■ ■ ' i ■ erfolgt ist. Ich meine damit die Berprügel« ng A m e n d o l.a s, die von Mussolini ohne mein Wisien Genergl D e Bon o befohlen wurde und vom Kommandanten der -römischen faszistischen Mili^ C and e lö r i, durchgeftzhrt worden ist; die^ MMDW^ l nM dWA^ geordneten M-i siuEf, AnregungM u ff yl i n i 8 Generat B a l b ö verfügt hat; den U e d e r f a H auf Forn ider auch von Mussolini an geordnet und durch den Vizepräsidenten der Kammer, Giunta, organisiert worden ist. Der Ueberfall aus die Villa des gewesenen Ministerpräsidenten Nitti geht ebensallsaus direkte Weisung des Ministerpräsidenten zurück, ebenso die Zerstörung der katholischen Der eins lokale in der Lombardei, die von Mussolini dem saszistischen Abgeordneten Maggi aufgetragen wurde." In dieser Atmosphäre der Furcht und Rache, schreibt Rosst, sei das furchtbare Verbrechen an dem sozialistischen Abgeordneten Matteotti vorbereitet und durchgeführt worden. Die Ermordung Matteottis pelle sonach ganz zweifellos ein Politisches Staatsverbrechen dar. Roffi bestrettet jede, direkte Verantwortung an diesem Verbrechen. F*n der Veröffentlichung heißt es weiter: „Die Hauptangeklagten in der Affäre Matteotti sind seinerzeit mit gefälschten Pässe» von De Bono und Iv.vyv Lire nach Frankreich geschickt worden, um in P a r i s die Ermordung dqS FaSzistett Gert zu rachen. Sie besaßen Freifahrscheine der Generaldirektiou der italienischen Staatsbahnen und L egitimationen der römischen Palizeidirektion und der saszistischen Nationalpartei. Die polemischen Angriffe der Agentur Volta und des „Popoio d'Jtalia" gegen die Opposition hatte Ministerpräsident Mussolini Persönlich geschrieben und deren Veröffentlichung durch die genannten Organe veranlaßt." Mussolinis Wahlreform. . Rom, 27. DkzsirÄer. Die Blötter veröfsMIichen eineit Bericht Mussolinis zur nenen ASahlreform, worin er das neue Gesetz in fcÄgenden Punkten zusam-menfaßt: 1. Erhöhung der Mandaiszähl van 535 aus 560, so daß anif je 70.000 Einwohner ein Mandat entfällt. 2. Wiederherstellung des Einmännerwahlsyste m s. 3. Aufhebung der Strch'wahil zur Vermeidung von WaWomPromissen. 4. EmsührMg des W a h^ kuverts. 6. Verschärfung der Best'-mmungen über die Jnkompatibrlitat für Beamte urd Militär- Personen. Sie Besetzung von Köln bleibt aufrecht. Der Beschmutz der Botschafterkonferenz. Paris, 27. Dezember. (Havas.) J>n der heutigen Sitzung der Bots chafterkonferenz wurde unter den Verbündeten ahne Schwierigkeit ein Einvernehmen darüber erzielt, daß der deutschen Regierung die Aufrechterhaltung der Besetzung der Kölner Zone über den 10. Jänner 1925 hinaus zu notifizieren sei. Der Beschluß gründet sich auf die offensichtliche Nichtdurchführung der Verpflichtungen, insbesondere jener ' hinsichtlich der A brüstung. durch das Deutsche Reich. Der Beschluß wird Deutschland im Laufe der er st e n Wo che d es Jä n n e r wahrscheinlich-in Form einer Kollektiv note mitgeteilt werden, die der deutschen Negierung durch die Berliner Botschafter Frankreichs, Englands, Belgiens, Italiens und Japans überreicht werden wird. Der Text dieser Note, mit dessen Studium bereits begannen wurde, wird von der Botfchafterckonferenz vn ihrer Mit two ch s i tz u n g festge setzt werden. Regen die deutschen Ableugnungsversuche. Paris, 27. Dezember. (Häivas.) In amtlichen französischen Kreisen wird das oWöse deutsche Communique sowie die Behauptungen des Wolfs-Bureaus, WMch die Kontrollkommission keine geheime Häffendepots, noch auch Waffenbestände entdeckt d«, die ü-ber die nach dem Fviedensvertvage für' die Wchswehr und die SicherheitsPMgei zulässige Menge hinauSgvngen, als u n ri ch t i 'g bchsichnet. Im Gegensatz hiezu wirld festgosiellt. daß vor einigen Tagen , in der U m g e-' vung von Berlin mehr als 50.000 GeWehvkanonen und mehrere tausend ZurLstnngsstücke für schwere Mitral Neusen gefunden wurden. Die letzten Berichte der Kontro >lkkommissiion enthMeu diesbezüglich bestätigende Mitteilungen. Gegen deutsche Illusionen. Washington, 26. Dezember (Reuter.) Im Weißen Haus wird erklärt, daß zur Losung der Frage bezüglich der Räumung von Köln einzig und allein die europäischen Regierungen befugt seien. Da die Vereinigten Staaten diesbezüglich nur ein allgemeines J-nke resse haben, würde nichts eine offizielle Aktion der aimerikanifchen Regierung rechtfertigen. Ser albanische Aufstand. Fan Noli nach Italien geflohen. — Verhandlungen. Belgrad, 27. Dezember, (tt. T.-K.-B.) Aus Durazzo wird gemeldet: Mnisterpräsident FanNoli ist mit seinen Miuisterkollegen am 24. d. aus Mbamen nach Italien ahgiereist. Skutari, Elbassan und ALe ss i o sind am 25. d. in die Hände der Au-Mndischeu geraten. B e yram Zur, der sich in Kruma a-ufhäkt, hat mit den Führern der Aufständischen Verhandlungen eingelieitet. Rom, 27. Dezember. „Tribuna" berichtet aus Bari, daß dort honte Ministerpräsident Fan Noli mit sämtlichen Regiernngsmitgtiedevu und ihren Familianangehövigen a n g e k o m m e n sei. Außerdem seien drei Segler mit mehreren hundert vevwuudeten albanischen Soldaten einge troffen. Einige der Minister werden sich nach Rom begeben. -; , Der Protest Albaniens mr den Völkerbund. Rom, 27. Dezember. Wie die Blätter melden, hat der Generalsekretär des Völkerbundes wegen der zweimaligen Beschwerde der albanischen Regierung gegen die Ei umengung Jugoslawiens Abschriften dieser Eingaben an die Mitglieder des Völkerbundmtes übersendet und von der j ug osl«.wischen Regierung ehestens einen Bericht erbeten. Kn BalkandrMnd? Rom, 27. Dezember, Nach einer Pariser Meldung der „Tribuna" verhandelt der jugoslawische Außenminister Dr. Nineie m Paris erfolgreich mit Beniselos und Polit is über einer neue Vereinbarung mit Griechenland. Da auch Rumänien bereit sei, dieser Vereinbarung beizutreten, stehe die Bildung eineZ Balkandreibundes bevor. Man erwarte in Belgrad eine Zusam menkunft Barschen Paste, Veniselos und Bratianu. Der griechische Patriarch a«r Konsilmiinopel ausgewiesen. Konstantinopel, 26. Dezcimber. Zwischen der türkischen Regierung u>A!d dem griechischen Patriavcha-t in Konstantinap?>? ist ein ziemlich eruifter Konflikt ausgebrochen. Nach dein Tode^ des letzten Patriarchen Grcgorius verschwand aus desson Nachlaß angeblich ein m it Gold gefüllter Sack, von dem sich hevausstellte, daß er politisch e Do k u me nieenthasjen hätte, die die Tätigkeit des Patriarchats in ungünstigstem Lichte erscheinen ließen. In diese Affäre war auch der Patriarchatsverweser Konstantin verwickelt. Die türkische Regierung verlangt die s o f o r t i g e A b r e i s e K o u st a u t i n s, begründet durch das Abkomuvm über den Be-ölkevungsaustansch zwischen Türkei und Griechenland. Die Autlvort aus diese Austvcisung bestand darin,.daß Konstantin demonstrativ zum Patriarchen gewählt wurde. Es ist anznnehmen, daß die türkische Regierung diese Wahl anfechten wird. - Ser Budapester ktzrenman«. Bethlevs Leumundsnote für seinen Horthh. Budapest, 27. Dezember. Gegenüber den ans de« Buche Werkmanns „Aus Kaiser Karls Nachlaß" zitierten Einzelheiten über die letzte Begegnung des ver-> stovbenen Königs Karl mit dem Reichsverweser Hör t hh gab Ministerpräsident Gvcvf Bethlen einem Redaktmr des Ungar. Telegraphen-Korvejipandenzbuveaus folgende Erklärung ab: ^Jch besitze die Ermächtigung des Herrn RecchSverwesers zu 'der Jsststellung, daß die Darstellung der letzten Begegnung zwischen dem verstorbenen König und dem Herrn Reichsvevwesers zum überwiegenden Terll erfunden ist. Es erübrigt sich daher, besonders hevvor- Zuihoben, daß Werkmanns Darstellung, wonach der Reichs- Vevtvescr i>m Laufe der Unterredung die Uebevgabe der Macht von der Verbürgung irgend welcherpersonlicher Vorteile hätte abhängig machen wollen, nur einen Versuch darstelle, die allgemein geachtete Persönlichkeit Ge!) des ungarischen R-eichsverwesers hevabizufetzen." * Die LeU'Mimdsnote, welche Herr Bethlen dein ,Mge» mein geachteten" Reichs-erwe'er ausfte^t (cs ist die zweite, die sich Horthh ausstellen läßt, die erste kam von seinem Zechkumpan Hohler), vergißt nur ststzustellen, welcher Teil der Darstellung über die Unterredung zwischen Horthh und seinem verstorbenen König erfunden ist. Diese Feststellung Ware allerdings sehr schwer, denn dre ganze Unterredung stellt vom Anfang bis zum Ende em-niodertrachliges Erpvessungsmanöver dar. Daß, da ein Teil angeblich erfunden ist, der andere Teil wahr sein muß, ist festzuhälten. denn es brandmarkt den Evpreffer zur Genüge. 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