Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2102 (27.12.1924)
- Date
- 1924-12-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. A.02 -Wien, SawSlag_. Elvmee befchlen, Guvsr Majestät nicht zu gehorchen, Sie wird sicher ihren Eid mir gegenüber halten, cve>ltuell Vonrmt es eiben ' aufs Blutvergießen an. Es ist dOfo nicht einmal ein halbes Prozent Waihrsche'm- Lichlkei't, daß Eurer Majestät Sache gelinge." Ich: „Wie können Sie denken, daß. Soldaten Ihnen den Eid halten werden, wenn Sie seifteidLrüchig würden? Ich glanbe vvelm-chr, daß sich meine Offiziere und Ma>lms'chalften bestimmt an ihvelt zuerst dem Könitz geschi.voreiten Eid evinnern und den Ihnen geleisteten Eid mt so weit halten werden, als wie Sie selllbst, Horcht), ihn iamner amsgelogt sehen wollten: Sie sahen in dieisem Eid den dem Admiral des Kaisers und Königs geleisteten Schwur." Ho rthy: wecke alle jme, die ihren Eid Zn mir brechen, erschießen lassen" Ich dachte da: Er spricht sich selbst das wvhlveckiente Urteil. Nur mit Ausbietung meiiner gcm>zen SeNstbcherrischmig gelang es mir, diese Infamien zu ignorieren. MH schwieg ans Liebe zu Ungarn ül der immer stärker werdenden UeberzvugMg, diesem Menschen müsse die Leitung der Geschicke des Landes aus den Händen gerissen wecken. Ich sah einen treulosen, verbohrten Widerstand, der keinem A rgument weichen wird, weil er keinem weichen will. Alle edleren Gefühle schienen mir hier erloschen. Ich hatte niemanden neben mir. Ich wußte nicht erniötöT, wo meine zwei Herren waren. Ich war unbewaffnet, hatte nicht einmal einen Revolver bei mir. Draußen waren die Flügeladjutanten Horthhs und seine übrigen Satelliten. Alles hier gehorcht nur seinem Befehl. Ich war hier wie in einer Falles Hier gab es keine andere Waffe als hartnäckige Ausdauer. Ich hörte und fühlte aus den Reden und dem. Benehmen Horchhs, was dieser jetzt überlegte, und so sagte ich ossen: „Sie bleiben aus Ihrem Standpimkt und ich aus enermm. — Was wecken Sie jetzt tun? Werden Sie mich gefangen nehmen?" Horthh sah mich v e r d u tz t an. Schaute hicmuf uach- ^nklich-vevlegen zu Boden. Es herrschte durch einige Momente vollkommene Stille. Dann errötet Horchy. Er Lacht tzLMmgön und sehr verlegen und sagt. langsam, Merud: „N . . . ue>'m, ich werde Eure Majestät «icht ge fangen nehmen." Ich: „Dann übevgelbe.n Sie!" Jetzt packte Horthy wieder seine alten Einwände arrs: ist der Ruin des Landes, die kleine Entente kommt, im Jnnem «wird Aufstand sein. — W^vum haben Eure Majestät nicht noch zehn Jahre.gewartet? Ich hatte inzwischen noch weiter gesäubert." _Wiener Moraenzeitunss. ~ _ Als sich die Sache in die Länge zog, sagte ich: „Ich bleibe aus meinem Standpunkt. Ich lasse. Ihnen fünf Minuten Zeit, sich die Sache zu überlegen!" Aber, auch nach fünf Minuten war nichts zu erreichen Die Erklärung der Mischen EejmWubs. Die Reform der Monopolkonzessione«. Ans Warschau 'meldet I. T. A: Der Polnische Ministerrat beschlost in seiner 'letzt ru Sitzung, alle Konzessionserteilnugen für. den Verlaus van MolroPolartiMn (Spivituosen, Tabake usw.) zu revidieren. Im Verlaus von zwei Jahren, augefangen vom 15. b,, sollen die Konzessionen den bisherigen Konzessionäre^ ohne jede Entschädigung . etttzogen und den Invaliden, KriiegAvitwen und -Waisen sowie ehomaligM skriegsteilnehmern, die im WÄtkviege für Polens Befreiung gekämpft haben, ferner Komnmnalbeamten, Berufsgenossenschaften, gesellschaftlichen Institutionen übergeben werden. Die Verordnung wird nicht vor den S e j m k o m m e n. Die Regierung wird sie aus Grund der ihr erteilten außero-ckentlichen Vollmachten durchführen. In der letzten Sitzung des Sejm ergriff der Präsident des jüdischen Parlaments-klubs Dr. Leon Reich das Wort zu der Verlesung einer Erklärung des Parlamentsklubs, in tvelch er saftgestellt -wird, da st .die Regierung mit den elementarsten Bedürfnissen der jüdischen Bevölkevnng nicht rechnen will. Das den Juden fortwährend angetane Unrecht wird aber übertvossen von dem Beschluß des Mimstervats, der: bisherigen Konzessionären die Konzessionen für den Verkauf von Monoptzlartii-kel.n zu entziehen.. Dieser Beschluß, dem jede Gesetzmäßigkeit fehlt, entzieht 32.000 jüdischen Familien mit weit über 100.000 Seelen die einzige Ernährungsquelle. So etwas darf in einem zivilisierten Staate nicht geschehen. „Wir erheben unsere Stimmeir gegen diese ungeheuerliche Handlung, tvir wollen, daß uns der Sejm, -daß uns die Iudenheit der gangen Welt hört." -Nach Schluß der Rede Dr. Reichs verließen alle j.üdlschen Deputierten-zum Zeichen des Protestes den Saal. In Abwesenheit der jüdischen Deputierten wurde -dann der Antrag Schreiber, eine Subvention von 1,600.000 Zloty für die jüdischen Schulen mit Wischer und hebräischer Unterrichtssprache in -das Budget e'mznstellen, behandelt. Keine einzige Hand erhob sich für den Vorschlag, so daß der Vorsitzende ihn als abgele hm t erklärte. Im Senat verlas Senator'W u rz e l eine Erklämng des jüdischen Pavlamentsklutbss in der es heißte Die jüdische Bevöstermng . steht auf dem StandPmÄt, daß Polen ein demokratisch regierter Staat sei und sie ’ 27. Dezember 1024 " Seite B deshalb das Recht hat, zu fockevn, daß die Prinzipien von Gleichheit nud Gerechtigkeit zur Geltung kommen. Die jüdische Bevölkerung kam: deshalb zu einer Regierung, die diese Prinzipien vergewaltigt, kein Vertrauen habem Der jüdische Klub stellt fest, daß die Regiovung nichts getan hat, um das frühere Unrecht gegen die Juden gutz-umachen, sondern daß sie /Unrecht aus Unrecht häuft. Das jüdische Schulwesen findet bei der Regierung nrcht nur keine moralische und'materielle Unterstützung, wie dies laut Verfassung und internationalen Abmachungen zu erwarten wäre, sondern das jüdische Schulwesen ist ungesetzlichen Verordnungen und Schikauen ausgesetzt. Das - Recht der Milchen Sprache wird mit Füßen getreten, sogar den : Deputierten wird verboten, vor ihren Wählern in jüdischer Sprache zu referieren. Die jüdische Bevölkerung wird durch das Steuersystem zermürbt. Tarn will man zehntauseuden Juden ihre Ernähruugsq>uelle, die M o n o p o.l k o n z e s s i o n e n, entziehen. Die jüdische Bevölkerung weiß, daß die Negierung gegen sie ein System der Ausrottung anwendet und daß sie sich über die den Juden verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte hiuwegsetzt. Der. Klub hat kein Zutrauen zu dieser Regierung und stimmt gegen das Budget- Provisorium. . Mllerrdors. Das Disziplinarverfahren gegen Sektionschef Bergmimu. Die Ävbenen der DisziP'lnmrkommisiion, die zur Prüfung der -in der Wöllersdorfer Affäre gegen den Sektions-chef Bergmann echobenen Anwürfe eingesetzt wucke, stehen vor ihrem Albschbuß. Wie bestimmt versickert wird, geht Settionschef BergEM a«s bieföm Disziplinarverfahveu voWommen rehabMtierr hervor, da sich keine der gegen ihn gerichteten Beschuldigungen als stichMtio erwiesenhat. Aus aller Welt. Paris, 25. Dezember. (Havas.) Wie die Blätter aus Netv-Aork melden, sind Lei dem Absturzdes Marineflugzeuges b e i Norfolk zwei Insassen ertrunken und zwei andere Lurch den Propeller getötet worden. Paris, 24. Dezember. (Havas.) Der Franzose Conti hat die Schlußrunde der europäischen M e i st ersch aft im Billards piel gewonnen und mit einer Serie von 4 7 7 Punkten einen neuen Weltrekord aufaestellt. Hobart (Oklahoma), 26. Dezember. (Renter.) Ein Brand, der durch eine C h r r ft.b a n m k e r z e verursacht wurde, hat eine Schule zerstört, 36 Kinder sind verkohlt aufgesunden worden. Man befürchtet, daß sich unter den Trümmern noch weitereTodeSopfer befinden. New-Aork, 26. Dezember. (Wofff.) Aus Roanoke in Virginia wird gemeldet: Infolge plötzlichen Bruches eines S t a u d a m m e.s der Kaliwerke von Machiesou im Holston-River bei Sältville überschwemmte eine 100 Fuß hohe Wassermasie die Niederlasiung im Tal. Sie überraschte die Einwohner in den Häusern und Mrte zehn Arbeiterhänser mit sich fort. Sechs Personen find ertrunken, 35 wurden verletzt, neun Personen werden vermißt. $»lag WJiirtS .; -.e l/28 Uhr abends Lj Mi Karten im Bureau des Zionistischen Landeskomitees, I. Bez., Kärntnerstrasse 28 51& Vom altWischen Humor?) Bon Dr. M. Berkowiez. 4. Im Alltagsleben. , Vor den „Weisen Athvns" hatten die Dalnmdlehver, wie wir gesehen haben, vimgen Respekt, so daß sie ihnen auch Disputation zugeschrieben haben, -die mit den Angehörigen anderer Gruppen obgchalten wurden. Und doch waren es gerade Weise aus Athen, die nach Jerusalem Hamen, um -die Weisheit seiner Einwohner, besonders feiner Jugend, auf die Probe zu stellen und sehr häufig vom schlagfertigen Witze derselben abgeblitzt wurden. So sei einmal m Athener nach Jerusalem gokommen und habe dort das Lchrhaus des N. Jochanan b. Sa klar anfgesucht. In Abwesenheit des Lehrers richtete er an di« Schüler verschiedene Fragen, die sie richtig beantworteten. Die Jungen -betrachteten dies aber als müßiger Spiel und schlugen ihm Cim Rätselspiel vor. Wer ein Rätsel nicht lösen kann, dem wird das Lbergewand abgcnommen — ein Vorgang, wie er in dem Buche der „Richter" (Kap. 14) von S-imson und dessen phllistäffchen HochMtsgasten. erzählt wird, wo die Nichllösung eines Rätsels mit Gewändern bezahlt wurde. Der Athener, als Aeltester, sollte «rvt dem Fragen beginnen. Dieser jedoch meinte, sie, als Qrtsheimffche, müßten zuerst fragen. Da gabelt sie ihln eilt Rätsel aus, das er nicht lösen konttie, und st« nahmelt ihm, wie vereinbart wurde, den Mantel weg. Er suchte N. Jochanan auf und fta-gte ihn vorwirrfsvoll, ob es denn bei ihnen Sitte sei, obwem Fremdelt die Kleider tvoMn-chmen? Der Rabbi fragte ihn, ob denn die Jungen ihn: nicht ein Rätsel aufgegvben, das er nicht lösen konnte. Er trug dam Rabbi das Rätsel vor und dieser sagte ihm die Löfu>l>g. Diese übevbrachte er den Jungen .*) Siehe „Wiener Morgen!',eitnng" vmn 30- Roveinber, t? dUbb JJ .tÜSi und er bekam sein Obevgawand zurück. Die Jungen aber kmnten ihm siegesbewußt den ebenfalls in Ratselsyvm gefaßten Satz zurirfm, mit welchem- Snnson die Manen. Philister abgefertigt „Hattet ihr nicht mit einem Kolbe gepflügt, so hättet ihr mein Rätsel gelöst!" . , Ein Athener kam nach Jerusalem. Er traf einen kleinen Jungen, dem er einige Groschen gab mit der Bitte, ihm Käse -und Eier zu kansen. -Der Junge brachte das Gewünschte, und als der Fre-mde ihn fragte, ob der Käse von der Milch aiuer weißen oder schwarzen Ziege sei, sagte, der Kleine: „Du bist älter als ich; zeige du mir z-m-rst. lvelche Eier von -einer Weißen und welche von einer schwarzen Helme sind?" . Ein Athener kam nach JevusaleM. Er ersuchte einen kNnen Jungen, ihnr für einiges Klein-gelb etwas zu bringen, wovon er essen, satt werden und lwch übr-iglassen könnte. Der Jlmge brachte ihm.Salz. Aus die Fr-agtz waixlrm er -denn S-Ä-z gebracht habe, antwortete er: „Du wünschtest etwas zum Esstll, SatHoorden und Uebriglasseu. Dieses Salz reicht gerade für Mahlzeiten, an denen du satt wirst; du kannst davon -auch übriglasscir und auf die R-eise mi-tnehmen!^ Und nicht nur Weife aus Achen zogen vor -den Jun-gen Jerusalems den Kürzeren, sondern auch der . berühmte Rabbi. Josu-a,'der so oft/die Weisen A-chvns besiegte, gestand ein, von niemandem, so abgsff'chr-t worden zu sein, wie von kleinen Mädchen und kleinen.Knaben. Er ging einst «durch ein angobantes Feld. Da fragte ihn ein M.ädHm: „Warum zertrittst du das Feld?" Er sagte, hier sei ein. ausgetretener Weg. Das Mädchen antwortete ihm: „Den Weg haben eben solche Schädlinge wie du ausgetreten!" ■ Er ging weiter urld sah einen kleinen Jungen am Sche-idewe.>p sitzen. Er - fragte ihn, welcher Weg in di« Stadt der kürizeve sei.'Der Inn-g-e zeigt«-ihm: „Dieser Weg -ist kurz aber lang, der andere lang aber kurz." R. J-osua wählte den evsteren. Aus dies ein fand er aber Gärten und nmsrickei-e Anla-a.en di« -den Eingan-a in die Stadt «rschivrrt-en. Er ging zurück und fragte den Knaben, warum er chm einen so schlechten Weg gewiesen. Dieser antwortete: „Du bist ein Weiser -in Israel! Habe-ich dir nicht gesagt, daß der kürzere Wog lang und jener Lang« kürzer ist?" Er ging weiter und-traf einen Jungen, der ein zngedecktes Gefäß in der Hand tru,g. Er ftagte ihn, was er in dem Gefäß trage. Der Junge antwortete: „Wäre es meiner Mutter recht, gekvvselr, daß jeder weiß, was im Gesäß« drinnen ist, so hätte sie wir nicht gcheißen, es Kuzudecken!" .- Er kanr weiter und traf amen Jungem Er fragte chn, ob es in der Stadt gutes Wasser gebe. Der Junge antwortete: „Knoblailch und Zwiebeln (nach deren Genuß jedes Wasser schmecken muß) g-iib-t es hier viel!" Als er endlich vor das Stadttor kam und einen kleines Mädchen vom Brunnen Wasser holen sah, bat -er . es um Wasser.. Dienstbervit sagte die Kleine: „Für dich.und auch für deinen Esel!" Er dankte ihr mit den Worten: „Meine Tochter! Dll handelst wie einst Rebekka gehagelt!" Sie abergab scherzend zurück: „Jawohl, ich habe wie R-ebekka gehandelt, a-ber du hast reicht wie Eli-ez-er (der Rebekka reichlich beschenktes gchandelt!" Die Klugheit der Jerusalems war auch mcherhalb -ihrer Heimat bekannt.- „Ueberall,". erzählt der Midrasch, .„wo sin Jevusalenier hinkam,, wurde er -auf «inen Katheder gesetzt und alle ka-lmn, um seine Weisheit zu hören." Durch eine Anzahl von Ane>ldot-e»l wird diese Behauptung.illustriert. Aus diesen hclben wir folgende interessante Erzählung, die -auch.in an-deren Literaturen Parallelen hat, heraus: Ern M«im aus Ismsalem weilte bei einem Athener, der sein Freund.war, als.Gast und starb dort. Vor seinem Tode übergab er -dem Freunde seine B-avschaft, die er seinem Soh^r« erst daun ansfolgen sollte, tmnn er drei kluge HandlnnMu ausgeführt haben würde. Der Sohn hörte vom Tode seines Vaters, kam in die SiM des Freundes, dessen N-anre er wohi kannte, aber nach Ortsg-ebrauch wollte ihm niemand dessen HanS zeigen. Da sah er «inen Mann mit einem Bund Holz am