Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2101 (25.12.1924)
- Date
- 1924-12-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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-kr.rM Wr«r, Donnersksg Wkttter MomenzettunK. r. Dezember 1924 ttr LottM Äeizmannr in Wien. , Der Präsident btt Zionistischen Weltorganisation, Proftssor Dr. Ehaim Weizmann, wird anfangs Jälmo-r zu Krezem Aufenthalte in Wien e'mtve-sfeu, um am 3. Jämver im Groben Konzerchcmssaal den angeküudigten Vortrag über die Problem c deS Zi onismu s zu Halter Weizslnann hat sich bekanntlich um das Zustandetommein der Valsonr-Deklaratton und um die Amrkei'-nung des Rechtes der jüdischen Nation auf die Errichtung der palästinensischen Heimstätte durch den Völkerbund historische Verdienste erworben. Mit unermüdlicher Tatkraft und unvergleichlicher Hingabe yat Chaim Weizmann insbesondere in den letzten Jahren für das Finanzinstrumont des Ausbaues, den Keren H a j e s s o d, gewirkt und die Judercheit Amerikas ausgerüttelt. Die Note w-eudligke-iteil - des Palästinaausbaues und das Bestreben, die Entwicklung der jüdischen Sicklung in Ewz Israel möglichst zu beschleunigen, haben den Führer der Zionistischen Weltorganisation veranlaßt, mit aller Tatkraft dahin zu wirken, daß alle Freunde des Palästinawerkes. die; sich nicht zur zionistischen Partei bekennen, mit der zionistischen Weltbewegung in der Aufbauarbeit vereinigen. Bedingung für diese von Weizmaun propagierte Zusammenarbeit der Pa.astina.'wunde im aller Welt mit. den Zionisten ist die Anerkennung des nationalen Charakters der jüdischen Siedlung in Palästina. In diesem Sinn hat sich mit ihrem Führer die große Majorität der organisierten Zionisten für die Erweiterung der Jewish Agency ausgesprochen. Weizmann, eine der größten politischen Persönlichkeiten, welche das jüdische Volk hervorgel rächt hat, ist vor einigen Wochen von einer neuerlichen Jnspoktions- und S'udienrvise durch Erez Israel zurückgekehrt. Er wird vor seinem Wiener Bortrage an dem Delegiertentag l :r reichsdeutschen Zionisten in Wiesbaden teilnehmen und sich von Wien zu einer Propagandareise nach der Tschecho-Slowakei begeben, Derne Wiener Bortrage des Präsidenten, der sin faszimerender Redner ist, wird in allen Kreisen der Wiener jüdischen Bevölkerung das größte Interesse errtgsgengebvacht. Tag und Stunde der Ankunft Weizmanns, der vom Direktor des Keren Hajessod, Dr. Feiwel, begleitet wird, sind noch nicht bekannt. Serle 8 Nie Kultusgemrinde Wiener-ReaMt naterftW de» Kere» HajeM »M. Weil st« orthodox ist Das österre'.ck/sche Komitee für den Keren Hajessod sucht Fühlung m.L der. jüdisch?« Kultus.gemei.ndsn gu nehmen und ihre Mitwirkung rder zumindest Förderung bei der überaus dringlichen Arbe.t für Lie.es wichtigste Finanz-'nstrument des Aufbaues zu erlangen. Mil einer ganz merkwürd.gen Begründung hat die jüdische Kultusgemeinde PZieuer-Nellstadt ihr „Tesinteressemrnt" am Keren HaMo.ö bekundet. Ter Wteiter-Nsustädter Kultnsaussch'uß faßte nämlich nach ,/übgeDhrwr Beratung" den nach«stehenden Beschli-uß, den wir im Wortlaut Mitteilen: . T>as Schre-Xrn des Kerm Hajessod vom 21. November 19*4 wird M KeiLitn'lS genommen uno wird beschlossen, daßdie K^'>.-t>uAge,me'..:cke a. s, or thod vx e Gemeinde -nicht in der Lage ist, weder durch materielle noch durch aktive Beihilfe den Keren Hajessod zu u n 1 erstützen,. daß sie es aber jedem einzelnen Kli^>tus.N'idg.>x» ,rck. stellt, sich dazu zu stellen, wie .es ihm paßt. Fürwahr, ein imeressames DoEuruent. Aian kann die Mitwirkung am Keren Hajessod ablchnetl, weil man grundsätzlicher Gegner der Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina ist. (Es gibt allerdings kerne jüdisch e G e m e i n d e a u f d e r g a n z e n W e l t, die biteher eine solche Erklärung abgegeben hätte.) Oder man kann die Förderung der Arbeit für das Fmanzinstrument -der Jewish Agency ablehn-en, weil man sich entschlossen hat, eine der beide'. Institutionen zu fördern, welche selbständig, neben dem Keren Hajess d, für fck Kolonisation in Palästina wirken, nämlich -die J«r oder die Agudah. Aber, daß eine jüdische Gemeinde kund gibt, sie könne die Werbearbeit für den Keren Hajessod in ihrem Territorium nicht fördern, weil sie (na-tü-rlich nur in ihrer Mehrheit) orthodox ist — die'er Besch uß ist wirtlich ein Novmn u-ttd man könnte -ihn belächeln, wenn er N'-cht so traurig wäre. Man muß immerhin staunen, daß die Väter der Jude-ngemeinde Wiener-Neustadt in ihrem „nach abgeführter Beratung" äbgefaßten Antwortschreiben aus die Eingabe des Keren Hajessod wenigstens jedem einzelnen KEtusm Wiede gestatteten, „sich dazu zu stellen, wie es ihm paßt." Die Kultusgenleiwde Wiener-Neustadt steht in ihrer Unduldsamikeit, gegenüber der Arbeit des Keren Hajessod mit die.em demwürdigen Beschluß einzig da. Aeberall lassen die Kultusgemeinden der Keren - Hajessod-Propaganda weitestgehende Förderung angedeihon. Die Kultusgemeinde Linz ist dank der aufklärenden Arbeit der Linzer Freun-de des zionistischen Palästinawerkes darüber hinaus gegangen und hat in das Budget für das kommer.de Jahr eine Zuwendung für den Keren Hajessod aus Gemeindemitt-eln eingestellt. Die Ausgrabungen in Klar Rahum. Aus Jerusalem meldet I. T. A.: Tie „Franziskaner d.s Heiligen Landes", die in den letzten drei Jahren Ausgrabungen in .der Nähe der Synagoge von K'sar Nahum (Tel Hum) am Kinerethsee vcraenommen haben, fanden eine zum Synagogengebäude gehörende Säule, die eine hebräische Inschrift trägt. Wie erinnerlich, entdeckte man vor ewigen Monaten an den Ruinen der Synagoge einen Mäandersries, der die Swastika (Hakenkreuz) bildet, das die Arier als Urgermane sches Zeichen verehren. Das Arbrüsprogramm einer jüdische» vemeinde. Ter Jahresbericht von Tel-Awiw. Soeben ist der Jahresbericht der jüdischen Gemeinde T e l - A w i w, die svtvohl nach, ihrer Entstehung als auch in ihrer Führung und ihren Zielen die jüdische Gemeinde katexochen ist. Was uns an. diesem Bericht besonders cmsprichi, sind nicht die Einrichtungen und Vo.rtehrungen religiöser und ritueller Natur, die selbstverständlich den traditionellen Anforderungen entsprechen, sondern der außerhalb dieser Sphäre liegende Ausgabentreis der Gemeinde, der in mancher Beziehung aucy den jüdischen GLrucinden in der Galuth.als nachahmenswertes Beispiel dienen könnte. Aber selbst in der Behandlung religiöser Fragen zeigt sich ein sozialer Zug. Da ist zum Beispiel die Mazzoth-Versorguug am Pcssach. In Tel-Awiw wird nicht das Hauptgewicht darauf gelegt, an Mittellosen Mazzoth gratis zu verteilen, als vielmehr darauf, daß eine Preisstaffelung in der Weise festgesetzt werde, daß selbst der Mindestbemittelte .in die Lage komme, die Mazzolhs selbst einzukausen. Tie ^Kosten für eine solche Aktion werden aus den Abgaben gedeckt, die von den Bemittelten und Reichen für diesen Zweck eingehoben werden. Ta eine bedeutende Zahl von Gemeindemitgliedertt bisher die palästinensische Staatsbürgerschaft nur aus dem Grunde nicht erworben hat, weil sie die hiefür zu entrichtenden Gebühren nicht aufbringen kann, wurde in das Gemcindebudgct eine Post toott- 156 ägyptische Pfund ausgenommen. Aus diesem Fonds werden die Einbürgcrungsgebühren der Unbemittelten bestritten. Von großer politischer Bedeutung ist der Kampf, den die Gemeindeverwaltung für die Durchsetzungder hebräischen Spracye ün gesamten amtlichen Bericht bisher geführt hat und noch unausgeseN führt. Als vor einiger Zeit die Post- und Tclcgraphenverwaltung in Jerusalem an die jüdische Gemeindeverwaltung von Tel-Awiw eine Zuschrift in englischer Sprache richtete, wurde diese unter Protest zurückgeschickt, weil sie nicht hebräisch oder wenigstens auch hebräisch abgefaßt war. Die Gemeindeverwaltung begnügte sich jedoch nicht bloß mit ihrem Einzelprotest, sondern rief jn einem Rundschreiben an alle jüdischen Gemeinden und Stadtvenvaltungen des Landes diese zu einer geschlossenen Protestkundgebung auf, die auch erfolgte und von Erfolg begleitet war. Interessant ist eine Stelle des Berichtes» aus welcher hcrvorgcht, daß die Gemeindeverwaltung von Tel-Awiw sich auch an jüdischen Aktionen in der Galuth beteiligt. So hat sie sich mit einem ansehnlichen Betrag an den Kosten eines Tenkmals für die an der französischen Front im Weltkrieg gefallenen oft jüdischen Soldaten beteiligt. ' - . mmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm i i T mm Große Huswabl in Persianer-,Krettsckwan;., Zobelfch«, robelmurmel-, Nerzmurmct--. russischen Nskurbtsamu. Lovlenmüntein . zu ttek reduzierten preise». Sportjacken, ,£t, II. praterstras'e 9 VcrbrämnngetcUe und alle Arten Füchse Lömel -er Süßer. Pon Jakob Kransz. - : :y.; 1. Tex tete Sankt M-dderhovn, dessen Sukkothabentener sch .jungst hier erMie. war eine der geheimnisvollen Gestalten, ideren unsere Judei-gasse nicht wenige auszuwe-.sen hatte. Sein plötzliches Austauchen in der Gemeinde, das Dunkel seiner Hevku-nst, das Geheimnis seines Bcriebens, sein Leben als Baäl Teschuba, als Büßer, sein Eheleben und sein Trd: die. gan-'e irdische Laufbahn die'es außcrgelvöhulichm Mensch-enlebens gab dom Volk d:r Judengaffe eine ganze Reihe von Rätseln auf. deren Lösung niemals vollkommen gelang» die aber den Ursioss für eine Anzahl mystischer Leg-nden-abgaben, wie solche nur in jener Uebergangszeit vom Chassidismus über die Austlärungsperiode der Haskala zu dem. bere-its herandämmerndrin jüdischen . Nationalismus i-en-kbar waren und nur m jener Gegend an den AuHüsepfl der Karpathen, wohin alle gr-cßen Bewegungen des östlichen Judsntums stets abgedämpst, verdünnt, ausstrahlten. Lämel bew-'lhute bei der Hausierer'.n Malte „Auf dem Bergt"^ eine Kammer, die ^von ihr bis dahin als Holzschupsen benützb worden war. Sie hätte ihm ganz gut auch den. Wovenühres^zweiten Zimn-.ers algeben köunen, aber Lämel verschmähte.eine menschlichere Behausung. Malte selbst, die iy jungen Jahren ihren Mann bet ören hatte ü-nd mit vier Töchtern als.Witwe zuückblieb/ ging tagsüber ihrem Geschäfte mach. Vormittags hausierte sie die Oberstadt ab, wo die hohe Klerisei ihren Sitz hatte. Hier erwärbiisie von. dein 'M-irtschasiermnen der hohen Geistl'chkeiti um billiges Geld, abgenützte. Kleider, die sie noch am selben' 'Tage' bei - ihwü' Kunden in der Unterstadt, den Stubenmädchen und den Handwerkerfrauen» mit gutem GewinK absetzle. Auch drei ihrer Töchter waren während des Tages' außer Haus.-Tie eine a-ls Weißnäherin, die Hdere als Schneiderin und .die dritte a's Pflegerin. Bloß Kperlst die jüngste'der Her Töchter, die aber gleichfalls schön ä» der-oberen Grenader Zwanziger stand, blieb da. heiA,' um das Haus in.Oddnung zu halten. Malke hatte HÄ ihren guten'Bez'chhungen sowohl in yn als auch im der Christenstadt wiederholt auch Zipert mit einer I guten Stelle versorgt, aber das; large» schwarze Teufelsweib hielt es nirgends Jan^c aus. Rechthaberisch und streitsüchtig, brachte sie es nach kurzer Arbeit in einem. Hause dazu, die Familienmitglieder gegereinan'der zu hetzen.'d.e friedlichsten Nachbarn zu TcL-seinden zu machen. Sie war. eine höllische Herrschevnatur und kennte sich niemals dem Willen, eines anderen untererdnen. Es blieb n:chis übrig, atz Ziperl zu Hause zu halten und ihr die Wirtschaft in!v'r Wohnung zu überlassen. Ta war sie am unge'ährlichsten. : „T^ie Flüche, die sie so an einem Tag allein in der Wohnung in ihrer galligen Streitsucht auHößt. sollen an den Kopsen unserer Feinde zerschellen!" rief Molke in. ihrer Verzweiflung, wenn sie nach Hause kam und Z'perl in.der menschenlerren Me'hnung suchen und schelten hörte. „Ter Mann, der dich bekomimt, Ziperl, kann schon heute auf seinem Gericht liegen und weinen. Auch wenn er dcr größte Verbrecher wäre, müßte er au deiner Seite alle feine Sünden abbüßen und dereinst als reiner Engel in den Himmel fahren." ■ Der tote Lömel, der die Holzkammer bewohnte, hörte diese Auseinandersestul'gen zwischen Mutter und Tochter. In seiner Büßevphauiaisie erbl'ickte er in Ziperl, d-,r „schwarzen Hexe", -sein Weib» das Weib LÜmels des Büßers, das vom Geiste -d:r göttlichen Gerechtigkeit dazu erkoren ist, „selbst dom größten Verbrecher" Buße für seine Sünden durch Mavtem nn-d Qualen empfinden zu lassen. Lämel schwelgte bei dem Gedanken an die Höllenszenen, de ihm Ziperl Tag um Tag, Stunde um Stunde bereiten könnte. Und Ziperl erschien ihm nicht wie ei-ne von bösen Geistern besessene Furie, w'e sie von den Nachbarn bezeichnet wurde, sondern wie eine Heilige, eine von einer höheren Gewa lt auf die Erde ge sandle Engelsgestalt. der die bene'ldenswert-L Ausgabe zufiel, das Werkzeug für die Buße eines schweren Sünd:rs zu sein, die Läuterung [euer sündhaften Seele im Namen der sühnenden Gerechtigkeit zu bewerkstelligen. „Jedem Menschen wird schon bei seiner Geburt auch sein „Slwug", sein Paar bsstimntt, entsprechend semer Würdigkeit und der von der Vorsehung gewollten Rechlsovdwmrg" —- spann Lämel [cijoe ' Gedanken weiter —, „Ziperl ist mein Siwug. Sie wird meine Geißel werden. Sie wird mich büßen lehren, sie wird mich lieben, wie die Knute den nackten Rücken liebt, wie der Schmerz die Erngeweide liebt, m die er sich eingenistet hat..." Ter rote Lämel grinste vor Freude im Borgrnuß der Büßerleiden, Lämel der Büßer war itt Liebe' zur „schwär zen Hexe" entbrannt... Es war am achten Chanukkahabend, das letzte der acht . Qellämpchen verglomm rauchend mit leisem Knistern. Es' herrschte ungewöhnliche Stille im Zimmer, in dem die fünf Frauen in. Scheu vor dem Künder der Wunder und der Heldentaten m graucr Vorzeit stumm Frieden hielten. Auch die Arbeit ruhte,.so lange die Flammenzüngtein ihre Geschichte erzählten. Nun, da die Lichter des Friedens und. der Aufmunterung erloschen 'w-ar-rn, konnte man-wieder an die Arbeit gehen/ Und an don Streit. Ziperl begann auch sofort mit ihren Erlebnissen am Tage herauszurücken, schalt Ihre Schwestern, die des Morgens, wie-noble Damen, ihren Geschäften nachgingen und ihr den ganzen Saustall zgrückäeßen, wie Wenn sie der Dienstbote ihrer Schwestern wäre. Sie lehne es ab, sich noch länger den ganzen Tag für die ganze Familie mit. einem Gesin-del von Nachbar» herumzubalgen, während die Fräulein irgendwo aus der faulen Haut lie-gen und dafür noch bezahlt'werden. Ziperl war es schließlich gelungen, ihre Schwestern aus ihrer Ruhe zu bringen, der Slreit war entfesselt, Ziperl' schrie und flucktte und Äla k?. die „sündige Mutter", sprach wieder einmal ihr Urteil: „Ter Mann,-.der dich beko-mint, Ziperl, kamt schon heute auf dem Gesicht liegen und weinen..." In diesem Augenblick tratschüchtern, gebeugten Hauptes, wie ei-n Bittsteller, Lämel in die Stube. Nur ferne Augen leuchteten, als hätten sie die letzten Morte Ma.kes in sich ausgescgen und-strahlten nun -das umsagbare Glück aus. welches das herbe Urteil über ihre Tochter in -ihm erzeugt hat. Ohne jede Ein eiiung und. ungeachtet -der Uederraschnng der Frauen, denen bei seinem Eintritt das. Stveilwort in der Kehle erstickte, .begann Lamel:. . „Maile, ich will Ziperlheiraten. Sie werdenmir ihre Zustimmung nicht versagen^ we-il Ziperl. mir von Gott